F5 Der ReiNskanzl^r begab sich heute mtt dem Wirkt. Legationsrat Rücker-Jerrisch! für einige Tage von Flott- beck nach Preetz, Ende der Woche gedenkt der Reichskanzler nach Berlin zurückzukehren.
Tier Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung dem zuständigen Ausschuß beiti Antrag Bayerns wegen Einführung des GYmnasinlrerfez eugnisses als. Vorbedingung der tierärztlichen Studiums, r-, Der „Reichsanz." veröffentlicht heute eine China- Verlustliste Nr. 19. Nach derselben sind auf der Heimreise an &rb der „Batavia" an der Ruhr zwei Mann ge- stprben, cun Typhus fünf Mann. An Bord der „Neckar" ist auf der Heimreise ein Mann am Typhus gestorben, im Hospital' zu Aden drei Mann, im französischen Hospital zu Suez zwei Mann am Typhussiebeö, im Barackenlazarett zu Bremerhaven zwei Mann am Typhus, ein Mann an der iRuhr, an Bord der „Silvia" ist ein Mann an Lungenentzündung gestorben, im englischen Hospital zu Colomba ein Mann an Zknochenvereiterung am Becken; ferner ist noch ein Krankenwärter gn Blinddarmentzündung und Typhus geshorben.
— Wie die „Germania" berichtet, werden von der Obqrpostdirektion in Posen schön seit mehreren Jahren junge Männer, wenn sie katholisch sind, auf ihre Gesuche um Aufnahme als Beamte oder Unterbeamte, einer bestehenden Anordnung entsprechend, sämtlich ohne weiteres abschlägig beschieden. (?)
Karlsruhe, 4. Okt. In einer von 4000 Wählern aller Parteien besuchten Versammlung sprach Reichstagsabg. Korsch mit Schärfe gegen die Sozialdemokratie und erklärt, "das Karlsruyer Kompromiß der Freisinnigen mit den Nationalliberalen sei lediglich! lokaler Natur. Im Reichstag kämpften die Freisinnigen Schulter an Schulter mit den Demokraten. Der Kompromiß richte sich lediglich gegen die Sozialdemokratie. Der sozialdemokratische Kandidat Katzenstein wendet sich gegen Bassermänn', der sich siebenmal vor dem Zentrum verbeugt habe, um es zu gewinnen, und gegen Kopsch, der in Knüppelmanier gegen die Sozialdemokratie gesprochen habe. 'Die Rede findet lebhaften Widerspruch und Mrmischen Beifall. Unter lautem Protest wendet sich Kvpsch gegen die gegen die Freisinnigen gerichteten'Angriffe, wird aber durch lauten Lärm unterbrochen und muß abbrechen. Der Vorsitzende schließt die Versammlung ohne den demokratischen Redner, der sich schon zu Beginn der Versammlung gemeldet, zu Worte kommen zu lassen. Unter großer .Erregung geht die Versammlung auseinander.
München,' 3. Okt. Kämm er der Abgeo rdneten. Heim begründet dieJnterpellationdesZentrums über die Stellung der bayerischen Staatsregierung zum Zolltarif. Miuisterpräsidet 'Graf Crailsheim erwidert, die bayerische Regierung sei stzets bestrebt, der Landwirtschaft in ihrer schwierigen Lage zu helfen; dazu gehöre auch, 'die Gewährung verstärkten Zollschutzes, Die Er- h öchu n g der landwirtschaftlichen Zölle finde jedoch ihre Grenze in der Rücksichtnähme auf die Gesamtheit der Konsumenten sowie auf die Möglichkeit des Abschlusses, . langfristiger Handelsverträge. Der neue Zolltarif-Entwurf sehe einen nahmhast erhöhten Zollschutz für landwirtschaftliche Erzeugnisse vor. Für solchen Zollschutz werde die bayerische Regierung eintreten. Der Minister legt sodann die Gründe dar, die gegen die Forderung eines gleichen Zollsatzes für alle Getreidearten sprechen. Redner betont, daß eine allzu große Erhöhung des Hopfenzolles eine gewisse Gefahr für den bayerischen tzopsen- export mit sich bringe, und warnt im Interesse der Bier- brauindustrie, speziell auch der kleinen Bierbrauer, vor einer übermäßigen Erhöhung des Gerstenzolles. Finanzminister Frhr. v, Ri ehel äußert sich in gleichem Sinne. In der Besprechung der Jnterpellafton fordern alle Redner des Zentrums und des, Bauernbundes höhereHopfen-und Gerstenzölle. Minister Frhr. v. Feilitzsch erklärt, daß die bayerische Regierung im Bundesrat beantragen werde, die bisherige Begünstigung für die Grenzbewohner bezüglich der Einfuhr von Zucht- und Nutzvieh fortbestsehen zu lassen oder mindestens eine fünfjährige Ueber- gangsfrist zu gewähren.______' ____________
Ausland.
