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Nr. 105 Erstes Blatt.
Sonntag 5. Mai 1901
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151. Jahrgang
Adrkflr für vrpkschenj Anzeiger Siehe».
Fernsprechanschlutz Äw. tfl.
General Viebahn bittet um Ablehnung des Antrages, da sonst das ganze Gesetz gefährdet werde.
Abg. Rickert (fr. Vg.) beantragt hinzuzufügen: Kriege sind doppelt in Anrechnung zu bringen.
General Viebahn erfiärt, daß auch mit Annahme des Antrages Rickert das Gesetz für die Regierungen unannehmbar sei.
Bezugspreis oiencllächM. Mk. 2.20, monatl. 76 W,. mit Bringerlohn,- durch Ä AbholesteUen viertelDtzGi. Mk. 1.90, monatl. 66 Ptz»
©et Postbezug viertelMM. Mk. 2.00 ohne BestellOM
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e&äyi Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Amtlicher Heil.
Bckanntmltlbnng.
Betr.: Schießübungen.
. .hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß
oas hessische Ztiger-Bataillon Nr. 11 zu Marburg am S., 13. und
80n 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittag, Ge. fechtSschteßeu mit scharfer Munition südlich Holzhausen mit süd- kicher und südöstlicher Schußrichtung abhalten wird.
Zu diesem Zwecke werden die den Forstort „die Seist" ourchrreuzendev, von Holzhaufen, Roßdorf, Mardorf und Erfurts- hausen in Richtung auf Roßberg, Höuigeu und Deckeubach füh. rendeu Waldwege durch Sicherheitsposten abgesperrt und darf das vorstehend bezeichnete Gelände während der angegebenen Zeit »uht betreten werden.
Gießen, den 4. Mai 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____v. Bechtold.
ro t „ Gießen, den 2. Mai 1901. Betr.: Lehrerkonferenz.
Die Großh. Kreisschulkommisfion Gießen a» die Schulvorstände unb Bürgermeistereien des Kreises.
k ^^i^hrige Kreisschulkonferenz findet Freitag, den 24 Mar d. I. vormittags 10% Uhr in Steins Warten dahier statt. Sämtliche Lehrerinnen und Lehrer des Kreises sind verpflichtet, au derselben teilzunchmen.
Tagesordnung.
1. Statistische Mitteilungen über das Volksschulwesen des Kreises für das Jahr 1901/2.
2- dortrag des Lehrers Bach-Großen Linden: Der Unterricht im 2. Schuljahr nach Herbert-Ziller.
An die Konferenz schließt sich ein einfaches Mittageffen an. Wir beauftragen Sie, die Lehrer Ihrer Gemeinden hiernach zu bedeuten.
___v. Bechtold.
Gießen, den 1. Mai 1901. Betr.: Eintragung der Schulgüter im Grundbuch. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
In den dermaligeu Grundbüchern ist als die Eigene tümerin von Besoldungsgrundstücken der Volks schullehrer vielfach die „Schule" eingetragen. Derartige Einträge entsprechen nicht der wirklichen Rechtslage. Denn die Schule besitzt keine Rechtsfähigkeit und kann deshalb auch nicht Eigentümerin sein. Es bedarf sonach in solchen Fällen besonderer Ermittelungen darüber, wem das Eigentum an den Besoldungsgrundstücken zusteht, und auf weffen Namen demgemäß der Eintrag in das anzulegende Grundbuch zu erfolgen hat. Zumeist wird die Gemeinde jene Grundstücke zur Ausstattung der Lehrerstellen zur Verfügung gestellt haben, und daher die Gemeinde als Eigentümerin in das Grundbuch einzutragen sein. Judesien ist es nicht ausge schloffen, daß die Grundstücke der Kirche oder einer.
Stiftung gehören und hiernach der Eintrag zu voll ziehen ist.
Schließlich kann es sich auch um sonstige Grundstücke handeln, die den Zwecken der Schule unmittel, bar oder mittelbar zu dienen bestimmt und mit Rücksicht hierauf in den dermaligen Grundbüchern auf den Namen der Schule eingetragen fmo.
