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Abg. Dr. Paasche (natL) aus, dah es wünschenswert sei, die Besetzung der in Aussicht genommenen Stellen thun- lichst zu beschleunigen.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.) bringt Klagen »or über die Art der Ausführung des Gesetzes über die Patentanwälte und über Eigenmächtigkeiten der Prüf- »ngs-Kommiffion.
Staatssekretär Graf P o f a d o w s k y erwidert, daß im Uebergangsstadium manche Klagen begreiflich seien, doch sei die Prüfungskommission sehr nachsichtig zu Werke gegangen.
Das Kapitel „Reichsversicherungsamt" wird auf Antrag Spahn (Zentr.) der B u d g e t k o m m i s s i o n überwiesen; der Rest des Etats des Reichsamts des Innern wird ohne Debatte bewilligt.
Nächste Sitzung: Montag den 4. Februar, 1 Uhr. (Etats der Justiz, des Reichsschatzamts, der Reichsschuld, des Rechf- nun gs h o fes.)______
Politische Tagesschau.
In der Politik sind die Nerven ungemein empfindlich, unb es ist wohl verständlich, wenn man in Paris sowohl wie in Petersburg den Vorgängen in OSborne eine stark argwöhnische Aufmerksamkeit schenkt. Gibt doch ein offiziöses Blatt zu, daß in Frankreich die anfangs ohne Hintergedanken herrschende Rührung über die Pietät des Monarchen für seine Großmutter sich allmählich in „leisen Argwohn", dann aber zu „feindseligem Mißtrauen" umgewandelt hat. „Bon allen Seiten", so berichtet die „Post", „erschallen Mahnrufe an die französische Nation, sich von allen gefährlichen Wahn. Vorstellungen, die gewisie Schritte und Höflichkeiten des deutschen Kaisers in den Massen wachgerufen, loszureißen und aufs neue die Blicke nach Osten zu richten, aus dem ein drohendes Ungewitter im Anzug sei." Und weiter heißt es: „Man hat sich in Paris in einen Pessimismus hineingewütet, der recht bedenklich ist." Daß die Reden von der „Schwestermarine" und die Telegramme, die des Kaisers Ge- nugthuung darüber ausdrücken, einer derKameraden deSLordRoberts zu sein, auch in Deutschland beklommene Gefühle wachrufen, ist wohl verständlich. Kaiser Wilhelm ist britischer Feldmarschall geworden: das ist zweifellos für die Armee deS JnselreicheS eine hohe Ehrung. Aber ist sie für den Monarchen selbst eine gleichgeartete Ehrung? Wir müßen gestehen, daß weder Lord Roberts noch Sir Redvers Buller noch Kitchener in deutschen Landen sich jener Wert schätzung erfreuen, die eS erwünschte erscheinen läßt, mit ihnen in nähere Beziehungen zu treten. Die ganze deutsche Preße hat mit eisigem Schweigen die „Ehrung" unseres Kaisers ausgenommen, und selbst die Versicherung eines Londoner Blattes, daß der Monarch sich die „Gunst" der Engländer wiedererworben habe, hilft über gewiße fatale Empfindungen nicht hinweg.
Sitzung -er Stadtverordneten.
Gießen am 1. Februar 1901.
Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Ernrne- lius, Euler, Faber, Flett, Dr. Gutfleisch, Grüne wald, Hanau, Haubach, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib,
Löber, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schiele, Schmal! und Wallenfels.
Entschuldigt Beigeordneter Grüneberg, die Stadtoer ordneten Dr. Gassky und Heichelheim.
Zum ersten Gegenstände der Tagesordnung: Ankauf der „Margarethenhütte", macht Bürgermeister Mecum Vorlage über die Abbruchsarbeiten und die erstmalige In standsetzung einiger Gebäude und der Fuhrwerkswage. Vor den auf 3600 Mk. veranschlagten Kosten haben die Buderus scheu Eisenwerke lt. Vertrag 2500 Mk. zu ersetzen, sodaß auf die Stadt 1100 Mk. entfallen, die bewilligt werden.
Die für die Instandsetzung der ehemals Löwenstein scheu Besitzung in der Schloßgasse vorgesehenen 1300 Mk. reichen nicht aus. Es haben sich während der Fnstandsetzungsarbeiten verschiedene Mängel gezeigt, auch ist Die Ausführung sonstiger zweckdienlicher Arbeiten von dem Stadtbauamt vorgeschlagen worden. Die darnach weiter er- forderlichen Kosten im Betrage von 1200 Mk. werden zu Lasten des Stadterweiterungsfonds bewilligt.
Das vorjährige Jugendfest hat einen Fehlbetrag von 699 Mk. ergeben. Der im Vergleich zn den früheren Festen höhere Fehlbetrag ist veranlaßt durch das im Verlauf des Festes eingetretene Regenwetter; der Zuschuß wird bewilligt. — Stadtv. Hanau fragt an, ob das Jugendfest, eine alte Gießener Einrichtung, nicht alle Jahre stattfinden könne, und gibt ferner der Erwägung der Versammlung anheim, mit der Leitung des Festes die Turnvereine zu betrauen. — Bürge'meister Mecum macht auf einen früheren Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung aufmerksam, wonach das Fest alle zwei Jahre stattfinden soll, verspricht aber, die Frage einer Kommission vorzulegen.
Eduard Riemer hat um die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause An den Bahnhöfen 40 nachgesucht. Das Gesuch hat die Versammlung und den Kreisausschuß schon früher beschäftigt. Der Kreisausschuß hat das Gesuch infolge eingetretenec Veränderungen in den bei der Beschluß faßung zu berücksichtigenden Verhältnissen zur nochmaligen Begutachtung der Stadtverordneten-Bersammlung unterbreitet. Dieselbe sprach sich nach kurzer Beratung dahin aus, daß die Bedürfnisfrage für die Dauer des Bahnhofsumbaus zu bejahen sei.
Heber den Erlaß einer Polizeiverordnung, betr. das Befahren der zwischen den Häusern Nr. 9 und 27 der Westanlage abzweigenden Sackgasse, bezw. Einschränkung des Wagenverkehrs in derselben, soll in einer späteren Ver fammluna Beschluß gefaßt werden._________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, 2. Februar 1901.
Gedenket der hungernden Vögel!
** Personalnachricht. Am 31. v. Mts. wurde der Gr. Gerichtsassessor Heinrich Engel von hier mit der Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines HÜlfgerichtSschreibers bet Gr. Landgericht der Provinz Starkenburg, Kammer für Handelssachen, betraut.
•* Einer der nächtlichen Unfugtreiber, der in der Nestau ration M. an der Bahnhofstraße verschiedene Male Fenster zertrümmert hat, ist von der Polizei ermittelt worden.
•* Kunstverein. In der Gemälde Ausstellung im Turm- hauS am Brand findet kommende Woche ein g ößerer Wechsel her Gemälde statt. Darum wollen wir nochmals auf die gegenwärtige Ausstellung Hinweisen; der größte Teil der Gemälde gelangt zur Weitersendung.
** Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß d>e für Sonntag anaesetzte Aufführung des beliebten Schönthan'schen Schwanks „Der Raub der Sabinerinnen" in der Turnhalle stattfindet. Der Billetvorverkauf erfolgt bis 3 Uhr in Ernst Cballier's Musikalienhandlung, von 4 bis 6 Uhr im Theaterbureau.
** Oeffeutliche Lesehalle. Im Januar wurden 2284 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Illustrierte Zeitschriften 672, Erzählende Litteratur 865, Iugendschnfleu, Märchen, Sagen 364, Kulturgeschichte 26, Litteratur- geschichte 12, Länder- und Völkerkunde 51, Geschichte und Biographieeu 94, Naturwiffenschaft, Technologie 79, Kunstgeschichte 9, Seewesen 21, Gesundheüslehre 19, Philosophie 7, Staatswißenschaft 15, fremdsprachliche Litteratur 14, Verdichtungen 36 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 355, akademisch Gebildete 72, Kaufleute 178, Beamte 41, Unterbeamte 129, Techniker, Schriftsetzer 147, Diener, Ausläufer 52, Arbeiter, Tagelöhner 133, Lehrlinge, Gehilfen 336, Studenten 59, Rentner 16, zusammen 1518 Bände; au Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 274, Gewerbetreibende 157, Dienstmädchen, Lauffrauen 43, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 55, Beamtinnen 36, Pflegerinnen 22, junge Mädchen, Lehrmädchen 179, zusammen 766 Bände. Nachj auswärts kamen 148 Bände.
Gv- Gießener Bolksbad. Im Januar wurden verabreicht 5112 Bäder gegen 6325 im Dezember 1900 und 6588 im Januar 1900, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 176 Bäder gegen 264 im Dezember 1900 und 218 im Januar 1900; mithin 1476 Bäder weniger als im Januar 1900. — Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt!:
Schwimmbad 2745 Männer, darunter 357 zu 10 Pf., „ 317 Frauen, „ 77 „ 10 „
Wannenbäder 1. Klasse 169 Männer, 74 Frauen, „ 2. „ 471 „ 327 „
Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 158 Männer, 30 Frauen, Brausebäder zusammen 821. Die Personenwage wurde von 120 Personen benützt, daS Bad von 8 Personen besichtigt.
Darmstadt, 1. Febr. Wie die „N. H. Bbl." erfahren, hat der König!. Preußische Gesandte am hiesigen Hose, Prinz zu Hoheulohe-Oehring en, daS Palais auf der Rosenhöhe für jährlich 12 000 Mk. gemietet. Die Witwe des verstorbenen P'iuzen Wilhelm, Frau von Lichtenberg, bewohnte bisher das Palais. — Demselben Blatte zufolge haben die Darmstädter Kohlenhändler beschloßen, die Preise für Kohlen wesentlich zu ermäßigen. Diese Nachricht wird von allen mit Freuden begrüßt werden und die That mancher armen Familie zu Gute kommen.
Bekanntmachung.
Der Bedarf an Schreibmaie- rialien des unterzeichneten Distrikts pro EialSjahr 1^01/02 soll vergeben werden. Die Offerten sind unter U bersendung von Mustern nebst Preis.'.nqabe bis längstens der» 15. d. MtS. auf dem Geschäftszimmer (Brandplatz Nr. 7) dahier einzureichen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können.
Gießen, 1. Februar 1901.
Großh. Gendarmerie-Distrikt Oberhessen. 1029
Jagdverpachtung.
Dienstag den 5. Februar l. I, nachmittags 2 Uhr, soll auf unterzeichneter Bürgermeisterei die der Gemeinde Täublingen zustrhende Jagd, bestehend in 258,25 ha Feld, 78,89 ha Wald, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.
Daubringen, 26. Jan. 1901 Gr.BürgermttstereiDaubringen.
Walte r.___94 0
Jagd Verpachtung.
Donnerstag den 7. Februar l. IS., vormittags 11 Uhr, soll die der Gemeinde Rüddingrhausen zu- siehmde Wald- und Felojagd (550 Morgen Wald) auf dem Bureau der mtterzeichnelev Bürgermeisterei in zwei Ab- teilungen auf weitere 6 Jahre unter den vor der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Bedingungen verpachtet werden.
RüddingShauscn,
den 30. Januar 1901. AroßherzoMche Bürgermeisterei
Rüddtngshausen.
Braun. 1014
Jagdverpachtung.
Die Gemeinde WeiterShain verpachtet am 11. Februar d. I , nachmittags 2 Uhr, auf 6 Jahre ihre Jagd, ganz oder getrennt, bestehend aus etwa 500 Morgen Wald, und etwa 3000 Morgm Feldjagd.
WeiterShain, 22. Jan. IDOL Gr.Bürgermeisterei WeiterShain Sann. 885
llfrllcigrrnuiicn
Hohversteigerung
Dre auf den 28. Januar im Grüninger und DorsgillerMark- wald ausgeschriebene Holzversteigerung konnte nicht abgehal- ten werden und findet Mittwoch den 6. Febr., vormittags VVrr Uhr, statt. Es kommen außer dem früher angegebenen noch 2 fm Eichen- und 55 fm Buchen- Stämme bis zu 46 cm Durch- meffer zur Versteigerung.
Der Anfang ist am Fußpfad von Grüningen nach Garbenteich.
Grüningen, l.Febr. 1901. Gr. Bürgermeisterei Grüningen.
Gilbert 1037
Versteigerung.
Dienstag den 5. d. BttS., vormittags von 10 Uhr an, versteigere ick im Haufe Mar- burgerftrvße 11 im Auftrage der betr. Erben erbverieilungshalber: HauSgeräte aller Alt, darunter 3 Betten u. eine Garnitur Polster- n öbel (l Sofa und 6 Stühle), sowie etwas Weißzeug und versck. Glas und andere Sachen. 1044
Gießen, den 2. Februar 1901.
Seipel, Gerichtsvollzieher.
Hohversteigerung
Mittwoch den 6. Februar, vormittags von »V2 Uhr ab, werden aus den Domanialwald-Distr. Ober- unb Niederseilbach versteigert: Stämme: 19 Eichen (Schnitt Holz, die Nummer blau unterstrichen) = 11,42 fm, ohne Rinde gemissen; ferner Scheiter, rm: 14 Buche, 52 Eiche; Knüppel, rm: 35 Buche, 68 E'che, 3 Nadel, 18 Aspe; Reisig, rm: 350Buche, 1040 Eiche, 220 ASpe; Stöcke, rm: 10 Buche, 130 Eiche, 2 Aspe.
Zusammenkunft im Distrikt Ober-Seilbach amAlten-Busecker Weg. Weitere Auskunft erteilt Gr. Förster Schick zu Treis. Treis a. d.Lda., 30.Jan. 1901. Großh. Oberförsterei Treis.
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