Ausgabe 
1.11.1901 Erstes Blatt
 
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Volttische Tagesschau.

Waldersee und Voyron.

General Voyron ist seitens des Grasen Waldersee nicht nur mit der ausgesuchtesten Freundlichkeit behandelt, sondern auch mit Lob und Anerkennung förmlich über­schüttet worden. Kaum hatte der deutsche Oberkommandierende in Algier den Fuß auf französischen Boden gesetzt, als er auch bereits die Gelegenheit wahrnahm, dem General Voyron und dem französischen Expeditionskorps das schmeichelhafteste Zeugnis auszustellen. Wiederholt hat sich dann Graf Walder­see in dem gleichen Sinn geäußert, zuletzt noch zu Bericht­erstattern Pariser Blätter, wenn wir nicht irren, auch des­selbenMatin", der nun die Briefe veröffentlicht, in denen Voyron betont, wie selbständig und unabhängig vom Grafen Waldersee er die französischen Jntereffen gewahrt habe. General Voyron hat sich gleich nach seiner Rückkehr hierfür in seltsamer Weise erkenntlich gezeigt, indem er Pariser Be­richterstattern boshafte Bemerkungen über den Grafen Waldersee in die Feder diktierte. Es geschieht nicht zum erstenmale, daß deutsche Freundlichkeiten von französischer Seite derart erwidert werden. Man sollte doch diesseits endlich die entsprechende Lehre ziehen und den Franzosen gegenüber immer einewürdige Zurückhaltung" beobachten, damit uns unliebsame Erfahrungen erspart bleiben, wie in diesem Fall wiederum. Ein französischer General, der sich bei seinen Landsleuten Ansehen erwerben und vielleicht noch eine größere Rolle spielen will, wird deutsche Anerkennung immer als ein Hindernis für sein Vorwärtskommen betrachten und deshalb leicht dazu verführt werden, auf deutsches Lob mit einer taktlosen Herausforderung zu antworten. Das trifft nicht nur auf französische Offiziere, sondern auf die Franzosen überhaupt zu. Man sollte daher deutscherseits mit Lob und Anerkennung den Franzosen gegenüber recht sparsam und vorsichtig sein. Wenn auch die frühere beständige Spannung in den deutsch-französischen Beziehungen erheblich nachgelassen hat, so beweisen doch Zwischenfälle, wie der hier besprochene, hinlänglich, daß auch das freundlichste Entgegenkommen von deutscher Seite auf französischer Rückfälle in den alten Chauvinis­mus niemals zu verhindern vermag. Voyron scheint übrigens die rücksichtslose Veröffentlichung der Briefe nicht ohne Waldeck- Rousseaus Mitmissen bewerkstelligt zu haben. Der Minister­präsident will dadurch den drohenden Interpellationen in der Kammer über die deutsche Führerschaft in China den Stachel abbrechen und eine leichtere Bewilligung der Chinakredite herbeiführen. Wie verlautet, hat der Jmmediat- vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser die In­diskretion des Generals Voyron zum Gegenstand gehabt.

Ans Stadt nnd Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist.nur unter genau er Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, den 31. Oktober 1901.

»* Das Universitäts-Rektorat teilt uns mit, daß die (uns von sehr geschätzter Seite zugegangene) Nachricht, daß Prof. Leutert aus Königsberg einen Ruf nach hier angenommen habe, unrichtig ist; die Verhandlungen sind noch gar nicht abgeschlossen.

Kirchliche Persoualnachrichten. Der Großherzog hat den durch die Dekanatssynoden der Dekanate Alsfeld und Mainz für den Rest der laufenden Wahlperiode vollzogenen Wahlen des evangelischen Pfarrers Heinrich Klingenschmidt zu Romrod zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Alsfeld und des evangelischen Pfarrers Peter Grünewald zu Mainz zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Mainz die Be­stätigung erteilt.

Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Großherzog- lichcn Bürgermeister Georg Büttner zu Mühlheim (Kreis Offenbach) das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

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Nr. 257

Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 1 November 1901

Erscheint täglich nut Ausnahme des Montags.

