Ausgabe 
4.10.1901 Zweites Blatt
 
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anzuweisen, die bei ihnen am 1. Januar 1902 vorhandenen und später eingehenden Einthaler stücke aus den Jahren 1823 bis 1856 nicht wieder zu verausgaben. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Nützlichkeitsmaßregel. Der Ver­kehr soll allmählich von dieser wegen ihres von den Vereins- thalern abweichenden Gewichtsdurchmessers unbequemen Münze entlastet werden. Sie bleibt jedoch als giltiges Zahlungs­mittel noch im freien Verkehr. Die im Umlauf befindlichen Thaler aus den Jahren 1823 bis 1856 werden auf nich »iel über 20 Mill. Mk. geschätzt. Es steht zu hoffen, daß sie in zwei bis drei Jahren ganz aus dem Verkehr ver­schwunden sind.

Eine Meldung der DortmunderTremonia", daß ßte Oberpräsidien aufgehoben und die Kompetenzen der Landräte und Regierungspräsidenten dementsprechend erweitere werden sollen, ist unzutreffend, desgleichen die Nachricht, daß die Teilung des Regierungsbezirks Arnsberg vorläufig unter­bleiben werde. Es seien lediglich die Erwägungen hierüber noch nicht zum Abschluß gelangt.

Die Angabe, daß der verstorbene Staatsminister Miquel katholisch getauft sei, ist, wie derGermania" authentisch bestätigt wird, durchaus zutreffend. EineJugend­liebe" Miquels, die sich später nach Holland verheiratet hat, sei katholisch gewesen, verzichtete aber auf die Hand Miquels, well derselbezu revolutionäre Ansichten" hatte.

V,?"durchaus unterrichteter Seite" wird derRat.- Ztg." bestätigt, daß die Meldung- wonach der ungarische Ministerpräsident in Uebereinsttmmung mit dem Minister des Aeußem und mit der österreichischen Regierung nicht ver­absäumt haben sollte, der deutschen Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß sie nicht im stände wären, auf Grund des veröffentlichten deutschen Zolltarifs einen Handelsverttag abzuschließen, jeder Begründung entbehrt.

Im Reichsjustizamt sind neuerdings zwei neue Ge­setzentwürfe zum Schutz der Forderungen der Bau Hand­werker ausgearbeitet worden, die demnächst der öffentlichen .{Erörterung unterbreitet werden sollen.

Die Angelegenheit des Märchenbrunnens wurde in der heutigen Sitzung der städtischen Kunstdeputation er­örtert. Die Deputation beschränkte sich darauf, die Rechts­frage zu besprechen. Ein Beschluß wurde in der Angelegen­heit nicht gefaßt. Zunächst soll die Frage noch näher geprüft werden, bevor Stellung zu dem bekannten Schreiben des Kaisers genommen wird. Ein Eingehen auf die Vorschläge des Monarchen steht zu erwarten.

Ausland.

Brüssel, 2. Okt. Der Pariser Korrespondent der r,Jndep. belge" berichtet seinem Blatte, daß, nachdem die Regelung des Konsltttes mit der Türkei gestern neuerdings ins Stocken. geraten, der französische Minister des Aus- wärttgen beschlossen hat, falls die geforderten Bedingungen nichtvollständigangenommen würden,ein französisches Geschwader nach der Levante zu entsenden. Die Ablehnung der gestellten Forderungen seitens der Pforte im letzten Augenblick hat, nachdem man im Auswärtigen Amte die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Pforte nachgebe, allgemein überrascht. Die letzten Einzelheiten zur Wiederaufnahme der Diplomatischen Beziehungen zur Türkei wurden bereits festgestellt und bestehen aus folgenden fünf Punkten: 1) der französische Botschafter sollte nach Kon­stantinopel zurücktehren in Begleitung von französischen Panzerschiffen bis zum Eingang der Dardanellen oder'bis Konstantinopel; 2) die Pforte sollte die französische Flagge durch Salutschüsse in dem Augenblick, wo sie auf der fran­zösischen Gesandtschaft aufgezogen würde, ehren; 3) die Pforte sollte den Patriarchen von Chaldos anerkennen; 4) die betreffenden rückständigen Summen sollten von der Pforte ausgezahlt werden; 5) die Frage, betreffend Gründ­ung französischer Schulen in Palästina sollte zur Befrie­digung Frankreichs gelöst werden. Augenblicklich nimmt das Geschwader in Toulon Kohlen ein und erwartet Befehl zur Abfahrt.

