Wurstwaren, sowie Fische bestimmt wird. Dom kommenden Sonntag an müssen also hier die Metzgerläden sowie die Geschäfte, welche mit Fleischwaren oder Fischen handeln, abends geschlossen bleiben. Diese behördliche Verfügung ist um so bedeutungsvoller, als sie nicht etwa so zu verstehen ist, als lob nur die betreffenden Laden geschlossen bleiben müssen, sondern es ist auch ein Bedienen der Kunden durch Austragen in die Häuser während der Nachmittag- und Abendstunden nicht mehr erlaubt.
D. Mainz, 3. Okt- Wie wir zuverlässig hören, kommt in Kürze das Verbot der Benutzung einer Reihe vordem bestandener Sonn tags kart en und Gesell schafts- fahrkarten für die hessischen Strecken des Eisenbahn- Direktionsbezirks Mainz wieder in Wegfall.
E. Wetzlar, 3. Okt. Der Strommeister Schüler hier feierte am 1. Oktober sein 50jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlaffe ihm mancherlei Ehrungen von staatlichen und städtischen Behörden, früheren Vorgesetzten u. s. w. zu Teil wurden. Der König verlieh dem Jubilar das Kreuz zum allgemeinen Ehrenzeichen mit der Jahreszahl 50.
Frankfurt, 2. Okt. 'Der Sultan von Johvre ist nach kurzer Abwesenheit wieder nach Frankfurt a. M. zu längerem Aufenthalt zurückgekehrt. Er wohnt hier in der prachtvoll gelegenen Villa „Singapore" des Herrn Katz, bei dem schon vor Jahren des jungen Sultans verstorbener Vater mehrere Monate Wohnung genommen hatte. Katz ist für die Aufnahme der exotischen Gäste gut eingerichtet. In seinem mit verschwenderischem Luxus erbauten Hause ftnden sie alle Bequemlichkeiten und können, wie man sagt, jederzeit dort auf ihre Facon selig werden. Weiche, schwellende Lager, indische Waffen und Kostbarkeiten, Wintergärten und das beliebte flache Dach, auf dem sich Kinder jener tropischen Lande so gern aufhalten, bieten dem jungen Sultan und seinem zahlreichen Gefolge angenehmste Rast und Unterhaltung, und da Katz und seine Famrlie perfekt malayisch sprechen, so fühlt „His Highneß" sich bei seinem Gastsreunde ganz wie zu Hause. Der Sultan, eine schöne, schlanke Erscheinung, dessen hellbraune Gesichts- arbe verrät/ daß ein Weißer unter seinen Ahnen sich be- unden habe ■>-. sein Großvater ist ein Norweger gewesen *— : st keineswegs von England mit Gold für die Rechte auf ein Land abgefunden worden, im Gegenteil: Johore ist eins der wenigen Fürstentümer, die sich, allerdings unter englischer Oberherrschaft, ihre Selbständigkeit bewahrt haben. Der Sultan" ist ein reizend liebenswürdiger, ungebunden lustiger Herr. Seine große Vorliebe für schöne Pferde ist bekannt; es sind viele edle deutsche Rosse bereits von Frankfurt aus nach seiner Heimat ab gesandt worden. Bewunderungswürdig ist die Eleganz und Sicherheit, mit der er seinen famosen Viererzug kutschiert und glatt durch das bewegte Straßenleben Frankfurts durchzuführen versteht. Aber auch schönen Frauen ist oer junge ritterliche Fürst, der Sitte seines Landes gemäß, sehr zugethan. Im «Theater sieht man ihn häufig in Begleitung hübscher Künstlerinnen, für die er stark inkliniert. Seine Kleidung ist europäisch, aber stets mit viel Brillanten, die besonders in Form kostbarer Westenknöpfe auffallen, geziert. In seinem Hofstaat nehmen die „yellow Count", wie er von Fernerstehenden genannt wird) Graf Mahomet, ein liebenswürdiger Malaye, und Sir Kempel-Kerr, ein geborener Engländer, die Hauptstellen ein. — Die Geschäfte verdienen viel an dem exotischen, freigebigen Fürsten, dessen frohe Devise, die schon aus seinen lach,enden, schönen Augen 'herausstrahlt, lauten soll: „Leben und leben lassen!"
Vermischtes.
• Giftmord oder Selbstmord? Der geheimnis- volle Tod des Agenten Löffler in Berlin ist bisher nicht mit voller Sicherheit aufzuklären gewesen. Die Kriminalpolizei rechnet noch mit der Annahme eines vorsätzlichen Mordes, und hatte den Kaufmann T., einen Subagenten des ^Verstorbenen, vorläufig festgenommen. Aber das Material, das gegen den Verdächtigten zur Zeit vorhanden ist, reichte noch keineswegs zu einem Beweise gegen ihn aus. Die Haftentlassung erfolgte daher, und es kann die Annahme, daß «Löffler durch Selbstmord geendet habe, einstweilen nicht als ^hinfällig gelten. Manche Umstände sprechen gewichtig hierfür. Löfflerwar eine jener wenig sympathischen Persönlichkeiten, in Äderen Geldschrank die Schuldverschreibungen und Wechsel von Kavalieren zu ruhen pflegen.
