Ausgabe 
5.6.1901 Erstes Blatt
 
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amtinnen 16, Pflegerinnen 4, junge Mädchen, Lehrmädchen 179, zusammen 621 Bände. Mach auswärts kamen 38 Bände.

Der Prozeß wegen der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk.

v.

... Gumbinnen, 2. Juni.

Kriminalkommissar v. Bäckmann vom Berliner Polizei­präsidium sagt aus: Als ich nach Gumbinnen kam, um meine Recherchen zu beginnen, waren Marten und Skopek bereits in Haft. Aus den Akten war zu ersehen, daß Marten erheblich belastet war. Er war in der Kammer, im Stalle, im Gange, im Korridor und hat in der Nähe des Kara- biners gestanden. Gegen Skopek lag das Verdachtsmoment vor, daß er den Kriimperstall vor dem Schlüsse verlassen

Oberstleutnant Pavel

ist bekanntlich zum Kommandeur der Schutztruppe in Kamerun ernannt worden. Bereits am Donnerstagabend hat er Gießen verlassen, um sich nach Berlin zu begeben, wo er bis zum 8. Juni zu verweilen gedenkt. Von Berlin aus fährt Oberstleutnant Pavel nach Hamburg und besteigt dort am 10. Juni das Schiff, das ihn nach Kamerun bringen soll. Seine Familie, die ihn nach seinem neuen Wirkungskreis nicht begleiten wird, nimmt ihren Aufenthalt bei den Schwieger­eltern des Oberstleutnants in Schlesien.

C. Haftentlassung. Der vor kurzem wegen Ver- brecherrs aus § 177 St.-G.-B. in Untersuchungshaft ge­nommene Kaufmann wurde außer Verfolgung gesetzt, da die Voruntersuchung keine genügende Anhaltspunkte dafür ergeben hat, daß er ein solches Verbrechen nachweisoar begangen hat. Aus demselben Grunde wurde auch der in dieser Sache gegen ihn erlassene Haftbefehl aufgehoben.

§ Butzbach, 3. Juni. Die Küchel'sche Farbenfabrik in der Weiselerstraße hier, sowie das in der Gemarkung Münster gelegene Mühlanwesen (Lochmühle) ist von Hermann Patz aus Gießen käuflich erworben worden.

Friedberg, 2. Juni. Am 12. und 13. Juni wird, wie wir schon berichteten, die Südwestdeutsche Kon­ferenz für innere Mission ihre 37. Jahresversamm­lung hier in der Burgkirche abhalten. In dieser Konferenz haben sich die Landesausschüsse für innere Mission von Baden, Hessen, Rheinpfalz, Elsaß und Frankfurt vereinigt, um in gegenseitiger Förderung für christliche Liebesthätig- keit einzustehen.

Tr. M. Darmstadt, 2. Juni. Die auf Veranlassung des Vorstandes desVolksbildungsvereins" eingeführten Museumswanderungen haben gestern wieder begonnen. Galleriedirektor Prof. Bark ist die geeignete Persönlich­keit für die Führung durch die ständigen wie temporären Kunstausstellungen unserer Residenz. Gestern und heute war es die B ö ck l i n - Ausstellung im Kupserstichkabinett und die Walter Cran e-Ausstellung im Kunstverein, die seinen volkstümlichen Vorträgen ein besonderes aktuelles Interesse lieh. Im Eingang zu ersterem betonte Herr Direktor Bark mit vollem Recht, daß man einen starken Accent auf die Thatsache legen müsse, daß Freiherr v. Hehl, dessen Entgegenkommen wir diese Ausstellung der Skizzen, Studien und Entwürfe zu danken haben, zu einer Zeit, da es noch an der Tagesordnung war, Arnold Böck- lin lächerlich zlu finden und mit Geringschätzung zu be­handeln, sich nicht nur in den Besitz einer Reihe von Gemälden gesetzt, sondern auch über 70 wertvolle Studien und Entwürfe, durch die uns so recht ein Einblick in die künstlerische Werkstatt Böcklins gewährt würde, erworben "habe, die ohne seine Initiative und Voraussicht jetzt jeden- falls in alle Welt zerstreut wären.

Bleicheubach, 2. Juni. Der hiesige Vorschuß- und Kreditverein hielt heute seine 23. Jahresversamm­lung ab. Der Geschäftsbericht gibt Zeugnis für ein gut geleitetes Geschäft. Der Reservefonds beträgt zu Ende 1900 nunmehr 14000 Mk., die Geschäftsanteile betragen ca. 40000 Mk., in 1900 wurde ein Reingewinn von 3719 Mk. erzielt bei einem Kassenumsatz von 670916 Mk.

