Nr. 260 Erstes Blatt. 151. Jahrgang.
Dienstag 5. November 1001
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Politische Wochenschau.
Angebliche kaiserliche Aeußerungen zu den schwebenden wirtschastlichenFragen wurden dieser Tage in die Oefsentlichkeit getragen und haben, obgleich sie in der Art, luie sie gefallen sein sollten, schon nicht glaubhaft erschienen, doch noch ein offizielles Dementi im „Reichs- anzeiger" hervorgerufen. Danach sind die fraglichen Mit- tellungen „von Anfang bis zu Ende erlogen". Man könnte es. auffällig finden, daß die also charakterisierten Worte nicht iwch näher bezeichnet worden find, da eine ganze Reihe derartiger Kundgebungen mitgeteilt worden ist, z. B- die Bemerlung: „Der Doppeltarif ist Unsinn; Bülow ist auch der Meinung". Indes ist das Zurückgreifen auf Pri- vatgefpräche immer ein Symptom der Unsicherheit der Lage, und man könnte es nur dadurch beseitigen, daß die Regierung ihrerseits über Richtung und Ziel ihrer Politik keine Zweifel aufkommen läßt. Die „Magdeb- Ztg." meint, es könnte in der Stellung, die man in den offiziösen Organen zu dem Zolltarifentwurf jetzt einnimmt, ein amtlicher Unterschied gegen die Erklärungen gefunden werden, mit denen die Veröffentlichung des Entwurfs offiziös eingeleitet worden ist. Damals hieß es, daß weder die Vorschriften des Gesetzes, noch die Sätze des Tarifs unabänderlich festständen; jetzt scheine man aber eine andere Lesart zu haben.
In Frankreich muß wieder mal recht lebhaftes Bedürfnis herrschen, kleine Pfelle gegen Deutschland zuzuspitzen und abzuschießen, um nach altbewährtem Rezept die Aufmertsamleit der Bevölkerung von den innerpolitischen Verhältnissen abzulenken. Der bisherige Berichterstatter des Pariser „Figaro", Bonneson, erzählt anläßlich der „Eidesleistung" des neuen Bischofs von Metz allerlei, was beweisen soll, daß Elsaß-Lothringen im Herzen französisch bleibe. Der Reichstagsabg. Abbe Wetterle, so versichert er, habe ihm eine Darstellung der dortigen Lage zugestellt, woraus sich jene Folgerung ergebe. Das ist aber noch das Wenigste. Der Redakteur eines großen rheinischen katholischen Blattes habe Herrn B-oruieson versichert:„Wir westfälischen (!J) Katholiken würden nichts dagegen haben, von Frankreich annektiert zu werden, wenn es tolerant (?) sein wollte." Herr Bonneson findet dies auch sehr natürlich, denn in dem ehemaligen Königreich Westfalen habe eine dreijährige französische Herrschaft (Jerome!) bewirkt, daß man dort rwch immer im Herzen französisch sei. Herr v- Köller habe zugegeben, daß Deutschland sich in Lothringen einer überlegenen Zivilisation gegenüber befinde. Und „Herr Wagner, der Rektor der Universität Berlin" habe in Gegenwart des Herrn Bonneson gesagt: „Die wirlliche Grenze Deutschlands ist nicht der Rhein (!), sondern die Elbe." Man kann den „Figaro" zu diesem vortrefflichen Berliner Mitarbeiter, der ein Meister darin ist, Thatsachen und Verhältnisse auf den Kopf zu stellen, nur aus vollem Herzen beglückwünschen.
Die Veröffentlichung der Briefe des französischen Generals Voyron an Waldersee sollte augenscheinlich den Beweis liefern, daß Voyron im chinesischen Feldzuge verstanden hat, dem Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen Schwierigkeiten zu bereiten und die Selbständigkeit der Franzosen zu wahren. Deutscherseits dürste man diese Afsaire offiziell ignorieren, da man annehmen darf, daß das Ministerium Waldeck-Rousseau, das der Veröffentlichung dieser Briese schwerlich sernsteht, damit angesichts innerpolitischer Schwierigkeiten eine bequeme Di- version nach außen gemacht hat, um den für die'Deputiertenkammer angelündigten Chinainterpellationen zu begegnen und die Chinaanleihe durchzudrücken.
