Ausgabe 
3.10.1901 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 1. Oktober 1901.

** Person al-Nla chrichten. Ter Gvoßherzog hat dem Garnison-Bauinspektor Schild bei dem Garnison- Bauamt Tarmftadt das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Groß­herzog hat den Dr. Karl Schulze, Assistent an der agri­kulturchemischen Versuchsstation in Marburg, zum Lehrer für Naturwissenschaften an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim, mit Wirkung vom 1. November an ernannt. Tie Lehramtsaccessisten Dr. Wilhelm Becker in Gießen, Georg Börstel in Heppenheim, Karl Buxmann in Lau­bach, Friedrich Glaser in Oppenheim, August Hohen­stein in Michelstadt, August Nungesser in Darmstadt, Adolf P a b st in Ober-Ingelheim, Wilhelm W ü st e n h ö f ie r in Langen, Wilhelm Zimmer in Nidda wurden zu Lehr­amtsassessoren ernannt. Ter Großherzog hat den Rechts­anwalt Heinrich R e h in Alsfeld zum Notar mit dem Amts­sitze in Alsfeld ernannt. Der Großherzog hat den Ge­richtsschreiber bei dem Amtsgericht Herbstein Jakob Fischer, zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Bad- Nauheim, den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt I Ferdinand Supp zum Gerichts schreib er bei dem Amtsgericht Homberg beide mit Wirkung vom 7. Ok­tober 1901 ernannt.

w. Dornassenheim, 1. Okt. Heute vormittag trug sich hier ein schwerer Unglücksfall zu. Ein Arbeiter war mit oem Ausmauern eines Brunnens beschäftigt. Als man nun einen Kübel, der mit Mauersteinen gefüllt war, in einem Seil hinunterlassen wollte, riß dieses, und die Steine fielen dem unten beschäftigten Arbeiter auf den Kopf. Der Unglückliche wurde so schwer verletzt, daß er wenige Minuten darauf starb.

-e- Gründ erg, 1. Okt. Ein noch nicht 18jähriger junger Mann aus einem Dörfchen in der Umgegend ver­ließ kürzlich, ohne Lebewohl zu sagen, bei Nacht und Nebel die elterliche Wohnung, um eine Weltreise anzutreten. Er bestieg das Dampfroß und landete glücklich in Basel. Ohne Heimatschein konnte der junge Weltreisende aber nichts anfangen. Papa sollte darum einen solchen nachsenden. Ter reiste jedoch seinem hoffnungsvollen Sprößling nach und brachte ihn wieder nach Hause zurück.

-Büdingen, 1. Okt. Am Sonntag gerieten inLangen- bergheim auf dem Heimgang aus dem Wirtshause zwei hiesige Männer nach! kurzem Wortwechsel in Streit. Der eine, ein gewisser Keupert, zog das Messer und stach seinen Gegner Wilhelm Meininger in den Kopf, sodaß, dieser zusammenbrach und bewußtlos nach seiner Wohnung, gebracht werden mußte. Er liegt lebensgefährlich, verletzt darnieder. Der Thäter ist flüMig gegangen und soll auch noch nicht ermittelt sein.

() Oberroßbckch/ 1. Okt. Zu dem rätselhaften Un­glücksfall auf der hiesigen Eisenerz-Grube erfahren wir noch, daß nach Ansicht des Sachverständigen der Verun­glückte beim Durchsuchen der drei Schächte irgendwo mit der Leine und dem Luftschlauch hängen geblieben sein muß. Um sich zu befteien, wollte er das Seil durchschneiden, schnitt aber verwirrt anstatt dieses zuerst den Luftschlauch durch und dann das Seil. Um das Eindringen des Wassers zu verhindern, hielt er die Oeffnung des Schlauches am Helm zu und ist infolgedessen erstickt, ehe ihm Rettung gebracht werden konnte. Der Verstorbene ist der 31 Jahre alte Taucher Altenhofs aus Bochjum.

§ Altenschlirf, 1. Okt. Gestern Abend gegen 8 Uhr er­tönte in unserem Ort der RufFeuer". Es brannte in der Hoftaite des Schneidermeisters Johann Fölsing von hier, die vollständig ein Raub der Flammen wurde. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist folgendes bekannt geworden: Der Eigentümer des Gehöftes war abends in seiner Scheune mit dem Herabwerfen von Stroh, zum Streuen für sein Vieh beschäftigt. Er stürzte plötzlich samt der Laterne von beni Gerüst über der Tenne in diese herunter. Die Laterne ex­plodierte und sofort stand alles in Flammen. Rur mit Mühe konnte der Eigentümer gerettet werden. Infolge der erlittenen schweren Verletzungen mußte er zum Arzt nach dem nahen Herbstein gefahren werden.