K. Büdingen, 3. Juni. Das hiesige Gymn asium feiert vom 4.-7. August das Fest seines 300jährigen Bestehens. Aus einer seit etwa 1500 bestehenden Latein­schule hervorgegangen, bereitet die Anstalt seit 1601 für das Hochschulstudium vor, dank einer reichen Stiftung, die der Graf Wolfgang Ernst damals machte. Die Anstalt und die Bewohner unseres freundlichen Städtchens lassen es sich nickst nehmen, das seltene Fest würdig zu begehen, zu dem bereits umfangreiche Vorbereitungen getroffen sind. Eine große, 800 Personen fassende Feschalle mit Bühne wird erbaut, das Festprogramm sieht vor: am 4. August Be- grüßungsabeno, am 5. akademische Feier, Festbankett, Fackcl- zug und Kommers, am 6. Frühschoppen, Ausflug nach Tier­garten, abends Ball, am 7. Frühschoppen und Ausflüge in die Umgegend. - Hoffentlich beteiligen sich, recht viele ehe­malige Schüler mit ihren Damen an dem Fest, zu dem die Einladungen in zwei bis drei Wochen ergehen sollen. Alle ehemaligen Schüler mögen ihre Adressen an den Fesh- ausschuh recht bald einsenden, damit ihnen nähere Mit­teilung zugehen kann.

hatte, und daß er am Lbservationsloche der Bandenthür zwei Männer gesehen haben wollte. Das Belastungsmaterial gegen Marten wog schwerer. Auch hat mich die eingehende Vernehmung Skopeks zu der Ueberzeugung gebrack)t, daß er unschuldig ist. Er gab an, er habe die Schmiede vor der Zeit verlassen und im Vorraum zur Reitbahn zwei Leute mit steifen Mützen und Mänteln gesehen, die er für Unter­offiziere hielt. Um nicht wegen Verlassen des Dienstes bestraft zu werden, sei er nach dem Krümperstall gegangen; als er diesen noch nicht wieder verlassen, habe er einen starken Knall gehört und dann, durch den Vorraum zur Reitbahn zurückgehend, die Bandenthür halb offen gefunden. In die Reitbahn hineinsehend, habe er den Rittmeister ü. Krosigk auf dem Erdboden liegen sehen, und der Lber- leutnant v. Hoffmann habe gerufen:Was ist denn los? Wer hat da geschossen?" Er sei nun zum Krümperstalle zurückgekehrt und habe gerufen: Dem Rittmeister ist ein Unfall passiert! Unmittelbar hinter ihm sei der Dragoner Stumbries in den Krümperstall gestürzt mit dem Ausruf: Der Rittmeister hat. sich geschossen! Wenn jetzt die Leute sich nicht mehr darauf besinnen können, daß Skopek zum Stalle zurückgekehrt war, so ist das bei der durch den Vorfall entstandenen Aufregung begreiflich. Ich halte es für ausgeschlossen, daß Skopek an der Mordthat be­teiligt ist, weil er in der Lage ist, die Gespräche, die im Krümperstalle geführt wurden, genau wiederzugeben. Ferner spricht für ihn, daß seine Erzählung gerade bei dem Augenblicke einsetzt, wo der Oberleutnant v. Hofstnann aus­gerufen hat: Was ist denn los? rc. Wenn er den Schuß abgegeben oder vor dem Loche gestanden hätte, als der Schuß abgegeben wurde, so hätte er den Ausruf des sterben­den Rittmeisters, aber nicht den des Leutnants, gehört. Ueberdies, wenn sich der Mörder nickst neben den Karabiner hinstellen wollte, bis die Leute aus der Reitbahn heraus waren, so konnte unmöglich einer allein die That aus­führen. Es mußte vielmehr mindestens eine zweite Person zur Deckung mitwirken. Hierzu kam, daß ein anderer Mann an der Bandenthür vorbeigekommen ist und einen Mann mit schwarzem Schnurrbarte vor dem Guckloche gesehen hat. Wenn Marten der Thäter war, mußte er sich einem Mann anvertrauen, auf den er sich unbedingt verlassen konnte. Der Verdacht fiel auf Hickel, der ein Verwändter Martens und der einzige Unteroffizier mit schwarzem Schnurrbart war, der sein Alibi nicht nachweisen konnte. Tomning wurde der Mitwissenschaft verdächtig, weil er Hickel decken wollte. .Er sagte aus, daß Hickel vor dem Schuß in entgegengesetzter Richtung den Stall durchs schritten habe, während niemand von den Stallleuten davon etwas wußte. Angekl. Domning: Der Herr Kommissar fuhr mich an:Was, Sie haben Hickel gesehen? Sehen Sie sich vor, daß Sie nickst eingesperrt werden!" Ich hatte das Gefühl, daß der Kommissar wollte, ich sollte durchaus sagen, Hickel sei nicht im Stall gewesen. v. Bäckmann: Ich habe niemand angefahren, ich habe den Leuten viel­mehr nur vorgehalten, die Wahrheit zu sagen. Allerdings habe ich die Verpflichtung, die Leute, wenn sie sich in Widerspruch mit anderen Aussagen setzen, auf die möglichen Folgen hinzuweisen. Ich habe gelesen, daß Hickel ebenfalls behauptet hat, ich habe ihm mit Verhaftung gedroht. Es ist falsch daß ich irgend jemand beeinflußt habe.

