Ausgabe 
1.3.1901 Zweites Blatt
 
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innerlaU) de.,etlen.I Maßnahme vielfach einen Wechsel der Büreaubeamten und

tung tritt in den Personalverhältnissen insofern ein großer Wechsel ein, als der Minister der öffentlichen Arbeiten be« stimmt hat, daß den nichttechnischen Eisenbahnsekretären und Anwärtern für diese Stellungen grundsätzlich die schmierigem ^ wichtigem Büreauarbeiten zu Übertragen find. Der Minister hat d,e Arbeitsarten der Büreaubcamten erster und zweiter Klaffe in einem Arbeitsverteilungsplane genau festgelegt. Daß diese

Telegramm des Gießener Anzeiger-.

Shanghai, 27. Febr. Reuter-Meldung. Drei italien­ische Kriegsschiffe nahmen im Nimrodsund südlich von Ningpo Vermessungen vor. Die Mannschaften errichteten Baracken am südlichen Ufer des Sundes. Nach Privat­meldungen ist auf dem Peiho Eisgang eingetreten. Cs heißt, es sollen unverzüglich Dampfer von hier nach Taku abgehen.Meldungen aus chinesischer Quelle besagen, 6 Bataillone von den Truppen Juanschikais sollten unter dem Kommando des Generals Mei nach Singanfu mar­schieren, um dem Kaiser bei seiner Rückkehr nach Peking als Vorhut zu dienen.

Nachdem China die Note der Mächte angenommen hat, erscheint eine befriedigende Beendigung der Wirren nunmehr gesichert, wenn auch über den Zeitpunkt der Erreichung dieses Zieles eine bestimmte Vor­aussetzung noch unmöglich ist. Weitere Verhandlungen be treffbn Einzelfragen, namentlich die Entschädigung und ent­sprechende finanzielle Veranstaltungen. Behufs des hierbei nötigen militärischen Drucks ist die unveränderte Be­lassung der deutschen Streitkräfte in China vorläufig unerläßlich und daher der Kostenbedarf auf das volle Rechnungsjahr veranschlagt. Wenn die Streit­kräfte, was aller Wahrscheinlichkeit nach anzunehmen ist, vor d e m 31. März 1902 ganz oder teilweise zu­rück b e s ö r d e r t werden, treten entsprechende Ersparnisse ein. Unter den anderen Forderungen des Nachtragsetats befinden sich 100 000 Mark zum Erwerb von Grund­stücken i n P e k i n g für Erweiterung und Sicherung der deutschen Gesandtschaftsanlagen, 60 000 Mark Teuerungs­zulage an Gesandtschaftsbeamte und Konfulatsbeamte in China, 163 500 Mark für Gebäudeankauf für die Gesandt­schaft in Bern, 95 000 Mark für Erweiterung der Dienst­wohnung des Staatssekretärs des Aeußeren und 224 000 Mark zur Instandsetzung des Dienstgebäudes des Reichs­kanzlers.

Das Erfreulichste an der Vorlage ist der Satz, daß größere militärische Unternehmungen voraussichtlich nicht mehr erforderlich sind. Es wird auch keine weitere Hinaus- sendung von Streitkräften angekündigt. Sehr "vorsichtig spricht sich die Begründung über die Beendigung der chinesi scheu Wirren aus. Im Reichstag dürfte auch diese Vor läge lvie die erste eine glatte Erledigung finden.

Am Schluffe eines von der Grafen WÄdersee in Lübeck eingegangenen Privatbriefes heißt es: Ich hoffe, daß das neue Jahr uns in nicht allzu langer Zeit ein frohes Wieder­sehen erleben läßt.

Telegramm des Gießener Anzeigers.

Brüssel, 28. Febr. Einer Depesche desPetit Bleu" aus Utrecht zufolge, erhielt Präfident Krüger ein gramm aus Pretoria, in welchem ihm der Tod feines Schwiegersohnes Kusi Malam und seines Enkels, des Feldkornets Piet Krüger, mitgeteilt wird. Beide ge börten zum Kommando Dalarey's und fielen in dem jüngsten Vefecht in der Gegend von Ruftenburg.

Deutsches Keich.

