Ausgabe 
1.10.1901 Zweites Blatt
 
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führer Stotter., Dieser ist apgellagt wegen Aufruhrs, wegen Ermordung farbiger unbewaffneter Späher, wegen Ermordung im Felde stehender Soldaten, und ferner, weil er Eisenbahnzüge in die Luft gesprengt und britische Unter- thanen sowie andere Europäer habe durchpeitschen lassen. Lotter bekannte sich nur des letzteren Vergehens schuldig. Er machte geltend, er sei Bürger des Oranje-Frerstvats.

Aus Matjesfontein wird gemeldet: Scheevers gmg über den Olifant-Fluß zunächst nach Südosten. DL er hier von britischen Truppen verfolgt wurde, ging er in nördlicher Richtung vor, wahrscheinlich, um sich mit den Kommandos Louws, Maritzs und anderen Kommandos, im Ganzen einigen hundert Mann, nördlich von Clanwilliam, zu vereinigen. Aus Greyton kommt folgende Nachricht: Tie Buren griffen am 24. September die Basutos an. Nach einem Verlust von 3 Toten zogen sich die Buren zurück. Auch die Basutos sollen mehrere Mann verloren haben.

"Tie PariserPatrie" berichtet folgendes: Der Prä­sident Lvubet> der Zar, die Königin von Holland, der König von Griechenland und der König von Italien seien einverstanden, den Schiedsge­richtshof im Haag zu ermächtigen, auf ihre amtliche Zustimmung zu rechnen für den Fall, wenn sich derselbe mit dem Protest, der Buren über die Kitchener-Proklamation befassen werde. Der holländische Minister des Aeußeren lehne es zwar vorläufig ab, die Verantwortlichkeit zu über­nehmen; trotzdem soll sich das Ereignis am Dienstag zu- trggen. Sollte es aus irgend einem Anlaß nicht stattsinden, so würde das russische Amtsblatt am 5. Oktober ein Dekret veröffentlichen, das sofort sämtlichen bei der russischen Regierung beglaubigten Vertretern ^überreicht werden wird, wie dies mit dem Dekret vom August 1898 bezüglich Ein­berufung des Friedenskongresses der Fall gewesen. Dieses Dekret wird den Regierungen sämtlicher zivilisierterNationen die Einberufung einer Konferenz Vorschlägen, welche sich! damit befassen wird, die Friedensidee durch die dauernde Einführung des Schiedsgerichts und die progressive und proportionelle Entwaffnung triumphieren zu lassen.

Aas Statt und Zand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten Kt nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.

Gießen, 30. September 1901.

* Die Karte von Hessen trifft morgen früh ein und gelangt von 10 Uhr vormittags an in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zur Ausgabe. Bestellungen von auswärts beliebe man den Zweigstellen aufzugeben, Postabounentm werden gebeten durch Postkarte zu bestellen.

Gießen, den 30. September 1901.

Verlag des Gießener Anzeigers. Brüh lösche Druckerei.

** Personal-Nachrichten. (Telephon-Meldung desGieß. Anz.") Der Großherzog hat oen Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen, Tr. Ernst Kornemann auf sein Ansuchen vom 1. November aus dem Staatsdienst ent­lassen und den Oberlehrer am Gymnasium und an der Realschule in Worms, Hermann Rahn zum Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen mit Wirkung vom 1. November ab ernannt. Ter Großherzog hat ferner dem früheren Orts­gerichtsmann Joh. Eckstein V: zu Herchenrode das All­gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift für langjährige treue Dienste verliehen.

" Männerturnverein. Vom schönsten Wetter begünstigt, wap der gestrige Ausflug des Männerturnvereins, der die Teilnehmer über Wißmar, den Altenberg und Odenhausen nach Lollar führte. Hier fand mit den Lollarer Turnern ein gemütliches Zusammensein statt, das durch Gesangsvorträge seitens des Männergesangvereins Lollar verschönert wurde. Nur allzu rasch flössen die schönen Stunden, die den Teil­nehmern noch lange in Erinnerung bleiben werden.

* * Wiffeuschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer. Geh. Hofrat Prof. Dr. B e h a g h e t hielt am Samstag nach­mittags von 4 bis 6 Uhr in der großen Aula des Unioersitäts- gebäudes zwei Ergänzungsoorträge und zwar überPersonen­namen" und überSprachgebrauch und Sprachrichtigkeit". Danach erstattete der Rechner des Kurses Bericht über die Einnahmen und Ausgaben. Von dem Ueberschuß wurde ein Reservefonds für spätere Kurse angelegt, der den Mitgliedern des ersten Kursus, die auch die späteren besuchen, zu gute kommen soll. Der zweite Vortragszyklus ftndet voraussichtlich im nächsten Frühjahr statt.

* Bieberthalbahn. Der vom 1. Oktober ab bei der Bieberthalbahn in Kraft tretende Winterfahrplan weist gegen den bisher gütigen Fahrplan nicht unwesentliche Verände­rungen auf. Vom 1. Oktober ab sind die Zeiten für die Abfahrt aus Gießen folgende: 600 (W), 713, 11M, l19, 3M*, 503 *, 6a5(W), 730* (bis zum 31. 10. 01 und vom 1. 4. 02 ab.) Bisher fuhren die Züge aus Gießen zu folgenden Zeiten ab: 5", 7<°, IO30, 12»®, 2°°, 3®°, 4®®, 53®, 6* * 3 * * 6 * * *®, 819 Es verkehren also im Winter zwei Züge weniger. Aus Bieber fahren die Züge zu folgenden Zeitpunkten ab: 64® (bis 31. 3. 02 (W), 60 (vom 1. 4. 02 ab) (W), 7» (bis 31. 10. 01

(W), 754 (vom 1. 11. 01 üb) (W), 8"', 1235, 30*, 45®,

648, 905* (bis 31. 10. 01 und vom 1. 4. 02 ab.) Bisher

waren die Zeitpunkte folgende: 5®°, 6°®, 880, ll10, l2®, 3°°,

400, 62®, 72S, 910. Die mit W bezeichneten Züge verkehren nur an Werktagen, während die mit einem Stern bezeichneten nur an Sonn- und Feiertagen verkehren.

** Eisenbahnunfall verhütet. Der Aufmerk­samkeit des Maschiuenführers ist es zu verdanken, daß gestern morgen auf der Strecke Gießen-Fulda ein Eisenbahnunfall verhütet wurde. Während der um 8 Uhr hier abgehende Zug nach Fulda sich zwischen Ehringshausen und Zell-Romrod befand, bemerkte der Maschinenführer, daß auf den Schienen eine schwere Eisenbahnschwelle lag. Ter Zug hielt infolgedessen so lange auf freiem Felde, bis die Schwelle, die anscheinend sogar auf den Schienen befestigt, entfernt war.

** Deutsche Gesellsch Sft zur Re ttuNg Schä ff­brüchiger. Der langjährige Vertreter dieser Gesellschaft, Stadtverordneter Jean Kirch, hat sein Amt niedergelegt. Wie man uns mitteilt, wird Fabrikant Adolf Klingspor vis Vertreterschaft für die Zukunft übernehmen.

hn. Oberurff, 29. Sept- Im hiesigen Schlosse sand gestern die Vermählung des Grafen v. Schaumburg, 'irrigen Sohnes des Prinzen Philipp v. Hanau mit Fräulein v. Trott, Tochter des Oberstleutnants v. Trott 'j.att Den TrauungSakt vollzog Pfarrer ßn bemann-? Niederurff.

