Ausgabe 
1.11.1901 Zweites Blatt
 
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Tendenz: fest.

100.36

89.30

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84.00

Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatobahn . Gotthard bahn . . , Laurabütte . . . . Bochum . . . . . Harpener . . . .

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davon. Der Ehrliche war jedoch erkannt worden und wurde gestern mit seinem Komplicen verhaftet.

sw. Bad--Nauheim, 30. Okt. Fünf hiesige Herren unternahmen gestern mittag eine Fußtour über den Winter­stein nach Wehrheim bei Usingen. Im Wehrheimer Walde wurde einer der Herren, Hotelier Seegers, plötzlich un­wohl und ft ar 6 infolge eines Hirnschlages. Der herbei­gerufene Arzt konstatierte den Tod. Die Leiche wurde mittelst Droschke nach Wehrheim gebracht.

Kloppcnheim, 30. Okt. Für die hiesige einklassige Schule haben sich nicht weniger als 30 Lehrer aus allen drei Provinzen Hessens gemeldet. Die kleine Gemeinde Kloppen- herm hat in diesem Jahre ein stattliches Schulhaus mit Lehrerwohnung um die Summe von nahezu 30000 Mk. erbaut. Bei dem Schulhause befindet sich außerdem ein schöner Garten von ungefähr '/3 Morgen Größe.

Münster (bei Dieburg), 29. Okt. Im Saale der Michael Giegerich Wwe. fand am Sonntag eine von nahezu 1000 Personen besuchte Versammlung der katholischen Männer- und Arbeitervereine des Dekanats Dieburg statt. Land­tagsabgeordneter Molthan von Mainz verbreitete sich hier­bei über verschiedene politische Tagesfragen, so namentlich auch über die Zolltariffrage und betonte hierbei, daß das Centrum entschieden für eine Erhöhung des Schutzzolles für landwirtschaftliche Erzeugnisse eintrete, aber niemals für extreme Forderungen zu haben sei. Der zweite Redner, Diözesanpräses Pfarrer Forschner von Mainz, sprach über die Pflichten des katholischen Mannes in gegenwärtiger Zeit. Den Vorsitz in der Versammlung führte Landtagsabgeordneter Horn von Seligenstadt.

j-j- Freienseeu im Seenthale, 30. Okt. Zwischen Mitgliedern des hiesigen Kriegervereins und an dem Bahnbau beschäftigten Italienern kam es am Sonntag gelegentlich eines Festes zu (Streitigfeiten, in deren Verlaufe einer der Krieger von einem Italiener durch einen Revolverschuß am Fuße verletzt wurde.

+ Ulrichstein, 30. Okt. Ein seltenes Waidmannsheil hatte heule Forsttvart Bensel von hier. Auf einem Revier- gange schoß er einen Steinadler mit einer Flügelspann­weite von 1 Meter 63 Ctm. Ein Adler ist hier seit Menschen-

dcm Papst am nächsten stehenden vatikanischen Per- söulichkeiten zuza schreiben ist.

Paris, 31. Okt. DieAg. Hav." veröffentlichte gestern abend folgende Meldung aus Toulon. Der Kommandant des Mittclmeergeschwaders, Admiral Maigret, erhielt die Ordre, die Lebensmittel zu ergänzen und sich für die Abfahrt bereit zu halten. Nachmittags 2 Uhr ging das Geschwader nach verschie­denen Richtungen in See, um Hebungen voizunehmen. Von mehreren Blättern wird mit Bestimmtheit behauptet, daß nur ein Teil des Geschwaders an den Hebungen teilnehmen werden wird, daß der eigentliche Zweck eine Demonstration im Orient ei, um die Regelung des türkisch-französischen Konflikts zu beschleu­nigen.Figaro" will wissen, daß die von Koutrcadmiral Gaillard befehligte Schiffs-Tiv.sion , die zu dieser Demonstration be­stimmt sei, aus drei Panzerschiffen und zwei Kreuzern be­stehe. Das Blatt giebt unter Vorbehalt zu, daß das Ziel dieser Abteilung Saloniki oder vielmehr Mytilene sei, das die Einfahrt zu den Dardanellen und zum Golf von Saloniki beherrscht. Gaillard habe Ordre erhalten, die Hafen­zölle mit Beschlag zu belegen, falls Frankreich nicht sofort Ge- nugthuung erhielte. TerFigaro" beglückwünscht die Regie­rung, daß sie sich zu der von der öffentlichen Meinung gefor­derten Aktion entschloßen habe.

