Ruhestörungen. Ungefähr 20 Artilleristen schlugen an drei Wirtshäusern die Fenster ein.
Paris, 1. Nov- Der „Agence Havas" wird aus Dschibuti gemeldet, auf Befehl der italienischen Behörden in Ass ab sei den Danakils ein Teil ihres Viehes geraubt worden. Raheita sei verlassen, der Sultan habe sich auf französisches Gebiet geflüchtet und weigere sich, nach Raheita zurückzukehren, trotzdem das Vieh zurückerstattet worden sei.
— Auf der Polizeiwache stellte sich gestern ein junger Italiener. Der Junge ist 12 Jahre alt und ein Bruder des Präsidentenmörders Caserio. Von seinen Eltern war er einem Gypsfigurenhändler übergeben worden, zu welchem er sich zurückzukehren weigerte, da ihn derselbe sehr schlecht behandelte. Der Junge wird von Paris durch die Polizei nach Italien zurückbefördert werden.
Manila, 1. Nov- Die amerikanische Zivllkommission hat ein Gesetz ausgearbeitet, wonach Personen, die des Verrats schuldig gemacht werden, sowie diejenigen, die den Ausständigen Beistand leisten, mit dem Tode bestraft werden. Ferner sollen hiernach die, welche aufrührerische Reden halten oder den Treueid brechen, mit Geldstrafe von zweitausend Dollars und Gefängnis bestraft werden. Die Bestimmungen sind anwendbar sowohl für Ausländer wie für Amerikaner und Eingeborene.
New-Dork, 1. Nov- Der amerikanische Botschafter in Berlin White hat gestern an Bord der „Deutschland" feine Rückreise nach Deutschland angetreten. Vor der Abreise erklärte er, die Amerikaner kennten den Deutschen Kaiser nicht. Wer ihn aber kenne, der wisse, das; er ein Staatsmann sei, und sein Einfluß auf die Menschen fei ein Beweis für seine große Stärke und Einig- keit.
Zwei neue Mreustege.
Die 23uren haben in diesen Tagen zwei recht bemerkenswerte Erfolge über die Engländer davongetragen. Bereits vorgestern meldeten wir, daß Delarey über Methuen gesiegt hat. Jene Meldung war freilich von knappster Kürze, heute aber liegen ausführlichere Nachrichten vor. Am 29. v. M. hatte der britische Oberbefehlshaber Lord Kitchener in einer offiziellen Depesche mit kühlen Worten von einer neuen Niederlage des unermüdlichen Buren-Generals Delarey auf dem nordöstlichen Kriegsschauplätze am Maricoflusse gesprochen. Diese „Niederlage Delareys" aber war ein ganz entschiedener Sieg der Buren. Selbst in der Kitchenerschen Botschaft wurden allerdings die schweren britischen Verluste zugestanden, deren Ziffern jedoch wie immer bedeutend niedriger gegriffen waren, als sie es thatsächlich gewesen sind. General Delarey im Verein mit seinem treuen Genossen in so manchem Gefechte, dem Kommandanten Komp, hatte sich eine größere Kolonne von der Division des Generals Methuen für einen energischen Angriff als dankbares Objekt ausersehen, wobei es dem Burenführer hauptsächlich auf den reichen Transport zu thun gewesen sein muß, den die Engländer mit sich führten. Die britische Kolonne war auf dem Marsche von Wonderfontein nach Zeerust, dessen Garnison sie verproviantieren und verstärken sollte, und es gelang Delarey am 24. v. M., den Feind dicht am Großen Marico-Flusse überraschend anzugreifen und derartig in die Enge zu treiben, daß nach mehrstündigem Kampfe der Kommandeur der Engländer, ein Oberst mit dem deutschen Namen „von Donop" sich schleunigst über den genannten Fluß wieder ostwärts zurückziehen mußte, um nicht seinen ganzen Transport zu verlieren. Cs gelang aber den Buren, die sich mit größter Tapferkeit dem englischen Feuer aussetzten und ihren Angriff mit Elan und Nachdruck durchführten, noch rechtzeitig ein britisches Geschütz, einige Munitionswagen und, — was die Hauptsache für sie war, — nicht weniger als 12 schwer bepackte Transportwagen nebst vielen Pferden, Ochsen und Maultieren mit Beschlag zu belegen, wodurch also der Zweck des Delareyschen Angriffes vollständig erfolgreich durchgeführt wurde.
