Ausgabe 
4.8.1901 Zweites Blatt
 
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bahndirektion Mainz über die Herstellung der Wies badener Eisenbahn nebst einem Abkommen über die Wege- und Vorfluthanlogen bei Erbauung dieser Bahn inner halb der Gemarkung Mainz einstimmig genehmigt. Der abgeänderte Fluchtlinienplan für die Mombacher Chaussee von dem Rheingauwall bis zum Uebergang der Alzeyer Linie wurde gutgeheißen. Die Straße behält die auf 16 Meter f. stgesetzte Breite, wird bei dem Mombacher Thor rechts v<ben dasselbe verlegt und erhält im übrigen eine mehr gradlinige Richtung. Die Leistungen der anliegenden Grund, fiücksbefitzer sollen auf Grund des Art. 21 der Bauordnung durch OrtSstatut geregelt werden. Auf die ftüher vorgesehene neue BerbindungSstraße zwischen dem Rheingauwall und der Mombacher Chaussee wird, nachdem in direkter Fortsetzung der Hartenbergstraße Ersatz geschaffen ist, verzichtet. Unter Bewilligung der erforderlichen Kredite wird die Erwerbung von Gelände in der Kreuzung der Wallau- und Feldberg­straße und die Leistung der Vergütung für Straßenmehr­breite an verschiedene Anlieger in der Feldbergstraße ge. nehmigk.

1 Biebrich, 2. Aug. In einem bedeutenden Fabrik- geschäft in der Umgegend ist jüngster Zeit ein Prokurist ausgeschieden, um selbst eine Fabrik zu übernehmen. Beim Austritt kam es zwischen dem Fabrikleiter und dem Proku­risten zu Meinungsverschiedenheiten, infolge deren der Prokurist die Fabrik denunzierte, daß sie jahrelang den SteuerfiskuS um große Steuer gebracht habe, indem sie eine viel zu niedrige Steuerdeklaration gemacht habe.

** Kleine Mitteilungen an« Hessen und den Nachbarstaaten. Der Bahnhofarbeiter Sorge in Schweinsberg bei Kirch­hain wurde während der Arbeit von einem Blitz getötet. Er hinterläßt eine Frau und sieben Kinder. Am 31. Juli starb zu Nausis («reis Ziegenhain) Prof. Dr. Johannes Mühlmann. Ein verdienter Pädagoge ist in ihm zu früh dahingegangen. Die am Mittwoch auf den Schienen der Maiu-Neckar-Bahn in Frankfurt a. M. aufgefundene Leiche wurde als die der Ehefrau des Kanalarbeiters Jakob Steitz von Egelsbach erkannt. Es liegt Selbstmord vor. Die erst 27 Jahre alte Frau hat sich von dem ersten aus Frankfurt abgehenden Zuge überfahren lasten. In Dau­senau wurde der Landwirt Adolf Kraft beim Holzfahren von feinem^eigenen Wagen totgefahren. Er hinterläßt eine Frau mit 4 Kindern. Zwischen Roßdorf und Gundern- hausen ertrank in einem Graben ein älterer Herr von hier, der zuletzt in einer Nachbargemeinde wohnte. Der Mann, der einer angesehenen Familie entstammt, war geistig nicht ganz gesund. Vermutlich hat er sich in den Graben gelegt um dort auszuruhen, und ist eingeschlafen. Durch einen heruiedergehenden wolkenbruchartigen Regen hat sich der Graden dann rasch gefüllt, und so hat der Mann seinen Tod gefunden. In Waldalgesheim wurde ein 14jähriger Junge, der sich in Abwesenheit der Arbeiter mit Schippe und Hacke zu schaffen machte, von einer nieder- stürzenden Sandschicht erschlagen.

Krrmischlr«.

* Heilbronn, 2. Aug. Der Neckar steigt infolge wolkenbruchartiger Regengüsse sehr rasch.

* Bayreuth, 2. Aug. DaS Hochwasser hat hier bedeutende Schäden verursacht. In der Steingraeber'schen Klavierfabrik wurden die Dampfmaschinen unter Wasser ge­setzt, in der Loewensohn'scheu Chokoladen- und Zuckerwaaren- fabrit große Warenvorräte zerstört, in Mühlen wertvolle Nutzhölzer fortgeschwemmt und das Straßenpflaster auf- gerissen. Biele Häuser find beschädigt. Das Hochwasser, das größte seit 1845, finkt langsam.

Gerichtssaal.

