Ausgabe 
4.6.1901 Erstes Blatt
 
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Landwirtschaft.

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Katalog und Vorführung

Brühlsche Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7.

Freigepäck wird nicht gewährt; ist der tarifmäßige Zuschlag zu

Die vom Kaiserlichen Sta-

steht an Leistungs­fähigkeit keinem anderen Fabrikate nach, oooooooo

durch die

stempelung der Fahrkarten bescheinigt ist. 21. Juni 1901 Mitternacht beendet sein, für die Benutzung von D- und I^-Zügen entrichte«.

und man berechnet jetzt schon, daß. abgesehen von dem Verlust en künstlichen Düngemitteln und dm Ausgaben für die Arbeitskräfte, Westpreußm im Herbst für die Aussaat gegm 13000 t Wetzm und 63000 t Roggen nötig habm wird, für derm Beschaffung größtenteils die Mittel fehlen. Es droht also für dm Osten PreußmS ein Not­stand, denn auch Ostpreußen und Posm haben unter dem hartm Winter empfindlich gelitten und die dadurch schon jetzt herbeigeführtm großen Verluste könnm auch durch eine reiche Ernte der Sommersaat nicht wieder ausgeglichen werden." Angesichts deS drohend« Not­standes dürften außerordmtltche Maßnahmen zur Erleichterung der Landwirtschaft unerläßlich sein. Wir mürben es mit Freudm be­grüß«, wenn durch dm Gedanken an die Notwendigkeit, allm In»

tereffm gerecht zu werden und die Landwirtschaft in mißlicher Lage nicht ohne Hilfe zu laffm, alle Parteim veranlaßt würden, mitzuwirkm zur Ergreifung von Notstandsmaßregeln, für die vermutlich die Ge­setzgebung in Anspruch zu nehmen wäre. Die ^Nationalltb. Korr säst die Möglichkeit in« Auge, daß sich die zollfreie Einfuhr russisch« (SetretbeB als Geboten berauSstellt.

Mf J.e er 7 E

Kriegsgerichte eingegangen des Inhaltes, daß Marten und Sergeant Hickel unschuldig seien. Am Ende der Zuschrift heißt cs:Meine Herren, ich weiß sicher, wer der Mörder ist. Gustav Müller, Leipzig." Vorsitzender bemerkt dazu: Es ist schon eine ganze Reihe anonymer Zuschriften, von derselben Handschrift herrührend, eingegangen. Alle Ver­suche, den Absender zu ermitteln, sind bisher ohne Er­gebnis geblieben." Oberleutnant v. Lorenz:Skopek war in der Jnstruktionsstunde einer der besten, und gab sich auch ersichtlich Mühe." Ein großer Geist war er ja nicht; meine Abteilung besteht eigentümlicherweise vorwiegend aus ziem­lich dummen Leuten: von den Dummen war er aber der Schlaueste." (Heiterkeit.) Dragoner Staturski:Als wir um halb 9 Uhr auf der Reitbahn antraten, war es schon unter den Leuten bekannt, daß der Rittmeister erschossen und daß der Schuß von der Bandenthür gekommen war, die von der Reitbahn nach dem Krümperstalle führte."

Die Biickensderfer Schreibmaschine

No. 5 M. 175.-, No. 7 M. 225.-

Gingesan-t.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 1. Juni 1901.

Da es vorige» Jahr recht viele Raupen gegeben hat; so sind dieser Jahr viele Kohlweißlinge da. Gin Weibchen kann 4600 Eier legen. Ich kenne Städte und Dörfer, in denen diese Schmetterlinge weggefangen werden. Ließe sich das nicht auch hier machen? Ein Naturfreund.

Vermischtes.

Bleivergiftungen in England. Ein dem englischen Parlamente erstatteter Bericht meldet, wie die Soziale Praxis" hervorhebt, eine erfreuliche Verringerung der in der Industrie vorgekommenen BleivergiftuugSfällen. Die Statistik der in der Industrie konstatierten Bleivergift­ungen weist für das Jahr 1899 die Zahl 249, für das Jahr 1900 die Zahl 200 auf. Die rötlichen Fälle sind stark gesunken, 1899 wurden 13, 1900 nur 3 Todesfälle in« folge von Bleivergiftungen konstatiert.

