in Form einer regelmäßigen geometrischen Figur anlegen, um dadurch den Mondbewohnern ein Zeichen unseres Daseins zu geben. Man nahm natürlich dabei von vornherein an, daß die etwaigen Mondbewohner ebenso intelligente Wesen seien wie wir Erdbewohner.
Heute wissen wir, daß der Mond weder Licht noch Luft hat und darum organische Wesen in unserem Sinne auf ihm nicht leben können. Dagegen hat ganz neuerdings Professor Pickelhäring von der Lewoll Sternwarte in Arizona eine höchst erstaunliche Entdeckung gemacht, die uns nicht nur aufs neue völlig unwiderleglich das Dasein von höchst intelligenten Wesen auf dem MarS beweist, sondern noch weit mehr. Er schreibt darüber:
Die erste Erscheinung auf dem MarS, die zu meiner Behauptung Veranlassung gegeben hat, daß am 7. Dezember vorigen JahreS eine Botschaft von diesem Planeten zur Erde gesandt sei, hat in Wirklichkeit nur auS einer Wolke auf diesem Planeten bestanden, die von der untergehenden Sonne beleuchtet wurde. Ts handelte sich also um eine wirkliche Botschaft, die uns Kenntnis von der Atmosphäre des MarS giebt, aber noch nicht um eine solche von intelligenten Be wohneru des Gestirns. Auf dem von der Sonne getroffenen Teil deS Planeten sahen die Astronomen fast niemals Wolken. Wenn sie auS dünnen Federwolken bestehen, so dürften sie überhaupt nicht wahrnehmbar sein. Schwere Wolken dagegen würden sichtbar sein, wenn sie eine genügend große Fläche deS Planeten bedecken; jedoch könnten sie vielleicht 1 Million Quadratweilen von dessen Oberfläche verhüllen, ehe sie mit Sicherheit erkannt werden könnten. Auf unserer Erde aber bedecken die Wolken oft eine weit größere Fläche, und deshalb müssen wir aus der Thalsache, daß wir fast niemals Wolken auf dem MarS erkennen, den Schluß ziehen, daß der Planet außerordentlich trocken ist.
Die Wolke wurde in den Morgenstunden von zwei aufeinanderfolgenden Tagen wahrgenommen, und zwar für eine Dauer von je einer Stunde. Am zweiten Morgen war sie geringer, als ob sich die Feuchtigkeit etwas zerstreut hätte. Sie hatte sich über den Wüsten nördlich von dem söge». Jkarische» Meer gebildet, das, wie ich genau wahrnahm, eine mit Pflanzen dicht bewachsene Fläche darstellt. Die Vermutung, daß die mit schwächeren Apparaten bisher gesehenen dunklen Flecken einen Pflanzenwuchs anzeigen, hat sich also als völlig richtig erwiesen, schon weil die mit Pflanzen be- wachsenen Gebiete mehr Feuchtigkeit besitzen als die sie umgebenden Wüsten. Zweitens deutet ihre Erscheinung auf der Nordseite jenes „Meeres" darauf hin, daß zu jener Zeit eine Luftbewegung in nördlicher Richtung geherrscht haben muß. Die Annahme eines solchen Windes würde in Anbetracht der Lage jenes Meeres zum Mars Aequator genau der Windrichtung entsprechen, die auf unserer Erde in entsprechenden Gegenden und entsprechender Jahreszeit als Passat zu beobachten ist. Somit hatten wir die höchst interessante Belehrung empfangen, daß in jenen Zonen auf dem Mars und auf der Erde die Winde von den gleichen Gesetzen geregelt werden.
Ueber die zweite Erscheinung, so fährt Prof. Pickel- Häring fort, muß ich mich vorläufig noch, was die wissenschaftliche Seite anbetrifft, in Schweigen hüllen. Ich kan» nur von meinen Beobachtungen sprechen, zu denen ich in de» Stand gesetzt wurde vermittelst gänzlich neuer Instrumente, zu deren Konstruktion ich die letzten Monate verwendet habe, da mich meine erste Entdeckung nicht ruhen ließ.
