Nr. 234 Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Samstag 5. Oktober 1901
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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wünscht haben, zeigt er sich als der echte Mäcen, der in der Weltgeschichte seines Gleichen sucht. Er ist selber kein Dilettant und allem Dilettantismus gründlich abhold. Ob er mit allem dem zufrieden ist, was die Ausstellung seiner Künstlerkolonie bietet, wissen wir nicht; wir möchten es bezweifeln. Aber gerade indem er mit seinem eigenen Urteil nicht hervortritt, indem er seinen Künstlern die Hand Sfrei läßt, beweist er echtes Kunstgefühl und Kunstver-
nis. Auch von dem Fürsten, der über die Grenze hinaus- geht, gilt das Wort Goethes: „Der Tilettantismus führt Nachsicht und Gunst ein. Er bringt diejenigen Künstler, welche dem Dilettantismus näher stehen, auf Unkosten der echten Künstler in Ansehen. Der Tilettantismus befördert das Gleichgiltige, Halbe und Charakterlose, und deshalb ist der Schaden bei ihm immer größer als der Nutzen." Als Böcklin starb, fehlte jede Kundgebung des taiserlichen Beileids, G e r h a r t H a i: p t m a n n mußte auf den Schiller- Preis verrichten, H e i n r i ch v o n S Y b e l, der unbestechliche Prophet der Wahrheit, siel gleich Treitschke in Ungnade — es sind nickst die starken Individualitäten, die in dem Sonnenregen kaiserlicher Kunst und kaiserlicher Gunst gedeihen.
So bleibt in uns ein unbehagliches Gefühl auch jetzt, wo wieder die Kunst unter den Willen des Einzelnen gezwungen werden soll. Tas Fest, das man einst in Berlin dem scheidenden Wal lot gab, hat gezeigt, daß dieses Unbehagen in den Kreisen des Künstlertums geteilt wird, wenn auch manche billig sich damit trösten, daß „Geld unter die Leute kommt". Tritt aber Kaiser Wilhelm in so entschlossener Weise auf den Kampfplatz der ästhetischen Kritik, so ist es natürlich, daß auch die Antwort nicht ausbleibt. Und so entwickeln sich Fehden, die, im engen gesellschaftlichen Kreise ausgefochten, sicherlich keinen Widerspruch herausfordern, die aber, in das volle Licht der Oeffentlich? keit getragen, um so weniger sympathisch berühren, als von Anbeginn die Aussicht fehlt, daß die entgegengesetzte Meinung den Sieg davonträgt. Damit ist zugleich die politische Wirkung gegeben. Unsere Zeit ist einer patriarchalischen Auffassung des Kaisertums nicht geneigt. Indem der Monarch ohne Notwendigkeit hervortritt und seinen Willen in einen Gegensak stellt zu der Meinung der Anderen, schMcht er eher den monarchischen Gedanken, als daß er ihn verstärkt. Ob dje Märchenbrunnen so oder so errichtet werden, ist schließlich gleichgiltig; aber die Gedankenreihen, die sich hier anspinnen, sind es nicht.
An den Kaiser wurde folgendes Telegramm abgesandt, dessen Verlesung die Versammlung stehend anhörte:
„Ew. Majestät bringen wir, die in Köln am Rhein tagende Hauptversammlung des evang. Vereins bei? Gustav-Adolf-Stistung, unsere ehrfurchtsvolle Huldigung der in tiefer Teilnahme an dem Leide, das Ew. Majestät Herz und Haus betroffen hat, in dem Gelöbnis unwandelbarer Treue und dem Gebet zu Gott, daß er Ew. Ma» jestät uns erhalte als §ort des Friedens, als starken Schinnherrn unserer Kirche, als treuen Bekenner des Evangeliums."