Universitüts Nachrichten.

Die 26. Wanderversammlung der süddeutschen Neurologen und Irrenärzte findet am 8. und 9. Juni zu Baden-Baden statt. An der Berliner Universität haben sich zwei neue Privatdozenten der Medizin eingeführt: Professor Dr. Arthur Nicolaier, früher Dozent in Göttingen, hielt eine Antrittsrede über den gegenwärtigen Stand der Therapie des Tetanus, und Dr. Joh. Friedenthal behandelte in seiner i lrobeoorlesung die Stellung der Physiologie innerhalb des Gesamt- gebieteS der Naturwissenschaften. In Breslau hat am 29. und 30. ds. der Dermatologenkongreß getagt. Vorttäge hielten u. a.: Professor Dr. Rille (Jnsbruck) überJobtherapie chronischer Dermatosen"; Dozent Dr. Schiff (Wien) überden gegenwärtigen Stand der Röntgen-Therapie"; Dr. L. Freund (Wien) überVerwendung der Spannungs-Elektrizität zur Behandlung von Hautkrankheiten" und überPhysiologie der Epi­dermis mit Bezug auf ihre Durchlässigkeit für Licht" und Professor Dr. Riehl (Leipzig) übertherapeutische Beeinflussung der Heredität der Syphilis". Aus Breslau wird berichtet: Wie seinerzeit mitgeteilt, hat der Direktor des fürstbischöslichen Studentenkonvitts den ihm unter; teilten Studierenden der katholischen Theologie den Besuch der kunst geschichtlichen Vorlesungen von Prof. Dr. R. Muther verboten. Jetzt hat )er Konviktsdirektor eine Kommission eingesetzt, die darüber beraten soll, wie man den Professor Muther für kunstgeschichtliche Kollegien überhaupt entbehrlich machen kann, und zwar soll den Studierenden im Konvikt elbst kunstgeschichlicher Unterricht erteilt werden, der dem Geiste der römisch-katholischen Kirche entspricht. Der durch seine sprachvergleichen­den Forschungen bekannt gewordene Professor H. Zimmer aus Greifs­wald hat einen Ruf als o. Professor an die Universität Berlin erhalten und angenommen. Er übernimmt in der philosophischen Fakultät die erst durch den diesjährigen Etat neu geschaffene Professur für keltische Philologie.

Angekl. Hickel:Jawohl; ich hörte einen Mann ausrufen: T<r liegt das- Aas!" Die weitere Erörterung hierüber erfolgte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Wsdann wurde eine Ausmessung und Besichtigung des Weges vorgenommen, den Hickel durchlaufen hat. Tie Oeffentlichkeit wurde hierbei, weil das Betreten der Kasernengrundstücke unzulässig ist, abermals ausgeschlossen.

Schlechte ErnteauSsichte«.

ttstischcn Amt ausgegebenen Nachrichten über den Saatenstanb um Mitte des Monats Mai geben zu ben trübsten Befürchtungen Anlaß. ES wirb herüber berichtet:Unter her andauernden Kälte hat die Wintersaat derartig geHtten, baß sie vielfach gänzlich vernichtet ist unb eine Umpflüaung des BodenS erforberlich machte. Im Monat April mußten 1,471,000 ha wegen Auswinterung umgepflügt werben. Außerbem müffen nach ben Berichten bet preußischen Lanbwirtschaflö- kammern große Flächen leichten Bodens unbestellt liegen bleiben, die, zumal wenn ihre Bestellung wir in biesem Jahre nicht frühzeitig er­folgen kann, zum großen Teil überhaupt nicht fähig sinb, Sommerkorn zu tragen. Auch wegen mangelnder Mittel zur Beschaffung neuen Saatgutes, Mangels an Arbeitskräften unb fehlender Zeit soll bic Umackerung mancher Flächen, ble betreiben bebutften, unterblieben sein. Am härtesten hat bte Provinz Westpreußen gelitten; bort würbe in 19 von 25 länblichen Kreisen bte sämtliche Wintersaat vernichtet,