Londön, 3. Okt. Ein Telegramm von der Dscher- bä -Insel, an der kleinen Syrte, besagt: Ein von Da- merghu eingetrofsener Kurier berichtet über die in der Nähe jenes Platzes nach heftigem und blutigem Kampfe durch die Tu ar eg s erfolgte Wegnahme einer mit 1500 Lasten Elfenbein, Straußenfedern und Decken beladenen tripolitanischen Karawane, deren Wert auf 50000 Pfund Sterling geschätzt wird. 'Die französische Besatzung von Zinder schickte 200 Meharis zur Verfolgung der Räuber ab.
Rochefort (Belgien), 3. Okt. Prinz Albert von Belgien war am Sonntag in Eoquettevrlle und dort Gegen- - and einer großen patriotischen Arbeiterkund- e b u n g. 18 000 Arbeiter aus allen Teilen der Provinz 'Jtamur machten einen Umzug durch die Stadt.
Paris, 3. Okt. Admiral Lefevre hat gleichfalls sein ‘ Amt als Mitglied des Ordensrates der Ehrenlegion niedergelegt. — Davoust ist hauptsächlich wegen eines Zwistes mit dem Justizminister seines Amtes enthoben. Er soll im Briefe an Loubet sich über die Mitglieder der Regierung in nichtparlamentarischen Ausdrücken ausgelassen haben. Außerdem herrschen zwischen Davoust und dem Minister des Auswärtigen ebenfalls Meinungsverschiedenheiten.
— Die im „Figaro" veröffentlichten „Gespräche mit Felix Faure" erschienen heute in Buchform. In der Einleitung kommt der anonyme Verfasser auch! auf den Tod des früheren Präsidenten der Republik zu sprechen. Er hebt hervor, daß ein Freund überzeugt ist, daß der Tod infolge Vergiftung durch Cyancali verursacht wurde. Dieses Gift konnte nur durch eine Zigarre eingenommen werden.
Budapest; 3. Okt. Im Piuczehelyer Wahlbezirke griffen Anhänger, des Kaglaus l^ücs die Gendarmen an, verhöhnten sie und bewarfen sie mit Steinen. Tie Gendarmerie schaß; vier Tote und zahlreiche Verwundete blieben auf dem Platze.
v New-Äjork, 3. Okt. Johann M o st wurde heute vom Gerichtshöfe freigesprochen, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er in seinen Reden Aufteizungen begangen hat.
Peking, 2. Okt. Telegpamme, die chinesische Beamte MA Smganfu erhalten haben, melden: Der Ho trrsft ferne Vorbereitungen, um am 6. Oktober oder so bald als möglich nach diesem Datum abzureisen. Der Palast von Smgansu wird niedergerissen werden. Mehrere tausend Pferde und Maulesel sind vom Lande ringsum .für den kchMicherr. Zug regurriext worden,. Die Beamten
d'er Städte, die der Kaiser passieren wird, sorgen für Aus- tattung der Gebäude, welche dem Kaiser zeitweilig als Paläste dienen werden. Ein kaiserliches Edikt bestimmt, daß Li-Hung-Tschang als Gouverneur' von Tschili 700 000 Taels von den anderen Provinzen borgen soll für die Ausgaben des Hofes auf der Reise. — Bezüglich der zahlreichen Reformedikte, die kürzlich veröffentlicht worden sind, versicherte heute Prinz Tsching in einer Unterredung mit remden Beamten, die Kaiserin-Witwe und der Kaiser seien einig über die Notwendigkeit einer Aenderung des chinesischen Regierungssystems, es würde sofort nach der Rückehr oes Hofes zur Durchführung der bett. Reformedikte geschritten werden. Ohne Frage ist die Reformbewegung in China in den oberen Klassen stärker als je zuvor.
Aus Stadt und Land.
। Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 4. Oktober 1901.
