Ausgabe 
5.4.1901 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

salls fertiggestellt. Dieselben werden einer Redaktionskom- rnission zur weiteren Behandlung überwiesen.

Als Anhang zum Jahresbericht gedenkt die Kammer im Laufe des Jahres noch einen besonderen statistischen Bericht über alle wichtigeren, Handel und Industrie des Kammerbezirks betreffenden Thatsachen und Vorgänge herauszugeben.

3. Budget pro 1901 /02 und 1902/03. Die Beratung des Budgets pro 1901/02 ergiebt gegenüber dem Vorjahre eine unbedeutende Erhöhung. Für das Etats- jahr 1902/03 soll das Großh. Ministerium d. I. ersuchh werden, für die hiesige Kammer einen Staatszuschuß, von 4000 Mark vorzusehen.

4. Krankenversicherungszwang für Hand­lungsgehilfen u. s. f. (vergl. Protokoll-Auszug vom 22. Januar 1901). Nachdem die hiesige Ortskrankenkasse bei der hiesigen Großh. Bürgermeisterei erneut den Antrag auf ortsstatutarische Ausdehnung des Krankenversicherungs­zwangs auf Handlungsgehilfen und -Lehrlinge, sowie Haus­gewerbetreibende gestellt hat, ist die Kammer wiederholt um eine Aeußerung über den Antrag ersucht worden. Die Kammer ist nach wie vor der Ansicht, daß es sich im Hinblick auf die demnächst zu erwartende Umgestaltung des Krankenversicherungsgesetzes zur Zeit nicht empfiehlt, einer so einschneidenden Maßregel näher zu treten. Im übrigen gewähre der § 63 des neuen Handelsgesetzbuches speziell dem Handlungsgehilfen bei unverschuldeter Krankheit einen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt bis zu 6 Wochen. Auch sei der Handlungsgehilfe nach diesem Paragraph nicht ver­pflichtet, sich den Betrag anrechnen zu lassen, der ihm sür die Zeit der Verhinderung aus einer Krankenver­sicherung zukomme. Eine Vereinbarung, welche dieser Vor­schrift zuwiderlaufe, sei ausdrücklich als nichtig erklärt. Hiernach könne nicht nur ein Bedürfnis für die beantragte Ausdehnung nicht anerkannt werden, sondern dieselbe stelle sich geradezu als eine Gefahr dar, sofern sie einen nicht zu unterschätzenden Anreiz zur Krankheitssimulation in sich schließe. Die Kammer beschließt deshalb, sich zu dem An­trag ablehnend zu äußern.

5. Verbesserung der Handels st ati st ik. Ge­legentlich der Einführung eines neuen Zolltarifs wird vom Kaiserl. Etat. Amt die Frage erwogen, ob und wie die bisherige Methode der Ermittelung der Handelswerte zu verbessern ist, insbesondere ob an Stelle der jetzigen Schätz­ungen ganz oder teilweise Wertdeklarationen zu setzen sind. Die Kammer ist der Ansicht, daß eine Verbesserung der Handelsstatistik wünschenswert und der ins Auge gefaßte Weg obligatorischer Wertdeklaration für die Einfuhr und Ausstlhr zweckmäßig ist, und daß im allgemeinen die Interessenten gerne bereit sein werden, die erforderliche Mehrarbeit durch die Abgabe sorgfältiger Wertdeklarationen in den Anmeldescheinen auf sich zu nehmen, wenn nur gegen eine mißbräuchliche Verwendung der letzteren Vor­sorge getroffen werde. Die Kammer beschließt, sich in diesem Sinne an das Kaiserl. ©tat. Amt zu äußern.

6. Eingänge. Eine erneute Eingabe der Kammer betr. Einrichtung von Personenbeförderung bei dem Güterzuge 9247 Gelnhausen- bezw. Lich-Gießen, ist von der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. wiederholt ab­schlägig beschieden worden.

Einer hiesigen Kolonialwarengroßhandlung war im vorigen Jahre ein großer Posten ausländischen Reis- suttermehls vom Königl. Hauptsteueramt in Frank­furt cl W. mit der Auflage angehalten worden, dafür 1050 Mark Zoll zu entrichten. Nachdem eine Vorstellung der Firma bei der Königl. Provinzial-Steuerdirektion in Kassel wirkungslos geblieben war, wandte sich die Kammer im November vor. I. mit einer Eingabe an das Königl. Preuß. Finanzministerium, derzufolge von letzterem kürzlich die zollfreie Ablassung des Mehles verfügt worden ist.