Landwirtschaftliche «luSpellung in Halle. Zur Erleichterung des Besuches der vom 18. bis 18. Juni in Halle a. S. stattfindenden Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ist bestimmt worden, daß alle in der Zeit vom 11. bis 18. Juni auf Stationen der preußischen Staatseisenbahnen nach Halle a. S. gelösten einfachen Personen- unb Schnellzugfahrkarten zur Rückfahrt nach der Abgangsstation bis 21. Juni giltig sind, wenn der Besuch der Wanderausstellung durch Ab- Die Rückfahrt muß bis zum

,Es ist richtig, daß cs hieß, der Schatz fei 4.45 gefallen, ben angeführten Ausspruch habe ich aber nicht gethan. ornaefi Hickel:Als ich mit Gielat die Reitbahn verließ, war es sieben Minuten vor 5 Uhr." Präs :Hickel, Sie ,vollen als Sie an der Bandenthür gestanden haben und iv die'Reitbahn hineinsahen, einen Ausruf gehört haben?"

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1 "n.d jeden nach zur Ver- zu fragen, ob er Mußt wtt- Präs.: Das Gericht hat sung des Skopek vor- ef gemenbet): M Äerick sich die Saäse ordentlich nken Sie, weiche ansschlG e hat- Ueberlegen Sie sich : Wahrnehmungen nur eiiv )en haben, um sich felbft t haben, brauchen Sie nickt in Anklagezustanb versetzt

ragt, jeden Mann antreten Mußt t)abe, daß der Schuß Tas Gericht beschließt, den

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arbeck hatte die erste kr- r Stadt glaubt man, daß ies llntewffiziers gehandelt } Zivilpersonen am Morde gefunden. 'Jlad) bet Fluckl bei der Braut des Martens

Litterarische Neuerscheiuungen.

H o l z a m e r, Wilhelm, Spiele. Mit Zeichnungen von Olbrich. Leipzig, Eugen Dieberichs. Mk. 1.

Levi, Hermann, Gebanken aus Goethes Werken. München, F. Bruckmann. Ldrbd. Mk. 2.60.

Maeterlinck, Maurice. Der Einbringling. Die Blinben. Zu Hause. Drei Alltagsbramen. Leipzig, Eugen Dieberichs. Mk. 3.

Di« Gesellschaft. Halbmonatsschrift. HrSgbr. Dr. Arthur Seibl. XVII. Jahrg. Zweites Maiheft. Mk..75.

Simplicifsimus. 6. Jahrg. Nr. 10. München, Alb. Langen. Vierteljährl. Mk. 1.80.

Siebenen), W., Geh. Reg-Rat unb Professor, Spezialkarte von Mitteleuropa. Nach amtlichen Quellen bearbeitet. Maßstab 1:300000. Blatt 17 (Königsberg), 25 (KöSlin), 26 (Danzig), 27 (Elbing), 37 (Tewpelburg), 38 (Bromberg), 39 (Dtsch. Eylau), 58 (Hannover). Topographisch-politische Ausgabe. Frankfurt a. M., Ludwig Ravenstein.

--Rabfahrer-AuSgabe.

Das 19. Jahr hnnbe rt in Bilbnissen. 8tefg.6175. Berlin, Photographische Gesellschaft. L Liefg. 1.50.

Da 8 freie Mort. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fort« chritt auf allen Gebieten bes geistigen Lebens. HrSg. von Karl Saenger. Frankfurt, Neuer Franks. Verlag. 1. Jahrg. Nr. 5, Einzel« nummer 40 Pfg., vierteljährl. 2 Mk.

Die Zukunft. Hrsgbr. Maxim. Harden. 9. Jahrg. Nr.35. Berlin, Friedrichstr. 10, Verlag ber Zukunft. Einzelnummer 50 Pfg., vierteljährl. 5 Mk.

Blätter für Bücherfreunbe. 1. Jahrg. Nr. 1. Jährl. 10 Hefte. Hrsgbr. Julius R. HaarhauS. Leipzig, F. Volckmar. JahreSpreiS 2 Mk., pro Heft 30 Pfg.

