Nr. 3 ErReö Blatt.Freitag den 4. bnuar 151. Jahrgang 1901
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Montags.
Die Gießener amikienötätter -den dem Anzeiger Wechsel mit „Hess, ’iroirt" u. „Blätter Volkskunde-
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Schulstrahe Nr. 7.
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Amtlicher Heil.
Bekanntmachung,
die Volkszählung im Jahre 19U0 bett.
Nachstehend bringen wir das vorläufig festgestellte Re faltat der Volkszählung am 1. Dezember 1900 zur effent- lichen Kenntnis.
Gießen, 29. Dezember 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Ueberficht
über die allgemeinen Ergebniffe der Volkszählung im Kreise Gießen am 1. Dezember 1900.
Zu übertragen 61 776 57 869
L Zahl der
Gemeinden Anwesenden.
q 1900 1895
1. Älbach 341 369
2. Allendorfa.Lahn 704 646
3. Allendorf a.Lda. 1109 1083
4. Allertshausen 268 262
5. Alten Buseck 1219 1191
6. Annerod 549 539
6a. Arnsburg 71 74
7. Bellersheim 648 574
8. Beltershain 298 322
9. Bersrod 395 385
10. Bettenhausen 368 370
11. Beuern 999 1034
12 Birklar 503 490
13. Burkhardsfelden 685 624
14. E tmbach 249 234
15. Daubringen 746 692
16. Dors Gill 417 411
17. Ederstadt 480 497
18. Ellingshausen 531 547
19. Garbenteich 755 706
20. Ge'lshausen 475 509
21. G'ehen 25 564 22 924
22. Göbelnrod 244 227
23. Großen-Buseck 1705 1663
24. Grotzen-Ltnden 1737 1562
25. Grünberg 2000 2032
26. Grüntngen 722 727
27. Harbach 344 361
28. Hattenrod 397 399
29. Hausen 451 391
30. Heuchelheim 2145 1972
31. Holzheim 1103 1071
32. Hungen 1369 1385
33. Jnbetden 375 388
34. Kesselbach 437 429
35. Klein-Linden 1526 1294
36. Langd 579 565
37. Lang-Göns 1567 1475
38. Langsdorf 900 889
39. Lauter 416 410
40. Lckhgestern 1260 1157
41. Ltch mit Hof
Albach, Colnhausen
u. Mühl achten 2409 2448
42 Lindenstruth 345 335
43. Lollar 1523 1410
44. Londorf 850 796
K Zahl der
2. Gemeinden Anwesenden £ 1900 1895
Uebertrag 61773 57 869
45. Lumda 390 378
46. Mainzlar 473 451
47. Münster 306 306
48. Meckenheim mit
Hof-Güll 639 655
49. Nteder-Besstngrn 316 328
50. Nonnenroth 350 364
51. Obbornhofen 576 557
52. Ober-Bessingen 368 387
53 Ober Hörgern 342 321
54. Odenhauscn mit
Appenborn 307 300
55. Oppenrod 313 311
56. Queckborn 528 596
57. Rabertshausen
mit Ringelshausen 182 181
58. Retnhardtzhain 286 287
59. Reiskirchen 767 754
60. Rodheim mit
Hof Gras 333 326
61. Rödgen 661 648
62. Röthge« 271 260
63. Rübdtngtzhausen 701 705
64. Ruttershausen
mit Kirchberg 446 426
65. Saasen m.Bolln-
bach, Veitsberg
und Wtrberg 479 449
66. Stangenrod 306 308
67. Staufenberg mit
Friedelhausen 734 650
68. Steinbach 984 959
69. Steinhetm 504 490
70. Stockhausen 135 133
71. Trats-Horlrff 479 339
72. Treis a. d. Lva. 1138 1086
73. Trohe 172 166
74. Uiphe 513 488
75. Vtlltngen 894 894
76. Watzenborn mit
Stet^ berg 1729 1585
77. Weickartshain 378 356
78. Weitershain 526 524
79. Wteseck 2632 2499
80. Winnerod 34 30
Summa 81970 77386
Bekanntmachung.