Paris, 31. Okt. DasEcho de Paris" meldet, gestern habe zwischen Delcassö und dem bisherigen Bot­schafter in Konstantinopel, Constans, eine längere Unter­redung stattgefunden, deren Inhalt geheim gehalten werde.

Bern, 31. Oktbr. Gestern nachmittag 3 Uhr 50 Min. wurden auch in der Schweiz an verschiedenen Orten Erdbeben verspürt, so iu Zürich, Davos und m Gziasso.

Vermischtes.

* Berlin, 30. Okt. Unter dem Verdacht, den großen -Gold- und Juwelendiebstahl kürzlich in der Kom­mandantenstraße verübt zu haben, wird der Töpfer Schöffler von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Die letzte Denk- ßll^Csga:up.pe rn d er Si eg e sa 5l^e- wird voraussichtlich in

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a. 31., 31. Oktober.

3Va% Reichsanleihe . .

3% do. . .

3*/i% Konsole . . . .

3O/o do......

31 /2% Hessen . . . . 50/j Italien. Rente . . .

4 /0 0riech. Monopol-Anl. SO/j Portugiesen . . . . 3*J/0 Mexikaner . . . .

41/2% Chinesen . . .

der nächsten Woche enthüllt. Es handelt sich um das Stand­bild des Kurfürsten Johann Georg.

' Konstantinopel, 31. Okt. Infolge dreier pest- verdächtiger Krankheitsfälle in Saturn, von benen einer tätlich verlief, ordnete der oberste Sanitätsrat eine Zehsttägige Ouarantäne für Herkünfte aus Batum an. Herkünfte aus Liverpool werden einer ärztlichen Untersuchung unterworfen.

* Mailand, 30. Okt. In Gallarate wurden heute nachmittag zwei starke Erdstöße verspürt. Einige alte Häuser sind beschädigt worden. Auch aus Lodi wird von einer leichten Erderschütterung berichtet, ebenso aus Spezzta, Brescia, Verona, Domodossola, Genua, Savona, Rovi-Ligure, Massa-Marittima, Bologna und Reggio-Emilia.

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gedenken nicht geschossen worden.

Darmstadt, 28. Okt- Der Volksverein für das katholische Deutschland hielt gestern seine erste Winterversammlung im katholischen Gesellenhause ab. In seiner Begrüßungsrede wies Geistlicher Rat Dr. Elz auf die Thatsache hin, daß der Bolksverein heute zum ersten Male in Darmstadt mit einer Versammlung zugleich einen Familien ab end verbinde. Der Geschäftsführer des Vereins hielt einen kurzen Vortrag über die Erhöhung der Getreide- zölle, indem er die Notwendigkeit einer mäßigen Zoll- erhöhung auf ausländisches Getreide näher ausführte, um der einheimischen Landwirtschaft unter die Arme zu greifen, was sehr wohl geschehen könne, ohne der Industrie wehe zu Ihun. Der zweite Redner des Abends, Rektor Galley von Bessungen, sprach über die modernen Volksbildungsbestreb- imgen und die Lektüre des katholischen Volkes. Weit ent­fernt von der Mißbilligung der dahin gehenden Bestreb- imgen, auch dem Volke eine Teilnahme an der Wissenschaft zukommen zu lassen, trete auch die katholische Kirche für Aufklärung des Volkes ein, aber diese müsse eine echte und wahre sein und dürfe sich nicht in Widerspruch mit der katholischen Lehre setzen. Leider sei aber in häufigen Fällen die von gewisser, namentlich von sozialdemokratischer Seite dargebotene Aufklärung eine höchst sonderbare, ja geradezu haarsträubende. Redner wies sodann den gewaltigen Ein­guß, insbsondere der Lektüre geschichtlich nach, wobei er mur an die Brandschriften der Reformations- und Revo- llutionszeit erinnere, denen sich in neuester Zeit die Geistes- Produkte eines Zola mit ihren verhängnisvollen entsitt­lichenden Wirkungen auf den französischen Volksgeist an- Teihten. Der Redner schloß mit der Mahnung zur größten Borsicht in Benutzung der Lechbibliotheken und Zeitungen.