Gleich Voyron, oder wenn man wlll, gleich dem französischen Ministerium hat sich auch der nur zu wohl bekannte englische Minister Chamberlain in seinen letzten Reden an die Wähler Ausfälle gegen Deutschland gestattet, die von Seiten der deutschen Diplomatie die gebührende scharfe Zurückweisung leider noch nicht gefunden haben, im allgemeinen aber nicht ernst genommen zu werden brauchen, da sie nur Ausflüsse der Verlegenheit über den Krieg in Südafrika darstellen, der freilüch nicht mit der bei diesem Staatsmanns üblichen Großsprecherei zu Ende geht, sondern im Gegenteil den Engländern erst in den letzten Tagen wieder zlvei sehr schwere Schlappen durch Delarey und Botha gebracht hat, an die sie noch recht lange denken werden. Ober ft Ben fonsschwere Niederlage wird selbst in den imperialistischen Blättern Englands als eine der schwersten Katastrophen des ganzen Krieges bezeichnet. Man erwartet in London sensationelle Wendungen. Das Kriegsamt teilt mit, daß in dem Gefecht bei Barkenlaagte noch zwei Offiziere gefallen sind. Ferner ist noch ein verwundeter Offizier gestorben, außerdem sind noch zwei Offiziere verwundet worden. Es verlautet weiter, außer den zahlreichen Verlusten an Toten und Verwundeten hätten noch mehrere hundert Mann die Waffen gestreckt. Die Soldaten seien von den Buren nach Wegnahme der Waffen wieder freigelassen worden. Die Offiziere wurden dagegen zuruck- bchalten, um an ihnen Rache zu nehmen für die Hinrichtung der verschiedenen Burenführer. Es herrscht deswegen in London die größte Aufregung, und es staut sich eine ungeheure Menge vor dem Kriegsamt, um nähere Einzelheiten zu erhalten, ein Blld, wie es aus den ersten Tagen des Krieges noch in aller Erinnerung ist. — Der Kommandant : der Buren in dem Gefechte bei Barkenlaagte ist zweifelns Louis Botha gewesen. Nach den letzten Meldungen befand er sich in der Gegend von Ermelo, und Bethel ist kn der i Nähe dieses Orts. Der „Verfolgte", Gehetzte, der „beinahe" ; schon in englische Gefangenschaft Geratene, dessen Armee sich schon vollständig aufgelöst haben sollte, bringt es trotz- .dem fertig, mit einer Streitmacht von 1000 Mann sich auf > seinen (Gegner zu stürzen und dessen Nachhut zu vernichten. : a§ müssen die englischen Berichte doch über seine .Ver- !
। «Neu anzustellende akademisch gebildete Landivirtschafts- : lehrer fassen das Gelehrte abschnittsweise und systematisch au öffent- ; lichen Vorträgen (auch für Erwachsene) zusammen. Die Ausgaben . für die neu änzustellenden akademisch gebildeten Landwirtschafts- lehrer sind in erster Linie aus bent Kapitel des Hauptvoranschlags „zur Förderung der Landwirtschaft" zu bereiten.'7
Es ist noch nicht allzu lange her, daß Herr Köhler sich an dieser Stelle in der maßlosesten Weise gerade gegen die Vertreter der akademischen Bildung ausgesprochen hat. Die Schlußbemerkung Köhlers in seinem Entwurf lautet wörtlich: „Ich halte die Ausgabe für Ausbildung der Bauern als die . allerwichtigste und notwendigste. Ihr zu Liebe sollten alle anderen ’ Aufwendungen im Landwirtschafts-Etat zurückstehen. Aufs Höchste die Ausbildung des Landwirts in seinem Beruf zu sördern, ist eins 1 der allergrößten Mittel, um den Bauernstand zu erhalten und zu kräftigen. Tenn nur ein intelligenter Bauernstand kann die gegenwärtigen Zeiten schwerster Not überwinden, nur ein intelligenter Bauernstand wird den Ansturni seiner mächtigen Feinde ! aus den Lagern des Handels, der Industrie, der Bureautratic und ; der Sozialdemokratie siegreich zurückschlagen können."
