Ausgabe 
3.10.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. S32

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Erstes Blatt.

151* Jahrgang.

Donnerstag 3. Oktober 1901

GichenerAnzeiaer

u General-Anzeiger ***

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

B

(Pietsch Erben).

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Der sechste nationalsoziale Parteitag n

fl. Frankfurt <l M., 1. Oft

Lithograph Tischen dörfer-Berlin hält einen Vor­trag über das Thema:Die Arbeiterschaft und die Gebilde­ten". Tie Zukunft der deutschen Arbeiterbewegung erblickt der Redner in der gewerkschaftlichen Bewegung. TerBild-, ungsschicht" macht er den Vorwurf, daß sie sich nicht genügend mit der Arbeiterbewegung beschäftige. Zu dieser Bildungsschicht gehören auch, Staat und Regierung.

In der öffentlichen Abendversammlung sprachen Herr v. Gerlach über Theorie und Praxis, indem er sich dabei hauptsächlich auf die Wandlungen in der Sozialdemo­kratie bezog, Pfarrer Korell überTer Bauer und der Gebildete", die Kleinarbeit auf genossenschaftlichem Gebiete am Bauernstände betonend, und Dr. Maurenbrecher über das ThemaOrganisiert Euch!" Pfarrer Naumann ist, wie hier nachträglich bemerkt sei, der Ansicht, daß: ein Sieg der Schutzzöllnerei gleichbedeutend sei mit einer Ver­kürzung des Reichstagswahlrechts innerhalb nächsten Jahrzehnt.

In der heutigen Vvrmittägssitzung erhielt zunächst das Wort Professor Dr. Rathgen-Heidelberg zu seinem Vor­trage überNationale und soziale Ideen in der Aus­gestaltung der deutschen Kolonial Politik". Gr ist für die Erwerbung von Kolonien auf der ganzen Linie. Eng­land habe durch die Kolonien seine Reichtümer. Als der englische Ausfuhrhandel nach seinen Kolonioen riesige Summen erreichte, da tra+ auch Fürst Bismarck, der sich! früher ablehnend gegen die Kolonialpolitik verchielt, für Dieselbe ein. Prof. Rathgen wünscht, daß die Schutzgebiete in den Händen der Reichsverwaltung bleiben, und nicht einer handeltreibenden Kompagnie zur Verwaltung anver­traut werden. Tas Ziel aller Kolonialpolitik müsse jedoch die volle Selbständigkeit der Kolonioen in sinanzieller Be­ziehung sein. Bei der Entsendung von Verwaltungs-Be­amten kommt es ihm weniger auf das Assessorexamen als auf die von dem Beamten bisher bewiesene Energie, Ein­sicht und Umsicht an. Tie Deportation lehnt er ab-. Das Kolonialwesen müsse gefördert werden, damit in die mitt­leren Schichten nicht revolutionäre Anschauungen ein­ziehen. Bei der bevorstehenden großen Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete sei es unbedingt notwendig, die Kolonialpolitik nach großen und klaren Zielen weiter aus­zubauen. Tie Schaffung einer Kvlonialarmee hält er für unerläßlich, damit die Kolonien wirklich Stützpunkte unserer überseeischen Macht und unseres überseeischen Han­dels würden. Absatz heimischer Fabrikate und Deckung des Bedarfs an tropischen Produkten in und au^ eigenen Kobonieen, darin liegt die Bedeutung der Kolonialpolitik. Tas Reich soll eigene Kabel anlegen. Der Redner hat seine Forderungen in einer längeren Resolution zusammen­gestellt, die Annahme findet.

Der Grund- und Bodenreform er Damaschke-Berlin bezeichnet in seinem nun folgenden Korreferat als Kern­punkt der Kolonialpolitik die Grund- und Bodenftage. Er wettert gegen die großkapitalistische Ausschlachtung der Kolonien. Diese sei antinational, antivaterländisch. Die Zukunft der deutschen Kolonialpolitik hänge von der Be­kämpfung des Bodenspekulantentums ab. Der Kampf gegen das Spekulantentum in den Kolvnieen sei ein Dorposten- gefechkt gegen das Spekulantentum im Jnlande. Boden­

reform und billige Staatskredite thun den Kolonien not. Die Kolonialpolitik muß national und sozial fein. An die beiden Referate schließt sich eine unwesentliche Dis­kussion an.