„ _einen Überblick darüber zu erlangen, wie diese Verhältmffe in Ihren Gemeinden liegen, ist es für uns erforderlich zu wissen:
1. auf welchen Namen die erwähnten Liegenschaften in Ihren Gemeinden im Grundbuch eingetragen sind;
2. was Ihnen über die Eigentums und sonstigen RechtS- verhältniffe der fraglichen Schulgüter bekannt geworden ist und welche Urkunden hierüber sich in Ihrem Archiv befinden;
3. auf weffen Namen nach Ihrer Ansicht die Eintragung im neuen Grundbuche zu erfolgen hätte.
Wir sehen Ihrem umgehenden Bericht über diese Punkte bis spätestens 10. Mai Ifb. Js. entgegen. _____________ v. Bechtold.___________________
Bekanntmachung.
Wegen der in Anger Sb ach ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche und mit Rücksicht auf die dortselbst avgeordnete Gemarkungssperre wird die Abhaltung des für den 9. Mai ds. Js. in Lauterbach anberaumten Biehmarktes hiermit verboten.
Lauterbach, den 29. April 1901.
Großherzogliches KreiSamt Lauterbach.
Dr. Wallau.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 3. Mai.
. Am Bundesratstische befinden sich Kriegsminister von Goßler und Staatssekretär Frhr. v. Thielmann.
Auf der Tagesordnung steht der Gesetzentwurf betreffend die Versorgung der Kriegsinvaliden und Kriegshinterbliebenen.
Abg. Graf Oriola (ul.) als Berichterstatter berichtet über die Verhandlungen der Kommission.
Abg. Prinz v. Schönaich-Carolath (nt.) spricht seine Freude über die Verbesserungen des Gesetzes aus; trotzdem bedauere er, daß für die Subalternoffiziere keine bessere Fürsorge getroffen fei. Er hoffe, daß der Mangel, welcher dem Gesetze noch anhaste, später beseitigt werden könne. Tas Zustandekommen des Entwurfes sei ein schönes Ergebnis der langjährigen Bestrebungen, den Krieqs-Ju- validen aufzühelfen. (Beifall.)
§§ 1 bis 8 werden hierauf in der Kommisfionsfassung angenommen.
§ 9 bestimmt: Neben den durch dieses Gesetz erhöhten Pensionen ist eine Zulage für Nichtbenutzung des Zivil- versorgungsscheines sowie Anstellungsentschädigung nur für diejenigen Unteroffiziere zulässig, welche Anspruch auf Zivilversorgung durch zwölfjährigen aktiven Dienst erworben haben.
Abg. Schwarz-München (wild) beantragt folgenden Zusatz: Kriegsinvaliden, welche ohne zwölfjährige Dienstzeit für Nichtbenutzung des Zivilversorgungsscheines und Anstellungsentschädigung bisher Gebührnisse bezogen, haben auch für die Folge oen Genuß derselben.
Abg. Singer (Soz.) meint, die Regierung werde auch mit diesem Antrag das Gesetz schlucken, wenn der Reichstag fest bleibe. Die Regierung lehne den Antrag ab, weil er zwei Millionen koste. Seine Partei werde für den Antrag stimmen.
General Viebahn erklärt, Mehrkosten seien keineswegs ftir die Regierung ausschlaggebeno, sondern andere gewichtige, grundsätzliche Bedenken. Er bitte, beide Anträge abzulehnen.
Die Anträge Schwarz und Rickert werden a b g e l e h n t und § 9 hierauf in der Kommisfionsfafsung angenommen.
§§ 10 bis 19 werden ebenfalls angenommen.
§ 20 handelt von der Anrechnung der Zuschüsse.
Abg. Prinz Schönaich-Carolath (nl.) freut sich über den Zusatz der Kommission, daß die Zuschüsse bei der Neuveranlagung außer Ansatz bleiben und der Pfändung nicht unterworfen fein sollen. Er bedauert aber, daß außer diesen Zuschüssen alles beim alten geblieben sei. Seit Jahren wird auf die Ungerechtigkeit hingewiesen, daß den in Reichs- und Staatsdienst Angestellten die Pension bei ihren Gehaltsbezügen angerechnet werde, während bei Kömmunalbeamten dies nicht der Fall ist, diese also ihren vollen Gehalt beziehen. Diese Ungerechtigkeit müsse aus dem Wege geräumt werden
Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Treuenfels (k.) wird § 20 in der Kommisfionsfafsung angenommen, ebenso §§ 21 und 22.
