tigste und zugleich zeitraubendste Arbeit, sodaß man frühzeitig die Anwendung maschinellen Betriebes anstrebte. Man benutzte dabei die vom Handbohren her bekannten zwei Arten der Bohrbewegung: die stoßende und die drehende. Tie hierzu erforderlichen Werkzeuge sind im ersten Falle ein Bohrmeisel, der meistens direkt auf einer verlängerten Kolbenstange sitzt; im zweiten Falle je nach der Bcsräaffen- heit des zu bohrenden Materials verschieden: Spiraloohrer, vorzugsweise bei weichen Gesteinen, oder Bohrkronen, die ein ringförmiges Loch bohren. Im Prinzip verdient die drehende Bewegung entschieden den Vorzug, weil dabei ein kontinuierliches Ausnutzen der Arbeitskraft stattfindet, was bei der Stoßbohrmaschine, bei der jeder zweite Hub, der Rückzug, tote Arbeit ist, unmöglich ist. Ta bei harten Gesteinen der verwendete Werkzeugstahl beim Stoßen weniger abgenutzt wurde, als beim Trehen, so war man für diese Fälle seither auf den Stoßbohrer angewiesen. Nun ist eine Maschine auf den Markt gebracht worden, die durch Armierung d e r B o h r k r o n e m i t b e st e n T i a m a n t e n die Anwendung des Drehbohrens auch bei harten Gesteinen mit gutem Erfolg einführte.
Zum Antrieb von Gesteinsbohrmaschinen verwandte man früher ausschließlich Dampf, Druckluft oder Preßwasser, die jedoch sämtlich nicht die sichere und leichte Kraftübertragung ermöglichen wie die Elektrizität. (Ter Versammlung war Gelegenheit geboten, sich hiervon an Hand der eigens für den Vortrag von dem hiesigen Bureau der Firma Schuckert improvisietten Kraftübertragung zum Antrieb der Versuchsmaschine zu überzeugen. Ter trcrbende Elektromotor erhielt Strom aus der ea. 200 Meter entfernten Reiber'schen Maschinenstation; eine derartige Kraftübertragung mittelst Tampf oder Truckluft wäre in der
kurzen Zeit und mit solcher Leichtigkeit nicht möglich gewesen!) Tie seither vorhandenen elektrischen Gesteinsbohrmaschinen beruhten zumeist auf dem Stoßprinzip und waren ihre Konstruktion und Wirkungsweise nur sehr unvollkommen mit den schnelllaufenden Elektromotoren in Einklang zu bringen. Tie sogenannte Solenoidbohrmaschine setzte einen derartig großen Teil der zugesührten Energie in Wärme um, daß bei forciertem Betrieb 200 bis 300 Prozent Reserve nötig waren. Tie bereits erwähnte Bohrmaschine mit Tiamantbohrkrone wird hydraulisch gegen das Gestein gepreßt und das Truckwasser gleichzeitig als Spül- und Kühlwasser bis zur Arbeitsfläche geleitet. Infolge der sich ergebenden einfachen Konstruktion der Maschine und der großen Härte und Widerstandsfähigkeit der Tiamanten, kann die Bohrkrone dieselbe Tourenzahl (1400 bis 1500 pro Minute) erhalten wie der Elektromotor, und es erhellt, daß die Wirkung, bei einem je nach der Härte des Geste ms zu variierendem Truck von 60 bis 300 Kgr. eine sehr bedeutende ist. Tie Befestigung dieser Maschine kann sowohl an einem Treifuß als an einer Spannsäule erfolgen. Tie unabsichtliche Berührung stromführender Teile ist ausgeschlossen. Sämtliche Teile sind leicht transportable und auswechselbar. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die Möglichkeit, sehr tiefe Löcher von gleichem Turchmesser mit dieser Maschine au bohren.
Eine andere elerktrisch angetriebene Gestemsbohrmaschine die den seitherigen Schlangenbohrer und die Handbohrmaschine für Steinkohle, Braunkohle, Steinsalz, milden Schiefer und quarzfreie Minette ersetzen soll, ahmt direkt das Handbohren nach. Ter Vorschub des kräftigen Schlangenbohrers erfolgt mechanisch un^.die Tourenzahl beträgt ca. 300 pro Minute. Erwähnt sei, daß diese Maschine in Stein
salz ein metertiefes Loch von 40 Mm. Turchmesser irr 2.25 Minute bei einem Kraftbedarf von 1.50 P. S. bohrte.
Ein drittes System vereinigt die Vorteile des Luftstoßbohrers für quarzhaltige Gesteine, mit denen der elektrischen Kraftübertragung. Es werden zu diesem Zwecke besonders gebaute Luftkompressen verwendet, die zum gleichzeitigen Betrieb von zwei Bohrmaschinen genügen, der Antrieb des fahrbaren Kompressors erfolgt kurz vor Ort durch einen Elektromotor, mit dem er zusammengebaut ist.
