1901
Zweites Blatt
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151. Jahrgang
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Sitjretin, Siäulein Keaner,
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China.
An Berliner amtlichen Stellen ist nichts davon bekannt, daß in P e i t a n g beim Explodieren eines Geschützes fünfDeutsche getötet und vierzehn verwundet wurden. Keine Depesche läßt die Annahme zu, daß die Neujahrsfeier unserer Truppen in Ostasien in so beklagenswerter Weise getrübt worden wäre.
Der nach der Heimat zurückkehrende Generalmajor von Höpfner ist vom Kaiser durch Verleihung des Roten Adlerordens 2. Klasse ausgezeichnet worden. Er war bereits krank, als er im Oktober nach Tientsin kam. Bald darauf mußte er sich zur Erholung nach Japan begeben. Die Heimreise hat er am 29. Dezember auf dem Lloyddampfer „Irene" angetreten. Ferner hat der Kaiser in Anerkennung der von Offizieren und Mannschaften des Expeditionskorps der Marine-Infanterie in dem Gefechte bei Liang-Tsiang-Tsin und Nantuang-Moenn bewiesenen Tapferkeit und Ausdauer eine Reihe von Auszeichnungen verliehen, darunter den Kronenorden 3. Klasse mit Schwertern an die Majors v. Madai, v. Kronhelm und v. Glasenapp.
Ein Londoner Telegramm besagt, daß die B a h n st r e ck e nach Yangtsun jetzt den deutschen Behörden ausgeliefert worden ist; die übrigen Bahnen in der Provinz Tschili befinden sich noch in den Händen der Russen.
Bekanntlich hatte Rußland sich mit den chinesischen Machthabern dahin geeinigt, daß die Verwaltung der Mandschurei von chinesischen Beamten ausgeübt werde, deren Anstellung russischer Genehmigung unterliege und daß 9iuß- land zum Schutze seines Bahnbaues und seiner Beamten einstweilen in der Mandschurei eine genügend starke Truppenmacht unterhalte. Englische Quellen beziffern diese Truppen auf 40 000 Mann. Wahrscheinlicher ist es, daß die Ziffer von vornherein nicht festgesetzt worden ist. Nachstehende Depesche giebt näheres über die Einzelheiten der Ausführung des allgemeinen Abkommens, für das eine amtliche russische Bestätigung noch aussteht: Zwischen Rußland und China ist ein Uebereinkommen abgeschlossen worden bezüglich der militärischen Besetzung der Provinz Feng- tien (die südliche Provinz, auch Schengking genannt) in der Mandschurei durch die Russen und der Wiederaufnahme der Zivilverwaltung der Provinz durch die Chinesen unter russischer Oberhoheit. Das Abkommen bestimmt: Rußland willigt ein, daß der Tartarengeneral und die chinesischen Beamten unter folgenden Bedingungen die Verwaltung des
Gross« U?»'» schwedischen
nuberVeffliar und kostet nur
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Geschäften zu haben.
Engländer und Buren.
Das Büreau Reuter meldet aus Kapstadt vom 3. In» nuar: Die Lage in der K a p k o l o n i e gestaltet sich düste r. Tie holländische Bevölkerung erhob sich zur Zeit noch nicht, aber die in die Kapkolonie eingedrungenen Buren erhalten überallvondenBewohnern Unterstütz- ung. Man verlangt dringend die Entsendung erheblicher Verstärkungen aus England. Die Vorhut der Buren im Osten der Kolonie steht noch bei Marais- p o o r t, ungefähr 25 englische Meilen nordwestlich von Cradock. — Aus Tarnowo meldet das Reutersche Büreau vom 1. d.: Die Buren unter Hertzog, Wessels, Pretorius und Nieuwenhout setzen ihren Marsch auf Fraserburg fort. Wie gemeldet wird, befinden sie sich bei Zionsberg. Die Plünderungen dauern fort. Die Verbindung mit Fraserburg ist unterbrochen. Die englischen Obersten Delisle und ^horneykrofft setzen die Verfolgung fort, ihre Pferde und Maultiere sind aber sehr erschöpft.
Wie die „Daily Mail" aus Kapstadt vom 2. ds. meidet, haben die Buren Jagersfon tein im südwestlichen Oranjefreistaat, 50 Kilometer westlich von der Bahn, das am 25. Dezember von den Engländern geräumt war, wieder besetzt. Eine Burenabteilung ist inGlengarry, einer Station an der Eisenbahn unmittelbar im Norden von Graaff Meinet, erschienen.