Berlin, 27. Febr. Unser Kaiserpaar feierte heute seinen 20. Hochzeitstag. Der Kaiser hat demgemäß seinen Aufenthalt in Homburg in der Nähe seiner kranken Mutter abgebrochen und ist in Berlin eingetroffen, um diesen Gedenktag gemeinschaftlich mit der Kaiserin zu feiern, die hier in Berlin durch die Pflege ihrer an einem leichten Stick husten erkrankten drei jüngsten Kinder festgehalten wird. Die Abreise des Kaisers von Homburg bestätigt, daß zurzeit das Befinden der Kaiserin Friedrich verhältnismäßig befriedigend ist, sodaß auch König Eduard im Stande ist, in den Tagen seines Aufenthalts in Friedrichshof seine erlauchte Schwester, von der er unter so tragischen Verhält- nissen Abschied zu nehmen sich anfchickt, öfters und ein­gehender zu sprechen. Der Kaiser hat sich übrigens während eines Aufenthalts in Homburg gesundheitlich sehr wohl ge- ühlt. Er ist entzückt gewesen von den großen Naturschön leiten, die zu dieser Zeit der winterliche Taunus entfaltet ;at, und er hat, wie er fich mehrfach ausgesprochen hat, diese Naturschönheiten mit vollen Zügen genossen.

Der Kaiser hatte heute vormittag eine Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow im Auswärtigen Amte. Zur heutigen Abendtafel waren die früheren und etzigen Umgebungen mit Gemahlinnen geladen.

Auf Anordnung des Kaisers ist dem Graf- regenten des Fürstentums Lippe in dem Oberleutnant v. Wasielewski vom 76. Jnfant.-Reg. jetzt ein Ordonn anz- Offizier beigegeben worden.

In der heutigen Budgetkommission des Reichstags fragt Müller-Fulda an, welches der Grund der Strandung derGneisenau- gewesen sei und ob cs richtig sei, daß der Keffel nicht unter Dampf gewesen sei und welche Kesselsysteme auf dem Sch ffe angebracht waren. Staatssekretär v. Tirpitz erklärt, daß für die Kommandanten )er Marine keine Vorschriften über das Dampfhalten in den Keffeln bestehe. Er kenne die Verhäitniffe in Malaga sehr genau. Dem Kommandanten derGneisenau" könne man aus dem Unglück keinen Vorwurf machen. Die Kessel waren alte Keffel, die nur äußerst langsam unter Dampf zu bringen sind. Ein Keffel sei sogar unter Dampf gewesen; der Haupt« gründ des Unglücks war, daß die Anker nicht hielten, sondern geriffen seien. Auf eine weitere Anfrage Müllers-Fulda ant wortete Tirpitz, der neue Schiffetyp des Panzerkreuzers Fürst Bismarck" habe die schnellste Ausreise gemacht und sich so bewährt, daß er sich in allen Meeren der Welt als seetüchtig zeigte.

Dem preußischen Landtage ging ein Gesetzentwurf betreffend die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung n den Städtekreisen Berlin, Eharlottenburg, Schöneberg und Rixdorf zu. Der Berl. Korrespondenz zufolge, beabsichtigt die Vorlage, die Oberpräsidien von Brandenburg und Berlin zu trennen und die gegenwärtige polizeiliche Einheit zwischen Berlin und den genannten drei Vororten auf alle Gebiete der allgemeinen Landesverwaltung zu erweitern durch Bildung des aus den vier Stadtkreisen bestehenden be­sonderen Oberpräfidium von Berlin.

Im Büreaudienste der Eisenbahnverwal-

« China.

... L " n desrat ging der Nachtragsetat für 1901 na/©?n chu blC ö w e 11 e F o r d e r u n g > ü r d i e C h i - na-(ijpcbiHon in Hohe von Mk. 120 682 000 sowie eine Forderung von 2 302 738 Mk. für andere Zwecke Von Menia7°Ä8 51?" tz-er lOoSoa», Me Manne 1 < a(K) ()(X), Post und Telearavden 1 nnn fronen -c. 4.37 000, Denkmünze 180M