fc. Frankfurt" a. M., 30. Okt. Das im Zoologischen ©arten zum Besten der Kleinkinderbewahranstalt abgehaltene Wohlthätigkeitsfest brachte einen Reingewinn von 40 000 Mk. Davon spendete der Sultan von Johore allein 3000 Mk.

Herborn, 30. Okt- Die bis jetzt eingelaufenen An­meldungen zur Feier des Stadtjubiläums lassen auf eine große Teilnahme aus allen Kreisen schließen. Der am Vorabend stattsindende Fackelzug weist, wie dasHerborner Tageblatt" berichtet, nach den bisher eingegangenen Mel­dungen, eine Teilnehmerzahl von mindestens 420450 auf. Auch die Beteiligung an der Illumination ist eine allge­meine: sämtliche Behörden werden in entgegenkommendster Weise für eine würdige Beleuchtung der Dienstgebäude Sorge -tragen, und auch die Bürgerschaft wetteifert in jeder Hin­sicht, um die Illumination großartig zu gestalten.

" Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der Gemeinderatswahl in Lauterbach wurden wieder- gewählt : C. Th. Helfenbein mit 193 Stimmen, F. W. Lang mit 193 Stimmen, Ludwig Sandmann mit 190 Stimmen, Heinrich Stöhr II. mit 154 Stimmen. Neugewählt wurden: Jakob Diehm II. mit 135, Hermann Schiebelhuth mit 112 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war schwach. In Hanau ist der vor einigen Jahren in den Ruhestand getretene Pro­zessor E. Jassoy, vordem lange Jahre hindurch Lehrer an der königl. Zeichenakademie und als solcher ein eifriger För­derer unserer Edelmetall-Industrie, 74 Jahre all, gestorben. 3m Hause des Gastwirtes Mumm in Ober-Olm ereignete sich eine Explosion der Acetylen-Gasleitung. Personen wurden mm Glück nicht verletzt, aber der Sachschaden ist ziemlich groß. In Wiesbaden ist der Wirkl. Geh.-Rat Werner

Bergen, früherer deutscher Gesandter in Guatemala, im Alter von 62 Jahren gestorben. In Hahn und Hetten­hain sind mehrere Personen am Typhus erkrankt. In Laufenselden fordern Diphtheritis und Masern ihre Opfer; in Dörsdorf und einigen benachbarten Dörfern mußten Toegcn der zahlreich auftretenden Diphtheritis-Erkrankungen üe Schulen geschloffen werden. In Neu-Ysenburg ertranken in einem Waschzuber die zwei Kinder eines Metall­drehers, Mädchen im Alter von iy2 und 3 Jahren.

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Theater, Kunst und Wissenschaft.

Tie Berliner medizinische Gesellschaft bereitete am Mittwochabend ihrem langjährigen Ehrenpräsidenten 45rofenor Virchow eine nachträgliche Huldigung. Pros. Bergmann feierte Virchow, welcher dankte. _ .