><e. Friedberg, 29. Sept. Gestern hat sich ein Reisen­der, der in einem hiesigen Geschäft Arbeitete, im Walde WeLEW» HFM rr L & " -

e. Bad-Nauheim, 29. Sept. Am Mittwoch, den 1 9. Oktober, findet hier die Bürgermeister wähl statt, i Der jetzige Bürgermeister, Jean Wörner, verwaltet sein Amt bereits 18 Jahre, gerade feit der Zeit, in der Nau- . heim einen so großartigen Aufschwung genommen hat. . Ein Gegenkandidat ist bis jetzt nicht aufgestellt worden. Am 1. Oktober wird die Regierung durch einen aus­wärtigen Unternehmer das Steigerohr der Quelle VII großer Sprudel) untersuchen lassen. Im Falle es chadhaft ist, erfolgt eine neue Verrohrung.

re. Ranstadt, 29. Sept. Gestern fand hier die Wahl res Bürgermeisters statt. Ter seitherige Bürger­meister, Birken stock- ist einstimmig mit 120 Stimmen wiedergewählt worden. Tieft einstimmig erfolgte Wahl ist gewiß ein schönes Zeichen für die Einigkeit in unserem Ort. Auch in Gettenau ist der seitherige Bürger­meister Möbius am vergangenen Mittwoch einstimmig wieoergewählt worden.

tz Stockheim, 29. Sept. Vorgestern geriet der an hiesiger Zuckerfabrik beschäftigte Arbeiter Ger lach von hier beim Rangieren der Eisenbahn-Rübenwagen zwischen die Puffer. Er erlitt starke Quetschungen und liegt schwer- krank darnieder.

m Alten stabt, 29. Sept. Bei der gestrigen Bürger­meisterwahl ging es hei/pher; der seitherige Bürgermeister Wagner erhielt 107 Stimmen, sein Gegenkandidat Kröll ebenfalls 107 Stimmen. Es wird deshalb nochmals eine Wahl anberaumt werden müssen.

-1. Grünberg, 30. Sept. In der hiesigen geräumigen Turnhalle hatte sich gestern ein zahlreiches Publikum ein» gefunden, um dem vomBauer'schen Gesangverein aus Gießen veranstalteten Konzert beizuwohnen. Das reichhaltige Programm bot dem Vereine Gelegenheit, den ihm vorausgehenden guten Ruf aufs neue zu befestigen. Dank der vortrefflichen umsichtigen Leitung seines Dirigenten, deS Kapellmeisters Paul Polster, von dem wir auch einige mustergültige Kompositionen zu hören bekamen, gelangten sämtliche Vortrage des gut geschulten und über ein treffliches Stimmenmaterial verfügenden Chors zur vollsten Geltung. Die Zuhörer kargten denn auch nicht mit dem Beifall und nötigten die wackere Sängerschar zu einigen Zugaben. Er­wähnt zu werden verdienen noch die prächtigen Soli, die die Mitglieder des Vereins Bellof und Bedorf vortrugen, so­wie die schönen Darbietungen des Doppelquartetts.

? Butzbach, 30. Sept. Zu unserem Bericht über die Be­erdigung des Frau Melchior in Nr. 228 wird uns mitgeteilt, daß Frau Melchior zuletzt wasiersüchtig war, weshalb der Sarg etwas breiter als andere Särge war. Doch sei peinliches Auffehen dadurch nicht verursacht worden. Uebrigens steht nicht der Kirchengemeinde, sondern der politischen Gemeinde das Aufsichtsrecht über den Friedhof zu. Auch ist von ähn­lichen Unzuttäglichkeiten nichts bekannt.

Eckartsborn, 29. Sept. Heute wurde der langjährige Bürgermeister unserer Gemeinde, Jacob Meyer, beerdigt. Bis zum vorigen Jahr bekleidete der Verstorbene trotz seines hohen Alters sein Amt. Meyer versah seine Obliegenheiten treu und gewissenhaft. Während der letzten Jahre seiner Amtsthätigkeit wurden ihm zwei Orden verliehen. Die Be­teiligung der Gemeinde und Umgegenb bei der Bestattung war überaus groß.

A. Fauerbach b. Nidda, 27. Sept. Bei der Bürger­meisterwahl am 25. d. M. ist an Stelle des seitherigen Bürgermeisters Edelmann der Landrat Nies mit geringer Stimmenmehrheit zum Bürgermeister gewählt, worden. Edel­mann hat sich viele Verdienste um seine Gemeinde erworben. Wie man hört, soll gegen die Wahl Reklamation eingelegt werden.

bb. Borsdorf, 28. Sept. Bei drr heutigen Bürg er­weist erwähl wurde der seitherige Bürgermeister I. Weiß T. zum dritten Male auf 9 Jahre wiedergewählt. Man hofft, daß der Wiedergewählte wie setther auch fernerhin seines Amtes treu walten wird zum Wohl und Segen der Gemeinde.