Pfarrer D. Hartung-Leipzig, Schriftführer des Zentralvorstandes, erstattete den Rechenschaftsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Tie Gesamtsumme der Einnahmen des verstossenen Jahres beträgt einschließlich der Legate 2170658.18 Mk. Die Gesamtsumme der Verwendungen beziffert sich auf 1637 881.98 Mark und zwar 138 479.40 Mk. mehr als im Jahre vorher. Von den 45 Hauptvereinen zeigen 26 stark vermehrte Einnahmen. Es bestehen 1926 Zweigvereine und 604 Frauenvereine. Eingeweiyt konnten werden 43 Kirchen und Bethäuser, bei 33 wurde der Bau begonnen, 10 Pfarrhäuser sind fertig gestellt, 3 weitere begonnen, 7 Schulhäuser bezogen, 2 in Angriff genommen. Im Namen des Zentralvorstandes giebt Prof. D. Wart-Leipzig eine öffentliche Erklärung ab, dahingehend, daß der Zentralvorstand mit dem unter dem Titel des „Neuen allg. Kalenders für das ev. Teutsckstanb und Oesterreichi-Ungarn, unabhängiges Organ für den Gupav- Adols-Verein, deren Mitglieder und Freunde zur Förderung des evang. christlichen Lebens und der Vaterlandsliebe begründet und fortgeführt durch weiland Pfarrer Emil Ohly", nichts zu thun habe und muß jede Verantwortung für diese Publikation ablehnen. Zugleich ließ der anwesende Hofprediger D. Rogge-Potsdam erklären, daß zwei in dem Jahrgang 1902 genannten Kalenders unter seinem Namen veröffentlichte Erzählungen nicht von ihm herrührten.
Nun folgte eine Reihe Ansprachen von Tiaspora-Geish-. lichen, die alle ihre Not der Versammlung ans Hei^ legten, dank dem Zentralvorstand für bereits erfahrene Hilfe aussprachen, zugleich auch die Bitte weiteren freundlichen Gedenkens damit verbanden. Es sprachen Bischof D. Baldick-Ungarn, Konsistprialrat D. Teutschf-Hermann- ftadt in Siebenbürgen, Pfarrer Dr. Arthur Schmidt-Bielitz in Oesterreich, Pfarrer Dr. Bußgänger-Hnairn in Süd- Mähren, Pfarrer Mejerhvffer-Brchsel, Generalsuperintendent D. Hesekiel-Posen, Pastor Flieoner-Madrid, der Sohn des vor 5 Monaten verstorbenen Pastors Fritz Fliedner, der die spanische Evangelisation ins Leben gerufen, endlich, Pfarrer Memling-Rombach in Lothringen.
Wegen des starken Zudranges werden für heute abend wiederum zwei Versammlungen anberaumt, im Gürzenich und im Evang. Vereinshaus. Mit einem von Konsistorial- rat D. Tibelius-Dresden gesprochenen Gebet wurde nach gemeinsamem Gesänge gegen 3 Uhr die Versammlung geschlossen.
Ter Zudrang zu der im Gürzenich stpttfindenden Haupt- und der im Ev. VereinshauAstattfindenden Parallelversammlung war noch stärker, als an dem Tage vorher besucht. Wir gingen wiederum zum Gürzenich, dessen großer Saal von über 2000 Personen gefüllt war. Auch das Vereinshaus war dicht gedrängt voll. Tie Hauptversammlung leitete Konsistorialrat D. v. Braun-Stuttgart- Anhebend mit dem Friedenswerk und der Friedensarbeit, die der Gustav Adolf-Verein treibt, führt der Vorsitzende ans, daß wir es niemals unterlassen, die geistige Herrlichkeit des Wortes mit seiner Geistesfreiheit zu preisen. Die Herrlich? keit der ev. Kirche bildet den Ausgangspunkt unserer Gustav Adolf-Arbeit. Wozu wollten wir in der Diaspora Kirchen und Schulen bauen, wenn wir nicht wüßten, in dieser Kirche wird die Herrlichkeit des Wortes getrieben. Wir bauen im Gustav Adolf-Verein mit am Reiche Gottes. Möge sich am heutigen Abend das Wort erfüllen, das über dem Grabmal Gustav Adolfs steht: Unterdrückte hat er befreit, sein Reich hat er erweitert, im Sterben hat er triumphiert. Ter Präses der rheinischen Provinzialsynode Superintendent Schürmann erinnert in seiner folgenden Rede daran, daß seitdem der Gustav Adolf-Verein in den Rheinlanden seine Arbeit begonnen, sich die Kreissynoden und die Provinzialsynode sofort mit regster Thätigkeit an diesem Liebeswerk beteiligt haben. Als nun bekannt geworden, daß Köln die Stätte der diesjährigen Tagung des Vereins sei, haben sich die Synoden zu einem besonderen Liebeswerk zusammengethcm, und er lege hiermit die Summe von 2550 Mark tu die Hand des Zentralvorstänbes, damit dieses Geld dem Theologenheim zu Wien überrercht werde.
