sei, daß Präsident Steijn von seiner Umgebung gefangen gehalten würde, um ihn an der Uebergabe zu verhindern unb später, daß Steijn gestorben sei, — daß Zweifel nur zu. gerechtfertigt sind, insbesondere wenn man erwägt, daß dre Engländer, wenn der Lod Tewets eine bestätigte That- sache wäre, schon längst daraus großes Kapital geschlagen und sie mit lautem Triuinphgeschrei in die Welt ausposaunt hätten, da das Verschwinden dieses furchtbaren Gegners für die Buren einen unersetzlichen Verlust darstellen und für den Ausgang des Krieges von nicht zu unterschützender Bedeutung sein würde.
Die Lache der Engländer in Südafrika steht in der Thal nicht gut, und Chamberlain muß in großen Nöten sein. Auch scheint ein arges Zerwürfnis zwischen ihm und den afrikanischen Millionären bezüglich der Regelung der afrikanischen Frage obzuwalten. Chamberlain will aus den afrikanischen Kolonien mit Einschluß der noch nicht besetzten Territorien einen Föderativstaat machen; die afrikanischen -Millionäre sind aber gegen diesen Plan, dem sie wahrscheinlich gerne zugestimmt hätten, wenn der Krieg nur kurze Zeit gedauert haben würde. Der Krieg währt nun bereits über zwei Jahre, und England hat mehr als 200 Millionen Pfund Sterling ausgegeben, denen weitere Millionen folgen werden. Da diese Kriegskosten ganz oder wenigstens zum Teil dem neuen Bunde aufgebürdet werden würden, widersetzen sich die afrikanischen Millionäre, als ^Hmrptinteressenten, weil sie die Randminen besitzen, dieser Vereinigung, welche sie in die Lage versetzen würde, nicht nur die Schulden von Transvaal, sondern auch vom Oranje- ftoot, von der Kapkolonie und Natal bezahlen zu müssen. Chamberlain ist nun in einer peinlich heiklen Lage, weil die afrikanischen Finanzmünner, mit Cecil Rhodes an der Spitze, einen starken Druck auf ihn auszuüben im stände find und weil er von ihnen selbst nach Beendigung des Krieges ernste Schwierigkeiten zu erwarten hat. Dazu kommt andererseits die ungemütliche Stimmung im englischen Volke und daß der Krieg so gar keine Fortschritte macht, daß die Buren im Gegenteil in der letzten Zeit nicht unerhebliche Vorteile errungen haben und der Aufruhr im Kaplande um sich greift. Der infolgedessen über das Kaplond verhängte Belagerungszustand hat nur den Zweck, das englische Volk über den Ernst der Lage zu täuschen, ebenso wie die dürftigen, widersprechenden und unrichtigen Nachrichten über Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz.
Geflügel- und Bogel-Ausstellung im Etablissement „Philosopheuwald".
m. Gießen, 1. 9Lovember.
Heute wurde die Vierte Allgemeine Geflüyel- und Vogel-Ausstellung, verbunden mit der 2. Provinztal- Verbands-Ausstellung oberhessischer Geflügelzüchter-Vereine, programmmäßig eröffnet. Trotzdem viele der angemeldeten 2Üere von der Ausstellung ferjt bleiben mußten, weil die behördliche Bescheinigung, die unser Polizeiamt wegen der -Seuchengefahr anordnete, von den Besitzern der Tiere nicht beigebracht ivurde, ist doch die Fülle des zur Schau gestellten Geflügels so groß, daß die große Zahl der Be- hälter des Hühnerologischen Vereins Gießen, der die Ausstellung veranstaltet, zur Unterbringung nicht ausreichte und man gezwungen war, Käfige von dem Schwesterverein Friedberg zu entlehnen.