Alle südwestlichen Kapland-Distrikte, mit Ausnahme von Kapstadt, Caledon, Stellenbosch, Paar! sind unter Kriegs- r c ch t gestellt. Es fand ein Gefecht bei Matjesfontein statt. Aus Kapstadt wird ferner berichtet: Das englische Kriegsschiff „Monarch" wird eine Anzahl Geschütze an Bord setzen, um jeder Eventualität vorzubeugen.
Der „Standard" meldet aus Durban, daß zahlreiche bewaffnete Buren bei Ladysmith aufgetaucht sind. Die englischen Kundschafter mußten sich schleunigst zurückziehen.
Die „Morning Post" berichtet aus Pretoria, daß mehrere Fremde, die vor längerer Zeit den Neutralitätseid geleistet und sich seitdem an einem Angriff gegen die englischen Vorposten beteiligt haben, in Johannesburg gehängt worden sind. Darunter sollen sich einige Deutsche befunden haben!!! Ferner wird gemeldet, daß in Johannesburg zwei Deutsche, der Besitzer einer Brauerei, und ein anderer wegen Verbergens von Schußwaffen verhaftet worden seien. Dazu schreibt die „Post": Die über diesen Vorfall eingeleiteten amtlichen Ermittelungen haben ergeben, daß in der That zwei Leute, namens Thoma und Schenk, aus dem angegebenen Grunde verhaftet worden sind. Schenk ist ein Deutscher, Thoma schweizerischer Staatsangehöriger. Ihre Verhaftung ist jedoch schon aufgehoben, und beide sind gegen Sicherstellung frei gelassen worden. Der Fall steht in nächster Zeit zur Verhandlung vor dem britischen Militärgericht, und es wird angenommen, daß es den Beschuldigten gelingen wird, ihre Unschuld zu e^eisen.
Eine kürzlich aus Schierstein bei Wiesbaden an alle Namensvettern des tapferen Burenführers Christian De We t ergangene Anregung zu einer Ehr e n sti s tun g für diesen ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Aus allen Teilen Deutschlands, auch aus Italien und Belgien, sind bei der „S ch i e r st e i n e r Zeitung" und bei Herrn C h r i st i a n Schneider in Schier st ein Geldbeiträge eingelaufen. Ein preußischer Hauptmann aus einer Garnison in Ostpreußen begleitete seine 10 Mark-Spende mit folgenden Worten: „Ich heiße zwar nicht Christian, möchte aber bei der Ehrung für den Blücher der Buren nicht fehlen. Möchte der tapfere De Wet das erreichen, was jeder, der das Herz auf dem rechten Flecke hat, wünscht, ein freies Buren- reich auf lange Zeit." Es dürfte sich vielleicht empfehlen, auch bei uns in Gießen in öffentlichen Lokalen Sammelbüchsen für De Wet aufzustellen.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Telegramme deS Gießener Anzeiger-.
Loudon, 4. Januar. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, beabsichtigen die Behörden, die Fremden zu zwingen, die Stadt zu verlassen, da die Schwierigkeiten, die Stadt mit Lebensmitteln zu versehen, sehr groß sind. Die öffentliche Meinung in Kapstadt verlangt den Belagerung« zustand für die gesamte Kolonie. Man glaubt, daß diese Maßregel in zwei oder drei Tagen zur Ausführung gelangt. — 5000 Australier haben sich, wie eine Meldung aus Sidney besagt, bereit erklärt, als Freiwillige nach Südafrika abzugehen.