Tolstoi'sSinn des Lebens". DemW. zufolge wurde am Mittwoch in Leipzig durch den Staatsanwalt bei dem Verleger Eugen Dieder 1 chs wegen Verächtlich m a chung der Kirche die BroschüreTer Sinn des Lebens b es ch l ag­nah m t, die u. a. Tolstoi's Antwort an den Synod enthalt. (4.as i't völlig unverständlich. Uns hat diese Broschüre in der im Ver­lage von Albert Langen in München erschienenen einzig de- oollmächtigten" deutschen Ausgabe vorgelegen, und wir haben darin in kurzer Form eine Art System von Tolstoi s -Welt­anschauung gesunden, an der es bisher fehlte. _ Wir erhalten durch ie einen bejonbers klaren Einblick m die tief religiöse Natur des Dichters, der zudem über die verschiedensten Gegenstände mit gleicher Lebendigkeit und Eigenart spricht. Die Schrift verdient das weitgehendste Interesse. Die Langen'sche Ausgabe, besorgt von Wladimir (Izumikow, enthält im Anhang als Zugabe noch einige Briefe Tolstoi's. (Heber den Selbstmord, Heber die religio,e Er­ziehung.) Die Schrift stammt übrigens nicht von Tolstoi selbst, andern ist von A. Tschertkow, dem Freund und Schüler 4,01,101 s, aus Briefen, Tagebüchern, Entwürfen des Grafen rc. zusammen­gestellt worden. Die beiden so viel besprochenen Dokumente, der Brief an den Zaren und das Schreiben an den Synod, wird jeder ernste Mensch gern wörtlich lesen. Selbst dieNordd. Allg. Ztg. hat vor einiger Zeit das Büchelchen aus dem Diederichs'schen Ver­lage anerkennend besprochen, und diesem Blatt wird doch wahr­haftig niemand zutrauen, daß es im stände wäre, eme Schrift zur allgemeinen Lektüre zu empfehlen, diedie Kirche verächtlich machen könnte. D. Red, desGieß. Anz.")

Univeisitüts Nachrichten.

Innsbruck, 30. Okt. An der hiesigen Universität fanden gestern und heute Kundgebungen gegen d i e Italien i - chen Vorlesungen des ncuberufenen Professors des Zivil­rechts Dr. Menestrina statt. Im Hörsaal befanden sich gestern neben 60 italienischen 200 deutsche Studenten, die dem Prof. Mene- trina Abzugrufe entgegenschleuderten. Ter Dekan und der Rektor versuchten vergeblich auf die Lärmenden einzuwirken. Die Deut­schen sangen dieWacht am Rhein", die Italiener antworteten mit der Trientiner Nationalhymne. Menestrma war außer Stande, die Vorlesung zu halten. Schließlich kam es zu Balgere 1 en. Die italienischen Reichsrats-Abgeordneten, die gestern über diese Vor­gänge berieten, billigen das Vorgehen der deutschen Studenten, da es ihnen gar nicht erwünscht ist, daß italienische Studenten m Innsbruck studieren; sie find auch gegen die Utraqmfierung der Innsbrucker Hochschule und fordern eine eigene italienische Universität in Trieft oder Trient. In diesem Sinne wollen die italienischen Abgeordneten auf die Regierung einwirken. Heute widerholten sich die Demonstrationen der deutschen Stu­dentenschaft gegen Prof. Menestrina in bedenklichster Weise. Die deutschen Studenten sind entschlossen, dessen Vorlesungen um jeden Preis zu verhindern. Die Univ ersit ät dürfte geschlossen werde n.

Neueste Meldungen.

Original-rahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

Berlin, 31. Okt. DieBerl. Polit. Nachr." schreiben: Nachdem der Eisenbahnminister in Rücksicht auf die Ar- beitsnot und die Lage der Industrie umfassende Neu­bestellungen von Güterwagen und Lokomotiven veranlaßt hat, soll von ihm jetzt auch eine Vermehrung der Per­sonenwagen iu Aussicht genommen sein. Es sollen demnächst 740 Personenwagen zur Vergebung gelangen im Werte von etwa 10 V3 Mill. Mk.

Hamburg, 31. Okt. Die Bürgerschaft nahm gestern Abend gegen die Stimmen der Antisemiten und Sozialdemo­kraten das Gesetz betr. die Errichtung der Detaillisteukammer an. Die Kammer behält keine Disziplinargewalt. Der Wahlturnus ist öjährig, die Mitgliederzahl 18.