Ter Parteitag beschloß heute nachmittag die Auf­stellung kurzer programmatischer Sätze zur Kolonialpolink im Sinne der Referate von Professor Rathgen und Damaschke. Nach denselben wird vor allem in der Be­handlung der Grund- und Bodenftage das Borgehen des Marineamtes in Kiautschou als vorbildlich hin- gestellt. Dann trat der Parteitag in eine Besprechung der Taktik bei Gemein de Wahlen ein. Heute abend fand eine geschlossene Sitzung statt zur Besprechung von finan- ziellen und Preßftagen. __________________________

Politische Tagesschau.

Bewegung gegen den Zweikampf.

Um der von ihm neuerdings eingeleiteten Beweg­ung gegen das Duell weiteren Fortgang zu geben, erläßt der Fürst zu Löwenstein eine öffentliche Ein­ladung zu einer Besprechung in Leipzig am 19. Oktober. In dem Schreiben, das um zahlreiche Beteiligung an dieser Besprechung bittet, heißt es:Der Widerstreit des Duells gegen göttliches Gebot und gegen menschliches Gesetz wird von niemandem bezweifelt; auch das Vernunftwidrige der Annahme, als könne durch eine Heine Bezeugung physischen Mutes eine angefochtene Ehre wiederhergestellt oder eine unehrenhafte Aeußerung oder That tvieder getilgt werden, auch dies wird wohl von niemandem bestritten. Wenn aber dennoch die Duellunsitte eine so furchtbare Tyrannei aus­übt, daß sie im übrigen achtenswerte Männer dahin bringen kann, gegen besseres Wissen und Gewissen §nr Waffe zu greifen, zu vermeintlicher Ehrenrettung, so liegt dies hauptsächlich daran, daß die Ehre in den bestehenden öffentlichen Einrichtungen keinen genügenden Schutz findet. Den Unterzeichneten erscheint es daher nottoenbig, baß eine Verschärfung der Strafen für Beleidigungen und Ehren- kränkungen angestrebt werde. In gewichtigen Fällen, ins­besondere auch zum Schutze der Familienehre, müßte eine Bestrafung in defamierender Weise ermöglicht sein. Nicht derjenige ist entehrt, der ungerechterweise beleidigt wurde und aus Gewissensgründen nicht zur Waffe greift, sondern derjenige hat sich selbst entehrt und verdient seiner Ähre verlustig erklärt zu werden, der wissentlich und unbefugt oder ungerecht einen anderen in ferner Ehre schädigt. Zur Entscheidung, welche Genugthüung dem Beleidigten zu zuerkennen ist, wird die Einsetzung von staatlichen oder von korporativen, aber staatlich anerkannten Ehrengerichten, wel­chen in erster Linie auch Vermittelungs- und Versöhnungs- Versuche oblagen, in Erwägung zu ziehen sein, hierüber, sowie über die anderen einschlägigen Fragen sollen in Leipzig einleitende Vorträge gehalten und dann eine ober mehrere aus Juristen zu bildende Kommissionen eingesetzt werden. Dieselben hätten die notwendigen Aenderungen der Bestimmungen des Strafgesetzbuchs zum Schutz der Ehre und die Frage der Errichtung von Ehrengerichten einer er­neuten sachverständigen Prüfung zu unterziehen und ent­sprechende Vorschläge zu entwerfen, die den gesetzgebenden Körperschaften vorzulegen wären. Ferner ist beabsichtigt, ein Aktionskomitee einzusetzen, welches die Bewegung gegen das Duell im Flusse zu erhalten, Beschlüsse der Antiduell­versammlung auszuführen und alle weiteren sachdienlichen

Schritte zu thun hätte." Die Einladüng ist von zahl­reichen Gesinnungsgenossen des Fürsten zu Löwenstein, dar­unter mehreren bekannten Mitgliedern der Zentrumspartei, unterzeichnet. Auch der Amtsrichter Mächtel in Butz­bach ist Unterzeichner dieser Einladung.