Familien der Teilnehmer 700 000, Mabch-. rbbungen^ftaq" tau-Tscknfu und ^smgtau-Shanghai -luOOOO Mark Die Erläuterung besagt: Tie Ziele der Expedition sind unber ändert. Das Eingreifen der Mächte besserte die Lage in China langsam, aber merkbar und stetig. Der deutsche Oberbefehl brachte Einheitlichkeit in den militärischen Ope­rationen. Günstige Wirkungen blieben nicht aus. Größere militärische Unternehmungen über das besetzte Gebiet hinaus werden nicht mehr erforderlich fein, nur noch kleinere Beruhigungsstreifzüge

genossen Frh. v. Hertling und Prinz Arenberg, An­träge auf Absetzung bei den geforderten Schiffs-Neubauten an. Durch die neuerdings freundlicher gewordenen Bezieh ungen zu England habe sich die Weltlage günstiger gestaltet. Bemerkenswert ist, daß auch ein angesehenes Mitglied der Konservativen, Abg. Graf Stolberg, eine Erklärung über die auswärtige Situation als wünschenswert bezeich nete; nur sei cs wohl zweckmäßiger, eine solche Aeußerun^ nicht beim Marineetat, sondern auf einem mehrneutralen Boden" herbeizuführen. Es läßt sich nicht leugnen, daß in Weiten Kreisen der Bevölkerung eine Aufklärung über die Weltlage gerne gesehen würde. Das ist der beste und ein­fachste Weg, um gewissen Verstimmungen und, wenn man will, auch Mißverständnissen ein Ende zu machen. Reichs­kanzler Graf Bülow dürfte diesen nunmehr von parlamen­tarischer Seite geäußerten Wünschen bei seinem Entgegen kommen gewiß gern entsprechen.

Man schreibt uns aus Berlin, 27. Februar:

Der russische Finauzmiuister v. Witte scheint sich einiger­maßen beruhigt zu haben. Eine Antwort auf die kühle Er­klärung in derNordd. Allg Ztg.", daß Graf Bülow ihm »auf diesem Wege nicht folgen werde", liegt bis zur Stunde wenigstens nicht vor. Man hat vermutlich auch im russischen Finanzministerrum eingesehen, daß eS stark verfrüht wäre, sich bereits jetzt über die Bedingungen des nächsten Handels­vertrags aufzuregen. Jedenfalls wird die russische Regierung darüber nicht im Zweifel gelassen worden sein von unserem Auswärtigen Amt, daß es völlig verfehlt ist, Deutschland irgendwelche Schuld beizumessen an dem amerikanischen Zu- schlagSzoll auf russischen Zucker. Imme-Hin kommt der neue deutsche Botschafter am russischen Hofe, Graf v. Alvens- leben, in eine etwas gespannte und unbehagliche Situation. @raf Alvensleben wird einstweilen nur von den deutschen Zeitungen der russischen Hauptstadt herzlich begrüßt. Da Graf Alvensleben durchdrungen ist von der Bedeutung eines guten Einvernehmens mit Rußland, so gelingt es ihm viel­leicht in kurzer Zeit, die entstandenen Differenzen zu beseitigen und vor allem eine Benachteiligung der deutschen Ausfuhr fernzuhalten, wie sie Herr v. Witte übereifrig unserer Eisen- und Köhlen-Industrie in Aussicht gestellt hatte.

Engländer und Buren.

Lord Kitchener telegraphiert aus Middelburg, General French habe über folgende weitere von ihm bis zum 25. Fe­bruar gemachte Beute berichtet: Eine Neunzehnpfündcr Kanone, eine Haubitze, ein Maximgeschütz, 20 000 Patronen­gürtel mit Munition, 153 Gewehre, 388 Pferde, 52 Maul­tiere, 834 Zugochsen, 5600 Stück Rindvieh, 9800 Schafe, 287 Wagen und Karren. Die Buren verloren noch 4 Tote und 5 Verwundete, sowie etwa 300 Gefangene. Auf briti­scher Seite waren keine neuen Verluste.

