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3.9.1901 Erstes Blatt
 
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Brüderchen. Dasselbe aber schien plötzlich lebendig zu werden, schlug mit den Flügeln nach allen Seiten umher und verfiel in heftige krampfhafte Zuckungen. Tie Beob­achterin aber wurde für ihre Neugierde schrecklich gestraft; sie wich entsetzt zurück, fiel wie ohnmächtig um, verdrehte die Augen, sperrte den Schnabel weit auf, und wurde von heftigen Krämpfen befallen, die nicht nachließen, bis man dem armen Tiere aus Mitleid das Gnadenmesser gab.

* Budapest, 30. Aug. Die Debrecziner Polizei ver­haftete vor einigen Tagen eine verdächtige Person, welche sich Johann Nagy nannte und angab, Friseur und aus dem Krankenhause von Nyiregyhaga wegen schlechter Behandlung geflüchtet zu sein. Die Polizei stellte Nachforschungen an und erhielt die Antwort, daß der Verhaftete Anton Tasch heiße und cm aus Schlesien gebürtiger Anarchist sei. Er habe bei seiner Flucht aus dem Krankenhause einen Brief zurückgelassen, worin er unter Schmähungen auf den Kaiser Franz Josef mit einem Attentat drohe. Ferner heißt es in dem Briefe u. a.:Es sind noch von den Kugeln da, die wir für Humbert bereiteten. Es wird noch in Ungarn Trauer sein, die wir Anarchisten bereiten werden." Tasch gab zu, den Brief geschrieben zu haben und Anarchist zu sein.

'Von seinem Freunde auf der Jagd er­schossen. Das Opfer eines schweren Jagdunglücks wurde auf Falkenthaler Gebiet der 54jährige Kassenbote des Vereins Berliner Gastwirte, Albert Pallavicini. Sein Freund, der Bürstenhändler Janaschk, mit dem er nachts gemeinschaftlich dem Jagen auf Wildschweine oblag, tötete ihn infolge eines verhängnisvollen Irrtums durch einen Schuß ins Herz. Der unglückliche Schütze, der nur mit Mühe von einem Selbst­mord zurückgehalten werden konnte, ist auf freiem Fuß be­laßen worden.

* Mit Hinterlassung vieler Schulden ist in Berlin der 25 Jahre alte Bankier Heinrich Welt­gen mit seiner Geliebten, einer 24 jährigen unverehelichten Ida Gehm, durchgebrannt. Weltgen, der einzige Sohn eines Werkmeisters, der alles an seine Erziehung wandte, stammt aus Laaken im Regierungsbezirk Düsseldorf und erlernte in Elberfeld das Bankfach. Tann war er mehrere Jahre in Berliner Bankgeschäften thätiH, und erhielt sehr gute Zeugnisse. Er war überhaupt ein tüchtiger und solider Mensch, bis er zu seinem Unglück vor etwa Jahresfrist Ida Gehm kennen lernte. 9hm bekam er Neigung zum Wohlleben und wollte den cfroßen Mann spielen. Bor etwa einem halben Jahre machte er mit einem Teilhaber ein eigenes Bank- und Kuxengeschäft von Weltgen u. Eie." auf und mietete eine größere Wohnung. Um siestandesgemäß" auszuschtten, entnahm er von einem Möbelhändler für mehrere tausend Mark Sachen auf Abzahlung, da er kein Vermögen besaß. Seine Geliebte gab er dabei für seine Frau aus. Sein sicheres Auftreten als Inhaber des Bank­geschäfts verschaffte ihm Kredit. So lebte Weltgen au; sehr großem Fuße. Seinem Geschäftsteilhaber jedoch gefiel das nicht. Er sah voraus, was für ein Ende es nehmen müsse, und setzte ihm daher anfangs dieses Monats den -Stuhl vor die Thür. Nun shand der Bankier ohne Geld und Stellung da. Seinem Hauswirt schwindelte er vor, daß er nach Elberfeld reise und ein Zweiggeschäft aufmache. Tie Miete bezahlte er ihm bis zum Oktober, dafür nahm er jedoch die Möbel aus der Wohnung heraus und ver­kaufte sie an einen Versteigerer, obgleich er erst einen kleinen Teil darauf bezahlt hatte. Dann erzählte er einem Verwandten, daß, er nach Hannover fahre, um Stellung .zu suchen, schrieb noch einem Gläubiger, daß er die An­gelegenheit bald begleichen werde, um ihn von einer wei­teren Verfolgung abzuhalten, und verschwand vor vierzehn Tagen. Jetzt sheltt sich heraus, daß er mit seiner Geliebten von S^amburg mit demFürst Bismarck" nach Amerika al gedampft ist!