Lehrer von den Steinen -Bretscheid überbringt die Festgabe der rheinischen evang. Lehrer im Betrage von 2900 Mk. (großer Beifall) zur Unterstützung der österreichischen Lehrer und Schulen, dem: dort seien die Schulen vielfach so schlecht, daß Wind, Regen und Sonnenschein durch die Wände hinburchdringen. (Großer Beifall und Händeklatschen.)
Im Auftrag der 15 Gemeinden der Synode Köln überreicht Superintendent Zur Hellen-Mülheim a. Rh. die Gabe von 4500 Mark. Pfarrer Rebensburg - Köln anknüpfend an einen Brief der ev. Gemeinde Köln ans dem Jahre 1802, aus dem die damalige Not der Kölner ev. Gemeinde hervorgeht, und hinweisend auf die großen Fortschritte, die die Gemeinde unterdessen gemacht, übermittelt die Feftesgabe dieser nun erblühten Gemeinde in der stattlichen Summe von 44 000 Mark (großer anhaltender Beifall). Tavon stehen dem Vorstand 29000 Mark zur freien Verfügung, 3000 Mark soll Troisdor f bei Köln erhalten, wo am Freitag der Grundstein zu einer evang? Kirche gelegt werden wird, 5000 Mark sind für Riehl bestimmt, 7000 Mark für die Anstalt Godesheim bei
Die Märcherrbrunnen.
Im Friedrichshain (Berlin NO.) hatte die Stadt Berlin ein paar Brunnen errichten wollen, deren Hauptfiguren Tvrnröschen und Schneewittchen und die anderen Lieblinge aus der beutsch>en Märchenwelt, Frau Holle und den Täumling, den geftteselten Kater und die schöne Melusine, Rotkäppchen und den bösen Wolf davstellen sollten. T-er Plan ist von dem Leiter des städtischen Bauwesens,- dem Erbauer des Reichsgerichts in Leipzig, H io f m ann, entworfen, hervorragenden Bildhauern, wie Menzel, ist die Ausführung des Werkes übertragen worden. Das ist sicherlich kein revolutionäres Beginnen und weder der in Stein gehauene Däumling noch Rotkäppchen oder Frau Holle bedrohen ernstlich den Staat.
Aber es scheint, als wenn auch das Selbstverständliche heute im innersten Kern den Keim zu einem Konflikt birgt. Kaiser Wilhelm, der bekanntlich versprochen hat, Berlin zur schönsten Stadt der Welt zu machen, hat auch diesem an ficf) gewiß sympathischen Plane ein Veto entgegengesetzt, allerdings nicht aus politischen, sondern aus ästhetischen Gründen. In einer langen Abhandlung hat er seine Ueber- zeugung begründet, daß der Entwurf des hervorragenden Architekten untauglich und geschmacklos sei, und die Berliner Stadtväter, die bereits vor Monaten die Arbeiten begonnen, stehen hier wie in zahlreichen ähnlichen Fällen der jüngsten Vergangenheit vor der unerquicklichen Frage, ob sie in einen Konflikt hineintreiben, oder zu. Kreuze kriechen sollen. Tenn um ein solches Dilemma handelt es sich! in der Thal. Es handelt sich um eine „patriarchalische Obervorrnundschaft", die gerade dadurch, daß sie den reinpolitischen Weg geruhig verläßt und die Entscheidung auch tu den intimsten häuslichen Fragen in Anspruch nimmt, für das freigepinnte Bürgertum Berlins, wie die „Leipz. Reuest. Nachr." sehr richtig ausführeiT, den Charakter einer schweren Demütigung annehmen muß.