Bei der Kammer sind weiter u. a. eingelaufen^ ein neues Verzeichnis der Kaiserl. deutschen Konsulate; eine neue Zusammenstellung zweifelhafter aus­ländischer Firmen; Mitteilungen über: die zollfreie Einfuhr der von deutschen Handlungsreisenden mitgeführten Warenmuster nach Spanien; die demnächst in Barcelona stattfindende Ausstellung einheimischer Kohlen; Handels­verhältnisse mit Australien; die Cementindustrie in den Bereinigten Staaten und gewerbliche Unternehmungen in SüditaUen. Interessenten wird hierüber auf dem Büreau der Kammer näheres mitgeteilt.

Außerhalb der Tagesordnung wird noch die schon zuvor in einer eigens hierzu niedergesetzten Kommission der Kammer verhandelte Frage der (Ärichtung einer Halte­stelle für den Personenverkehr am Nordende Gießens erörtert und beschlossen, die Angelegenheit für die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bezirkseisen­bahnrats in Frankfurt a. M. anzumelden. Im übrigen be­schließt die Kammer, bei weiteren Schritten in dieser Frage möglichst im Verein mit der hiesigen Großh. Bürgermeisterei vorzu gehen.

Nachdem der Vorsitzende noch über eine Sitzung des Ausschusses -des Bezirkseisenbahnrats in Frankfurt a. M. berichtet hatte, in welcher ein auch von der Kammer be­fürworteter Antrag betr. Ausdehnung des Systems der Eisenbahn Paketbeförderung auf das ganze preußisch-hessische Staatsbahnnetz angenommen wurde, wurde die Sitzung geschlossen.

Vermischtes.

* Kiel, 3. April. Durch einen Grundstoß ist dak "Kaiser Friedrich III.-, an dessen Bord Heinrich befindet, beschädigt worden. Das ^ute Mittag in den hiesigen Hafen eingelaufen Dip Äm Werftdampfern an die Strombojev geschleppt. Die beschien Abteilungen des Schiffes find voll Wasser bord" über ^g-deffen etwas nach Back-

m sofort in das Dock der kaiser­

lichen Werft Die Beschädigungen scheinen bedeutend in fommt°ba6 b C A^erdienststellung des Schiffes in Frage

Die Waffen der Könige. Nach demGti dc ParrS- sind die meisten Herrscher sehr geübt in dem Gebrauche bestimmter Waffen. Kaiser Wilhelm handhabt den Säbel mit Meisterschaft, König Leopold von Belgien war ein aus­gezeichneter Florettfechter, jetzt übt er diese Kunst nur noch selten. Sultan Abdul «Hamid ist ein Pistolenschütze von außerordentlicher Geschicklichkeit. Zar Nikolaus trägt immer einen winzigen Revolver bei sich, ein Kleinod, dessen er sich

mit seltener Geschicklichkeit bedient. Meuelik schießt über­raschend sicher mit dem Karabiner. Es ist ihm gelungen, auf 50 Schritt 46mal bei fünfzig Schüssen ins Zentrum zu treffen. Daß Präsident Krüger in seinen jüngeren Jahren ein hervorragender Schütze war, ist bekannt. Loubet be« dient sich seines Jagdgewehres nur mit mäßiger Geschick­lichkeit.