D. Gießer», 3. Aug. Am 31. Juli fand hier Standgericht über den Musketier Pfeil von der 4. Kompagnie unseres Regiments statt. Pfeil hatte am 14. Juli vormittags ohne Urlaub die hiesige Garnison verlassen und war nach Butzbach gefahren, um, wie er sagte, dort Arbeit zu suchen. Er benutzte aber den Ausflug dazu, sich gehörig einen anzu­trinken. Mit dem Abendzuge 9.41 Uhr kehrte er hierher zurück. Da der Zug aber 20 Minuten Verspätung hatte, traf er erst nach dem Zapfen­streich hier ein. Auf der Bahnhofstraße wurde er sofort von einer Pa­

trouille, die nach ihm ausgeschickt war, in Empfang genommen und nach der Garnison gebracht. Beweisaufnahme fand nicht ftatt, baollja

geständig war. Er erhielt 4 Wochen strengen Arrest. $

Wetzlar, 2. Aug. In der gestrigen Schöffengerichtssitzung wurde gegen den Hausburschen Fnednch E. von Lützellinden, vielfach vor bestraft, verhandelt. Er war bei dem Gastwirt Friedr. Busch Gießen in Stellung. Am 8. Juli wurde er beauftragt, für seinen Herrn Kohlen »u bezahlen und erhielt ein Portemonnaie mit 1.25 Mk Inhalt. Den Auf­trag führte er jedoch nicht aus, sondern ging nach Leihgestern auf die Kirmes und verjubelte das Geld. Am andern Tage wurde er hier beim Betteln erwischt und eingesteckt. Das Gericht verurteilte ihn wegen Unter-- skb'agung zu 3 Wochen Gefängnis und wegen Bettelns zu 3 Wochen Haft

Landet und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gieße«, 3. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JC 1.051.26, Hühnereier per St. 67 <&, 2 St. 13-14 g, Enteneier 1 St. 78 4, Gänse- eier per St. 1112 Käse 1 St. 58 4, Käsematte 2 St. 58 «&, Erbsen per Liter 22 4, Linsen per Liter 34 $, Tauben per Paar JC 0.750.90, Hühner per St. JC 1.001.50, Hahnen per Stück JC 0.701.20, Enten per St. JC 2.002.20, Gänse per Pfd. JC 0.00 bis 0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6676 , Kuh. und Rindfleisch per Pfund

6064 4 Schweinefleisch per Pfd. 6480 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 84 4, Kalbfleisch per Pfd, 6066 4, Hammelfleisch per Pfd. 5070 d, Kartoffeln per 100 Kilo 5.008.00 JC, Weißkraut per St. 0000 4, Zwiebeln per Ctr. JC 8.0010.00, Milch per Liter 18

Dauer der Markt»eit von 7 Uhr vormittag- bis 1 Uhr mittags.

Neueste Meldungen.

Berlin, 3. Aug. TerLok.-Anz." berichtet: Zwischen Hangelsbergs und Fürstenwalde stürzte ein Ar­beiter aus dem Zuge. Tie Leiche wurde auf dem Bahn- dämm gesunden. Tas Blatt meldet ferner: In Ober­schön weibe bei Berlin tötete ein Restaurateur nach vorausgegangenem Streite seine Frau durch Erwürgen.

Dasselbe Blatt erfährt aus Zwickau: In Malhostiz rief ein Unbekannter die Hebamme Hofmann zur Geburts­hilfe. Unterwegs vergewaltigte er sie und erstach sie schließlich.

Lob en st ein, 3. Aug. TieLandeszeitung" meldet: Im Koselthal ging ein Wolkenbruch nieder, der Fluren und Häuser verwüstete. Biel Vieh ist ertrunken.