Durchwandern wir an der Hand des Kataloges die Abteilung, in der die Aussteller ihre Hühner und ihr Wassergeflügel der Kritik des als Kapazität unerkannten Preisrichters, Redakteurs Rudolf Kramer-Leipzig vorgeführt haben. In je zwei Stämmen sind die Riesen unter den 'Hühnern, gelbe und tveiße Cochin, geordnet. Massige -federreiche Tiere mit weichem flaumartigen Gefieder, das Mi langen breitliegenden Latschen an den Beinen bis auf Die Zehen ausgewachsen ist. Als Nachbarn der Cvchin-
hühner finden wir dunkle und Helle Brahma, ebenfalls voll und massig im Körperbau, die dem Züchter als Brüter sehr wichtige Dienste leisten. Auch diese Rasse ist bis auf die Zehen herab befiedert. Besonders der Hahn des dunklen Farbenschlages fällt durch seinen prächtigen silberweißen Behang auf. Wir kommen nun zu der Rasse der Langs- han, die in wundervollen Stämmen vertreten sind. Der Bau dieser Hühnersorte verrät den asiatischen Typus. Der leicht gebogene dunkelgefärbte Schnabel wird von einer schön gewölbten Stirn überragt. Das Gefieder ist schwarz mit grünlichem Glanz; blaue und weiße Schläge der Langshanhühner sind nicht vertreten. Zu den sogenannten Fleischhühnern zählen ferner die Plymouth-Rocks, die in sechs Stämmen nur in gesperbert vorhanden sind. Es ist dies eine den Cochin ähnliche Art, ooch hat sie glatte Füße und ein eng anliegendes Federkleid. Die nun folgende Klasse Wyandotter ist sehr stark besetzt; 20 Stämme in fast allen Farbenschlägen sind vertreten. Im Vorbeigehen werfen wir noch einen Blick auf die Dorkings, Malayen, Kämpfer und Spanier, die sich nur in je ein oder zwei Paaren präsentieren, und besichtigen dann die Minorka- hühner. Diese aus Italienern und Spaniern heraus- gezüchtcte Rasse ist längst bei uns als vorzügliches Nutzhuhn eingeführt und beliebt geworden. Steht doch Minorka in der Zahl der Eier, welche es im Jahr durch legt, dem Jtalienerhuhn nicht nach, natürlich bei richtiger Pflege und Behandlung; es bietet noch dazu den Vorteil, viel größere Eier zu produzieren als jenes. Unter den zahlreichen Kollektionen, die mit Ausnahme eines Paares weißer Mi- norla, nur den schwarzen Farbenschlag dieses Nutzhuhnes aufweiscn, sind wahre Musterstämme vertreten. In der Figur ähnlich hem Minorka-Huhn sind drei wundervolle Stämme von Andalusiern mit reinem stahlblauem Gefieder in der Grundfarbe. Blaue hochgestreckte Beine tragen die elegante Figur des Tieres. Im Vorbeigehen fällt unser Blick auf zwei Stämme Holländer mit originellem Federputz auf den Köpfen. Scharfe Konkurrenz unter den Ausstellern, darunter denen aus Oberhessen, herrscht in der Klasse Hamburgerhühner, einem Nutzschlage, der gleichzeitig als Zierhuhn zu betrachten ist und der besonders in den Kreisen Alsfeld und Grünberg zahlreiche Liebhaber und Züchter gefunden hat. Silbersprenkel, Goldsprenkel, Silberlack und Goldlack, sowie schwarze Hamburger bieten dem Beschauer ein abwechselungsreiches Bild dieser Rasse. Ebenso reichhaltig sind die Farbenschläge in Italienern. Besonders schöne Typen dieser Rasse sind unter den rebhuhnfarbigen, den gelben und den silberhalsigen Italienern zu finden. Dem Preisrichter wird es hier schwer gemacht, vom Besten das Beste herauszufinden. Auch einige sehr schöne rahmweiße Stämme Ramelsloher Hühner sind vorhanden. Es sind stolze Tiere, welche uns mit ihren roten Augen aus der Volliere heraus« nblicken. Thüringer-Bausbäckchen, Faverolles, ge- sperberte und weiße Mechelner, sowie schwarze Orpington bilden in je ein bis zwei Stämmen den Schluß der großen Hühnerrassen.