Betr.: Die Leipziger Feuerversicherungs-Anstalt.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß Großh. Ministerium des Innern die Ausdehnung deS Geschäftsbetriebs der Leipziger Feuerversicherungs-Anstalt auf die Versicherung gegen Einbruchsdiebftahl genehmigt hat.
Gießen, den 31. Dezember 1900.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Betr.: Zurückstellung der mit Berechtigung zum einjährige freiwilligen Dienst versehenen Militärpflichtigen.
Die im laufenden Jahre militärpflichtig werdenden und mit Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst versehenen Militärpflichtigen haben sich, sofern sie nicht bereits zum aktiven Dienst eingetreten find, alsbald bei Vermeidung der gesetzlichen Strafen längstens aber bis zum 1. Februar l. I. bei mir schriftlich ober mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsschelnes ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen, einerlei, ob sie bereits am 1. April l. I. zum Dienst eintreten wollen oder nicht. Ohne den Zurückstellungsvermerk auf dem Berechtigungsschein findet die Annahme bei einem Truppenteil nicht statt.
Diejenigen Militärpflichtigen, welche mit Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst versehen find und im Kreise
Gießen geboren find, haben sich auch an ihrem Geburtsorte, wenn sie daselbst wohnen, zur Stammrolle anzumelden. Soweit die Berechtigung auf Grund des SchulzeugniffeS bei der Großh. Prüfungskommission in Darmstadt noch nicht nachgesucht sein sollte, hat dieses sofort zu geschehen, und werden die Jntereffenten noch ausdrücklich auf die dem Schulzeugnis aufgedruckten Bestimmungen zur genauen Nach achtung aufmerksam gemacht.
Gießen, den 2. Januar 1901.
Boekmann.
Gießen, den 29. Dezember 1900.
Bttr.: Die Strafregister; hier: Die Nachweisung der im zweiten Halbjahr 1900 verstorbenen bestraften Personen.
An sämtliche OrtSpolizeibehördeu des Kreises Gießen.
Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis zum 1. Februar k. I., ohne nochmalige Erinnerung, an mich einzusenden.
Dr. Güngerich.
Betr.: Sterblichkeitsstattstik.
Au die Großh. Bürgermeistereien und Standesämter des Kreises Gießen.
Bei Einsendung der Todeszeugniffe und Zählkarten der Monate November und Dezember 1900, welche wir in den ersten 10 Tagen dieses Monats zu erhalten haben, find auch die Belege über diejenigen Todesfälle mit einzusenden, welche im verflossenen Jahre noch gestorben, aber erst im Sterberegister 1901 eingetragen worden sind.
Gießen, den 2. Januar 1901.
Großherzogliches Kreisgesundheitsamt Gießen. Dr. Haberkorn.
Bekanntmachung.
Freitag den 4. I. Mts, vormittags 11 Uhr, wird auf unserer Wache ein Sack Kartoffeln (67 Kilo), welcher am 4. Dezember v. IS. am Schiffenbergerweg gefunden und vom Empfangsberechtigten bis jetzt nicht reklamiert wurde, versteigert werden.
Gießen, den 3. Januar 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Engländer und Buren.