S. Darmstadt, 29. Sept. Eine Hochzeit ohne Trau­ung wurde gestern abend in dem Hotel zur Traube hier gefeiert. Ein für eine in der Moselgegend liegende Wein­firma thätiger Weinreisender ist seit einiger Zeit mit der Tochter eines gutsituierten Weinhändlers in der Nähe von Trier verlobt. Das Pärchen sollte gestern in Hymens Bande geschlagen werden. Alle Vorbereitungen waren getroffen, die Magen, der Pfarrer, das feine Hochzeitsmahl bestellt, die Gäste geladen, audj1 die Papiere waren eingetroffen. Auf dem Standesamt fonftatierte nun der Beamte zum Schrecken des Paares und der Trauzeugen, daß die Papiere nicht in Ordnung waren. Eine Bemerkung auf der Ein­willigung des Vaters machte es dem Standesbeamten un-

sh. Gießen, 28. Sept. In der heutigen unter dem Vorsitz des Herrn Regierungsrats Boeckmann abgehaltenen Sitzung des Schiedsgerichts für Arbeiterver­sicherung kamen 8 Sachen zur Verhandlung: 1) Die dem Schreiner Wilh'elm Vetter zu Vilbel infolge eines Betriebsunfalles bewährte lO prozentige Rente wurde von der Haft.-Nass. Baugewerksberufsgenossenschaft, Frankfurt vom 1. Juli ab eingestellt, weil eine wirtschaftlich meßbare Erwerbseinbuße nicht mehr vorliege. Das Gericht sprach dem Vetter die Rente von 10 Prozent wieder zu, da einem ausführlichen Gutachten des Kreisarztes Tr. Königer, zu­folge seit der ersten maßgeblichen Untersuchung keinö Besserung eingetreten ist. 2) Joh. Gräb III. zu Pfordt war von der Süddeutschen Eisen- und Stahlberufsgenossen­schaft mit seinem Entschädigungsanspruch abgewiefen wor­den, weil der Bruchschaden nicht die Folge eines Be­triebsunfalles sei, der Bruch sich vielmehr allmählich ent­wickelt habe und der Unfall nur die Ursache für die Ent­deckung des Bruches sei. Der ärztliche Sachverständige, Kreisarzt Tr. Königer, erklärte sich nach vorheriger Untersuchung in Uebereinftimmung mit dem Gutachten des Privatdozenten Tr. Bötticher gegen das plötzliche Entstehen eines Pruches (Betriebsunfall). Tas Gericht setzte die Entscheidung ans, um noch" weitere Ermittelungen an­zustellen. 3) Der von dem Maurermeister HH. Beckel- Staden wegen eines Leistenbruches geltend gemachte Renten­anspruch wurde von der Hess. Nass. Baugewerksberufs­genossenschaft abgelehnt, weil der Bruch auf einer ange­borenen Anlage beruhe und am 18. Oktober 1900 bei der Arbeit zum ersten Male bemerkbar geworden sei. Der hier­gegen eingelegten Berufung gab das Gericht nach An­hörung des amtlichen Sachverständigen keine Folge. 4) Die von der Hess. Nass. Baugewerksberufsgenossensthaft von ISO auf 60 Prozent herabgesetzte Rente des Magazinier Johann Stumpf zu Nieder-Mörl« erhöhte das Gericht wieder aus 100 Prozent, da anHmiehmen sei, daß der zu gänzlicher Invalidität führende Kräftezerfall infolge des UnfcMes ein­getreten ist. 5) Ter Jnvalidenrentenanspruch des Knechtes Heinrich Schlenning zu Ober-Seemen war von der Jn-

validenversicherungsanstalt Großh. Hessen wegen nicht er-,

fülltet Wartezeit zurückgewiesen worden. Die VersMerungs- anstatt erachtete nur 85 Marken für gütig, die anderen dagegen, weil sie eine Beschäftigung gegen lediglich freiere Unterhalt, somit für ein nichtversicherungspflichtiges Ar­

beitsverhälthis verklebt, als zu Unrecht verwendet. Nach Angaben des Klägers und des Zeugen Forstwart Georg