Brüssel, 2. Okt. Neuesten Nachrichten aus Afrika zu­folge, welche Brüsseler Buren empfangen haben, sollen jetzt über 25 000 Buren im Felde stehen, darunter 10000 Kap-Rebellen.

Wien, 2. Okt. Lemberger Blätter melden aus Warschau, daß sämtliche Restaurants und Kaffeehäuser in Polen be­schlossen haben, das Abonnement auf alle reichsdeut­schen Zeitungen auf Verlangen des Publikums auf» zugeben und nie mehr in Lokalen aufliegen zu lassen. Das Vorgehen wird mit dem Verhältnis der Deutschen zu den Polen in Preußen (Provinz Posen) motiviert.

Lemberg, 2. Okt. Am letzten Sonntag haben zahl­reiche Polen aus Myslowitz, Kattowitz und anderen ober­schlesischen Grenz-Ortschaften einen Ausflug auf österreichi­sches Gebiet unternommen. Auf österreichischem Ge­biet merkten sie plötzlich in ihrer Mitte mehrere preußi­sche Schutzmänner in Zivilkleidung. Diese wurden auf­gefordert, sich zu entfernen. Allein sie erwiderten, sie seien da, um die Ausflügler zu überwachen. Erst als österreichische Polizei einschritt, zogen sich die preußischen Schutzleute auf preußisches Gebiet zurück. Vorher wurde jedoch mit den Teilnehmern am Ausfluge ein amtliches Protokoll aufge^ nommen.

Budapest- 2. Okt. Tie Reichs tags Wahl en sind bisher ziemlich ruhig verlaufen. Bereits hundert Anhänger der Regierungs-Partei, darunter der Ministerpräsident Szell sowie die Minister Lukars und Hegednes, sind wieder­gewählt. Ebenso wurden die Abgg. Ugwn und Szomlio wieder gewählt. Im Walde von Dopolesany wurde der Wähler Honda von den Anhängern der Volkspartei er­schlagen. Auf den Anhänger der Regierungspartei Czolosaky wurde ein Revolver-Attentat verübt. In Dotis gab es bei einem Zusammenstoß der Regierungspartei mit den Ugronisten 5 Verwundete.

, del6rad, 2. Okt. Großes Aufsehen erregt es, daß fjkfjere russische Geschäftsträger Paul Manssurow jetzt von seiner Regierung abermals nach dA^d geschult ist Manssurow leitete die Geschäfte der in Belgrad während der Zeit, da die Beziehungen zwischen Belgrad und "En. Bei der Verlobung und §Stat sprelte er eine hervorragende Rolle, die

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Schwurgericht.

m. Gießen- 3. Oktober.

Gestern wurde gegen den am 28. März 1867 zu Kreuz­bergerhof bei Trier geborenen Gärtnergehilfen August Goll- Hofer, zuletzt ansässig in Kreuznach, wegen Notzucht ver­handelt. Der Gerichtshof setzt sich zusammen aus Landge­richtsrat Müller als Vorsitzendem sowie den Landgerichts­räten Sandmann und Schmeckenbecher als Beisitzer. Die Anklage verttitt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung war dem Rechtsanwalt Hoos übertragen. Es waren 9 Zeugen und als medizinischen Sachverständigen, Medizinalrat Dr. Matthias aus Friedberg zur Verhand­lung^ geladen. Nach dem Anklagebeschluß wird dem mehrfach, darunter wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraften Angeklagten zur Last gelegt, daß er in der Nacht vom 9. auf 10. Juni in Butzbach in einem Garten in der Nähe der sogen. Prinzenmauer das in Rede stehende Verbrechen verübt hat. Die Verhandlung gegen den geständigen Angeklagten wird hinter verschlossenen Thüren geführt. Nach dem öffent­lich verkündeten Urteil hatten die Geschworenen die wegen mildernder Umstände gestellte Frage verneint. Der Angeklagte wurde demzufolge zu 4 Jahren Zuchthaus, von denen 2 Monate der verbüßten Untersuchungshaft in Abzug kommen, und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verurteilt. Der Vertreter der Staatsbehörde hatte eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren beantragt.

m. Gießen, 3. Oktober. .