In der viel besprochenen Angelegenheit des Lehrers i. P. : H. Baumann zu Lampertheim hat der 3. Ausschuß nunmehr - Stellung genommen. Zur Orientierung wird zunächst ein : kurzer Abriß des Herganges gegeben. Baumann wirkte an : der katholischen Gemeindeschule zu Lampertheim, zunächst als Lehrer, dann seit 1890 als Oberlehrer bis zu seiner „im ‘ Interesse des Dienstes" 1898 erfolgten Versetzung als Lehrer an die katholische Schule in Hirschhorn. Mit den ihm unterstellten Lehrern Dölcher und Deubler kam es zu Zwistigkeiten und schließlich zum vollständig feindlichen Bruch auf der Amtsstube des Oberlehrers. Auf Anzeige des Oberlehrers bei der Kreisschulkommission Bensheim mit dem Anträge ■ Dölcher und Deubler aus Lampertheim zu versetzen, erfolgte von dieser Behörde Untersuchung der Angelegenheit, und das Resultat derselben war, daß die drei in Streit geratenen Lehrer versetzt wurden. Diese Versetzung sollte nicht den ; Charakter einer Strafversetzung an sich tragen, und daher erhielten die Lehrer keine Kürzung ihres festen Einkommens. Baumann mußte allerdings seinen Funktionsgehalt als Oberlehrer (300 Mk.) einbüßen, da er in gleicher Eigenschaft in Hirschhorn nicht angestellt werden konnte. Er bezog diese Stelle nicht, sandte das Dekret an das Ministerium zurück mit der Begründung, „daß er wegen Krankheit nicht in der Lage wäre, sich dienstlich zu bethätigen." Mehrmals auf- gefordert, seine neue Stelle anzutreten, erklärte er „wegen nervöser Erregung" die Stelle nicht antreten zu können. Es erschien nun eine Broschüre von Baumann, „Aus Notwehr", deren Inhalt die Großh. Kreisschulkommission Heppenheim zu der Erkenntnis der Entlassung aus dem Schuldienste veranlaßte. Sein Rekurs wurde abgewiesen, das Ministerium erkannte jedoch in Berücksichtigung des aufgeregten Zustandes Baumanns nur auf eine Geldstrafe von 100 Mk. Die Stelle in Hirschhorn trat Baumann nicht an, erwirkte Verlängerung seines Urlaubs und ließ sich im Dezember 1899 pensionieren. Nun erschien von Baumann eine zweite Broschüre, betitelt „Herrn Kargs glänzende Rechtfertigung". Auf Grund der in dieser Schrift ausgesprochenen Beleidigungen, insbesondere gegen den Kreisschulinspektor Karg, stellte das Ministerium Strafantrag, und Baumann wurde in eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt, die er im-Gefängnis zu Butzbachs verbüßte. Der Ausschuß muß sich nach gründlicher Prüfung der Akten dahin aussprechen, daß die Regierung dem Wortlaut des Gesetzes entsprechend gehandelt hat, in dem Falle der Bestrafung mit 100 Mk. an Stelle der Entlassung sogar eine wohlwollende Milde hat walten lassen. Gleichwohl bemerkt er in Berücksichtigung der Verhältnisse folgendes: Es ist eine eigentümliche Stellung, die man den Oberlehrern an den Volksschulen einräumt. Der Funktionsgehalt wird nach fünfjähriger Versehung des Amtes pensionsfähig, gleichwohl gehört er nicht zu dem festen Einkommen und kann jederzeit dem Inhaber auf Grund der Widerruflichkeitsanstellung von der Negierung entzogen werden. Man könnte denken, daß eine Probezeit von fünf Jahren genügen könnte, um einem Beamten, der bis zur Ernennung als Oberlehrer schon längere Zeit im öffentlichen Schuldienst Verwendung