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Nr. 51 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Freitag 1. März Ittvl
Beginn der Sitzung unten im Parquet ein privates >cduell" mit dem Zentrumsmann Dr. Bachem, der
dieser Frage, di- mit dem Etat nichts z» than yat>-
■ebattion, Txpedition und
Druckerei Scholftrahe 7.
Abreffe für Dl-pesch«: Anzeiger Siehe«.
FernsprechanichlußNr.Gl.
gesetzt.
Abg. Kunert (Soz.): Das Duell ist gestern damit verteidigt worden, daß die verletzte Ehre des Offiziers nur durch den Zweikampf wieder hergestellt werden kann. Damit ist die Ungesetzlichkeit des Duells nicht aus der Welt geschafft; vom moralischen Standpunkt aus ist es zu verwerfen und unhaltbar. Oertel hat gestern gegen die Aus-
ein brauchbares Ei legt, und nicht blos ein Minder nach dem Vorbilde der Rosalie Lübeck. (Große Heiterkeit.)
Abg. Glebocki (Pole) bestreitet gegenüber den Ausführungen des Abg. Sieg, daß die Schuld für den Hader auf Seiten der Polen liege; provozierend wirken überall die Deutschen. Der Hakatistenverein habe nur die Gegen-
Aus Berlin, 27. Februar, wird uns geschrieben:
In der Budgetkowmisfio« des Reichstags ist heute bei der Beratung des MarineetatS überraschender Weise von de« CentrumSabgeordneten Speck Aufklärung über unsere j-tzig-n Beziehungen zu England gewünscht w°rd-m
schweigen. Den Polen galt es, eine politische Agitation für den Zusammenschluß des Polentums zu finden. Es ist auch ein sittliches Moment, wenn ein Staat seine Existenz aufrecht zu erhalten sucht. Der polnischen Agitation werden sich schließlich die subversiven Elemente bemächtigen, bereu die Polen hier nicht Herr sind. Wie kam es, daß einer der schärfsten Bekämpfer der preußischen Regierring zum Erzbischof von Posen ernannt wurde? Wir möchten lieber diese tüchtigen chevaleresken Herren auf unserer Seite lehen, aber wir müssen den Kampf weiter führen und wir danken - ■ C!-r— "----. (Leb-
Deutscher Reichstag.
Berlin, 27. Febr. Die zweite Lesung des Militäretats wird fort-
Btjugspreis Vierteljahr!. Mk. 2.20, monatl. 75 Psg. mitBrmgerlohn; burch die Abholestcllen virrtkljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Psg.
Btt Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld
«flt HniclacivBermttthmeB« stellen bei In- und tiu6ta»Ml nehmen Anzeigen für ba •iebener Bnzciqer cntgegat. getlcnpretS lokal 12 Wt* auctoärtö 80 Pfst.
sätze verschärft.
Präsident Graf Ballestrem: Nachdem einmal die Debatte sich auf den nationalen Kampf in Posen in einer Weise konzentriert hat, die ich nicht hindern konnte, kann ich auch jetzt niemandem untersagen, auf diese Frage einzugehen. Die Frage steht jedoch in einem sehr losen 3^|t)erauö üt.L iUl|iutuuB — - v - . ,. „
sammenhang mit dem Militäretat. Wir können imfere trat unter steigender Unruhe des Hauzes er(uchte alsdann Arbeit nur fördern, wenn die Herren, die zu dieser Frage < \ noie D Glebocki den Landsleuten im Osten ouraj " --- eine schier endlose Rede vor Augen zu fuhren, welch
. Abg. Fürst Bismarck: Durch das Sozialistengesetz nichtige" Rolle die Polen im Reichstag spielen. Er riVf sRprrpnnnn bpi> Manöver hat auch die Partei der Sozialdemokraten Mandate vev-l Hochtals ben Sohn des Altreichskanzlers aus den -plan. Verlegung der Manöver, U . o c^^a war nur bcr , STs fcphprtinfe die Mahnung des Präsidenten, dre
die richtige hinzustellen. Er erinnerte an die ,/großeu Fehler" des Altreichskanzlers in der inneren Politik und weckte dadurch ein Beifallsgemurmel im Zentruni und auf der Linken. „Tie Stärke der Polen", rief Herr v. Jadzewski pathetisch aus, „liegt in ihren ewigen Rechten!
