Ausgabe 
3.9.1901 Erstes Blatt
 
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eifrig thätig, Rebellen mit Freiheitsstrafen oder Verlustder politischen Rechte zu belegen, aber auch das hindert mcht, daß die Buren das Kapland mit Hilfe seiner Bewohner beunruhigen- Im ganzen sollen noch 14 000 Buren kampsen, denen sich 10000 Kapburen an geschlossen haben sollen.

Vor anderthalb Monaten ovurde die Nachricht von dem Ausstande der Stahlarbeiter in den Verein ig- ten Staaten Nordamerika sin der Erwartung aus­genommen, daßj man einem der größten Arbeiter kämpfe der Weltgeschichte entgegensetze. Es stand die Organisation der Arbeiter in Frage, der gegenüber die vereinigten Stahl; fabrikanten sich ablehnend verhielten. Letztere sollten nun durch den Ausstand zur Anerkennung des völligen Zu­sammenschlusses der Arbeiter gezwungen werden. Mangelnde Unterstützung durch andere Organisationen einerseits, die Macht des Syndikats anderseits haben zur Folge gehabt, daß der Ausstand scheiterte.

In dem Kriege zwischen Venezuela und Co­lumbia sieht man immer noch nicht recht klar, da der Nachrichtendienst von Mittelamerika recht mangelhaft ist und dazmoc ffenbar von interessierter Seite beeinflußt wird, sei es durch Hemmung, Verstümmelung oder Färbung. Wäh­rend es anfangs schien, als gehe es Columbia schlecht, da der Präsident Castro von Venezuela eine große Heeres- macht ausgesandt haben sollte, um die liberalen Revo­lutionäre in Columbia zu unterstützen, wurde später be­richtet, daß die Regierung des letzteren Staates den Auf­stand erfolgreich bekämpfe. Auch wurde die anfängliche Nachricht widerrufen, wonach sich auch Ecuador den Feinden der columbischen Regierung angeschbossen haben sollte. Selbst in Washington thut man so, als habe man kein klares Bild der Lage. Tiefe Haltung dürfte also bei den von der Regierung Mac Kinleys allüberallhin gesponnenen Fäden wenig aufrichtig sein.

Zur Frage der Regelung der Kinderarbeit.

Im Hinblick darauf, dag Bundesrat und Reichstag binnen kurzem in die Lage kommen werden, sich mit der Frage der anderweitigen Regelung der Kinder­arbeit zu beschäftigen, ist es nicht ohne Interesse, dar­auf zurückzugreifen, wie die internationale Ar­beiterschutzkonferenz im Jahre 1890 es versuchte, sich über die in Betracht kommenden Grundsätze zu einigen. Hinsichtlich der Regelung der Kinderarbeit in gewerblichen Anlagen entschied die mit der Regelung der Arbeit 12- bis 14jähriger Kinder betraute dritte Kommission von vorn­herein einstimmig,daß es wünschenswert sei, Kinder' beiderlei Geschlechts, die ein bestimmtes Alter noch nicht erreicht haben, von der Arbeit in gewerblichen? Anlagen auszuschließen." Diese Altersgrenze gelangte zunächst zur Beratung. Der Delegierte der Schweiz bean­tragte das Alter von 14 Jahren, was mit 13 gegen ß Stimmen (Oesterreich und Schweiz) abgelehnt wurde. Ein französischer Delegierter trat für seine Person diesem An­trag bei. Das Minimum von 13 Jahren wurde mit einer Mehrheit von 12 Stimmen gegen 2 (Oesterreich und Schweiz) und einer Stimmenthaltung (Dänemark) verworfen. Der deutsche Delegierte gab die Erklärung ab, daß er nicht für das Alter von 13 Jahren gestimmt habe, weil für ihn die Frage gegenstandslos fei, da die Bestimmungen des Schulgesetzes in Deutschland nicht gestatten, den obligato­rischen Elementarunterricht vor diesem Alter zu be­schließen. Er behalte sich vor, einen Zusatzantrag zu stellen über die Notwendigkeit, der Schulpflicht zu genügen, bevor die Ausnahme in eine Fabrik zulässig sei. Der Vorsitzende Jules Simon beantragte, das Minimum des Alters für die Beschäftigung in gewerblichen Anlagen auf das voll­endete zwölfte Jahr festzufetzen, da diese Altersgrenze im allgemeinen nicht ungünstig sein würde. Er konstatierte, daß die Verwendung von Kindern unter zwölf Jahren in England fortschreitend abnehme, besonders in der Textil­industrie. Aber nach dem dermaligen Stande der eng­lischen Gesetzgebung, die unter bestimmten Vorbehalten die Arbeit der Kinder von zehn bis zwölf Jahren zulasse, er­teile er sein zustimmendes Votum ad referendum. Der italienische Delegierte verlangte, daß das Alter für die Zulassung der Kinder in gewerblichen Anlagen nicht für alle Kinder dasselbe sein solle. Man müsse die Frühreife der südländischen Rassen, welche den klimatischen Ein­flüssen der geographischen Lage wie der Rasse selbst zu­zuschreiben sei, Rechnung tragen. Ueberdies befinde sich die italienische Großindustrie in ihren Anfängen; sie habe den hohen Grad der Entwickelung der Industrie der großen europäischen Produktionsländer noch nicht erreicht. Unter solchen Umständen könnte davon keine Rede sein, von Jta* lien eine ähnliche Gesetzgebung zu verlangen, wie sie anderwärts zum Schutze der Interessen der Kinder und jungen Leute bestehe.