Wir kommen zu den Zwerghühnern und betrachten zuerst die Zwerg-Cochin, von denen 10 Stämme in verschiedenen Farbenschlägen den Freunden des Kleinen und Niedlichen Spaß machen werden. Die nächste merkwürdige Hühnerrasse, auf die wir stoßen, sind die zahlreich vertretenen Zwergmalayen und Zwergkämpfer, Tiere, die wir allerdings auf den Höfen unserer ober- hessischen Landwirte schwerlich zu sehen bekommen. Diese Tiergattung hält in Bezug auf die Körperform die Mitte zwischen einer großen Taubenart und einem Huhn. Besonders schöne Tiere sind hier aus Sachsen geliefert. Beim Weitergehen fallen uns ein Paar japanische Sieiden- hühner auf, schöne Tiere, die jedem Geslügelliebhaber gewiß gefallen werden. Prächtig sind auch drei in Ober
hessen gezüchtete Stämme Mille fleur. Niedliche mt$ dabei doch stolze Hühnchen sind die Bantams. Rosene kämmig. schwarz," weiß und gesperbert, silberfarbig und, goldfarbig wechseln diese Zwerge wohlgeordnet nach den! Farbcnschlägen ab und bilden den Schluß unter den kleinsten des Hühnervolkes.
In ötollettto ns käsigen erblickt der Besucher der Aus^ stellung noch einmal in größeren Stämmen, nämlich jedes^ mal ein Hahn mit drei bis vier Hühnern, die meisten der-^ jenigcn Rassen, die wir vorhin paarweise betrachtet haben. Die Tiere können sich hier auf größerem Raum freier be-, wegen, wodurch die Schönheit der Körperformen besser zur Geltung kommt. Hier in den größeren Käfigen findest wir auch die Truthühner, darunter ein Paar wundervolle virginische Schneeputen ausgestellt, ferner auch unter dem Ziergeslügel einige blaue Pfauen und einen Hahn mit fünf Hennen, Jagdfasanen. Mit der Besichtigung der Hühner der allgemeinen Ausstellung sind wir zu Ende.
Wir verlassen nun den großen Saal, in dem außerdem die 400 Nummern zählende Taubenabteilung und die Pro- Vinzial-Verbandsabteitung Unterkunft gesunden hat, und wenden uns dem Mass e r g e flüg e l zu, das unter einem riesigen Zelt sein Quartier gefunden hat. Da fallen zuerst die Peking-Enten, etwa 20 9htmntern, darunter mehrfach ein Erpel mit zwei Enten, in die Augen. Die Tiere haben schöne, kräftige, fast viereckige Körperform und gelta lich weißes, flaumartiges, weiches Gefieder. Es sind unter den ausgestellten Tieren mehrfach Exemplare, welche den strengsten Anforderungen in Bezug auf Rasseneigentümlich-> leiten entsprechen. Prachtvolle Aylesburyenten habest besonders Züchter aus unserem Großherzogtum ausgestellt. Diese schwanenähnliche, sehr lang gebaute, im Gefieder rein weiße Entenart findet man vielfach in unserer Gegend, und es sind auch nur hessische Züchter, die sich hier die Preise streitig machen. Wir kommen auf unserer Wanderung zur Cayuga-Ente, die in sechs Paaren vorhanden ist. ES sind dies große, schwarze, grünschillernde Wasservögel. Diesen schließen sich in der Reihenfolge zwei Paar indische Laufenten an, mittelgroße, bunte, lebhafte Enten, mit denen unsere Ausstellung zum ersten Male beschickt ist. Eist Paar Rouenenten bilden den Schluß der unter dem Zelt-, dach schnatternden Schar.