Ueber den Verlauf von De Wets Rückzug fehlt heute jede Nachricht. Daß Hertzog, nachdem ihm die Vereini­gung mit De Wet mißglückt ist, die zerstreuten Neste von De Wels Abteilung aufpimmt, und selbst nach Osten zieht, ist anzunehmen, da ihm der Westen durch De Liste, der Norden durch Plumer versperrt ist. Auch von Botha liegen keine neuen Nachrichten vor. Aus den Londoner Zeitungen wird wahrscheinlich, daß sein Heer in eine nörd liche und eine südliche Abteilung getrennt ist. Botha scheint es gelungen zu sein, mit 2000 Mann nach Norden in den Bezirk Barberton zu entkommen, während die Hauptmasse unter Lucas Meyer, der sich French gegenüber befindet, nach Süden über Amsterdam und Pict Retief ausgewichen ist. In den Midlanvbezirken der Kapkolouie stehen noch immer mehrere Burenkommandos, ziemlich weit südlich. Von Schee- pers Kommando, das sich in den Bergen des Bezirkes W i l- lowmore noch immer hält, und am 24. von General Par- sons 25 Kilometer von Willowmore, wie eS scheint, vergeb­lich angegriffen wurde, ist schon berichtet worden. Weiter westlich steht außerdem im Bezirk Oudtshoorn ein zweites Kommando unter Fuchel, das auf 400 Manu geschätzt wird. Am 24. wurde eS bei Zoeteudaal Poort in einer starken Stellung bei Klaarstroom getroffen.

In Kapstadt, kamen 7 neue P estfälle zur Anzeige; einer davon betrifft eine Europäerin in dem unteren Stadt­viertel, ein anderer einen Europäer in dem vornehmeren Stadtteil. In einem Hause nahe der Kathedrale ist ein Kaffer an Pest gestorben. Neuerdings ist eine Anzahl Weißer und Farbiger, die in Berührung mit Pestkranken gekommen sind, isoliert worden. Die Regierung verstärkt angesichts des Umsichgreifens der Pest die Sanitätsmaßnahmen.

auch selbst unfreiwillige Versetzungen bedingt, steht außer Zweifel, worüber in den Kreisen der Eisenbahn-Büreau- Deamten eine leicht zu erklärende Erregtheit herrscht.

Der Allgemeine deutsche Judentag soll im Laufe des März in Berlin abgehalten werden. Die Form wird sich von der ursprünglich geplanten wesentlich unter­scheiden und auf dem Judentag lediglich eine gemeinsame Aktion der bestehenden jüdischen Vereinigungen zum Schutz der angeblich bedrohten staatsbürgerlichen Rechte der Juden beraten werden. Als Delegierten sollen Vertreter der meisten jüdischen Organisationen, unter Ausschluß der Zionisten, zu- gelaffen werden. In zionistischen Kreisen plant man für den Fall, daß ber. Judentag wirklich die Zionisten von seinen Verhandlungen fernhalten sollte, eine Gegendemonstration durch gleichzeitige Einberufung eines deutschen Zionistentages.

Tilsit. 27.Febr. Der iozialdemokratische Ritter­gutsbesitzer Hof er-SkaiSgirren sprach vor einer von mehreren hundert Personen besuchten Versammlung, in der sich ein erheblicher Teil Landarbeiter befand, gegen die Er­höhung der Getreidezölle. Einstimmig protestierte die Versammlung gegen den geplanten Brotwucher und sprach sich gegen jede Art von Zöllen auf Lebensrnittel aus.

Hannover, 27.Febr. Eine Vermehrung der katho- lischen Klöster in der Osnabrücker Gegend ist geplant.

Ausland.

Loudon, 27. Febr. Im Unterlaufe wurde die zweite Lesung des Gesetzes, durch welches der A cht stund en« Arbeitstag für Bergarbeiter eingeführt wird, mit 212 gegen 199 Stimmen angenommen. Auf eine Anfrage bestätigte Unterstaatssekretär Granborne, daß zwischen der Ssmali-Expedition und Aufständischen ein Zn- iammenstoß stattgefunden hat. Granborne fügte hinzu, die Verluste der Aufständischen würden auf 250 Mann geschätzt.