* @ine Ehetragödie in den italienischen Bergen. Francesco Eantarano hatte vor einigen Tagen die reizende Neapolitanerin Earmela Nardi als Frau in fein .Haus in Eastelvolturno bei Easerta geführt. Ta die junge Frau die Gegend nicht kannte, so unternehmen sie täglich Ausflüge. Jüngst begaben sie sich schon um) 3 Uhr früh auf einen der umliegenden Berge, um sich von dort aus am Sonnenaufgang zu erfreuen. Später frühstückten sie oben, und machten sich gegen 9 Uhr auf den Heimweg. Beim Suchen nach Blumen hatte sich nun Earmela von ihrem. Francesco so weit entfernt, daß dieser sie aus den Augen verloren hatte und glaubte, sie wäre in einen Ägründ gefallen. Voller Verzweiflung rief er ihren Namen, beugte sich Überall hinab, verlor dabei das Gleichgewicht und schrzte dabei in einen Abgrund, wo man ihn später mit zerschmettertem Schädel wiederfand. In der Tljat war auch Earmela abgestürzt, aber die Zweige eines Baumes hatten sich in ihren Kleidern festgehakt, und die junge Frau vor einem furchtbaren Tode bewahrt. Es gelang ihr, fiel) zu befreien und den Fußpfad wieder ^u gewinnen. Jetzt aber begann bei ihr die Angst um ihren Gatten, den sie nicht mehr sah. Sie kam an den jähen Abhang, den Francesco hinuntergestürzt war, sah tief unten den Leich­nam des Geliebten liegen, und brach vor Grauen und Schrecken ohnmächtig zusammen. So fanden sie Hirten Hut vom Gestrüpp zerrissenen Gewändern. Wohl gelang ihnen die Unglückliche ins Leben zurückzurufen, aber Mr um die schreckliche Gewißheit zu haben, daß ihr das Entsetzen die Sinne verwirrt hatte.

Das todbringende Weib. Ein schreckliches Zatum heftete sich an den Besitz der bildschönen Spanierin Jfabel Eaporal, die jedem den Dod brachte, der es unter­nahm, sie als Gattin heimzuführen. Sie hatte als junges Mädchen ihre Heimatstadt Madrid verlassen, und war nach Acw Orleans ausgewandert. Ihre bezaubernde Schönheit lenkte die Augen der ganzen Männerwelt auf sich, und Sen Herren vom Theater schien sie es ganz besonders an- geihan zu haben. Einer von diesen, der Direktor einer dor- tipcn Bühne, verliebte sich auf das leidenschaftlichste in fie und Isabel schenkte ihm ihre Hand. Es wurde ein Hund für nur wenige Monate. Auf einer Tournee erkrankte Ski Tirektor am gelben Fieber und starb. Die junge Bitwe heiratete, um die Geschäfte des Theaters weiter führen zu können, den ersten Liebhaber der Truppe, der Don Geburt ihr Landsmann war. Sie verlor ihren zweiten (ktten schon am Hochzeitsabend. Im Hotel, wo sie wohnten, tourte er in eine Schlägerei verwickelt, die er zu schlichten rasnchte, und erstochen. Isabel versuchte nun ihr Eheglück mit dem ersten Charakterspieler derselben Truppe. Er war Lei Abstammung nach Mexikaner. Aus feinem Heimatland hatte er entweichen müssen, weil er mit den Gesetzen in -Konflikt geraten war. Während seiner Flitterwochen wurde er von der Polizei ausfindig gemacht und verhaftet. Er sprang, um seinen Häschern zu entfliehen, aus dem Eisen­bahnzuge, der ihn davonführte, und wurde von den Rädern