Riesengänse sind die Emdener und Toulouser. Diie Emdener Rasse zeigt sich im rein weißen Federkleid, während die Toulouser graues Gefieder, wie die Wild- gans, mit seiner weißer Federsäumung und mehr weißer Bauchpartie hat. Wir beenden unseren heutigen Rundgang mit der Betrachtung von zwei Paar japanischen Höcker^ gänsen, einem Paar pommerscher Gänse, Kreuzungen vost Emdener und italienischen Gänsen.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindüchen Original-Nachrichten ist.nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, den 1. November 1901.
* * Das Regierungsblatt Nr. 66, ausgegeben am 30. £)ft* enthalt eine Bekanntmachung, den Bau und Betrieb einer: Eisenbahn von Vilbel nach Stockheim betreffen.
* * Ernennung. Die amtliche „Darmst.-Ztg." meldet: Der Großherzog hat den außerordentlichen Professor an der Universität Halle a. S. Dr. Friedrich Georg Ernst Albert zum! ordenllichen Professor der Landwirtschaft in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Gießen mit Wirkung vortt 1. Oktober an ernannt.
* * Wernings Kriegsfe ft spiele. „Mut bei alten Dienstobliegenheiten" fordert die Instruktion für den beufr scheu Soldaten. Das haben die Mitglieder der hiesigen Kriegervereine sich zur Richtschnur gemachst, als sie fidtf
brachte Herr Schneider zu sehr glaubhafter Darstellung. Wo es ihm an Worten fehlte, da setzte Herr Schneider mit charakteristischen Bewegungen ein, wie Achselzucken, unbeholfen täppisch schüchternem Drehen und Wenden. Auch die große und schwere Todesangstszene gelang ihm aufs beste. Zwei vorzügliche Gestalten, naturgetreue Ausschnitte aus dem Max Liebermann'schen „Altmännerhause", waren die Herren W o isch und Z o d e r. Allein schon in diesen beiden Alten spricht sich das tiefe persönliche Gefühl, die große menschliche Poesie des Dichters aus. Zur Erkenntnis dieser thaten die genannten Herren vollauf das ihre. Herr Ramsey er bewies als Reeder Bos nicht weniger an Charakterisierungskunst. Sein rauhes, sprödes Organ paßte zu dieser Rolle, der er dabei ein wenig mitleidige Menschlichkeit verlieh, vortrefflich, wie überhaupt seine ganze robuste Art. Wenn er in dem letzten Akte gegenüber Simon und Cobus in einen ehrlichen Zorn geriet, so war das doch wohl nicht ganz richtig. Eine gewisse Zaghaftigkeit des verletzten Gewissens wäre hier mehr am Platze gewesen. Frl. Brau bau nahm als Klementine leider nicht immer den genügenden Anteil an den Vorgängen um sich herum, weder im 3. noch im 4. Akte. Das stumme Spiel ist ihr noch etwas Fremdes.
Die anderen Damen und Herren thaten vollauf ihre Schuldigkeit, und mehr als bas. Der alten Truus große Klage ihres Lebensleibes hätte freilich mehr aus dem Innern kommende Töne erfordert. Doch dieses Eine bedeutet nichts. Im ganzen war die Ausführung so vortrefflich abgetönt, waren Regie und Darsteller den Absichten des Dichters so liebevoll nachgegangen, bewies man solche Treffsicherheit in Anlage und Ausgestaltung der Rollen, daß uns die gestrige Ausführung lange in der Erinnerung bleiben wird. Daß die verschiedensten Dialekte durcheinander klangen, daß das hamburgtsch-mecklenburgische „ft", „sp", „sm" rc. das Einzige war, worauf sich alle Darsteller gestern zn vereinigen bemühten, ist ein Geringes, was bei den vorzüglichen Einzel- und Gesamtleistungen nicht ins Gewicht fällt. Die Regie hatte es sich angelegen fein lassen, das Lokalkolorit einer holländischen Fischerstube bis ins Einzelne getreu wiederzugeben. Selbst das Heulen des Sturmes im 3. Akte war so naturgetreu als möglich. P. Witt ko.