Unsere Sternwarte erhebt sich auf einem 70000 Fuß hohen Plateau über der Arizonawüste in Kaliformen. ©ie ist durch die Munifizenz des Großkaufmanns Lewoll errichtet worden einzig zum Studium des MarS. Mit
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151. Jahrgang.
Dienstag S. April 1901
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen se
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Mittwoch, den 10. April 1001 vormittags 10 Uhr
findet in dem Regieruugsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung deS Kreistages des Kreises Gießen mit folgender Tagesordnung statt.
1. Wahl zweier Sachverständiger für die Abschätzung der durch Truppenübungen veranlaßten Flurschäden. (Ersatz für die verstorbenen Bürgermeister Köhler zu Langsdorf und Geißler zu Lollar bis Ende 1902).
2. Wahl der Mitglieder und Ersatzmänner zur Genossenschaftsversammlung der land- und forstwirtschaftlichen BerufSgenoffeuschast.
3. Vorlage der SreiSkafferechnung für 1899/1900 und Erstattung des BerwaltungSberichtS.
4. Feststellung des Voranschlags für 1901/1902. Gießen, den 27. März 1901.
Der Borfitzende des Kreistages des Kreises Gießen, v. Bechtold.
Gießen, den 28. März 1901.
Betr.: Die Ablieferung der Bakanzüberschüsse erledigter Schulstellen an den ProvinzialschulsondS.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 24. Januar 1878, Amtsblatt Nr. 1, und 30. Oktober 1893, Amts blatt Nr. 9, empfehlen wir Ihnen, bis zum 15. April d. I. die von Ihnen mit den Schulvorständen gemeinschaftlich aufzustellenden Berechnungen der an den Provinzialschulfonds abzuliefernden Bakanzüberschüsse auS dem Jahre 1900/01 in doppelter Ausfertigung an uns einzureichen, oder zu berichten, daß im genannten Jahre in Ihrer Gemeinde Schulvakanzen nicht eingetreten waren. Sobald die von uns geprüften Berechnungen an Sie zurückkommen, haben Sie den Gemeinde-Einnehmer anzuweisen, den festgesetzten Ueberschuß sofort an den Rechner des Provinzialschulfonds für Oberhessen einzuzahlen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Geflügelcholera.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß in Groß- Felda, Kreis Alsfeld, in mehreren Gehöften die Geflügel- cholera anSgebrochen und Stall« und Gehöftesperre angeordnet worden ist.
Gießen, den 28. März 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Die weinerlichen Bure«.
von JünLeugenrrar, Pretoria.
Wie ich aus europäischen Zeitungen ersehe, ist man dort drüben über die englische Nachricht crftmuit, daß der Burengeneral de Wet geweint habe, als die englischen Truppen ihn arg bedrängten. Für den Burenkenner ist darin nichts Erstaunliches. Die Buren sind überhaupt ein sehr weinerliches Volk und vergießen bei jeder Gelegenheit bittere Thränen. Diese kommen ihnen auch nicht in Tropfen aus den Augen, sondern strömen ihnen in solcher Masse über das Gesicht, daß selbst ihre dicken ledernen Beinkleider ganz davon durchweicht werden.
Als Beweis will ich nur einige Beispiele anführen:
Bei Verkündigung der Kriegs er Närung weinten die auf dem Kerkplein in Pretoria versammelten Bürger so heftig, daß einige Kaffernknaben, die über eine Thränenlache springen wollten, in derselben ertranken.
Als der tapfere General Knox (das K ist stumm; sprich nox wie die deutschen Wörter Nichts, Nutz, rc.) de Wet mit fünf anderen berühmten Generalen und zehn sogen. Krackregimentern verfolgte, wäre der unglückliche Burengeneral sicherlich eingeholt und umzingelt worden, wenn er und seine Leute nicht soviele Thränen vergossen hätten. Dadurch aber wurde der Boden so aufgeweicht, daß es dem General Knox mit dem stummen Anfangsbuchstaben unmöglich wurde, die Kanonen weiter zu bringen. So entkam de Wet.