Für uns, die wir abseits des Gefechtsfeldes stehen, handelt es sich nicht um die juristische Doktorfrage, ob der Friedrichshain ein öffentlicher Platz und die Brunnen ein Denkmal seien, ob also nach dem Wortlaut mehr oder minder ältlicher Urkunden dem Souverän das Recht des Einspruchs zusteht oder nicht- Für uns bildet den Kern der Frage die Wirkung, die das erneute, rein persönliche, durch keinen ministeriellen Schild gedeckte Hervorlreten des Monarchen auf die Gesamtheit Hervorrufen muß. Und wir bekennen es offen: Tiefe Wirkung ist nicht glücklich Schon wenn Kaiser WUHelm immer wieder zugleich als oberster Sachverständiger und als entscheidender Richter hervortritt, wenn er in wirtschaftlichen, sozialem und pädagogischen, in militärischen uno maritimen Fragen, in der Schauspielkunst, wie in der Poesie und der Musik, in der Malerei, in der Plastik und in der Architektur scharf ausgesprochene Urteile fällt und durchsetzt, so ist der Eindruck nicht überall so geartet, wie er es sich im Schwünge seiner Gefühle vorstellen mag. Und gerade auf dem Gebiete der Kunst ist das autoritative Eingreifen der Krone im höchsten Maße bedenklich- sobald aus dem Mäcenatentum eines Lorenzo oder Cosmo von Medici das Verlangen erwächst, der Kunst die eigenen Gesetze zu diktieren. Denn die Kunst ist individuell, und sie gehorcht nur sich selbst. Kaiser Wilhelm hat sicherlich den heißen Trang, das Schöne zu fördern, aber es bleibt die Gefahr, daß er fördert, was er für schön hält, dach, er aber dort die Entwicklung hemmt, wo sie aus anderen Auffassungen emporsteigt. In seiner Seele mag sich der Traum wiegen von einem goldenen Zeitalter, daß das Schloß der Hohenzollern einst im Ruhme der Medicäer erstrahlt, und daß man auch ihn rühme in Liedern und Gesängen als den Schöpfer solcher Zeit. Aber er lebt in einem verhängnisvollen Irrtum. So wie ein Bismarck nicht durch ein Kaiserwort zum Handlanger werden konnte, so kann auch die Dinst nicht das Werk dessen werden, der die Krone trägt, es sei denn, daß sie zu einer Afterkunft werde, die um der Hofgunst und des klingenden Goldes willen auf die eigenen Ideale verzichtet. Und je entschiedener Kaiser Wilhelm sich einsetzt, um so kräftiger erheben sich die Zweifel, ob das mit zahllosem Getier versehene Tenkmal des ersten Kaisers, ob die neue Markgrafenallee, ob die schablonenhaften Knackfußbilder und die klirrenden Dramen Laufs die wahre Kunst bedeuten — uns will es dünken, als solle aus Alledem eine Art uniformierter Kunst hervorgehen, eine Kunst, die in den Zeiten Friedrich Wilhelms I. sich etwa mit dem Malen der langen Kerle begnügt hätte. Zahlreich sind jedenfalls die Fälle, in denen das wohlerwogene und einftimmige Gutachten berufener Sachverständiger kurzer Hand verworfen wurde.
Von Friedrich Wilhelm IV. sagte Heinrich von Treitschke: „Er war kein Meister, sondern nur der größte aller jener geistreichen Dilettanten, an denen die vielgestaltige, moderne Kultur so reich ist." Dieses Urteil erfordert allgemeine Geltung. Tie Kunst ist nicht die Lebensaufgabe eines Fürsten; sie auszuüben, dazu gehört ausdauernde Arbeit- sie gerecht und gründlich zu beurteilen, dazu gehört Vertiefung. Der Berus des Herrschers aber ist so ungemein sclstver, daß er zu solchem Thun nicht Raum läßt. Fürsten können Kunstliebhaber ober Dilettanten sein, sie können anregen, aber nicht befehlen. Unser Großherzog, ein echter Freund uno Beschützer der Künste, wählte den rechten Weg. Indem er nach ] einer Residenz eine strebsame junge Küustlerschar berief und ihnen die Mittel wies zu eigenem freien Schaffen, ohne sie durch eigenes Eingreifen in Einzelheiten zu hemmen,- indem er jedes Einzelnen Talent nach Möglichkeit fördert, ohne auf ihn einen bindenden Einfluß nach einer bestimmten Richtung hin auszuüben, inbem er Kunst unb Künstlern völlig freie Bahn zu gänzlich unbehinderter Be- thätigung läßt, zeigt er sich als ein Förderer unserer Kunst, wie ihn. sich die größten Künstler aller Zeiten ge
Tie „Nat.-Ztg." berichtet heute, daß die Berliner Kunst-Deputation nicht, wie der „Vorwärts" geftern behauptet hatte (siehe unsere geftrigen Trahtmeldungen), in ihrer letzten Sitzung der Ansicht war, dem Einsprüche des Kaisers vom künstlerischen Gesichtspunkte aus solle nicht stattgegeben werden. Es sei vielmehr eine Aenderung der Entwürfe im Sinne der Anregung des Kaisers, und die Beschreitung des Rechtsweges nur für den Fall in» Aussicht genommen, daß in sachlicher Beziehung eine Verständigung nicht erreicht und deshalb die polizeiliche Bauerlaubnis verweigert würde.