Norb unb <5 üb. Eine deutsche Monatsschrift. 25. Jahrg. Juni 1901. BreSlau, Schles. VerlagSanstatt. Pro Heft 2 Mk., pro Jahr 12 Mk.

Mobe unb HauS. Jllustr. Universalblatt für bie Familie. 17. Jahrg. Nr. 11. Ausgabe mit Kolorit. Berlin W., Steglitzerstr. 11. Vierteljährl. 1.25 Mk.

Illustrierte Wäfchezeitung. Gebrauchsblatt mtt Zu- schneibebogen. 11. Jahrg. Nr. 6. Ebba. Vierteljährl. 60 Pfg.

SpirlM r» utrtinigka jrankfnrirt LIMthklln.

Opernhaus. Dienstag, 4. Juni. Die Afrikanerin. Mittwoch, 5. Juni. Geschlossen. Donnerstag, 6. Juni. Undine. Freitag, 7. Juni. Italienische Oper Marcella Sembrich. 1. Vorstellung: Jl Barbiere di Siviglia. Samstag, 8. Juni, 6 Uhr. Die Meistersinger von Nürnberg. Sonntag,9. Juni. Die Hugsenotten. Montag, 10. Juni. Italienische Oper Marcella Sembrich. 2. unb letzte Vorstellung: Don Pasquale.

Schauspielhaus. Dienstag, 4. Juni. Hedda Gabler. Mitt« woch, 5. Juni. Der Verschwender. Donnerstag, 6. Juni, Uhr. lieber unsere Kraft. Zweiter Teil' Freitag, 7. Juni Braut von Messina. SamStag, 8. Juni. Fuhrmann Henschel. Sonntag, 9. Juni, 2Vr Uhr. Der Meineidbauer; abends Heimat. Montag, 10. Juni. Nora.

*) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr.

Kunst und Wissenschaft.

Weimar, 31. Mai. Die als Vorfeier zur Jahresversammlung der Goethe-Gesellschaft veranstaltete Gedächtnisfeier für den verstorbenen Großherzog Karl Alexander nahm im vollbesetzten Hoftheater einen würdigen Verlauf. Kuno Fischer's Rede hinterließ einen tiefen Eindruck

Die Vorarbeiten zu der vom 22. bis 28. September dieses Jahres in Hamburg tagenben Naturforscherversammlung schreiten rüstig vorwärts. Die Geschäftsführung liegt in den Hänben von Professor Dr. Voller als 1., Mebizinalrat Dr. Reincke als 2. Geschäftsführer, Physikus Dr. Abel unb Professor Dr. Gottscheds Schriftführer, Erik Pomoppiban als Schatzmeister. Der Hauptausschuß besteht auS ben beiben Bürger­meistern unb 6 Senatoren sowie bem Präsidenten der Bürgerschaft als Ehrenmitgliedern, den oben genannten Mitgliedern der Geschäftsführung nebst den ersten Vorsitzenden der Unterausschüsse und ber einzelnen wissen- chaftlichen Abteilungen, im ganzen 49 Herren.

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W Platten» zur : Aus dem Gutshvs meine; es erschien Marten, und wir mlbig hallen, aber er wurde Essen und Zivilkleider. N Grenze nach^ Rußland gehe" fllungen, ckorauf er WW 6 zurück und jagte, er h» 'm. Gutsbesitzer Pmm 1,1 etter. «Warten fagte, ac |« zdmArrMxgeslM usti-hui- ed-rkam, W« elbwebet