Schließlich wurde das Alter von 1 2 J^ah r en als M i- n int u m des Alters der Zulassung in gewerblichen An­lagen allseitig angenommen. Die Ausnahme, welche dieses Minimum für südliche Länder auf 10 Jahre herabsetzt, begegnete zwei Stimmenthaltungen (Schweiz und Groß­britannien). Ein Zusatzantrag des deutschen Delegierten, daß es wünschenswert sei,daß die in gewerblichen Anlagen zugelassenen Kinder den Vorschriften über den Elementar­unterricht vorher Genüge geleistet haben", wurde vom schwedischen Delegierten unterstützt. Der großbritannische Delegierte war zwar nicht geegn das Prinzip des Antrags, erklärte aber, nicht für denselben stimmen zu können, da er der Meinung sei, daß eine derartige Bestimmung in einem Schulgesetz besser am Platze sei als in einem Fabrik­gesetz. Der deutsche Antrag wurde mit 11 gegen 2 Stim­men (Dänemark und Großbritannien) und zwei Enthalt­ungen (Belgien und Niederlande) angenommen.

Die dritte Kommission hatte weiterhin darüber zu beraten, welche Anträge sollen rücksichtlich! der Dauer des Arbeitstages und der Art der Beschäftigung der zur Arbeit in gewerblichen Anlagen zugelassenen Kinder vorgesehen werden? Der Antrag des deutschen Delegierten, welcher dahin ging, es sei wünschenswert, daß Kinder, welche das 14. Jahr noch nicht vollendet haben, weder nachts noch am Sonntag arbeiten dürfen, wurde unter folgenden Vorbehalten der Niederlande, Belgien und Luxemburgs an­genommen: Der niederländische Delegierte verlangte, daß es den Kindern, die einem Kultus an gehören, welcher nicht den Sonntag als Ruhetag feiert (z. B. der jüdische Kultus) gestattet fein möge, als wöchentlichen Ruhetag einen anderen, von ihrem Kultus mierfonnten Tag zu wählen. Der weitere Antrag der deutschen Delegierten: es fei wünschenswert, daß die effektive Arbeit der Kinder dieses Alters die Dauer von täglich sechs Stunden nicht überschreitet und durch eine Pause von mindestens einer halben Stunde unterbrochen wird, wurde von den englischen Delegierten angenommen, sie erklärten jedoch, daß sie unter den Wortensechs Stunden täglich nicht über­schreitet" eine durchschnittliche Zeitdauer der täglichen Arbeit von sechs Stunden verstehen. England behalte sich