Beerfelden, 30. Sept. Unter großer Beteiligung von hier und auswärts wurde heute nachmittag der Land- kagsabgeordnete Schubart bestattet. Im Namen der Zweiten Kammer legte deren Präsident, Geh. Regierungs­rat Haas, einen Lorbeerkranz am Grabe nieder, und ge­dachte dabei des Verstorbenen in warmen Worten als eines zuverlässigen Kollegen und eifrigen Mitglieds der Kammer. Bürgermeister Platt legte einen Kranz nieder im Namen der Stadt und des Gemeinderats, welcher Körperschaft der Verblichene angehört hattet Ferner wurden Kränze nieder­gelegt von der hiesigen Sektion des Odenwaldklubs, dem Bürgerverein, dem Turnverein, dem Gewerbeverein, dem Bezixksverein des Handwerkerverbandes und den Arbeitern pes Schubartschen Etablissements. Mitglieder des Krieger­

vorhanden ser, die die freie Willensmeinung ausschließt. In diesem Fall müsse seine Klientin fteigesprochen werden. Der Vetteidiger führt sodann alle Momente an, die dafür sprechen, daß die Angeklagte nicht wissentlich falsch, sondern höchstens in beiden Fällen fahrlässig falsch geschworen habe. Rechtsanwalt Römheld tritt der Kritik deS Staats­anwalts entgegen, die dieser an dem Urteil des Sach­verständigen geübt habe. Es sei im Interesse der Rechtspflege notwendig, den Psychiater zu hören. Er plaidiett für Frei­sprechung des von ihm oertretenen Biermann.

Tier Verteidiger Rechtsan wall Leun führt den Ge­schworenen vor, daß sich die Anklage allein auf das Zeug­nis der Angeklagten Schn, stütze, um darzuthun, daß die Biermannschen Eheleute schuldig seien. Es gehe nicht an, auf das Zeugnis dieser Person, die zwei Meineide geleistet, ehrenhafte Leute, denen bisher nicht der geringste Makel anhafte, zu verurteilen. Nach erfolgter Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden, ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Beinahe dreiviertel Stunden müssen die Hunderte der Zuhörer, die bis zuletzt aushielten, aus­harren, ehe die Jury wieder in den Gerichtssaal zurückkehrt. Tier Wahrspruch lautet gegen die Schneider in einem Falle auf schuldig des Meineides, im anderen Falle auf schuldig des fahrlässigen Falscheides, gegen die Biermannschen Ehe­leute in allen Fragen auf nichtschuldig. Das Urteil lautet dem Antrag des Staa^anw'alts gemäß gegen die Angeklate Schneider auf 1 Jahr 2 Monate Zuchthau s, An­rechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft auf die ernannte Strafe und dauernde Aberkennung der Eidesfähigkeit. Die Eheleute Biermann wurden freige- s roch en und aus der Haft entlassen.

Vereins ehrten den Kameraden, der den Feldzug 1870//71' mitgemacht hat, durch! eine Ehrensalve.

* Meine Mitteilungen aul Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Wirtschaft von Torfeld in W i e s e ck ist von der Oranien- Brauerei'in Dillenburg (nicht von einer Lauterbacher Brauerei) angekauft worden. Tot aufgefunden wurde am Montag früh der Ingenieur Sch. in seiner in der Eisen- bahnsttaße in Offenbach gelegenen Wohnung. Der Tod ist anscheinend dup.chj Einatmen von Leuchtgas eingetreten. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. In Mainz feierte am 1. d- M. ein seltenes Jubiläum der Redakteur desNeuesten Mainzer Anzeiger" Joseph Steigerwald. Während 25 Jahre ist er ununter­brochen an oem Blatte als Redakteur thätig, ohne jemals auch nur einen Tag durch Krankheit an seiner Berufs- thätigkeit verhindert worden zu sein. Der Jubilar ist auch der Begründer des hiesigen Schriststeller- und Journalisten­vereins.

Vermischtes.