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Dragoner Balmus bekundet, daß nach dem Antreten gesagt Morden sei, in welcher Richtung der Schuß abgefeuert wor­den war. Dragoner Martial:Schon beim Antreten wurde unter uns davon gesprochen, daß der Ritmeister erschossen worden sei. Erst als wir abrückten, fragte ich die Kame­raden, wie der Mord sich zugetragen habe, und erfuhr, daß mit einem Karabiner geschossen sei." Präs.:Hat das nicht einer der Vorgesetzten zu den Leuten gejagt?" Zeuge:Nein, einer von den Kameraden draußen." Dra­goner Staturski:Meine Uhr zeigte 4 Uhr 15 Min., als ich am Mordlage in den Stall neben den Rekrutenstall kam. Unteroffizier Domnig kam herein und befahl, ich soll? Licht anzünden. Ich fand aber keine Streichhölzer und tränkte deshalb zunächst die Pferde. Währenddem ging Sergeant Hickel durch den Stall nach dem Rekrutenstall zu. Ich habe ihn genau erkannt." Präs.:Befahl Ihnen auch Hickel, die Laternen anzuzünden?" Zeuge Staturski: Nein." .Hickel:Jawohl." Zeuge bestreitet diese Angabe nochmals. Inzwischen sei dann Licht gemacht worden, als plötzlich Unteroffizier Domnig durch den Stall zum Re- krutenstall hindurchgerannt sei. Präs.:Rief Domnigdabei etwas?" Zeuge:Nein, er lief auf die Gruppe von Ser­geanten zu. Die dann alle nach der Reitbahn stürzten." Tie Zeitdauer zwischen deni Erscheinen Hickels und dem Turchrennen Domnigs kann Zeuge nicht angeben. Ser­geant Gielat bekundet, daß die Abteilung des Unteroffiziers Marten vom Rittmeister v. Krosigk im letzten Winter mehr­fach als zweitbeste belot lvorden sei. Am Mordtage habe Hickel mit Bunkus nach halb 5 Uhr im Stalle gestanden, als Domnig in den Stall hineinrannte, dabei ausrufend, der Rittmeister habe sich erschossen. Zeuge ist dann mit Hickel nach ber Reitbahn gelaufen und beide haben zunächst durch das Loch an der Bandenthür hindurchgesehen. Sie sahen dabei den Rittmeister am Boden liegen mit entkleideter Brust. Staatsanwalt Lüdicke:Wann erfuhren Sie von dem Unglücksfalle, Domnig?" Domnig:Ter Gefreite Ba- nilla führte das Pferd in den Stall hinein unb sagte dabei, den Rittmeister hat ein Unfall getroffen. Es ist ein Schuß gefallen, und da ist edr Rittmeister umge- sallen. Weiter habe Banilla gesagt: Oberleutnant v. Hoff­mann habe ausgerufen: Schnell ein Messer her! und als ihm ein Messer gereicht war, habe er, dem Rittmeister ben Rockkragen ausgeschnitten. Präsibent:Banilla sprach cklso schon von bem Aufschneiben bes Kragens?" Domnig:Ja." Präs.:War zur dieser Zeit sckpn Licht im Stalle?" Domnig:Nein. Die Laternen hatten kein Oel. Später, als Oel äufgegossen wurde, war ich in der Reitbahn." Präs.:Sergeant Hickel, Sie gebärden sich, als Hären Sie immer so eifrig geivesen, und doch hatten Sie nicht einmal Vorsorge getroffen, daß Petroleum auf den Lampen war!" 5oickel:Seit ich verheiratet bin, habe ul) fein Petroleum mehr ausgegeben." Präs.: Was hatten Sie denn bei den Lampen zu thun?" Hickel:Ich wollte nur Domnig fragen, was Banilla gesagt habe. Ich lief dann nach ber Reitbahn unb sah einen Augenblick bunt) bas Thür loch hindurch, da lag der Rittmeister blutig auf dem Baden mit entblößter Brust, Durch den Thürflügel fiel em Lichtschein, da bemerkte ich im Gange einen Karabiner, nachdem ich in die Reitbahn hineingesehen hatte. Ich ging schnell in den Stall, wo ick> wußte, daß die Sergeanten sich aufhielten und sagte: Ter Rittmeister soll sicherschossen haben." Gendarmeriewachttneister Melzer:Vor dreiWochen nur ich in ber Schmiebe, ba sagte ich zu Skopek: ©ie Haben die zN»ei an ber Reitbahnthür gehen sehen? Er antwortete: Ich habe nichjts gesehen, als bast bort zwei Mann stauben, ob sie Mäntel anhatten, habe ich nicht ge­sehen. Auf meine weitere Frage, ob die beiben Unteroffizier­mützen aufgehabt hatten, antwortete er: Nein, ich habe sonst nichts gesehen." Zeuge Skopek: fagte barnals?,

paß ich zwei Mann gesehen habe, mir aber nicht bekannt ist, toer sie toarcii. Ich hatte nur gesehen, baß fiejteife Mutzen trugen." Wachtmeister Melzer:Von steifen Mutzen war gar feine Rede; ich habe ausdrücklich gefragt, ob bw beiden Uuteroffiziennützen aufgehabt hätten." Hierauf giebt Skopek an, er könne sich dessen nicht mehr so genau erinnern.

