Ausgabe 
1.8.1901 Zweites Blatt
 
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nämlich chinesisch», könnte Deutschland im Süden Chinas noch ein reiches Feld finden. Wer kann uns zurückhalten? Niemand! England handelt nicht mehr, sondern schläft! Frankreich versucht zubluffen" aber kann uns doch- nicht zurückhalten also wer sonst? Wenn ich morgen mrt einer Unternehmung kommen sollte im Süden Chinas, dann wird soviel daran gemäkelt und es sind so viele Bedenken dabei, und jedes kleine Bedenken der chinesischen Behörden wird so viel erwogen und berücksichtigt, das; man schon glerck die Lust verliert, Zeit und Geld zu opfern. Wenn da prompt und energisch aufgetreten würde den chinesischen Behörden gegenüber, würde die Unternehmung durchgehen, bald eine andere folgen, und auf diese Weise das Land geöffnet werden. Die größten Freunde Chinas sind die Mächte, tvelche China bekämpft haben, denn die gegenseitige Eifersucht unter ihnen hat China das Leben gerettet. Trau­rig, aber wahr!

Graf Waldersee erklärte in Algier einem Bericht­erstatter sich sehr befriedigt über die-guten Beziehungen zwischen den deutschen und den französischen Truppen und äußerte die Hoffnung, daß diese Beziehungen dazu 'beitragen könnten, das Verhältnis zwischen den beiden Ländern zu bessern. Er erzählte von 'dem Brande des» Palastes der Kaiserin. Er habe seine Rettung einem fran­zösischen Soldaten zu verdanken, der ihn auf die Schulter genommen und durch ein Fenster gehoben habe. Die Sicher­heit in China sei jetzt beinahe vollständig. Der Feldmarschall sprach mit großem Lobe von General Voyron, dem er durch Freundschaft sehr verbunden zu sein scheint, wie auch dem General Guillet. Nach den amtlichen Berichten machte Graf Waldersee einen Spaziergang durch die Stadt, wobei er in einem Geschäft vorsprach, um sich eine Rosette der Ehren­legion zu kaufen. Er erzählte dem Kaufmann, daß er den Orden selbst beim Brande in Peking verloren habe. Als der Marschall bezahlen wollte, weigerte der Kaufmann sich, Geld anzunehmen, und bat ihn, das Band als ein kleines Geschenk entgegenzunehmen.

Telegramm deS Gießener Anzeigers.

Peking, 31. Juli. Reuter. Ein Edikt des Kaisers über die Reorganisierung des auswärtigen Amts ist hier ein­getroffen, welches sowohl was die Fassung wie den Inhalt betrifft, die fremden Gesandten befriedigt, da es den von ihnen als Friedensbedingungen gestellten Forderungen be­züglich dieses Punktes völlig gerecht wird. In der Einleitung zum Edikt wird angekündigt, daß die auswärtigen Ange­legenheiten zukünftig als die wichtigsten Staatsgeschäfte angesehen werden sollen. Das auswärtige Amt erhält den Vorrang von sechs Aemtern, die ftüher einen höheren Rang als dieses einnahmen. Das Edikt bestimmt ferner, daß die Gesandten in einer Halle empfangen werden sollen, welche bisher nur die nahen Verwandten des Kaisers betreten durften. Auch über etwaige Feste, welche vom Kaiser für die Gesandten veranstaltet werden sollen, ist näheres festgesetzt. Ter deutsche Gesandte ift beauftragt, gemeinsam mit den Kommissionen, welche über die verschiedenen zur Unter­handlung stehenden Gegenstände zu beraten hätten, ein Pro­tokoll abzufassen. Die Maßregeln zur Bestrafung der Ur­heber der Unruhen werden allgemein als ungenügend an­gesehen. Die Liste der Schuldigen, ivelche ursprünglich 160 Namen enthielt, ist auf 54 herabgesunken, da es in den meisten Fällen unmöglich war, den Schuldbeweis zu liefern.

Deutsches Keich.