* Raubmord an einem Geld verleih er? Am Tiestag vormittag wurde der Agent Eduard August Löff­le r in seiner Wohnung in Berlin auf dem Sopha liegend tot aufgefunden. Vor ihm stand auf einem Stuhl eine Tasse, in der sich eine Giftlösung befand. Seine Geldbörse und sein Geldschrank waren ihres Inhaltes an Wertpapieren und Bargeld und Wechseln beraubt. L. ist Witwer und be­wohnt die aus drei Zimmern vestehende Wohnung für sich. Eine Aufwartefrau bediente ihn. Als diese zwischen 7 und 8 Uhr früh sich einfand, wurde ihr trotz starken Klopfens von L. nicht geöffnet. Sie wartete daher, bis Fräulein Kretschmar, die Buchhalterin Löfflers, die einen Schlüssel zu der Korridorthür besitzt, um halb zehn Uhr sich einstellte. Frl. Kretschmar fiel es auf, daß die Thür nur ins Schloß geworfen war, während L. sie sonst jeden Abend zu ver­schließen Pflegte. L. lag in seinem Zimmer auf dem Sopha wie im Schlafe. Aber Kragen, Hemd und Weste waren auf- gerissen, wie wenn er heftige Schmerzen gehabt hätte. Vor ihm auf dem Tische stand eine halbgeleerte Tasse mit Wasser. In dem als Bureau benutzten Zimmer war der Schreibtisch durchwühlt, und aus dem Geldschranke, sowie aus L.'s Portemonnaie war alles Geld verschwunden. Was aber Frl. Kretschmar besonders auffiel, war das Fehlen eines ganzen Stoßes Wechsel. Die Polizei wurde sofort benachrichtigt, und es erschien eine ganze Anzahl Kriminalbeamte. Sani­tätsrat Dr. Paprvsch wurde gerufen und gab zuerst die Diagnose ab, daß L. am Schlage gestorben sei. Vor­gestern noch war er bei dem Arzte gewesen und hatte sich ein Gesundheitsattest ausstellen lassen wollen, um sich von einem auf Donnerstag anberaumten Gerichtstermine fteizumachen. Tr. P. hatte das Attest nicht ausgestellt, L. aber ein Anti- pyrinpulver verschrieben. Dieses Rezept war nicht benutzt worden, dagegen fand man auf dem Schreibtische ein Tütchen mit einem weißen Pulver, das, wie eine sofort in einer benachbarten Apotheke vorgenommene Analyse er­gab, Strychnin enthielt. Ob L. sich damit nun selbst ver­giftet hat oder etwa vergiftet woroen ist, muß die Unter­suchung ergeben. L. galt als sehr wohlhabend und stand als Geldverleiher in Beziehungen zu vielen Offizieren und anderen Geldbedürftigen. Alle Momente deuten darauf hin, daß Löffler um Mitternacht in seiner Wohnung in der rätselhaftesten Weise vergiftet und von seinem Mörder be­raubt worden ist. Derselbe hat die Pakete, die Wechsel enthielten, vielleicht deshalb mitgeraubt, weil er die Spuren der Thäterschast auf Kreise lenken wollte, mit denen Löffler in geschäftlichen Beziehungen stand. Löffler hatte sich durch seine Wuchergeschäfte ein beträchtliches Vermögen erworben. Daß eins seiner Opfer, das etwa durch ihn ruiniert worden wäre, die Thal vollbracht haben könnte, kann man kaum annehmen. Für die Verfolgung des Mörders haben sich noch wenig Anhaltspunkte ergeben.

Jassy, 1. Okt. Der Direktor der hiesigen Nationalbank- Filiale Spaco hat sich erschossen.

Arbeiterbewegung.

Lüttich, 1. Okt. Die Ausstandsbewegung hat heute zuge- nommen ; die Zahl der Ausständigen ist von 3000 auf 5000 ge­stiegen, der Ausstand hat sich auf etwa zehn weitere Kohlengruben ausgedehnt. Die Ausständigen durchziehen, die Carmagnole singend, die Ausstandsgebiete. Heute früh wurden mehrere Versuche ge­macht, die noch Arbeitenden zur Niederlegung der Arbeit zn zwingen.

Madrid, 1. Okt. Anläßlich lokaler Arbeiterfragen ent­standen Ruhestörungen, in deren Verlauf Arbeiter der Fabrik von Bedas einige Häuser in Brand steckten. Der Gendarmerie gelang die Wiederherstellung der Rübe, doch sandten die Behörden eine Kavallerieabteilung in den Ort der Ruhestörungen.

Universitäts-Nachrichten.

