Ausgabe 
4.12.1901 Zweites Blatt
 
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Eingesandt.

(Für Form und Jnbalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, den 2L Dezember 1901.

Die Bewohner derverlängertenFrankfurterstraße sowie die Fabrik- und andere Arbeiter aus den Orten Kleinlinden, Lützellinden, Allendorf a. d. Lahn und viele Spaziergänger unserer Stadt würden für Gangbarmachung des Bankers fragt Straße außerordentlich dankbar fein. Schnelle Hilfe doppelte Hllse.

Einer für Viele.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft

Frankfurt a. M., 2. Dez. In der für 'heute Abend einbe­rufenen außerordenllichen General-Versammlung des Vereins Effektenfozietat wurde mit 123 Stimmen (bei einer Stim­menenthaltung) der gemeinschaftliche Antrag des Vorstandes und Ausschusses auf Auslosung des Vereins Effektensozietät zu Frairk- surt a. 'DL angenommen. Wie der Referent mitteilte, haben von 299 Mitaliedern des Vereins bereits 287 dem Projekte der even­tuellen Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ihre Zustimmung erteilt, sodaß das Zustandekommen der Gesellschaft als gesichert anzusehen ist. Ter Fortbestand der Abendbörse wird durch den Beschluß auf Auflösung des Vereins nicht in Frage gestellt.

Fabrik feuerfester und säurefester Produkte, Vallendar, iu Konkurs. Aus der ersten Gläubigerversammlung ist zu melden, daß nach einer Meldung des Justizrats Sayn, des Konkurs­verwalters, dieser gegen den früheren Aufsichtsrat (Baron D'Ablaung und zwei Gebrüder Tuchen) eine Schadensersatzklage auf Zahlung von 2 Millionen Mark erheben werde. Sehr interessant war das Redegefecht zwischen dem Vertreter derselben, Rechtsanwalt Mann­heim, einerseits und dem Justizrat Sayn andererseits. Letzterer erkannte das zum Konkurs angewendete Darlehen der Herren Tuchen als eine Forderung an die Masse nicht an, weil die Aufsichtsrats­mitglieder D'Ablaung und Tuchen chre Pflichten schwer verletzt hätten und daher die Schadensersatzforderung von 2 Millionen Mark geltend gemacht werde. Dr. Mannheim bestreitet das Recht zur Geltendmachung einer Gegenforderung, weil Regreßanfprüche über- Haupt nicht vorhanden seien. Viel erörtert wird hierbei das in der Vallendarer Emeralveftammlung gemachte Angebot von 1 Million Mark, wenn die Regreßanfprüche gegen D'Ablaung und Tuchen fallen gelassen würden. Juslizrat Sayn erwiderte, daß die Ersatz­ansprüche gegen die Aufsichtsratsmitglieder sehr begründet seien; diese hätten ihre Pflichten in vielfacher Weise verletzt, insbesondere durch die vor Gericht gemachten unrichtigen Angaben, die Aktien­beträge seien voll einbezahlt worden, was aber nicht der Fall ge­wesen sei, auch hätten sie ihre Pflicht verletzt, daß sie bei Bilanzen Werte eingesetzt, die gar nicht den Verhältnissen entsprachen. Das Amtsgericht Ehrenbreitstein hat nach Eröffnung des Konkurs- verfabrens einen Kostenvorschuß von 13800 Mk. angefordert. Ganz auffallend wurde bemerkt, daß der Vertreter der Berliner Handels­gesellschaft, Rechtsanwall Dr. Mosler, feine Majorität dahin geltend machte, daß nur Bankaläubiger als Mitglieder des Gläubiger­ausschusses gewählt wurden, trotzdem auf Aiitrag des Dr. Pauli auch Vertreter der anderen Gläubiger berücksichtigt werden sollteii. Dieser Antrag wurde sowohl vom Konkursverwalter der selbst einen Vertreter der Boeing-Grupoe wünschte als auch von dem Vorsitzenden des Gerichts wann befürwortet. Es hat den Anschein, daß die Offerte der Siemens-Gesellschaft nur gestellt wurde, damit die Banken aus intern Obligo herauskommen. Wenn Justizrat Sayn sich noch einen Erfolg von dem Ausschreiben der Werke in den gelesensten Zeitungen verspricht, so wurde demgegenüber be­tont, daß andere Angebote nicht zu erwarten sind, andernfalls wären sie längst gekommen. Der Betrieb sämtlicher Werke wird bekannllich fortgesetzt, in Wirges unter Leitung der Direktoren Arndt und Scheid, Osterwato Dr. Draune, Getraudenhütte und Nau­heim stehen unter dem seitherigen Leiter.

Fallissement. Wie dieNeue Bad. Lcmd.-Ztg." aus Kehl meldet, ist die dortige Getreidesirma Michael Kauf­mann mit 500 000 Mk. Passiven fallit geworben. An Ak­tiven sollen ca. 150000 Mk. vorhanden sein. Betelligt sind die Rhei­nische Kreditbank in Mannheim, Mannheimer Spediteure, Mühlen- und Getreidefirmen.