Heute vormittag wirb in die Verhandlung gegen den Tietfttknecht Ludwig B ö ck n e r aus Maulbach wegen Mein­eids eingetreten. Die Anklage vertritt Gerichtsassessor Dr. Hitzel, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Röm Held. Es sind 20 Zeugen und als Sachverständiger Kreisassistenz- arzt Dr. Königer geladen. Dem Böckner wird zur Last gelegt, daß er am 6. Mai vor dem Amtsgericht Homberg a. d. O. wissentlich seine Eidespflicht verletzt und ferner am 16. April "or dem Schöffengericht Homberg einen Meineid geleistet hat. Beide Verbrechen werden als auf einem verbrecherischen Entschluß beruhend als ein fortgesetztes einheitliches Ver­brechen angesehen.

, In der Neujahrsnacht kam es zu Maulbach in der Sprnnstube zu einem Streit, der in Thätlichkeiten ausartete, die sich auf der Straße fortsetzten. Hierbei wurde der An­geklagte verletzt und behauptete, er sei von Georg Philipp und Becker mit einem Srelscheid und Messer bearbeitet wor­den. Philipp und Becker erklärten diese Angaben für falsch, B. aber beschwor seine Angaben. Nun wurde das Haupt­verfahren vor dem Schöffengericht Homberg gegen Philipp und Becker wegen gemeinsamer schwerer Körperverletzung eröffnet. In der Verhandlung am 16. April wiederholte der Angeklagte seinen ersten Eid. Nach der Anklage soll Becker auf der Straße sich an den Mißhandlungen nicht be­teiligt haben, also die beiden eidlichen Erklärungen des Böckner falsch sein.

Der Angeklagte bleibt dabei, daß das, was er be- chworen, wahr sei. Schon innerhalb des Hauses, dicht am Eingang, sollen ihm beide unter Mißhandlungen die Kleider zerrissen, und später, nach! seiner Anzeige beim Wächter, über ihn hergefallen und zusammen geschlagen haben. Georg Phllipp sagt aus, er habe in der Nacht ganz allein auf der Straße den Angeklagten mit dem Sielschieid bearbeitet, Becker sei nicht dabei gewesen, dies habe Böckner auch ge- ehen. Karl Becker bestätigt, was Philipp angiebt. Er will nur, als Böckner ans dem Hause kam, diesem eine Ohrfeige gegeben haben, und ^war auf der Treppe, die zum Hose ührt und innerhalb des Hauses liegt. Darauf, so versichert *er Zeuge, fei er in die Stube gegangen und will diese nicht sobald verlassen haben.

Der Schreiner Joh. Werner erzählt, Becker habe in der Stube ruhig neben ihm gesessen, als von anderen erzählt wurde, Böckner sei soeben auf der Straße zu- ammengeschlagen worden. Ebenso sagen ein paar weitere Zeugen aus. Der Gendarm Hofmann bekundet: Als er den Thatbestand feststellen wollte, habe ihm B., der int Bett lag, erklärt, er sei von Philipp geschlagen und verletzt worden. Becker habe ihn nur im Hause gestoßen. Der Zeuge hat daraufhin nur eine Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den ihm allein als Thäter Ge­nannten erstattet. Dagegen sagte der Nachtwächter Leun aus, B. habe ihm unmittelbar nach seiner Verwundung gesagt:Philipp und Becker haben mich geschlagen." Die Verhandlung wird um Mittag 13 einhalb Uhr unterbrochen.

Aus Stadt und Zand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 2. Oktober 1901.

** Kirchliche Dienstnachrickten. Ernannt wur­den: Pfarrer W ald eck zu Darmstadt zum Pfarrverwalter in Beerfelden, Pfarrverwalter Schlösser zu Nieder-Ros- iach zum Pfarrverwalter in Brauerschwend. Zur Wieder­besetzung werden ausgeschrieben: die erste evangelische Pfarrstelle zu Schlitz; oem Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht bas Präsentationsrecht zu; die evangelisch^ Psarrstelle an der Dreifaltigkeitsgememde zu Worms ; )ie erste evangelische Pfarrstelle zu Beerfelden; dem Grafen zu Erbachs-Fürstenau steht das Präsentationsreckst zu; die evangelische Psarrstelle zu Wald-Michelbach; )ie evangelische Psarrstelle zu Lißberg, Dekanat Bu­ringen.

** Die Stadtverordneten besichtigten am Diens­tag nachmittag das renovierte Rathaus am Marktplatz und die städtische Mädchenschule.

** Der Katholische Lehrer-Verein int Großh. Hessen, der in Mainz feinen Sitz hat, hat vom 1. Okt. ab mit einer Schweizerischen Haftpslicht-Bers ich e r ungs-Ge- ellschast einen Vertrag abgeschlossen, der den Lehrern )es Vereins bei ihren Haftpflichtversicherungen wesentliche Vorteile gewährt.

