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4.8.1901 Erstes Blatt
 
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Unioersitäts Nachrichten.

bürg und des Privatdozenten Dr. Ernst Stoll ey in Kiel zu Professoren an der hiesigen Techniscl)»en Hochschule ist jetzt erfolgt. Ersterer übernimmt die Professur für antike Baukunst und Renaissance (an Stelle des in Ruhestand ge- tretenen Prof. Uhde), Letzterer die Professur für Geologie (an Stelle des verstorbenen Prof. Kloos). Man schreibt aus Zürich : Ter Professor für romanische Philologie on der Universität Wien, Dr. Meyer-Lübke, ein geborener ,Schweizer, hat dem Vernehmen nach die an ihn ergangene tveuvo.pse" an-l Berufung an die hiesige Hochschule abgelehnt. Er sollte den an die Handelshochschule nach Frankfurt a. M. über- cn*--.c c» 4 <Tfi «»» nrtpfapn, Als R achfolger

von wn yu^tciH uh. hjuhhuI. - Die neue dänische Regierung beabsichtigt, Georg den Bewohnern von Brandes zum Professor der Literatur an der Universität ~ Kopenhagen zu ernennen.

diesem Augenblick traf der preußische Major Theodor Wundt mit seiner Gemahlin in Giomein ein. Sie hatten mit -wer schweizerischen Führern von Zermatt aus das Matterjoch überschritte^ beschlossen aber, sich unverzüglich nach der Unglücksstelle zu begeben, um nach Kräften Hilfe zu leisten. Sie blieben die ganze Nacht draußen und kehrten am anderen Morgen mit dem englischen Fräulein und dem Führer, die beide am Leben geblieben.waren, nach Giomein zurück. Miß Bell und ihr Begleiter Mr. Robert Black hatten bei dem Absturze den Tod gefunden. Ihre Leichen wurden in der folgenden Nacht geborgen. Am Tage war dies nicht möglich, da die Verunglückten in einen Felsspalt gefallen iraren, in den bei Sonnenschein durch das Gletscherwasser: beständig Eisklumpen und Steinblöcke hinabgestürzt norden. Bon diesen Eisklumpen und Steinblöcken waren die beiden Leichname entsetzlich zugerichtet worden. Der Führer und die gerettete Dame vermochten sich am Rande dieses Fel^ spaltes festzuhalten urd> retteten dadurch ihr Leben. Miß Bell zählte 20 Jahre, Mr. Black 41 Jahre.

* Jekaterinoslow, 28. August. Drei Mitglieder des Verwaltungsrates der zusammengebrochenen Kom­merzbank, sowie der Buchhalter und Kassierer wurden heute verhaftet. Ein viertes Mitglied des Berwalt- ungsrates ist e u l s l o h e n.

* Bochum, 1. Aug. Wie dasRh.-W. Tagebl." in I Angelegenheit der Terlinden Aktien-Gesellschaft erfährt, soll im vergangenen Jahre ein Angestellter der Firma mit 9 Monaten Gefängnis bestraft worden sein, weil er Terlinden der Fälschung seiner Bilanzen beschuldigt hatte. Tie Berurteilung sei damals erfolgt, weil der Be­treffende den Beweis der Wahrheit nicht erbringen konnte; man erwartet jetzt das Wiederaufnahmeverfahren.

Zwickau, 2. August. Gestern landeten drei öster­reichische Offiziere, die gestern früh mittels Luftballons in Wien aufgestiegen waren, auf einem Felde bei Zwickau. Dieselben reisten mit der Bahn nach Wien zurück. Einer der Offiziere war der Erzherzog Salvator.