außerdem vor, mit der Anwendung seines jetzigen Systems fortzufahren, dessen große Nützlichkeit die Erfahrung be­wiesen habe und das darin bestehe, Kinder in einem Alter von 13 vollen Jahren und darüber, welche die durch das englische Gesetz vorgeschriebene Schulprüfung bestanden haben, zu den Vorrechten zuzulassen, welche der Kat^orie der jugenlichen Arbeiter zuerkannt seien. Der österreichische Delegierte schloß sich dem Antrag ebenfalls an, weil in Oesterreich das Gesetz allen Kindern unter vollen 14 Jahren jede Arbeit in gewerblichen Anlagen verbietet und es ihm nunmehr vorteilhaft erscheine, daß die Arbeit der Kinder dieses Alters, da wo sie noch gestattet sei, so sehr wie möglich eingeschränkt werde. Der Antrag wurde mit 11 gegen 4 Stimmen (Belgien, Ungarn, Italien, Niederlande) angenommen. Der fernere Antrag des deutschen Delegier­ten, es sei wünschenswert, daß Kinder unter 14 Jahren von ungesunden oder gefährlichen Beschäftigungen ausge­schlossen oder mindestens nur unter gewissen schützenden Bedingungen dabei zugelassen werden, gelangte zur em* stimmigen Annahme. _ ________

Die Handelsgesellschaft in Nauheim*).

Einen Skandal, der einen überaus lehrreichen Beitrag zur modernen Gründungsgescbichte liefert, haben uns die letzten Wochen beschert. Es handelt fich wieder um eine Fabrik, die seit Jahren ihren Aktionären reichen Ertrag abwirst, und die jetzt plötzlich als ein innerlich ungesundes Unternehmen enthüllt ist. Allerdings: das Wortplötz­lich" paßt hier nicht ganz; denn fast schon ein Jahr lang munkelt man, daß es auf der Fabrik feuerfester und säure­fester Produkte zu Vallendar am Rheine nicht ganz geheuer sei. Als im Jahre 1896 die Aktien des Unternehmens durch die Berliner Handelsgesellschaft mit 70 Prozent Agio ein­geführt wurden, da freilich hielt man die Fabrik für hoch­fein, und das Publikum schlug sich förmlich um den Besitz. Die Handelsgesellschaft hat, wie sich jetzt herausstellt, die Einführung nur in Kommission genommen; sie hat aber an ihrem Pflegekinde gehandelt wie an einem eigenen. Mit liebevoller Vorsicht hatte sie dafür gesorgt, daß nicht zuviel Material auf den Markt gelange und mit seiner Fülle den Kurs drücke. Ein großer Teil der Aktien wurde zunächst durch Sperrung vom Verkauf ausgeschlossen; und die Aktien stiegen denn auch bis nahe an 270. Die Ge­sellschaft, die sich namentlich mit der Herstellung von Flaschen zu chemischem Gebrauch, von keramischen Erzeug­nissen, Glaswaren und allen möglichen feuerfesten Anlagen beschäftigt, hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens, von 1891 an also, bis zum Jahre 1900 ihr Kapital von' 1 Million auf 6 Millionen erhöht, und außerdem eine Schuldenlast von 4 Mill. Mark gehäuft. Dazu gehören allerdings 2 Mill, noch nicht begebener Obligationen, die aber sicher wieder­um schon durch Bankierkredite ausgeglichen sind.