** Theater-Verein. Mit Maria Reisenhofer, der durch ihre Kunst wie durch ihre Schönheit gleich ausgezeich­neten Schauspielerin, welche nach mehrjähriger Wirksamkeit am Deutschen Theater in Berlin seit diesem Herbst der Stern des dortigen Residenztheaters ist, kam soeben ein Vertrag ju Stande, durch welchen sich die Künstlerin zu einem ein­maligen Gastspiel am 10. Dezember verpflichtet. Es wird dieses die vierte Abonnementsvorstellung sein. Trotz >er enormen Kosten, welche dieses Gastspiel verursacht, hat der Vorstand des Theater-Vereins kein Bedenken getragen, die Verpflichtungen des Gastspielvertrags zu übernehmen, in der Voraussicht, daß das Theater an diesem Abend voll- tänbig ausverkauft sein wird, ebenso, wie das bei dem Gastspiel von Irene Drisch im letzten Winter der Fall war und

voraussichtlich auch jetzt wieder bei ihrem bevorstehenden Gast- spiel der Fall sein wird.

* Aus dem Theaterbureau. Freitag den 4. ds. Ms. geht der erfolgreiche neue SchwankDie Dame von Maxim" erstmalig in Szene. In demselben ist das Per- sonal des Stadttheaters zum ersten Male vollzählig beschäftigt.

* * Das Pionierbataillon Nr. 11 wurde am Dienstag durch Gießener Zugpersonal von Kastel abgeholt, um mit zwei Extrazügen nach seiner neuen Garnisonstadt befördert zu werden. Mit zwei Exttazügen trafen nachts gegen 12 Uhr die Mannschaften auf dem hiesigen Bahnhofe ein, von wo sie geftern morgen gegen 3 Uhr nach der neuen Garnison, Münden (Provinz Hannover), weitertransportiert wurden.

* Gießener Volksbad. Im September wurden 7456 Bäder verabreicht, gegen 10026 im August 1901 und 7304 im September 1900 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 266 Bäder gegen 371 im August 1901 und 261 im September 1900. Der Besuch im einzelnen hat sich ver­teilt wie folgt:

Schwimmbad 3686 Männer, darunter 615 zu 10 Pfg.,

989 Frauen, 220 10 ,,

Wannenbäder 1. Kl. 171 Männer, 78 Frauen,

2. 553 425

Dampf- und Heißluftbäder sowie Massage zusammen 113 Männer, 19 Frauen,

Brausebäder 1169 Männer, 253 Frauen.

Die Personenwage wurde von 200 Personen benutzt und das Bad von 24 Personen besichtigt.

** Ernteertrag. Nach der von den Feldgeschworenen vorgenommenen Erhebung über den Ernteertrag in der Ge­markung Gießen für 1901 waren bestellt: 87 Hektar mit, Weizen, 215 mit Roggen, 55 mit Gerste, 2 mit Meng- getreide, 325 mit Hafer, 15 mit Erbsen, 10 mit Wicken, 15 mit Mischfrucht, 230 mit Kartoffeln, 130 mit Runkel-; rüben, 30 mit Zuckerrüben, 1 mit Möhren, 10 mit Kohl-/ rüben, 15 mit Kraut- und Feldkohl, 2 mit Raps, 75 mit Klee, 8 mit Luzerne, 1 mit Mais, 40 mit Grassaat; an Wiesen waren 400 Hektar vorhanden. An Obst wurden ge­erntet von 4950 Aepfelbäurnen 120 Doppelzentner, von 2900 Birnbäumen 80 Doppelzentner, von 8500 Pflaumen- (Zwetschen) Bäumen 85 Doppelzentner, von 1470 Kirsch - bäumen 15 Doppelzentner, von 52 Wallnußbäumen 2 Doppel­zentner; der Obstettrag wurde auf 5730 Mk. bewertet.

** Zirkus Althoff. In Wetzlar giebt feit einigen Tagen der Zirkus Althoff Vorstellungen. Der Zirkus ver­fügt über ein reiches Pferdematerial und ein gut geschultes Künstlerpersonal. Die Vorstellungen haben sich deshalb bis­her eines zahlreichen Besuchs des Publikums zu erfreuen ge­habt. Er beabsichtigt am morgenden Freitag hier eine Reihe von Vorstellungen zu eröffnen.