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rischer Feldwebel, eine Granate hatte ihn entzweigerissen, er ist noch nicht tot, hält seinen Degen noch krampfhaft in der Hand, er will noch Befehle murmeln. Ta stürzt ein Soldat meines Bataillons zurück, ein Schuß durch den Hals, hinten hängt ihm ein Stück Stoff aus der Wunde, er schreit:Ich bin tot! ich bin tot!" Ich tröste ihn:Du bist ja gar net tot"; er sagt:Ich bin aber doch tot", fällt hin und ftirbt. Ta rechts führen fie einen Leutnant

Unübertroffen zur Haut- u. Schönheitspflege.

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Jeder Familienvater sollte daraus sehen, daß seine Frau und Töchter im Interesse ihre? Gesundheit nur Mieder oder Vorsets mit

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Humoristisches.

Sftrttd» Frau: Ich möchte mich gern erkundigen, Herr SanitätLrat, was fehlt meinem Mann eigentlich? Arzt: Ja, liebe Frau, da muß ich Sie auf das schlimmste vorbereiten. Bei Ihrem Mann sind Symptome aufgetreten, die auf sehr bösartiges Leiden schließen lasten. Frau: O Gott, Symptome hat er schont! WaS sind denn das, Symptome? Arzt: Ich meine die sichtbaren Anzeichen, an denen wir Aerzte das Leiden erkennen. Bei Ihrem Mann zeigen sich rote, grüne, gelbe Flecken an den Händen, das ist außerordentlich beunruhigend. Frau: Aber die Flecken hat er doch immer gehabt, er ist doch ein Färber! Arzt: So? ein Färber ist er! Na, da kann er von Glück sagen!

C diese Einjährigen! Kohn: Herr Wachtmeister, ich bitte um Urlaub. Wachtmeister: Na, was wollen Sie denn schon wieder. Kohn: Immatrikulation, Herr Wachtmeister! Wachtmeister: Immer diese verdammten jüdischen Feiertage!

«asernenhofblüthen. Unteroffizier (zum Einjährigen, der Referendar ist und beim Klimmziehen die Beine stark bewegt):Sagen Sie mal, Herr Doktor, Sie halten wohl mit den Beinen 'ne Ber- teidigungSrede. ,.

Ein Schlaumeier. Für einen Kuß von Ihnen, Fräulem Luise, da gebe ich--zwölf dagegen.

Theater, Karrst und Wissenschaft.

(Blatt*. Hermann Sudermanns neue« Schauspiel Glück" (ursprünglich war da« Stück nach dem Namm der weiblich« HauptpersonMariane" betitelt) wirb demnächst im Berliner Lessing- Theater und im Münchmer Hosthearer an einem und demselbm Tage erstmalig in Szene gehen.

meiner Kompagnie zurück, er ist bereits zweimal verwundet am Arm und Hand, daß er seinen Säbel zwischen den Zühnerr trug, ein dritter Schuß durch den linken Ober­schenkel machte ihn kampfunfähig. Ta schlägt ein Tam­bour die Trommel, ein blutjunges Bürschchen, kaum 14 Jahre alt. Er hat sich nach rückwärts gedreht und plötzlich wankt er.Mir ham's hinten eini gesck>'n", sagt er. Einer fragt ihn:Js hef reingangen?" Er sagt:I hob net eini glangt", fällt um, ein Blutsturz aus dem Munde, er verdreht das Auge und stirbt.