"NTHÄPtversammIung des Gustav-ASch-Serms. in.
G. S. Köln a. Rh., 2. Ott.
Ter heutige Morgen begann mit einem halbstündigen Festgeläute der drei evangelischen Kirchen Kölns, dem ein von Konsistprialrat Beck-Bayreuth gehaltener Gottesdienst in der Christuskirche folgte. Um 12 Uhr wurde von dem Vorsitzenden, Geh. Kirchenrat T>. Pank-Leipzig die öffentliche Versammlung im Evang. Vereinshause eröffnet. In feiner Begrüßungsrede kam D Pank zunächst auf die österreichische Bewegung zu sprechen, die, wenn sie auch zum Teil nur bei einzelnen aus nationalen Gründen begonnen, nun aber in religiöse Bahnen eingelenkt sei. Tie Tagung in Köln erinnert ganz besonders daran, daß der Gustav-Adolf-Verein keinen Andersgläubigen verletzen will, aber das thut er nicht blos hier in Köln, sondern er thut es überhaupt nicht. (Beifall.) Wir wollen mit unseren katholischen Mitchristen in Frieden leben, aber es liegt uns auch daran, daß man unsere Glaubens- und Gewissensüberzeugnng kennt, um auch sie zu achten. Wir haben mit den Katholiken dasselbe Glaubensbekenntnis. In Osnabrück wurde festgestellt, die allgemeine christliche Kirche ist die katholische Kirche. Wir Evangelische sind also davon ausgeschlossen. Unsere Ueberzeugung über die christliche Kirche ist folgende: 1) Z u r ch r i st l i ch e n K i r ch e gehöreiT alte wahrhaften Jünger Christi, alle Gotteskinder aller Kirchen und Konfessionen. Wir berufen uns dabei auf das Wort: Wer mich, bekennet vor den Menschen usw. 2) Tie Auslegung über den Begriff der apostolischen Kirche giebt Paulus: Erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. Tie evang. Kirche weiß von keinem anderen Eckstein, von feinem anderen Glauben, als was die Apostel lehren- und schreiben. 3) Allgemeine ober katholische Kirche, bas heißt wörtlich übersetzt: über bic ganze Erde gehenb. Senbet nur bie fall). Kirche Missionare zu allen Völkern? Sind bie Tausenbe von evang. Missionaren nichts? Sinb bie großen Körperschaften bes Protestantismus in ber ganzen Welt nichts? Ist ber größere Teil ber Christenheit außerhalb ber Kirche? 4) Heilige Kirche. Heilige im kath. Sinne haben wir nicht, wir sprechen auch niemanb heilig, wir erörtern auch nicht bie Heiligkeit bes Zölibats verglichen mit ber Heiligkeit ber Ehe. (Sehr gut.) Die, welche sich burch Jesum Christum mit Gott versöhnen und buitzchj seinen Geist sich heiligen lassen, biete nennt bie heilige Schrift Gottes Heilige.unb Auserwählte. Gottes Entscheidung wird es offenbaren, wem die Gnade geworden ist, von ihm in seiner Mirclje gezählt zu fein. Starker Beifall folgte .diesen .Ausführungen.


