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Möbel-Magazin KchWch 35.
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Mn MiÄmn- und irdn PrnÄucr.
Nr. 105 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 5 Mai i 001
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GichenerAnzeiger
General-Anzeiger v **
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen LLL
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Die Licherstraße zwischen Schiffenbergerweg «nd Wolf- straße toitb neu eingedeckt unD emgewalzt und deshalb l-oai 6. bis einschließlich 9. ds. MtS. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, den 4. Mai 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von WasserleitungSarbeiten wird die Große Mühlgasse am 6. l. MtS. für den Fnhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, den 4. Mai 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 27. April bis 4 Mai l. IS. wurden iu hiesiger Stadt
gefunden: 1 Portemonnaie, 1 silbernes Uhrkettchen, 1 Paar Glacehandschuh, 1 Stück Leinen, 1 Schürze, 1 Spannkette, 1 Kiuderkävpchen und 1 Studentenmütze;
verloren: 1 goldenes Kettenarmband, 1 goldene
Kraoattennadel, 1 goldenes Medaillon und 1 Herrenuhr;
entlaufen ist: 1 schwarzer Dachshund (Marke 704).
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.
Gießen, den 4. Mai 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.
Die Entscheidung der preußischen Ministerkrisis.
Wir erhielten gestern abend folgende Depesche:
Berlin, 3. Mai. 7.25 Uhr abends. Zn der gemein- schaftlichen Sitzung des preußischen Landt-ages unter dem Präsidium v. Kräckers verlas Graf Bulow eine allerhöchste Botschaft, die den Schluß der Sitzungen aussprach. Bülow gab sodann die Erklärung der Regierung ab, nach der die Beratuugskommisfion, da eine Verständigung über die Kanal- Vorlage znrzftt überhaupt ausgeschlossen sei, zur Fort- fetzuug zweckloser Beratungeu nicht die Hand bieten volle. Darauf brachte der Präfident ein dreifaches Kaiserhoch an8 und die Sitzung wurde geschloffen. Sämtliche Minister, auch Miquel, wareu anwesend.
Heute früh folgte nachstehende Depesche:
Berlin. 4. Mai. 1.05 Uhr vorm. Wolff s Bureau meldet, dem Vernehmen nach nahm der Kaiser die Entlaffnngs- gesnche der Minister Dr. v. Miquel, Freiherr v. Hammerstein und Brefeld an.
Also gleich drei Minister-Abschiedsgesuche auf einmal. Wenn sich sogar der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums, Finanzminister v. Miquel, bewogen fühlt, die bekannten „Gesundheitsrücksichten" geltend zu machen, so mutz der Sturm, der urplötzlich über die Regierung hereinbrach, gar heftig gewesen sein. Es ist ja richtig, £ierr v. Miquel trug sich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, die Sorgen seines Amtes einem andern zu überlassen. Aber er wollte doch nicht gleich gehen, sondern vielleicht zum Herbst, vielleicht erst nächstes Jahr; er gc dachte den geeigneten Zeitpunkt umsomehr sich auszusuchen, als er des Rückhalts an maßgebender Stelle sicher zu sein glaubte. Aber was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe! Der Fall der Kanalvorlagc fordert seine Opfer. Herr v. Miquel, ebenso der preußische Landwirtschaftsminister Frhr. v. Hammerstein und der Handelsminister Brefeld sollen eine Auflösung des Abgeordnetenhauses wegen der Kanalvorlage nicht für opportun gehalten haben. Dies Moment mag mehr noch als die Kanal Niederlage selbst die Erschütterung der Stellung der Minister herbeigeführt haben, denn Herr v. Thielen, der am meisten bei Der Sache engagierte Minister, bleibt ja im Amte. Was Frhrn. v. Hammerstein betrifft, so hieß es schon seit längerem, er sei der Reibungen mit den Agrariern, die ihm das Eintreten für den Mittellandkanal aufs äußerste verdachten, gründlich müde. Auch Herr Brefeld fand, wie man versichert, seit der Veröffentlichung des Bueck-Briefes, worin allerlei über vertrauliche Aeßerungen des Handels- nlinisters betreffend Arbeiterpolitik ausgeplaudert wurde, keinen rechten Geschmack mehr an seinem Amte. Tas Maß füllen half dann noch die Aeußerung Brefelds im Abge- »cdnetenhause von dem Zwischenhandel als „notwendigem Uebel", eine rednerische Entgleisung, die sehr scharfe Gegen- bundgebungen zur Folge hatte.
