steht am schwarzen Brett der hiesigen Universität folgender Anschlag:
Das Rektorat der Technischen Hochschule in Darmstadt hatte an verschiedene Zeitungen eine Mitteilung gesendet, der zufolge „gerade die gröbsten" in Main- bei der Gutenbergfeier vorgenommenen Ausschreitungen „irrtümlich Darmstädter Studierenden zur Last gelegt" seien. Daraus wendete ich mich am 21. Juli mit der Anfrage nach Darmstadt, ob jene Aeußerung etwa eine Anschuldigung Gießener Studierender enthalten solle.
In seiner am 26. Juli hier eingetroffenen Antwort erklärt der Rektor der Technischen Hochschule zunächst, die Untersuchung über die Mainzer Vorgänge sei lediglich in der Richtung geführt worden, „fest, zustellen, welche Ausschreitungen Darmstädter Studenten zur Last fallen, nicht aber welchen dritten Personen etwas zur Last fällt." Hiernach ist die obige Zeitungsnotiz rein logisch-theoretischer Natur; sie bezieht sich auf niemanden, insbesondere nicht auf Gießener Studenten; sie läßt es einfach dahingestellt, wer die „gröbsten Ausschreitungen" begangen hat und enthält sich jeden Urteils und jeder Andeutung.
In seinen weiteren Ausführungen teilt der Rektor der technischen Hochschule mir mit, ihm sei im Laufe der Untersuchung ein einziger Fall bekannt geworden, bei dem ein Gießener Studierender beschuldigt wurde. In Eltville soll ein Angehöriger der Landesuniverfität einen Mainzer Herrn als „dummen Jungen" bezeichnet haben. Da dies das einzige ist, was die Darmstädter Untersuchung gegen Gießener Studenten zutage gefördert hat, so ist hierdurch auch der sachliche Nachweis geliefert, daß die Zeitungs-Aeußerung sich nicht auf die Gießener Festtetlnehmer beziehen kann; denn „gerade die gröbsten Ausschreitungen" waren ganz anderer Natur.
Ich betone dies ausdrücklich, um naheliegenden falschen Deutungen der Zeitungsmitteilungen zu begegnen, und ich füge hinzu, daß, abgesehen von dem eben angeführten Falle, auch nicht die leiseste Anschuldigung gegen einen Gießener Studenten sich hat begründen laffen.
Gießen, den 29. Juli 1900.
Der Rektor der Landes-Universität.
E. Netto.
Da mache sich nun einer einen Vers brand. Nach dem Wortlaut der von uns erwähnten Zeitungsnotiz müßte man annehmen, die Untersuchung habe zwar ergeben, daß grobe Excesse verübt, und zwar von Studierenden verübt wurden, daß aber nicht Darmstädter Studierende die Schuldigen sind. Gießener sind es nun auch nicht gewesen. Bleiben noch die Heidelberger. UnS scheint, daß das Führen von Untersuchungen nicht zu den hervorragenderen Leistungen deS Darmstädter Rektorats zu rechnen ist. Warum, fragen wir, hat die Darmstädter Studentenschaft förmlich und feierlich bei dem Oberbürgermeister von Mainz um Entschuldigung gebeten, wenn ihr die begangenen Excesse gar nicht zur Last fallen?