Berlin, 30. Juli. Der Kaiser beförderte sämt­liche im Vorjahre in der Gesandtschaft zu Peking eingeschlossen gewesenen Mannschaften zu Unter­offiziere n, auch die inzwischen zur Reserve überge­tretenen Mannschaften.

Der Staatssekretär des Innern, Staatsminister Dr. Graf v. P o sa do w s ky-Wehner begab sich am 28. d. M. nachmittags nach Kiel, um am nächsten Morgen das Süd- polarschiffGauß" einer Besichtigung zu unterziehen. Bei derselben waren der Leiter der Expedition, Professor Dr. v. Drygalski, mit sämtlichen wissenschaftlichen Teil­nehmern sowie der Führer des Schiffs und alle Schiffs- vffiziere, die bereits auf demGauß" wohnen, anwesend. Die Besichtigung erstreckte sich auf die gesamten inneren und äußeren (Änrichtungen des Schiffskörpers sowie die nunmehr größtenteils an Bord befindliche wissenschaftliche Ausrüstung für Tiefseelothungen und Tiefseefischerei sowie für die meteorologischen und magnetischen Beobachtungen. Die geräumige und wohnliche Unterkünft für alle Teil­nehmer der Expedition, namentlich auch für die Schiffs­mannschaft erregte besondere Befriedigung.

Das am 16. Juni 1898 in Paris abgeschlossene Zu­satzübereinkommen zum internationalen Ueber - einkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr vom 14. Oktober 1890 ist am 10. d. M. ratifiziert worden und wird demnach am 10. Oktober in Kraft treten. Den Eisenbahndirektionen wird hiervon mit dem besonderen Auftrage Kenntnis gegeben, dafür zu sorgen, daß, sobald die Veröffentlichung des Znsaßübereinkommens erfolgt fein wird, die durch letzteres abgeänderten Frachtbriefformulare rechtzeitig hergestellt und aufgelegt werden. Außerdem sollen die Eisenbahndirektionen schon jetzt in ausgiebigem Maße durch die Presse und durch Mitteilung an die größeren Versender sowie durch Anschlag an den Güterab­fertigungsstellen begannt machen, daß mit dem 10. 'Okto­ber neue internationale Frachtbriefe zur Einführung ge­langen, und die bisherigen, dem Uebereinkommen über den internationalen Frachtverkehr vom Jahre 1890 ent­sprechenden Formulare nur noch bis zum 9. Oktober 1902 (einfehl.) zugelassen sind. Hierbei ist zum Ausdruck zu bringen, daß der letztgenannte Zeitpunkt unabänderlich ist.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die alldeutschen Blätter und eine Reihe anderer Zeitungen haben es be- mängelt, daß Herr Westerfield deutsch<er W a h l k o n s u l in Kimberley geworden sei. Es wird behauptet, Herr Westerfield sei amerikanisck)er Staatsangehöriger, halte sich aber erst seit kurzer Zeit tn Südafrika auf und befinde sich überdies in völliger Abhängigkeit von den Direktoren der Debeers Compagnie. Wer mit den Verhältnissen und Personlichteiten in Kimberley aus eigener Anschauung Der- traut ist, wird diese Angaben nicht ohne Verwunderung lesen. In Mim beriet) ist allgemein bekannt, daß Wester- fteld dort als angesehener unabhängiger Arzt thätig ist und unter den dort ansässigen Deutschen eine Vertranens- «0 .e.1clnummt- Auch glaubt man dort zu wissen, daß Äre Angriffe gegen ihn auf einen Kaufmann zurückzuführen l*nd, der früher Deutscher war, seine deutsche Staate «ngehorigkeit aber spater aufgegeben hat. Westerfield selbst ist nicht amerikanischer Staatsangehöriger, sondern in die deutsche Konsula^smatrikel eingetragen. Wie wir hören, war der Kaiserliche Generalkonsul m Kapstadt o. Lindeauist kür; lich in Kimberley anwesend und hat sich persönlich davon

überzeugt, daß die provisorische Führung der Konsnlats- geschäste unb die Wahrnehmung der deutschen Interessen bei Westerfield in guten Händen ift

Dreijährig-Freiwillige für Kiautschou werden gegenwärtig von der Kolonialabteilung gesucht. Be­vorzugt werden Handwerker von Beruf, z. B. Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Klempner, Glaser, Töpfer, Maler, Tischler, Schuhmacher und Schneider. Nähere Auskunft über Löhnungszulageii, wie Hin- und Herreise erteilt die Kolonial abteilurig.

Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern hat, nachdem die Produktionserhebungen für die Lederfabrikation zum Abschluß gelangt sind, die Er­hebungen nunmehr auch auf solche Betriebe ausgedehnt, die sich mit der Weiterverarbeitung und Veredelung von Leder befassen. Unter anderm ist bereits ein Fragebogen für die Herstellung von Lederhandschuhen aufgestellt wor­den. Man beabsichtigt, für jeden Industriezweig von größerer »oirtschaftlicher Bedeutung einen besonderen Fragebogen aus­zuarbeiten. Den Fragebogen für die Herstellung von Leder­handschuhen hat der Staatssekretär des Innern den In­teressenten zugesandt.

Hamburg, 30. Juli. Der Kaiser ließ aiiläßlich der Wiederkehr des Sterbetags des Fürsten Bismarck einen Lorbeerkranz mit weißer Schleife, worauf sich der Kaiserliche Namenszug nebst Krone befindet, in der Gruft­kapelle in Friedrichsruh niederlegen Von den Freunden unb Verehrern des verewigten Fürsten wurden zahlreiche Kränze gesandt.

Osnabrück, 30. Juli. Im Hinblick auf die General­versammlung der Katholiken Deutschlands fand hier eine große Katholiken Versammlung statt, in der der Prälat Professor Schröder aus Münster, u. a. folgendes Programm entwickelte:Was wollen wir? Wir wollen die Freiheit in ihrer höchsten Form für unsere heilige Kirche und Religion, der Religion eines thatkräftigsten Bekennt­nisses; wir wollen nicht zurücksinken in aller Thatenlosigkeit, wir wollen uns nicht an die Wand drücken lassen, wo man uns nicht sehen kann. Wir bekämpfen nicht die Throne, wir ftützen sie, wie gerade das Jahr 1848 auf das Herr­lichste bestätigt hat. Wir bekämpfen auch nicht die Frei­heit der Andersgläubigen; diese finden Hilfe in uns und Schutz gegen etwaige Beeinträchtigungen. Die Generalver- ammlungen haben immer nationalen Sinn gepflegt. Ohne Christentum kein Staat, ohne Christentum keine Festigkeit der Throne. Das Christentum aber ist verkörpert in unserer katholischen Kirche!" Zum Schlüsse betonte Redner, das Beispiel Kaiser Wilhelms II. in der Betätigung des Christentums sei nachahmenswert für die Jugend.

Danzig, 30. Juli. Der Provinziallandtag genehmigte einstimmig en bloe die Vorlage betreffend die Bewilligung von 500000 Mark zur Linderung des landwirtschaft­lichen Notstandes.

Straßburg, 30. Juli. DerLorrain" verzeichnet das Gerücht, daß die Bewohner der Dörfer Niederweiler, Brudenhof und Hochwalsch eine Petition an den Ka iser richten wollen, in welcher um .Schutz gegen Baron Stieten- c r on ersucht werden solle, welcher auf dem Wege zur Ge­nesung sei. Wie verlautet, soll Anfang August ein Kriegs­gericht zur Erledigung der Affaire Stietencron zusammen­treten.

Ausland.