Frankfurt a. M., 31. Okt. Bezüglich der Meldung des N. W. Tagblatts" erfährt dasD. B. H." authentisch, daß das Institut für experimentiere Therapie in Frank­furt a. M. seine bisherigen Aufgaben unverändert beibehält, daß aber zu diesen noch eine neue Aufgabe hinzutritt, näm­lich die Erforschung des Carcinoms. Die Bearbeitung dieser neuen Aufgabe ist nur möglich geworden durch die Stiftungen einiger hochherziger Frankfurter Bürger, durch deren Initiative die ganze Sache angeregt worden ist.

Karlsruhe, 31. Okt. Das führende badische Zentrums- blatt,Der Beobachter", veröffentlicht einen Bries aus Rom über die Berufung des Prof. Spahu, worin mit größter Be­stimmtheit versichert wird, daß der Artikel derVoce^della verita bezüglich der Ernennung Spahns anscheinend den höchsten,

Sandwirtschast.

Berlin, 30. Okt. Die FachzeitschriftTer Getreidemarkt" be­rechnet nach den einzelnen Staaten und Landestellen für Deutsch­land auf Grund von 5000 Umfragen den diesjährigen Ernte­ertrag an Weizen auf 2470000 Tonnen, an Roggen au 8145500 Tonnen, an Sommergerste auf 3021830 Tonnen, an Hafer auf 7105000 Tonnen. Das würde der offiziellen Ernteschätzung pro 1900 gegenüber einen Minderertrag von 1837560 Tonnen bei Weizen, 405200 bei Roggen, einen Mehrertrag von 265000 bei Hafer und 20000 bei Gerste bedeuten. Nach den Ziffern des Vor­jahres wurde das für das laufende Erntejahr einen Import­bedarf Deutschlands anWeizen von 3 Millionen, anR 0 ggen von 1 Millionen Tonnen bedeuten.

Berlin, 31. Okt. Einem Berichterstatter derBerl. Morgenp." bestätigte Oberbürgermeister Kirschner, daß in der That nach feiner Ansicht ein freiwilliger Ver­zicht des Stadtrats Kauffmann zur Lösung der Bürger- meisterfrage das Beste wäre.

Kopenhagen, 31. Okt. Kopenhagen steht vor der Gefahr einer vollständigen Stockung des Straßenbahnver­kehrs. Der Fachverein der Straßenbahn-Bedien­te t e n hat den Streik beschlossen, wenn ihre Forder­ungen, wovon einige bedeutende Einschränkungen der Rechte der Gesellschaft bei der Anstellung und Entlastung des Per- onals bedeuten, abgelehnt würden. Die Gesellschaft hat eine scharfe, abschlägige Antwort erteilt. Die Angestellten ollen jeder einzeln wegen Kontraktbruch verantwortlich gemacht werden. Die sozialistischen Führer mißbilligen den Streik.

London, 31. Okt. Die Bergarbeiter von Süd - Wales beschlossen, drei Tage lang die Arbeit einzu- t eil en. Die Vereinigung der Bergwerkbesitzer von Car­diff faßte infolgedessen gestern den Beschluß, die einzelnen Arbeiter sowie den Verband der Bergarbeiter von Südwales und den Verband der Bergarbeiter von Großbritannien gerichtlich zu verfolgen. 100 000 Arbeiter werden heute die Arbeit einstellen. Alan glaubt, daß infolge dieser drei­tägigen Arbeitseinstellung 400000 Tonnen Kohle weniger produziert werden. Der Preis der Steinkohle steigt in Voraussicht dieser Abnahme der Kohlenproduktion beträchtlich.