Londoner Brief.

Aus London wird uns geschrieben:

Die Kosten des südafrikanischen Krieges wachsen derart an, daß das britische Parlament, um neue Kredite zu be­willigen, wahrscheinlich ftüher einberufen werden wird, als ursprünglich beabsichtigt war. Man darf gespannt darauf sein, welche Steuervorlagen der Schatzkanzler Hicks-Beach diesmal dem Parlament präsentieren wird. Daß er ent­fernt davon ist, einStaatsmann" zu sein, ist ihm von einem Teil der englischen Presse bereits im April bl I. attestiert worben, als er bas mit einem Defizit von 55 Millionen Pfunb abschließende Budget einbrachte. Nun, Sir Hicks-Beach war an dem traurigen Finanzabschluß per­sönlich ohne Schuld, und er glaubte sicherlich, dem Lande die verhältnismäßig erträglichsten Opfer aufzuerlegen, wenn er die Einführung des Zuckerzolles, des Kohlenausfuhrzolles und eine neue Erhöhung der Einkommensteuer in Vorschlag brachte. Ein Mangel an staatsmännischer Findigkeit wäre wohl jedem Schatzkanzler nachgesagt worden, der durch die Ereignisse gezwungen wird, den Bürgern die Taschen zu erleichtern. Sir Hicks-Beach wird sich immerhin vergeblich bemühen, eine populäre Steuer ausfindig zu machen; populär ist im Vereinigten Königreiche überhaupt keine (Mb- ausgabe mebr, bie für den südafrikanischen Krieg erfolgt. War schon oie Stimmenmehrheit, mit der im April d. I. die Steuern vom Parlament genehmigt wurden, ziemlich gering, so dürfte sie bei der Abstimmung über die neue Kreditvorlage noch mehr zusammenschmelzen. Die Kriegs­kosten nähern sich der vierten Milliarde, das Ende des Krieges ist dabei weniger abzusehen als je. Sicher ist nur, daß derSpaziergang nach Prätoria" nicht jo enden wirb, wie bie Herren Chamberlain unb Genossen bem englischen Volke einzureben sich bemühen.Das bunte Feuerwerk ist verpufft, bas schwarze Gerüst nur starrt in bie £uft" . . . Es war unleugbar ein Akt der Klugheit bes Kolonial. Ministers, bie Neuwahlen zum Unterhaufe bereits im Herbst vorigen Jahres anszufchreiben. Wären diese Wahlen nach Bekanntwerden des gewaltigen Defizits im Budget erfolgt, die konservativ-unionistifche Mehrheit hätte ohne Zweifel schlimme Einbußen erlitten. Die jetzt vielerörterte Frage, ob sich das Regiment Salisbury-Chamberlain noch lange werde halten können, hat jedenfalls innere Berechtigung. Ter greife Premier ist so leidend, daß er der Politik seine volle Aufmerksamkeit nicht mebr zuwenden kann. Außerdem macht sich bei ihm in steigendem Maße Gedächtnisschwäche bemerkbar. Er selbst möchte ja bis zum Termin der Krön­ung König Eduards im Juni 1902 im Amte bleiben. Doch man glaubt nicht, daß fein Gesundheitszustand ihm das ermöglicht. Mit dem Rücktritt Lord Salisburys aber wirb bie nur mühsam überbrückte Kluft zwischen Tories unb Unionisten auseinanderklaffen, werben bie Gegensätze unter den letzteren unverhüllt zum Ausdruck kommen. Die Tories möchten Lord Balfour, Salisburys Neffen, auf den Schild erhoben sehen; dieJungen" unter den Unionisten, die sogen.Neu-Imperialisten", schwören auf Joe Chamber­lain, von dem aber die gemäßigten Elemente nichts wissen wollen. Kurz: bie politischen Verhältnisse in England sind

Kunst

Gießener SladtlyeMer.