* Ein Brief von General Cr-onje. Ter Direktor der Wild-Südafrika-Schau, die augenblicklich in Wien ihre Vorstellungen giebt, Mr. William Caspar, hat den dortigen

zermalmt. Isabel war zum dritten Mal Witwe. Sie gab nun das Theater auf. Ein amerikanischer Offizier machte ! ihre Bekanntschaft und führte fie zum Altar. Sein Regi­ment zog in den Kampf gegen einen aufrührerischen In­dianer stamm, und erfiel in der ersten Schlacht. Isabel verlor den Mut nicht zu neuer Ehe, diesmal mit einem . Holzhändler. Ter Arme geriet kurz nach der Hochzeit in seinem Holzhof unter einen Haufen stürzender Bretter und wurde erschlagen. Seine Witwe nahm einen sechsten Mann, den Kapitän eines Mississippidampsers, und verlor ihn auf der ersten Fahrt, stromaufwärts: er stürzte von der Kommandobrücke und ertrank. Man hätte nun glauben sollen, die Männer wären kopfscheu geworden, und der' gefährlichen Witwe aus dem Wege gegangen, oder Isabel selbst hätte das Heiraten satt bekommen; weit gefehlt! Ein Großkaufmann hatte den Mut, Isabels siebenter zu werden. Gleich nach der Hochzeit schlugen ihm Spekula­tionen fehl, und er erhängte sich in seinem Kontor. Isabels achter Mann war ein Hcttelwirt. Als er mit feiner Neuver­mählten in den Fahrstuhl steigen wollte, war dieser bereits nach oben gegangen, und Isabels Gatte stürzte in den Schacht hinab. Trotzdem fand sich ein neunter Bewerber um die Hand der todbringenden Frau. Er war Redakteur einer deutschen Zeitung in New Orleans. Er wurde aber seiner kaum Angetrauten ungetreu und verliebte sich in eine reizende Landsmännin, eine Soubrette am dortigen Deutschen Theater. Hierüber geriet er mit dem Direktor dieses Theaters, der ebenfalls um die Soubrette sich be- warb, in Konflikt. Ein Duell war die Folge, und der ga­lante Redakteur erhielt eine Kugel in die Brust. So war und blieb die schöne Isabel das todbringende Weib.

* Eine wahre Perle von Dienstmädchen ist Tora P. in Hamburg. Sie sandte einer Dame, die durch ein Inserat ein Mädchen suchte, folgendes Schreiben zu: Frau.... Wollgeboren Sie zuchen ein Mädchen. Ehe ich mich aber die Stelle an nehme, muß ich wissen, ob ich auch nicht zu vill zu tuhn happ. Und op Sie auch nich zu vielt Kinderr haben bei meine chetzige Herrschaft kommt sich jedes Jarr eins an, daß happ ich nich gerne. Und arbeite gnätige Frau auch mit oder muß ich alls all leine machen. Und Wäsche waschen, wasch ich! mich auch nicht gern, daß tuhn sich ja auch alle befern Herrschaften auß dem Hauß. Und happ ich auch sonntaks immer Ausgank und kann sich mein Breitikam mich bezuchen. Er ißt sicht ein gans ordentlick)er Mann und Beamter hier bei der Straßenreinig- unk. Und wivill Talerr Lohn gippt knädige Frau mich und auch waß zu Weinachten. Auff meine Zeuchnisse geb ich mich nichts. Wenn knädige Frau mich nicht kann schreiben, kann knädige Frau mich ja bezuchen kommen. Es grüßt Sie bestens Tora P. . . NB. Entschuldigen knädige Frau bitte die Vettfleckens. Dora." Die Dienstboten-Plage ist übrigens keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Selbst Altmeister Goethe hat schon seine Hebe Not mit den Dienstboten gehabt. Ein intelligenter Beleg dafür findet sich in den Goethe-Briefen. Im März 1811 sah sich unser Dichterfürst genötigt, seine Köchin zu entlassen.. Er nahm es gewissenhaft mit der polizeilichen Ermahnung, daß man über abgehende Dienstboten die volle Wahrheit in ihr Zeugnis hineinschreiben solle, und so schrieb er:Charlotte Hoyer hat zwei Jahre in meinem Hause gedient. Für eine Köchin kann sie gelten, und ist zu Zeiten folgsam, höflich, sogar einschmeichelnd. Allein durch die Ungleichheit ihres Betragens hat sich sich zuletzt ganz unerträglich gemacht. Gewöhnlich beliebt es ihr, nur nach eigenem Willen zu handeln und zu kochen; sie zeigt sich widerspensfig, zu­dringlich, grob und sucht Diejenigen, die ihr zu befehlen haben, auf alle Weise zu ermüden. Unruhig und tückisch verhetzt fie ihre Mitdienenden und macht ihnen, wenn sie nicht mit ihr halten, das Leben sauer. Außer anderen verwandten Untugenden hat sie noch die, daß sie an. den Thür en Horcht" .... Charlotte Hoyer hatte keine Ahnung, welchen Preis ihr von Goethe gezeichnetes Cha­rakterbild als Autogramm später haben würde, sonst hätte sie es nicht auf der berühmten klassischen Treppe in hundert Fetzen zerrissen. Goethe schickte die Beweise dieser neuen Frechheit der Polizei zu, dereneinsichtsvolkem Er­messen" er dieAhndung einer solchen Verwegenheit" an­heimgab.

