Ausgabe 
1.6.1901 Zweites Blatt
 
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Gießen, 29. Mai 1901.

Der Vorsitzende des Grubenvorfiandes

Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vorm. Fernie in Gießen: Grünewald, Rechtsanwalt.

Kirchliche Nachrichten.

Laaugelische Gemeinde.

Sonntag dm 2. Juni. Trinitatisfest.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein.

Zugleich Christenlehre für die Neukon firmier t«n der MarkuSgemetnde.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Ktnderktrche für die MattbäuSgemeinde.

Pfarrer Schlosser.

In der Johauneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde.

Vormitlags 9</i Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für di« JohanneSgemeinde.

Pfarrer Dr Naumann.

Katholische Gemeinde.

SamStag den 1. Juni. , ,,

Nachmittags um 4*/i Uhr und abmds um^8 Uhr: ^Gelegenheit zur

heil. Beicht. _ .

Sonntag dm 2. Juni. 1. Som»tag nach dstngstem

Vormittags von 60, Uhr an: Gelegmheit zurghell. Beicht.

, um 7 Uhr: Di« erste hell. Messe;

vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion

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Aus Ktadl und Sani),

Sieben, 31. Mai 1901.

* Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 36, abge­geben am 29. Mai, Darmstadt, enthält die Bekanntmachung, die Abgabe starkwirkender Arzneien, sowie die Beschaffenheit und die Bezeichnung der Arzneigläser und Standgefäße in den Apotheken betreffend.

(!) Uebermut. Die große Hitze übt schon ihre Wirkung aus. Ein hiesiger Taglöhner, der anscheinend von der Hitze und Alkohol sehr angeregt war, empfand einen fürchterlichen Thatendrang, allerlei Unfug zu verüben. Wie ein Berufs- athlet hob er einen an ihm vorbeifahrenden Knecht vom Wagen herunter, gegen einen zweiten schleuderte er einen in der Entwickelung etwas zurückgebliebenen Felsen und ver­ursachte dadurch an seinem Zielobjekt Verletzungen. Er wird wohl vor den Richterstuhl zitiert. Ebensohitzig" benahm sich ein Droschkenkutscher, der seine Mitmenschen durch Ge- sangsfiudien erheitern wollte. Durch viele mißglückte Töne störte er jedoch die Ruhe und Ordnung und da er einen Fuhrwerkebesitzer, den er vorher am Bahnhofe schon verletzt hatte, mit Totschlag bedrohte, wurde er von seinem Wagen heruntergeholt und ins Haftlokal gebracht.

(!) Deserteur Ein fahnenflüchtiger Taglöhner aus Wieseck wurde gestern in der Stadt angetroffen, verhaftet und der hiesigen Militärbehörde zugeführt.

Zm GabelSberger Stenographen Verein war der be­kannte Reichstags-Stenograph Dr. Karl Zander-Berlin am Donnerstagabend im Cafö Ebel als Gast anwesend. Dr. Zander, einer der eifrigsten Förderer der deutschen Ein- heitS-Stenographie System Gabelsberger nimmt die Verhandlungen des Gynäkologen-KongreffeS auf, und benützte die Gelegenheit, dem Verein einige Stunden zu widmen. Seine Ausführungen waren ebenso interessant als lehrreich.

Ein besonderes Vergnügen hat sich am 3. Pfingsttage ein Lang-Göns er anscheinend ein Leichtfuß ge­leistet, indem er das Nützliche mit dem Praktischen verbinde» wollte. Unser Held fährt morgens um 4 Uhr in den Wald, um Holz zu laden, bindet fein Pferd zur Fütterung los und will sich vor Beginn der Arbeit von den Strapatzen der vorhergehenden Tage auöruhen, um erst am Abend gegen 11 Uhr nach einem sorgenlosen Schlummer zu erwachen. Wie erstaunte er nun, daß die Dunkelheit hereingebrochen ist und sein Pferd, sonst die Treue selbst, das Weite gesucht hat. Um nicht dem Spott anheimzufallen, macht er sich ohne Pferd und Wagen sofort auf den Heimweg, und schickt sich Mittwoch früh an, sein Pferd zu suchen. Da muß er aber erfahren, daß efl an einem anderen Platze einqaartiert ist, und er erhält eS erst um 6 Uhr abends nach Erlegung des Futter- und Handgeldes zurück.

b. Friedberg, 29. Mai. Der hiesige evangelische Arbeiter­verein feiert nächsten Sonntag an dem sogen. Pfingstbrunnen sein Frühlingsfest. Genannter Brunnen liegt auf der Pfingst- wiese an der Frankfurterstraße zwischen hier und Oberwöll­stadt. Ganz in der Nähe kreuzt die neue Bahnstrecke Fried bergHomburg die Frankfurterstraße. Es besteht die Ab­sicht, nach Eröffnung der neuen Bahn bei der Bahnbehörde um eine gelegentlich solcher Feste auf der Pfingstwiese einzu­richtenden Haltestelle Pfingstbrunnen vorstellig zu werden. Wie man hört, wird Pfarrer Dr. Grein aus Gießen nächsten Sonntag die Festrede halten.