In Gießen ging am 1. Oktober das Rektorat der Univer­sität von Prof. A. M. Schmidt auf Prof. Hansen über. Der Beginn der Einschreibungen für das Wintersemester ist auf den 21. Oktober festgesetzt. Es ist zu erwarten, daß bis zum Beginn der Vorlesungen auch die beiden jüngst durch Tod erledigten Pro­fessuren für Ohrenheilkunde und Tieranatomie wieder besetzt sein werden. ,

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

8. Darmstadt, 2. Okt. In der heutigen Schwurgerichts- sitzung ereignete sich ein erschütternder Vorfall. Als die Geschworenen nach kurzer Beratung im Schwurgerichtssaal erschienen, um ihren Wahrspruch zu verkünden, teilte der Vor­sitzende in tiefster Bewegung mit, daß soeben in dem Beratungs­zimmer der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Schneider infolge eines Herzschlags verstorben sei. Unter diesen Umständen mußte unter Hinzuziehung eines anderen Richters die Verhandlung aufs Neue stattfinden.

Frankfurt a. M., 2. Okt. Die letzte Sitzung des N at ioualfozialen P arteitages beschäftigte sich wesentlich zustimmend mit einem Vortrag des Pfarrers Naumann über den Niedergang des Liberalismus in Deutschland. Eine zeitweise Neubildung des Liberalismus kann nur zu Stande kommen, durch Zusammenwirken der sozialistischen Bernsteinianer und der sozialen Reformbestrebungeu, der Kreise der Freisinnigen und Demokraten, sowie der Nationalsozialen, gegenüber der von der politischen und wirtschaftlichen Weltanschauung des Bundes der Landwirte beabsichtigten Vereinigung der Konservativen und Natiooalliberalen. Der Parteitag wurde sodann geschloffen.

Gelsenkirchen, 2. Okt. Bis heute früh erhöhte sich der Stand der amtlich gemeldeten Typhus fälle im Stadt- und Landkreis Gelsenkirchen von 687 auf 722. Die Gesamtzahl der Typhuskranken des Wafferpersorgpngsgebiets für das nörd­liche westfälische Kohlenrevier wird von unterrichteter Seite auf

etwa 1200 geschäht. Unter Zuziehung des Medizinalrats FranM veranlaßte die Regierung gestern eine eingehende Revision aller Teile des Wafferwerks, infolge deren Aenderungen in der An­lage bevorstehen sollen.

Bochum, 2. Okt. Ans der Strecke der elektt. Straßen- bahn nach Wattenscheid stieß gestern abend ein Bierwageu mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Eine auf dem Bierwagen befindliche Person und der Kutscher wurden schwer verletzt. Letzterer ist gestorben.

London, 2. Okt. Reuter meldet aus Dundee vom 27. September: Eine starke Burenttuppe überraschte am 26.' abends bei Onetrechill, wo im Zahre 1899 der erste Kampf stattgefunden hat, einen kleinen Volunteerposten. Dieser ver­teidigte sich wacker.

London, 2. Oktbr. DieTimes" melden: Der Vorfall in Fez, wo vor Kurzem ein portugiesischer Staatsangehöriger von einem Volkshaufen überfallen wurde, ist darauf zurückzu­führen, daß der Betreffende kein Arabisch verstand und sich in­folge deffen trotz vielen Warnens dem Zugänge zu dem Grabe eines der ersten Heiligen näherte.

Antwerpen, 2. Okt. DieMetropole" meldet: Ende Juli brach m Französisch - Congo ein Aufstand aus. 18000 Pakuins schloffen die von 50 Europäern, meist Belgiern, bewohnten Faktoreien am Ugowe ein. Da keine Miliz zur Versüguug stand, wurde das französische KanonenbootAlegan" zur Hilfe entsendet. Dieses konnte jedvch bei dem niedrigen Wafferstand des Ugowe nicht vorwärts kommen. Anfang August gelangte nach Livreville die Nachricht, daß 4 Europäer getötet worden seien.

Berlin, 2. Okt.' Tie Telegiertenversammlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller nahm einstimmig" eine Resolution an, welche die Notwendigkeit des Ab­schlusses langfristiger Handelsverträge betont, die Erhöhung der Getreidezölle gutheißt und es billigt, daß unter bie: Minimalgetreidezollsätze des Zolltarif-Gesetzentwurfs nicht heruntergegangen werde. Gleichzeitig erklärte sich die Ver- sammlung gegen die gesetzliche Feststellung der .Getreide­minimalzölle.

B e r t i n, 2. Okt. Tas Landgericht verurteilte die Ehe­leute Rieck, welche ihre hochbetagte Mieterin um ihr be»' tnächtliches Vermögen gebracht hatten, und zwar die Frau zu siebenjährigem Zuchthaus, und den Mann zu drei Jahren Gefängnis. Eine mitangeklagte Frau wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt.