Abg. Riff (Elf.) beantragt einen § 22a, wonach elsaß- lothringifchen Landesangehörigen, die im französischen Heere Kriegsinvaliden und später Deutsch geworden sind, sowie deren Hinterbliebenen aus dem Reichsinvaliden- sonds Beihilfen gewährt werden sollen bis zum Betrage der durch dieses Gesetz gewährten Gebührnisse. Derartige Beihilfen sollen auch den später deutsch gewordenen Hinterbliebenen der elsaß-lothringischen Landesangehörigen zu- fommen, welche den Feldzug im französischen Heer mit> machten, in demselben gefallen oder an feinen Folgen gestorben find.
Berichterstatter Graf Oriola (nl.) empfiehlt den Antrag, welcher der Ansicht der Kommission entspreche.
Staatssekretär Frhr. v. Thielmann kann erklären, daß der Antrag auch für die Regierungen annehmbar erscheine (Beifall), er müsse ab et den Vorbehalt machen, daß er noch einigen redaktionellen Aenderungen unterworfen wird, und Beihilfen nur gewährt werden, bei Erwerbsunfähigkeit und ungünstigen Vermögens-Verhält- niffen.
Abg. Baffer mann (nl.) erklärt: Wir halten es für eine Ehrenpflicht des deutschen Reiches, Soldaten, welche im Jahre 1870/71 ihre Pflicht und Schuldigkeit auf französischer Seite gethan haben, Beihilfen zu gewähren. Wir bitten, oen Antrag möglichst einstimmig anzunehmen.
Abg. Bachem (Ztr.) hofft ebenfalls, daß der Antrag einmütig angenommen wird. Auch die Elsässer sollten erkennen, daß sie unseren Herzen ebenso nahe stehen, wie die anderen Brüder.
Nachdem noch die 916gg. Schremps (kons.) und Haust-
Kunstausstellung.
In unserer Kunstausstellung im Turmhause zog mich dieser Tage der Name RüdiSühli an. Mir war's bekannt, daß RüdiSühli, von dem ich bisher nirgends etwas gesehen hatte — ich erinnere mich, daß er vor 3 Jahren in Dresden ausgestellt hatte — ein Landsmann und Freund Arnold Böcklins, des Gewaltigen, war, und, wenn ich mich nicht irre, sogar einer von den wenigen, die unter Böcklins Augen sehen lernten. Auch wer hiervon nichts wüßte, würde unschwer manche Spuren der besonderen Ausdrucksweise des größten deutschen Malers des 19. Jahrhunderts bei H. RüdiSühli finden. Seine Bilder zerfallen in zwei Gruppen: solche, die ein einfaches Stück Natur zum Vorwurf nehmen, schlecht und recht, wie die meisten Maler unserer Tage von Durchschnitts Begabung ohne hervorragendes Naturgefühl und ohne besondere dichterische Veranlagung, und solche, in die offensichtlich die überwältigende Persönlichkeit Böcklins des Großen stark hineinspielt. Die erstere Gruppe enthält kleinere Sachen recht allgemeiner Art. Sie gipfelt in der „Herbstsonne", einem Waldbilde nicht ohne farbig reizvolle Stimmung. Von der zweiten Gruppe ist am meisten Böcklinsch die Tempelmine am Meer, ein Bild, das ja wohl seine künstlerischen Qualitäten hat, die aber arg verbittert werden durch das Nach-„Empfundene", Unselbständige. Welcher unsägliche Unterschied zwischen Böcklins unvergleichbarer „Billa am Meere" und seiner Nachahmung. Dort tiefste Melancholie, erster bendes Wellengeflüfter, wehklagender Wind und sturmgebeugte Cypreffen, das stimmungsvollste malerische Klagelied — hier, bei RüdiSühli, stimmungslose, trostlose Mattigkeit, beklagens
werte JndividualitätSlosigkeit, rein äußerliche, geistlose Nach, bildung ohne eigenes Empfinden. Auf einigen seiner andern Gemälde findet man wieder eine andere Art Rüdisühlis, eine Verschmelzung verschiedenartiger fremder Einflüße. So ist z. B. manches Herbstbild von ihm mit einem schönen, Böcklinschen Himmel geschmückt, der starke und merkwürdige Stimmung hervorbringt, während alles Uebrige auf dem Bilde glanz- und reizlos ist.