Cornelius Voß.

Lustspiel von Franz v. Schönthan.

Tie Räume, bie ber Pflege der dramatischen

Väter vielleicht existiert haben mag. Er führt eine große Dame vor, bie die sonderbare Laune hat, einen vollständi­gen Hausnarrn zum Manne zu nehmen. Wer wenn der gutmütig - alberne Arnold Beckers in seiner Schüchtern­heit einem Polsterstuhle eine Pvobeliebeserklärung macht unb ihn babei streichelt und liebkost, als ob er bie wirkliche Baronin wäre, so ist das zweifellos höchst lächerlich, unb man fragt sich angesichts solchen Erfolges, ob der Autor nicht am Ende recht hat, wenigstens im Sinne von Leuten, die einzig vorn Lachen leben unb ben Emst der Kunst fliehen. Und ebenso großes Entzücken bereitet die Szene, in ber sich zwei Liebesleute in bid|e- Pelze gewickelt an ein Kaminfeuer im warmen Zimmer setzen unb vor Ver­legenheit und Liebe zu schwitzen an fangen. Ungeduld er­regte selbst nicht einmal der'wunderliche Herzog, der im 4. Akte plötzlich auf die Bühne geschneit kommt, und dicht vor Thoresschluß noch eine lange, sentimentale Liebes­geschichte auftischt und sich von dem gräflichen Backfisch ein niedliches Verslein vom Wintermai im Herzen dekla­mieren laßt. So blieb denn was auch die Gelehrten gegen das Wort und die Sache einwenden mögen das Kennzeichen des Wends ein großer und ungetrübterLach­er folg."

Ihn zu erringen, hat die Darstellung unter der Leitung bie Sprachreiniger werden sich der Neuerung auf dem Zettel freuen, daß das WortRegisseur" durchSpielleiter" ersetzt worden ist des Herrn Ramsey er, unseres ein­zigen Bekannten vom vorigen Jahre, redlich das Ihrige ge- than. In der nach Möglichkeit geschmackvollen, freilich etwas über* ladenen Salondekoration bewegte sich unser neues Ensemble abgesehen von ganz geringen Stockungen leicht und gefällig, und atmete, soweit ba§ Stück es erfordert oder erlaubt, bis­weilen sogar wirklich etwas von der heiteren Sicherheit einer höheren Gesellschaftssphäre. Den großen Diplomaten Pernwalb gab Herr di Giorgi mit viel gutem Humor, in trefflicher Maske, mit den wunderlich scherzhaften Allüren eines alten, von Eitelkeit, Hochmut, Borniertheit und obendrein tadellosester Erziehung und Diskretion triefenden HofmanneS, eine echte Lustspielfigur, die uns annehmen läßt, daß ihr Darsteller recht

in unserer Stabt geweiht sind, finb am Dienstag zu einer neuen Spielzeit geöffnet worben. Nicht ohne Erwartungen, die Hoffnungen unb Zweifel gleichmäßig in sich schließen, betrat gestern ber Theaterfreunb bas Haus. Tie Direktion hatte für den Eröffnungsabenb ein Stücklein gewählt von bescheidenster Anspruchslosigkeit. Diese Anspruchslosigkeit gerade aber berührte uns ganz sympathisch. Unsere Bühne ist nicht dazu geschaffen, daß heute etwa ein König Lear in genialem Wahn die Länge der Bretter tobend mißt, morgen dem Munde einer Iphigenie die wundervoll glei­ßende Gedankenflnt Goethescher Weisheit entauillt, über­morgen ein Wallenstein mit seinem Seni aus den Sternen sein welthistorisches Geschick zu forschen übernimmt usw. Uns wirb heute schon ein Lessing geboten werden, unb mir werden damit zufrieden unb dankbar für das Gebotene fein, wenn es sich so präsentiert, wie cs der erste Wend verheißt. Wir erwarten bann nur für die Zukunft eine besondere Berücksichtigung ber Problembramatik ber Gegen­mart, wie in ben früheren Jahren, und unsere berechtigten Wünsche werden sich erfiillen.