* Rastatt, 2. Aug. Zur Meldung vom Selbst­mord eines Musik-Gefreiten im hiesigen Infan­terie-Regiment Nr. 111 schreibt man demBad. Landes­boten": Der Beweggrund zur That soll darin zu suchen sein, daß der Musiker wegen Unpünktlichkeit mit 10 Tagen strengem Arrest und Zurückversetzung in die Linie bestraft! wurde. Auch sonst herrscht in dem Regiment eine Schnei- digkeit, die schon mehrfach! unangenehmes Aufsehen er­regte. Die hiesige Presse wagt aber nicht, Kritik zu üben. Sonst wäre vielleicht schon einmal ein Wörtchen über die bei der großen Hitze der letzten Zeit unternommenen Ge­waltmärsche der Iller geschrieben worden. Ein Fall, der hier besonderes Aufsehen erregte, der aber, obwohl er sich schon vor mehreren Monaten ereignete, bisher noch nicht veröffentlicht wurde, betrifft speziell die Person des Regi­mentskommandeurs. Ein Arbeiter einer hiesigen Baufirma hatte nämlich von seinem Prinzipal Auftrag erhalten, in der Stallung des Obersten v. Seydewitz verschiedene Repa­raturen vorzunehmen, über deren Ausführung er von seinem Meister ausführliche Weisung erhalten hatte. Wäh­rend nun der Arbeiter mit der Herstellung der Arbeiten beschäftigt war, kam der Herr Oberst selbst in den Stall, um sich die Sache anzusehen. Er war mit der von dem Handwerker angeordneten Ausführung der Reparatrrr- arbeiten nicht einverstanden und verlangte, daß diese nach seiner Anordnung ausgeführt werden. Als jedoch der Arbeiter zur Antwort gab:Ich mache es so, wie mir mein Meister es aufgetragen", wurde der Herr O b e r st sehr heftig, zog schließlich den Degen und drohte dem Arbeiter mit Erstechen, wenn er nicht sofort mache, was erbefehle". Was sich dann weiter noch zugetragen, ist nicht an die Oeffentlichkeit gelangt. Wir bringen vor­läufig dieser Darstellung des genannten Blattes sehr ent schiedenen Zweifel entgegen.

München, 2. August DenM. N. Nachr." zufolge verunglückte in der vergangenen Nacht im benachbarten Gauting der älteste Sohn des Professors Friedrich H i r t h , Kunsthistoriker Dr. Herbert Herth, durch einen Sturz aus dem Fenster des Hotels. Hirth war sofort tot.

* Augsburg, 2. August. DieAugsb. Abendztg." veröffentlicht einen Bericht über die jüngst unternommene Ballonfahrt von Augsburg nach Frankreich Daraus geht hervor, daß die Teilnehmer der Ballonfahrt zwar in Arbois sich einem längeren amtlichen Verhör unter­ziehen mußten, aber von einer Verhaftung, wie dieLibre Parole" berichtete, keine Rede sein könne. Die Teil­nehmer der Ballonfahrt reisten an demselben Abend nach Deutschland ab.

London, 2. August Das TorpedobootNr- 81" ist gestern bei dem Wellenbrecher von Calderney ge­sunken. Sämtliche Geschütze und Vorräte sind gerettet. Menschenverlust ist nicht zu bellagen. T-as Boot wird ge­hoben.

*EineLiebestragödie inLissabon. In Lissa­

bon erregt, wie von dort berichtet wird, eine merkwürdige Liebestragödie das größte Aufsehen. Eine berühmte Schön­heit Namens Rose Silva verliebte sich leidenschaftlich in einen Herrn, der ihre Beteuerungen jedoch kühl aufnahm. Da sie glaubte, daß ihre Kinder sie besaß deren mehrere das Hindernis wären, an das Ziel ihrer Wünsche zu ge­langen, beschloß sie, dieselben zu töten. Sie zündete in ihrem Schlafzimmer ein Kohlenfeuer an, und nachdem sie alle Luftzugänge verstppft hatte, schloß sie die Kinder mit Ausnahme eines kleinen Knaben darin ein. Diesen letzteren nahm sie an Bord eines Dampfers auf dem Tajo mit, steckte ihn in einen mit Steinen gefüllten Sack, den sie zuband und dann angesichts der Passagiere über Bord warf. Man versuchte nun, die Frau zu ergreifen, aber sie sprang ins Wasser. Sie wurde gerettet, aber der Knabe ertrank. Nur ein Kind, eine Tochter überlebte die Kohlen­vergiftung. Man nimmt an, daß die Frau wahnsinnig ist.