C. Asseuheim bei Friedberg, 30. Mai. Arn dritten Pfingfeiertage wurde in dem Assenheimer Wäldchen das seit Jahren übliche Wald fest abgehalten, an dem sich die Be­wohner der Umgegend und besonders Friedbergs zahlreich beteiligten.

Darmstadt, 30. Mai. Ein Desert eur aus der Garnison Mainz wurde gestern hier verhaftet und heute wieder nach Mainz gebracht.

Bingen, 30. Mai. Wie jedes Jahr, hielt auch am heurigen dritten Pfingsttage der Kartellverband katho­lischer Studentenverbindungen sein JahreSsest au dem RochnSberge ab. Es waren im ganzen ungefähr 200 Herren und Damen anwesend. Um 1 Uhr nachmittags er* folgte nach Besichtigung der Burg Klopp der Aufmarsch nach dem RochuSberge unter den Klängen der Musik. Der Kom­mers, das Mittagsmahl, sowie schließlich ein Konzert im Walde verliefen in animiertefter Stimmung.

* Gewitter. Der Mai ist in seinen letzten Tagen noch sehr gewitterreich. AuS vielen Gegenden werden Gewitter mit teilweisen recht erheblichen Blitzschäden gemeldet. Wenn ej8 auch hier in Gießen zu einem starken Gewitter seit einigen Tagen nicht gekommen ist, so ist doch die nähere und weitere Umgebung stark heimgesucht worden. So meldet unS unser L-Korrespondent auS LanggönS: Am Donnerstag entlud

Ferner ersucht uns Herr Rechtsanwalt Grünewald um Berichtigung unseres gestrigen, derRh. Westph. Ztg." entnommenen Artikels dahin, daß a) die Angabe, Herr Dr. Pfahl habe die bevorrechtigte Forderung für den Dorbesitzer Fernie bestem, unzutreffend ist;

b) daß die Angabe, der Direktor des Bergwerkes sei seiner Funktionen enthoben worden, unwahr ist.

Brüssel, 30. Mai. Ein Antrag des Staatsministers Beernaert, betreffend den Kongoftaat, besagt in der Hauptsache, daß infolge der dem belgischen Staate über tragenen Rechte, die sich aus der zwischen dem Kongo­staate und dem belgischen Staate adgesck)lossenen Vorlage vom 3. Juli 1890 ergeben, die von dem genannten Staate abhängigen Gebiete von nun an belgische Besitzung sind und zwar mit allen Rechten und Vorteilen, die bisher mit der Souveranetät des genannten Staates verbunden waren, sowie auch mit allen Verpflichtungen gegen Dritte. Dieses Gesetz soll erst in einem Jahre in Kraft treten, damit die gesetzgebenden Körperscl)aften ein besonderes Regime für die neue belgische Besitzung festfetzen können.

Paris, 30. Mai. Während eines Banketts, das in Fontaine bei Lyon zu Ehren des Marineministers La> nessan stattfand, fiel ein schwerer Ziegelstein aus den Tisch der Ehrengäste, ohne jedoch jemand.zu ver­letzen Die Untersuchung ergab, daß der Stein von einem 14 jährigen Fleischerlehrling geschleudert war, der 4ich nach einem oberhalb des Bankettsaales gelegenen Raume ge­schlichen hatte. Der Bursche verweigerte jede Auskunft über den Beweggrund zu der That.

DerGaulois" will wissen, daß das Steuererträgnis erheblich hinter den Budgetschätzungen zurückbleibe. Jim den Ausfall zu decken, beabsichtige die Regierung, die Sol­daten des dritten Dienstjahres um 2 Monate früher zu entlassen, wodurch 30 Millionen erspart würden.

Wie offiziös gemeldet wird, verpflichtete sich Ma­rokko zur Zahlung von 100000 Franks Entschädigung an die Familie des von den Riffpiraten ermordeten fran­zösischen Kaufmanns Pouzet; auch habe Marokko strenge Be firafung der Schuldigen zugesichert und die Freilassung mehrerer gefangen gehaltenen Personen versprochen, welche unter französischem Schutze stehen.