Die Eichener Familien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" vrermal wöchenttich bei­gelegt.

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GietzenerAnzeiger

M Seneral-Akzeiger **

Kaiserworte.

Ob Kaiser Wilhelm II. gesagt hatKommen keine Handelsverträge zu stände, so schlage ich alles kurz und klein" ist bisher offiziös weder bestätigt mich abgeleugnet worden. DieBoss. Ztg." be­hauptet, daß von einer solchen Aeußerung, wie sie von einem Mitgliede des Reichstages einem vstpreußischen Blatte mitgeteilt worden ist, in tinzelnen politischen Kreisen schon vor fünf Wochen die Rede war. In einzelnen Blattern, die erfahrungsmäßig gute Beziehungen zu amtlichen Stellen unterhalten, wird die Möglichkeit, in andern sogar die Richtigkeit der Meldung zugegeben. Außerdem wurde, wie wir bereits mitteilten, von derRat. Ztg." versichert, der Kaiser lehne es unbedingt ab, auf Äeußerungen, die aus Privatgesprächen mit ihm in die Oeffentlichkeit ge­bracht werden, irgendwie zurückzukommen, während ein anderes Blatt berichtet, der Kaiser habe es sichenergisch verbeten, auf Aeußerungen, die er in einem unverbindlichen Gespräch, bei einer Nachtischuuterhaltung usw. thut, öffent­lich festgelegt zu werden". Ob es nach diesen Auslassungen wahrscheinlich ist, daß die streitigen Worte gefallen oder nicht gefallen sind, mag der unbefangene Zuschauer selbst entscheiden.

Wie hat sich die Presse zu Aussprüchen des Kaisers ru verhalten? Diese Frage ist schon bei Kundgebungen, Die dem Wortlaut nach sesfftehen und beglaubigt sind, nicht leicht zu beantworten. Es geht nicht an, sie mit Still­schweigen zu übergehen, wenn sie in das politische Leben eingreifen. Mit Fug ist oft gefordert worden, daß solche Kundgebungen nicht anders als mit ministerieller Gegen­zeichnung erlassen werden, damit die Kritik, wenn sie unvermeidlich ist, sich nicht gegen den Träger der Krone, sondern gegen ihren verantwortlichen Ratgeber richte. Es leuchtet ein, daß die Ablenkung mancher Verstimmung auf den Minister nur dem Demarchen und der Monarchie zum Nutzen gereichen kann. Wie aber, wenn die Gegen­zeichnung unterblieben ist? Der Gedanke, daß dann eine öffentliche Erörterung der Kundgebung unterbleiben müsse, ist undurchführbar. In einem Staatswesen wie England mag es auf die Privatansichten des Herrschers wenig an­kommen, weil dort die Mehrheit des Unterhauses der Politik Ziel und Richtung giebt und zudem alle Welt weiß, daß Herr Chamberlain den allergrößten Einfluß be­sitzt. Im Deutschen Reich wird die Politik vom Kaiser bestimmt und in den meisten Einzelheiten jetzt mehr als je zuvor. Darum kann man politische Aeußerungen des Herrschers nicht mit Stlllschweigen übergehen, zumal da der Kaiser gesagt hat:Was ich mir einmal vorgenommen habe, das führe ich auch durch."

Der Einfluß, den der Kaiser auf alle Zweige der Gesetzgebung und Verwaltung ausübt, mitunter auch gegen das Gutachten seiner Minister, ist zu groß, als daß seine markanteren Aeußerungen, auch wenn sie nicht durch die Ministerverantwortlichkeit gedeckt sind, unerwähnt bleiben dürften. Gilt das von schriftlichen Aeußerungen, so nicht anders von mündlichen. Auch solche Worte können von großer politischer Tragweite werden. Wer kann behaupten, daß der Kaiser seine Aussprüche vertraulich behandelt zu zu sehen wünscht? Eine solche Auffassung ist gelegentlich für den Fall, daß er' sich im Kreise seiner Offiziere be­finde, geäußert worden. In anderen Fällen kann der Kaiser seine Worte genau in der Absuht, daß sie auf politische Weise wirken, gewählt haben.