— „Der rote Hahn" ist nun endgiltig der Titel der neuesten Komödie von Gerhart Hauptmann. Sie wird als nächste Novität vom Deutschen Theater vorbereitet. Das Werk knüpft an die Diebskomödie „Der Bib erpelz" und führt zwei Figuren des älteren Stückes, die Waschfrau Wolffen und den Amtsvorsteher von Wehrhahn, wieder ein. Daneben aber wird eine große Zahl neuer Gestalten geschildert. Die erste Aufführung ist für Samstag, 23. November, in Aussicht genommen.
Die Schwäche des Stückes liegt, wie bereits angedeutet, bohrt brutal mit Messern in den Seelen der Zuschauer, aber ta. der allzu durchsichtigen Tendenz. Die Ausbeutung der er ist ein Talent, ein Maler, ein Poet, von dem man lange arbeitenden Klassen durch ein rücksichtsloses Unternehmertum, reden wird, trotz seiner allzudeutlichen Huldigung vor einem .bie Not und das Elend des „vierten Standes" ist bisweilen sozial-reformatorischen Programm und seinem Hang zum in geradezu roher Drastik zur Darstellung gebracht, und es be- Grusligen.
ftcht die Gefahr, daß der einzelne Fall, den der Dichter Die Darstellung in unserem Theater war schlechthin vollschildert, als typisch aufgefaßt werden könne, daß infolge- endet. Nahezu alle, die etwas Wesentliches zu thun hatten, beffen das Stück fast dazu angethan ist, die Klassengegensätze waren brillant, einschließlich des Buchhalters Kaps (Herr "zu verschärfen. „Die Hoffnung" wäre die große Tragödie Herbert Leßmann) und des Bettlers Jelle (Herr Julius der See, das gewaltige Totenlied des mörderischen Meeres, Rubens). Und das will wahrlich etwas heißen, denn dieses hätte Heyermans aus seinem Rheder, statt eines Schuftes, Stück spielt sich nichts weniger als leicht. Es war ein ruhm- einen durchaus korrekten einwandsfreien Kaufmann, hätte er reicher Sieg unserer Künstlerschar unter der Führung eines „Die Hoffnung" statt zum „schwimmenden Sarge", zu einem ausgezeichneten Gastes. Frau Teller - Hab elmann aus seetüchtigen Schiffe gemacht. Dann hätten wir eine Köln stellte die Fischerwitwe Kniertje dar. Sie bot ein im erschütternde Tragödie unerbittlichen, eiskalten Geschickes, dem tiefsten ergreifendes Seelengemälde von packender, schließlich teures Menschenglück zum Opfer fällt, dann hätte uns die Tragik schier unheimlicher Wirkung. Es giebt von Israels ein Ge- des Fischerloses im Innersten gepackt, dann hätten wir dem mälde, ein Interieur mit Schatten und Schmerz gemalt. In bösen Zufall geflucht, der Unschuldige hinmordet, die sich in dunkler Fischerstube sitzt eine alte Frau. Mit ihren schwieligen die lockenden weißen Arme ber See sttirzen, Arme, die mit Händen hält sie ihre Schürze vor die Augen, unter denen grausamer Gewalt packen, zerren, reißen und vernichten. Nach man die Runzeln des wettergebräunten Gesichtes sieht. Neben Heyermans möchte man den Eindruck gewinnen, als seien die ihr liegt auf einem niedrigen Schemel ein Gebetbuch. Das Reeder alle einfach Mörder und Ungeheuer, und die Schiffer Gemälde führt den Namen „Allein auf der Welt". Die ausnahmslos der Prositsucht ausgelieferte Opfer. So em- ganze stille wehmüttge Einfachheit dieses Jsraels'schen Werkes pört sich unser Herz gegen einen Einzelnen, gegen die Ge- gab nun gestern Frau Teller-Habelmann. Der Abschied von memheit des Schuftes, so bekommt die so vortrefflich an- ihrem Sohne Barend, ihr Klagelied im 3., ihr erschütterngelegte und so meisterhaft int Milieu durchgeführte Dichtung des Finale bedeuteten die Höhen ihrer meisterhaften Darstellung, diesen unangenehmen, unpoetischen Anstrich des Kriminellen, Leider schien sie nicht wenig an Heiserkeit zu leiden und ihre so wird die Dichtung zum Agitationspamphlet mit seiner den berlinerischen Dialekt nicht verleugnende Sprechweise kam bitteren Anklage gegen schurkisches Arbeitgebertum, gegen den der niederländischen Fischerfrau nicht gerade zu Gute.