Märkte.

Gießen, 3. Dezember. Marktbericht Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,201,35 Mk., Hühner­eier pr. Stück 810 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 58 Pf., Käfematte 2 Stück 00 Pfa., Erbsen pr. Liter 20 Pfa., Linsen per Liter 30 Pfa., Tauben pr. Paar 0,700,90 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,00 Mk., Enten pr. Stück 1,202,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 5260 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfmrd 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,203,50 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,005,00 All., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 918 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen fellgeboten werden.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Dezember

Wetter

2.

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Tenrperatur

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1. bis

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?,9° C.

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1.

2.

, 4- 4,1° C.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.

Wiesbaden, 3. Dez. Der Gastwirt Zak. Krupp uud seine beiden Kinder im Alter von 8 uud 10 Jahren find an Vergiftungs-Erscheinungen infolge des Genusses von Thee, den Krupp wegen eines Asthmalcideus aus der Adler­apotheke in Hamburg bezog, erkrankt. Krupp wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er lebensgefährlich darniederliegt. Seine Kinder find außer Gefahr.

Paris, 3. Dez. Bei der gestrigen Tagung des inter­nationalen Schiffahrtskongresses erstattete der Vor- fitzende Roux Bericht über seinen Besuch beim deutschen Kaiser. Bekanntlich hat er drei Tage mit dem Fürsten von Marokko im Potsdamer Schlöffe geweilt. Er erklärte der Kaiser habe ihn durch seine ungemeine Kenntnis aller mari­timen Verhältnisse geradezu verblüfft. Er habe das größte Jntereffe für die internationale Schiffahrt gezeigt und versprochen, die Bestrebungen des Kongreffes direkt und indirekt zu unter­stützen.

Paris, 3. Dez. Der Bericht der Budgetkommisfion über das Ministerium des Aeußeren stellt die ausgezeichneten Be- Ziehungen der Republikaner zu allen Ländern fest. Der Bericht hebt den guten Willen hervor, den Tentschland Frankreich be­zeige; jedoch sei deshalb die Wunde von 1870 noch nicht vernarbt.

Berlin, 3. Dez. lieber die von England zugestandene und bereits an ine deutsche Regierung gezahlte (5ntt schadigung für die in Südafrika durch den Krieg geschädigten deutschen Reichsangehörigen sind einige i r r t ü m l i ch e Mitteilungen verbreitet worden, denen gegenüber nach den Morgenblättern festgestellt wer­den muß, daß die Auszahlung von 600 000 Äiark seitens Englands an die deutsche Negierung und von dieser wieder­um an die direkt Geschädigten durch Vermittelung des Auswärtigen Amtes erfolgt ist

Berlin, 3. Dez. Die sozialistische Fraktion wird morgen im Reichstage eine mit 3 431784 Unter­schriften versehene, gegen jede Erhöhung der Le­bensmittelzölle gerichtete Petition einbringen.

Berlin, 3. Dez. Auf der Festlichkeit zu Ehren Sieg­fried Wagners im Opernhause, hielt dieser eine Rede, in der er betonte, daß die Wagner-Vereine jetzt nicht mehr die Aufgabe hätten, in Konzerten die Wagner'scheu Frag­mente auszuführen, sondern daß sie jetzt die Armee seien, die Bayreuth bei steh en müsse im Kampfe gegen Neid und Mißgunst. Ein jeder wisse, was er hiermit meine. In ihrer General-Versammlung in Bayreuth hätten die Wagner-Vereine bewiesen, daß sie für Bayreuth ein­treten wollten in dem Streit, über den er sich hier nicht auslassen wolle. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen werde er gewiß auch in Zukunft zu verdienen bemüht sein. Man möge ihm glauben, er werde stets dem Namen Richard Wagners Ehre machen.

Breslau, 3. Dez. Das Kriegsgericht verurteilte den Rittmeister Preßler vom schlesischen Trainbataillon Nr.6 wegen Beleidigung und Geldborgens von Untergebenen zu 30 Tagen Stuben-Arrest.

London, 3. Dez.Daily Mail" erfährt aus Tanger vom 27. Nov.: Nunmehr ist ein endgültiges Abkommen ge­troffen worden, dem zufolge 10 b riti sche Sergeanten, in die Armee des Sultans als I n st r u k t e u r e eintreten. Ebenso verlautet, daß die Verwaltung des dortigen Zoll­hauses einem Engländer übertragen werden solle.

Washington, 3. Dez. Der oberste Gerichtshof ent­schied, daß die, ohne Zustimmung des Kongresses von den Behörden angeordnete Erhebung von Zöllen auf aus

den Philippinen kommende Waren ungesetzlich fei; die bereits entrichteten Zollgebühren müssen zurückerslattet werden. Der Gerichtshof anerkannte andererseits die von dem Kongreß festgesetzten Abgaben für Waren aus Port»' Rico als zu Recht bestehend.