Wie hartnäckig und nachdrücklich der Angriff der Buren gewesen sein muß, geht am besten aus den beiderseitigen Ber- llistziffern hervor, die allerdings, soweit die Buren in Betracht kommen, nicht genau festgestellt werden konnten, weil die Engländer natürlich zuerst das Schlachtfeld räumten, nachdem sie an Toten 4 Offiziere und 37 Mann, an Verwundeten 7 Offiziere und 7 2 Mann und schließlich an Gefangenen 2 Offiziere und 34 Mann verloren hatten. Ob Delarey die letzteren wieder freigelassen hat, oder ob er sie als Geiseln für alle Eventualitäten mit sich führt, wird nicht gemeldet, wohl aber, daß der kühne und erfolgreiche Buren-General .sich wieder ostwärts in der Richtung auf feilten alten Schlupfwinkel, die Magaliesberge, zurückgezogen hat, und nicht einmal Kitchener wagt es zu behaupten, daß Methuen oder ffonst jemand Delarey verfolgt habe, — der beste Beweis Dafür, daß die Engländer die Geschlagenen waren, und .Delarey sich nach seinem schönen Erfolge bewegte, wie er wollte.
Diesem Siege Delareys ist ein zweiter erheblicher Burenerfolg auf dem Fuße gefolgt. Wir erhielten heute früh folgende Drahtnachricht:
London, 2. Nov. „Reuter" meldet aus Pretoria: Buren überfielen bei Berkenlaagte, nordwestlich von Bethel, die Nachhut des Obersten Benson bei dichtem Nebel. Benson selbst, 8 Offiziere und 58 Manu sind gefallen. 13 Offiziere und 156 Mann wurden verwundet. 2 Geschähe gingen verloren, doch nimmt Kitchener an, daß sie wiedererlaugt werden.
Kaum hatten wir dieses Telegramm durch Extrablätter bekannt gegeben, als folgender ausführlicher Draht- Dericht eintraf:
Loudon, 2. Nov. Lord Kitchener berichtet aus Pretoria: Ich habe Nachricht erhalten über einen ernsten Angriff der Buren gegen die Arriöregarde der Kolonne Benson, 20 Meilen nördlich von Bethel. Der Feind bemächtigte sich zweier Geschütze, von denen man nicht weih, ob er sie mit- führeu konnte. Unsere Verluste find erheblich. Der die Arrieregarde befehligende Oberst ist schwer verwundet. Eine HUfskolonne ist sofort nach dem Kampfplatz abgegangen. Einzelheiten werden sofort nach Empfang abgeheu. — Ein späteres Telegramm Kitcheuers meldet folgendes: Ich habe Einzelheiten über das Kommando Beufons erhalten. Der Oberst Parker, der gestern um 2 Uhr mit südafrikanischen Polizeitruppcn zur Hilfeleistung der angegriffenen Kolonne abgegangen war, hat diese erreicht. Oberst Benson ist feinen Wunden er« legen. Die Kolonne hatte 6 6 Tote, darunter außer dem Kommandeur 1 Oberstleutnant und 6 andere Offiziere. 169 Mann, darunter 13 Offiziere, sind verwundet. Ich glaube, daß die beiden Geschütze wiedergefunden find, aber ich bin dessen nicht sicher. Nachdem der Oberst
ein Bedauern über die Höhe der Verluste ausgedruckt hat, fügt er hinzu: Der Kampf ist auf beiden Seiten mit großer Energie geführt worden. Die Verluste aus Seiten der Buren ind ebenfalls schwer, aber alle Einzelheiten darüber fehlen.
Das sind zwei gehörige Schlappen, die Herrn Chamberlain wohl ein wenig kleinlaut machen könnten. Und doch ist es zweifellos, daß dieser Mann fortfahren wird, dem englischen Geschichtsschreibern Stoff zu liefern zu einem Kapitel, das die englische Nachwelt mit tiefer Scham, mit Schauder und Grauen lesen wird. Die offenkundige Msicht der Engländer bleibt es, mit brutaler Grausamkeit die kommende Burengeneration hinzumorden. Die Engländer weigern sich, den Gefangenen Kleidern zu liefern, und das Liegen auf dem häufig vom Regen durchweichten Erdboden ist eine Hauptursache von Krankheiten und Epidemien. Als neue teuflische Grausamkeit haben, wie wir meldeten, die Engländer das Verbot ersonnen, daß die Filiale der Bank von England in Johannesburg keine von irgend einem Hilfskomitee in Europa tammenden Wechsel emlösen dürfe, damit dieses Geld nicht olchen Frauen zu gute komme, deren Männer noch im Felde lehen. Also es wird obendrein der Welt die Möglichkeit o ziemlich abgeschnitten, die Darbenden mit Geldmitteln zu unterstützen.