Neben dieser Kollektivausstellung ist immer noch die von Ismael Gentz zur Stelle. G. hat die Orientreife des Kaisers und der Kaiserin mitgemacht und bringt die Früchte seiner Studien zum Vorschein. Selten habe ich eine Sammlung von Bildern gesehen, die einen ähnlich unvorteilhaften Eindruck gemacht hätte. Ich will ganz davon absehen, daß Gentz nicht in einem seiner Bilder irgend welche Stimmung, irgend welche Empfindung für das immerhin Historische des Augenblicks, den er miterlebt hat, zeigt. Schließlich ist geschichtliche Empfindung, jenes Gefühl für die Wertschätzung einer bestimmten Situation nicht jedermanns Sache. Gentz hat Jerusalem, den deutschen Kaiser bei der Eröffnung der deutschen Erlöserkirche in jener Stadt Judäas gesehen, der Wiege des Christentums. Er hat keine tiefere Anregung in eelischcr Beziehung daraus empfangen. Aber auch rein technisch find seine Darstellungen vollständig mißlungen. Er macht auch nicht einmal den Versuch einer künstlerischen Durchdenkung und Durchbildung seiner Aufgabe. Und dieses Colorit, dieses Licht! Sollen das die strahlenden Farben des Orients fein, diese harten, hellen, verwischten Töne, diese rellen Diffonanzen, schreiend, abstoßend an einander ge- ügt? Auch auf die Aehnlichkeit der entsetzlich steif hin- und
dargestellteu Personen ist keinerlei Rücksicht genommen. Man sieht nicht oft in Kunstausstellungen so etwas wenig Erfreuliches wie die Gentzschen Schöpfungen.
Aus der alten Kunststadt Weimar sind ein paar junge Bilder da. Weitaus das beste ist das Freilichtstillleben von M. v. Freytag-Loringhoveu. Die Dame scheint eine Schülerin des Frhrn. v. Gleichen-Rußwurm zu fein, des Nrffen Schillers, eines wichtigen Förderers des Kunstlebens an der Ilm. Gut gesehen und äußerst klar gestimmt, geschickt und intereffant gemacht ist baS Stück, wenn auch der gepflasterte Hof im Vordergründe vielleicht ein klein wenig zu schwer im Ton ist, und dieses und jems den Eindruck des Absichtlichen, Komponirten macht. Das eigentümliche Motiv ist ganz ä la Gleichen. — Blumen und Früchte zu malen versteht E. Goerg wie nicht viele des Malens befiiffene Damen! Von ihren Bildern geht ein Leuchten aus, das erwärmt und erfreut. — Joseph Rollet sch e k hat ein Genre- stück allerältester Effektmacherei ausgestellt und mit dem nicht gerade ungewöhnlichen Namen „Der verlorene Sohn" versehen.
Unter den Düffeldorfern verdient Edmund Massa« wegen eines mit großer Feinheit gemalten Bildes „Heimliche ’iebe" Erwähnung. Das verliebte junge Rococo Herrlein, )aS seinem Schätzchen einen Blumengruß zuwinkt, heb: sich von dem hochfensterigen sonnendurchschienenen Jnnenraume plastisch und wirksam ab. Ein tüchtiger Landschafter ist Fritz v. Wille, der eine schöne, einfach und groß empfundene Eifel-Landschaft ausgestellt hat.
Ein Überrascheno hübsches Stück Glasmalerei hat O. Hirz aus Gießen ausgestellt, das eine brillante, rein