* Levoe einrr amerikanischen Dollarfürstin. An die Zeiten der Pompadour oder Dubarry erinnert die Levoe, die Frau SpreckleS, die Schwiegertochter des kali­fornischen Zuckerkönigs Claus SpreckleS, kürzlich in ihrer Billa in der Avenue Malakoff in Paris abhielt. Sie hatte §nladungeu zu einer Festlichkeit erlassen, als sie plötzlich am Borabend des Festes erkrankte. Es war zwar nur ein leichter Anfall von Influenza, aber der Arzt bestand darauf, daß sie im Bette bleibe. Alle Einladungen rückgängig zu machen, war es zu spät, und daher empfing sie diejenigen ihrer Gäste, die sich zur festgesetzten Stunde einstellten, im Bette. Mit einem kanariengelbe», spitzenbesetzten Gewände angethan und Strümpfen und Pantoffeln in derselben Farbe, lag sie in den mit Blumen bestreuten Polstern und amüsierte sich höchlich über die verdutzten Gesichter ihrer Gäste.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter Opernhaus. Man schreibt uns: Tie Intendanz der Oper veranstaltet in den Tagen vom 9. bis 15. April eine sorgfältig vorbereitete zynische Aus­führung von Richard Wagners Bühnenfestspiel.Der Ring des Nibelungen" unter Mitwirkung oes Kammersängers Aloys Burgstaller von Bayreuth. Am 9. gelangtDas Rheingold" (Froh: A. Burgstaller), am 10.Die Walküre" (Sigmund: A. Burgstaller), am 12.Siegfried" (Siegfried: A. Burgstaller), am 15.Götterdämmerung" (Siegfried: A. Burgstaller) zur Darstellung. In den hervorragenden Partien der Tetralogie sind die Damen Greeff-Andriessen, Jäger, Schacko, Weber, Bossenberger, die Sperren Dr. Pröll, Nawiasky, Schramm, Pichler, Greeff beschäftigt. Die musi­kalische Leitung hat Kapellmeister Dr. Rottenberg inne, die szenische Oberregisseur Krähmer. Ter Anfang der Vor­stellungen ist, mit Ausnahme der Aufführung vonRhein­gold", die um 7 Uhr beginnt, auf 6 einhalb Uhr festgesetzt worden. Die Eintrittpreisse sind die normalen. Platz­bestellungen werden jederzeit an den Kassen des Opern­hauses entgegengenommen.

Kiel, 2. April. Heute mittag fand auf der Werft der Howaldtswerke der Stapellauf des für die deutsche Südpolar-Expedition bestimmten Schiffes statt. Zu der Feier waren u. a. erschienen Staatssekretär 'Graf v. Posadowsky, Geh. Rat Jonquieres, der Direktor der Hamburger Seewarte Professor v. Neumayer und der Leiter der Südpolar-Expedition Professor v. Drygalski, so­wie zahlreiche Vertreter des Auswärtigen Amts, des Reichs- Marine-Amts, der Provinzial- und der städtischen Be­hörden. Geh. Rat Professor v. Richthofen hielt die Tauf­rede, in der er betonte, daß der Stapellauf dieses unschein­baren Schiffes von den Sympathieen der deutschen Nation begleitet sei. Eine kleine Schar beherzter Männer sei ent­schlossen, mit dem Schiff die deutsche Flagge hinauszu­tragen dorthin, wo starres Eis und unerhörte Kälte die höchsten Anforderungen an Geist und Körper stellen. Ein deutscher Denker, Karl Friedrich Gauß, habe vor 65 Jahren die Anregung zur Erforschung der Antarktis gegeben. Ihm zu Ehren taufe er das Schiff auf Befehl des Kaisers auf den NamenGauß". Unter den Hurrahrufen der An­wesenden glitt das Schiff dann langsam in sein Element. Im Anschluß an den Stapellauf fand eine Frühstückstafel statt, bei der Staatssekretär Graf Posadowsky ein dreifaches Hurrah auf den Kaiser ausbrachte. Telegramme hatten ge­sandt der Reichskanzler Graf Bülow, Staatssekretär des Reichs-Marineamts Vize-Admiral v. Tirpitz und Staats­sekretär Frhr. v. Richthofen. Von den Howaldtswerken be­gab sich Staatssekretär Graf Posadowsky mit einer Werft- pinasse nach Ellerbeck und besichtigte unter Führung des Geheimrats Franzius und des Ober-Werstdirektors von Ahlefeldt die Häuser des Arbeiterbauvereins.

Gerichtssaal.

Darmstadt, 3. April. Vor dem Oberlandes­

gericht fand im Prozeß des Offenbacher Beige­ordneten Wolff gegen die Gesellschaft Großes Kolleg gestern die Schlußverhandlung statt. Der Kolleg­vorstand verweigerte zunächst die von dem klägerischen Ver­treter Justizrat Dr. Jäger veranlaßte Vorlage des Protokoll­buchs. Das Gericht erließ hierauf Zwischenurteil, durch das die Vorlage angeordnet wurde. Die Einsicht ergab, daß nach dem Protokollbuch die Generalversammlung seiner­zeit einberufen wurde, um über den Ausschlußantrag einer Anzahl von Mitgliedern zu beschließen, während der Vor­stand dem Kläger Wolff gegenüber einen eignen Antrag als Gegenstand der Verhandlung vorgab. Es ergab sich ferner, daß der Ausschlußantrag der Mitglieder überhaupt weder Thatbe stand üoch Gründe enthielt, wie dies nach dem Statut gefordert wird, und daß der Vor­stand demnächst erst einen durch dasMitglied Sievers gefertigten Thatbestand eines eigenen Antrags dem Kläger mitteilte". Abgesehen von diesen formellen Gesichtspunkten begründete der klägerische Vertreter die Notwendigkeit der materiellen Nachprüfung nach § 315 und 318 des Bürger­lichen Gesetzbuchs und beantragte die Nichtigkeitserklärung des Ausschluß-Verfahrens und -Beschlusses; der Ausschluß verstoße gegen die guten Sitten. Dieser Einwand stütze sich auf die Litteratur der neuesten Zeit über die einschlägige Frage. Die Entscheidung, die am 17. April ver­kündet wird, dürfte insofern von Interesse sein, als es der erste Fall ist, der unter der Herrschaft des Bürgerlichen Gesetzbuchs entschieden wird, und als in Frage steht, ob eine Privatgesellschaft einen Beamten