gefunden, das Damoklesschwert der immerwährenden Anstellung auf Widerruf abnehmen zu können. Der Ausschuß hat den Eindruck gewonnen, daß die untaktmäßigen Handlungen der drei Beteiligten ziemlich gleich bemessen werden können, und muß es deshalb als eine empfindliche Härte bezeichnet werden, daß nur der eine Teil einen um 300 Mk. jährlichen Abzug seiner Einnahmen verschmerzen sollte, während der andere Teil vollen Ersatz derselben fand. Der Ausschuß muß betonen, daß er eine Aenderung in dem Dienstverhältnis der Oberlehrer für dringend geboten erachtet und beantragt, dem Baumann ausnahmsweise eine Erhöhung seiner Pensionssumme um 174 Mk. (58 pCt. von 300 Mk.) zu gewähren. Im übrigen beantragt er die Ablehnung aller weiteren Anträge Baumanns, von dem er schließlich mit schönem Wohlwollen bemerkt: Baumann wird als tüchtig ausgebildet und geschickt bezeichnet. Er ist jetzt erst 46 Jahre alt und könnte noch mehrere Jahre erfolgreich im Lehramt wirken. Der Ausschuß möchte es deshalb der Regierung zur Erwägung anheim geben, ob nicht auf Gesuch des Baumann eine Wiederverwendung im Lehramt stattfinden könnte.
Eine Vorstellung der Kanzleigehilfen bei den Landgerichten betrifft ihre Besoldungs- und Anstellungsverhältnisfe. Darin heißt es: Im Jahre 1898 wurde die Anstellung von je drei Kan-listen bei den Landgerichten Darmstadt und
fvlgung" zusammengelogen haben! Höchstwahrscheinlich sind die englischen Truppen wieder in üblicher Weise in eine i Falle gegangen, die ihnen die Buren gestellt haben. Näheres i wird man hoffentlich bald erfahren. Wir sind gespannt ' darauf, was Joe Chamberlain nun wieder reden wird. ’ Die Antwort Bothas auf seine jüngste Ankündigung noch r „strengerer Maßregeln" hat er weg.
Ob der englische König Edward krebsleidend ist : oder nicht, vermag man leider trotz aller Dementis und : Wiederholungen bon Meldungen nicht klar zu erkennen. : Nicht minder fraglich erscheint es zur Zeit noch, ob der Plan der niederländischen Hafenarbeiter, England mit einer : neuen Kontinentalsperre zu verfolgen, ins Werk gesetzt wer- ; den kann; sie haben zwar in verschiedenen Hafenstädten des europäischen Festlandes schon Zustimmungen und Zusagen - erhalten, doch steht diese entschieden sehr gut gemeinte, : aber schwer durchführbare Sache noch in weitem Felde.
Uebrigens beginnt sich in England selbst mehr und mehr die Erkenntnis Bahn zu brechen, daß man sehr übel beraten war, als man die Politik einleitete, die den Krieg in Südafrika herbeiführte. John Morley geißelte diese Politik in einer Ansprache an seine Wähler in Arbrouth auf das Heftigste und sagte, der Krieg arte in einen Vernichtungskrieg aus und erzeuge eine eiternde Wunde im Fleische der Kapkolonie. „Wäre es nicht endlich an der Zeit", fuhr er fort, „andere Schritte zu ergreifen, als alles in Südafrika^ den Truppen zu überlassen? Hinsichtlich der zerrütteten Finanzen und des geschwächten Ansehens Englands in Eurwpo sollte die Regierung nicht länaer mit verschränkten Armen dasitzen, sondern der gefährlichen Lage des Landes ein rasches Ende setzen."
Unter dem Eindruck der neuesten Hiobsbotschaften dürfte die Bewegung gegen die Ehamberlain'sche Politik noch stärkeren Boden gewinnen.