Der Gründer und geistige Leiter des Unternehmens ist das Haupt der Familie Boeing, Herr L. O. Boeing. Man weiß nicht recht, ob man es da mit einem Schwindler nie­derster Sorte zu thun hatte oder ob Herr Boeing mehr das Interesse des Pathologen beanspruchen darf. In der Frech­heit seines Gebahrens erinnert er an Terlinden. Während aber Terlindens Geschäft wenigstens früher als ein einwand­frei gutes galt, und dem Inhaber der Firma einen vor­züglichen Ruf schaffen konnte, den er dann erst als Basis seiner Schwindeleien benutzte, waren Boeings Unternehm­ungen von Anfang an Gegenstand des Mißtrauens solcher Leute, die sich nicht von schönen Worten und glatten Redensarten blenden ließen. Da besonders, wo man die Vergangenheit der Familie Boeing genauer kannte, entstand ein allgemeines Schütteln des Kopfes. Trotzdem verstand es der Generaldirektor lange, sich in anderen Sphären den Ruf eines genialen Geschäftsmannes zu erwerben und zu erhalten. Eine gewisse Genialität gehörte allerdings dazu, die Schwindeleien so fein einzufädeln und durchzuführen, wie es Herr Boeing that. In großartiger Unparteilichkeit scheint er nicht nur fremde Leute betrogen, sondern auch in der eigenen Familie als ein Autokrat geherrscht zu haben, der nach, seinem betrügerischen Willen die Geschicke der Heben Verwandtschaft lenkte. Schon die Gründung der Gesellschaft war eine sogenannte Familiengründung. Jedem Familienmitglied wurde dabei eine gewisse Rolle zugeteilt. Mit der Zuweisung der Abfindungssummen an die ein­zelnen Mitglieder scheint es der Generaldirektor aber nicht sehr eilig gehabt zu haben. Die Gesellschaft wuchs und gedieh zunächst wundervoll. Doch wie sich später heraus­stellte, trug zu dem jungen Glück des Unternehmens wesent­lich der Umstand bei, daß die Gesellschaft neben der Pro­duktion der Fertigfabrikate auch gewisse dazu nötige Roh­materialien, Thonerde und Aehnliches, herstellte. Dadurch wrude es möglich, diese für den eigenen Verbrauch bestimm­ten Materialien zu besonders hohen Preisen anzurechnen. Und dieser seien wir höflich und sagen: eigenartigen Kalkulation verdankte das Unternehmen sein glänzendes Aussehen. Eines schönen Tages nun erfuhr man, daß die Bilanzen seit Jahren gefälscht waren, und daß Herr Boeing sich längst schon auf die Entdeckung seiner Misse- thaten und der ihnen folgenden Verschleierungen vorbereitet hatte. Er wurde verhaftet, aus der Haft entlassen, und wieder verhaftet. Bei einer seiner Vernehmungen tarn dann heraus, daß er, vielleicht, um sich vor Regreß­ansprüchen zu schützen, als Mieter bei seinen Geschwistern in einer Villa wohnte, die er selbst ihnen vermietet hatte.

Auch nach der Verhaftung Boeings war es noch keines­wegs möglich, für die Aktionäre reinen Tisch zu machen. Wie wir es in der letzten Zeit ja so oft erlebten, hatten näm­lich auch in Nauheim die Schwindler die Aktienmajorität und noch in der vorletzten Generalversammlung konnte Herr Boeing wagen, in den neu zu wählenden Aufsichtsrat seine Kreaturen 'einzuschmuggeln. Als vor wenigen Wochen zum letzten Male die Aktionäre zusammentraten, was Das nun nicht mehr möglich; aber Boeings Einfluß war doch noch immer so groß, daß ein einheitlicher Beschluß der Versammlung vereitelt wurde. Auf der letzten General­versammlung erschien Herr Boeing unter polizeilicher Be­deckung und hielt in unnachahmlichem Cynismus Stunden lang phrasenhafte Reden, in denen er allen möglichen und unmöglichen Momenten und Persönlichkeiten die Schuld an dem Verfall seines Unternehmens zuzuschieben ver­suchte.

* Aus derZ u k u n f t", Verlag der Zukunft in Berlin, Friedrichstraße 10.

Aus Stadt und Land.

-Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 31. August 1901.

