Ausgabe 
3.5.1901 Zweites Blatt
 
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151, Jahrgang

Nr. 103 Zweites Blatt

Freitag 3. Mai 1901

2.

3.

Bekanntmachung

Maul- und den 8. Mai an die Be-

Ldreflk für Dkpesch««r Anzeiger Sietzen.

FkrnsprkchanschlußNr.Sst.

Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Per^ sonen zu den Terminen vorzuladen, und, wie geschehen unter Angabe der Namen der Borgeladenen anzuzeigen, oder zu berichten, daß niemand vorzuladeu war.

Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.

v. Bechtold.

Weiteres über eine erledigte Sache zu reden. Wenigstens wird dadurch das Verfahren abgekürzt. Trotzdem werden im Plenum des Abgeordnetenhauses nochmals die Geister aufeinanderplatzen. Es hat sicy auf beiden Seiten, auf kanal- freundlicher und kanalgegnerischer Seite, viel Zündstoff ge­sammelt; für polemischeAbrechnungen" bietet die Kom­mission nicht das geeignete Feld. Man legt auch Wert auf die größereResonanz" durch die Anwesenheit der Presse aller Richtungen und des Tribünenpublikums. Nicht zuletzt haben die Vertreter der Regierung manches auf dem Herzen, ganz besonders diejenigen Minister, die den Besuch des Herrn v. Lucanus gewärtigen. Begreiflicherweise sind die Gemütsempfindungen dieser Herren denen gegen» über, denen sie den Verlust des Portefeuilles verdanken werden, keineswegs milde und wohlwollende. DieKöln. Ztg." nimmt als sicher an, daß bereits in den nächsten Tagen die Entschließungen der Regierunggegenüber der konservativ-ultramontanen Fronde" bekannt werden. Die BezeichnungFronde", angewendet in einem offiziösen Blatt auf Zentrum und Konservative, läßt ahnen, welche grimmige Stimmung im Regierungslager herrscht.

werden.

Wetzlar, den 27. April 1901.

Der Königliche Landrat.

3M Quantum bÜM.

ahe und gute Abfahrt. Auch nnen bltjelben an bie 8a* He geliefert werden. 1765 Andreas Euler.

Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Ge­meinden des Kreises Gießen Freitag den 17.Mai ds. IS., nachmittags 2'/t Uhr in dem Rathause zu Lich;

Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda ge­legenen Gemeinden des Kreises Gießen Dienstag den 21. Mai d. IS., nachmittags 3 Uhr, in dem Rathause zu Hungen;

Der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amtsgerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Mittwoch, den 22. Mai d. Js., vormittags 11 Uhr in dem RegierungSgebände (auf dem Brand) zu Gießen.

Der 1. Mai 1901 ist für den Sozialpolitiker von be­sonderer Bedeutung gewesen. Denn mit der Eröffnung des internationalen Arbeitsamtes, die in Basel erfolgte, sah er einen Gedanken sich verwirklichen, der seit einer langen Reihe von Jahren von ehrlichen Freunden der BolkSwohlfahrt eifrig gefördert wurde, und deffen endliche Erfüllung nicht ohne Einflnß auf die Entwickelung des internationalen ArbeitS schutzes bleiben kann. Der internationalen Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz gebührt auch daS Verdienst, am wirksamsten an der Begründung des Arbeitsamtes mitge­arbeitet zu haben. Die wiederholten Versuche, die auf An­regung deS Nationalrats vom schweizerischen Bundesrat bei den europäischen Regierungen wegen Schaffung eines inter­nationalen Amtes gemacht wurden, blieben ergebnislos und wurden mit dem Rundschreiben vom Jahre 1896 abgeschloffen. Damit war aber der Gedanke nicht endgiltig beseitigt. Er wurde hoffnungsvoll von den privaten Vereinigungm für Srbeiterschutz ausgenommen, und der Züricher Kongreß vom Jahre 1897 nahm einen Antrag des schweizerischen Politikers Theodor Curti an, der die Aufgaben eines internationalen Arbeitsamtes genau festlegte und dabei den von den englischen Vertretern auf der vom deutschen Kaiser im Jahre 1890 be­rufenen Konferenz erhobenen Einwand gegen einen ent sprechenden Antrag der schweizerischen Abgesandte«, daß uäm-

Euglärrder und Buren.