Die beabsichtigte Flottendemonstration Frankreichs, um von der Türkei die reklamierten Beträge in möglichst kurzer Zeit zu erhalten, soll, wie am Samstag gemeldet wurde, durch in letzter Stunde vom Sultan abgegebene Vorschläge sich erledigt haben, man meldet aber jetzt aus Paris, es verlaute, daß mit der durch den letzten Depeschen wechsel zwischen Paris und Konstantinopel erledigten Geld-Afsaire Lorando itod) nicht alle französischen Forderungen erfüllt sind. Die Türkei, das ist die Anschauung der französischen leitenden Kreise, schulde noch Genugthuung für die dem Botschafter Constans widerfahrene Behandlung. Das französische Geschwader werde nicht heimkehren, ohne für Frankreichs Prestige im Orient etwas wesentliches errungen zu haben. Am Samstag besuchte der erste Sekretär der türkischen Botschaft in Paris den Minister des Aeußern, Del- casse, und teilte ihm amtlich mit, daß der Sultan die Forderung Lorandos, sowie die übrigen Forderungen sofort erledige, wenn das ftanzösische Geschwader zurückgezogen werde. Darauf wies Delcasse den Botschaftsrat Bapft an, den Sultan zu fragen, was für Garantien für die Erfüllung des Versprechens gegeben würden. Der Ausgang der Streitsache ließt jetzt gänzlich beim Sultan. Es besteht wenig Wahrscheinlichkeit, daß eine befriedigende Antwort den Minister Delcasse zeitig genug erreicht, um ihm zu ermöglichen, die dem Admiral Caillard gegebenen Instruktionen zu widerrufen. Die Division Caillard ist jetzt unterwegs und die französische Regierung wird sie wohl auch nicht mehr zurückberufen, und sich nicht mit den unbestimmten Versprechungen der Pforte oder des Sultans beruhigen, die bekanntlich selten gehalten werden. Wie überdies verlautet, wird die ftanzösische Regierung die Anwesenheit ihrer Schiffe in den türkischen Gewässern dazu benutzen, um noch verschiedene andere strittige Punkte mit der türkischen Regierung zu regeln. Es handle sich natürlich nicht um eine Gebietsabtretung, noch irgendwie die orientalische Frage wieder zu eröffnen, sondern man will nur einer Wiederholung von Vorgängen vorbeugen, die „dem Rechte und der Würde Frankreichs widersprechen." Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der Sultan in aller Eile den Eingang der Dardanellen sowie die Häfen von Saloniki und Smyrna habe besetzen lassen. Da eine Landung französischer Truppen möglich scheine, seien unterseeische Sprengminen gelegt und die Truppen inobil gemacht. Im ganzen türki- chen Reiche mache sich eine heftige franzosenfeindliche Bewegung bemerkbar, und man hege für die in gewissen Städten lebenden Franzosen starke Befürchtungen. Der „Gaulcsts" veröffentlicht eine Unterredung mit einem hohen Beamter: des Marineministeriums, der erklärte, daß Caillard sehr strenge Weisungen erhalten habe, die er'genau ausführen werde. Für den Fall, daß eine bloße Flottendemonstration wirkungslos bleiben sollte, würde man die Kanonen sprechen lassen. Der „Matin" läßt sich aus London melden, der türkische Finanzminister werde in Kürze eine Anleche von 2 Mill. Pfund aufnehmen, um Lorando und Tubini zu befriedigen und der Ottomanbank Zahlung zu eisten.__________________________________________________
Parlamentarisches ans Hessen.
Der Abg. Köhler-Langsdorf hat zu seinem Anträge betreffend Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschulen zu Ackerbau-Vorschulen der zweiten Kammer den Entwurf eines Lehrplans, „der seine Entstehung der guten Gesinnung und dem Eifer einiger Volksschullehrer verdankt," vorgelegt. In der Einleitung dazu macht Köhler darauf aufmerksam, „daß ein tüchtiger Bauernknecht oder Viehschweizer über bedeutend mehr Kenntnisse und praktische Fähigsten verfügen muß, als ein Durchschnitts- । Fabrikarbeiter," und will „diesen — oft der Landwirt- . chaft und ihren Betreibern feindlich gesinnten — Kreisen die Rückkehr aus den unsicheren Bezirken der Exportindustrie zur < Mutter Erde einigermaßen erleichtern helfen." In seinem 1 Lehrplan-Entwurf sagt Herr Köhler u. a.:


