Ausgabe 
4.10.1901 Erstes Blatt
 
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geistigen Wohl zu haben. Davon hänge die Zukunst Deutsch­lands ab. Denn der Kampf auf dem Weltmarkt wachse dauernd, und siegen könne nur das Land, das eine intelli­gente Bevölkerung habe. Je mehr man aber die Lebens­fähigkeit eines Volkes herabsehe, desto mehr vermindere man seine geistige Fähigkeit. Es sei geradezu zum Verwundern, daß Deutschland trotz so vieler Bedrängnisse im Welthandel die zweite Stelle inne habe. Es sei Pflicht aller Teile des deutschen Volkes, flammenden Protest zu erheben gegen eine Art der Wirtschaftspolitik, die so schwer schädige wie die von den Agrariern gewollte. Redner schloß mit dem Wunsche, das es bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags im No­vember gelingen möge, einen so lebhaften Protest zu erheben, daß Bundesrat und Reichstag einsehen, wie sehr sie es mit dem deutschen Volke verderben würden, wenn sie einem solchen Entwurf zustimmten. Der langanhaltende Beifall, der sich erhob, bewies dem Redner, wie sehr die Versammlung mit seinen Ausführungen übereinsümmte.

In der nun eröffneten Diskussion erklärte der Sozial­demokrat Vetters, daß er und seine Parteigenossen den Ausführungen des Dr. Goldschmidt im Wesentlichen bei­stimmten. Justizrat Metz verlas folgende Resolution, die gegen wenige Stimmen angenommen wurde:

Die vom Freisinnigen Verein zu Gießen zum 2. Oktober in den großen Saal von Steins Garten einberufene all­gemeine Volksversammlung erhebt lebhaften Protest gegen die im Zolltarifentwurf der Reichsregierung vorgesehene Er­höhung der Lebensmittelzölle, weil diese s. Z. dem Volk die Lebenshaltung künstlich erschweren und zweitens die Handels­verträge, auf welche die deutsche Volkswirtschaft zu ihrer ge­deihlichen Fortentwicklung angewiesen ist, in Gefahr bringen. Die Versammlung ersucht den hohen Bundesrat und den deutschen Reichstag, im wohlverstandenen Interesse des Ge­samtwohles der kulturfeindlichen Lebensmittelverteuerung energisch energisch entgegenzutreten und für das Zustande­kommen langfristiger Handelsverträge einzutreten."

Aus Stadt und Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 3. Oktober 1901.

** Museum des Oberhessischen Geschichts- Vereins. Folgende Geschenke sind dem Museum des Oberhess. Geschichts-Vereins "seit der letzten Veröffentlichung (1. April 1901) zugewiesen worden: Kupfermünze, Con­stantin des Großen von Herrn Hotelbesitzer Hein-Gießen; Dachziegel mit der Inschrift >,Gott allein die Ehre", Johann Philipp Rinn 1745, von einem Hause in der Marktstraße, von Herrn Süß-Gießen; Wage mit Gewichten, angefertigt von Johann Peter Ackersberg 1800, von Herrn Kreisschul- Jnspektor Lucius; Studentenstammbuch des C. F. Lange 1779, desgleichen des Christ. Gottft. Hahn 1791, mehrere Bleistiftzeichnungen und Brief 1825 ff. von Herrn Dr. C. Lange-Niederolm (Mainz); Hebräische Gebetbücher (2Bände) von H. Wohlmuth aus Wolmirstedt im Reg.-Bez. Magde­burg; Alter Pfeifenkopf mit dem Bildnis des jungen Goethe von Herrn Wohlmuth-Gießen; Eine mehrere hundert Stücke enthaltende Sammlung von Pfühlbaufunden aus der Stein­zeit. Fundort: Bodensee, von einem ungenannten Gönner; Sllbermünze, ein neuer Albus von Mannheim mit Bildnis des Grafen Friedr. W. von der Pfalz 1610, von der Stadt Gießen; Photographie eines siebenarmigen Opferleuchters aus Schmiedeisen aus dem 16. Jahrhundert, von Herrn Schuto-Mainz; Gestickter, alter Ledergürtel, von einem ungenannten Gönner; Messingleuchter mit Lichtputzscheere, Silberne und (Bronzene. Medaille zur d00 dreijährigen Jubel­feier des Gymnasiums zu Büdingen, 16011901, Skizzen­buch von I. W. Wille, 1783, von demselben; Mehrere Bilder, darunter politische Karrikaturen von 1848, von Herrn Rechts­anwalt Rosenberg; Gefäß auö der jüngeren Bronzezeit, Fundort: südlich der Weinstraße bei Ostheim i. W., von Herrn Prof. Dr. Gundermann; Seine reichhaltige Samm­lung vorrömischer und römischer Gefäße und andere Fund- ftiicre, ausgegraben von Herrn Professor Dr. Gundermann; Altes Messer, gefunden unter dem Fußboden bei Gelegen­heit des Ausbaues des alten Schlosses üuf dem Brand, von der Stadt Gießen. Wie wir hören wird das Museum

des Oberhessischen Geschichts-Vereins in der zweiten Hälfte des Oktober eröffnet werden.