Kitchener meldet aus Pretoria vom 1. ds.: General Grenfell griff die Buren bei DergplatS nahe bei HolverS- berg an, wo der letztelange Tom" in Stellung gebracht war und auf eine Entfernung von 10000 Dards das Feuer eröffnete. Nachdem die Kitchener-Schützen auf 300 Dards herangekommen waren, wurde das Geschütz in dir Luft gesprengt. Die Buren zogen sich zurück. Zehn Gefangene wurden gemacht. Bon andern Abteilungen wird gemeldet: ES seien in verschiedenen Zusammenstößen gefallen 10 Buren, 6 verwundet, 10 gefangen genommen; 60 Buren hätten sich ergeben. 400000 Patronen und Gewehrmunition wurden erbeutet. Der Verlust der Engländer betrug 4 Tobte und 7 Verwundete.

Während der letzten 14 Tage sind von den Engländern große Anstrengungen gemacht worden, um den Cordon um die Burenstreitkräfte in den mittleren Gebieten der Kapkolonie zu ziehen. Dieselben umfaffen 180 Mann in Sneewberg unter ScheeperS, 40 Mann unter Malan, von diesen heißt eS, daß sie nach Norden abziehen. Ferner 60 Mann unter Swanepoel bei New-Bethsedee und einige Hundert unter Fouche bei ZunSberg. Wie es scheint, ist kaum zu zweifeln, dhß Kruizinger innerhalb einer Woche den Oranjefluß überschreiten werde. Major Crewe hatte vor einigen Tagen zwei Gefechte mit Fouche, bei der

Aus dem Reichstage schreibt unser parlamen­tarischer Mitarbeiter unterm 1. Mai:

Auch im Parlament ließ sich die Wirkung der Mai­feier konstatieren. Die sonst verhältnismäßig am besten besetzten Bänke der Sozialdemokraten wiesen erhebliche Lücken auf. Doch die Führer Bebel, Singer u. a. waren zur Stelle, wie denn auch die Herren von der äußersten Linken keinen Anstand nahmen, sich an der Debatte zu be­teiligen. Uebrigens hatte die geringe Präsenz auf dieser Seite auf die Gestaltung der Verhandlungen infoferne Einfluß, als vornehmlich, wenn nicht ausschließlich dadurch Abg. Richter (frf. Vp.) bei der dritten Lesung des Ge­setzes über das Urheber- und Verlagsrecht zu dem Vorschlag sich veranlaßt sah, die Entscheidung über den die Schutz­frist für Geisteserzeugnisse behandelnden Para- graplsen aus zu setzen. Es lag nämlich ein national­liberaler Antrag vor, entgegen dem Beschluß in zweiter Lesung diese Schutzfrist von 30 auf 50 Jahre zu verlängern. Bei der schwachen Besetzung der äußersten Linken mochte Richter die Annahme des Antrages befürchten. In dieser Frage gehen die Meinungen innerhalb fast jeder Fraktion auseinander; der Ricksterschc Vorschlag, die Entscheidung vor einer möglichst vollzähligen Versammlung herbeizu­führen, wrrrde deshalb acceptiert, und zwar, wie sich bei der .Abstimmung durch Gegenprobe herausstellte, mit be­trächtlicher Mehrheit.

Nacht mit hohem Glan,, ebne lutleben, trocknend, per 1 Kilo« 2,20,2,-, 1,50 5Jlt empfiehlt i &nU WM.

lich ein solches Amt in bie staatliche Souveränetät eingreife, vollauf berücksichtigte. Dies wurde auch auf dem Brüffeler Rongrefj anerkannt, der einen Ausschuß bestellte, dem die Aufgabe zufiel, die Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie man durch private Thäligkeit ein solches Amt ins Leben rufen könnte. Auf dem Arbeiterschutzkongreß, der während dec vorjährigen Pariser Weltausstellung stattfaud, wurde bann die internationale Bereinigung für gesetzlichen Arbeiter­schutz begründet, die sich als erste Aufgabe die Errichtung des internationalen Arbeitsamts fetzte, das sie heute nach ver­hältnismäßig kurzer Zeit unter Leitung des Professors Dr. Stephan Bauer eröffnen kann. Es wird seine Arbeit so einrichten, jdaß eS den Politikern und^Regierungen das wiffenschaftliche Rüstzeug liefern kann für die Fortsetzung ihrer Thäligkeit auf sozialpolitischem Gebiet. Möge eS dem neuen internationalen Amte gelingen, anregend und fördernd auf diese einzuwirken. DaS ist der Wunsch, mit dem alle aufrichtigen Freunde der Volkswohlfahrt feine Eröffnung begleiten.

Bekanntmachung.

Betr.: Vorträge über Obstbau.

Am Sonntag, dem 5. Mai beabsichtigen Herr Pro- feffor Reichelt anS Friedberg nachmittags 4 Uhr in Leih­gestern einen Bortrag überPflege junger Obstbäume" und Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg nachmittags 3 Uhr in Hausen bei Gießen einen Vortrag überSommerarbeiten an den Obstbäumen" zu halten.

Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder des Oberhesfischen ObstbauoereinS und sonstigen Freunde deS Obstbaues ist im Interesse der Sache erwünscht.

Gießen, den 30. April 1901.

Der Vorsitzende des BereinSbezirkS Gießen.

Feldbra»-.

Zur Verhütung der Verschleppung der Klauenseuche wird die Abhaltung des auf dss. Js. in Wetzlar anstehenden BiehmarkteS dmgungen geknüpft, welche durch meine, den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 des Kreisblattes von 1901 veröffentlicht worden find.

Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags.

Aus der Provinz Oberheffen des Großherzogtums Hessen Dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Politische Tagesschau.

Ter Kaiser hatte am Mittwoch eine Konferenz mit dem Reichskanzler. Taß der Kaiser zunächst allein mit dem Grafen Bülow sich ausspricht, nachdem der Graf bereits am Dienstag nach der Rückkehr des Herrschers durch eine Einladung zur Abendtafel ausge­zeichnet worden war, beweist am besten die Thorheit und die Haltlosigkeit gewisser Meldungen von einer Erschütter­ung der Position des Kanzlers. Bei diesen Meldungen mag allerdings der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein. Sehr wahrscheinlich wird die Konferenz der Kanalvorlage und der durch sie herbeigeführten Si­tuation gegolten haben. Es giebt zwar immer noch unver- besserliche Optimisten, die noch am Grabe des Mittel­landkanals die Hoffnung auspflanzen und mit geheim­nisvoller Miene erklären, es sei nicht aller Tage Abend, noch habe das Plenum des Abgeordnetenhauses über die Kanäle nicht entschieden. Aber Graf Bülow wird schwerlich zu diesen Politikern gehören, sondern sich mit der That- iache abgeftrnden haben, daß der Mittelland-Kanal wie der Dortmund-Rhein-Kanal verloren zu geben sind. Es ist charakteristisch, daß in der gestrigen Sitzung der Kanal- lvmmission überhaupt keine Spezialdiskussion mehr über den Mittelland-Kanal beliebt wurde; Freunde und Gegner stehen nunmehr auf dem Standpunkt, es lohne sich nicht.

BtjuqspreU DiertdjW. Ml. 2.20, menotl. 76 Ptz. mt< Brmgerlotzu; durch Ma AbhotcstkÜ<n tnertHtäNi Ml. 1.90, menatl. 66 Pyz,

Bei Postbezug viertelMat. Ml. 2.00 ohne vestellHttb.

Alle etoectc |tn:CenntttluHe*» stelle» bei und tluMnM xdnnen Mnjetacn für b«e »»ebener Anzeiger eittwae ZetlenpreiS total iS Wz, aulwärtb >0 Pfg.

Amtlicher Heil.

Gießen, den 1. Mai 1901.

Betr.: Die Ableistung des HnldigungS- und BerfaffnngS- EideS.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises mit Ausnahme derjenige« der Amtsgerichtsbezirke Grüuberg und Homberg.

Die Ableistung des HnldigungS- und Verfassungseides der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen llnterthanen, welche sich, ohne OrtSbürger zu werden, verheiratet haben, soll wie nachstehend angegeben, stattfinden:

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täglich mit Ötw-'.ettw bei MontagS.