* Backn ang (Württemberg), 3. Okt. Die hiesige Oberamtssparkasse ist behördlich geschlossen worden. Der Kassirer der Kasse, Lober, ist nach Verübung von Unterschlagungen und Büchersälschungen geflüchtet.
* Kalmar, 3. Okt. Der deutsche Dampfer „Maja" ist auf 75 Ellen Tiefe südöstlich vom Leuchtturme von Seger- stad gesunken. Die Bergung des Dampfers ist anscheinend unmöglich.
Paris, 3. Okt. Auf dem Bahnhofe von Auch sand ein Zusammenstoß zweier Züge statt, wobei drei Personen schwer verletzt wurden.
* Neapel, 3. Okt. Der Zustand der Pestkranken im Lazarett auf der Insel Nisida ist unverändert, nur eine Person ist schwer krank. 142 in der Jsolierabteilung gebrachte Personen' sind bei guter Gesundheit. Die Versammlung, worin die Lumpenhändler gegen das Verbot des Lunrpenverkaufs Widerspruch erheben wollten, wurde vom Präfekten verboten.
Konstantinopel, 3. Okt. Der Selbstmord des Kassirers des Oesterreichischen Lloyds Ra hl wird mit dem Tode des Generalagenten BalloWitz in Zusammenhang gebracht, der vor acht Tagen angeblich einem Herzschlag erlag, als das nahe bevorstehende Eintreffen des Generalrevisors angemeldet wurde. Man spricht von einer vorzunehmenden Exhumierung der Leiche Ballowitzs, um die Todesursache zu konstatieren. Das Defizit in der Kasse des Lloyd beläuft sich hiesigen Blättern zufolge auf ca. eine Viertel-Million Francs.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
BreSlau, 3. Okt. In der gestrigen geheimen Sitzung des Aufsichtsrats der Rhederei vereinigter Schiffer wurde beschlossen, die Gläubiger sollen sich bereit erklären, auf die Hälfte ihres Guthabens zu verzichten und für die andere Hälfte Vorzugsaktien des Unternehmens m Zahlung zu nehmen. Der Aufsichtsrat ist der Ansicht, daß, wenn die Vermeidung des Konkurses möglich sein soll, die Forderungen aus den betrügerischen Manipulationen beider Direktoren die Höhe von Mk. 4 800 000 nicht überschreiten dürfen. Der Aufsichtsrat tritt mit einem baren Zuschuß von Mark 500 000 ein. Den Aktionären soll ferner vorgcschlaaen werden, drei Aktien in eine zusammenzulegen. Sollten alle Gläubiger und Aktio- näre sich bereit erklären, die Bedingungen zu erfüllen, so sei die Vermeidung des Konkurses sicher anzunehmen.
Paris, 3. Okt. Wie die hiesigen Blätter melden, ist durch die fortdauernde Baisse an der hiesigen Börse die Lage mehrerer Börsenmakler sehr schlimm geworden, sodaß eine Finanz-Katastrophe in naher Aussicht steht.
— Reichsbank. Am 14. Oktober wird in Osterode (Harz) eine von der Reichsbankstelle in Nordhausen abhängige Reichsbank-- nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Die BudcruSschcn Eisenwerke, Wetzlar, teilen mit, daß sie 116 300 To. Roheis e n zur Lieferung für das Jahr 1901 verkauft haben, welche Menge die regelmäßige Erzeugung chrer vier Hochofen um etwa 6000 T. übersteigt. Um aber ihren Abnehmern die Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen nach Möglichkeit erleichtern zu köunen, hat die Verwaltung seit Juni einen Ofen falt» gelegt, so daß bis auf weiteres nur drei Oefen mit einer monatlichen Hervorbringung von 7200 To. im Feuer stehen. An einem dieser Oefen muß im Oktober der Gasfang ersetzt werden, wodurch eine vorübergehende Dämpfung dieses Ofens bedingt wird. _ Die entbehrlich gewordenen Arbeiter sind von der neuen Röhrengießerei, welche im Dezember in Betrieb kommen wird, übernommen worden.
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 3. Okt. Nachdem der Generalstreik der Flaschenmacher dadurch beendigt worden ist, daß die Arbeiter bedingungslos um Wiederanstellung gebeten hatten, beschloß die Vereinigung der deutschen Flaschenfabriken auch ihrerseits, den Generalstreck als beendigt anzujehen.
Brüssel, 3. Okt. Der Ausstand der Kohlenarbeiter hat sich heute auf alle Bergwerke am linken Maasufer ausgedehnt. Die Zahl der Ausständigen beträgt über 10000.