S-r. Der Geselligkeitsverein Gleiberg hielt am Samstag auf Burg Gleiberg seine Generalversammlung ab, die trotz der drückenden Schwüle des Nachmittags sich guten Besuchs von Gießen, Krofdorf und Lollar zu erfreuen hatte. Nachdem der Vorsitzende, Provinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold, die Versammlung eröffnet hatte und der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt war, genehmigte die Versammlung den für 1900/1901 ausgestellten Etat und die Rechnungsablage für das verflossene Jahr. Bei dieser Gelegenheit erfreute der Vorsitzende die Versammlung durch Verlesung eines Telegramms des Inhaltes, daß aus Antrag des Großh. Kreisamtes Gießen die Großh. Hessische Regierung dem Verein 400 Mk. Beisteuer bewilligt habe. Der Geschäftsbericht betraf insbesondere die seit längerer Zeit geplanten Herftellungsbauten, deren Pläne und Kostenanschläge Kreisbauinspektor Stahl vorlegte, wobei er zugleich mitteilte, daß die Arbeiten teils schon begonnen, teils vergeben seien. Dank den Spenden von Mitgliedern und Freunden des Vereins und der Beihilfe der Hessischen Regierung wird es möglich sein, den Philippsturm (das „WikhuS"), der nach Westen trotzig aus der Außenmauer vorspringt, wohnlich einzurichten, die beiden Nebensäle deS nach Süden blickenden Nassauer Baues entsprechend dem Kaisersaal auSzustatten und an seinen Ost- giebet eine Veranda auzubauen, die eine herrliche Aussicht gewähren und an heißen Sommernachmittagen ein sehr begehrtes, kühles Plätzchen werden wird. Nachdem aus der Versammlung heraus kleinere bauliche Verbesserungen, sowie dieVeranstaltung einer besonderen FeierzurEinweihung des bis zum Herbst fertig zu stellenden „Buchner- stübchens" im Philippsturm angeregt und demgemäß beschlossen worden war, wurde dem Vorstand der Dank des Vereins für seine ersprießliche Thätigkeit ausgesprochen und eine Besichtigung der auszubauenden Anlagen vorgenommen, wobei sich besonders dem Buchnerstübchen sehr erfreuliche Aussichten aus weitere Spenden eröffneten. Hoffentlich ist dem Einweihungstage das rechte, gestern schmerzlich vermißte gute Wetter beschießen, damit die dann neu er- schlossenen Reize der Burg Gleiberg ganz zur Geltung kommen.
** Die Gewitter der letzten Tage haben in ganz Oberhessen großen Schaden angerichtet. Zu den aus der Stadt und nächsten Umgebung schon in unserer Samstagsnummer gemeldeten Schäden schreibt unser b-Be
richterstatter aüs Friedb erg: Der Blitz schlug mehrere I Mal auf dem Felde in Kornhaufen ein. Auch Hagel - | schlag war damit verbunden, doch ohne Schaden anzurichten. Die niederströmenden Wassermengen waren so groß, daß das Wasser über die Abflußkanäle durch die Straßen schoß. Infolge des Sturmes ist viel Obst von -bett Bäumen gefallen. Ferner meldet unser ^ Korrespondent aus Gedern, daß dort der Blitz in das Wohnhaus des Herrn Franz an der Straße nach Wenings einschlug, glücklicherweise ohne zu zünden. Der Blitzstrahl zerstörte den Schornstein, schlug die Wände durch und nahm seinen Weg durch die Küche. Die Großmutter des Herrn Franz, die allein zu Hause und gerade in der Küche beschäftigt war, kam ohne Schaden davon. Aus Lingelbach meldet unser m-Berichterstatter: Unter furchtbarem Krachen fuhr ein Blitz in die mit viel Stroh und frischem Heu gefüllte Scheu n e des Landwirts Krug, die unmittelbar darauf in hellen Flammen stand. Der Besitzer, der sich gerade in Begleitung seines Hündchens in der Scheune befand, wurde von dem Blitzstrahl einen Augenblick betäubt, sodaß er zu Boden stürzte; er erholte sich aber gleich wieder, wogegen das Hündchen tot war. Das Feuer ergriff auch die W o h n - bäude und den Vie Hst all, die sämtlich ein Raub d e r F l a m men wurden. Das Vieh konnte mit Ausnahme eines Bullen, der in die Flammen hineinsprang, gerettet werden. Mit Hilfe der Feuerwehren der umliegenden Orte wurde das Feuer mit großer Mühe auf die eine Hofraite beschränkt. Aus dem Vogelsberg schreibt schließlich noch unser -h-Bcrichterstatter: Bei dem heftigen Gewitter, das gestern abend mit starken elektrischen Entladungen über unsere Gegend zog, schlug der Blitz in den niederen Turm der Stadtkirche zu Nidda. Es war ein kalter