Ausgabe 
1.8.1901 Erstes Blatt
 
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Vorschlag gemacht worden, der darin gipfelte, daß em großer Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen nicht wieder emgestellt werden sollte. Und zwar, wie eine von den Unternehmern gezeichnete Liste ergiebt, alle diejenigen Arbeiter, die mehr oder weniger für die sozialdemokratische Organisation ernge treten sind. Auch die Fabrikkommissionen sowie die gesamte Leitung deS AüSstandS waren auf die Liste gesetzt. Der Bergleichsvorschlag enthält noch einen weiteren Passus, der besagt, daß die ausgesperrten, wieder eintretenden Arbeiter sich bei Strafe der sofortigen Entlaffung jeder Belästigung und Beleidigung der Arbeitswilligen innerhalb und außer halb der Betriebe zu enthalten haben. Eine Versammlung der Streikenden nahm zu dem Vergleichsvorschlag Stellung und lehnte die vorbenannten Punkte einstimmig ab. Eine letzte Antwort der Fabrikanten steht bis jetzt noch aus. ES ist kein Zweifel, der Kampf dauert fort!

Gerichtsverhandlungen, in denen empörende Mißhand- langen von Kindern durch ihre eigenen Mutter zur Aburteilung gelangen, haben in den letzten Monaten auffallend häufig stattgefunden. Heute lesen wir in einem altpreußischen Blatte:

Wegen Mißhandlung deS eigenen KindeS ist die Arbeiterfrau Katharina SontowSki in Thorn zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Frau S. hat einen außerehelichen Sohn, der sich bis zum September o. I. in Pofen in Pflege befand, dann aber vom dortigen Magistrat zur Mutter gesandt wurde. Nun begann für ihn ein wahres HSllenlebe». Nicht nur, daß er täglich, meist ohne jede Veranlasiung, Schläge erhielt, verübte die unnatürliche Mutter noch allerhand Grau­samkeiten an dem Knaben. Einmal würgte sie ihn am Halse, unter dem Vorgeben, sie wolle ihm die Drüsen auseinander ziehen, ein anderes Mal begoß sie ihn mit kaltem Wasier, prügelte ihn durch und zwang ihn dann, eine halbe Stunde um den Tisch herum zu laufen. Eines Tages steckte sie ihm eine Hand voll nassen SandeS mit solcher Gewalt in den Mund, daß Iber Knabe Blut spie. Dav Schlimmste aber hatte der Junge während der Fastenzeit zu erdulden. Er mußte täglich dreimal Gebete von je einer halben bis dreioiertrl Stunden verrichten. Dazu batte die Frau grobkörnigen KieS auf den Fußboden gestreut, auf dem der Knabe mit aufgestreiften Hofen nteder- koieen mußte, sodaß ihm die spitzen Steinchen ganze Löcher in die Haut der Beine drückten. Machte er den Versuch, sich einmal zu er. heben, so schlug ihn die Mutter mit einem Rohrstock auf die ent­blößten Beine. Eine polizeilich, Verwarnung nützte nichts, der Knabe wurde weiter mißhandelt, bis er schließlich dem mütterlichen Haufe entlief. Jetzt wurde die Frau unter Anklage gestellt. Der Staats­anwalt beantragte, sie zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen, daS Gericht aber ertanntr, wie eingangs erwähnt, auf ein Jahr, indem es als strafverschärfend ansah, daß Frau S. sich nicht gescheut habe, die Religion al« Deckmantel zu benutzen, und daß sie auf das Seelen­leben ihres Kindes in der verderblichsten Weise eingewirkt habe.

Was uns dabei verwunderlich berührt, ist die Milde des Staatsanwalts in diesem und ähnlichen Fällen. Wir meinen, selbst das Gericht ist hier noch nicht weit genug gegangen. Wenn irgendwo eine empfindliche Strafverschärfung, wenn durch entsprechende Abänderung des Strafgesetzbuches die Zuchthausstrafe am Platze ist, dann ist sie es für solche schändliche Verbrechen an den kleinen, hilf- und wehrlosen Märtyrern! Weiter ist dringend zu wünschen, daß die trau, rigen Vorkommnisse erneut eine kräftige Anregung geben zur Bildung von Kinderschutz Vereinigungen, wie sie beispielsweise in England eine segensreiche Wirksamkeit entfalten.