Nur Herr v. Miquel kommt von den drei ausscheiden- fren Ministern bedeutend in Betracht. Man mag von dem Staatsmann Miquel halten, was man will, man mag seine
rasch vollzogene Metamorphose vom Liberalen zum strammen Konservativen und Agrier nicht günstig beurteilen, aber darüber wird kaum irgendwo Meinungsverschiedenheit herrschen, daß Preußen in ihm den bei weitem fähigsten Staatsmann verliert, den das Ministerium seit dem Jahr 1890, seit der Verabschiedung des Fürsten Bismarck, besessen hat. Durch gute und schlechte Zeiten gestaltete Hrrr von Miquel das preußische Finanzweien in mustergiltiger Weste, und wenn auch der Vorwurf, er treibe Ueberschußpolitik bei den Staatsbahnen, einen berechtigten Kern enthält, wenn die Steuer-Reformen nicht überall und in jeder Hinsicht als Reformen empfunden werden, so wird trotzdem die Wirksamkeit Miquels ein Ruhmesblatt in der Geschichte Preußens füllen. Von den parlamentarischen Beratungen im Reichstag hat sich Herr v. Miquel, seitdem dort feine Steuerprojekte (unter Caprivi) und insbesondere seine „Reichsfinanzreform" eine so abfällige Behandlung erfuhren, fast völlig ferngehalten. Es erregte geradezu Aufsehen, wenn Herr v. Miquel — bei feierlichen, gewissermaßen repräsentativen Gelegenheiten — im Reichsparlament erschien. Sein letztes Auftreten dort als Redner galt einer Auseinandersetzung mit dem Zentrumsführer Tr. Lieber, der ihn wegen angeblicher Unfreundlichkeit gegen das Zentrum heftig angegriffen hatte. Gelegentlich der schweren Erkrankung Liebers kam die Versöhnung zwischen beiden Herren zu stände. Im preußischen Landtag fühlte Herr von Miquel sich wohl; hier hat er seine stärksten politischen und rednerischen Erfolge errungen. In neuerer Zeit waren die freundschaftlichen Beziehungen des Ministers zu den Konservativen etwas gelockert.
Nicht zuletzt wird es Herrn v. Miquel als Verdienst angerechnet werden, daß er der Presse gegenüber eine sehr entgegenkommende und liebenswürdige Haltung einnahm und frei von der Empfindlichkeit war, in den gegen ihn gerichteten Angriffen die Absicht der Beleidigung zu erblicken. Kein anderer Staatsnmnn ist wie er seit einem Dezennium aufs Korn genommen worden; er setzte sich mit philosophischer Ruhe und Heiterkeit darüber hinweg.
Als Nachfolger der ausscheidenden Minister werden die verschiedensten Namen genannt. Nur die eine, auch von den Abendblättern verzeichnete Meldung hat einige Wahrscheinlichkeit, daß der gegenwärtige Minister des Innern Frhr. v. Rheinbaben, der von Herrn v. Miquel schon für den jetzigen Posten empfohlen worden war, zum Finanzminister ausersehen sei. Auch die weitere Nachricht gilt in politischen Kreisen als zutreffend, daß nach der Neubildung des Ministeriums die Auflösung des preußischen Abgeordnetenhauses verkündet werden wird, mit der Parole „Für den Mittellandkanal". Herr v. Thielen sagte einmal: „Gebaut wird doch!" Es fragt sich nur, wann . . .
Aus dem Reichstage wird uns geschrieben:
Das Reichsparlament stand heute völlig unter dem Eindruck der „Ministerflucht" in Preußen. Gegen 2 Uhr nachmittags flatterte das erste den unmittelbar bevorstehenden Rücktritt Miquels signalisierende Extrablatt ins Reichshaus vom Königsplatz. Bald darauf meldeten neue Exemplare der druckfeuchten Blätter, daß auch die preußischen Minister für Landwirtschaft und Handel, v. Hammerstein- Loxten und Brefeld, die Enthebung vom Amt nachgesucht haben. Tas schlug dem Faß den Boden aus. Die Abgeordneten, ohnehin schon in Aufregung ob der beim Schluß des preußischen Landtags in den Spätnachmittagsstunden zu erwartenden königlichen Botschaft, konnten es auf ihren Plätzen nicht mehr aushalten. Man bildete „Spezial-Parlamente" in den Gängen und Ecken des Saales, in der Wandelhalle, den Foyers, und stellte der preußischen Regierung, unter ausgiebiger Mitwirkung der Phantasie, das Horoskop. Wer mag da nicht alles als „kommender Mann" genannt worden sein! TaS Kriegsinvalidengesetz (zweite Lesung) und unterschiedliche Petitionen fanden derart vor einem höchst unaufmerksamen Auditiorium Erledigung.