Ter Gefreite Banilla ivar in ber Reitbahn, als ber Schuß fiel. Er sah, wie ber Rittmeister umsael unb horte, wie ber Oberleutnant nach einem Messer verlangte, Abteilung war daun hiuausgezogen. Ta er bereits ab ge­sessen war, konnte er als erster die Reitbahn verlassen unb ing zum Stall, wo Domnig anroefenb war. Er habe sein in ben Staub geführt und daun erzählt, daß der Rittmeister sich erschossen habe. Sergeant Bunkus hat nut Gielat im Stalle gestanden. Er glaubt, baß e^, halb fünf Uhr irar als Hickel zu ihnen in den Stall kaut, ^ber Stall war unbeleuchtet.Ob Hickel angeorbnet hat, daß bte Laternen angezüubet werden sollen, weiß ich nicht. Wir haben uns ettoa zehn Minuten laug unterhalten, bann gmg ich den .tndereu nach" Präs.:Sie werden uns nachher im Stalle alle Bewegungen angeben, bte Sie damals machten, damit , Wv»r wir bie Zeit abmessen können, welche bis zum Htnzukommen

Jit lei^ Hickels verstrichen fein muß/ Hickel bezweifelt bie Richtig-

S/ leit der Angaben darüber, wann er nut ®rte9^ *)cn

Beirut en durch .den Rekrutenstall nach ber Reitbahn ge- ! laufen ist. Verteidiger Rechtsanwalt S^orn:Jb abcnb_ tttnscheu ben Unteroffizieren über ben Fall besprochen unb erwähnt wurde, daß der Schuß nach 4J5 lUjr abgegeben nenm-sei soll Bunkus gesagt haben: Die Geschichte kann böse für V 6* ff $ j I mich werben;. ich bin 4.« Uhr Weggehen/Zeuge Bunkus:

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Gerichtssaal.

Köln, 30. Mai. Die KölnerSternberg"-Afsaire zieht immer weitere Kreise. DieRh. Ztg." erfährt von unterrichteter Seite, Angehörige der besten und vornehmsten Kreise seien in Ekandalprozeffe verwickelt. Es geht daS Gerücht, daß ein Assessor in Untersuchungshaft genommen worden sei, weil er in Verdacht stehe, sich k la Sternberg be­lustigt zu haben. Inzwischen verurteilte die Kölner Sttafkammer wegen obiger Verbrechen den Gürtler Fleckenstein zu 18 Monaten Zuchthaus und bjährigem Ehrverlust.

Berlin, 2. Juni. Der Ehrenhandel Sello-Braut, der durch den Prozeß Sternberg hervorgerufen ist, beschäftigte di« 1. Strafkammer des Landgerichts II. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit töllichen Waffen hatte sich Justizrat Dr. Sello zu verantworten, wegen Kartellträgerei war Major a. D. Hermann Wagner angeklagt. Dem Justizrat Dr. Sello stand Justizrat Kleinholz zur Seite. ES handelt sich, wie erinnerlich sein wird, um einen Vorgang, der sich während deS Sternberg-Prozesses abspielte. In einer persönlichen Bemerkung hatte Justizrat Sello in feierlicher Weise erklärt, daß an alledem, waS der Kriminalkommissar Thiel zu bem Schutzmann Stierstädter in Bezug auf eine (Cellos) Person angeblich gesagt haben sollte, kein wahres Wort sei. Als dann später Thiel das sensationelle Geständnis seiner eigenen Schuld abgelegt hatte, kam der Vorsitzende Landgerichts-Direktor Müller auf diese Erklärung SelloS zurück und sprach die Vermutung aus, daß vielleicht gerade die feierliche Form dieser Erklärung ben StaatSanwalt bewogen haben könnte, Dorther sofortigen Verhaftung Thiels Abstand zu nehmen. Staatsanwalt Braut erklärte hierauf, daß auf seine Entschließung darüber, ob er jemand verhaften solle oder nicht, mehr oder weniger feierliche Erklärungen eines Verteidigers gar keinen Eindruck auöüben. Justizrat Dr. Sello erblickte nach dem Tonfall und der ganzen Art, in welcher diese Bemerkung abgefaßt war, eine persönliche Beleidigung und ließ durch Major Wagner Herrn Staatsanwalt Braut um öffentliche Richtigstellung ersuchen. Als bleß mißlang, erfolgte bie Forderung auf sistolen, bie abgelehnt würbe. StaatSanwalt Schwartz beantragte gegen Justizrat Sello vier Monate, gegen Major Wagner zwei Wochen Festungs­haft. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat bezw. vier Tage Festunosbast. __