Eine Angelegenheit, die die Presse voraussichtlich rn der nächsten Zeit mehrfach beschäftigen wird, wird vom Brest. Gen.-Anz." vor das Forum der Oeffenttichkeit ge­bracht. Das genannte Blatt schreibt in seiner neuesten Nummer:

Die Zustände im deutschen Samariter- Ordens st ist zu Kraschnitz (Schlesien) haben einen derartigen Charakter angenommen, daß die publizistische Pflicht zwingt, die Oeffenttichkeit mit ihnen bekannt zu 'machen. Das D. S.-O., nahe bei der Kreisstadt Militsch gelegen, ist eine große Krankenanstalt, am besten zu ver- gleichen mit den bekannteren Anstalten -des Pastors von Bodelschwingh in Bielefeld. Den engeren Vorstand der Anstalten bilden der Anstaltsgeistlich^e, die Frau Oberin,

gant ist seine Tournüre; die linke .Hand ziert ein Armband. Während die Vorgänger des jungen Kapellmeisters den eigentlich belebenden Geist ihres Orchesters bildeten, hat man den Eindruck, als ob Johann Strauß jr., der früh zu Ehren und Würden gekommen ist, mit seiner Nonchalance im Auftreten und einem Anflug von Blasiertheit, mehr auf den Geist angewiesen ist, den er von dem Orchester empfängt. In scheinbarer Souveränität bewegt er sich auf dem Podium. Er unterstützt die Glanzstellen des Don- stückes mit seinem Violinspiel und dirigiert bald mit dem Taktstpck, wobei er sich meist tänzelnd bewegt und des Oefteren herumdreht, um das Publikum zu betrachten oder sich betrachten zu lassen. Abgesehen von den genannten überflüssigen Bewegungen ist die Tirektionsweise des ju­gendlichen Kapellmeisters angenehm und einnehmend. Die besten Proben seines Könnens gab Johann Strauß jun. mit der Interpretation derWalzer". Was in der Aus­führung dieser Tänze wirkt, das ist. das Gemütliche und beinahe Gemütvolle im Vortrag. Der süße, gesangvolle Ton der Violine wirkt wie ein berauschender Duft. Tas wäre aber auch der einzige Vorzug wenn mein von einigen technischen Mängeln in der Interpretation absieht den die Kapelle anderen guten Kapellen gegenüber auf­zuweisen hat. Ter Einzugsmarsch ausTannhäuser" er? tönte wie eine Parodie auf Wagner. Auch der Aida- marsch wurde im Tempo zur Karrikatur. Als Komponist stellte sich Johann Strauß jun. mit einem Walzer vor. Er wandelt dcrbei in den Bahnen seines Vaters, ohne die­selben zu erreichen.

Der Konzertmeister der Wiener Kapelle, Schaffer, er­freute mit dem Vortrag der Romanze von Svendsen. Die Leistung war abgerundet künstlerisch, in individueller Weise gegeben, und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Das Publikum geizte auch den Vorträgen der Wiener Ka- pelle gegenüber nicht mit Beifall; Enthusiasmus aber, wie ihn der Vater und Onkel des jungen Dirigenten er­regten, hat Joh. Strauß jr. nicht hervorgerufen. Sine ira et studio keinem zu Liebe und keinem zu Leide! Das Talent vererbt sich das ist eine unleugbare Theorie, aber wenn es seinen Höhepunkt erreicht hat, dann kommt die dccadence. ^ohann Strauß I. (geb. 1804) war für <?ie5j-in Zauberwirkung seiner Walzer machte

die Wiener vergessen was sie Mozart und Beethoven schul- d.eten Joh. Strauß II. (geb. 1825), der Fledermauskomponist, brachte die Operette auf den Thron der Oper; auch ei wurde von den Wienern und der Welt des musikalischen Humors heilig gebrochen. Er starb ohne männliche Erben zu hinterlassen. Joh. Strang III., Neffe von Joh. Strauß II. wird eine schlimmere Regierungszeit haben, als seine Vor­gänger doch wünschen wir ihm das Beste!