♦ * *
Aus dem preußischen Abgeordnetenhause wird uns geschrieben:
Ueberfüllte Tribünen im preußischen Abgeordnetenhause, aber durchaus kein vollbesetztes Parkett. Ein nicht geringer Teil der Mitglieder des preußischen Landtags scheint unterrichtet gewesen zu sein, daß dies Schlußkapitel zur Krisis nichts Sensationelles, Aufregendes, Ueberraschendes ent- fyalten werde, und war daher der Schlußsitzung fern geblieben. Tie im Saale anwesenden Führer der Rechten, Graf Limburg-Styrum, Frhr. v. Zedlitz, Frhr. v. Wangen- heim, befanden sich, nach ihrer ganzen Haltung zu schließen, durchaus nicht in beklommener oder erwartungsvoller Stimmung, lleberall wurden die neuesten Ereignisse, die Entlasfungsgesuche der Minister besprock)en, und die Abendblätter von Hand zu Hand gereicht. Feierlichen Schrittes traten nun sämtliche Mitglieder des preußischen Staatsministeriums ein, und zwar im Frack; der Kriegsminister Herr v. Goßler und Marinestaatssekretär v. Tirpitz in großer Uniform, im Schmuck aller Orden. Herrn v. Miquels Antlitz war gerötet; in sichtlicher Erregung befand sich Herr von Thielen; Handelsminister Brefeld und der Landwirtschaftsminister Frhr. v. Hammerstein prägten einen düsteren Ernst in ihren Mienen aus. Ministerpräsident Graf Bülow verlas mit klarer, lauter Stimme die königliche Ordre über den Schluß des Landtags, machte eine kurze Pause und —: Jetzt wird die „geharnischte Kundgebung" kommen, glaubten die Tribünenbesucher, denn jedermann war ganz Ohr. Nichts dergleichen; es gab eine große Enttäuschung. Graf Bülow drückte einfach das Bedauern der kgl. Staatsregierung aus.
daß nach ihrer Ueberzeugung zur Zeit eine Verständigung über die Kanalvorlage, die als ein unteilbares Ganze be- ttachtet werden müsse, ausgeschlossen sei. Das war alles. Kein Wort von unerschütterlichem Beharren auf der Vorlage! In milde Heiterkeit löste sich die Spannung. Aus den Reihen der Rechten erstiegen nach Schluß der Sitzung mehrere die Esttade, um dem Grafen Bülow mit Wärme die Hand zu schütteln. War es eine Gratulation zu seinem heuttgen Geburtstag, oder zu seiner Rede? Vielleicht beides.
* * *
Als Rachfolger des Frhrn. v. Rheinbaben auf den Ministersessel des Innern werden der Oberpräsident von Posen, v. Bitter, sowie der Landesdirektor v. Manteuffel genannt. Andere glauben, Posadowsky übernehme die Finanzen, Podbielski die Landwirtschaft und der ko burgische Minister H e n t i g den Handel oder ein nativ- n a l l i b e r a l e r Politiker. Die Meldung vom Rücktritt des Justtzministers Schönstedt soll vollständig unbegründet sein. Die Berliner Blätter verzeichnen die Meldung, der- zufolge in Parlamentskreisen angenommen wird, daß nach der vom Grafen Bülow alsbald herbeizusiihrenden Kabinettsbildung die AuflösungdesAbgeordneten Hauses erfolge. Die Neuwahlen würden so angesetzt, daß die neue Session Ende Oktober oder Anfang November begmne. Tw Kanalvorlage dürfte alsbald wieder unterbreitet werden. Demgemäß wird von unterrichteter Seite erklärt, daß die aus Parlamentskreisen stammende Meldung der Abendblätter sich nickst bestätigt.