London, 4. Januar. Man meldet aus Kapstadt: Obgleich bisher die Holländer keine Neigung gezeigt haben, sich den Eindringlingen in größerer Zahl anzuschließen, glaubt man, daß der wahre Grund hierfür hauptsächlich Waffenmangel ist. An vielen Orten wurden den eingefallenen Buren reichlich Pferde angeboten und bereitwillig st Nachricht gegeben. Nach den letzten Berichten ist die Lage folgendermaßen: Kuruman wird, falls es nicht bereits geschehen ist, wahrscheinlich bald
eingeschlossen sein. Griqualand-Weft ist voll von kleinen feindlichen Abteilungen, die sich südlich gegen Priska durcharbeiteten, um mit Hertzog zusammen zu gehen oder ihn zu unterstützen. Im Osten der Kolonie befindet sich die Burenvorhut dicht an Marisburg. Der Afrikandertag in Worcester hat die Holländer der ganzen Kolonie in Aufregung versetzt. Lord Kitchener telegraphierte an General Walker in Kapstadt: Man müsse die Kolonisten nach Süden bringen. Der Feind sei an Zahl gering, aber sehr beweglich und es seien wohl berittene Leute erforderlich, um ihn einzuschließen oder nach Norden zu drängen. — Aus politischen Gründen ist beschlossen worden, die gefangenen Buren in Simonstown auf ein Transportschiff zu bringen. Die Beamten der Docks in Simonstown sind in die vereinigten Truppen eingereiht worden. — „Daily Mail" berichtet, daß ein heftiger Kampf zwischen Engländern und Buren 160 Meilen von Kapstadt stattgefunden hat. Nähere Einzelheiten hierüber fehlen noch.
Pretorias Januar. Lord Kitchener hat einen langen Bericht über eine Versammlung erstattet, welche die Bur gh er zwecks ihrer Unterwerfung abgehalten haben. Es hat sich ein sogenanntes Friedens-Komitee gebildet, das aus den Mitgliedern des ehemaligen Volks- raad zusammengesetzt ist. Die Rede, die Lord Kitchener am 31. Dezember gehalten hat, ist ihm zweifellos vom Kolonialamt diktiert worden. Kitchener leitete seine Rede mit der Erklärung ein, daß die Wiederherstellung der alten Regierung ein Ding der Unmöglichkeit sei. Dann wiederholte er die Ausführungen, die Chamberlain im englischen Parlament bezüglich der Zukunft der beiden Burenstaaten gemacht hat. Er erklärte sodann, daß die Reise, die Krüger zur Herbeiführung einer Intervention der Mächte unternommen hat, erfolglos geblieben sei. Er erkannte an, daß die Buren sich tapfer geschlagen haben, aber von dem weit mächtigeren Feinde erdrückt worden seien. Kitchener versicherte, daß er dem Kriege auf eine menschliche Art und Weise gern ein Ende machen wolle. Wenn aber alle Maßregeln, die zu diesem Zweck ergriffen würden, erfolglos blieben, so müßte er seine Zuflucht zu anderen Maßregeln nehmen. Es sei notwendig gewesen, das Land zu verwüsten, denn solange die Buren die erforderliches Lebensmitteln gefunden hätten, würden sie den Kampf fortgesetzt haben. Allgemein ist der versöhnliche Ton der Rede aufgefallen. Das Friedens-Komitee beschloß, diese ins holländische zu übersetzen und anschlagen zu lassen. Seitens der englischen Behörden ist der Befehl erteilt worden, daß keine Besitzungen mehr nieder gebrannt werden sollen, es müßte sich denn um Bestrafung für eine Missethat handeln.
Gebietes wieder übernehmen. 1. Der Tartarengeneral verpflichtet sich, die Provinz zu beschützen und die Ordnung wiederherzustellen, sowie an dem Bau der Eisenbahnen mitzuhelfen. 2. Er verpflichtet sich, die Russen, die die Provinz militärisch besetzen, freundschaftlich zu behandeln, ebenso die Russen, welche die Eisenbahn beschützen und für die Wiederherstellung der Ordnung sorgen. 3. Er verpflichtet: sich, ihnen Lebensmittel und Wohnräume zu beschaffen. 4. Er ist verpflichtet, den Banden chinesischer Soldaten die Waffen abzunehmen, sie auseinanderzutreiben und den russischen Militärbeamten alle Kriegsmunition, ohne Ausnahme^ aus den Arsenalen abzuliefern, die die Russen noch nicht: besetzt haben, ebenso alle Festungen und andere Verteidigungsmittel des von den Russen noch nicht besetzten Gebietes abzutreten, sowie alle Pulverniederlagen zu zerstören, die die Russen nicht brauchen. 5. Die Stadt Niutschwang und andere Städte, die gegenwärtig von den Russen besetzt sind, werden in die Hände der chinesischen Civilverwaltung zurückgegeben, sobald die russische Regierung der Ansicht ist, daß die Ordnung und die Ruhe in der Provinz vollständig miederhergestellt ist. 6. Pie Chinesen Müssen die Ordnung und die Gesetzlichkeit überall aufrecht erhalten, indem sie sich dabei der Ortspolizei bedienen, die sich unter dem Befehl des Tar- tarengenerals befindet. 7. Ein russischer politische r Resident, der die Befugnis zu allgemeiner Ueberwachung besitzt, wird in Mukden wohnen. Der Tatarengenerat ist verpflichtet, sich mit ihm ins Einvernehmen zu setzen, so ost es sich darum handelt, eine wichtige Maßregel zu ergreifen. 8. Wenn sich die Ortspolizei als unzulänglich erweist, so ist der Tatarengeneral verpflichtet, hierüber mit dem russischen General in Mukden sich zu verständigen, um die russische Behörde um Verstärkung zu ersuchen. 9. Der russische Wortlaut wird zwischen den Parteien Gesetzeskraft haben. Die Rechte die dem russischen Residenten in Mukden verliehen worden sind, sind dieselben, die der russische Resident in Buchara besitzt. Dieser Abmachung werden ähnliche über die beiden anderen Provinzen folgen und dann wird die ganze Mandschurei de facto unter dem Protektorat Rußlands stehen.