der leitende Arzt und der Vorsteher der Diakonissenanstalt ein ordinierter Geistlicher der Landeskirche den wei­teren Vorstand Verwaltungsrat und Kuratorium. An der Spitze der letzgenannten beiden Behörden stehen die Brüder der Frau Oberin, die Grasen von der Recke-Volmerstein in Kraschnitz und Kleinburg-Breslau. Während der lang­jährigen Amtsthätigkeit der Frau Oberin haben Geistliche und Aerzte häufig gewechselt, oft nach schweren Konflikten mit den Verwaltungsbehörden. Ein Konslitt größeren Um­fanges ist seit Anfang d. I. wieder ausgebrochen. Tie leitenden Beamten der Anstalt, sowie die Schwesternschaft in ihrer überwältigenden Mehrheit glaubten sich nicht mehr im stände, die Maßnahmen der Frau Oberin zu billigen, fanden aber bei den Stellen, an die zu wenden sie sich! veranlaßt sahen, nickst die nötige Unterstützung. Tie schon lange leidende Oberin trat zwar einen mehrmonatlichen Urlaub an, ein von ihr eingereickstes Entlassungsgesuch wurde jedoch vom Kuratorium abgelehnt und vor kurzem sollte sie wieder ihre amtliche Thätigkeit übernehmen. Ta dieses wieder nur ausgedehnten Wechsel in den Persön­lichkeiten der übrigen leitenden Stellen zur Folge ge­habt hätte, erfolgte nicht nur einmütiger Widerstand dieser Herren, vielmehr erklärte auch die Schwesternschaft, die unter dem vielfachen Wechsel ihrer Geistlichen schwer ge­litten hatte, ihrer früheren Oberin nicht mehr folgen zu können. Daß Generalsuperintendent Hesekiel, Ober-Kon- sistorialrat Reichardt, Pastor Zander und Reichstagsabg. v. Salisch aus dem Kuratorium ausschieden, läßt selbst­verständlich nur den Schluß zu, daß sie für Vorgänge, die sie nicht hindern konnten, die Verantwortung zu tragen nickst gewillt waren. In der Kuratoren-Sitzung am 25. Juli erklärte der erste Anstaltsgeistliche, Pastor Scheske, daß es ihm die Gewissenspflicht verbiete, mit der Oberin weiter zu arbeiten, ebenso der leitende Arzt Tr. Wagner, daß er dann die ärztliche Verantwortung nicht mehr tragen könne. Tie Folge dieser Erklärungen war die sofortige Suspension der beiden Herren von ihren Aemtern. An demselben Tage erklärten die Vertreterinnen von 219 Schwestern (die Gesamtzahl der Schwesternschaft beträgt 269), daß sie am 1. Oktober ihr Vertragsverhältnis zum Mutterhause lösen würden, im Falle aber ein Wechsel unter ihnen vorgenommen werden solle, würden sie sofort ihren Posten verlassen. Auch die Drohungen des Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Grasen Recke-Volmerstein zu Krasch,- nitz, der zugleich Amtsvorsteher des Bezirks ist,etwa abreisende Schiwestern durch' die Polizei der Heimats-Be­hörde zurückführen zu lassen (!!), konnte ihren nach ernstester Gewissensprüfung gefaßten Beschluß nicht ändern. Als ihnen nun gar bekannt wurde, daß ihr Pastor aus die Hälfte des Gehaltes gesetzt sei und der Arzt innerhalb weniger Tage seine Dienstwohnung räumen solle, kannte die Empörung der Schwestern über diese rigorosen Maß­regeln keine Grenzen mehr. Wir möchten dabei erwähnen, daß Dr. Wagner ein ganz hervorragender Operateur und als Arztein Segen fiir den ganzen Kreis" ist. Die Schlwestern herben beschlossen und dem Kuratorium hiervon Mitteil­ung gemacht, daß sie, falls diese Maßnahmen nicht um­gehend rückgängig gemcicht würden, auch ihrerseits, nach>- dem sie den letzten Rest von Vertrauen zu den maßgeben­den Stellen verloren hätten, ihre Thätigkeit am 1. August einstellen und abreisen würden.