W i e n, 3. Dez. Der Abgeordnete T s ch a n ist aus deml alldeutschen Verbände ausgetreten und wird sich keiner Fraktion mehr anschließen. WolffsOstdeutsche Runü^ schau" stellt gegenüber dem Gerüchte, der alldeutsche Ver­band werde ein neues Partei-Organ gründen, fest, daß sie auch ferner das Parteiblatt der alldeutschen Partei, bleiben werde.

Wien, 3. Dez. Die vermögensrechtlichen sowie die Etiquettefragen, welche bisher der offiziellen Verlobung der Erzherzogin Marie mit dem Prinzen Emanuel Salm, Leutnant im 2. preußischen Garde-Regiment, ent- gegenstanden, sind nochnichterledigt Schmierigkeiten^ bietet die Frage der Abtretung des Majorats der Familie Salm-Salm an den präsumtiven Bräutigam, wozu in erster Reihe die Einwilligung des derzeitigen Majorats-Herren, erforderlich ist Die zweite Frage ist bie, ob die Erzherzogin nach .ihrer Verehelichung den Titel kaiserliche Hoheit beöi behalten soll.

Kalkutta, 3. Dez. Die an der indischen Nordwest-i grenze in Waziristan ansässigen Eingeborenen hatten kürzlich Raubzüge auf britisches Gebiet unternommen. Zur Bestrafung des Stammes sind schon in der vorigen Woche 4 leichte Truppenabteilungen von 900 bis 1500 Mann in Waziristan eingedrungen und machten nach heftigen Kämpfen 192 Gefangene. Die Verluste auf britischer Seite betragen 45. Nunmehr ist die ganze Brigade von vier Regimentern der Eingeborenen-Jnsanterie und ein Kavallerie-Regiment mit vier Geschützen zur Verstärkung der die Grenze von Waziristan deckenden Truppen nachi Tauk abgegangen.

New-Ä)ork, 3. Dez. Aguiualdo soll vor eüt Krie,gs gericht gestellt und deportiert werden.

Washington, 3. Dez. Der Vertreter der Panama-. Gesellschaft Hutin hat dem Präsidenten Roosevelt ein Angebot zum Verlauf des Panama-Kanals ge* macht.

W ashington, 3. Dez. Der Kongreß hielt gestern abend seine erste Sitzung ab. Während derselben kam die Bvtsa)ast des Präsidenten zur Verlesung. Dieselbe empfiehlt dem Kongreß die Annahme eines Gesetzes, das, den Anarchisten den Eintritt in Amerika ver­bietet und weiter erschwerende Vorschriften für die in den Vereinigten Staaten ansässigen Anarchisten enthält. Der Präsident beglückwünscht alsdann das Land zu der ausgezeichneten Geschäftslage. Die Botschaft berührt des weiteren die Heeresftage und erklärt sich für die Not-> Wendigkeit, sich mit der Organisation der Truppen zu be­fassen. lieber die Tariffrage sagt der Präsident, daß e&' augenblicklich keine weise Politik wäre, Abänder-i ungen des Tarifes vorzunehmen. Es sei wünschens­wert, ein System der Gegenseitigkeit einzuleiten. Der Prä^ sident empfiehlt alsdann die Ausgestaltung der Handels­marine und Beibehaltung der Goldwährung. Bezüglich der Kolonien erklärt er, die Lage sei mit Ausnahme der Philippinen überall befriedigend. Auf den letz­teren herrsche noch immer ein unruhiger Zustand. Alsdann machte der Präsident eine Anspielung auf den inter-ozeani­schen Kanal und die Friedens-Konferenz im Haag. Er erklärte weiter, die Mvnrve-Doktrin dürfe nicht feindlich! betrachtet werden gegen die eine oder andere kontinentale Macht Er schließt die Botschaft, indem er die Politik der offenen Thür in China empfiehlt und in ehrenden Worten des Ablebens der Königin Viktoria und der Kaiserin Fried- rich gedenkt

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. JH., 3. Dezember.

3Vto/o Reichsanleihe . . 100.75 80/0 do. ... 89.75 3V,e/o Konsole .... 100.65 r/o do-.....89.85

3/2°/o Hessen .... 98.10 S®/j Italien. Rente . . . 100.10 4 /q Grieoh. Monopo.l-Anl. 42.50 5®/v Portugiesen .... 27.10 8% Mexikaner .... 25.70 4*/t7o Chinesen .... 87.20

Kreditaktien..... 205.80

Diskonto-Kommandit . . 180.70 Darmstädter Bank . . . 126.00 Dresd' ner Bank .... 127.80 Berliner Handelsges. . . 140.00 Oesterr. Staatabahn . . . 140.50

Gotthardbahn.....162.50

Laurahütte......186.75

Bochum ....... 173.00

Harpener......16&50

Tendenz: fest.

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