Nach einer Pause berichtet v. Bäckmann über den Gang der Untersuchung. Neben den verschiedenen Aussagen der Angeklagten erschien von Wichtigkeit die Aussage zweier Dragoner, die so lautete: Als Hickel in den Rekrutenstall hineinkam, hatten wir bereits Aufttag von einem anderen Unteroffizier des Nebenstalles, Licht zu machen. Wir hatten gerade die erste Laterne angesteckt, da kam Domning hinein­gestürzt mit der Nachricht des Vorfalles. Das ist von Wich­tigkeit; denn es ergiebt, daß Hickel erst 68 Minuten nach dem Morde in den Stall eingetreten ift Die That ist vollführt 8 Minuten nach halb fünf Uhr. Was mir auf­siel, war, daß die Lampen im Stall Domnings ausge­gangen waren, und daß Domning keine Anstalten machte, die Lampen in Ordnung bringen zu lassen, sondern oen Stall ruhig im Dunkeln ließ. Ich bin überzeugt, die Lampen sollten gar nicht brennen. Die Mordthat war eine vor­bereitete Sache, in die Domning eingeweiht war. Er hielt Wache, wie Hickel, um den Rückzug des Thäters in den Stall zu decken. Hätten die Lampen gebrannt, so wäre die ganze Sache unmöglich gewesen.

Das Gericht beschließt, den Kommissar v. Bäckmann zu vereidigen. Alsdann wird der Kriminalschutzmann Richter aus Berlin vernommen, der sich als angehender Kasernenhofinspektor eingeführt hatte. Er war bemüht, die Bekanntschaft der Sergeanten und Unteroffiziere zu machen. Tie Unteroffiziere seien sehr zurückhaltend gewesen. All­mählich habe er aber doch erfahren, daß Marten in der Schwadron stehe, in der sein Vater Wachittneister gewesen, daß der Vater mit seinem Rittmeister zerfallen und in eine andere Schwadron versetzt worden sei, daß Unteroffizier Marten ein stolzer Charakter sei und sich mehr erlaube als andere. Wachtmeister Buppersch habe ihm erzählt, er habe einmal mit dem Rittmeister cün solches Zerwürfnis ge­habt, daß er sich am liebsten das Leben genommen hätte (Die Oeffentlichkeit wird hier wieder ausgeschlossen.) An­gekl. Hickel erklärt, daß er andere Angaben darüber gemacht habe, auf welchem Wege er zum Stalle Domnings gekommen sei, als der Kommissar angebe v. Bäckmann: Ich bin ganz sicher, daß Hickel angab, er sei vom Remontestall hergekommen. Hickel: Ich bleibe dabei, daß ich das nicht gesagt habe; denn ich )var eben nicht im Remontestall.