Sollte es denn keine Instanz geben, die den geschil­derten Mißständen ein Ende zu bereiten und den bedauerns­werten, schwergeprüften, in ihrer ganzen Existenz bedrohten Diakonissen Hilfe zu gewähren vermöchte?

Aus Stadt und Zand.

Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

* Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Oberpfarrer Albert Junker zu Beerfelden die evangelische Pfarrstelle zu Ober-Ramstadt, Dekanat Eberstadt, über­tragen. Der Großherzog hat dem Gemeindeeinnehmer Johannes Hilß zu Ortenberg das Silberne Kreuz des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 10, ausgegeben am 23. Juli 1901, enthält: 1. Kirchliche Nachrichten vom Jahre 1900 2. Folgende Bekanntmachung deS Großh. Oberkonsistoriums vom 19. Juli 1901:Mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und vorbehältlich der Zustimmung der Landessynode ist an der M a r t i n s g e m e i n d e zu Darm­stadt eine zweite Pfarrstelle gegründet worden."

* Das Regierungsblatt veröffentlicht in Nr. 50 eine Bekanntmachung, betreffend die Verleihung der Rechtsfähig­keit an die Sparkaffen und Kreditanstalten zu Groß-Bieberau und zu Reinheim.

Unser Infanterie - Regiment wird sich am 23. und 24. August in die Gegend von Wißmar begeben, wo Prüfungs­schießen stattfindet. Am 30. August rückt es zum Manöver aus. Zunächst bleibt es zu Uebungszwecken auf dem großen Exerzierplatz bei Griesheim. Von dort marschiert es in das eigentliche Manövergelände. Wie wir bereits früher mit teilten, findet das Manöver teils im Odenwald, teils in Rheinhessen statt. Anfang September beginnen die Brigade­manöver in der Gegend von Worms. An den beiden letzten Tagen des Manövers, dem 23. und 24. September ist das übliche Korpsmanöver, das bei Worms und Alzey seinen Abschluß findet. Am 25. September erfolgt die Rückkehr in die Garnison.

* * Ein neues Bank- und Wechselgefchäft. Herr Joseph Herz eröffnet in Gießen am 1. August ein Bank- und Wechselgeschäft (vergl. das Inserat in der heutigen Nummer). Bon der Firma Krogmann wurde ihm ein feuer- und diebeS sicheres, der Neuzeit entsprechendes Gewölbe erbaut.

* Bad-Nauheim, 30. Juli. Der Voranschlag der Stadt Bad-Nauheim für das laufende Jahr beziffert sich in Einnahmen auf 900 000 Mark, wie Ausgaben. Die ordentlichen Einnahmen betragen 86 000 Mark, die außer­ordentlichen 603 200 Mk., die Umlagen 210 800 Mk. (Hier­bei sind einbegriffen 5400 evangelische und 600 Mk. katho lische Kirchensteuern. Die ordentlichen Ausgaben betragen 280 727, die außerordentlichen 619 272 Mk. Nach Beilage 1 betrugen die Schulden am 15. Febr. 1901 1 272 942 Mark, nach Beilage 2 beträgt das Vermögen 2 064 138 Mk. Mit­hin ergiebt sich ein BermögenSüberschuß von 791195 Mk. Das Vermögen ist nach dem vorjährigen Voranschlag um 126568 Mk. gestiegen.

AuS Oberheffeu, 30. Juli. Bon den Domanialgütern, die in einzelnen Gemarkungen gelegen sind, gelangen in neuester Zeit verschiedene Stücke zum freiwilligen Verkaufe. Es find dies meist Gelände, die schon jahrelang im Pacht­

besitz der betreffenden Landwirte sich befinden. Dadurch ift vielen Landwirten die willkommene Gelegenheit geboten, diese fast als Eigentum angesehenen Grundstücke mit Eigentums­recht zu erwerben.