lieber die Gesinnung des Kaisers wird Graf Bülow längst nicht im Zweifel sein. Je weniger durchsichtig aber die Politik des Reichskanzlers ist, um so größeres Interesse hat die Oeffentlichkeit an der Politik des Kaisers. Das ist begreiflich, weil sein Wille schließlich entschieidet, und well er besondere Vorrechte in der Zollgesetzgebung hat. Gegen den Willen des Monarchen kann auch von überein­stimmenden Mehrheiten des Bundesrats und des Reichs­tages an den bestehenden Zöllen nichts geändert werden. Unter diesen Umständen haben Aeußerungen des Kaisers über die Handelsverträge eine erhebliche Tragweite. Ist der Monarch in weit höherem Maße als früher der per­sönliche Leiter der Politik, so sind auch seine politischen Aussprüche von zu großem Belang, als daß sie nicht ver­zeichnet oder nicht erörtert werden dürften, wenn sie nur in einer Form berichtet werden wie viele andere Aussprüche, die die Geschichtschreibung als wertvolle Beiträge zum Cha­rakterbilde eines Herrschers behandelt hat. Ist der neueste Ausspruch Kaiser Wilhelms zutreffend berichtet, so ist seine Wiedergabe nur natürlich. Und beruhte er nur aus falschen Gerüchten, so wäre ebenso natürlich, daß er in aller Form in Abrede gestellt würde.

Die 13. allgemeine Konferenz der deutschen SittüchLettsvereine in Leipzig brachte u. a. zwei Fr au en Versammlung en. In der ersten hielt Sup. Niemann aus Kyritz einen Vortrag über Fr au en recht und Fr auen d ien st". Er führte in der Hauptsache folgendes aus: Es sei ein Zeichen unserer Zeit, daß man bei jeder Frau, die int öffentlichen Leben stehe, für deren Ruf fürchte. Hieran sei zum Tell dre Frauen-Emanzipation schuld, die in ihrem Eifer oft über das Ziel hinausschieße und thue, als ob die Hausfrau ein .abgethaner Begriff, als ob die Hausfrau nur der Dienst- Ibote des Mannes sei. Andererseits sei man blind gegen -jeden gesunden Fortschritt und übersehe die Notwendigkeit, der Frau Einttitt in das Erwerbsleben zu schaffen. Der 'Mittelweg sei auch hier der beste. Nach einem historischen lleberblick bemerkte der Redner dann weiter: Seien auch 'Mann und Weib vor Gott gleich, so seien sie doch nicht in der Ehe gleichartig, wohl aber gleichwertig. Der Mann dilde das Haupt, das Weib das Herz. Jedes habe besondere 'Rechte und Pflichten. Daß der Wann die größte Verant­

wortung habe, sei keine Entwertung des weiblichen Ge­schlechts. Er soll Dein Herr sein, bedeute nicht Zwingherr, sondern Schützer. Die Verhältnisse zwängen die Frauen, sich Berufe zu suchen. Zwar sei auch hier schon viel ge­schehen, aber noch lange nicht genug. An das Studium der Frau denke er hierbei jedoch nicht. Die Frau könne sich in der Liebesthätigkeit, Kindererziehung, Krankenpflege ein großes Feld schaffen. Haushaltungsschulen seien Mäd­chen-Gymnasien vorzuziehen.