' * Das U n glück am Matterhorn. Ueber das bereits in Kürze gemeldete Unglück am Matterhorn, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, liegen folgende aus­führlichere Nachrichten vor: Am 23. Juli unternahmen zwei Gruppen englischer Touristen von Valtournanche aus eine Besteigung "des SüdäbHanges des Matterhorns bis zu dem sogenannten Löwenkopf (Tete du Lion). Tie erste Gruppe bestand aus zwei Herren und einem Führer, die andere Gruppe aus einem Herrn, zwei Fräulein und dem Führer Leonardo Garrel aus Valtournanche. Sie brachen _____ _____ v

früh 5 Uhr von Giomein auf und erreichten nach fünf- $ <^jus Köstlin zu Halle hat in Anbetracht seiner stündigem Marsche denLöwenkopf". Da sie noch keine hohen Jahre den Vorsitz im Verein für Reformations- ! Müdigkeit verspürten, so schlugen die jungen Damen V-or, nefrf'.idytc niedergelegt. An seine Stelle ist dem Reichs-

Der verewigte Minister Dr. Bosse hat zu-1Müdigkeit verspürten, so schlugen die jungen Damen vor, Geschichte niedergelegt. An seine Stelle ist dem Reichs­weilen auch mit den Musen Zwiesprache gehalten. Freilich I nwn solle noch ein Stück weiter wandern bis zu^der nahe hoten zufolge Professor D. Kawerau in Berlin gewählt ist ihm wohl kein so flottes Lied gelungen, wie einem seiner gelegenen Schutzhütte. Dies geschah. In der Schutzhutte morden. Am 30. Juli beging, tote uns berichtet wird, Wnrnänaer SSerrn ü Mübler. dem wir daS bierseliae Grad' wurde gefrühstückt und der Wern nicht gespart, sodaß die Dr. Albrecht Wagner, Professor der englischen Philologie »nadem WirtSbauS da komm' ick berauS" verdanken Touristen den Rückmarsch in lustigster Stimmung antraten. an der Universität Halle, sein 25;ahriges Dozenten-Ju-

»EL die nnn Die erste Gruppe (zwei'Herren und ein Führer) gingen voran, biläum. - Man schreibt aus Leipzig: An der hiesigen

Dr. Boffe hat Töne angeschlagen, die von tiefer Empfindung äWeit $rupye (zwei Damen, ein Herr und ein Führer) Universität ist 25 Studenten, die in diesem Semester weder zeugen. Nicht ohne Wehmut wird man gerade jetzt baß| folgte -niner Entfernung von einigen hundert Metern, eine Privatvorlesung noch ein Praktikum belegt hatten, stimmungsvolle Neujahrs Gedicht lesen, das der damalige 3^ zweite Gruppe hatte den Löwenkopf iroch nicht wieder akademiscl-e Bürgerrecht der Universität entzogen wor- LultuSminister 1896 im Wirtschaftsbuch für deutsche Beamten- erreicht, als das Unglück geschah. Der Führer Garrel stand den. Aus Braunschweig schreibt man: Die Ernenn- srauen veröffentlichte: leben im Begriffe, einige Stufen in Eis zu hauen, als dieinng des Hockchauinspektors Georg Lübke in Eharlotten-

,,Dt« Stunde kommt vielleicht schon bald, I eine junge Dame, Miß Mildred Aline Bell, ein Lied an= '

Ob jugendlich Du bist, ob alt, I stimmte und mit ihrer Freundin und ihrem englischen

Wo mehr noch wird vorüber sein I Begleiter scherzte. Dabei näherten sich die drei Touristen

SJ .«an .APhHrfit I einander und das Seil, das doch immer straff gespannt

Detn^Muvd bt°n lefakn^Seuher foriAt I sei" soll, hing lose zu Boden. Auf einmal glitt Miß Bell

Wo einmal noch, etz' Du ziehst fort $ * I aus. Sie fiel hin und ihr Körper stürzte bergab. Die beiden

Durch Deine Seele tönt das Wort: Vorüber, vorüber! länderen Touristen kamen ebenfalls ins Stürzen. Der n-K henn ! Führer suchte sich mit der Eishacke festzuhalten, aber ver-

WaS Du QettMbiroi8^Du »strebt 1 gebens, auch er wurde mit abgerissen. Jnzwiscljen war die

Was Da geglaudt, was Du gewollt, I erste Gruppe der Touristen auf demLöwenvo: ,

Was Du gekämpst, was Du gesollt, l gelangt. Als sie ihre Kameraden eine halbe Stunde ver- .. , , . - ;ltx_ m Xner