wegen seiner amtlichen Thä tigkeit gewisser­maßen disziplinieren kann wenn die amtliche Thätigkeit durch! die zuständigen Gerichte und Organe als korrekt anerkannt, ja sogar ein Disziplinarverfahren zur Aufklärung öffentlich erhobener Beschuldigungen als un­veranlaßt abgelehnt wurde.

31 April.S gibt kein schöner Leben als Stu ?^ÄnIel,n.'r wie es Bacchus und GambrinuS schuft so ÄtJ2lrteur ^euI Winzer und beschloß, sich dem

«>u,4u^cnn< Jraendwelche Vorkenntnisse besaß er nicht, aber eine flatle Dosis Leichtsinn, gepaart mit einer großer

Portion Frechheit, nannte er sein eigen. Nach seiner Meinung war baS genügend, um einige Monate den Kouleurstudmten, und zwar den flotten Burschenschafter, zu spielen. Der Aktive einer Burschen­schaft muß jedoch, so kalkulierte er, um überall baS erforderliche An­sehen zu genießen, mit einigen Renomminschmtssen verziert sei». Auch dafür sorgte Winzer, indem er sich künstlich wie er sagte, durch Kratzen tm Gesicht zahlreicheSchmisse" aus Stirn und Backen beibrachte, die er zum TeU verklebte. Auf die Frage beS Vorsitzenden drS Gerichtshofes, ob er englisches Pflaster ober vrtesmaikenpapier zum Verkleben der Wunden gebraucht habe. einen dauernden Nach­teil hatte er sich nicht zugefügt blieb er die Antwort schuldig. Doch nun zu den Schwindeleien WtnzerSl Einige Tage vor dem 30. De» z ander kehrte er in einer Weinstube auf dem Brühl ein. Mit Hilfe der bedienenden Hebe und einer .Chansonette" glückte eS ihm, in wenigen Stunden vier Flaschen Sekt ü 7,50 Mk., vier Flaschen Sekt k 9 Mk. und für 4 Mk. Kaviarbröbchen zu vertilgen. Ein Studeni bezahlt nur am ersten, wenn er seinen Wechsel von daheim bekommen bat, so Hätte Winzer die Büsfrtmamsell auf. Da derselben, der sich als Mitglied einer angesehenen Burschenschaft gerierende Winzer, der angeblich über einen MonatSwechsel von 300 Mk. verfügte, von früheren Besuchen auB bekannt war, so wurde ihm die Bezahlung der Zeche bis zum 1. Januar gestundet. Am 31. Dezember erschien derSiudmt" wiederum in der Weinstube, machte in aller Eile eine Weinzeche von 7 Mk. (2 Flaschen), »pumpte* die Büffetmarnsill um 12 Mk., angeblich zur Bezahlung von Kltnttgeldern, an und nahm ein«, mit 85 Pig. frankierten Brief, der niemals sein Ziel erreicht hat, zur Ablieferung auf den Thüringer Bahnhof mit. Am 18. Februar sehen wir Winzer, wie er einem wirklichen Studenten der Medizin ein Lehrbuch dec Anatomie stiebtt, um dieses Werk für 5 Mk. beim Antiquar zu ver­kaufen. Am 23. Februar mietete sich der falsche stud. med. bei einer Witwe «in. Diese war stolz darauf, als ersten Mieter Überhaupt einen Mediziner und Angehörigen einer schlagenden Korporation zu erhalten. Winzer, der sich in baS Vertrauen der leichtgläubigen Frau einschlich, blieb dieser nicht nur die Miete schuldig, sondern borgte sie noch um barcS Geld, und zwar um 2,50 Mk. zur Bezahlung von Kneipgeldern rc. an. Die Schuld Winzers betrug schließlich 20.37 Mk. als seine Verhaftung erfolgte. DaS Gericht erkannte gegen dm ab­gefeimten Betrüger und Dieb auf drei Monate und eine Woche Ge­fängnis, wovon eine Woche als durch die Untersuchungshaft verbüßt zu gelten hat.

