Dienstag den 31 Juli
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Zum Todestage Bismarcks (30. Juli).
Die heutige zweite Wiederkehr des Todestages Bismarcks fällt in die denkwürdige Zeit, da zum erstenmale ein beträchtlicher Teil vom Heere des neuen deutschen Einheitsstaates über das Weltmeer zieht. Wohl mancher wird sich an diesem Gedenktage die Frage vorlegen, ob Deutschlands Politik gegenüber China im Sinne des Fürsten Bismarck die richtige ist. Die Antwort hierauf kann nicht schwer fallen, wenn man sich das Ziel vergegenwärtigt, das Deutschland in China verfolgt. Graf Bülow hat es in seinem Rundschreiben vom 11. d. M. klar und bestimmt in folgenden Worten bezeichnet:
„Wiederherstellung der Sicherheit von Person, Eigentum und Thätigkeit der Reichsangehörigen in China, Rettung der in Peking em- geschlossenen Fremden, Wiederherstellung und Sicherstellung geregelter Zustände unter einer geordneten chinesischen Regierung, Sühnung und Genugthuung für die verübten Unthaten . . . keine Aufteilung Chinas . . . keine Sondervorteile."
Wie Gras Bülow im Vorstehenden zunächst die Verpflichtung des Reiches zum Schutze der Reichsangehörigen im Auslande als selbstverständliche Voraussetzung behandelt, so wird auch vom Fürsten Bismarck niemand bezweifeln, daß er die gleiche Auffassung über die Schutzpflicht des Reiches gehabt hat. In der Reichstagssitzung vom 26. Juni 1884 hat Fürst Bismarck die Frage, ob es die Pflicht des Reiches sei, kolonialen Unternehmungen deutscher Reichsangehöriger den Reichsschutz zu gewähren, u. a. mit den Worten beantwortet:
„Das bejahe ich . . . mit unbedingter Sicherheit vom Standpunkte der staatlichen Pflicht. Ich kann mich dem nicht entziehen."
Daß zu den kolonialen Unternehmungen die überseeischen Handelsunternehmungen in fremden Ländern zu rechnen find, versteht fich von selbst. Da nun die dauernde Sicherheit von Person, Eigentum und Thätigkeit der Reichsangehörigen in China von der Sicherstellung geregelter Zustände unter einer geordneten chinesischen Regierung abhängig ist, muß auch dieser Punkt des Bülow'schen Programms als im Sinne Bismarcks aufgestellt gelten. Was ferner das Verlangen nach Sühne und Genugthuung für die verübten Unthaten angeht, so widerspricht es keineswegs der Auffassung Bismarcks. Denn in demselben Satze, in dem Bismarck am 17. August 1866 die Worte sprach: „Die Politik hat nicht die Aufgabe der Nemesis" —.fuhr er fort: „Wir haben zu thun, was für den Staat eine Not- Wendigkeit ist." — Daß gegenwärtig die Notwendigkeit vorliegt, Genugthuung für die chinesischen Unthaten durchzusetzen, leuchtet ohne weiteres ein. Wollte Deutschland auf die Genugthuung verzichten, so würde einmal sein Ansehen bei Freund und Feind die empfindlichste Einbuße erleiden, sodann würde das Dasein der in halbzivilisierten Ländern wohnenden Deutschen andauernd in hohem Grade gefährdet werden, endlich würde die seit einem Menschenalter emporgewachsene Genugthuung der Deutschen im Auslande über ihre nationale Zugehörigkeit sehr erheblich verringert, teil
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Uolitische Wochenschau.