Tie Verhandlung beginnt mit der Vernehmung des Wachtmeisters Buppersch über die Fußspuren, die nach dem Morde im Schnee gefunden waren. Es hat sich nicht fest­stellen lassen, von wem sie herrühren. Präs.: Ist es richtig, daß letzte Weihnachten nur wenige Unteroffiziere Urlaub hatten'? Buppersch: Ja. Verteidiger: Ist es richtig, daß Marten und zwei Unteroffiziere langen Urlaub hatten? Zeuge: Ja, Marten hatte den längsten Urlaub, den es giebt. Nunmehr werden einige Briefe verlesen, die die Angeklagten während der Haftzeit geschrieben haben. In einem Briefe, den er an seine Mutter schrieb, als er nach der Flucht erkrantt war, heißt es: Ich schwöre euch tausendmal und rufe Gott zum Zeugen an, daß ich un­schuldig bin. Gott möge mich ewig verdammen, wenn ich die Unwahrheit sage. Unser Herr Jesus weiß, daß mein ^erz rein ist. Ich sollte meinen Rittmeister erschossen haben? Wer hat mir denn zu meinem Glück verhalfen? Keiner als er. Tröstet euch und mein Schwesterlein und glaubet an die Unschuld eures unglücklichen, in seiner Einsamkeit verzagenden Sohnes Franz!

Ter Präsident teilt mit, daß die Beaugenscheinigung

der Lokalitäten und die Nachprüfung der Zeiten folgendes ergeben hat. Der Dragoner B)rchardt, der den Schnaps aus der Kantine holte, gebrauchte für den Weg 6 Minuten, das Austrinken des Schnapses dauerte etwa 2 einhalb Mi­nuten, zu dem Wege von der Regimentskantine nach der Wohnung der Eltern brauchte Marten 3, von dort bis zur Stube des Marten 2 einhalb, bis zum Korridor am Stand­orte des Karabiners 99 einhalb Minuten. Bon Martens Wohnung bis zur Bandenthür der Reitbahn kann man int Schnellschritt in 1 einviertel Minuten kommen. In gleicher Weise hat das Gericht nach Minuten und Sekunden die Reihenfolge der einzelnen Bewegungen, Aufenthalte und Schritte der Angeklagten, vor und nach der Thal, sowie^ diejenigen der Personen nachgeprüft, die in dem betreffen­den Zeitraum von den Zeugen angetroffen waren, und die überhaupt Wahrnehmungen gemacht haben.

Der Präsident läßt nun nochmals sämtliche bisher unvereidigten Zeugen antreten, und ermahnt sie, ernstlich zu überlegen, ob sie ihre Angaben mit bestem Gewissen beschwören können, namentlich auch die Dragoner Eisen­berg, Witt, Wach, Krause und andere, welche StallwackM hatten, und nickst wissen, angegeben zu haben, daß Hickel zu Tomning in den Stall gekommen war.

Er setzt ihnen auseinander, daß es noch Zeit sei, die Aussagen zurückzunehmen oder zu ergänzen. Die Zeugen erklären, die Wahrheit gesagt zu haben. Die Zeugen wer­den nunmehr einzeln vereidigt. Präs.: Unteroffizier Mar­ten, wollen Sie nicht zugeben, daß Sie zwar die Absicht gehabt haben, den Karabiner auf den Rittmeister zu richten, daß Sie dabei nur eine Verletzung beabsichtigt Haden und nicht die Tötung, daß die Tötting vielmehr nur ein Werk des Zufalles gewesen ist? Marten erklärt auf diese Frage mit Bestimmtheit, er habe weder die Absicht gehabt, den Karabiner auf den Rittmeister zu richten, noch ihn zu töten. Er habe die That nicht begangen.

Präsident: Sie bestteiten auch, dort gestanden zu haben, wo geschossen ist? Marten: Ich bin zu jener Zeit gar nicht in der Reitbahn gewesen. Präs.: Sie wissen, daß die Beweisaufnahme ungünsttg für Sie ausgefallen; ist. Für den Zeittaum zwischen dem ersten und zweiten Begegnen mit Stumbries fehlen 10 bis 15 Minuten. Sie haben Ihren Aufenthalt während dieser Zeit nicht nach­weisen können, auch keinen Versuch dazu gemacht. Hätten Sie irgend welche Angaben darüber gemacht, wo Sie in dieser Zeit gewesen sind, so hätten wir gern die Hand dazu geboten, daß Sie den Beweis dafür antreten konnten. Haben Sie irgend eine Unterlage, damit das Gericht Ihre Unschuld nachprüfen kann? Marten: Es ist möglich, daß ich mich da oder dort länger aufaehalten habe Präs.: Wir haben konstatiert, daß der Auffckstuß über den fraglichen Zeitraum fehlt. Ich ermahne Sre nochmals, zu gestehen, Marten, wenn Sie es gewesen sind, vielleicht ift noch Verzeihung möglich. Marten: Ich habe den Ritt­meister n i ch t e r s ch o s s e n. Wenn ich der Thäter wäre, würde ich die Wahrheit sagen. Präs.: Nun, mit der Wahr­heit stehen Sie nicht auf besonders vertrautem Fuße. Sie haben ooch mehrfach nachweislich falsche Angaben gemacht, z. B. über Ihr Verhalten im Arresthause. Marten: Das hing mit meiner Flucht zusammen. Präs.: Sie leugnen auch, daß Sie mit Weber auf dem Korridor, wo der Kara­biner stand, zusammengetroffen sind, was doch erwiesen ist. Marten: Ich war nicht dort oben.