* Kostbare Toi letten. Die Königin-Mutter Mar­gherita von Italien hat, wie derMatin" erzählt, kürzlich ein ihr gehöriges Spitzentaschentuch, das über dreihundert Jahre alt ist, schätzen lassen. Ter Sachverständige erklärte, daß es mindestens einen Wert von 50000 Lire hätte, uno er bot sich an, es sofort zu kaufen, falls die Königin es veräußern wollte. Dies ist jedoch nicht der höchste Preis, den eine weibliche Toilette oder ein Zubehörstück zur weib­lichen Toilette je gekostet hat. Im Jahre 1883 wurde in der Internationalen Fischerei-Aussttellung eine alte könig­liche Robe vom Sandwich-Archipel ausgestellt, die zuin großen Teil mit roten, schwarzen und gelben Federn, die einer heute auSgeJtorbenen Bogelart angehörten, geschmückt waren. Heber anderthalb Jahrhundert hatte man gebraucht, die 'fiötige Zahl zusammenzubringen, da jeder Vogel nur drei oder vier Federn lieferte. Ein Liebhaber erwarb diese Robe für 100000 Pfd. St. (2 Mill. Mk.) Sonst findet man im allgemeinen in Indien die kostbarsten Toiletten; die Festtoiletten der Jndierinnen in dem Gebiet von Cheyenne werden auf 8000 Mark durchschnittlich geschätzt.

*Jm Passage-Panoptikum ist ein merkwürdiges Schaustück ausgestellt, ein Panorama, das, aus vielen Tau­senden plastischen Bleisoldaten zusammengesetzt, die Schlacht bei Wörth 'darstellt. Jede Figur ist individuell gestaltet und in ihrer Art ein kleines Kunstwerk; die Gruppierung und Anordnung des Ganzen ist ebenfalls durchaus künst­lerisch. Besoiiders interreffant wird das Panorama noch dadurch, daß der Verferfiger, Architekt Sommer aus Mün­chen, der Jahrzehnte an der Herstellung des Schaustücks gearbeitet hat, selber an der Schlacht teilnahm und in einer Erklärung feiner Ergebnisse zum Besten giebt. Die Ba­jonette, so erzählt Sommer, waren aufgepflanzt und hin­aus ging's sprungweise, teils auf den Vieren aufwärts tletternö, bann wieder einer dem andern helfend. Die schrecklichen Verwundungen, die ich hier schon zu sehen bekam, spotten jeder Beschreibung; heute, nach gerade 31 Jahren noch, wird einem kalt von oben bis unten bei Vergegenwärtigung meiner Erlebnisse. Da wollte ein Ka­merad, den ein Granatensplitter den Fuß beim Knöchel abgerissen, immer wieder versuchen aufzustehen und weiter­zulaufen, bis er endlich zur Erkenntnis kam, daß dies unmöglich wäre. Tort lehnt ein Hornist, eine Chassepot­kugel hat ihm die beiden Augen herausgerissen; schrecklich der Aermste weiß es noch nicht und fragt, voa% ihm eigentlich passiert sei. Jetzt kommt mir meinPutzer" ent­gegen, totenbleich auf sein Gewehr gestützt, ich sehe das Entsetzliche nicht sofort, eine Chassepotkugel war ihm durch die Patronentasche geflogen, hatte die Patronen entzündet und ihm den Unterleib vollständig zerrissen. Der Aermste will von mir Abschied nehmen, die linke Hand nur