Berlin, 2. Okt. Tie Delegierten-Versatnmlung des Zentralverbandes deutscher Industrieller einigte sich gestern abend nach längerer Debatte in der Frage des neuen Zolltarifs auf eine Resolution, in der sie sich für den Abschluß langfristtger Handelsverträge aus­spricht, sich aber aurf); mit einer Erhöhung der Getreidezölle einverstanden erklärt. Es dürfe indes ein Minimalsatz für die im Gesetzentwurf genannten Getreidearten im Gesetz über­haupt nicht festgestellt werden. Sollte der betreffende Ab- satz aber angenommen werden, so werde der Zentralverband mit dementsprechenden Anträgen an die Regierung heran­treten.

Kopenhagen, 2. Okt. Der Kiommandant des, dänischen PanzerschiffesOdin", das im vorigen Jahre mit einem englischen Handelsschiff kollidierte, ist vom Kriegsgericht zu 6 Wochen Festungshaft verurteilt worden.

Kopenhagen, 2. Okt. Fbsens Befinden! bessert sich stetig..

London, 2. Okt. Lord Kiich euer berichtet unternt 30. September: Tie Buren unter dem Befehl von Delareh undUemps haben in großer AnzahlKekewitsch undMoedwille angegriffen. Tie Angriffe wurden jedoch zurückgeschlagen und die Buren zogen sich nach Nordwesten zurück.

London, 2. Okt. Tie englischen Verluste feit, dem 24. September belaufen sich auf 84 Tote, 183 Ver­wundete und 30 an Krankheiten Verstorbene.

Dublin, 2. Okt. In einer Versammlung derUniteS Irish League" wurde ein Brief von William O'Brien ver­lesen, worin dieser er Härt, die Irländer seien ein Volk, das nur die Waffenschulungder Buren brauchte, um mit derselben Beredsamkeit wie die unbesiegten Burens republiken bezeugen zu können, wie sehr es die englische, Herrschaft haßt. John Redmont hielt eine Rede, in welcher er ausführte, die Irländer hätten allen Grund> um zur Erlangung der Freiheit zu den Waffen zu greifen.

Rom, 2. Okt. Der am Donnerstag verhaftete russische, Anarchist Fürst Nahachidie wurde wegen Uebertret-, ung eines Ausweisungsbefehls zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt.

Neapel, 2. Okt. Es wird hier vermutet, daß dep deutsche Dampfer Bayern, der bekanntlich den Prinzen Tschun nach Europa brachte, die Pest iw Neapel eingeschleppt habe. Ter Dampfer habe zwar feinen erklärten Pestfall, aber doch, einen sehr eigentüm­lichen Fall von Lungenentzündung an Bord gehabt.

Kapstadt, 2. Ott. Auf der Kap-Halbinsel wurde ein neuer Ausbruch der Pest festgestellt. Drei Eingeborene;

1 in Maitland wurden von der Seuche befallen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Wetter

4- 24,3° C. + 10,0° c.

Sonnenschein Sterh. Himmel Bed. Himmel

Höck; le Temperatur am 30. Sept.1. Okt. Nie orig sie

j LUUH

Oktober

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative

Feuchtigkeit

f »b Z z

Windstärke

1.

2"

751,5

4- 21,0

12,7

69

S.8.E.

2

1.

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751,1

4- 11,7

10,0

98

N.

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3.

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1

746,4

4- 11,4

8,9

89

N.

4

Teiephonisc^er Kursbericht,

D'rankfart a. BI., 2. Oktober.

3'/s°/o Reichsanleihe . . 100.40 | Kreditaktien.....193.30

30 do. ... 90.40 Diskonto-Kommandit , . 171.30 31/ o/c Konsole .... 100.35 , Darmstädter Bank . , . 114.81)

3° n do ..... 90.40 Dresdener Bank . . , , '119.40*

SVetyo Hessen .... 98.40 Berliner Handelsgee. . . 131.30

tfo/o Italien. Rente . . . 99.15 Oesterr. Staatsbahn . . . 132.20

4 '/0 Grieoh. Monopol-Anl. 42.70 Gotthardbahn ..... 157.00 3^/o Portugiesen ..... 25.75 Laurahütte,. ..... 177.50 3% Mexikaner .... 25.95 Bochum ....... 160.5Q 41/2% Chinesen . . . . 83.90 j Harpener ...... 151:90 Tendenz- fast.