Loudon, 30. Juli. Wie dasReuter'sche Bureau" er- ährt, find den amtlichen Depeschen zufolge, die der Ober, ommissar für Kanada in London erhielt, die Ernte- erträgnisfe dieses Jahres in Kanada ohne Beispiel n der Geschichte dieses Landes. Während alle älteren Pro. vtnzen guter Ernteausfichten fich erfreuen, bringt in Maui« toba und den nordwestlichen Gebieten Ertrag und Wert der Ernte dieses Jahres Kanada an die Spitze der weizen- bauenden Länder der Erde. Die letzten Telegramme aus Kanada besagen, daß das Land von der großen Hitz, welle nicht heimgesucht wurde, welche die Ernte der westlichen Bereinigten Staaten so schwer beschädigt hat.

Madrid, 30. Juli. Der Minister des Aeußeren erklärte, > die Anwesenheit des deutschen Geschwaders in Cadix durchaus keine politische Bedeutung habe. Spanien önne nicht an den Abschluß von Bündniffen denken, welcher Art diese auch sein möchten, da es nicht in der Lage sei, für die Vorteile, die eS erlangen würde, irgendwelche Gegenleistung n bieten. Was gegenwärtig für Spanien bedeutungsvoll sei, ei die Reorganisation von Armee, Flotte und Verwaltung.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist HUt unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anr " gestattet.)

L.ü. Eine Reihe von Unglückssälleu, die in den letzten Jahren sich in Universitätsinstituten, insbesondere in chemischen Laboratorien ereignet haben, macht es den Uni. versitäten geradezu zur Pflicht, eine Versicherung ihrer Studierenden gegen Unfall zu schaffen. Wir freuen uns, mitteilen zu können, daß unsere Hochschule mit zu den ersten gehört, an denen dieser Pflicht Rechnung getragen wird. Die mit der VersicherungsgesellschaftNordstern" in Berlin gepflogenen Verhandlungen haben nunmehr mit Ge­nehmigung des MinisterlumS zum Abschluß eines Vertrages geführt, der mit Anfang des Wintersemesters 1901/02 wirk­sam wird. Danach find sämtliche hier Studierende gegen Unfall versichert. Einen Versicherungsbeitrag haben aber nur diejenigen unter ihnen zu entrichten, die ihrem Studium entsprechend besonders gefährdet erscheinen. Aber auch dieser ist ganz geringfügig. 75 Pfennig für das Semester. Das Mehr wird durch die Ueberschüffe der Krankenkasse gedeckt. Alles übrige ergiebt sich aus dem folgenden Anschlag am schwarzen Brett:

An die Etrrderrtenfchaft der Ludwig- Universität.

In Uebereinstimmung mit Bestrebungen, die auch an anderen Hoch­schulen hervorgetreten sind, hat der Gesamtsenat der Landes Universität beschloffen, zur Sicherung der Studierenden eine Ber. sicheruvg aller Studierenden gegen Unfälle herbei- zu führ en. Die Landes Universität ist zu diesem Zwecke mit der Ver­sicherungsgesellschaft9torbftetn* zu Berlin in Verhandlungen einge. treten und hat einen Versicherungsvertrag ausgearbeitet, zu dessen definitiven Abschluß Grvßh. Ministerium des Innern unter dem 25. Juli d. I. seine Genehmigung erteilt hat.

Die VersicherungsgesellschaftNordstern" zahlt bei Unfällen pro Kopf 5 000 Mark (Fünftausend Mark) für den Fall deS Todes, 15 000 Mark (Fünfzehntausend Mark) für den Fall dauern der Folgen eines Unfalles (Invali­dität) zur Erwerbung einer Rente,

3 Mark (Drei Mark) täglich für den Fall vorüber­gehender Folgen und zwar (im Anschluß an die durch die Krankenkasse gewährte Behänd« lung) vom Ablauf der 8. Woche vom Beginn der ärztlichen Behandlung ab gerechnet, gegen Attest des zuständigen klinischen Professors.

Die Versicherung umfaßt alle Studierenden der Landes -Universität.