Wien, 30. Mai. Der vom Budgetausschuß der öster­reichischen Delegation debattelos genehmigte Bericht des Referenten Marquis de Bacquehem über den Etat des Mi­nisteriums des Auswärtigen stellt fest, daß der Dreibund nach wie vor die unverrückbare Grundlage der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns bildet und dieses über alle An- fechkungen erhabene Bundesverhältnis seine wertvolle Er­gänzung in der Pflege vertrauensvoller Beziehungen zu den übrigen Mächten findet.

Im Abgeordnetenhause haben sich wieder einmal unerquickliche Szenen abgespielt. Bei der Kanal- Vorlage war der Generalredner pro Dr. Lueger. Als er sich erhebt, beginnen die Alldeutschen, die sich, wie verabredet, auf ihren Bänken eingefunden hatten, lebhafte Gespräche untereinander, fangen an zu lachen, schreien und rufen. Der Präsident ermahnt sie wiederholt zur Ruhe. Die Alldeutschen thun aber, als ob sie den Präsidenten gar nicht hören, und setzen ihre Gespräche fort. Dr. Lueger bemüht sich vergeblich, inmitten des Lärms zu sprechen. Ter Präsident giebt wiederholt Glockenzeichen und unter­bricht, da feine Ruhe eintritt, schließlich die Sitzung und verläßt den Saal. Nach zehn Minuten nimmt der Präsident die Sitzung wieder auf, erteilt Dr. Lueger das Wort zur Fortsetzung feiner Rede und ermahnt die Alldeutschen, den Redner nicht zu stören. Diese Mahnung bleibt jedoch frucht­los. Tie Alldeutschen beginnen vielmehr von neuem mit ihren Gesprächen trotz wiederholter Aufforderung des Prä­sidenten. Dr. Lueger setzt jedoch seine Rede fort. Der Lärm seitens der Alldeutschen dauert fort und fteigert sich immer mehr, je länger Lueger spricht, sodaß der Redner auf der Tribüne nicht verständlich ist. Um ihn herum gruppiert sich fast das ganze Haus, ausgenommen die Alldeutschen. Nachdem Lueger inmitten des fortdauernden Lärms der Alldeutschen geschlossen hat, erklärt der Präsident, er be­dauere lebhaft, daß ihm die Geschäftsordnung kein Mittel an die Hand gebe, solchen Verletzungen der Würde des Dauses entgegenzutreten. Der Alldeutsche Berger erklärt, die Szenen, welche die Alldeutschen aufgeführt hätten, galten nicht dem Hause, auch nichit dem Präsidenten, son­dern dem Bürgermeister Wiens, der die deutschen Gefühle unter den Lehrern und Angestellten Wiens unterdrücke. Tie Alldeutschen bringen Lueger Verachtung entgegen. Dr. Lueger verlangt das Wort zur Erwiderung. Die Alldeut­schen verlassen unter Pfuirufen den Saal. Lueger erklärt, er halte die Alldeutschen für nichtswürdige Landesverräter. Die Sitzung wird um 11 Uhr 4.5 Min. geschlossen.

Belgrad, 30. Mai. Wenngleich einmal schon aus hiesigen amtlichen Kreisen die Nachricht von dein Besuche des montenegrinischen Prinzen Mirko dementiert wurde, meldet der gram erSrbobran", ein zu Montenegro in Beziehungen stehendes Blatt, Mirko werde in einigen Wochen Belgrad besuchen und der Königin Traga einen hohen montenegrinischen Orden in Brillanten und eigene musi­kalische Kompositionen übergeben. ,r

Lettin je, 30. Mai. In diplomatischen Kreisen wird mit Bestimmtheit versichert, daß M oute n eg r o beim Ein­tritt des freudigen Ereignisses im italienischen Königs? haus zum Königreich proklamiert werden soll unter Zu­stimmung Rußlands.

Newyork, 30. Mai. Nach einer Meldung derHe­ra ld" wünscht Deutschland eine Kohlen st ation im Hasen von Juan Griego auf der zu Venezuela gehörenden Insel Margarita zu erwerben. TieVineta" habe dort o-or zwei Monaten Lothungen und Vermesfimgen vor­genommen.

9. tzongreß der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie in.