* Jubiläum. DasGewerbebl. f. d. G. H." enthält folgenden Aofruuf: Am 1. Dezember find es 25 Jahre, daß

die Großh. Landes-Baugewerkschule gegründet wurde. Dieser Tag soll in einfacher und würdiger Weise gefeiert werden (Festaktus, Schülerarbeiten-Ausstellung und Festessen). In der Annahme, daß gewiß niete frühere Schüler der An­stalt diesen Festtag gern mit ihren Lehrern und Mitschülern an dem Ort, an dem sie dereinst ihre Ausbildung erhalten haben, verbringen wollen, fordern wir dieselben hierdurch auf, ihre genaue Adresse baldgefälligst an die unterzeichnete Direktion, Neckarstraße 3, einzusenden, damit ihnen demnächst näheres mitgeteilt werden kann. Darmstadt, 28. Aug. 1901- Die Direktion der Großh. Landes-Baugcwerffchule: Hermann Müller.

* Monats - Bericht der Arbeiter-Kolonie Reu - Mrichsteiv. Ende August befanden sich auf der Kolonie stellen- resp. arbeitslos 40 Mann und zwar: 1. nach der Geburt: aus dem Großherzogtum Heffen 4, Regierungsbezirk Kassel 1, aus Wiesbaden 4, aus der Provinz Berlin 2, aus Hannover 1, Ostpreußen 1, Posen 1, Rheinland 6, Sachsen 1, Schlesien 4, Westfalen 1, Bayern 4, aus dem Königreich Sachsen 2, aus Württemberg 1, Braunschweig 1, aus den Thüring. Staaten 1, aus Elsaß-Lothringen 1, Afrika 1, Oesterreich 1, Luxemburg 1, aus der Schweiz 1; 2. nach dem Gewerbe: Arbeiter 12, Bautechniker 1, Buchbinder 2, Buchdrucker 1, Former 1, Gärtner 1, Hausbursche 1, Glasmacher 1, Gerber 1, Klempner 1, Kesselschmied 1, Kaufmann 2, Knopsmacher 1, Lithograph 1, Schlosser 3, Schneider 1, Schreiber 1, Schreiner 1, Schriftsetzer 1, Schuster 1, Spinner 1, Tape­zierer 1, Tüncher 1, Weber 1, Zimmermann 1. Seit dem Bestehen wurden ausgenommen 3996, entlassen 3956, der Bestand am 1. August betrug 36, dazu kamen im August 16, während 12 weggingen. Auf Veranlassung der Kolonie wurde 1, auf eigenen Wunsch 11 entlassen. Die Kolonie verpflegte an 1167 Tagen und arbeitete 10387g Tage.

Offenbach, 1. Sept, lieber die Explosion in der Fa­brik photochemischer Produkte von Dr.-G. Krebs, von der wir bereits in unserer Sonntagsnummer unter den letzten Nachrichten berichteten, bringt dieOffenb. Ztg." folgende Einzelheiten: Gegen 7,9 Uhr ertönte ein dumpfer Knall aus dem über dem Laboratorium im Hintergebäude -befindlichen Holzschuppen, und bald darauf schlugen oben bläulich-weiße Flammen heraus. Bald folgte eine weitere, in der ganzen Stadt hörbare, kanonenschußähnliche Detonation, und im selben Augenblicke flog der Schuppen in die Luft. Durch den starken Luftdruck wurden fast sämtliche Fensterscheiben in der Nachbarschaft, so auch in der Gummifabrik Wundt, ein­gedrückt. Starke, zum Teil über zwei Meter lange brennende Balken und Holzstücke sausten in den Garten des Nachbar­grundstückes, durchschlugen teilweise die Fenster und setzten wieder andere Gegenstände, Betten usw., in Brand. In der Krebs'schen Fabrik griff das Feuer, da zunächst Wasiermangel herrschte, weiter um sich, zerstörte das zu ebener Erde liegende Laboratorium und richtete auch in den Nebenräumen große Verwüstungen an. Durch herumfliegende Glassplitter kamen einige, zum Glück leichtere, Verletzungen vor. Das vier Monate alte Kind der Arbeiterin Fenchel, das in einem Nach­barhause im Bett lag, wurde durch die hereindringenden brennenden Holzstücke und Glassplitter erheblich verletzt und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Ein anderer kleiner Knabe, der 3jährige Sohn des Drehers Knöchel, erlitt durch herüberfliegende brennende Chemikalien Beschädigungen seiner Kleidung, blieb aber, abgesehen von kleinen Brandflecken, un­versehrt. Die Feuerwehr erschien nach kurzer Zeit und löschte durch energisches Eingreifen den Brand verhältnismäßig sehr schnell, sodaß um 7^0 Uhr schon jede weitere Gefahr be­seitigt war. lieber die Entstehungsursache verlautet, daß zu­nächst Chemikalien in Brand gerieten. Das Feuer hat sich dann wohl anderen, leicht brennbaren Substanzen, Blitzpulver, Kollodium usw., mitgeteilt, wodurch die Explosion her­vorgerufen wurde. Der Materialschaden ist ziemlich be­deutend.