Die Vergütung für Unfälle wird nur dann geleistet, wenn sie sich im Bereich der Universität, und der zu ihr ge­hörigen Institute ereignet haben, oder bei E x k u r s i o n e n, falls sie unterLeitung eines akademischenLehrers stattfanden. Außerdem sind noch Unfälle eingeschlossen in die Versicherung, b e beim Fechten und Reiten stattfinden, falls dieseUebungen unter Leitung eines akademischen Lehrers abgehalten werden.

Für diejenigen Studierenden, die in chemischen, physika­lischen rc. Instituten beschäftigt sind, ist hervorzuheben, daß unter die Versicherung fallen: Unfälle, die durch Explosion hervor- gerufen werden, sowie Vergiftungen oderKörperbeschädtg« ungen durch unfteiwillige Aufnahme von Chemikalien, giftig oder schädlich wirkenden Stoffen. Ferner kommt für Mediziner und Veterinärmediziner in Betracht, daß als Unfälle gelten auch In­fektionen der Hände und Arme, werm sie nachweislich durch Kranken­untersuchung oder Behandlung oder durch Uebungen an der Leiche ent­standen find. In Betracht kommen außerdem Infektionen der Augen, sofern sie durch Anhust-n deS Patienten, oder durch Anspritzen von Eiter oder infektiösem Sekret während der Untersuchung oder Behandlung oder bei Uebungen an der Leiche entstehen.

Die Summe, welche die Universität an die Versicherungsgesellschaft für jeden Studierenden zu zahlen hat, ist verschieden hoch, je nach dem Grade der Gefahr deS einzelnen Studiums. Sie ist höher für Mediziuer, Leterinärmediziner und Alle, die chemische Vorlesungen hören. Da ein Teil der Ersparnisse der Krankenkasse für die Bezahlung der Versicherungs­summe verwandt werden wird, so ist zunächst in Aussicht genommen für Mediziner, Veterinärmediziner und Alle, welche chemische Vorlesungen hören, ein Beitrag von 0,75 Mk. pro Kopf unb Semester. Die Versicherung für alle übrigen Studierenden wird von den Ueberschüssen der Krankenkasse vollkommen gedeckt.

Die Ansprüche der Versicherten gegenüber der Versicherungsgesell­schaft werden durch die Landes-Universität vertreten. Eine genauere Instruktion (insbesondere über die unverzügliche Anmeldung eines etwaigen Unfalls) wird den Studierenden noch eingehändlgt werden.

Der Vertrag mit der Versicherungsgesellschaft kann auf der Unt- versitätskanzlei eingesehen werden.

Gießen, den 30. Juli 1901.

Der Rektor der Landesunioerfität.

A. Schmidt.

* Zum Absterben der Fische in der Lahn. In unserer Nummer 174 hatten wir einen Bericht derWetzl. Nachr.- tviebergegeben, demzufolge seit Sonntag, dem 21. Juli auf hessischem Gebiet abwärts Gießen fast sämtliche in der Lahn befindlichen Fische zu gründe gegangen sein sollten. In dem betr. Artikel des genannten Blattes wurde gesagt, daß das Absterben aus die schlechten Abwäffer der Stadt Gießen oder da« Platzen eines Rohres in einer chemischen Fabrik tn oder bei Gießen zurückzuführen sei. Wir erhalten zu der Sache folgende Klarstellung der hiesigen Bürgermeisterei:

»Laut amllicher Feststellung hat ein außergewöhnliches Absterben der Fische in der Lahn innerhalb der Gemarkung Gießen nicht stattge­sunden. Die Ursache für ein größeres Absterben von Fischen in der Lahn unterhalb Gießens kann daher nicht in einer von Gießen ausgehenden Verunreinigung des Wassers gesucht werden."