P. Gießen, 31. Mai.

Gestern nachmittag fand in Steins Gerten ein Fest­essen statt, zu dem sich zahlreiche Teilnehmer des Kon­gresses eingefunden hatten. -tie Kapelle des hiesigen ^>n- svrtterie-Regiments konzertierte. Nach Beendigung des aus­gezeichneten Mahles blieben die Herren in gehobener Stimm- itng im schönen Garten noch lange Zett beisammen.

Heute morgen um halb 8 Uhr fanden zwei stunden Imng Demonstrationen in der Frauenklinik statt. Um 10 \lhr folgten Vorträge in der Aula der Universität, -irr 'Eortrag des zweiten allgemeinen ThemasEklampsie" jamb feinen Abschluß. Gegen Mittag trat eine Frühstücks­pause ein. v .±

Um 2 Uhr nahmen die Vortrage und Demonstrationen m der Aula ihren Fortgang. Ilm 5 Uhr unternehmen die Herren einen gemeinsamen Ausflug nach Wetzlar.

(Schluß folgt.)

In der Univerfitätsaula* befindet sich aus Anlaß des Äynädolvgen-Kongreffes eine A u s st e 11 u n g von Original-

Werken zur Geschichte der anatomisck>en,^besonders der geburtshilflich gvnäkologifchen Abbildung. Sie stammt aus der Sammlung von Gustav Klein in München. Die Werke umfassen den Zeitraum vom 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts; nach 1800 zum ersten Male erschienene Bücher sind nicht ausgestellt. Die Bilder find in Holz chnitt einer davon aus dem Anfänge des 16. Jahr hunderts in zwei Farben und in Kupferstich ausgeführt. Folgende Gruppen lassen sich vom geschichtlich-medizini chen Standpunkte aus bilden: I. Vor Vesalifche Anatomie, in der zweiten Hälfte des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 1543 (.erste Ausgabe des Haupt­werkes von Vesalius». II. Andreas Vesalius mit feinen Kopisten und Schülern (15431627). III. Ginlio Easserios Kupfertafeln (1627) und die Anatomen des 17. und 18. Jahrhunderts. Außerdem sind drei gesonderte fleinerc Gruppen aufgestellt worden und zwar: 1. Eine Anzahl von Ausgaben des WerkesDe seeretis mulierum" oderVon den natürlichen Heimlichkeiten der Weiber", welckses fälsch scheinlich seinen Schüler Heinrich von Sachsen zum Verfasser cheinlich seine Schüler Heinrich von Sachsen zum Verfasser hat. 2. Dreizehn Ausgaben desRosengartens" von Eucha rius Rößlin und Kopien der drei Tafeln des Codex latinus Monaeenfis 161, welche den Vorbildern der Rößlin'schen Abbildungen entsprechen. 3. .Hebammenbücher und Lehr bücher der Geburtshilfe von Moschion an bis zum Emde des 18. Jahrhunderts.

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>He Begleiter des General^ u ehrender Weise bedach!

rd der Kaiser eine No rd- : an die Kieler Woche (20.

Minister Dr. v. Miquel : in Abschiedsaudienz em- : siedelt morgen früh nach rtzwahl in Grimmen, zusehen war, zu einem Siegt n unterstützten freisinniger : heutigen Bormittag ivurm en Landrat v. Behr dageg: och 40 Bezirke ausstehen -o whältnis zu Ungunstez des tlich nick mehr umsckmen. der Präsident des beutidp den ZenlrumsMttern Unter- g gegen das Dueii. Au» nden Kreisen hat er bisher darunter 64 von adeligen o bemerkt Fürst Löwenstein, r sein, wenn die Offiziere iftfje Stellung frei ihre An- iasrat und Vortragende Rat itiiunx 'W-

Manual 1891 übertragener des Kaiserlichen Kommissar: freimitligcn Krankenpsleg!