Hierauf sprach Frl. Mellien aus Berlin über das Thema Frauennot und FrauenHilfe". Sie verbrellete sich über die Liebesthätigkeit in den Frauen- und Kinder-Ge- sungenenanstalten. Die Verhältnisse in diesen Anstalten seien viel zu wenig bekannt und viel gebe es hier noch zu bessern. Sie weise nur darauf hin, daß Sachsen und Mecklenburg die einzigen Staaten seien, die besondere Straf- richtiger Besserungs-Anstalten für jugendliche Verbrecher hätten ,während sonst überall die jugendlichen Gefangenen mit deit älteren Gefangenen zusammengethan werden. Daß hierdurch der schlechte Einfluß der älteren Gefangenen auf das jugendliche Gemüt nicht ausbleibe, liege auf der Hand. Ein großer Fehler sei es auch, daß weibliche Gefangene von Männern bewacht würden, und es sei sehr nötig, daß auch hier Abhilfe geschaffen werde. Zu fordern wäre ferner die Festsetzung der Sttafmündigkeit vom 12. auf das 14. bis 16. Lebensjahr und weiter sei zu fordern, daß es nicht an der erforderlichen Seelsorge wie am Schulunterricht mangele und daß die Kinder in den Gefangenenanstalten in ge­eigneterer Weise als bisher beschäftigt würden. Auch in der Unterbringung der weiblien Gefangenen biete sich ein großes Feld in der Frauenhilfe. Sei aber immer Liebe, fröhlicher Glaube, frohes Hoffen vorhanden, dann gelinge auch das Werk.

Zu gleicher Zeit tagte im großen Saale des Zoologischen Gartens eine Männerversammlung. Hier sprachen Geh. Rat Professor Dr. So hm aus Leipzig über das Thema Der deutsche Mann und die Sittlichkeit" und Hofprediger a. D Stöcker aus Berlin über das Thema Waslehren die Skand alprvzesse derGegen- toart?" Sohm führte etwa folgendes aus:

Viele sind es, die der Sittlichkeit in der Theorie zu- gethan sind, sobald die Sittlichkeit aber praktisch wird, kehren sie um. Für den deutschen Mann hat die Sitt-, lichkeit eine doppelte Bedeutung: sie ist die größte öffentliche und die größte private Sache des deutschen Mannes. Dem deutschen Volke stehen schwere Aufgaben bevor, seine Zukunft liegt auf dem Wasser. Wird die wirtschaftliche Entwickelung über das Schicksal des deutschen Volkes entscheidend sein? Nein! Die entscheidende Thatsache, von der alles in der ungewissen Zukunft abhängt, ist, ob in den Tiefen unseres Volkes sittliche Kraft genug ist, um solche Aufgaben auf unsere Schultern zu legen. Auf das sittliche Leben, nicht nur der oberen, gebildeten Klassen, sondern der großen, breiten Masse des Volkes kommt es an, darauf, ob im deutschen Volke genügend sittliche Wittensenergie, Pflicht­bewußtsein und Pflichterfüllung vorhanden ist. Die Sitt­lichkeitsfrage ist die größte nationale Frage. Die Sittlich­keit allein macht das Volk stark und unüberwindlich, wie uns das Burenvolk zeigt. Wie steht es mit der Sitt­lichkeit unseres deutschen Volkes? Neben manchen Lichtseiten sehen wir auch viel Schatten. Ein großer Teil der Sitt­lichkeitsfrage ist die Wohnungsfrage. Aber niemand will von der Wohnungsfrage etwas wissen. Niemand, ausge­nommen einzelne Privatpersonen, nimmt sich der Wohn­ungsfrage an. In gleichem Maße hängt die soziale Frage mit der Sittlichkeitsfrage zusammen. Das soziale Elend der breiten Masse des Volkes wird erzeugt durch die Un­sittlichkeit. Darum, wer etwas für die Sittlichkeit thun will, tnuß in der Sozialpolitik arbeiten. Wer das Empor­steigen der großen niederen Menge hindert, ist schuld an diesem das Herz verhärtenden Elend. Niemand will aber hiervon etwas hören, niemand Witt praktisch arbeiten. Wer der Sittlichkeit dienen will, erkenne seine sozialen Pflichten, er thue seine Schuldigkeit. Die Sittlichkeit ist aber auch die allergrößte Privatsache. Das Wohl und Wehe dieser Welt hängt an erster Stelle am inneren Leben. Die christ­liche Sittlichkeit, das ist die Kraft des Mannes, des deutschen Volkes. Hofprediger a. D. Stöcker verglich in seinem Vortrag das deutsche Volk mit Simson und die Unzucht mit der Delila. In den Büchern unserer Richter und in dm Gerichtssälen fände man diese Anschauung bestätigt. Neben den Skandalprozessen, denen die Unzucht zu Grunde liege, gebe es noch viele Skandalprozesse, die sich im Ge­heimen abspielten. Die Vergehen und Verbrechen gegen die Sittlichkeit seien in Preußen in den Jahren von 1887 bis 1895 um das Doppelte, von 7400 auf 14 700 gestiegen. Aber diese Skandalprozesse seien nur die Blasen auf dem Sumpfe, die Schmutzwellen eines Schmutzteiches, und es sei ein Fehler, nur die Blasen, nicht den Sumpf zu sehen. Der Redner zählte dann die hauptsächlichsten Skandalprozesse der letzten Jahre auf. Sie lehrten uns, daß im Volke etwas faul sei, daß auch das Staatswesen, das viele Dinge gehen lasse, mit Anteil habe an diesen Zuständen. Daß die Schamlosigkeit wieder als solche in Büchern und Bildern, wie auf der Bühne erkannt werde, daß nicht nur der Gipfel dieser Pro­zesse, sondern die ganze Kette gesehen werde, dazu müsse Staat, Kirche, Gemeinde und jeder einzelne beittagen.

