Ausgabe 
5.3.1901 Zweites Blatt
 
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fand, stimmten auch die Vertreter der Handelskammern Gießen, Friedberg und Darmstadt zu.

*Weißbinder und Schlößer" könnte man das Libretto zu einer neuen Operette nennen, die sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag abgespielt hat. Um mitternächt­liche Stunde wandelten diese beiden Professionisten, wohl des süßen Branntweins voll und trockenen Tones müde, in der Steinstraße umher. Ein Spalier, das ihnen aus irgend einem Grunde Mißbehagen bereitete, demolierten die kühnen Männer wie weiland der edle spanische Ritter Don Quixote gegen Windmühlen ankämpste. Nach vollbrachter Heldenthat begaben sie sich zum Bahnhof, reisten gen Lollar und thaten dort wieder an einem Spalier ein Gleiches. Jetzt aber kommt der Lollarer hinkende Bote nach. Der Eig ntümer des verwüst-ten Spaliers in Lollar hat gegen die beiden Vandalen Strafantrag gestellt. Der gute Gießener Bürger hat freilich leider davon abgesehen.

Der Maschinenbanerverein hielt am Samstag abend im Pfälzerhof seine Generalversammlung ab. Der Haupt­punkt der Tagesordnung war das Fahnenweihfest des Vereins, das voraussichtlich im Juni in Steins Saalbau abgehalten werden wird. Die neue Fahne, die ausschließlich Handarbeit fein wird, liefert die hiesige Firma Schulze.

X Großenlinden, 3. März. Heute vormittag predigte in der hiesigen Kirche der Missionar Flath über die Mission in China. Er gedachte der gegenwärtigen Wirren in China und wies auf die Not der chinesischen Christen hin.

B. Kirchgöns, 4. März. Am SamStag abend wurde unser Ort durch Feuerlärm erschreckt. Es stand eine Scheune in Flammen. Durch schnelles Eingreifen der hiesigen und Pohlgönser Pflichtfeuerwehren konnte das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Die freiwillige Feuerwehr von Langgöns konnte nach raschem Erscheinen außer Thätig leit bleiben. Die Scheune fiel zusammen.

WD. Friedberg, 3. März. Neber den AlkoholiS- muS und dessen Bekämpfung wird Dr. med. Collatz au« Darmstadt am nächsten Sonntagnachmittag im Saalbau hier einen Vortrag halten. Im Anschluß an den hessischen Zweig des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat sich auf Anregung des Medizinalrats Dr. Weckerling eine Ortsgruppe Friedberg ge­bildet, die den Kampf gegen den AlkoholiSmuS aufnehmen will, und schon haben eine Anzahl Männer ohne Unterschied der Konfession und Parteirichtung ihre thatkräftige Beihilfe in Aussicht gestellt. Aufklärend soll zunächst gewirkt werden eben durch den Vortrag des Dr. Collatz, dann durch Ver­breitung von Mäßigkeitsschriften. Ferner soll vielleicht in Friedberg eine Kaffeebude errichtet werden. Vor allem aber will die Ortsgruppe die baldige Gründung einer Trinkerheilanstalt für Hessen anbahnen helfen.

W. Nidda, 2. März. Der VereinKrankenpflege" hielt gestern abend im GasthauseZur Krone" feine General­versammlung. Der Präsident, Gerbermeister Stork, be­grüßte die Versammlung und gab einen erfreulichen, Hoffnung weckenden Ueberblick Über die Thätigkeit des Verems und der Krankenschwester, Frl. Ufer auS Kleinlinden, deren segens­reiche Thätigkeit allseitige Anerkennung findet. Aus der Rechnung ergibt sich eine Einnahme von 977,71 Mk. und eine Ausgabe von 805,72 Mk. DaS Vereinsvermögen be­trägt 249,02 Mk., der Wert des Inventars 500 Mk. Es wurde beschlossen, für Bereinsmitglieder das Pflegegeld herab­zusetzen, und zwar von 1 Mk. pro Nacht und 80 Pfg. pro Tag, auf 80 Pfg. pro Nacht und 50 Pfg. pro Tag. Arme weiden unentgeltlich verpflegt. Der Milgliederbeitrag be­trägt 1 Mk. pro Jahr. Bei der Ergänzungswahl wurden die vier ausscheidenden Mitglieder: Präsident Stork, Vize­präsident PH. Werner, Möbelfabrikank RingShausen und Gastwirt H. Rullmann, wiedergewählt. Auf Aufforderung des PH. Werner wurden die Verdienste des Präsidenten um den Verein durch Erheben von den Sitzen geehrt.