(!) Ein alter Landstreicher aus Frankenbach, der schon öfters Gießen seinen Besuch geschenkt hat, wurde gestern hier wegen Bettelns verhaftet.

(!) Verhaftungen. Ein auswärtiger Lehrer, der in einem hiesigen Gasthaus logierte, wurde auf Veranlassung -einer auswärtigen Staatsanwaltschaft wegen Sittlichkeits­verbrechens verhaftet. Einem hier bediensteten Knecht, der in einem Neubau an der Klinikstraße übernachtet hatte, wollte heute ftüh ein Frauenzimmer die Taschenuhr stehlen. Er erwachte jedoch im rechten Augenblick und ließ die Thäterin, der die Uhr abgenommen wurde, alsbald ver­haften. So endete das Liebesidyll, das er am Abend vor­her mit der Diebin begonnen hatte.

Alten-Buseck, 2.Okt. Schulverwalter Möller wurde von hier nach Klein-Linden versetzt. An seine Stelle' kam Herr Ziegler- der seither in Münster bei Butz­bach stand.

-o- Lang-Göns, 2. Okt. Heute fand hier in ruhiger Weise, aber bei sehr reger Beteiligung?unsere Gemeinderats­wahl statt. Mit fast lOOftimmiger Majorität gingen die 4 Kandidaten der Wentzel'schen Partei, Johs. A. Wagner, I. A. Müller, Johs. Weber V. und Johs. F. Henrich aus der Wahlurne hervor. Bei der vorjährigen Bürgermeister­wahl war diese Partei unterlegen. Man hofft und wünscht nun, daß die Gewählten mit verstärkter Kraft, Charakterfestig­keit und Uneigennützigkeit wie im vergangenen Jahr auch ernerhin zum Blühen und Gedeihen unserer Gemeinde Weiter­arbeiten werden.

/. Obbornhofen, 1. Okt. Bei der am 30. September abgehaltenen Bürgermeisterwahl, wurde der seitherige, Bürgermeister Konrad Leschhorn III. abermals einstimmig mit 117 Stimmen gewählt. Es wurde ihm eine sehr hohe Tanne als Ehrenbaum mit Kränzen und Bändern vor dem Hause aufgepflanzt, und am Abend zog der Krieger- uüd Gesangverein, gefolgt von fast der ganzen Gemeinde, vor das Haus des Gewählten und brachte ihm ein Ständchen. Der Präsident des Kriegervereins Kratz hielt eine Ansprache und ieß den neugewählten Bürgermeister, der gleichzeitig Ehren- Präsident des Vereins ist, hoch leben. Der Bürgermeister dankte den Vereinen und seinen Wählern und brachte auf den Frieden und die Einttacht in der Gemeinde ein dreifaches Hoch aus.

l Laub ach',- 2. Okt. Am Dienstäg fand die Ge­neralversammlung der hiesigen Spar-undLeih- k a s s e int Gasthaus zur Traube statt. 'Tie Mitglieder waren zahlreich erschienen; anwesend war auch der Kreisrat des Kreises Schotten, Geh. Regierunngsrat Schönfeld. 'Die Rechnung für das Jahr 1900 wurde genehmigt und dem Rechner Schreiner Entlastung erteilt. Der Ausschuß hatte in Bezug auf die Verwendung der Ueberschüsse beantragt, dm Gemeinden des Sparkassenbezirks, bestehend aus den Ge­meinden der alten Graffchast Laubach- 2500 Mark Rjj weisen, die Versammlung wies aber denselben nur 1100 Mark zu, den Rest dem Reservefonds) da die^ Stärke be» letzteren noch nicht den Vorschriften des Ministeriums ent-, spricht. Die übrigen Gaben für milde Zwecke wurden ge­nehmigt. Hierauf wurde zu den Wahlen gefdjntten. An Stelle des in vorgerücktem Alter stehenden Direktors Rtt- ter wurde Bürgermeister Jochem von Laubach gewählt, der erklärte, seine Stelle als Direktor des Spar- und Kreditvereins niederzulegen. Deshalb sand der Protest des Kaufmanns Ritter gegen diese Wahl kemen Widerhall in der Versammlung. Als Stellvertreter des Direktors wurde der gräfliche Rentmeister Bohn gewählt. 'Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag des Bürger-, Meisters Reitz aus Inheiden, den Gemeinden freies Ver-, füqungsrecht zu geben über die Art der Verwendung der ihnen aus den Ueberschüssen bewilligten Beträge. Es wurhA