Die „Times" meldet aus Kapstadt, 1. Januar: Der erste Anblick der Dinge in der Kapkolonie beim Empfang des neuen Jahres ist kaum weniger düster als beim Anfang des Jahres 1900. Die Zahl der Buren, die in das Land eingefallen sind, kann in diesem Augenblick als geringer angesehen werden, als sie es im vorigen Jahre war. (Man schätzt sie nach anderen Nachrichten auf 5 000. D. Red.) Aber die Buren sind diesmal viel mehr nach Süden eingedrungen und ihre Gegenwart in der Nähe gewisser holländischer feindlicher Mittelpunkte bildet eine Gefahr, die bis zum Januar vorigen Jahres nicht bestand. Die heute vormittag von dem Oberkommissar veröffentlichte Proklamation, die Freiwillige verlangt, um die Verkehrslinien zu verteidigen, beweist, daß die MilitärbehMen endlich erkennen, wie kritisch die Lage ist. Aber diese Maßregeln wurden sehr spät ergriffen, und man hat sich die Frage gestellt, wie es möglicy war, daß die Buren jeder Verfolgung entgehen konnten. Der Grund ist, daß sie sich frische Pferde zu verschaffen wußten. Wenn man, nachdem das erste Kommando den Oranjefluß überschritten hatte, den Kriegszustand erklärt und sämtliche verfügbaren Pferde eingezogen hätte, so iväre das Vordringen der Buren unmöglich geworden. Wenn man die 20 000 Pferde nicht hätte requirieren wollen, hätt^man sie eben ankaufen müssen. Der Preis für sie wäre nicht höher gewesen als die Kosten einer Kriegswoche.
Weiter wird gemeldet: Die Buren haben Koode- h o o g t e, im Süden von Middelburg, erreicht. In Middelburg sind bedeutende englische Verstärkungen eingetroffen.
lieber den Zustand des Präsidenten Krüger wurde folgender Krankheitsbericht im Haag veröffentlicht: „Krüger ist seit einigen Tagen von einem B r o n ch i t i s - R ü ck f a l l betroffen, der ihn mit Rücksicht auf sein Alter und die klimatischen Verhältnisse nötigt, sich besondere Schonung aufzuerlegen."
Die „Kanada" mit Lord Roberts ist am 2. d. M. in Cowes (auf der Insel Wight) eingetroffen. Zur Begrüßung fanden sich am Pier die Prinzessin Beatrice und der Herzog von Connaught ein. In Erwiderung auf mehrfache Ansprachen sagte Roberts, er bedauere, daß seine Rückkehr nicht das Anzeichen des unmittelbar bevorstehenden Friedens sei, wie er hoffte. Er habe Südafrika nur widerstrebend verlassen, habe aber unbedingtes Vertrauen zu Kitchener, dessen Ausgabe ja wegen der Beweglichkeit des Feindes,
der Ausdehnung und der Unfruchtbarkeit des Landes schwierig sei. Er hege bezüglich des Endergebnisses keine Furcht, loerm man dem Feinde klar mache, daß England entschlossen sei, den Krieg zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Alsbald nach dem Empfange fuhr Roberts nach Schloß Osborne und wurde dort von der Königin empfangen, die ihm die Earlswürde und den Hosenbandorden verlieh.
Telegramme deS Gießeuer Anzeigers.
London, 3. Januar. General Kitchener telegraphiert aus Pretoria vom 2. Januar, halb 2 Uhr nachmittags: General Knox teilte mit, daß die Buren unter De Wet versuchen, sich nach Bethlehem durchzuschlagen. Sie wurden aber von der Kolonne Pilcher daran verhindert und zogen sich in die Gegend von Lindley oder Roytz zurück. Kommandant Munroe traf mit der berittenen Infanterie vor Beaton, aus Kronstadt kommend, auf Widerstand, konnte sich aber durchschlagen. Seine Verluste sind nur gering. General Hunter berichtet, daß seine Patrouillen den Buren in der Umgegend von Thabanchu 130 Pferde abgenommen haben. Die Eisenbahn-Linie ist südlich von Ser so n- t e i n in der Kapkolonie abgeschnitten worden. Williams hatte ein Gefecht mit den Buren südwestlich von Middelburg. Die englischen Truppen besetzten Graaf -Reinet. — Nach Meldungen aus Kapstadt haben sich bereits 10000 Kapholländer den in die Kolonie eingefallenen Buren an geschlossen. Präsident Stein leitet die Invasion in die Kapkolonie. Ein Angriff der Buren auf Standerton wird erwartet.