"W. Kohden, 2. März. Ein 19jähriger Taugenichts sollte wegen widernatürlicher Unzucht verhaftet werden, ist aber flüchtig gegangen.

0 Gedern, 2. März. Heute entstand hier ein großer Menschenauflauf. Der Grund war die Verhaftung eines Zigeuners, der sich bet einer hier weilenden Zi­geunerbande befand. Man glaubte in ihm denjenigen zu

finden, der vor etwa einem Jahre einen anderen Zigeuner erschossen hatte. Nach seinem Verhör und nach Aussage der Frau dcS Erschossenen, die sich mit ihrem Kinde bei der Bande befand und die bezeugte, daß der Verhaftete es nicht sei, denn der Mörder sei damals geflüchtet und ihr nie wieder begegnet, wurde der Zigeuner wieder freigelassen. Die Zigeunerplage ist hier übergroß.

8. Darmstadt, 3. März. Unter außerordentlich zahl­reicher Beteiligung fand gestern nachmittag die feierliche Be­erdigung des Vorstandes des Eisenbahnbetriebs-Inspektion II. Eisenbahndirektor Mülwert statt. Der Präsident der Eisenbahndirekiion Mainz Breitenbach sowie sämtliche Be­amte der Direktion waren anwesend, auch Beamte fast aller Stationen der Strecke Mainz Aschaffenburg waren vertreten. Als Vertreter des hessischen Ministeriums war Ministerialrat Ewald erschienen: Hauptmann der Landwehr Waldecker legte einen Kranz dem liebenswürdigen Kameraden am Grabe nieder, ebenso Stations-Vorsteher Huß im Namen der Beamten und des Personals der Station Darmstadt. Bei dem heute nachmittag auf dem Exerzierplatz stattgehabten Fußball- Brettspiel um die Meisterschaft des Verbandes süd­deutscher Fußball-Vereine gewann Karlsruhe durch sein vorzügliches Spiel mit 16 Goal. Nachdem schon gestern abend die Hofdamen und der Flügeladjutant von Röder hier ankamen, trafen heute abend 83/t Uhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge Ihre Königl. Hoheit der Gr- Herzog und die Großherzogin, sowie Prinzeß Elisa­beth von Petersburg in bestem Wohlbefinden hier ein, nach« nachdem die hohen Herrschaften in Gotha bei der Groß Herzogin-Mutter noch einen Tag Aufenthalt genommen hatten. Zum Empfang am Bahnhof hatten sich eingefunden die Hof Damen Freifrau von Grancy, Flügeladjutanten Krämer, so wie Oberstallmeister Kammerherr von Riedesel.

Darmstadt, 2. März. Der erste Präsident der Zweiten Kammer der Stände hat an die Mitglieder der Großh. Ministerien und der Zweiten Kammer sowie andere hervor­ragende Persönlichkeiten Einladung zu einem parlamen­tarischen Abend auf Donnerstag, in das Hotel zur Traube ergehen lassen. Seitens des hessischen Landwirt­schaftsrates wird denN. H. VolkSbl." mitgeteilt, daß das Defizit der landwirtschaftlichen Ausstellung nicht 30 000 Mk. beträgt, sondern, wie genau noch nicht feft- steht, 5000 Mk. nicht übersteigt. Dieser Fehlbetrag ist nur deshalb entstanden, weil der zu erwartete und voranschlags­mäßig eingestellte Staatszuschuß mit 20 000 Mark infolge abschlägiger Entschließung Großherzoglicher Regierung als Einnahme kurz vor dem Eröffnungstermin der Ausstellung weggefallen war. Tatsächlich hat die Ausstel­lung von dem Fortfall des StaatSzuschuffeS abgesehen ein finanziell durchaus günstiges Ergebnis gehabt.

fc. Schloß FriedrichShof, 3. März. König Eduard VII. von Großbritannien kommt im Mai wieder hierher und zwar mit Königin Alexandra. DaS englische Herrscherpaar nimmt kurzen Aufenthalt in Homburg v. d. H., besucht die verwandten Höfe in Darmstadt und Berlin (? D. Red.) und begiebt sich dann nach Kopenhagen.

* Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Ohne Uebetbrettl gehtS nicht mehr, deshalb soll, wie man aus Frankfurt a. M. schreibt, die deutsche Ausgabe des Cabaret" in Wolzogen'schem Stile auch in Frankfurt ins Leben treten. Einige Journalisten und Künstler sind zur Realisierung des Projektes zusammengetreten, und suchen ge­rade die geeigneten Räumlichkeiten. Klappt das Frankfurter Ueberbrettl und kommt das Komitee zu Geld, so sollen die Neberschüsie soweit als möglich der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller zufließen. Ob bei dem schwach entwickelten künstlerischen Leben Frankfurts diese Uebetbrettl» versuche von Erfolg begleitet sein werden, bleibt abzuwarten, die zimperlichste Empfindlichkeit treibt ja bekanntlich auch am Mainufer ihre Blüten.In Frankfurt a. M. erschoß der seit kurzem verheiratete Kaufmann Pfahls wegen Famj- lienzwistigkeiten seine Frau und dann sich selbst. Der Regierungsaffeffor Pape, bisher Hilfsarbeiter in den Eisen babnabteilungen des preuß. Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, wurde als Mitglied an die Königl. preußische und Großh. Hessische Eisenbahndirektion in Mainz versetzt.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 2. März. Heute fand die Sitzung des AufsichtSrats der Diskonto-Gesellschaft" statt, in der über die Bilanz des abgelau­fenen Geschäftsjahres berichtet wurde. Der Bruttogewinn stellt sich ein« schließlich des auf 660 267,61 Mk. sich belaufenden Vortrages aus der vorjährigen Bilanz auf 19 866 076,78 Mk. gegen 20 650 633,82 Mk. im Vorjahre und der Reingewinn, nach Abzug der Verwaltungskosten usw. auf 15 975 802,07 Mk. gegen 17 050 974,21 Mk. im Vorjahre. Rach Anhörung der Bilanz Revisions-Kommission und vorbehaltlich der speziellen Prüfung erklärte sich der Aussichtsrat mit dem Anträge der GeschästS- mhaber einverstanden, für das Jahr 1900 eine Dividende von 9 Prozent.

Bremer», 2. März. In der heutigen Sktzung des AufsichtvratS Norddeutschen Lloyd" wurde, vorbehaltlich der Genehmigung der auf den 27. März einzuberufenden Generalversammlung,. die Dividende für 1900 auf 8'/, gegen 7>/, Proz. im Vorjahre festgesetzt.

Neueste Meldungen.

Berlin, 4. März. DieBerl. MontagSztg." erfährt, der Konkurs der deutschen Grundschuldbank werde in den ersten Tagen dieser Woche angemeldet.

Mannheim, 4. März. Aus Liebeskummer hat fch vor dem Hause Mittelstraße Nr. 13 ein lediger, 25 Jahre alter Matrose von Werlau bei St. Goar mittelst Revolvers in die rechte Schläfe geschossen, was seinen baldigen Tod -erbeiführte. Seine Leiche wurde nach dem Friedhof rer­bracht.

Stuttgart, 4. März. Auf Veranlassung der Reutlinger Handelskammer haben fünf württembergifche Handelskammern an den Reichstag und Bundesrat eine gemeinsame Eingabe gerichtet wegen baldiger Einführung des P o fisch eck­verfahren S.

Madrid, 4. März. Die Königin-Regentin hat Villa­verde empfangen und ihn mit der Bildung eines konser­vativen Konzentrationsministeriums betraut. Villaverde begab sich zu Silvela, um mit diesem zu kon­ferieren. ______________ ,

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

März

Barometer auf (o reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

<

t %

p r

\

Windstärke

Wetter

2.

925

736,1

+ 5,8

5,4

79

2

bew. Himmel

3.