Dir unabweisilch das Geleit qeblich envartet hatten, ahnten sie ein Unglück. Sie kehrten siedelnden Prof. Heinrich Wors ersetzen. Alv ^aMolger

Hinüber in die Ewigkeit, um und entdeckten die Spuren des ^ldsvurzes. Ihre Be- Worfs wird jetzt Privatdozent L.Ga u ch a t, Professor de»

O, denke dran bei jedem Schritt: I mübunaen zu den Abaestürtten binzugelangen, waren ver-1 Französischen an der Kantonsschule, genannt. Werter

W.» Du h^l-bst. gehet mit - hwüber, hinüber!" I ^eaodenskesichtti Eile ncuch Hotel zum wird aus Zürich berichtet: Der a. o Professor für Päda-

Die Trauerseier für Dr. Bosse, die auf SamStag feft* |m?ntterborn, um dort Hilfe zu suchen. Zu allem Glücke I gogik an der hiesigen Hochschule Dr. Otto Hu^ziker ist ^setzt wurde, soll auf dessen Wunsch sehr einsach und ohne! f^ten sie dort acht Führer, die sich sogleich zur Bergung von seinem Lehramte Suruckgetreten- Der verdlen^>olle Pomp gestaltet werden. Der langjährige Seelsorger und Bernnglückten auf den Weg machten. Um 9 Uhr abends Dozent war aus dem Vol^fchullehrerstanoe hervorge Freund des Verstorbenen, Prediger Fischer, wird, eben-kündeten bengalische Flammen, die von den Führern am gangen. - --------bpnhhrfvHnf ötearc

fall» ans ausdrücklichen Wunsch Dr. Bofse'S, die Gedenkrede I Matterhorn angezündet wurden, 1 ~ m