Militarismus, gegen staatliche Wohlthätigkeitsanstalten, gegen Unter unseren heimischen Künstlern thaten sich zwei ganz den starren Buchstaben des Gesetzes. So ist „die Hoffnung" besonders hervor: Frl. Hohenfels und Herr Gerlach. Die keine Tragödie, sondern nur ein sehr verdienstvolles, tief er- Jo des Frl. Hohenfels war eine prächüge Seemannsbraut, greifendes Bild aus dem Fischerleben, ein Meisterstück der strotzend von frischer Lebenskraft, in Liebe und Haß gleich Dramatik des Qualvollen, mehr noch als Hauptmanns glaubhaft und überzeugend. Dabei war ihre Darstellung „Weber" und annähernd so wie Tolstois kürzlich uns ge- nüancenreich, namentlich im ganzen 3. Akt, wo sie im botene „Macht der Finsternis", aber schließlich vielleicht stummen Spiel das Beste leistete, wo sie mit der alten psychologisch doch noch vertiefter als diese. Und zweifellos Truus weinte und mit der lockeren Saart lachte, wo sich ihr ist sie sttmmungsvoller, künstlerischer, ttotz allem mehr Herz zerriß in banger Sehnsucht um den fernen, der wilden malerisch als moralisch wirksam. Der aus dem Ge- Windsbraut auf hoher See verfallenen Geliebten. Nur ihre fängnis zurückkehrende ältere Sohn der Fischerwitwe, der see- Fröhlichkeit im ersten Akte hatte etwas Gemachtes. In ihrer scheue zweite Sohn, der da fühlt, daß das Schiff mit ihm Darstellung schien es, als sähe die Jo den tragischen Aus- dem Untergang geweiht ist, und vor allem jenes Nachtstück: gang voraus; e5 fehlte ihr da etwas an freier Leichtigkeit in die Fischerweiber in der grausigen Sturmnacht, da sie in den Bewegungen. Aber mit der Schwere ihrer Aufgabe dumpfem Entsetzen das Unglück ahnen — alles das sind wuchs ihre Darstellung, die, alles in allem genommen, höchstes Bilder von außerordentlicher malerischer Technik, von tiefer Lob verdient. Herr Gerlach zeigte als Geert eine Leiden- lyrischer Poesie. Der Fischerfrau Truus große Erzählung mit schäft, ein Temperament, das namentlich im ersten Akte uns dem unbarmherzigen Refrain „Die Fffche werden schwer be- hinriß. Das war eine künstlerische Leistung, die nicht gezahlt" ist eine Ballade von herzzereißender Tragik, und die ringen Respekt einflößte. Das war kein Theater, sondern die Elegie der Kniertje, die ihr folgt, hat auch nicht viel ihres echte, ehrliche Wut des vom Unglücke gepeitschten See- -gleichen in unserer modernen Litteratur. Herrn. Heyermans- sanatikers. Die knabenhafte Tölpelei des jüngeren Barend