Am Dienstag wurde die Hauptversammlung abgehalten. Pfarrer Mätzold-Dresden referierte über den Stand der Sittlichkeitsbewegung in Sachsen. Pfarrer Lic. Dr. Boehmer- Raben hielt einen längeren Vortrag über das ThemaW a s kann geschehen zur Hebung der Sittlichkeit in unserer gebildeten männlichen Jugend?" Der Redner war der Meinung, daß dem junger: gebildeten Manne gelehrt werden müsse, sich selbst zu erziehen, daß Elternhaus, Schule, Kirche und Gesellschaft zur sittlichen

Charakterbildung das ihrige beitragen müßten, und daß in Bezug auf Kunst-, Litteratur- und Theatergenuß eine vorsichtige Auswahl getroffen werden müsse.

Die zweite öffentliche Frauenversammlung hatte die Ortsgruppe Leipzig des deutsch-evangelischen Frauenbundes veranstaltet. Es sprachen über die Bedeutung des deutsch-evangelischen Frauenbundes Pastor Lic. Weber aus München-Gladbach und Pastor Mätzold aus Dresden. Weber verbreitete sich über Zwecke und Ziele des Bundes. Da gebe es einzelne Ortsgruppen für Krippen Heiner Kinder, deren Mütter tagsüber auf Arbeit gehen, andere Gruppen seien in der Armen- und Waisenpflege thätig. Noch andere nähmen sich der Gebrechlichen an und weiter seien die Mit­glieder thätig in Kinderheimen und in der Dienstbotenfrage. Gerade die letztere biete ein weites Feld und vieles gebe es hier noch zu bessern. Ganz besonders müsse gefordert werden, daß die vorhandenen Arbeiterschutzgesetze auch auf die Dienstboten ausgedehnt würden. Der Bund nehme sich der Fabrikarbeiterinnen an, er habe die Heimarbeiterinnen zur Hebung ihrer Lage organisiert und er sei bestrebt, für die Ladnerinnen ein gleiches zu thun, er entfalte reiche Fürsorge für die Wöchnerinnen armer Familien, für die Frauen der Trinker, für gefallene Mädchen, er habe Bahnhofsmissionen eingerichtet und sei nach jeder Richtung hin thätig, wenn es gelte, für die Frauen ein christliches Liebeswerk zu thun. Der Redner schloß mit dem Ersuchen, den Bund durch Erwerbung der Mitgliedschaft und durch thätige Arbeit zu unterstützen.