Gera, 3. Okt. Die Textilarbeiter sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Bei Nichtannahme des den Fabrckanten zu unterbreitenden Lohntarifs soll am 15. Oktober ein allgemeiner Ausstand beginnen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Der Vorschlag des Landtagsabg. Kohler-Langsdorf, die Fortbildungsschulen zu Vorschulen der bestehenden landw. Schulen umzugestalten, ist gerade nicht uneben. In vorwiegend
ackerbautreibenden Dörfern begrüßt man sicher diese Maßnahme. Vor 80 Jahren setzte der landw. Verein für Oberhefsen schon namhafte Beträge aus, welche denjenigen Schülern resp. Lehrern an Fortbildungsschulen (fakullativen) zu teil wurden, welche Ackerbau, Obstbaumzucht, Viehzucht in ihren Stundenplan aufnahmen. Nach Schluß des Winterrursus wurde die Schule in den landw. Fächern durch die damals simgierenden landw. Wanderlehrer geprüft. Diese Einrichtung war ganz zweckentsprechend, und der erneute Vorschlag des Herrn Köhler ist gewiß einer wohlwollendcn^Prüfung würdig.'
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Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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am 3. Okt.—4. Okt.
Weller
Bew. Himmel KlarerHimmel Bed. Himmel
+ 19,6° C.
+ 10,5° C.
„Locher’s Antineon.“
Marke gesetzlich geschützt. Unschädliches innerliches Mittel gegen
| Blasen-j w7! Harnleiden.!
11 'rn mimi
(Gonorrhoe-Ausfluß, Harnbrennen, Harndrang, Harnverhaltung, Plasenkatarrh u. s. w.)
Zus.: .10 Sarsaparil, 20 Burrelkxaut, 10 Ehrenpreis, 100 Weingeist, 100 Cognac Aerztlich wärmstens empfohlen! Schmerzlos! Rasch und unschädlich wirkend! Ohne jede Berufsstörung'!
Dr, Lewis schreibt in seinem Buch: „Gonorrhoe kann nur durch innere Meoiün einfach, sicher und ohne Folgen geheilt werden. Als das weitaus beste und zweckmäßigste Mittel zur Heilung genannter Krankheiten hat sich „Autineou" erwiesen! Die Anwendung des Präparats ist eine bcgneme und für jeden Patienten ohne viele Umstände möglich, da die Flüssigkeit in etwas Wasser leicht eingenommen werden kann. — Die Heilung von Gonorrhoe und Blasenleiden nahm bei Anwendung von „Locher’s Antineon“ einen ungewöhnlich raschen Verlauf und konnten Patienten mit acuter (frischer) Gonorrhoe schon nach einigen Tagen als gesund entlassen werden?'
Dr. E. Sommer iit Tbayngen berichtet: „Anti« neon“. Bei verschiedenen Krankheiten der männlichen und weiblichen Blase kam es zur Verwendung und der Erfolg hat mich stets vollauf befriedigt. Es scheint dieses neue Medikament auch auf gewisse krankhafte Prozesse des Magens heilkräftigen Eiuflnß auszuüben re. re. 6147
Dr. G. in E. sagt in seiner Abhandlung, daß nach dem Gebrauch der seitherigen Mittel (Balsamica Onbsben, des Scmdel- öls re.) Appetitlosigkeit, Ausstößen, Erbrechen, Durchfälle, nessel- artige Ausschläge re., nach dem Gebrauch des Candelöls hauptsächlich Nierenentzündungen entstehen. Derselbe Arzt fährt fort: „Angesichts dieser den bisherigen Behandlungs-Methoden anhaftenden Nachteile glaube ich mit Recht eilt Mittel empfehlen zu dürfen, welches frei von allen schädlichen Nebenwirkungen, eine vortreffliche Heilwirkung gegen Gonorrhoe besitzt, nämlich Locher’s Antineon, ein flüssiges Präparat u. f. w. u. s. w. An späterer Stelle schreibt derselbe Arzt: „Rach zwei Richtungen hin wirkt „Locher’s Antineon“ außerordentlich günstig: einmal als desinficirendeö Mittel, welches die Schleimhaut der Harnorgane rasch und sicher reinigt, und zweitens wirkt es als ein den Stoffwechsel des Organismus günstig nmstimmendes, krankhafte Absoudcrnngeu beförderndes Mittel."
„Locher’s Antineon" ist ohne jede Sandelholzölbei- mischung! Flasche Mk. 2.50. — Zu haben in den Apotheken. —- Literatur gratis.
Alan hüte sich vor Nachahmungen und achke aufA. Locher’s Namenszug! Alleiniger Fabrikant: Andreas Locher, Z^harmac. Laborator., Stuttgart. Niederlagen in Gießen: Pelikau-Apo« theke und Universitäts-Apotheke zum goldueu Engel.
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Gießen, den 1. Oktober 1901.
6508
Nauheimer Salzer
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Tribus & Zundheim.