•* Schulhans-Neubau. In der Stadtoerordnetensitzung oom 3. Oktober führte Bürgermeister Mecum zur Begründung des Antrages betr. Beschaffung weiterer Raume für die Volksschule, sowie für die höhere und erweiterte Mädchenschule etwa folgendes aus: Die Stadtverordneten-Versammlung hat Ende März d. I. be- chlossen, für die neu zu erbauende Volksschule einen Platz in der Nähe der Wiesen st raße in Aussicht zu nehmen. Die darauf angestellten Bodenuntersuchungen haben ergeben, daß nach der Beschaffenheit des Baugrundes für ein so schweres Gebäude wie eine Schule größere Kosten für eine sichere Fundamentierung aufgewendet werden müßten. Auch steht das Grundwasser in dieser Gegend ziemlich hoch. Wenn ich auch keine Bedenken tragen würde, leichtere Gebäude, wie Wohngebäude oder Villen, dort zu errichten, so möchte ich doch nicht ein so schweres Gebäude wie eine Schule dorthin 'teilen, wenn es nicht unumgänglich notwendig ist. Dazu kommt der Umstand, daß das Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule zu klein ist und zur Zeit im Interesse des Unterrichts zwei Klassen geteilt werden müßten, wenn die entsprechenden Räume vorhanden wären. Herr Direktor Stoeriko hat deswegen vorgeschlagen, das Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule in der Richtung nach der Nordanlage zu verlängern. Dadurch würden in jedem Geschoß zwei Räume, im Ganzen also echs Räume, gewonnen werden, nämlich je ein größerer und ein kleinerer, weil bei der Verlängerung des Gebäudes auch ein zweites Treppenhaus angelegt werden müßte. Da auch die Sammlungsräume und die Aufenthaltsräume für die Lehrer und Lehrerinnen unzulänglich sind, würde ein Teil dieses Anbaues für Verbesserung dieser letzgenannten Räume erforderlich sein und bei der günstigen Einteilung würden durch diesen Anbau neue vier Klassenräume gewonnen. Von diesen vier Räumen würden zwei sofort besetzt sein, sodaß die Stadtverwaltung bei dem ständigen Zunehmen der Schülerzahl in einigen Jahren wieder vor der Notwendigkeit stehen würde, weitere Räume für die höhere und erweiterte Mädchenschule zu schaffen. Durch einen derartigen Anbau würde auch der Spielplatz, welcher schon jetzt infolge einer ungünstigen Form für den jetzigen Schülerbestand kaum ausreicht, zu klein werden, wovon sich die Herren wohl bei der Besichtigung am Dienstag überzeugt haben. Eine zweite Möglichkeit zur Abhilfe wäre die, daß das jetzige Gebäude der höheren Mädchenschule allein überwiesen und für die erweiterte Mädchenschule ein Neubau errichtet würde. Dies würde den Nachteil haben, daß für jede dieser beiden Schulen ein Zeichensaal, Turnhalle, Sammlungsraum und Aufenthaltsräume für die Lehrer, Konferenzzimmer usw. beschafft werden müßten, während diese bei der jetzigen Kombination der beiden Schulen gemeinschaftlich sind. Aber nicht nur die Anlagekosten, sondern auch die Betriebskosten würden bei einer solchen Teilung erheblich wachsen, indem zwei Direktoren und zwei Schuldiener erforderlich sein würden und auch die Verteilung des Lehrpersonals auf beide Schulen, wie jetzt, nicht mehr möglich wäre, indem jetzt dieselben Lehrer und Lehrerinnen Unterricht an beiden Schulen erteilen, was bei einer Teilung nur dann geschehen könne, wenn beide Schulen sehr nahe beisammen liegen. — Nach Erwerb des Plochschen Grund - stucks bin ich auf den Gedanken gekommen, ob es nicht möglich sein würde, das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule fürZwecke derVolksschule zu benutzen und für die höhere und erweiterte Mädchenschule einen Neubau zu errichten, welcher aus absehbare Zeit dem wachsenden Bedürfnis genügt. Die jetzige höhere und erweiterte Mädchenschule bietet mehr als ausreichenden Raum für eine 16klassige Volksschule, während das Plochsche Grundstück für einen Neubau für die höhere und erweiterte Mädchenschule vorzüglich! geeignet scheint. Die Oberlehrer der Volksschulen haben das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule für durchaus geeignet erachtet, und die Herren werden sich bei der Besichtigung am Dienstag ebenfalls hiervon überzeugt haben. Ich habe mit Herrn Direktor