tbunden wordem Für ihn e! Berthes zum ständigen « zur Erledigung der IwlseM

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sich über unseren Ort ein heftiges Unwetter. Ein Blitz chlug in ein Haus und verursachte am Dache einige Be- chüdigungen. Unser 0-Berichterstatter schreibt uns aus Herchenhain: Donnerstagnachmittag gegen 3 Uhr entlud ich hier ein schweres Gewitter, der Blitz schlug in da- Wohn- -aus des Schuhmachers Nies. Das HauS brannte voll- tänbig nieder. Leider soll der Besitzer nicht versichert sein. In der Gegend nach Bi er stein bemerkte man zur gleichen Zeit ebenfalls am Himmel Feuerschein. Vielleicht dürfte )ort dieselbe Ursache zu Grunde liegen. Ferner meldet man auS Boppard (Rhein): Ein sehr starkes Gewitter suchte >ie Stadt und Umgegend heim. An den Obstbäumen und in den Weinbergen ist großer Schaden angerichtet worden. Das Bahngeleis war einige Stunden lang gesperrt. Das rechtsrheinische Geleis ist teilweise verschüttet. Das Gewitter überraschte die Pensionäre des Klosters der Ursu­linerinnen auf einem AuSfluge. Vier junge Mädchen wurden durch Blitzschlag schwer verletzt. AuS WormS wird berichtet: Ein heftiges Gewitter zog Mittwochnacht zwischen 11 und 12 Uhr über unsere Stadt. Ausgiebiger Regen brachte einige Abkühlung der sommerlichen Temperaiur, die noch gestern abend gegen 8 Uhr etwa 19 Grad im Schatten betragen hatte. Der Blitz soll in Horchheim in eine Scheune geschlagen haben, ohne zu zünden. Auch in Heppenheim a. d. W. brachte ein schweres Gewitter den ersehnten Regen. Der Blitz schlug in das Wohnhaus des Ph. Th. Müller ein, nahm feinen Weg durch verschiedene Zimmer, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Unser te-Korrespondent meldet aus Höchst a. M.: Donnerstag mittag zog über unsere Stadt ein schweres Unwetter. Ein auf dem Main fahrender Fischer wurde vom Blitz getroffen und ins Waffer geschleudert. Arbeiter, die in der Nähe beim Mittagbrod saßen, zogen den Mann, den der Blitzstrahl nicht getötet hatte, aus dem Wasser und brachten ihn ins Spital. Derselbe Berichterstatter meldet aus Sprend- fingen: Mittwochnacht zwischen 1 und 2 Uhr schlug bei einem furchtbaren Gewitter der Blitz in den Stall des Bäckermeisters Winkel und tötete zwei Kühe, die dritte, in der Mitte stehende blieb am Leben. Ein Brand entstand nicht. Ein schweres Unwetter hat am Mittwoch in Kur­hessen und dem angrenzenden Thüringen getobt und durch wolkenbruchartige Niederschläge, verbunden strichweise mit Hagelschlag, großen Schaden angerichtet. Namentlich in dem Rhön- und Meißner-Gebiet sind die Felder durch Hagel arg mitgenommen worden. In den Orten Alterode, Vockerode und Wölfterode sind eine große Anzahl Fenster eingeschlagen, so stark waren die Schloßen. Gemüse, Getreide rc. hat ge­litten. An der Rhönbahn FuldaGersfeld hat der wolken­bruchartige Regen an den Feldern und Saaten arge Ver­wüstungen herbeigeführt. In Leimenwirth in Thüringen wurde ein Mann vom Blitz erschlagen. In Beffe schlug der Blitz in die Kirche, beschädigte Turmuhr und Orgel, zündete aber zum Glück nicht. Mehrfach sind Feuersbrünste durch zündende Blitzschläge entstanden, so in Treisbach, Roth, Sand, Kirchberg. In letzterem Orte schlug der Blitz auch ins Pfarrhaus, zündete aber nicht. Selbst aus Paris kommt die Meldung, daß Mittwoch nachmittag ein Gewitter dort niederging, das großen Schaden anrichtete, der auf 2 llttill. Francs geschätzt wird. Die Kellerräume zahlreicher Gebäude, darunter des Th6ätre frangais, ferner sämtliche Gärtnereien im 13. Stadtbezirk sind unter Wasser gesetzt. Auch die Gartenbauausstellung im Tuilerienpark hat sehr gelitten.

Kleine Mitteilungen au» Hessen und den Nachbarstaaten. Der Bürgermeisterei Mainz ist ein Antrag unterbreitet worden, für die Folge die niederste Gehaltsklaffe für die städtischen Beamten, welche 1350 Mk. als Jahresgehalt fest­setzt, vollständig zu streichen und für die Folge sämtliche städtische Bedienstete ober Beamten, die der geringsten Kate­gorie angehören, mit einem AnfangSgehalt von 1450 Mk. per Jahr zu besolden. Dieser Antrag, der dem 5inan8aufl schusse überwiesen wurde, findet zweifellos Annahme.________

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vorm. Fernie, Biegen. Aus besonderen Wunsch de« Herrn SiechtSanwalt Grünewald geben wir seine uns gestern übersandte Zuschrift wörtlich wieder: Berichtigung:

Die in der heutigen Nummer des .Gießener Anzeiger" enthaltene, aus derRheinisch-Westphälischen Zeitung" übernommene Mitteilung, Herr Direktor PaScoe sei seines Amtes enthoben, ist unwahr.