Übrigen gestand er die welthistorische Bedeutung ted ersten Kanzlers zu. Voller Spannung lauschten die Kopf au Kopf sich drängenden Tribünenbesucher diesen dre Ermnei> ung an eine große Zeit weckenden Klängen. Abg. sreg 3 Westpreußen (nL) liefe später die Wutrage nnetac ausleben, indem er aus genauer Kenntnis der Verhältnisse heraus der Darstellung des Herrn v. Jadzewskientgegeu- yeiuuy Utv ■’ _____,= Prinrfifp nl^hantt
Lrscheint täglich mit Ausnahme beS Montags.
Die Gießener Lamilien- hlätter werben btm Än- iriger im Wechsel mit „Hess. Kanbwirl" unb „Blätter für heff. BolkSkunbe" viermal wöchentlich beigelegt.
Annahme von Anzeigen zu bcr nachmittags für ben folgenden Tag erscheinenden Rümmer bis norm 10 Uhr Abbestellungen spätesten« abends vorher.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen
tion gegen das Polentnrn verschuldet. In seiner Ansprache an die Posener hat er die polnische Geistlichkeit und den polnischen Adel in Gegensatz gebracht. Zu dem friedliebenden polnischen Mittelstände dagegen müsse man eine Phalanx bilden. Das war ein Angriff. (Widerspruch rechts.) Bismarck hat große Fehler begangen in seiner innreren Politik gegen die Katholiken, Sozialdemokraten und die Polen. Wir müssen gegen die Nadelstiche der jetzigen Regierung Protest einlegen. Wir werden uns weiter ver-
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führungcn Bebels Bemerkungen gemacht, wie fie fid) tcm f0 lange wir auf diesem Standpunkte Men, ift es uns Hafter Dei,an recyis bif.
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Einmischung der Militärverwaltung in ^E^r ui Streitig ! ber deutschen Nationalität erinnert zu haben.
feiten der dortigen Hafenarbeiter mit ihren Unter- p 11 Schlußwort des Referenten Grafen von
nehmern, was ein Vertreter der nut Lu 0 0 n ro;rb bas Gehalt für den Kriegsminister" bewilligt,
g'tSS pwÄ®ÄtaBüS fnnft und BesLftigu'ng der Gestellungspflichtigen wird t-mberg bereits geschehe. angenommen.
General v. Dieb ahn erwidert, dafe, rn drefer Be> parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm
Spaßmacher aus Kalau erlauben würde. (Präsident Grafl Balle st rem bezeichnet diesen Ausdruck als der Ordnung des Hauses nicht entsprechend.) Herrn Oertel widmet die „Freis. Ztg." heute 20 Zeilen der Widerlegung, während der „Vorwärts" über ihn hinweggegangen ist und ihn als das behandelt hat, was er ist, als: quantite negligeable.
Präsident Graf Ballestrem: Auch diese Aeußerung einem Kollegen gegenüber ist unpassend und mit der Ordnung des Hauses nicht vereinbar, und da das zum zweiten Male geschieht, rufe ich den Abg. Kunert zur Ordnung.
Abg. Kunert geht zu dem Kapitel der Soldaten
mißhandlungen über. Ein Soldat des Leib-Grena- dier-Regiments König Friedrich wurde wegen einer kleinen! zjehung in Preußen nichts versäumt werde. . -
Verspätung so mißhandelt, daß er dienstunfähig wurde und Apg. Sieg (nl.) verteidigt die preußische Polenpolttrk. »bvruar ^ieasminister v Goßler hatte heute üls Bursche weitere Verwendung fand Die Einleitung Abg. Beb el (Soz.) erinnert daran daß die Ausnahme- | Parquet ein privates
eines Strafverfahrens gegen den Uebelthater wurde nicht gesetzgebung des Fürsten Bismarck in jeder Beziehung Schiff- vor^ Beginn d tz g unre» 4. 1 Bachem, der beliebt; erst nach anderthalb Jahren gelang es der Energie ^uch ^litten habe. So werde es auch mit m.en yStebebuell ^l de^ Zentrumsmann^ v ^mühte