Die „Times" führt aus, die russische Schutzherrschafb stehe im Gegensatz zu der stets von Rußland gepredigten und die Grundlage des englisch-deutschen Abkommens bildenden Uneigennützigkeit. Die „Times" meint, wenn die Meldung richtig sei, fänden sich England und Deutschland der vom Artikel 3 ihres Abkommens berührten Lage gegenüber. (Art. 3 lautet: Sollte eine andere Macht die chinesischen Verwickelungen benutzen, um unter irgend einer Form territoriale Vorteile zu erlangen, so behalten beide Vertragschließenden sich vor, über etwaige Schritte zur Sicherung ihrer eigenen Interessen in China sich vorher untereinander zu verständigen.) — Die „Times" hat sich in der letzten Zeit anscheinend weniger gut unterrichtet gezeigt, als man es gewohnt ist. Man .wird wohl amtliche Veröffentlichungen der russischen Regierung abwarterr müssen.
Die definitiven Friedensverhandlungen in Peking werden, wie der „Lok.-Anz." aus bester Quelle mitteilen kann, erst beginnen, nachdem ebenso wie die Note der Mächte auch die Antwort der chinesischen Regierung, daß sie die Präliminarien annimmt, eine völkerrechtliche Form erhalten hat. Daran wird augenblicklich gearbeitet.
Wie der „Daily Mail" aus Peking gemeldet wird, sind alle militärischen Expeditionen infolge der Annahme der Friedensvorschläge der Verbündeten eingestellt worden. In Peking seien Nachfragen nach angeblichen Reibungen unter den Verbündeten und Ausschreitimgen gewisser Truppen infolge der nach Europa übermittelten Zeitungstelegramme veranstaltet worden. Natürlich seien hier und da Meinungsverschiedenheiten zwischen de» Kommandeuren vorgekommen, die bei den verschiedenen Interessen in dem großen gemischten Heere erklärlich seien, auch würde es leicht sein, vereinzelte Fälle von Ausschreitungen bei den Soldaten festzustellen. Wenn aber solche Gerüchte übertrieben würden, so könne das nur in bestimmter Absicht geschehen, Reibungen unter bett Verbündeten, besonders zwischen England und Deutschland, zu veranlassen. In Peking werde offetf die Ansicht ausgesprochen, Rußland scheue sich nicht, rotf es möglich sei, journalistische Kanäle für seine Sonderzwecke zu benutzen. Alle Berichte über angebliche Ausschreitungen deutscher und englischer Truppen seien daher mit Argwohn zu: betrachten; sie seien einfach ganz unbegründet.
Telegramm des Gießener Anzeiger-.
Loudon, 4. Januar. Aus Schanghai wird gemeldet: Der Bizekönig Tschang-Tschung Tung habe an Li Hung- Tschang telegraphiert und ihn ersucht, mehrere Abände- rungen bei den FriedenSbedingungen vorzunehme». — Nach einer Pekinger Meldung wird die Wahl des Spezial-Gesandten, der nach Berlin entsendet werbe» soll, um dem deutschen Kaiser da« Beileid der ckinefischen Regierung über die Ermordung des deutschen Gesandte»
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Die Gießener Aamikienvtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Heff. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelegt.
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