Die Erklärung, die der Ministerpräsident Graf v. Bülow in der gemeinschaftlichen Sitzung der beiden Häuser des Landtags abgab, lautete:
„Meine Herren! In der Thronrede, mit welcher ul) im Auftrage Sr. Majestät des Königs am 8. Januar d. Js. den Landtag der Monarchie eröffnet habe, nahm unter den angekündigten Gesetzentwürfen die wasserwirtsckstrst- liche Gesetzesvorlage eine hervorragende Stelle ein. Bei Beginn der Etatsdebatte habe ich darauf hingewiesen, daß dieser Gesetzentwurf neben dem Etat den Haupt- gegenstand Ihrer diesjährigen Beratungen bilden würde. Ich habe gleichzeitig betont, daß die geplanten Bauten dem Osten wie dem Westen, der Industrie wie der Landwirt-- schäft zu Gute kommen sollten, daß sie den gesamten Güteraustausch, nach allen Richtungen zu fördern bestimmt seien, daß dieser Gesetzentwurf im Zeichen wirtschaftlich ausgleichender Gerechtigkeit stehe. Aus diesem Grunde muß die Königliche Staatsregierung die einge- brackste erweiterte Kanalvorlage als ein Ganzes betrachten, aus welchem wesentliche Bestandteile ohne Beeinträchtigung wichtiger wirtschaftlicher Interessen nicht ausgeschaltet werden können. Nach dem Gange, welchen die Beratungen in der Kommission des Hauses der Abgeordneten genommen haben, hat die Königliche Staatsregierung zu ihrem Bedauern die Ueberzeugung gewinnen müssen, daß die erwartete Verständigung über die Kanalvorlage zur Zeit ausgeschlossen ist. Von der Fortsetzung einer zweck- losen Beratung dieser Vorlage kann sich die Königliche Staatsregierung keinen Erfolg versprechen und daher zu einer solchen die Hand nicht bieten. Auf Grund des mir erteilten Allerhöchsten Auftrages erlläre ich die Sitzungen des Landtages für geschlossen."
Engländer und Bure«.
Letzte Woche vereinigten sich Burenhaufen in großer Zahl unter hervorragenden Führern bei Hartebeestfontein. General Babington beschoß die stark verschanzten Stellungen einen ganzen Tag lang, und zwang sie, diese am 27. April zu räumen. Tags darauf hatte Babington bei Lopfönte in einen harten Kampf zu bestehen.
Hartebeestfontein liegt westlich von Klerksdorp und hat schon einmal ein lebhaftes Gefecht zwischen Delarey und Babington gesehen, bei dem Babingtons Leute eine Schlappe erlitten. Wenn die Buren jetzt dort wieder in großer Zahl stehen und trotz des Zwanges, den Babingtvns Geschützfeue^ aus sie ausgeüüt haben soll, am nächsten Tage einen harten ttampf liefern können, so beweist das, daß sie sich, wie schon so oft, sehr schnell wieder erholt haben.
Aus London, 2. Mai, wird berichtet: „Heute kommt wieder die alte Geschichte aus Südafrika", schreibt die „St. James's Gazette", „daß Steijn sich zu ergeben wünscht, aber daß Dewet nichts davon wissen will und droht, ihn exemplarisch zu bestrafen, wenn er noch einmal von der Sache spreche. Am selben Tage erzählt man, daß einer der bedeutendsten Burenführer die Waffen niederzulegen wünscht, und daß die Buren, die sich ergeben haben, erzählten, noch viele Buren wünschten die Waffen niederzulegen, ihre Führer jedoch gestatteten es nicht. Ist es nicht sonderbar, daß die Kommandos, trotzdem die Führer sich zu ergeben sehnen und die Leute mit allen Mitteln von ihren Kommandos zu entkommen sucheu ollen, dennoch auf die eine oder andere Weise im Felde bleiben?
Im Londoner Unterhause erklärte der Staatssekretär des Krieges Brodrick, im April seien 1046 Buren gefangen, genommen, 160 hätten sich ergeben.
Aus Pretoria meldet Reuters Bureau vom 3. d. M. r Durch heute erlassene Proklamationen wird die Z i v i l v er waltung Transvaals weiter ausgedehnt In. )en Städten Johannesburg, Boksburg und Krügersdorp wird die Polizei der Zivilbehörde übertragen und in ^erdel- rerg und Standerton werden Zivil-Gerichtshöfe eingesetzt.