des Vaters, die Einleitung der Untersuchung gegev1 den Polenpolitik gehen. Es sei ja erfreulich, daß die Militär- hm Sestern fo y ^in ^egSminister etwas einleuchtend betreffenden Unteroffizier durchzusetzen. Der Unteroffizier, Verwaltung jetzt versichere, daß die Armee nicht m deni sich^genschem ), d n Kr g Denn General
der inzwischen zum Sergeanten avannert war, wurde zu Dienst der Unternehmer gestellt werden dürfe Sie solle zu mach^i w ^fschüttelnd anf^die Bundesratsestrade
fünf Wochen Gefängnis verurteilt. Der Vater: verfolgte die bfl= nur in einer allgemeinen Verordnung auch zum Auv v- Goßlttk^h wpfsch tt uo^ ^stweilen die gewohnte
Sache aber weiter, indem er eine Penswn für den Miß- bringen. Im Gegensatz zu Kunert bin der Ansicht, .Zurück. Wies G aas 4. hl ber Garberobe
handelten zu erwirken suchte. Ern ärztliches Attest be- b^ im Laufe der Jahre die 3^1 ber ^^^^anb^ungen fcüte bemerkt werden, deren Eigner
stätigte ihm auch, daß die neuralgischen Schmerzen in urd at,öenommen hat. Hierzu hat wesentlich der Umstand bei- eme stattlich A zayt bcr Frattionsvorstände drahtsächlichem Zusammenhang mit den Mißhandlu^en stehen getragen, daß die Mißhandlungen hier Jahr für ^ahr ohne Zw f g f 1 0 Die geschätzten Kol-
müssen, die Erwerbsfähigkeit nnndestens uw- em Drittel ver- «0„ ^s zur Sprache gebracht worden sind. (Sehr richtigrch nach Berlin woroen waren h^te freilich ein mindert ist. Das Gesuch um Pension wurde aber zweimal ben Soz.) Wenn die Soldaten nicht nach beendeter legen " einleiten müssen, als der
abgeschlaaen, weil die Militärärzte^diesenZulammenhang Militärdienftzeit aufs Land zurückkehren^, somußdasdeine Mrer Oevat e 0 e 11 reichlich einstündigem nicht finden konnten. Es läge in der Billigkeit, ja in ber Urfad)e h^en. Wenn die Herren da drüben ihre Plane Abg^ Kunert mir ^«n^ Mengung der (öoV Klugheit, solchen Bitten nachzugeben, da doch solche geringen ein neues Kontraktbruchgesetz gegen die ländlichen ^rag über .,oh vlung u 0 Langeweile auf
Beträge bei einem Etat von zweieinhalb Milliarden keine U ^iter ausführen, dann können sie darauf rechnen, l>ab §nt die Helle Kommandostimme
Rolle spielen. Heute wird inde:: Bert. Korresp " em schließlich noch i)er le^e Su^t)u[)e Dieb ahn, der die Behauptung
Kriegsgenchtsur eil veröffentlicht betreffend den Unter- ^hr richtig! bei den Soz.) Ich bin der Ansicht, dW des Generaueutnan s ^^nmißhandlnngen hätten sich osfizier Strohwisch; es ist einem Zufalle zuzuschreiben, daß! b-^ ^binettsordre von 1897 die Notwendigkeit des Duetts , unzutreffend bezeichnete, weckte neues Leben,
nicht ans Furcht vor den Vorgesetzten eine üon I prtngi|jielt anerkennt. Wenn wir sehen, daß eine solche ^rmch t, als^unz alsdann Abg. Werner
eiben in dieser Sache geschworen wurden. Das Sensatio- ^fassung an der entscheidenden Stelle über dasDuell . ^n Wunschzettel Tas Interesse konzentrierte sich nette dieser Vorkommniste hegt darin, daß Vertuschungs- ^rrscht, bann hat der Reichstag alte Ursache bei. jeder emen lang W ^^1. Attreichskanzlers, Abg. Fürst versuche vorgenommen werden. (Sehr richtig! bei den Gelegenheit klipp und klar seine Stellung zum Duell aus-jedoch 1 , 1. §ar sÄÜEt ergriff, um die „hifto- Sozialdemokraten.) Der Redner kommt zu dem Schluß, daß .ndrücken. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Lriscke Ubr" des Abq v Jadzewski (Pole) „richtig zu stellen".