halten. s Giomein an, daß die Verunglüctteu gefunden seien. In

lang. Der Kaiser hatte nur einen Orden angelegt, einen I türkischen, zu Ehren Muktar Paschas, der die Fahrt der Auguste Viktoria" mitmachte. Der Monarch zeichnete den Kapitän und einige ihm bekarrnte Persönlichkeiten, wie die Gattin des österreichischen Statthalters Grafen Kielmanns- egg durch Ansprachen aus und richtete auch ein paar Worte an die bekannte Schauspielerin Jenny Groß, welche die Künsllerin sicherlich für ihre furchtbaren Se ekr an kh ei ts- leiden reichlich entschädigt haben werden. (Sie ist sogar, während sie kreidebleich auf einem Schiffsstuhl lehnte, in ihr Plaid gehüllt, auf dem Schooß einen Teller mit einer Gurke und einer Apfelsine, ahnungslos von einem bo^\ haften Passagier photographiert worden?) Mehrere! Passagiere wurden vom Kaiser zum Souper auf dieHohen-' zollern" geladen. Während der 'Mendtafel auf derHohen- zollern" nahm der Kaiser plötzlich eine Menu-Karte, schrieb mit eniem goldenen Erayon einige Worte darauf und überreichte sie lächelnd der eMgeladenen Gräfin Kielmanns- egg. Auf der Karte standen die Worte:Zur Auktion oder zu einer Tombola für die Mannschaft derAuguste Viktoria". Wilhelm. Laerdalsoeren, 21. Juli 1901." Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die Kaiser­liche Idee zu einer Lotterie von den Passagieren der Auguste Viktoria" aufgegriffen wurde. Man beschloß, tausend Lose auszugeben. Die Seele dieser ganzen Ver­anstaltung war natürlich die liebenswürdige Gräfin Kiel- mannsegg, die übrigens wiederholt die Gesellschaft durch ihr Klavierspiel und die Eouplets, die sie dazu fang, ent­zückte. Erwähnt sei nebenbei noch, daß Muktar Pascha, der ebenfalls zur Abendtasel auf dieHohenzollern" geladen war, bei der Rückkehr seiner Begeisterung für den Kaiser in den schönen Worten Ausdruck gab:Eharmant ui, c'est oune vieil ami!" Doch kehren wir zu unserer Lotterie zurück. Es wurde beschlossen, tausend Lose zu 4 Mk. aus-j zugeben. Da aber nur 365 Passagiere sich an Bord be­fanden, war es nicht so leickst, die tausend Lose völlig ab-! zusetzen, obwohl einige Herren zwanzig nahmen und ein] Rentier K. aus Berlin, der sich den Luxus der einzigen Luxus-Kabine" (Preis viertausend Mark) gestatten kann,! achtzig Stück kaufte. Als man sich am nächsten Tag vom, Souper erhob, war noch ein ziemlicher Rest Lose vor-i Händen. Das Konzert der Schiffskapelle wurde immer ] weiter ausgedehnt man wollte Zeit gewinnen und schließlich opferte sich auch Direktor Stegmund Lauten­burg für das Gerneinwohl. Er rezitierte mit feurigem Schwung einige Petöfische Gedichte und erzielte damit stür­mischen Beifall. Inzwischen waren alle Lose abgesetzt bis auf vier. Eine charmante, fesche Dame, Frau Dr. Bestyr, die schöne Gattin eines Prager Zahnarztes, gab sich red­liche Mühe, diese vier Lose los zu werden vergeblich Endlich stellte sie einen jungen Amerikaner, der nach einigem Sträuben er hatte schon die ganze Westentasche voll Lose auch diese vier Ladenhüter erwarb. Und merk­würdig gerade unter diesen vier letzten Losen befand sich das große Los. (Uebrigens war Frau Dr. B. durch ihre elegante Grfcbeinung auch dem Kaiser ausgefallen, der bei seinem Besuch den Kapitän scherzhaft fragte:Wie vermag nur die Dame in einer so kleinen Kabine so große Toilette zu machen?") Die Ziehung ging in sehr origineller Weise vor sich Im Speisesaal schlittete man die tausend ent­sprechenden Nummern in einen Sektkübel, und Frau Gräfin Kielmannsegg übernahm die Rolle der Fortuna, indem sie sich ein Taschentuch um die Augen binden ließ Große, bange Pause allgemeine Erwartung! Tie gräfliche Glücks­göttin greift kühn in das Rad nicht doch, in den Sekt­kübel und zieht ein Los heraus, den Treffer. Der Jour­nalist Dr. Walsee aus Hamburg wickelt das Los auf. Wieder große, bange Pause und allgemeine Erwartung? Der Mann der Presse ruft mit gewaltiger Stimme:467?" Allgemeines Ah!!" Der junge Amerikaner stürzt herbei, meldet sich als Gewinner und läßt kräftigeHipp hipp hurrahs" zum Plafond emporsteigen. Diese Lotterie hat allen Passagieren ein Riesenvergnügen bereitet aber ein viel größeres sicher noch der wackeren Mannschaft derAuguste Viktoria".

* 10300 M eter in den Lüften. Die deutsche Luftschiffahrt hat einen ausgezeichneten Erfolg zu verzeichnen. Ein am Donnerstag in Berlin von dem UebungSterrain aufgestiegene Ballon des meteorologischen Instituts hat eine Höhe von 10300 Metern und damit die höchste Höhe, die bisher überhaupt ein bemannter Ballon erreichte, erklommen. Die Fahrt war allerdings nur von verhältnismäßig kurzer Dauer, der Ballon ging in der Nähe von Kottbus nieder. Die Lustschiffer A. Berson und Dr. Süriug stiegen Vor­mittags 10 Uhr 50 Minuten in Berlin auf und landeten gegen 6J/2 Uhr bei Briesen im Landkreis Kottbus. Das Maximum ist nicht feststellbar, da beide Jnsaffen des Ballons ohnmächtig wurden. Zuletzt wurde eine Temperatur von minus 40 Grad Celsius abgelesen. Die kühnen Luftschiffer find bisher noch nicht nach Berlin zurückgekehrt, weil die sachgemäße Bergung des Ballons, der gegen 5000 Kubikmeter GaS enthält, und der kostbaren Instrumente die Anwesenheit der Herren am Landungsplatz und eine fachmännische Leitung erfordert. Die größte bisher erreichte Höhe beträgt 9150 Meter.