** Buchdruckerversammümg. Eine gestern Abend abge­haltene, von fast allen Verbandsbuchdruckern besuchte Ver­sammlung nahm den Bericht des Gehilfenvertreters des dritten Tarifkreises, Herrn C. D o m i N e e - Frankfurt, über die Ver­handlungen der Revision des im Jahre 1896 zwischen Prin­zipalen und Gehilfen vereinbarten, in diesem Jahre aber ab­gelaufenen deutschen Buchdruckertarifes entgegen. Der Vor­tragende bemerkte zunächst, daß im ganzen 320 Anträge zu der Revision eingereicht waren. Hierauf geht derselbe auf die einzelnen Paragraphen des Tarifs ein und es ist zu kon­statieren, daß eine Aufbesserung um 7 </a °/0 Platz gegriffen hat. § 516 des B. G. B., der in verschiedenen Gewerben durch Arbeitsordnungen außer Kraft gesetzt wird, ist dahin erledigt worden, daß den Gehllfen, die infolge staatlicher oder kommunaler Pflichten die Arbeit versäumen, bis zu drei Stunden ein Abzug vom Lohne nicht gemacht werden darf. Der Vortragende verbreitet sich snoch eingehend über die Ver­handlungen und es wird zum Schluß nachstehende Reso­lution einstimmig angenommen:

Mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche Lage erklärt sich die heutige Versammlung mit den Ergebnissen der Tarif­verhandlungen einverstanden, erwartet aber, daß den Teuerungs­verhältnissen gemäß durch Erhöhung der Lokalzuschläge den berech- tigten Wünschen Rechnung getragen wird, und verspricht, für bie Durchführung vom 1. Januar 1902 kräftig zu wirken."

Der revidierte Tarif hat eine Giltigkeitsdauer von fünf Jahren. Die Herren Prinzipale, welche in Gemeinschaft mit den Gehilfen die Revision des Tarifs in beide Teile zufriedenstellender Weise erledigten, haben sich neben dem Wahrspruch, daß ein jeder Arbeiter seines Lohnes wert sei, auch wohl von der Ueberzeugung leiten lassen, daß im In­teresse des Friedens im Gewerbe und in Anbetracht der ge­steigerten Lebensmittel-, Miet- u. s. w. Preise den berech­tigten Wünschen auf Erhöhung des Arbeitslohnes Rechnung zu tragen sei.

Vermischtes.

* Rom, 2. Okt. DieAgenzia Stefani" meldet aus Neapel: Die Kranken im Lazarett Nisida befinden sich alle etwas besser. 135 Personen, welche im Lazarett Nisida isoliert wurden, befinden sich ganz wohl. In Sangiovanni Teduceio ist ein verdächtiger Fall angemeldet; es handelt sich wieder um einen Arbeiter, der in der Mühle beschäftigt war, die bereits wegen P e st f a l l e s unter ihren Arbeitern geschlossen ist. Es scheint, daß die Mühle durch Getreide infiziert ist, das dorthin aus dem Freihafen vor der Schließung desselben gebracht wurde.

* Köln, 2. Okt. DemK. V." zufolge fand gestern in der Zündhütchenfabrik der Rheinisch-Westfälischen Sprengstofffabriken-Gesellschaft in Troisdorf eine Explosion statt, wodurch zwei Arbeiterinnen getötet und eine schwer ver­letzt wurde.

Paris, 2. Okt. Während eines zwischen einem Portier und einigen Mietern entstandenen Streites feuerte der Portier mehrere Revolverschüffe auf die Mieter ab, wo­bei eine Person getötet und zwei schwer verletzt wurden.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Bieberthalbahn.