London, 2. August. (Unterhaus., Fortsetzung, An­fang siehe im Allg. Teil unterEngländer und Buren"). Chamberlain fährt fort: Tie Errichtung tausender von Blockhäusern und die so geschaffenen Schutzdistrikte seien von so gutem Erfolge gekrönt, daß die Regierung glaube, und sowohl Roberts wie Kitchener stimmten ihr darin voll zu daß es möglich sein werde, eine beträcht­liche Anzahl Truppen mit Schluß der Winterkampagne oder Ende September in die Heimat zu senden. Äitchener werde erst zurückkehren, wenn er sowohl wie die Regierung die Ueberzeugung hätten, daß es ohne Nachteil geschehen könne. Ein Teil des Feindes werde unversöhnlich bleiben, aber ein großer Teil der Bevölkerung beider Staaten sehne eine Gelegenheit zu einer friedlichen Regelung herbei. Es sei Unsinn, von Friedensunterhandlungen äu reden, wenn keine von den Bedingungen, die England stellen könne, von dem im Felde stehenden Feinde angenommen werde. Der Feind sage, der Krueg müsse ein Entscheidungskampf sein; das sei auch die Ansicht der Regierung. Tie Re-- gierung unterscheide jetzt zwischen Burghers, die im Felde stehen, und Aufständischenin der Kapkolonie, wo der Stand der Dinge sich geändert habe, weil die Auf­ständischen die Rebellion als billiges Vergnügen ansähen. Die Politik der mißverstandenen Milde habe jetzt ein Ende. Die den Buren angebotenen Fried^nsbedingungen seien zurückgezogen, doch wenn der Krieg vorüber sei, werde das Land die Regierung unterstützen. Jetzt würde jede An­regung zu einem Friedensschlüsse als Schwäche aufgefaßt werden, und die Regierung sei im Recht, wenn sie ener­gischer gegen die im Felde stehenden Buren vorgehe, um den Feindseligkeiten ein Ende zu machen. Tie Lage der Dinge in der Kapkolonie sei nicht zufrieden­stellend wegen der dort umherstreifenden Banden von rohen Gesellen. (Einspruch seitens der Iren.) Es sei eine absolute Roheit, wenn Kruitzinger drohe, jeden bewaffneten oder unbewaffneten Kaffer n i e d erz u s ch i e - ß e n. Großbritannien sei durchaus nicht verpflichtet, keine Eingeborenen einzustellen, aber unter besonderen Um­ständen in Südafrika würde das eine schlechte Polittk sein, doch schaffe die Regierung dadurch keinen Präzedenz­fall bezüglich der Anwendung von schwarzen Truppen in einem zukünftigen Kriege. Tie Regierung werde nicht

zögern, die vorzüglichen indischen Truppen in '.rgend einem Kriege zu benutzen, natürlich unter der Bedingung, daß sie im Einklang mit den Gebräuckjen der zivilisierten >erieg führung Kämpfen, und von britischen Offizieren gehörig über wacht werden. Chamberlain kommt nochmals auf Kruitzin gers Drohungen zu sprechen, und erklärt, die Regierung habe Kitchener angewiesen, Kruitzinger daraus aufmerksam zu mack>en, daß Akte, wie die angedrohten, die auch be­gangen worden seien, gegen die Kriegsgebräuche zivili­sierter Völker verstoßen, und daß alle Personen, welche solche Akte begehen, oder die Ermächtigung dazu erteilen, vor ein Kriegsgericht gestellt, und wenn sie überführt wer den, mit dem Tode bestraft werden würden. (Beifall bei den Ministeriellen.) - Die militärisck>e Lage sei jetzt hoff­nungsreicher, als sic seit langem gewesen sei. Im Verlaufe ber Beratung betonte Grey die Notwendigkeit, sich in Groß­britannien über die Hauptgesichtspunkte der Regelung der Verhältnisse in Südafrika zu einigen, damit nicht Rassen gegcnsätze noch verschärft würden. Es sei unmöglich, den Wunsch der Buren, vollständige Unabhängigkeit zu haben, zu erfüllen. Die Regierung müsse alle Kräfte anspannen, den Krieg fortzusetzen. Der Antrag Hobhouse, am Budget einen Abstrich zu machen, wurde mit 154 gegen 70 Stimmen abgelehnt.

W. Wilhelmshaven, 3. Aug. Ter Kaiser wird, hier ein getroffenen Nachrichten zufolge, an den bevor­stehenden Festlichkeiten in Emden, Kuxhafen, Hamburg und Wilhelmshaven wegen schlechter Nachrichten aus Schloß Friedrichshof über das Befinden der K a i s e r i n Friedrich nicht teilnehmen. Er wird voraussichtlich nach den bestehenden Dispositionen durch den Kronprinzen vertreten sein.

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Meteorologische Beobachtungen

der Ctotion (ftieften.

2.

3.

3.

August

W

9«

7«

2»

749,4

753,3

753,1

+ 19,2

4- 15,5

+ 20,6

12,3

8,6

8,6

I

Höchste Temperatur am Niedrigste

2.-3. August

Wetter

3 Sonnenschein

4- 25 50 C.

4- 17 50 C.

Telephomsdier Kursbericht.

*/i % Relchsanlüihe

BO/g dO

Bi/g »/o Konsole . . , 8 o/t do ...

8!/i % Heeses; . . .

5 % Ital'en. Rente . . 4% Grleoh. Monop.-Anl.

8 J/o Portugiesen . . 9 0/0 Mexikaner . . .

4Ve 6/o Chinesen . . .

Frankfurt, den 3

101 35 92 00

101.35

92.10

98.70

97.20

43.50

25.45

25.95

87.80

Tendenz

August.

. . 197.10

. . 169 80

. . 110 30

. . 128.00

. . 130 80

. . 13500

. . 158 50

. . 175 30

. . 1620

. 145.40

Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgas. Oesterr. Staatsbahn Gotthard bahn . . Laurahütte , . . Bochum . . .

Harpener schwach.

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