Schlag, «b-er keine größeren Verwüstungen hinterließ. Ein weiterer Strahl zerschmetterte das Dach des neuen Wohnhauses des Bürgermeisters zu R o d e n b a ch. Am Samstagabend gegen 10 Uhr ging ein weiteres schweres Gewitter mit andauerndem Regen nieder, ohne aber für den Sonntag die ersehnte Temperaturabkühlung zu bringen. Vielmehr ballten sich gestern nachmittag wiederum dunkle Wolken zusammen, die sich gegen einhalb sieben Uhr in einem starken Gewitter mit schrecklichem Unwetter entluden und damit einem Gießener Feste, der X. Ruderregatta, die sehr stark besucht war, ein jähes Ende bereitete. Der mit starkem Regen verbundene orkanartige Sturm hauste furchtbar in den Bäumen. Wie besäet waren die Straßen mit abgebrochenen Zweigen, während die Obstgärten mit den abgeschlagenen Aepfeln und Birnen, den geknickten Rosenstöcken und niedergewalzten Gemüsebeeten ein noch traurigeres Bild zeigten. Der mit einem Plan überdachte große Boots schuppen der Gießener Rudergesellschaft wurde vom Sturm in sich zu sa m - mengewvrfen, beschädigte im Zusammenstürze vier Boote und verletzte den Wärter erheblich im Gesichte. Die Straßen und Obstalleen der Umgegend bieten einen jämmerlichen Anblick. So schreibt uns unser -d- Mitarbeiter: Auf dem Weg von Trohe nach Wieseck sah man zahlreiche umgeknickte Obstbäume. Als man auf der Tro her Kirch weihe vor dem Regen in einer Halle Schutz suchte, flog auf einmal der als Dach dienende Platt davonIrland total durchnäßt mußte man in den Häusern Sck)utz suchen-. An der Marburgerstraße vor Gießen warf der Sturm eine starke Linde in den I n g h a r d s ch e n Garten; ein in der Nähe der Kempf'schen Besitzung stehender Baum wurde entwurzelt, und nur durch die Telegraphendrähte, die übrigens nach uns gewordener Mitteilung an mehreren Stellen zerrisen wurden, aufrecht erhalten. Aus der Umgegend von Lollar, Dau bringen usw. meldet unser -ll-Korrespondent, daß dort durch Blitzschläge eine Anzahl Fruchthaufen in Flammen aufgingen. Groß ist die Zahl der in Waldungen, Gärten, und mn den Straßen vom Sturme niedergerissenen Bäume. Am Eingang zum Walde hinter der Wellers bürg wurde eine der großen Pappeln umgerisscn und quer über die Staatsstraße geworfen, sodaß Fuhrwerk die Stelle nicht passieren konnte. Auf der Straße nach Rödgen wurden viele Alleebäume gefnieft und entwurzelt. — Ferner schreibt man aus Köln: Das in den späten Nachmittagsstunden herniedergegangene Unwetter hat großen Schoden angerichtet. Durch den orkanartigen, dem Gewitter voraus- gehenden Sturm wurden mehrere Dächer der ausgedehnten städtischen Schlachtviehhofanlagen erfaßt und vollständig zertrümmert. Schwere Balken wurden wie Streichs- Hölzer zerknickt und eiserne Träger wurden auf das Dach eines kleinen Schuppens geschleudert, unter dem eine Anzahl Personen Schutz gesucht hatte. Der Schuppen stürzte ein, wodurch die darunter stehenden Personen versckstittet wurden. Die Feuerwehr war alsbald zur Stelle und brachte vier Schwerverletzte in Sicherheit. Auf einer Chaussee wurden 43 Bäume entwurzelt, tausend Fensterscheiben durch hühnereigroße Schlossen zertrümmert. Reisende erzählen, daß auch im Bergischen Lande das Unwetter arg gehaust habe. Bei Bensberg wurden zwei Personen erschlagen.
A Lützellinden, 30. Juli. Das Jahresfest unserer Kleinkinderschule wurde gestern festlich begangen. Die
ganze Gemeinde nahm an der Feier teil und auch aus den benachbarten Orten waren Festgäste erschienen. Die Spiele und die Liturgie, die die Kinder vortrugen, erregten allgemein die Freude und bad Interesse der Anwesenden. Unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins und des Posaunenchors nahm die Feier einen würdigen Verlauf.
Bad-Nauheim, 29. Juli. Wochenprogramm der Unterhaltungen. Montag den 30. Juli, abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapclle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Auf Strafurlaub". Dienstag den 31. Juli, nachm. von 4‘/a—7 und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Jnf.- Regtd. Nr. 137 aus Hagenau. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachm. von 4—6 Uhr am Teich. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Der Obersteiger".