A Ulrichstein, 30. Juli. Ein im Frühjahre aus dem Gerichtsgefängnis zu Gernsheim entsprungener und seit dieser Zeit steckbrieflich verfolgter Untersuchungsgefangener wurde hier festgenommcn und in das hiesige Gerichtsgefängnis eingeliefert.

* Worms, 30. Juli. Am 1. und 2. September findet hier ein Appell aller Kameraden statt, die bis zum Ausmarsch im Jahre 1870/71 hier gedient haben. Am 1. Sept, vor- mittags 11 Uhr findet ein Appell auf dem Parabepkatz flatt, woran sich ein gemeinsames Mittagessen im Festspielhaus und eine Besichtigung der Stadt anschließt. Für den Abend ist ein Kommers mit den Kameraden der Kriegervereine ge­plant. (Näheres ist aus dem Inseratenteil unserer heutigen Nummer ersichtlich.)

** Kleine Mitteilungen <ml Hessen und den Nachbarstaaten» Ein Student der am Samstagmorgcn gegen 4 Uhr auf der Maner des lutherischen Kirchhofs in Marburg seinen Rausch ausschlafen wollte, stürzte bei dieser Gelegenheit die ziemlich hohe steile Wand hinunter und trug solche Verletzungen davon, daß der rasch herbeigerufene Arzt seine Ueberführung in die dortige Klinik veranlaffen mußte. Dor einigen Tagen hat die ReblauSkom- misfion ihre Untersuchungen in den Rebgeländen der Ge­markung Mainz begonnen. Sämtliche vorhandenen Wein­berge und auch sonstige Rebenanlagen wurden einer sachge­mäßen Untersuchung unterzogen, es wurde aber gar nichts Verdächtiges gefunden; im Gegenteil, noch in keinem Jahre wurden so gesunde Reben und so wenig Rebschädlinge vor- gefunden als in diesem.

Vermischtes.

Swine münde, 30. Juli. Der von der Kunstmann- schen Rhederei gechartete DampferMatador", der mit den Hebungsarbeiten beim DampferTitania" beschäftigt war, ist im Haff untergegangen. Die Mannschaft wurde gerettet und ist durch den DampferNordstern" hier gelandet worden.

* Stuttgart, 29. Juli. Wie derTagwacht" von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, ist der frühere Pfarrer Faulhaber, der wegen großen Betrügereien zur Verbüßung einer 28monatlichen Gefängnisstrafe in Rottenburg war, nach Verbüßung von 14 Monaten im Wege der Gnadevorläufig entlassen". Faulhaber, der vom Arzte als krank erklärt war und dementsprechend eine bessere Kost erhielt, trug seine eigene, keine Gefangenenkleidung, durfte sich ohne Aufsicht im Freien ergehen, wurde von den Aufsehern gegrüßt und mit Herr Pfarrer" angesprochen und hatte zu seiner Bedienung einen anderen Gefangenen.

* Ueber das Unglück am Matterhorn werden aus Zermatt jetzt folgende Einzelheiten gemeldet: Die Ge­sellschaft war bereits auf dem Abstieg, als Frl. Aline Bell plötzlich ausglitt und auf den schon etwas weiter unterhalb befindlichen Dr. Black stürzte. Er vermochte der Wucht deS Anpralls nicht zu widerstehen und verlor auch den Halt. Der plötzliche Ruck des Seiles warf die beiden anderen zu Boden. Im selben Augenblick riß in der Mitte das Seil, und Dr. Black und die Dame stürzten in die Tiefe. Der ganze Vor­gang dauerte nur wenige Augenblicke. Die übrigen beiden waren vor Schreck unfähig, den Abstieg sofort fortzusetzen erst nach geraumer Zeit war ihnen das möglich.

Oerichtssaal.