Blättern die wortgetreue Uebersetzung eines holländisch ge­schriebenen Briefes zur Verfügung gestellt, den der auf St. Helena in englischer Kriegsgefangenschaft befindliche General Cronjc an den Kommandanten der gegenwärtig in Wien befindlichen Burentruppe, den greifen I. Thor- burn aus Swaziland gerichtet hat. Ter aus St. Helena vom 3. Mai datierte Bries lautet:

Verehrter Freund!

Ihr angenehmes, uns sehr willkommenes Schreiben vom 3. April d. I. habe ich bei gutem Befinden empfangen. Ich danke Ihnen für die Teilnahme, die Sie mir bewiesen haben, ich bin froh, Ihnen mitteilen zu können, daß meine Frau sich heut viel besser befindet, und ich hoffe, daß sie sehr bald wieder hergestellt sein wird. Ich kann mich Ihrer ganz genau erinnern, nicht nur von Ihrem letzten Besuche in Pretoria her, sondern auch von der Farm Tweelings-Fontein im Schoonspruit. Gewiß hat sich sehr vieles ereignet, was man nicht erwartet hat. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, daß Ihnen nach Transvaal sehr bange ist; auch ich selbst sehne mich zurück nach unserer geliebten Heimat und unseren Mitbrüdem. Betreffend Ihrer Anfrage, ob wir nach Transvaal zurückkehren werden unter ähnlichen Umständen, wie fie früher waren, kann ich Ihnen keine Antwort geben, und ich denke, daß es auch besser ist, darüber uns keine Sorge zu machen, sondern die Zu­kunft in die Hand des Herrn zu geben und ihm zu ver­trauen, daß er alles so lenkt, wie es für uns das beste sein wird. Wenn man auf Gott vertraut, kann man auch ruhig und zuversichtlich! bleiben. Was Ihre weiteren Be- merningen betrifft von den Fehlern, die in der Süd­afrikanischen Republik vor dem Kriege gemacht wurden, so glaube ich, daß es heute nicht Zeit ist, darauf ein^u geben, da ich bezweifle, daß sonst der Herr Zensor den Brief durchlassen wird, wenn ich meine Meinung frei auseinander­setze. Genug davon. Geschehenes kann man nicht ändern. Ich hoffe, daß Sie mir bald antworten werden, und daß dieser Brief Sie in guter Gesundheit antrifft. Empfangen &ie die besten Grüße meiner Frau und seien Sie auch herzlichst gegrüßt und Gott besohlen von Ihrem ergebenen

P. Cr. Cronje, General.

P. S. Danke auch für Ihr freundliches Angebot, für mich etwas zu thun, Tabak und speziell Schnupf­tabak mir zu schicken. Das sind Artikel, die man hier sehr selten bekommt, und wenn Sie mir davon etwas senden, werde ich es mit großem Tanke annehmen."

entgegenstreckend bricht er zusammen und stirbt den Heb- bentoo. Ich konnte eine Ttyräne nicht unterdrücken; er war ein braver Soldat. Da liegt ein ganz junger preu-