Paris, 27. Febr. Zahlreiche Blätter beschäftigten sich mit den jüngsten Enthüllungen DöroulödeS, wonach sein Staatsstreich Versuch am Tage des Begräbnisses Felix Faure's durch den Verrat einiger Royalisten vereitelt worden sei.GauloiS" wandte sich telegraphisch an Döron- lebe mit bem Ersuchen, seine Angaben zu präzisieren, bannt nicht auf einzelne Personen ein peinlicher Verbacht falle und auf ihnen lasten bleibe. Dervulede antwortete, er sei fest entschlossen, nicht mehr zu sagen, als er bereits gesagt habe. Die bonapartistischeAutorite" bemerkt, die Enthüllungen machten einen schlechten Eindruck auf die öffentliche Meinung. Däroulöde habe angebeutet, daß Generale seine Komplizen gewesen seien; von solchen Dingen spreche man nicht, selbst wenn sie wahr seien, geschweige wenn sie zweifelhaft seien. Jauros schreibt in derPetite RSpublique", ber Antisemit Gu6rin habe bie Royalisten von TöroulödeS Plan unterrichtet; diese hätten während beS TrauergotteSbiensteS bie beteiligten Generale veranlaßt, nichts zu Gunsten Dsrouledes zu thun. Nach demSiacle" müßte der ehemalige Ministerpräsident Charles Dupuy die Absicht DSroulödeS gekannt haben, weil er den Kriegsminister veranlaßt habe, die Aufstellung der zum Leichenbegängnis auSgerückten Truppen zu verändern. Trotzdem habe Dupuy DüroulZde nicht wegen Hochverrats oerfolgt, sondern nur wegen PreßvergehenS vor daS Schwur­gericht geschickt; Dupuy müsse deshalb vor den Staats» gerichtshof gestellt werden.

Wien, 27. Febr. Abgeordnetenhaus. Nachdem die Verlesung des Einlaufs über eine Stunde in Anspruch genommen hatte, beginnen die Jungtschechen ObstruktionS- reben zu halten, in denen sie neuerdings Beschwerbe führen über bie Behanblung ber Interpellationen. Die tschechischen Obstruktionsreben rufen den heftigsten Widerspruch ber All- bentschen hervor; namentlich während ber Rebe beS Abge­ordneten Freßl kommt es zu wieberholten Rebebuellen zwischen den Alldeutschen und den Radikaltschechen. Mehrere All­deutsche begeben sich zu den tschechischen Bänken. Zwischen den radikalen Deutschen und den radikalen Tschechen kommt es zu einem Handgemenge; insbesondere drängt sich der All­deutsche Franko Stein gegen den Abg. Freßl mit erhobener Faust vor. Abg. Stein wird von den radikalen Tschechen umringt. Zu seiner Hilfe eilen die Alldeutschen herbei. Zwischen den einzelnen Gruppen wiederholt sich das Hand­gemenge. Der Präsident läutet wiederholt; er bleibt jedoch im Lärm unverständlich. Schließlich erklärt er mitten im großen Lärm die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen. Zwischen den Alldeutschen und den radikalen Tlschechen kommt eS zu neuerlichen Auftritten bis nach und nach ber Lärm sich legt. Nach Wieberaufnahme ber Sitzung gibt ber Präsident feinem Bebauern barüber AuSbruck baß ein Redner an der Fort­setzung seiner Rede gehindert worden sei und richtet an alle Parteien die Bitte, die Würde beS Hauses zu achten. Schönerer ruft dazwischen:Die Rede war geschäftsorbnungSwidrig!" Der Präsibent erteilt hierauf bem Abg. Freßl das Wort zur Fortsetzung seiner Rebe. Schönerer ruft:Er wird nicht sprechen!" Freßl beendet unter dem Widerspruch ber All­deutschen kurz seine Rebe, worauf bie Verhandlung über die cingeganqenen Dringlichkeitsanträge fortgesetzt wird.

Budapest, 27. Febr. Gestern erfolgte hier die Kon­stituierung der längst geplanten Agra r-P art ei, die ge» legentlich der bevorstehenden Reichstagswahlen ihre Thätigkeit entfalten soll. Die Konstituierung erfolgte unter bem Vorsitz des Magnatenhausmitglieds Grafen Aurel DezSewffy, ber in seiner Eröffnungsrede betonte, man dürfe hinter den agrarischen Bestrebungen der mitteleuropäischen Staaten nicht zurückbleiben und müffe eine Jntereffen Agitation entfalten, um den weiteren Niedergang der Landwirtschaft anfzuhalken. DaS Programm ber Agrarier verlangt: erhöhten Zollschutz für alle Zweige der Produktion, Reform der Börse und deren Besteuerung, Sekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, Fixierung deS Befitzminimums der Steuerfreiheit und des Existenzminimums, höhere Besteuerung der ausländischen Grundbesitzer rc. Die Partei wird sich demnächst im ganzen Lande konstituieren. Ministerpräsident v. Szell erklärte, daß er den Gedanken jeder Parteibildung unter agrarischer Flagge perhorreSziere, weil cS feinem Programme widerstreite, und er einer solchen PuNeibildnng nicht unthätig zusehen würde, welche schließ-