Vor kurzem hatten sich die beiden Burengenerale Viljoen und de la Reh hinter einem Berg von 6000 Fuß höhe verborgen, um aus dieser Deckung auf unsere Truppen a la Gorilla zu schießen. Da traf ein Lydditbombe zufällig den Berg und vernichtete ihn. Jetzt gingen die tapferen Tommys mit gefälltem Bajonett und furchtbarem Hurräh mäh-mäh zum Sturm vor. Alles wäre zu Ende gewesen, hätten nicht die Burengenerale und ihre Mannschaften in ihrer Todesangst eine solche Weinerei begonnen, daß sich in wenig Minuten ein tiefer Graben bildete, über den die Truppen nicht Hinwegspringen konnten; das rettete die Buren noch einmal.
Ueberall, wo englische Kanonen von den Buren genommen wurden, kam das nur daher, daß die Geschütze in den entstandenen Thränensümpfen stecken blieben; selbst viele Züge werden auf diese Weise zum Entgleisen gebracht.
Als General Buller beim Baden überrascht unt> gefangen genommen wurde, teilte man dem Präsidenten Krüger diese Nachricht mit, indem man ihm zugleich die erbeuteten Kriegshosen des im Badekostüm gefangenen Generals als Beweis vorlegte. Beim Anblick der traurigen Trophäe brach der weichherzige Präsident sofort in Thränen aus und rief unter Schluchzen: „Welch ein edles Heldenherz hat, doch, in diesem Kleidungsstück geschlagen. Seht, man kann noch deutlich die Spuren des Spionkopfgefechtes und der anderen blutigen Schlachten am Tugela daran erkennen."
Weitere Beispiele will ich nicht anführen, obgleich ich, noch viele hinzufügen könnte. Das Gesagte beweist deutlich daß es für die englischen Helden gar feine Ehre ist, mit einem so weinerlichen Volke, wie den Buren, zu fechten, und daß sie am besten thäten, ihre Dum-Dums und Kanonen zu nehmen und nach Hause zu gehen.
Ich selbst bin jetzt Gefangener der Engländer. Man kann das deutlich aus der Wahrheitsliebe ersehen, mit der ich meinen Bericht angefertigt habe. Aber obgleich ich auch noch Ehrenmitglied der bedingungslosen Uebergabekom-
miffion bin und schon zweimal bie Ehre hatte, von Oe Wet persönlich verhauen zu werden, fürchte ich doch, daß man mir nicht unbedingt Glauben schenkt. Ich schließe deshalb lieber.________________________________________________
Politische Wochenschau.
Nun ist auch der hessische Landtag in die Ferien gegangen, nach fleißiger Arbeit, und Osterruhe herrscht nun fast allenthalben. Die Zweite Kammer hat in der vergangenen Woche nach mehrtägigen Debatten mit allen gegen fünf Stimmen den Antrag Haas angenommen, der die Regierung ersucht, ihre Bundesbevollmächtigten dahin anzuweisen, daß sie im Bundesrat eintreten für eine ausreichende Erhöhung ter bestehenden Getreide- und Viehzölle und in Verbindung damit für eine ausreichende Erhöhung der Zölle auf ander« landwirtschaftlich? Erzeugnisse, einschließlich derjenigen von Obst, Gemüse, Weinbau, sowie des Gartenbaues, ferner für ausreichenden Zollschutz derjenige» Industriezweige, welche desselben bedürfen und füg den Abschluß neuer Handelsverträge, in denen die Wünschv nach Möglichkeit erfüllt werden. Außerdem nahm bie Kammer einen Antrag an, der bie Aufhebung bet Transitlager undder Zollkredite verlangt, sowie endlich die Nebenbahnvvrlage. Die Erste Kamme» hat sich in mehreren Fragen zu der Zweiten Kammer in Gegensatz gestellt, so in der Fortbildungsschulfrage und in der Frage der Diätenbewilligung an bie Reichstagsabgeorb? neten.