Kapstadt, 3. Januar. In dem Bezirkt von Frasen- burg ist eine bedeutende Menge von Dynamit-Patronen beschlagnahmt worden. Diese Patronen waren in Blechbüchsen versteckt, die angeblich kondensierte Milch enthalten sollten.
Durban, 3. Januar. Die englischen Flüchtlinge aus dem Transvaal, die sich eines gewissen Wohlstandes erfreuen, hegen die lebhafte Besorgnis, daß die lange Abwesenheit von Transvaal ihnen einen bedeutenden geschäftlichen Schaden zufügen wird. Sie haben sich deshalb an Milner gewandt, welcher sie dahin beschied, daß die kaiserliche Regierung Maßregeln treffen werde, um ihnen zu Hilfe zu kommen. — Die Kavallerie ist bedeutend verstärkt worden und bildet jetzt eine vollständige Brigade.
China.
In welcher Weise die Entschädigung erfolgen wird, die China sich bereit erklärt hat, den Mächten, Gesellschaften und Privatpersonen zu zahlen, und wie hoch die Summe sich belaufen soll, ist noch nicht Gegenstand der Beratungen der Mächte. Umso eifriger geben Berufene und Unberufene ihr Urteil über diese Frage ab. Dem „New Jork Herald" wird aus Washington gemeldet, daß in dortigen Regierungskreisen die Meinung herrsche, sämtliche Expeditionskosten der Mächte könnten keinesfalls von China eingetrieben werden, wenn einige Mächte wie Deutschland z. B. seinen Offizieren „fünffache Bezahlung" geben. (Es wäre sehr leicht gewesen, aus den dem Reichstage vorgelegten amtlichen Tabellen festzustellen, daß die „fünffache Bezahlung" Phantasiegebilde ist.) Herr Hay meint, China könne wohl gegen 100 Millionen Pfund bezahlen.
Trotz der Annahme der Bedingungen der Mächte scheinen die chinesischen Truppen innerhalb des besetzten Gebiets ihre bedrohlichen Bewegungen fortzusetzen und dem ihnen befohlenen Abmarsch aus dem erwähnten Gebiet auszuweichen. — Graf Waldersee meldet aus Peking vom 31. Dezember: Die Kolonne Gräber ist am 29. Dezember nach Aaygtsun zurückgekehrt. Der Kolonne Madai wurden auf die Meldung, daß noch chinesische Truppen von Tungtschau nach Norden abgezogen sind, zwei weitere Marine-Jnsanterie-Kompagnieeu gestern über Tungtschau nachgesandt.
Nach einer Pekinger Depesche der Pall Mall Gazette wohnte Graf Waldersee im Gegensatz zu dem britischen Generalkommando, das zu der deutschen Weihnachtsparade keinen Offizier entsandt hatte, persönlich der britischen Neu- jahrSparade bei und brachte ein Hurrah auf die Königin aus.
Enhai, derMörder des Freiherrn v.Ketteler, wurde, wie bereits kurz gemeldet, in Gegenwart der Generale Lessel und Trotha sowie vieler Offinere in der Kettelerstraße in Peking auf der Stelle, wo der Mord geschah, enthauptet. Der Verurteilte wurde 20 Minuten vorher auf einem chinesischen Gesängniskarren in Eisen gefesselt auf den Richtplatz gebracht. Dort wurden ihm die Fußfesseln, aber nicht die Handfesseln gelöst. Man ließ ihn zurücktreten und nach chinesischer Gerichtsgewshnheit niederknieen. Enhai zeigte keine Furcht, schaute öfters ringsumher und lächelte einige male höhnisch. Zu dem kaum drei Schritte entfernt Ijon ignt stehenden Publikum sagte er, daß er bestochen sei. Pünktlich