Stoeriko vorläufig ein Programm für diesen Neubau aufgestellt, wonach statt der jetzt vorhandenen 18 Klassen 29 Klassen in dem Neubau unterzubringen sind, außerdem manchen anderen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann, welche in dem jetzigen Gebäude wegen Mangels an Raum nicht beftiedigt werden können. Aus der ausliegenden Grundriß-Skizze werden die Herren ersehen, daß der Garten des Plvchschen Grundstücks sich für diesen Neubau vorzüglich eignet und auch, wenn dieser Neubau einmal dem Bedürfnis nicht mehr genügen sollte, eine Vergrößerung möglich ist Tie Beschaffenheit des Baugrundes in der Nähe des Schvor- grabens ist allerdings noch nicht genau bekannt, da der Grundstück erst am 1. Oktober in unseren Besitz übergegangen ist Ich gehe aber von der Annahme aus, daß der Baugrund in der Nähe des Schvorgrabeus nicht schlechter sein wird, als bei der Stadtknabenschule, da beide Gebäude gegen den Schoorgraben annähernd die gleiche Lage haben. Bei dem Neubau würde auch nut ein verhältnismäßig kleiner Teil des Gebäudes nahe an den Schoorgraben heranrücken, die beiden, den Hof.umschließenden Flügel jedenfalls au guten Baugrund gestellt werden können. Der Schulvorstand, das Kuratorium der höheren und erweiterten Mädchenschule und die SckMldeputation haben sich mit dem Plan eingehend befaßt, und die Schyldeputation empfiehlt Ihnen folgenden Beschluß: "
„Man nimmt Kenntnis von den Mitteilungen des Herrn Bürgermeisters, wünscht jedoch, daß vor definitiver Antragstellung erst noch Ermittelungen üher die Be
schaffenheit des Grund und' Bodens angestellt werden, ist' aber sonst int Prinzip damit einverstanden, daß für die höhere Und erweiterte Mädchenschule ein Neubau auf dem Plochschen Grundstück errichtet, die Stadtmädchenschule in das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule verlegt und das jetzige Schulhaus der Stadtmädchenschute zum Bezirksschulhaus verwendet werde."
Dieser Beschlußentwurf wurde nach kurzer Debatte ein* ftmmig genehmigt.
** Die Hessische Anwäliskammer hält die heurige Jahresversammlung am 5. Oktober in Mainz ab. Auf der Tagesordnung stehen außer dem üblichen Jahresund Rechnungsbericht die Frage des anwaltlichen Verkehrs mit dem verhafteten Angeschuldigten und die Frage der Akteneinsicht in Strafsachen,'zwei Punkte, bezüglich welcher )ie Rechte der Verteidigung in den letzten Jahren nicht immer genügend berücksichtigt worden sind. An die Beratungen, die um einhalb 12 Uhr im Justtzgebäude in Mainz beginnen, schließt sich ein gemeinsames Mittagessen an.
** Schulbesuch. Das Schulministerium in Darm- tabt bat artgearbnet, daß Kinder von bayerischen Staatsangehörigen, sobald sie in Hessen die Schule besuchen, acht Jahre darin zu verbleiben haben. Auch der Besuch >er Fortbildungsschule bleibt für drei Jahre obligatorisch Selbstverständlich findet diese Anordnung auf solche Zuziehende keine Anwendung, die in Bayern bereits mit dem 13. Jahre zur Entlassung gekommen sind.
*• Werningsche Kriegsfestspiele. Die hiesigen Militärvereine veabsichtigen, wie wir bereits vor einiger Zeit mitteilten, in der Zeit vom 1.—10. November die überall mit großer Be- geistenlng aufgenommenen Werningschen Kriegsfestspiele in unserer Stadt zur Aufführung zu bringen. Diese Veranstaltungen bringen jene ereignisreiche, folgenschwere Zeitperiode, jenen Markstein in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Volkes in plastischer Weise zur Darstellung, sie erfassen mit unwiderstehlicher Macht die Seele jedes Vaterlandsfreundes, eröffnen namentlich dem jüngeren Geschlechte Verständnis für die,großen Thaten von 1870/71 und stärken den Patriotismus : und nationalen Sinn. Der alte Krieger, der am Feldzuge ^genommen, und jeder andere, der den Verlauf des Krieges mit fieberhafter Spannung verfolgt hat, wird in fesselnder Weise in diese denkwürdige Zeit zurückgeführt, deren hauptsächlichste Momente in ihrer charakteristischen Schärfe festgehalten worden. Zur Darstellung bei diesen Kriegsfestspielen, deren Wirkung durch eine entsprechende Musik nicht unbedeutend gehoben wird, sind etwa 150 Herren, Damen