Der neue Fahrplan für den Winter zeigt eine für das reisende Publikum recht unpraktische Veränderung. Währmd im Sommer der 2. Frühzug ab Gießen erst 7.40 Uhr abgelassen wird, soll der­selbe im Winter schon um 7.12 Uhr, also 28 Minuten friiher abfahren. Weil man also jetzt in Herbst und Winter hineinfährt, läuft dieser Zug früher; gerade umgekehrt müßte es sein. Im Sommer müßte man diesen Zug 7.12 Uhr fahren lassen, nicht aber 7.40 Uhr, dann kann Jeder die zum Arbeiten taugliche Zeit doch besser ausnutzen. Was soll man im Herbst und Winter aber schon 7.12 Uhr hier abfahren um selbst auf den Endstationen Rodheim Bieber noch vor 8 Uhr früh also zu einer Stunde anzukommen wo es zu solcher Jahreszeit noch nicht einmal Tag geworden ist, und was kann denn zu jo ungelegen früher Stunde ein Geschäfts­oder anderer Reisender da ansangen? Gar nichts!

Die Verlegung des betr. Zugs auf 7.12 Uhr ist also schon aus diesen Gründen unpraktisch; rwch unpraktischer erscheint sie aber im Hinblick darauf, das; nun währerrd des gamen Vormittags kein Zug mehr eingelegt ist bis auf den um 11.4 Uhr. Also während nahezu 4 Stunden ruht der Personenvcckehr auf der Bahn von Gießen nach dem Bieberthal mitten in der Vormit-, t a g s z e i t.

Das heißt man doch den Verkehr nicht fördern. Diese Ein» richtung ist dazu nicht angethan, denn wenn man um 7.12 Uhr nicht fahren kann, ist man darauf angewiesen, den besten Tell des Vormittags bis 11 Uhr zu warten. Dieser Zug bringt Manchen, erst gegen Mittag an sein Ziel, der dann durch die Mittagsstunde aufs Neue aufgehalten wird, worüber die beffere Hälfte des Tags inzwischen verschwunden ist. Aufgabe dieser Beschwerde soll es nur sein, daß sowohl Bahn-Verwaltung als Civilbehörden veran^ lasten, daß jener 2. Zug im Winterhalbjahr nicht schon um 7.12 Uhr sondern etwa eine Stunde später von Gießen abge­lassen werde, denn damit allein wäre, und gewiß auch nicht zum Schaden der Bahn, den Verkehrsinteressen besser Rechnung getragen wie jetzt. 8.

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Bekanntmachung, betr.: Die Vergebung der Kultur- und Wegbauarbeiten im Gießener Stadtwald.

Die im Gießener Stadtwald erforderlichen rubrizierten Arbeiten, als: veranschlagt zu

a. Herstellung von rajolten und erhöhten Riefen

einschl. der Entfernung von Dörnern und

Vorwuchs . . . n H « r 2615, JL

b. Aufräumen von alten Gräben < t ; < < 215,

o. Herstellung von neuen Gräben < 8 t t 252,

d. Planierarbeiten 4 . * x ; / | < 1034,40

e. Lieferung von Basaltsteinen < p » - . 1619,

f. Lieferung von Kleinschlag t / d tz t> , 940, g. Chaussierarbeiten * \ 7 8 i i « , 5335,60

h. Aufsetzen von Steinen / ; » t t t 8 » 250,52

-sollen

Samstag den 5. d. Ms.; norm. 10 Mr, im Bürgermeistereigebäude Zimmer Nr. 15 öffentlich ver­geben werden.

Die Großh. Bürgenneistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in den dortigen Gemeinden bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 1. Oktober 1901.

.Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________________Mecum._____________'_____6553

Bekanntmachung.

Freitag den 4. Oktober er., nachmittags 3 Uhr, werden rm Bürgermeisterethof

15 Köröe Wrnen, 14 Köröe Kepfek

meistbietend versteigert.

Gießen, den 2. Oktober 1901. 6552

.Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. *

Mecum.

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Unterricht im

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Diezstrasse 7, II

1. Merliefemg

für das Tierspital in Gießen.

Für die Zeit vom 1. Nov. 1901 bis zum 31. Okt. 1902 soll die Lieferung von Heu, Stroh (Maschinen- und Hand­drusch), Hafer, Weizenschalen, Futtermehl und Metzdorf'schem Hundekuchen für das Tierspital vergeben werden.

2. Verkauf M Dünger.

Der in der Zeit vom 1. Nov. 1901 bis zum 31. Okt. 1902 gewonnene Dünger soll nach dem Gewichte, so wie er sich in der Grube findet, an den Meistbietenden verkauft werden.

Reflektanten werden ersucht, ihre Angebote an die Direktion bis zum 10. Oktober d. Js. einzureichen. 6485

Die Bedingungen sind in dem Tierspital, Frankfurterstr. 85, einzusehen.

Gießen, 27. Sept. 1901. Die Direktion des Tierspitals Prof. Dr. Pfeiffer.

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