Selbstverständlich versteht e§ Kitchener, jenen beiden Hiobsposten eine für die Briten erfreuliche Nachricht gegenüberzustellen. Er meldet auch vom 1. d. M., daß er nach j wei Nachtmärschen Vanalberts Lager in Beestekraal in der Nähe von Rustenberg überraschte und 79 Gefangene machte, darunter den Kommandanten Klopper. — Aus Kapstadt ist aber auch die Meldung eingegangen, daß die Buren das Haupt-Pferdedepot der britischen Armee-Verwaltung mit Tausenden von Pferden in unmittel- iiarer Nähe Kapstadts aufgehoben haben. Also sie bedrohen die Hauptstadt der Kapkolonie in sehr bedenklicher Weise, nehmen den Engländern ihre Pferde ab und klopfen ihnen die Hosen voll, daß es eine Art hat. Chamberlain aber und Kitchener werden nicht ermangeln, vor aller Welt immer und immer wieder zu behaupten, das Ende des Krieges sei ganz nahe, denn mit den Buren ginge es rapide bergab.
Zu bemerken ist schließlich noch, daß die Arbeiterkannncr von Genua beschloß, fich dem Boykott englischer Schiffe anzuschließen. Die holländischen Delegierten sind darauf nach Triest weitergereist._______________________________________________
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willlommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 2. November 1901.
L.U. Von der Landes-Univerfität. Bei der heutigen ersten Immatrikulation wurden 121 Studierende ausgenommen. Stark ein Drittel davon sind Neuimmatrikulierte.
** Eine sehr dankenswerte Anregung kommt aus unsereni Leserkreise. Wir werden aufgefordert, in dieser Zeit des industriellen Rückgangs, der es mit sich bringt, daß so mancher ordentliche Mann arbeitslos wird und infolgedessen in Not gerät, andieMildthätigkeit der Besitzenden zu appellieren und sie aufzufordern, durch freiwillige Gaben dem gerade jetzt immer mehr um sich greifenden sozialen Elend angesichts des kommenden Winters zu steuern. In der uns zugegangenen Aufforderung wird darauf hingewiesen, daß, wenn auch das Betteln durch das Gesetz verboten sei, doch freiwilliges Geben erlaubt sei und der Nehmer freiwilliger Gaben nicht bestraft werden könne. Gleichzeitig übermittelt uns der Einsender 15 Mark, deren Empfang wir dankend quittieren und die wir zur zweckentsprechenden Verteilung dem Armen-Verein der Stadt Gießen zugehen ließen.
** Französische Vorträge und Rezitationen. Im Laufe dieses Wintersemesters gedenkt Lektor Goetschy an sechs Nachmittagen, Mittwochs 6 bis 7 Uhr, öffentliche Vor- räge und Rezitationen in seiner Muttersprache abzuhalten. In den drei Vorträgen wird er folgende Themen besprechen: a) L’esprit de Voltaire, b) Voltaire & Fre- d6ric II, c) Qu’est ce que l’esprit fran^ais? Zahlreichen Aufforderungen entsprechend wird er abwechselnd mit den Vorträgen drei Rezitationen halten, die allgemein verständliche Stücke aus der neuesten französischen Litteratur zum Gegenstand haben. Eine ganze Rezitation soll Napoleon als Schriftsteller und der napoleonischen Litteratur, eine andere Edmond Ro stand, dem jungen schon weltberühmten Dichter des „Cyrano de Bergerac", gewidmet werden. — Näheres wird bald im „Gieß. Anz." bekannt gegeben werden.
** Aus dem Theaterbüreau. Sonntag wird die beliebte Poffe mit Gesang „Das Milchmädchen von Schöneberg" von Mannstädt, Musik von Conradi, aufgeführt. Darin sind in komischen Hauptrollen beschäftigt die Herren Woisch, Zoder uud Gerlach, sowie die Damen Ungar und v. Aspernburg. — Eine Wiederholung des Seestückes „Die Hoffnung" („Op Hope van Zegen") findet am nächsten Dienstag statt. (Wir begrüßen es mit besonderer Freude, daß unser im Stillen gehegter Wunsch, das erschütternde niederländische Seestück möge nochmals zur Aufführuog gebracht werden, nun in Erfüllung geht. So kommen die großen Mühen der Einstudierung, kommt die Tüchtigkeit unserer Künstler und ihr Riesenfleiß, den sie gerade auf dieses Werk in besonderem Maße verwandt haben, zu ihrem roofy verdienten Lohne, und immer weitere Kreise finden Gelegenheit, eine Dichtung kennen zu lernen, die wir zu den besten dramatischen Schöpfungen der letzten Jahre zählen. D. Red.)