und Kinder erforderlich, und die zu dieser großartigen Veranstaltung gewählten Ausschüsse haben bereits umfassende Vorbereitungen । getroffen. Den Damen und Herren, die bei den Festspielen mitwirken, sei mitgeteilt, daß nur zwei Proben den öffent- ichen Vorstellungen vorangehen. Auswendig ist nichts zu 1 ernen. Das ganze Festspiel besteht nur aus lebenden Bildern. Das Komitee beabsichtigt in nächster Zeit einen Aufruf ergehen zu lassen, und es werden alle Damen und Herren, die sich in den Dienst der guten Sache stellen und bei dem vaterländischen Festspiele mitwirken wollen, höflichst ersucht, ich zu melden. Die Werningschen Kriegsfestspiele erzielten in den letzten Monaten in Schlesien kolossale Erfolge. Ueberall wurde das Festspiel mit jubelndem Beifall ausgenommen. Der Andrang in den einzelnen Städten war so gewaltig, daß manchmal Hunderte abgewiesen wurden, die keinen Platz bekommen konnten. In Oels fanden 16 Vorstellungen statt, in Brieg 19, in Schweidnitz 18 Vorstellungen. Auch in Mainz, Darmstadt, Essen a. d. R., Hannover rc. rc. sind' große Erfolge erzielt worden. In allen Städten mußten die in Aussicht genommenen Spieltage infolge des großen Zudranges vermehrt werden. Die Werning'schen Kriegsfestspiele ind seit 7 Jahren in über 300 Städten Deutschlands aufgeführt worden, und cs wurde insgesamt ein Reingewinn von 260 000 Mk. erzielt. Dieser enorme Betrag ist ohne Abzug wohlthätigen und patriotischen Zwecken zugeführt worden. — In der gestern abend in dem Feidel'schen Restaurant „Bavaria" abgehaltenen Sitzung des Preßausschusses unter Vorsitz des Herrn Amtsrichters Wiener wurden mannigfache Beschlüsse gefaßt, in welcher Weise das Interesse von Schulen, auswärtigen Militärvereinen rc. angefacht werden könne, und mitgeteilt, daß dem Ehrenausschuß zur Veranstaltung der Spiele folgende Herren beigetreten sind: Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold, Oberst v. Dewitz, Kommerzienrat Emmelius, Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Kommerzienrat Koch, Landgerichtspräsident Kullmann, Kreisschulinspektor Professor Dr. Lucius, Bürgermeister Mecum, Bezirkskommandeur Major v. Mosch, Pfarrer Dr. Naumann, Realgymnasialdirektor Prof. Dr. Rausch, Gymnasialdirektor Prof. Dr. Schädel, Postdirektor Schäfer, Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, Eisenbahndirektor Schobert und Direktor Dr. Störiko. — Wir werden über den weiteren Verlauf der Vorbereitungen zu dieser außerordentlichen und allseitig unterstützenswerten Veranstaltung unsere Leser regelmäßig unterrichten.
•* Der Verband Gabeltberger Stenographen des Main- Rheingaues und von Hessen-Nassau hält bekanntlich am Sonntag den 6. Okt., vnrmittags 10 Uhr, in Steins Garten die Herbstvertreterversammlung ab, in der als wichtigster Punkt die Festlegung der Ordnung für das Wettschreiben und das Preis-Richtig- und Schönschreiben zur Beschlußfassung gelangen wird. Der Vertreterversammlung folgt die akademische Feier des 40. Stiftungsfestes des hiesigen Gabelsberger Steno- graphen-Vereins. (S. Anzeige.)
*♦ Eine praktische Einrichtung, die geeignet, fordernd auf den Besuch unseres Stadt-Theaters emzuwrrken, hat die Firma' Markus Bauer hier, Kirchenplatz 11, getroffen. An Stelle der sonst üblichen Rabatt-und Gutscheine auf Waren aiebt die Firnra m diesem Winter zum erstenmale ihre Kundschaft bei jedem 2ia°r» Einkauf in Höhe von Mk. 20 ein Theater-Brllet 1. Parkett. Allch über kleinere Beträge erhalten die Käufer Bons, die zusammcngc- legt und gegen Theater-Billete umgetauscht werben können.
•* Herr Köhler-Langsdorf. Die unerhörten Schmähungen, die der Bürgermeister Köhler-Langsdorf in dem von uns gestern wiedergegebenen charakteristischen Schreiben öffentlich auszusprechen sich nicht scheute — er hat ausdrücklich um dessen wörtlichen Abdruck uns zu bitten den Mut gehabt — haben- wie wir voraussahen, einen Sturm der Entrüstung in allen Schichten der Gesellschaft verursacht. Jetzt weiß unsere, wie Herr Köhlex meint, von anderer Seite „aufgehetzte" Leserschaft in Stadt und Land;, welche Anschauungen und Formen ihr Vertreter im Reichs-