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4- Auchaän,

Ter Diüten-Antrag ist gestern in der Reichs­tag s k o m m i f s i o n mit großer Mehrheit zur Annahme gelangt. Gegen den Antrag stimmten die Vertreter der konservativen und der reichsparteilichen Fraktion. Zwanzig Mark aus Reich^mitteln pro Tag während der Legislatur­periode, freie Fahrt auf den Eisenbahnen, solange der Reichstag versammelt ist, außerdem noch acht Tage vorher und acht Tage nachher ha welche Lust, Mitglied des Reichstags zu sein! Aber es wird noch eine gute Weile dauern, bevor dies Füllhorn ausgeschüttet wird. Im Bundesrat herrscht sehr wenig Meinung für solche Freundlichkeiten. Taß sie den Erfolg haben, einen besseren Besuch des Reichstags herzustellen, wird bezweifelt. Und wenn Graf Bülow persönlich auch den Standpunkt einnimmt, den Reichsboten die Entschädigung zugönnen", so wird man deswegen noch nicht erwarten können, daß er seine ganze Kraft für dies Ziel einlegt. Wenn die Beschlußunfähig­keit im Reichstag zu den regelmäßigen Erscheinungen gehört, so ist das ja am meisten zu bedauern vom Reichstag selbst, weil nichts mehr geeignet ist/ das Ansehen des Parla­ments bei der Bevölkerung herabzusetzen, als solche politische Interesselosigkeit und Pflichtversäumnis.

Uebrigens soll sich der K a i s e r g e g e n die Wünsche nach Diätenbewilligung der Reichsboten ausgesprochen haben.

Tie Lage in China.

Generalseldmarfchall Graf Waldersee meldet am 30. v. M. aus Peking: General v. Lessel und Flügeladjutant v. Boehn sind von der Expedition zurückgekehrt. Nack), Meldung des Generals gehörten die an der Mauer zwischen Heischankuan und Kukuan angetroffenen chinesischen Truppen zu den Provinzen Hvnan, Hupe, Hunan, Kuangsi und Schansi, und hätten 15 000 Mann betragen; sie wären in voller Auflösung nach der Provinz Schansi zurückgegangen und 8 Kilometer verfolgt, General Voyron hat auch aus der Gegend von Hien und Hokien die französischen Truppen zurückgezogen.

Nach einer Meldung desReuterschen Bureaus" be giebt sich General Voyron nach Tientsin und wird dort sein Hauptquartier errichten, um die Zurückziehung, der französischen Truppen zu überwachen, die gemäß dem Wunsche der fremden Gesandten, daß mit der teilweisen Reduktion der verbündeten Streit­kräfte unverzüglich begonnen werde, allmählich erfolgt Graf Waldersee hat den Gesandten die Ant­wort der Generale aus verschiedene Fragen militärischen Eharakters zugeftellt. Die Antwort stimmt im großen und ganzen den Ansichten der Gesandten zu. In Ueberein- stimmung mit der Forderung der letzteren, daß die Zahl der Truppen der einzelnen Nationalitäten, die in Tientsin und Schlanhaikwan verbleiben sollen, spezifiziert werde, schlagen die Generale vor, daß an den genannten Plätzen 300 Mann von jeder Macht zürückbehalten werden.

TieTimes" melden aus Peking vom 29. April: Die Arbeiten, die den Schutz des Gesandschafts- viertels bezwecken, schreiten schnell vorwärts. Die deutschen Kasernen sind fertiggestellt Eine sechs Fuß dicke mit Schießscharten versehene Mauer bildet die westliche Grenze der neuen amerikanischen Gesandtschaft und beherrscht den Haupteingang zum Kaiserpalast

Tas New-Yorker BlattThe Christian Herald" wandte sich telegraphisch an den Grafen Waldersee mit der Bitte um die Erlaubnis, LebensmittelnachSchansi sende», zu dürfen.

Ter aus den Gesandten Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und Japans gebildete Ausschuß wird am Mittwoch seinen Bericht über die Finanzlage in China mit Rücksichjt auf die Zahlung der Entschädigung vorlegen; der Betrag beläuft sich bereits auf 65 Millionen Pfund. Um dieselbe aufzubringen, wird China sich gezwungen sehen, eine Anleihe von mindestens 85000 000 L. (1 700000000. Mark) aufzunehmen, die zum Teil der Provinz Tschili, hauptsächlich aber den Provinzen des Südens und des Yangtsegebietes zur Last fallen wird.

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