Posen, 3. April. Nach denP.N.N." fand vor dem Landgericht die Verhandlung in dem Prozeß der gräflichen Familie Wesierski" Kwilecki statt, der in den Kreisen der polnischen Aristokratie schon lange daS Tagesgespräch bildet. Die Ehe deS MajoratSbefitzerS der Herrschaft Wroblewo im KreiS 6amtet, deS Grafen Zbigniew WesierSki-Kwilecki, mit Isabella geb. Gräfin Bniska war lange Zeit nur mit Töchtern gesegnet, nachdem der einzige Sohn vor etwa 20 Jahren gestorben war. Anfang 1897 wurde bekannt, daß am 27. Januar 1897 der Gräfin, die im 50. Lebensjahre stand, nach 16jähriaer Pause ein Kind, und zwar ein Sohn, der ersehnte Majoratserbe, geboren sei. Die Sache wurde lebhaft besprochen, und einige Zeit darauf verbreitete sich baS Gerücht, daß di» Gräfin, die zur Entbindung nach Berlin gereist war, überhaupt nicht ge­boren und das Kind untergeschoben habe, um das Majorat ihrer Familie zu erhalten. Der älteste Agnat der gräflich Kwileckischen Seitenlinie, auf die das Majorat Wroblewo im Fall deS Nichtvorhandenseins eimS rnftmu- lichen Leibeserben übergegangen^e, sah sich veranlaßt, den Gerüchten im Jntereffe seiner Familie auf den Grund zu gehen, und verlangte von dem gegenwärtigen Majoratsbesitzer die Angabe von Zeugen, die bei der Geburt zugegen waren. Als Antwort hierauf strengte Graf Zbigniew Wesierski-Kwilecki im Namen seines jungen Sohnes die Klage auf An­erkennung seiner Legitimität und seiner nächsten Anwartschaft auf baS Majorat Wroblewo an. Der verklagte Senior ber Seitenlinie stellte nun im Prozeß birekt bie Behauptung auf, baß bie Gräfin gar nicht guter Hoffnung gewesen und das Kmd in Berlin von einer dritten Person ein- zebracht, also untergeschoben, worden sei. Die Verhandlung, in der 15 Zeugen und Sachverständige vernommen wurden, ergab mtt vollster Bestimmtheit sowohl die Schwangerschaft der Gräfin wie ihre Entbindung, von der sie am 27. Januar 1897 vorzeitig überrascht worden war. Der aus der Heimat telegraphisch herbeigerufene Arzt war am Abend desselben Tages in Berlin erschienen, die Hebamme konnte, da ihr Tod nachgewiesm wurde, nicht vernommen werden. Immerhin gelang der Beweis dem Kläger in vollstem Umfang. Nach Beendigung der Beweisaufnahme, die überaus reich an dramatischen Momenten war auch der vierjährige Kläger war am Nachmittag an der Gerichtsstelle für kurze Zeit erschienen, um sich dem Gerichtshof vorzustellen, Beantragte der Vertreter der verklagten Seitenlinie die Vertagung der Sache, um sich mit seinem Auf- ftaggeber über das weitere Verhalten zu beraten. Da der klägerische Ver- treter der Vertagung widersprach, so mußte das Gericht Beschluß faffen, und fein Beschluß erging dahin, daß der Vertagungsantrag abzulehnen feL Hierauf verließ der $er tretet des Beklagten den Saal, und nunmehr er­folgte auf Antrag beß Klägers bie Verurteilung beß Beklagten burch Ver- fäumnißurteil. Dieses erklärt ben Beklagten für schulbig, bie Legitimität beß Ilagenben Kinbes und seine Anwartschaft auf baß Majorat Wroblewo anzuerkennen, wie auch die Kosten des ProzefieS zu tragen.

Arbeiterbewegung.