Funk zu Mittel-Seemen, gelangte das Gericht zu der An­sicht, daß die Erwerbsunfähigkeit bereits vor mehreren Jahren eingetreten fein könnte, beschloß daher dir Ent-, scheidung auszusetzen, um noch weitere Ermittelungen übet den Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität zu erheben.

6) Wegen Nichtvorliegens von Invalidität im Sinne desf

Gesetzes lehnte die Versicherungsanstalt Großh. Hessen den Anspruch des Wilhelm Stephan-Wohnbach ab. Die er­hobene Berufung erachtete das Gericht für unbegründet.

Tie Steinbruchsberufsgenossenschaft hatte ebenfalls die dem Kläger bewilligte Rente auf Grund eine# Gutachtens der

Tirektion der chirurgischen Universitäts-Klinik dahier, wo­nach Erwerbsunfähigkeit infolge eines Unfalles? nicht mehr besteht, entzogen. 7) Wegen Erlöschens der Anwartschaft auf Rente wurde der Zimmermann Peter Euler I. zu Bleidenrod von der Invalidenversicherungs- Anstalt abgewiesen. Das Gericht bestätigte den Bescheid und verwarf die erhobene Berufung. 8) Aus dem gleichen Grunde war der Anspruch der Kath. Rörig, geb. Wil-, Helm zu Homberg von der Anstalt abgelehnt worden. TaS Gericht erachtete jedoch den Nachweis über die Auf­rechterhaltung der Anwartschaft durch anzurechnende Krank-, heitswochen für erbracht und verurteilte die Beklagte zur Zahlung der Invalidenrente vom 1. Januar 1901 ab.

r. Darmstadt, 28. Sept. In der Klagesache des früheren Geschäftsträgers der hiesigen Künstlerkolonie Dei­ters gegen die Mitglieder derselben kam ein Vergleich zu (taube. Auf Grund der Angaben Wolfskehls und Prof. Christiansens legte man für Berechnung des Provisions­anspruchs aus sämtlichen abgeschlossenen Verkäufen ein voraussichtliches Gesamtergebnis von 80 000 Mk. zu Grunde. Tie Beklagten verpflichteten sich, zur gänzlichen Abfindung. mit Gehalt, Provision und Entschädigung für das zur Aus­stellung überlassene Haus an Deiters den Betrag von 3500, Mark zu entrichten. Beiderseits wurden die innerhalb^ und außerhalb des Prozesses gegenseitig gemachten An-v griffe zurückgenommen und das Fehlen jeder Beleidig-,' ungsabsicht versichert. Die Beklagten erkannten die Mühe-, waltung und Arbeitskraft an, mit der sich Kläger aller ihnu übertragenen Obliegenheiten unterzogen habe, während, sich letzterer zur Auskunfterteilung über die Ver-« Lattung fec ÄLUMnL bettefftritzL M

möglich, den Trauungsakt vorzunehmen. Da eine andere Bescheinigung erst in zwei Tagen eintreffen konnte, machte man kurz entschlossen kehrt, fuhr um die Kirche herum, denn auch die Einsegnung dort konnte selbstverständlich nicht stattsinden und setzte sich zu dem Hochzeitsmahl, das man nicht gut mehr abbestellen konnte. Es soll trotz allem sehr fidel dabei zugegangen fein. Eine Differenz der Braut mit ihrem in zweiter Ehe lebenden Vater wird als Ursache der mangelhaften Ausfertigung der Papiere angegeben. Die Trauung soll nun morgen in Trier ftattfinoen.