Line Reform des^Militarstrafge etzbuches notwendig sei Mg. Dr. Oertel (kons.) bemerkt, dievorgebrachten Z'^verewigte Altreichskanzler habe imm nur zur Abwehr-
Preußischer Generatteutnant v. Vieb ahn : 'Der^Vor- von Mißhandlungen seien sehr unbedeutend zumal das Polentum aufgefordert, nie zur Offensive, nie
rebner hat gesagt, die Mißhandlungen im Heere hatten fick im Verhältnis zu der Größe der Armee; der gute Geist gege V n bie Polen, wie gestern Herr v. Jadzewski vermehrt. Diese Angabe ist unzutreffend, (^rt, hort !) fi^^alb der Armee habe'zugenommen. Der Heeres-Ver- ä » Bismarck sprach lebhaft, die Pointen
Es hegt eme statistische Zusammenstellung vor von E0 gebühre hierfür unbedingte Anerkennung. (Zu- .1 ausdrucksvollen Handbewegungen unterstreichend. Be-
bis 1899; auf die Heeresstarke berechnet betrugen du Mhß- stimmig rechts.) Ich glaube nicht, daß Bebel für unsere W Charakterisierung der Caprivi'schen
Handlungen 1890 1,10 Proz. und 1899 063 Proz.. (Lebhafte Heeresverwaltung bestimmend werden konnte; aber ich gebe Polenpolitik als „verhängnisvoll". Abg. v. Jadzewski Rufe: Hort, hort!) Zufällig dm ich m der Lage, über emen baß er in der Uniformfrage die Priorität hatte. .fort das Wort zur Entgegnung. Er bemühte sich
Fall, den der Vorredner gemeint hat, Auskunft zu geben. , , paß auch eine ganz blinde Henne einmal b- } bistorische Zeigerstellung", wie er sie gezeichnet, als
Es handelt sich um den Gefreiten der Reserve Krause, ber & x.J M«a sminhpi narb!016 yrirori,cye ,,^eigvi.|Lcuuii^, , nm&P«
der Mißhandlung angeklagt wurde. Er ist dafür mit einer Strafe von acht Monaten und einem Tage Gefängnis bestraft worden. (Hört, hört!) Ich kann versichern, daß alle an der Ausübung der neuen Militär-Gerichtsordnung beteiligten Faktoren nach bestem Wissen und Gewissen wirken, um die militärische Rechtsprechung zu Ehren zu bringen, unb daß alle Anzeichen dafür sprechen, baß durch das neue Verfahren allen Ansprüchen sowohl ber Rechtspflege wie der militärischen Interessen Rechnung getragen wird. (Bravo.) Ich habe zu erklären, daß es in der Militärverwaltung fester Grundsatz ist, alle Gesundheitsschädigungen, die auf Mißhandlungen beruhen, eo ipso als Dienstbeschädigungen anzusehen. Wenn derartige Fälle infolge der bestimmungsgemäß vorgesehenen Berufung zur Kenntnis des Kriegs-. ■ Beifall)
Ministeriums kommen unter allen Umständen Remedur cm- sprech»., 'Z^Lis marck Durch' das S treten wird. (Bravo! rechts.) 1 - • -
Abg Werner (Autist): Die Verlegung der w«E bS. I N^-^^^^ÄÜng7d-r Renten, bie
Wie sie Kunert will, ist nicht ausführbar. In der gl)’1 b^ nicht von Anfang an dauernd eingeführt wurde. mit bem Militäretat doch nur m fofem Zusammenhang ?rmce, einem lommcn mel 11«^ BP hei ben Soz.) Niemand konnte mehr als.wir die gehende Nationalitätenfrage möglichst ^rz zu behandeln,
langen vor ulsim deutschen Heere (Zuruf b ä I^^bungen in ben Ostprovinzen beklagen; sie sind ein ^an war auch des Debattierens nunmehr uberdrusstg und demokraten: Sie haben ;a keine Ahnung.) Duell Element der Schwäche in unserem deutschen Reiche, dazu börte den folgenden, die verschiedensten Themen zur Sprache
lungen haben ga^erhebllcha^enomm^, Ebenso ^as Duell! ^ieme^r %ontinuität in der Haltung der MLingenben Rednern nur „mit halbem Ohre" zu. Sehr
ui ber Armee. Die Flurschabenregelung geht noch immer > Schwankungen, wie wir fie frättia lasen u. a. noch bie Abgg. Graf Lim bürg-Shrum
^elfach sehr langsam von- stockten. ^ie Müll^liefe^ g n .1 ^bestens dreimal haben wahrnehmen müssen, (kons.) und Dr. Sattler (nl.) den Polen den Text. Als England machen im Volke fortgesetzt böses Blut, wiryaoen \ -Verein ist erst entstanden, als Fürst Bismarck Anwalt der Polen fungierte, nicht gerade glücklich, Abg.
doch im Burenkriege bie strikteste Neutralität zuwahrem DerH.K.T.^Verei^ist er^emstanoen war.^debour (Soz.). Zu später ©tobe, nach fast sechs-
(Präsident Graf Ballestr em: Das gehört Nicht zum Mn langst alten Devise: Die madiger Diskussion, wurde endlich das Gehalt des
ms. » M v-uusch- T-s--sch-».
S-setzl h-Ut-. dafe auch, die preufeische Arm« bi-palnisck)eu Fundaments .entbehrende Gesetzgebung^ a , jetzigen Dezieyuagr» gu «•»«‘uuv f
Bestrebungen -urü-kweisen wird iBeisall rechts.), Lnell" Mb^tm Sie^^insÄr Wo*^geben Marinestaatssekrelär v. Tirpitz lehnte bie Be°ntw°r'nns