**' Konzert. Die am morgigen Sonntag in der Südanlage stattfindende Promenadenmusik hat folgenden Spielplan: 1. Ouvertüre aus „Stradella" vonFlotow. 2. Phantasie über Koschat's „Verlassen bin i" von Reindtl. 3. „Mimosa- Walzer" von Jones. 4. Finale a. d. Op. „Rienzi" von Wagner.
Weinheim a. B., 31. Okt. Eine grausige Blutthat hat die Gemüter unserer Stadt in Aufregung versetzt. In der letzten Nacht hat oer Rangierer Ziegler, der an der Main-Neckar-Bahn beschäftigt war, seine Frau mit dem Beil durch einen Schlag auf den Hinterkopf getötet uud sich selbst nach vollbrachter That erhängt. Ziegler war erst neun Wochen zum dritten Mal verheiratet. Er geriet in Streitigkeiten mit seiner Frau und brachte sie, vom Jähzorn, übermannt, um. Wie man hört, soll er nicht die Absicht gehabt haben, sie zu töten. Die Frau hatte etwas Vermögen mit in die Me gebracht uni> lveigcrte sich- das Gelb herauszu
geben. Es waren schon mancherlei Streitigkeiten vorauL- gegangen, weshalb auch die Frau die feste Absicht h^gte, heute früh ihren Mann zu verlassen. Sie hatte den Milche lutfcher verständigt, ihre Sachen mitzunehmen, da fie es nicht mehr länger bei dem Manne aushalten könne. Es sind Kinder aus allen drei Ehen vorhanden. Man hörte erst dann von der grausigen That, als ein Kind aus dem )ritten Stock, in dem Ziegler mit seiner Familie wohnte, der Familie, welche die Parterrewohnung inne hat, erzählte, >aß seine Mutter oben im Blute liege, worauf sofort Anzeige erstattet wurde. Die Polizei war bald darauf zur Stelle, auch das Gericht hat den Thatbestand ausgenommen.
W. Wetzlar, 1. Nov. Gestern abend wurde der Sohn des Händlers S. Selig mann von hier wegen fahrlässiger Tötung in Untersuchungshaft genommen. Der Händler S. Seligmann und dessen Sohn Adolf besuchten gestern den Markt in Weilmünster. Während eines Handels mit einem Bauer konnte man sich nicht einigen. In der Hitze des Go. echts hat nun der junge Seligmann, der erst vor einiger Zeit aus China zurückgekehrt ist, dem Bauer einen derart kräftigen Stoß gegen den Leib gegeben, daß dieser sofort aus den Rücken fiel und sofort todt gewesen sein soll. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat durch einen unglücklichen Zufall der Stoß einen tötlichen Erfolg gehabt, da nicht anzunehmen ist, daß der Seligmann jun. absichtlich den Mann hat löten wollen.
Frankfurt a. M., 1. Nov. In der früheren K a r nt e literkirche an der Alten Mainzergasse, die jetzt als Kgl. Zollamtniederlage dient, sind schon früher Alt er tum s- unde gemacht worden, darunter in letzter Zeit ein künst- erisch ausgeführter Grabstein des Werner Weiß aus dem Jahre 1311. Gestern nun wurde beim Anschluß einer elektrischen Leitung an das unterirdische Haupttabel ein alter Keller blosgelegt, der sich unter dem Seitenschiff der alten Kirche hinzieyt und an das Haus stößt, das um 1510 Heinrich zum Krug den Frauenbrüdern (Karmelitermönchen) zum Geschenk machte. Man entdeckte zwei Kellergerüste von je vier Quadratmeter Größe, die zum größten Teile zuge- schüttet waren. Beim Aufräumen fand man zunächst Reste von Särgen, die aus Tannenholz gefertigt uno schwarz gestrichen gewesen sind. Später entdeckte man auch unversehrte Särge, von denen einer beim Oefsuen die Aschen-- refte einer Leiche enthielt. Es handelte sich ausschließlich um Kindersärge. Aus welchen Jahren die Begräbnisstätte stammt, steht noch nicht fest. — Der auf gestern abend angesagten Versammlung des Organisations-Komitees ging nachmittags eine Zusammenkunft von Ausstellern voraus, an der Generalleutnant z. D. v. Ehap- puis sowie Baron v. Re in ach teilnahmen, wobei die Reklamationen der anwesenden Aussteller geprüft wurden. Unter Beisitz der Delegierten Hülsmann (Freiburg) und M. Sternberg (Frankfurt) wurden die Forderungen geprüft und berichtigt, wobei die meisten Nachforderungen im Sinne der Aussteller erledigt wurden. Mehrere Forderungen waren vorher schon nachgelassen oder reduziert worden, während einige Firmen ihre Sache dem Rechtsanwalt übergeben haben. Ein großer Teil hat allerdings, um allen Weiterungen zu entgehen, bezahlt. Aus dem ganzen Verlaufe der Sache geht hervor, daß die Geschäftsleitung, die sich zur Entschuldigung auf „Irrtümer" ihrer Gewährsmänner beruft, nicht im Sinne des hiesigen Organisationsko m i t eeS gehandelt hat, wodurch sowohl dem Komitee als den Aus- tellern Unannehmlichkeiten verursacht wurden. Erster Staatsanwalt v. Reden wohnte der Versammlung bei. Die übrig gebliebenen Reklamationen schlug das Komitee vor, einem Schiedsgericht zu unterbreiten.