Köln, 29. Juli. Bor dem hiesigen Kriegsgericht hatte sich heute ein Einjährigfteiwilliger vom Fuß-Art.-Reg. Nr. 7 wegen unerlaubter Entfernung zu verantworten. Er hatte am 15. Februar 1900 jeinen Truppenteil verlassen, um am Burenkriege teilzunehmen. Er war über Amster­dam nach Laurenzo Marquez gefahren und von dort zu den Buren unter General Botha gefloßen. Er hat die Kämpfe bei Johannesburg und Pretoria mitgemacht, war schließlich mit einer Truppe von 1200 Mann von Englän­dern auf portugiesisches Gebiet gedrängt worden. Die Por­tugiesen hatten alle interniert und Dann zum Teil nach Europa geschafft. Hier stellte sich der Angeklagte frest- willig seinem Truppenteil. Der Vertreter der Anklage beantragte drei Monate Gefängnis, das Gericht erkannte jedoch nach dem Anträge des Verteidigers auf das g e - ring st e Strafmaß unter Anrechnung der Untersuch­ungshaft, indem es erwog, daß der Angeklagte sich immer gut geführt habe, und das Motiv zum Weggange ein edles gewesen wäre.

Thorn, 29. Juli. Die Verhandlung im Geheim- bündelei - Prozeß soll vor der Strafkammer erst amj 8. Januar 1902 statt finden. An geklagt sind 8 Geistliche aus Pelplin, ein Geistlicher aus Gnesen, ein Student der The­ologie aus Breslau, zwei Studenten der Medizin aus! Breslau, beziehungsweise Berlin, ein Bank-Volontär aus Posen, ein Kaufmannslehrling, ein Gerichts-Praktikant, ein Hauslehrer, 21 Gymnasiasten aus Strasburg und 3 ehe- malige Gymnasiasten aus Thorn.

Sport.

Horrrbrrra«* LerrniS-Trrimter. Die Preisverteilung geschah folgendermaßen: Kaiserpreis: Viktor von Müller (Oberleutnant im 4. Garde-Feldartillerie-Regiment). Zweiter Preis, verliehen von der Prin­zessin Friedrich Karl von Hessen. Gewinner Trapp, Oberleutnant auf S. M. S.Carola". DrÜte Preise: Bolongaro Crevenna, Leutnant im 7. Dragoner-Regiment, und von La Valette St. George, Rittmeister im 5. Ulanen-Regiment. Doppelspiel ohne Vorgabe Erste Preise: Viktor von Müller und Otto von Müller, Leutnant im 1. Garde-Regiment z. F. Zweite Preise: Verton, Leutnant im 2. Badischen Grenadier-Regiment Nr. 110, und Schlepps, Oberleutnant im 2. Fußartillerie-Regiment. Einzel­spiel mit Vorgabe. Erster Preis: Prapp. Zweiter Preis: Berton. Dritte Preise: Otto von Müller und Graf Dohna, Leutnant auf S. M. S. .Baden". Doppelspiel mit Vorgabe. Erste Preise: Otto von Müller und Viktor von Müller. Zweite Preise: Trapp und Roberson, Oberleutnant auf S. M. S.Pelikan". Damen- und Herrendoppelsvtel. Erste Preise: Herrenpreis, verliehen von der Kaiserin Friedrich, Miß Bromley und Kortegarn, Oberleutnant im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Rr. 117. Zweite Preise: Herrenpreis, verliehen von Prinz Albert von Schleswig-Holstein, Frl. Dorn Rüdiger-Homburg und Leutnant Bolongaro Crevenna. Das Trosthandicap brachte großen Preisregen, denn hier wurden sechs Sieger preisgekrönt. Erster Preis: Oberleutnant Kortegarn. Zweiter PreiS: Generalmajor Frhr. von König, Kommandeur der 22. Kavallerie Brigade. Dritte Preise: Graf Hardenberg, Leutnant im 23. Drog.-Regiment und von Heydwolff, Oberleutnant im 14. Husaren-Regiment. Vierte Preise: Fregattenkapitän von Pustau und von Sommerfeld, Oberleutnant der 2. Ingenieur-Inspektion.