Ter Vortragende schloß, indem er der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Elektrotechnik auch auf dem vorgeführten Gebiete sicher voranschreiten werde. —
Reicher Beifall lohnte den Redner für den durchaus klaren und objektiven Vortrag und sprach Herr Tirektor Marx in anerkennenden Worten den Tank des Vereins aus. An der nun folgenden Diskussion beteiligte sich vorzüglich .Herr Tr. Voß-Limburg, dessen Fragen zu seiner Zufriedenheit von den Herren Ingenieuren Class en und Stamm beantwortet wurden.
Man begab sich nunmehr in den Garten, wo Versuche mit den neuen Maschineri an Marmorblöcken, welche Herr Fabrikant G a b r i e l in liebenswürdiger Weise .zur Verfügung gestellt hatte, vorgenommen wurden, lieber das sichere und schnelle Arbeiten der Maschinen herrschte nur eine Stimme der Anerkennung, und ließ es sich Herr Gabriel nicht nehmen, die Versuchsresultate zu verkünden. Dieselben waren überraschend günstige und lassen wir sie hier folgen: in 3.50 Minuten ein 36 Ctm. tiefes Bohrloch in dem harten blauen Kalkstein, in 10.50 Minuten 93 Ctm. in dem besonders harten dolomitartigen Kalkstein.
Bekanntmachung.
Der von der Stadtverordneten-Versammlung in ihrer gestrigen Sitzung festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das Etatsjcchr 1901/02 nebst Voranschlag des Stadterweiterungsfonds und des städtischen Gas- und Wasserwerks liegt in Gemäßheit des Art. 83 der Städteordnung während acht Tagen zur Einsicht jedes Beteiligten in bet- Büreau, Zimmer Nr. 15, der unterzeichneten Stelle offen.
Gießen, dm 3. Mai 1901. 8364
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
__________ Mecum._______________
Bekanntmachung.
Laut Beschluß der Stadtoerordneten-Versammlung vom 18. April 1901 ist als Diener der Stadtkafse der bisherige Schutzmann Johannes Otterbeiu dahier angestellt und heute in setnm Dienst eingewiesm worden.
Der Diener der Stadtkasse ist städtischer Beamter uno bezieht als solcher festen Gehalt- Annahme von Trinkgelder», ist demselben untersagt.
Gießen, dm 1. Mai 1901. 3365
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
___________________I. V.: Wolff.________
Arbkitsvergebung — Straßenbau.
Die zum Bau einer Kreisstraße Ritzenbügel—Peters- haiuerhof—Alteuhain (Länge 4617 lfd. m Neubau und i957 lfd. m Jnstandstkllung alter Straßen) erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, und zwar:
Erdarbeiten: 7250 qm Rasenansatz, 12058 cbm Füllmasse zu lösen, 9495 cbm Erdtransport (größte Trans» portlänge 368 m), 1957 lfd. m Jnstaudstellung alter Straßen. Aufsehen vorkommender Steine, Herstellen vou 4617 lfd. m Reinplaniv,
Kanäle: Liefern, Beifahren und Verlegen von 180 lfd. m Cementröbren, 30 und 40 cm weit,
Chaussierung: Liefern von 5261 cbm Chaussier- inen, 2300 cbm Decksteinen, 21468 qm Chaussierung, 391,4 cbm Steine auf alte Straßen einzudeckm, 4000 lfd. m Wandsteinregulierung, 11000 lfd. m Wandsteinherstellung und 400 qm Rollgossenherstellung, sollen mittels allgemeinen Wettbewerbs vergeben werden.
Die Bedingungen liegen zur Einsicht der Interessenten in unserem Baubureau offen. Angebotsformulare werden zum Selbstkostenpreise, soweit der Vorrat reicht, abgegeben.
Entsprechend bezeichnete Angebote sind bis spätestens am 20, Mai l. I, vormittags 9 Uhr, bei unterzeichneter Stelle portofrei einzusenden.
Die Zuschlagsfrist beträgt drei Wochen.
Schotten, am 28. April 1901. 3225
Großh. Kreisamt Schotten. Schönfeld.
DkWkl Men Umm.
Provinzial-Ausschuß für die Provinz Oberheffen.
Einladung.
Km Montag dem 20. Ma», abends S'/i Uhr, finbet im CasH Ebel hierfelbst die satzungsmäßige
Jahres - Versammlung des Vereins statt, wozu der gesamte Vorstand und alle Vereins» Mitglieder ergebenst erngeladen werden.
Tages Hrduung: 1. Rechenschaftsbericht.
2. Abnahme der Jahresrechnuna.
3. Neuwahl des Vorstandes.
Um recht zahlreiche» Erscheinen wird gebeten.
Der Vorsitzende:
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