• * Kleine Mitteilungen aus Heffen uud den Nachbarstaaten. In Ober-Hörgern wurde bei der Bürgermeisterwahl Wilhelm Holler mit 38 Stimmen neugewählt. W. Alles, ein Sohn des jetzigen Bürgermeisters, erhielt 18 Stimmen. Bürgermeister Alles hatte eine Wiederwahl abgelehnt. — Der Italiener, der, wie wir berichteten, in der vorigen Sonntagnacht auf der Straße bei Freienseen einen Schuß ab- feuerte und dafür gehörig durchgeprügelt wurde, hat so schwere Verletzungen erhalten, daß er, nachdem ein Arzt zugezogen worden war, nach der Klinik in Gießen gebracht werden mußte. Er ist verheiratet und Vater von 3 Kindern. Seitdem verweilt täglich die Gendarmerie in Freienseen, um etwaigen Reibereien rechtzeitig zu begegnen.
Vermischtes.
' Berlin, 2. Nov. Die Lagerplätze zweier Firmen stehen in Flammen. Petroleumsfässer explodiren fortwährend. Der Schaden ist noch nicht übersehbar.
Elberfeld, 2. Nov. Auf der elektrischen Bahn Elberfeld-Remscheid stürzte bei Gerstan ein Motorwagen einen hohen Abhang hinab und fiel in einen Bach. Der Wagen ist total zertrümmert. Das Personal, sowie 6 Passagiere find lebensgefährlich verletzt.
* Plymouth, 2. Nov. Sieben Gefangene des Dest- moorgefangnisses versuchten nachmittags einen Ausbr ach. Es wurde auf fie geschossen, 6 wurden leicht verwundet und wieder eingebracht; einer ist noch in Freiheit.
* Paris, 1. Nov. Ein gestern abend vom Eiffelturm abgefeuerter Böllerschuß kündigte an, daß der Termin zur Erlangung des Deutsch-Preises abgelaufen war. Santvs Dumont bleibt also ohne Konkurrenz.
* Do ver, 1. Nov- Ein Schleppdampfer ist von hier abgegangen, um dem englischen Kriegsschiff „Repulse", ba3' im Kanal dem Sturme preisgegeben war, Hilfe zu bringen. Das Meer ist so bewegt, daß der Hasen von Folkestone nicht angelausen werden kann. Tie Tampser- Verbindung mit Calais wird über Dover aufrecht erhalten. Telegramme aus Cherburg berichten über großen Schaden, den der Sturm im dortigen Hafen angerichtet hat. Ein Seegelboot scheiterte in der Nähe des Hafens; desgleichen ein ihm zu Hilfe eilender Dampfer. Ein drittel Fahrzeug ging an derselben Stelle unter.
* New-Vork,l. Nov. Auf Long Island rannte Fourniers Automobil gegen eine Lokomotive und wurde zertrümmert. Einer der sechs Passagiere des Motorwagens! wurde tätlich verwundet, während Fournier und die die übrigen vier Automobilisten schwerere oder leichtere Verletzungen erlitten.
Theater, Kunst und Wssrnschast.
— Geheimrat Professor Dr. Paul Ehrlich in Frank- surt a. M. soll, wie wir bereits mitteitlen, von der otabt Frankfurt auf drei Jahre die Zinsen von 500000 Mk. erhalten, die dev kürzlich verstorbene Bankier Theodor Stern für Carcinoin-lKrcbs)- Forschung letztwillig bestimmte. Außer diesem ansehnlichen Legat sind in neuerer Zeit von Privaten noch andere Mittel zu gleichen Zweck«: bereitfle|te^lt worden, jodaß Geheimrat Ehrlich iw. Gamev