«ontceau M Mine-, 3. April. Die Zahl der Arbeiter, welche die Arbeit wieder ausgenommen haben, nahm etwas zu. Der Abstieg in die Bergwerke vollzog sich ohne Zwischenfall. Die Stadt ist ruhig. In der letzen Nacht wurden einige Angriffe auf Personar und Eigentum verübt, doch batten dieselben keinen ernsten Charakter.

Marseille, 3. April. 5000 Arbeiter stellten sich heute morgen auf den Quaiß ein, um die Arbeit wieder auszunehmm, ungefähr 4000 werden beschäftigt. Zahlreiche Lastwagen verkehren ungestört. Die Ordnung wird wie bisher von Gendarmerie und Kavallerie auf- cechterhalten.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Patent wurde erteilt r Auf ein Verfahren zur Darstellung von substantiven Polyazofarbstoffen auß w-Toloylendiaminsulsosäure, der Firma K. Oehler in Offenbach a. M ; auf einen Füllfederhalter der Firma L. T r o st in Offenbach a. M.; auf einen Brennmaterialien-Behälter vor dem Feuerraum von Backöfen, ber Firma Nie. Scheuren in Mainz; auf ein Schlößchen für Taschnerwaren ber Firma F. W. Heid en - Höfer in Offenbach a. M.; auf ein Etagen-Ringventil ber Firma M. Thesing in Darmstabt; auf eine Vorrichtung zum Einflellen eineß Dampf brück- Regulierventils an BremScylinbern für Fürbermaschinen ber Firma M. Thesing in Darmstabt. Auf ein Grabirwerk, Zus. z Pat. 116 831 ber Firma H. Schaffstäbt in Gießen.

Berlin, 3. April. Nach ben bis abends bei dem Reichsbank- direttorium eingelaufenen Meldungen sind auf bie heute zur öffentlichen Zeichnung aufgelegte breihunbert Millionen 3proz. Reichsanleihe Zeich» nungen im Nennbetrag von rb. 4621 Millionen Mark erfolgt.

Landwirtschaft.

Hühnerpest. Vor einigen Tagen wiesen wir auf bie mutmaßliche Ursprungsstäite der in Ruppertenrod unb anderswo aufgettetenen Hühner­pest hin, nämlich auf bie Kölner Geflügel-Ausstellung. Es stellt sich nun nachgerade mit Gewißheit heraus, daß bie Seuche von herumziehenden Geflügelhändlern, die das Geflügel waggonweise aut Italien, Ungarn usw. beziehen, verschleppt und von den infizierten Stämmen auf ben All­gemeinen Geflügel-Ausstellungen auf bie noch gefunben Stämme über­tragen wurde. Die 22. Allgem. GeflügelauSstellung ber Gesellschaft ber Vogelfreunde zu Frankfurt a. M., bie in bet Osterwoche stattfinden sollte und zu der bereits 437 Stämme Hühner, 651 Paar Tauben usw. an­gemeldet warm, ist aus diesem Grunde wieder abgesagt worden. Ein viel befferes Mittel noch würde sein, wenn sich jeder Züchter seinen Bedarf an Geflügel selbst züchten würde unb wenn sich bie Züchter zur gegen- fettigen Unterstützung in Geflügelzuchtvereinen zusammenschließen wollten. Aus verschiedenen Städten und Dörfern, so aus Worms und Hochheim, wird denn auch gemeldet, daß man zur Bildung solcher Vereine auß dem angegebenen Grunde entschlossen ist.

Einnahmen

@ewinn-8ortrag w aivsrn *

1) Hypotheken

2) SowM°al-Da> ArMö-Dack WlontitrttB rv Sollto-Sorrellt r StaatSpapiereo

Aktiva

1) N*e"

(baüon M «wo btiefbtdung bt

2) tzypothelenMeil s)am31. Dezember rückständige .

d) am 1. Januar 190 MtnjLllig werde

3) rvmMal-Dackh laujtnbt Kchv

4) Kaffe mWW Reichsbank und1

5) Wertpapiere

s) Deutsche Staats) d) Eigene Psandbri 6) Lombard-Darlehi 7) Monto-Wechsel 8) Sonto-§orrent:D

ab Kredi

9) Immobilien Bankgrbaude

Der D/vt Frauksu

Frau

n Da uiibe «renze nahe gekon m bisher Mk. 15( 1000 Inhaber-Akt Nachdem

"f Aktien Ppo Aktie unseren ltae Aktie bezog«

" 1- Mai 1901 , bringen ,i

7°'«' Äfj ?? «-gereicht

ver|

Fr«ikfnj

80gen.