HeberCornelius Doß" hat sich nun auch das Gie- ßener Theaterpublikum bahin entschieden, baß der nun- Er 13 Jahre alte Schwank sehr nett sei. Uns liegt wenig daran mit dieser wohlmeinenden Ansicht uns in Widerspruch ,u seNenNett" ist das unendlich harmlose Stückchen in der Thal, so nett drollig, so nett unwahrscheinlich, so nett schablonenhaft wie alle die sog. Lustspiele aus der Zeit der achtziger Jahre. Es ist eines jener Stücke, bie das Theaterrepertoire nur des Gegensatzes halber brauchen dürste, und um dieses Zweckes willen, angesichts der heutigenMinna von Barnhelm" darf fein Erscheinen als gerechtfertigt gelten.

Cornelius W' ist etn Stuck, über das sich bener lachen, als schreiben und sprechen läßt; unb es ist auch gar nicht nötig, daß alle Stücke nur zu bem Zweck ge­

schrieben werben, damit bie respektlose Kritik ihr Schnäbel­chen daran wetze.

Ein kleinstaatlicher Diplomat deralten Schule" sucht das Pferd, auf bem er reitet; das ist in wenigen Worten ber Humor von ber Sachen Ter Kabinettsrat des Herzogs von Falkenburg, Graf von Pernwalb, ist mit ber geheimen Mission nach Berlin gesandt, bort auf einen jenem er­lauchten Herrscherhause verwandten Prinzen zu fahnben, ber sich vor einem unerwünschten Ehebunbe in ben Strubel des weltstädtischen Lebens geflüchtet hat, unb ben Graf P. merkwürdigerweise persönlich nicht kennt. In der Wohn­ung einer befreundeten Dame trifft der Graf mit einem jungen Maler Cornelius Voß zusammen, und ahnt nicht, daß besagter C. V. fein anderer als der gesuchte Prinz ist, der diesen Künstlernamen ftüher einmal in einem Badeorte Scherzes halber geborgt hatte unb ber nieblichen Nickste des Diplomaten nur unter dieser Maske ber ge­wöhnlichen Sterblichkeit bekannt geworoen ist. Nun ent- spinnt sich ein Doppelspiel von niederschmetternder Komik. Graf:Ah guten Tag, Herr Voß!" Prinz (mit bedeutungs­vollem Don beiseite):Er ahnt nicht, daß ich ber Prinz bin". Man lacht. GrafPernwalo:Setzen Sie sich, junger Mann!" Prinz (mit bebeutungsvollerem Tone bei­seite):Er ahnt nicht, daß ich ber Prinz bin 1" Man bricht in ein schallenbes Gelächter aus. Graf Pernwalb. Behalten Sie Platz! Sie sollen mir mal ben Prinzen suchen helfen." Prinz (in bedeutungsvollstem Tone beiseite):Unb er ahnt nicht, baß ich ber Prinz bin!" Man er­stickt fast vor Lachen. Mit dieser geistreichen Jntrigue 4 Akte zu füllen, ist ein Kunststück, das schon wegen seiner Oekonomie Beachtung verdient, dessen Leere aber doch dem Verfasser selbst unheimlich vorgekommen zu sein scheint. Er hat daher in diese Falkenburger Hofidylle, die sich gegenüber Dem wenn auch noch so flüch-tio unb oberfläch­lich skizzierten Bilde Berliner Lebens doppelt vorsintflut­lich ausnimmt, ein seltsames Liebespaar (neben dem Prin­zen unb ber Grafennichte) hineingefüttert, das bie Lücken der Hanblung zur Not ausfüllt, besten Psychologie aber das Geheimnis bes Erfinbers bleibt. Schönthan hat dieses Pärchen aller Menschenmöglichkeit entkleidet und einem Ge- sch macke mundgerecht gemacht, der zur Zeit unserer Groß­