Auch die hessische Landessynode hat in bet letzten Woche getagt, die leidige Totenfest-Angelegenheit zu versöhnlicherem Abschluß gebracht, als es wohl mancher erwartet haben mochte, u. a. den Gesetzentwurf betr. bie Pfarrergehälter angenommen und die Festsetzung eines besonderen Buß- und Bettages abgelehnt.
Die Ansprachen des Kaisers gaben der Presse Anlaß zu allerlei Kommentaren und zu biclfadjer, mitunter ziemlich scharfer Kritik. Der Wortlaut der Aeußerungen ist bis jetzt authentisch noch nicht bekannt geworden. Jedenfalls hat der Kaiser die Möglichkeit eines StraßenaufstandeS ins Auge gefaßt und für diesen Fall feine Hoffnungen auf die Bajonette des Alexander-Garderegiments gesetzt. Man hat alle Ursache zu der Vermutung, daß gerade die Führe» der sogen. Umsturzpartei nichts weniger wünschen, als einen gewaltsamen Zusammenstoß der unteren Volksschichten mit der bewaffneten Macht. Leider scheint der Kaiser über bie Volksstimmung irrig unterrichtet zu sein. Die Wirkung seiner Worte entspricht gewiß nicht seinen Wünschen.
Ueberrascht hat auch eine zweite Ansprache, die de» Kaiser bei dem gleichen Anlaß gehalten hat. Diejenigen, welche auf den Fortbestand des Dreibunds feine allzu festen Hoffnungen setzen, werden darin wohl eine Bestätigung ihrer Auffassung erblicken dürfen. Zog doch der Kaiser den Fall, daß wir „von Feinden rings umgeben" und „wohl mit der Minderheit gegen die Mehrheit zu kämpfen haben werden", in den Bereich feiner Erwägungen. Man wird diesen Aeußerungen gerade jetzt besondere Bedeutung beilegen, wo sich der italienische Ministerpräsident Zanar- delli gegenüber einem Interviewer in sehr seltsamer Weise über die Frage der Erneuerung des Dreibundes ausgesprochen haben soll. Wenn unsere internationale Lage pessimistische Ansichten rechtfertigt, bann wäre es umso er-
Meues von dem Wlanele» Mars.
Gießen, 1. April 1901.
Durch viele Blätter ging in den letzten Wochen und Monaten die Nachricht von einem Signal vom MarS, das als merkwürdige Lichterscheinung auf einer Sternwarte in Amerika beobachtet war und durch das und die Marsbewohner ein Zeichen ihrer Existenz geben wollten. DaS Publikum weiß aus populär astronomischen Broschüren und Zeitschriften und der TageSpresse längst: MarS ist ein bewohnter Himmels, körper. Die Kanäle, die auf feiner Oberfläche entdeckt wurden, find Sunstprodukte der Marsbewohner. Sie laufen schnurgerade, erscheinen zu gewissen Zeiten doppelt, verbinden die einzelnen Meere, die ebenfalls auf der Oberfläche des MarS gesehen werden können, und dienen jedenfalls dem verkehr. Wir wissen, daß die Schneezone des Südpolarflecks des Mars in dem Maße abnimmt, als das Frühjahr auf dem MarS in den Sommer übergeht, fie ist dann von einem dunklen, blauen Saume umgeben, der mit dem Abschmelzen kleiner wird und wohl geschmolzenes Schneewaffer ist. Dieses Polar- «eer ist am größten, wenn die Abschmelzung des Eises am stärksten ist. In diesem Polarmecr wurden sternhelle Punkte gesehen, die wahrscheinlich große Eisberge waren, deren Ab» Ihänge das Sonnenlicht zu uns herüberspiegelt. Auch wurde -das vollständige Abschmelzen des PolareiseS beobachtet. 'Auch der Wechsel der Jahreszeiten auf dem MarS ist wahr jzunehmen. Im Mai-Monat zeigt fich auf dem MarS ein lebhaftes Grün, während im MarS-August die gelbe Farbe ednf das Welken der Blätter hindeutet.
Schon vor längerer Zeit wurde von einem Naturforscher öder Vorschlag gemacht, man mögt auf der Erde in irgend siuem Lande der heißen Zone von Bäumen eine Pflanzung