** Hessische Handwerkskammer. Am Montag, den 29. trat der Ausschuß der deutschen Handwerkskammern in Hannover zu seiner 2. Schnng zusammen. Erschienen waren die Vertreter von Berlin, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Hannover und Lübeck. Die Festsetzung der Tages­ordnung für den 2. deutschen Handwerkskammertag ergab: 1. Zugehörigkeit der handwerksmäßigen Großbetriebe zum Handwerk. 2. Befähigungsnachweis- 3. Erlaß von Vor-, chriften über die Höchstzahl der Lehrlinge und die Dauer der Lehrzeit. 4. Submissionswesen. 5. Die Konkurrenz der staatlichen und städtischen Gewerbebetriebe mit dem selbständigen Handwerk. 6. Reformvorschläge für die Re­gister-Eintragung von Handwerkern. 7. Verbleib der auf Antrag der Hanowerkskammern gemäß § 103 n G. O. fest­gesetzten Strafgelder. Die hessische Handwerkskammer war durch den 2. Vorsitzenden, Rockel und Handwerkskammer- Sekretär Engelbach-Darmstadt vertreten.

** Fahrpreisermäßigungen. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat aus Anlaß eines Spezialfalles entschieden, daß die für Schulfahrten zu ge­lassenen Fahrpreisermäßigungen unter ben tarifmäßigen Bedingungen auf den Staatsbahnen auch bei Ausflüge« der Jugendabteilungen eines Turnvereins gewährt werde« können.

):( Lich, 30. Juli. Durch eine Versammlung von Ge­flügelzüchtern ift am 29. Juli ein Verein für Geflügel» und Vogelzucht für Lich und Umgegend ins Leben ge­rufen worden. Am Tage der Gründung meldeten sich bereits 20 Herren zum Beitritt. Der Jahresbeitrag ist auf 2 Mk. festgesetzt worden. Anmeldungen sind an den 1. Vorsitzenden des Vereins, Bürgermeister Heller zu Lich, ober an dessen Stellvertreter, Pachter Klein zu Hos-Albach, zu richten.

Nidda, 30. Juli. Am letzten Sonntag besuchte der hiesige Gewerbeveretn in Stärke von 107 Mann die Saalburg unb kehrte sehr befriedigt von dem Ausfluge heim. Einige Tage vorher hatte Hauptlehrer Höhner hier in Krafts Saalban einen Vortrag Über die Saalburg gehalten.

ni. Altenstadt, 30. Juli. Gegen die kürzlich hier ab» gehaltene Gemeinderatswahl wurde Rekurs angemeldet, da die eine der hier bestehenden Parteien der Ansicht ist, es fei auf der Gegenseite mit unzulässigen Mitteln agitiert worden.

d. Büdingen, 30. Juli. Nur noch wenige Tage trennen unS von der Festfeier des 300jährigen Bestehens unseres Gymnasiums. Alle Vorbereitungen sind getroffen, um einen glatten und frohen Verlauf des Festes erhoffen zu lassen. Aus die vor einigen Wochen an die staatlichen und städtischen Behörden, an die ehemaligen Schüler und Lehrer und an die Eltern der jetzigen Schüler versandten Einladungen sind bereits zahlreiche Anmeldungen eingelaufen. Für die Festordnung sind folgende Zeiten vorgesehen: Sonntag, 4. August von V246 Uhr nachmittags öffentliches Konzert, von 8 Uhr abends an Begrüßung der Gäste, theatralische Aufführungen. Montag, 5. August von >/,ll Uhr vor- mittags akademische Feier in der Turnhalle des Gymnasiums, i/z2 Uhr nachmittags Festeffen, von 4 Uhr nachmittags Volks­fest mit Tanz, V29 Uhr Fackelzug, von t/310 Uhr abends Festkommers. Dienstag, 6. August von 7,10 vormittags bis 1 Uhr nachmittags Umzug durch die Stadt, darauf Waldfeft im Tiergarten auf Einladung des Fürsten Bruno zu Isenburg unb Büdingen, von 46 Uhr nachmittags Konzert, von 9 Uhr abends Festball. Zum Eintritt bei allen Festlichkeiten berechtigt der Besitz der Festkarte im Preis von 3 und 4 Mk. Der Eintrittspreis für das Volks­fest allein oder nur für ein Konzert beträgt 30 Pfennig.