Frankfurt, 2. August. Däe neugegründete Aka- demie für Sozial - und Handelswissenschafte n, tritt am 21. Oktober in Wirksamkeit. Nach, § 2 ihrer Soß­ungen soll die Akademie 1. höheren staatlichen und kom­munalen Verwaltungsbeamten, Richtern, Anwälten und an­deren Angehörigen gelehrter Berufe die Gelegenheit zu ver­tieften und erweiterten volkswirtschaftlichen und sozial­politischen Studien bieten, zugleich auch kaufmännische und allgemeine den Betrieb industrieller Unternehmungen be­treffende Kenntnisse vermitteln; 2. Personen aus den Kreisen der Jndusttüe und des Handels die zur Ausfüllung leitender Stellungen erforderlichen Kenntnisse auf dem Ge­biete der Sozial- und Handelswissenschasten insbesondero auch der Staatswissenschaften und Verwaltungslehre ver­mitteln; 3. auch sonstigen Personen, namentlich solchen, welche bereits in der Praxis stehen oder gestanden haben, zur Erweiterung und Vertiefung ihres Wissens auf beir genannten Gebieten Gelegenheit geben. iQierbei ist rus- besondere auch.au Lehrer gedacht, welche sich für Han­dels-, Gewerbe- oder Fortbildungsschulen werter ausbilden wollen. An der Akademie werden gehalten: 1. Vor­lesungen über theoretische und praktische Volkswirtschafts­lehre, Sozialpolittk, kaufmännische Technik (Buchhaltung, kaufmännisches Rechnen, kaufmännische Korrespondenz und Warenkunde), Handelsrecht auf der Grundlage des bürger­lichen Rechts, Staats- und Vertvaltungsrecht, Kolonial- und Konsularwesen, Wirtschasts- und Handelsgeographie und -Geschichte, moderne Sprachen, chemische und meck)anische Teckmologie samt Elektrotechnik, sowie andere ergänzende Wissenszweige (Geschichte, Philosophie u. a. m.) 2. Vor­lesungen über Versicherungswesen, Versicherungsmathema- tik und Versicherungsrecht unter besonderer Ruch'ichMahme auf diejenigen, welche die Diplom-Prüfung für Verficher- ungswissenschaft abzulegen beabsichtigen; 3. besondere kurze Vorlesungen über Buchführung, Bilanzen und politische Arithmetik für Beamte, Ingenieure und andere nicht dem Kauftnannsstande angehörige Personen; 4. Vorlesungen für Vorgefchrittene aus dem Gebiete der theoretischen und prak­tischen Natioiialökonomie, der Sozialpolitik und anderer? Zweige der Staats- und Sozialwissenschaften, des Han­delsrechts und der angrenzenden Gebiete des bürgerlichen Rechts, sowie über neue Sprachen. Die Teilnehmer an den Vorlesungen der Akademie zerfallen in solche, welche sich mindestens ein Semester im Wesentlichen den Studien au der Akademie widmen wollen (Besucher), und in solche, welche sich nur an einzelnen Vorlesungen beteiligen wollen (Hospitanten). Als Besucher und Hospitanten können zugelassen werden: 1. Abiturienten der neun- flüssigen höheren deutschen Lehranshalten, der kgl. bayrischen Industrieschulen und solcher höheren deutschen Handels­schulen, deren oberste Klasse der Oberprima der genannten Anstalten entspricht; 2. Kaufleute, Industrielle, Versicher­ungsbeamte und andere bereits beruflich thätige Personen, welche im deutschen Reich die Berechtigung zum einiahrig- freiwilligen Dienst erworben haben; Persone,l, die sich! noch in der Lehre befinden, sind ausgeschlossen; 3 semi- narisch gebildete Lehrer, welche im deutschen Reich die 2 Prüfung bestanden haben; 4. Ausländer, deren Vorbild­ung nach den Bestimmungen des Verwaltungs-Ausschuffes für genügend erachtet wird. Auch Frauen können als Besucher, ' Hospitanten und Hörer zugelassen werden

Wie aus Freiburg i. B. gemeldet wird, hat Pros. Dr. T h u m b von der dortigen Hochschule einen Ruf nach Marburg angenommen; Professor Dr. Axenfeld- Rostock, der, wie bereits berichtet, eine Berufung auf das i Ordinariat für Augenleidende an die Universität F r e i - Iburg erhielt, wird dem Ruse Folge leisten. Professor