Darmstadt, 28. Juli. Der Großherzog und die Großherzogin empfingen heute mittag den Kommandeur der 25. (Großherzogl. Hessischen) Division Generalleutnant v. Perbandt und den zum ostasiatischen Expeditionskorps kommandierten Oberleutnant Otto vom Leib «Regiment Nr. 117. Die beiden Herren nahmen an der Frühstücks- täfel teil. — Der Erbprinz und die Erbprinzeffin zu Hohenlohe-Langenburg trafen gestern abend znm Besuch in WolsSgarten ein. Der Erbprinz reist heute morgen nach Koburg weiter.
Sport, Spiel, Jagd.
Gießen, 20. Juli. Die 10. Ruderregatta auf der Lahn, veranstaltet von der Gießener RudergeseUschast 1877. war zurächst vom schönsten Wetter begünstigt und erfreute sich dementsprechend eines äußerst regen Besuches. Leider wurden die Hoffnungen les Publikums auf interessante, spannende Rennen arg enttäuscht, da bei */6 der Rennen entweder überhaupt nur ein Boot startete oder nur eins durchs Ziel ging. Von einem Endspurt und Kampf zwische:- zwei Booten konnte nur bei einem Nennen die Rede fein. DaS Publikum verhielt sich auch demgemäß teilnahmloS. Ein vorzeitig.S jährS Ende bereitete der Regatta das Unwetter, auf dessen Einzelheiten an anderer Stelle unseres BlalteS näher cingegangen ist. Die Ergebnisse der Rennen stnd folgende: I. Großer Vierer. Ehrenpreis (Wanderpreis), gestiftet von der Stadt Gießen- 1. Frankfurter R.-G. Germania (6.38); 2. Frankfurter Ruder-Verein 18G5 (6.46</B). II, Vierer. Preis von der Lahn, gestiftet vom Ehren- Vorsttzenden der Gießener Ruder - Gefellschast 1877 , Herrn Jean Kirch. 1. Ruderklub EmS (7’/.); 2. Gießener R.-G. 1877 (78/6). III. Einer. Lahn Pokal (Wanderpreis), gestiftet vom deutschen Ruberoerband. 1. Frankfur er R.-V. 1865 (7 578 6). Die Hanarnr R.-G. 1884 „Hafsia" gab das Rennen auf- IV. Zweiter Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von den passiven Mitgliedern der Gießener R.-G. 1877. 1. Offcrüacher R.-G. „Undine" (6.51</6). Der Wetzlarer Ruderklub gab das Rennen auf. V. Dollenzweier. Ehrenpreis, gestiftet von Freunden des Rudersports. 1. Ruderklub Hamm (8.9). Die Neuwiedcr R.-G. gab das Nknnen auf. VI. Junior- Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von dem Regatta-Komitee. 1. Frank« fmier R.-V. 1865 (7.4«/«); 2. Ruderklub .Hamm (7.7«/»). VII. Akademischer Vierer. Ehrenpreis, gefttftck von Studierenden der LandeSuniversttSt. 1. Heidelberger Ruderklub (7.6). Die Gießener akademische Mannschaft fuhr wegen BootdefektS nicht. VIII. Dollen Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von einem Gönner der Gießener R.-G. 1877. Die Ruder-Gesellschaft Rhenanta-Eoblenz fuhr mit 7.241/* alS erste durchs Ziel, wurde aber ausgeschlossen, weil sie die Gießener R.-G. 1877 angesabren hatte. Dieser wurde somit der Preis zugesprochen. IX. Großer Achter. GroßherzogSpreis (Wanderpreis). Bet Beginn deS Unwetter» ging der Frankfurter R.-V. 1865 mit 6.4 Min. allein durch« Ziel. Im X. Ermunte- rungS-Vterer, siegte die Hanauer R.-G. „Hafsia" 1884. Dies letzte Nennen wurde nach dem Unwetter gefahren. Im Anschluß daran sand die PretSvertrilung statt. Der Abend vereinte dte Sport- genossen und ihre Gäste in StetnS Garten zu einem zwanglosen Beisammensein, wo sie Konzert und Tanz bis zu recht vorgerückter Stunde beifammenhtelt.
Kriesimsten der Redaktion.
M. B. Die Kuchenart heißt Radan. Sie habcn also die Wette verloren.
Schiffsnachrichten.
Norddeuffcher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Carl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 28. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben. Postdampser Großer Kurfürst, Capt. W. Neimkasten, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr vormittag« wohlbehalten in New'Dork angekommen.
Wegen vorgerückter Saison
verkaufe ich die noch vorrätigen Wanch-Anziige, Blusen, Hosen, Leden-Joppen und Sommer-Havelocks
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