Darmstadt, 31. Aug. Der Großherzog fuhr heute früh direkt von Wolfsgarten zur Jagd in den Kranichstemer Park. Von da fuhr er in das Residenzschloß, erteilte daselbst Audienzen und nahm Vorttäge entgegen. Großfürst Cyrill von Rußland traf gestern auf Jagdschloß Wolfs- garten zum Besuche des Großherzogspaares ein. Die Bürgermeisterei hat an das Ministerium wegen A u f t) e b u n g der Sonntagsfahrkarten durch die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschast eine eingehende motivierte Beschwerde­schrift abgehen lassen mit dem Ersuchen, an maßgebender Stelle dafür einzutreten, daß der gefaßte Beschluß nicht zur Ausführung komme.

f Frankfurt a. M., 31. Aug. Wie wir erfahren, tritt der Regierungspräsident in Wiesbaden dem Preis­richterkollegium der Ausstellung für Unfall-Schutz- und -Ver­hütung, Sanitäts- und Rettungswesen, die vom 5. bis 21. Oktober hier stattfindet, als Staatskommiffar bei.

Kassel, 31. Aug. Die Prinzessin Marie von Hohen- lohe-Oehringen ist hier in feierlicher Form zum Pro­testantismus übergetreten. -

Vermischtes.

* Petersburg, 30. Aug. Wie derHerold" mitteilt, wies der deutsche Kaiser auf die Meldung von dem Brandunglück in dem an der preußischen Grenze in dec Nähe von Rominten liegenden Städtchen Wystiten die Be­hörden von Rominten sofort an, die Abgebrannten mit Kleider und Proviant zu unterstützen, sodaß für die nächsten Tage die größte Not abgewandt ist. Wie das Blatt erfährt, rief dieser Akt spontaner Hilfeleistung des deutschen Kaisers in den maßgebenden russischen Kreisen warme Dankbarkeit und An- erf'ennung hervor.

* Graz, 29. August. Es kommt nicht selten vor, daß! unser Seelenleben durch das plötzliche Auftauchen von Katastrophen sein Gleichgewicht verliert und Leben und Gesundheit in Gefahr gebracht werden. Daß ähnliche Erscheinungen auch in der Tierwelt auftreten, dürft« nur wenigen bekannt sein. An einem Nachmittage wollte die Frau des Torfschullehrers in Mitterdorf bei St. Rup* recht a. dl. Naab zwei Hähnchen schlachten und begab sich in Begleitung ihres Dienstmädchens in den Hühnerhof,, um an Ort und Stelle die Schlachtung auszuführen. AlH das erste Hühnchen verblutet hatte, wurde es' in ein da* nebenstehendes leeres Schaff gelegt und zur Schlachtung des! zweiten geschritten. Indessen näherte sich dem Schaffe eine Henne und betrachtete aufmerksam das geschlachtete

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