b. Mainz, 29. Sept. Ein arger polizeilicher Uebergriff, der indirekt mit der mehrfach erwähnten Duellaffaire zwischen dem Infanterie-Oberleutnant Richter und dem Husaren­leutnant Vogt zusammenhängt, bildet gegenwättig hier das Tagesgespräch. Heber das Faktum der Sache berichten die Mzer. Nachr." folgendes: Bei der vor einigen Wochen wegen der damals gemeldeten DiebstahlSaffaire erfolgten Verhaftung der Frau des Oberleutnants Richter war neben dem Staats­anwalt auch ein K^minalschutzmann anwesend. Als sich der Staatsanwalt beim Umziehen der Verhafteten in diskreter Weise zurückgezogen hatte, versuchte der Schutzmann die über ihre Arretierung Weinende dadurch zu trösten, daß er sie plötzlich an sich riß und zu küssen versuchte. Frau R. zeigte diese Frechheit der Staatsanwaltschaft an, worauf eine DiS- ziplinaruntersuchung gegen den zärtlichen Kriminalbeamten ein» geleitet wurde, die mit der Verurteilung deS Schutzmanns zu einer Geldstrafe von 30 Mk. und Versetzung in den äußern Dienst endete. Während der DiSziplinaruntersuchung wurde dem Schutzmann weiter zur Last gelegt, daß er sofort von den Details der Verhaftung und deren Gründen einem be­freundeten Repotter Mttteilung gemacht, die letzterer alsdann in verschiedenen Blättern sehr eingehend breit getreten hat. Nach dem oben angeführten Blatt sollen berartige polizeiliche Indiskretionen bei dem betreffenden Kriminalschutzmann ganz an der Tagesordnung gewesen und kriminelle Vorgänge, aux)

wenn sie die persönlichsten und intimsten Angelegenheiten be­trafen, sofort dem Klatsche überliefert worden sein. Man ver­langt, daß der Beamte ganz aus dem Polizeidienste entfernt wird. Da die Polizei hier nicht staatlich, sondern städttsch ist, ist ihr Chef der Oberbürgermeister, dem für die nächste Stadt­verordnetensitzung schon eine Interpellation über das peinliche Vorkommnis angekündigt worden ist.

Frankfurt a. M., 29. Sept. An die Adresse der Ober- tertia der Musterschule ist gestern auS St. Helena von Oberst S ch i e l und mitunterzeichnet von General P. A. Cronj e, S. W. G., S. Aft. Rep. folgende Karte mit der Ansicht von Jamestown, St. Helena, batiert vom 28. August 1901, angelangt:

Ich schicke Euch heute per eingeschriebenes Paketchen 24 Feder­halter, die von Kriegsgefangenen aus Stöcken, die bei Napoleons Grab wachsen, geschnitzt sind, für jeden einen. Wenn es nicht ge­nug sind, schreibt es mir, dann schicke ich das fehlende nach. Diese Karte verloset. Mit herzlichem Gruß ein alter Obertertianer der Musterschule. A. Schiel, Oberst.

Die mit vier verschiedenen Briefmarken versehene Starte trägt einen Stempel mit dem Aufdruck: Prisoners of War, Broad Bottom Camp Censor. Gleichzeitig kamen die an­gekündigten Federhalter an. Sie sind aus dunklem Holz fein geschnitzt und zeigen die GravierungSt. Helena 1901." Oberst Schiel, der auf diese Weise seine Anhänglichkeit an die Musterschule bezeugt, verließ die Obertertia im Jahre 1876 nach einjährigem Besuch. Er zeichnete sich unter seinen Kameraden durch sein ernfteS, verständiges, fast schon männ­liches Wesen aus. ES ist bereits Sorge getragen, daß auch die noch fehlenden 13 Federhalter die Klasse zählt 37 Schüler zur Freude der jugendlichen Empfänger nach­folgen. Der Selbstmord beS hiesigen Bankiers A. Rhein­stein, der sich in Bad-Nauheim ertränkte, erregt hier großes Auffehen, da er allgemein als mehrfacher Millionär galt. Wie verlautet, hat er große Verluste an der Börse erlitten.