725

733.1

+ 4,6

5,9

94

SW.

1

W

3

225

735,8

+ 8,9

4,9

58

SW.

2

w

3.

9 25

739,3

+ 3,8

5,1

85

2

w

4.

725

744,7

+ 3,2

5,0

87

sw.

2

#

4,

225,

745,9

1+ 8,1

4,1

52

w.

4

Sonnenschein

Höchste Temperatur am 1.2. März + 8.6° C.

Niedrigste , * + 3.6»

Höchste Temperatur am 2.3. Marz 10 7° C.

Niedrigste ' 2-8° c-

BSrsemtacbrichten.

Berlin, 2. März

4% -

Deutsche Grandschuld-Bank 1 u. 2

41.60 M.

4%

do. 8. 5/6 unk. b. 1904

41.50 ,

8/a °l

do. 8. 7/8, unk. b. 1906

40 20

4o/o D

i. Hyp.-Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908

98 00 »

8«/,%

do. unk. 1905

90.00

4 9/o

PreußB. Hyp'-A.-Bank 8./8-12

82 00 ,

4 %

do. 8. 15-18 unk. b. 1900

85.00

4 6/o :

Preusa. 8. 19-20, unk. b. 1905

00.00 M.

3V, °/o

do. 8. 13, 14

75.00

3 V, %

do. 8. 21, 22, unk b. 1905

75.00 w

Telepfoomscher Kursbericht.

8</e % Beiehnan leihe . .

8 do . .

R1/» % Konsole . . . .

8 Vo do .... 83/t % Hessen . . . 5"/. Italien. Rente . . .

q Griech. Monop.-Anl.

3 % Portugiesen . . .

3 0/ Mexikaner . . . . 41/> e/o Chinesen . . . .

Frankfurt, den 4. März

98.15 88 30

98 10 88.20 94.55 96.20 45.00

Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgea. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahe . .

Tendenz fest.

26.00

98.(0

83.10

Laurahütte Bochum Harpener .

. 214 10 . 184.80 . 134 25 . 151.10 . 152 90 . 144 60 . 168 90 . 204 80

. 190 50 . 170 00

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von Schreinerarbeit.

Die zur Herstellung von Äktengestellen für das Großh Amtsgericht zu Grünberg nötige Lchreiuerarbeit wird hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung a^f dem Submissionsweg aus- geschrieben.

Die Aurführungsbeding« ungen und ArbeitSbeschreibungen liegen in unserem Amtslokai zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbst­kostenpreis in Empfang ge­nommen werden.

Angebote sind bis zum S März 1901, vor­mittags IO Uhr, versiegelt und mit entsprechender Auf­schrift portofrei an uns abzu geben. 1735

Zuschlagsfrist 3 Tage.

Gießen, den 2. März 1901. Großh. Hochbauamt Gießen.

Neuling.

Submission.

Für die Gr. psychiatrische Klinik sollen für das Rechnungs« jahr 1901/02 auf dem Wege öffentlicher Submission vergeben werden:

1. Lieferung von Backwaren, Fleischwaren, Spezereiwaren, Milch, Butter und Eier, Bier, Eis, Wein, Mineralwasser, Bürstenwaren u. Toilette- gegenstände,

Porzellan- u. Glaswaren Emaill. waren, Schreibmaterialien, Kleider für Pfleger, Sckuhe für Kranke und

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ca. 800 Clr. Nußkohlen

2. Das Reinigen der Personal- und Krankenwäsche (ge­trennt ober zusammen);

3. Das Reinigen des. Küchen- Heerdes und der Oefen;

4. Das Leerfahren der Senk­gruben und Fortschaffen des Kehrichts,-

5. Die Abgabe von Knochen und Gespül.

Die für die Lieferung giltig-n allgemeinen Bedingungen (Er­laß der Großh. Ministerrcn vom 16. 6. 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen, nachmit­tag» von 3 bi» 5 Uhr auf b-m Verwaltungsbureau offen.

Dff;tten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum

16. März 1901, vormittags 11 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. 1741

Der Zuschlag erfolgt bis 28. März 1901.

Gießen, den 2. März 1901. Großh. Direktion

der psychiatrischen Klinik.

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