Präsident: Sergeant Hickel, ich habe Marten gefragt^ ob er nicht zugeben wolle, ob er an der Bandenthür ge­standen und den Karabiner auf den Rittmeister gerichtet habe, aber nicht in der Absicht, ihn zu töten, sondern nur, um ihm eine Verletzung beizubringen. Nun sagen Sie, Hickel, haben Sie beide nicht doch an der Bandenthür gestanden? Angekl. Hickel (mit fester Stimme): Nein.

Präsident: Skopek, Sie haben wiederholt über das aus­gesagt, was Sie gesehen haben. Können und wollen Sie mit gutem Gewissen beschwören, daß das alles auf Wahr­heit beruht? Skopek: Zu Befehl.

Staatsanwalt Lüdicke: Ich trage nicht die geringsten Bedenken gegen die Vereidigung. Der Zeuge Skopek scheint mir im vollen Umfange glaubhaft. Skopek wurde zunächst um deswillen verhaftet, weil nicht geglaubt wurde, daß zwei Thäter an dem Morde beteiligt gewesen sein können. Im Laufe der Untersuchung haben sich die Widerspräche ver- flüchtet, in der Hauptverhandlung aber haben sie sich vollständig zerstreut. Mit allen Mitteln haben die Ver­teidiger die Aussage des Zeugen angegriffen. Der Versuch ist aber mißlungen, denn sie haben die Aussage Skopeks in keinem Punkte erschüttern können. Die Verteidiger wen­deten gegen die Glaubwürdigkeit Skopeks ein, daß er nicht schon am Mordabende gesagt habe: Ich habe zwei Unter­offiziere an der Bandenthür der Reitbahn gesehen. Als die Verteidiger aber den Belveis antreten wollten, konnte fein Zeuge bekunden, daß Skopek darüber befragt worden sei, int Gegenteil wurde bekundet, daß Skopek nur gefragt wurde, wo er gewesen sei. Skopek behauptete, daß er, als er auf der Reitbahn beim Ausforschen der Schwadron war, nicht wußte, von woher der Schuß gekommen war. Um den Beweis dafür zu erbringen, daß das falsch sei, daß er das wissen müßte, sind drei Leute aus der Schwadron her­ausgegriffen, und über diese Frage vernommen worden. Zwei von diesen Leuten haben aber in jenem Zeitpunkte ebenfalls nicht gewußt, woher der Schuß gekommen ist. Er, der Staatsanwalt habe also kein Bedenken gegen die Vereidigung Skopeks,

Bert. Rechtsauw. Horn: Ich weise aus die verschieden lautenden Angaben des Skopek. Er war von vornherein ver­dächtig und verwickelte sich in Widersprüche. Deshalb wurde er am nächsten Tage verhaftet. Der Vertteter der Anklage, der damals die Untersuchung führte, glaubte damals dem Skopek nicht. Nachher, als der Kommissar v. Bäckmann ankam, und die Ueberzeugung aussprach, Skopek sei un- schuldig, und glaubhaft, setzte sich v. Bäckmann dadurch derart in Widerspruch mit Lüdicke, daß dieser seinen Be­richt damit anfängt.

Lüdicke (ihn unterbrechend): Ich glaube, daß diese Erwähnung unstatthaft ist. Tas Angeführte ist nicht Gegenstand der Verhandlung.

R.-A. Horn protestiert gegen die Unterbrechung. Der Vertreter der Anklage sagt: Skopek ist ein beschränkter Mensch. Er war in eine schwierige Lage und zuerst in Ver­dacht gekommen, und hat nunmehr gesehen, welche furcht­baren Folgen Widersprüche haben können. Er befürchtet, etwas zu widerrufen, und diese Furcht vergrößert sich bet ihm, weil er beschränkt ist. Der Verteidiger erachtet die Angaben Skopeks für unglaubhaft, daß er beim Eintreten in die Reitbahn nicht gewußt habe, um was es sich handle.

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