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Die LebensversicherirpgS« und Ersparnisbank in Stutt» gart (alte Stuttgarter) bringt ihre finanziellen Resultate zur allgemeinen Kenntnis. Dieselben müssen als ganz besonbers günstig bezeichnet werben. Die Sterbltchkeitsersparnis bettägt Mk. 54735 mehr als im Vorjahre, nämlich Mk. 2249482. Der seit wenigen Jahren aufsteigenbe ZinS hat ben Durchschnittszinsfuß beS Gesamtvermögens von 3,93'/o auf 4,03 /» gehoben. Die Lerwaltungskosten haben sich von 5,36% ber Jahres­einnahme in 1899.im Berichtsjahre Derminbett auf 6,07°/o. Das Er» gebnis biefer günstigen Verhältnisse ist ein Jahresüberschuß von 6882231 Mk., ber höchste seichet von ber Bank erzielte Ueberschuß; gegen bas Vorjahr beträgt bie Steigerung Mk. 599261. Das Bankvermögen stellte sich am Jahresschlüsse auf Mk. 184 267306, barunter Extra- und Divibendenreserven in Höhe von Mk. 32315520. Die zur Divibenben- Verteilung für bie nächsten 5 Jahre bestimmte Divibenbenreserve beträgt Mk. 25 480862. Seit ihrem Bestehen zahlte ble Bank an Versicherungs­summen Mk. 124367844 auB; an Divibenben vergütete sie ben Der- rcherten Mk. 63200897. Die Bankverwaltung hat beschloffcn, künftzg neben ber offiziellen Firma auch bie Bezeichnungalte Stuttgarter" zu führen zur Unterscheibung von anberen Stuttgarter Versicherungsanstalten.

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Gründers, 1. Juni. Frachtmarkt. Durchschnittspreis pro 100 Kilo. Weizen 17,80 Mk., Korn 16,50 Mk., Gerste 15,10 Mk., Hafer 14,6815 Mk., Erbsen 18 M., Linsen 00,00 Mk., Samen 00,00 Mk., Wicken 00,00 Mk., Kartoffeln 4,25-5,00 Mk.

Bobenhausen (Kt. Schotten), 30. Mai. Unseren gestrigen Pfingflmarkl" begünstigte das beste Wetter. Der Markt zeigte denn auch starken Besuch. Der Schweinemarkt war mit Jungfchwkinen recht gut be'ahren. Erstaunlich hohe Preise wurden für die Ferkel bezahlt, nämlich für das Paar durchschnittlich 50 bis 60 Mark. Dabei waren es Ferkel von durchaus nicht bester Qualität. Heitere Ferkel waren im Verhältnis zu blefea Preisen billiger, eine Thatsache, der man auch auf anderen Märkten begegnet. Die hohm Ferkelpreise werden sicherlich verursacht durch die hohm Preise für die fetten Schweine, derm Pfund Lebmdgewicht mtt 40 bis 42 Pfennig bezahlt wird. Die Preise für daS Rindvieh find dagegen infolge deS fchlechtm Standes des GrünfutterS und der schlechten AuSfichten für die Heu­ernte bemerkenswert gesunken.