London, 31. Okt- Lord Roberts inspizierte gestern die Londoner Befestigungen und forderte möglichst schnelle Ergänzung der verschiedenen Geschütze durch solche neueren Systems. Der Korrespondent desNew- Po rk Journal" in Sofia meldet. Miß Stone befinde sich in einem macedonis che n Harem. Der Vertreter der Banditen, mit welchem sich die amerikanische Gesandt­schaft in Konstantinopel in Verbindung gefetzt hat, hat sich bereit erklärt, auf eine Herabsetzung des verlangten Lösa­gendes einzuZehen. Die tägliche Verlustliste der eng­lischen Truppen beziffert sich für gestern auf 2 Tote, 4 Ver­wundete und 4 an Krankheit Verstorbene.

Haag, 31. Oktober. Nach hier eingetroffenen Mel­dungen hat Delarey am 24. ds- über General Me- thuen einen Sieg davongetragen. Sämtlicher englische Proviant sowie vier Kanonen wurden erbeutet. 150 Engländer sind tot und verwundet, viele gefangen.

Paris, 31. Okt- Die radikale Kammergruppe beab­sichtigt, die Regierung zu interpellieren und durchzufetzen, daß die französischen Missionare, welche während des Boxer- Aufstandes an ihrem Eigentum geschädigt worden sind, nichts von der Entschädigung von 75 Millionen Franks, welche an Privatpersonen oder Gesellschaften zur Verteilung ge­langen sollen, erhalten.

Rom, 31. Okt. In Süd-Italien richten seit einigen Tagen Sirocco-Stürme großes Unheil an. In Messina war für einige Tage jeder Straßenbahn-Verkehr unter­brochen. Tie Züge von Messina nach Santa Teresa werden von ScrndwLllen blättert. Ter Sturm zerstörte in der Um­gebung Messinas mehrere Häuser, unter denen 12 Menschen begraben wurden. Aehnlich wütete das Unwetter in der Provinz Catania. Die Weingärten und Olivenhaine wurden verschüttet. Auch in Tarent wütet das Unwetter furchtbar. Die Eisenbahn Tarent-Bari ist durch den Einsturz zweier Brücken unterbrochen. Truppen sind zu den Rettungs­arbeiten aus den benachbarten Garnisonen abgesandt.

Gardone (Riviera), 31. Okt. Hier fanden zwei kurze heftige Erdstöße statt und später noch zwei leichte. In verschiedenen Häusern sind Kamine eingestürzt. Besonders in Salo ist der Schaden ziemlich groß. Auch in Meran wurde gestern nachmittag dreiviertel 4 Uhr em 10 Sekunden währendes Erdbeben beobachtet. Die in Laibach befindliche Erdbebenwarte registrierte zur selben Zeit ein starkes etwa 100 Kilometer entferntes Erdbeben, wahrscheinlich in Dalmatien. _ , . , . r

Wien, 31. Okt. DasN. W. T." bringt eme Spezial- Meldung, nach der Profestor Ehrlich in Frankfurt am Main von Kaiser Wilhelm beauftragt wor­den sei, sich künftig ausschließlich der Er f 0 r schun g d er ' Krebskrankheit zu widmen. Ehrlich soll .ein bakte- rioloaifcbes Institut bereits im Sinne der Wünjche des 1 Kaisers umgewandelt und einen Wiener Arzt als Assistenten 1 berufen haben.______________

Gerichtssaal.

Leipzig, 30. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Deserteur Lange wegen Raubansatls, begangen an dem Opernsänger Greder, wegen Fahnenflucht und Diebstahls zu neun Jahren Zuchthaus.

Leipzig, 30. Okt. Die Voruntersuchung gegen die Direktoren und Aufsichtsräte der Leipziger Bank ist zum Abschluß ge­langt. Die Akten werden nnnmchr der Staatsanwaltschaft zugehen. Nach Lage der Dinge soll der Strafprozeß gegen die Angeklagten erst im nächsten Jahre stattfinden.

Paris, 30. Okt. Ein im Jahre 1898 zu 5 Jahren Ge­sang nisverurteilterMann, dessen Unschuld sich jetzt herausgestellt hatte, wurde gestern vom Gericht freigesprochen und ihm 20000 Fr. als Entschädigung für die bereits ver-- büßte 3jährige Hast ausgezahlt.