Der K a i s e r ist von seiner Nordlandreise nach Deutschland zurückgekehrt, um in Bremerhaven der Einschiffung der nach China bestimmten Mannschaften beizuwohnen. Die A n s p r a ch e, die der Monarch an die in See gehenden Truppen hielt, ist lebhaft kommentiert worden, besonders! die Worte, wonach kein Pardon gegeben werden soll. Es ist kaum anzunehmen, daß der Kaiser gemeint hat, alle die Waffen streckenden Chinesen sollten schonungslos niedergemetzelt werden. Er hat vielleicht, so meint die „Kreuzztg.", nur eine Erläuterung der Art der Grausamkeit der Chinesen geben wollen, die eben niemanden schonen und alles niedermetzeln. Schon die allgemeine Erfahrung, daß eine Armee, die selbst Grausamkeiten ausübt, an der Manneszucht schweren Schaden leidet, und die Wahrheit, daß es eines Christen nicht würdig ist, ähnliche Schand- thaten wie die Chinesen zu begehen, macht die Auslegung um so mehr zur Unmöglichkeit, als der Kaiser ausdrücklich die erklärenden Worte hinzufügt: Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, möge Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel. Nach der „Köln. Ztg." war der Wortlaut ein anderer als der mitgeteilte. Die betreffenden Worte lauten: Kommt ihr an den Feind, so wißt: Pardon wird Euch nicht-gegeben. In starkem Widerspruch dazu steht allerdings der Text, den die „Nordwestd. Ztg." mitteilt. Dort lautet jene markante Stelle:
Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer Euch in die Hände fällt, sei Euch verfallen! Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch letzt in Ueberlieferung und Märchen gewaltig erscheinen latzt, so möge der Name D e u t s ch e r in China auf 1000 Jähre durch Euch in einer Weise bethätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!"
Dazu bemerkt die „Nationalztg." sehr richtig:
„Wenn ihnen kein Pardon gegeben wird, wenn Gefangene nicht werden sollen, so würde damit eine Kampfart wieder eingeführt, die in den europäischen Kriegen glück-
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kicher Weise seit Langem völlig beseitigt erscheint, und die kaum geeignet wäre, der Kultur auch in Asien den Weg ein für alle mal zu öffnen. Wohl haben unsere Soldaten in China es mit einem überaus grausamen, verräterischen, verschlagenen Feinde zu thun. Das entbindet uns aber natürlich nicht von der Pflicht, die nicht nur die Pflicht der Kulturmenschen, sondern auch die des Christen ist, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten; denn die moderne Kultur, als deren Kinder wir Deutsche uns ja mit stolzer Befriedigung bekennen dürfen, wird von uns nicht nur geübt, weil und wenn wir Gegner der gleichen Kulturstufe uns gegenüber haben, sondern um ihrer selbst willen — und dies legt uns die selbstverständliche Pflicht auf, daß wir sie auch dem Gegner dann bewähren, wenn dieser von ihren Regeln heimtückisch abweicht. Der Krieg gewährt an sich so mancherlei traurige Veranlassung, von den menschlichen Regeln der Kultur abzugehen, daß jede Anreizung dazu zum mindesten unvorsichtig sein müßte, schon mit Rücksicht auf die anderen Kulturstaaten."
Die Antwort, die der Staatssekretär Graf Bülow der Berliner chinesischen Gesandtschaft auf deren Vermittelungsgesuch erteilt hat, hat die Zustimmung des Auslandes in vollem Maße gefunden, und in demselben Sinne haben sich auch andere Regierungen ausgesprochen, an welche die jetzigen chinesischen Machthaber sich mit der gleichen Bitte gewendet hatten. Was. die Haltung der.V er - einigten Sta aten von Nordamerika gegenüber China anbetrifft, so glaubt man in maßgebenden Kreisen nicht an eine Isolierung Amerikas, sondern man ist überzeugt, daß es sich schließlich mit den Maßnahmen der übrigen Mächte einverstanden und ihnen beitreten wird. Zollte das aber wider Erwarten nicht geschehen, dann würden sich die übrigen Mächte auch zu trösten wissen, denn ans that- kräftige Hilfe von Seiten dieser Macht hat ohnehin niemand bisher ernsthaft gerechnet. Dort steht man bekanntlich pov der Präsidentenwahl, und daß der Yankee selbst die chinesischen Wirren als ein Mittel, allerhand Wahl- rnanöver zu treiben, willkommen heißt, hat für uns weiter nichts Erstaunliches.
lieber die Lage in Peking und chber die dortigen Ereignisse tappt die Welt noch immer im Dunklen; fortgesetzt widersprechen die Nachrichten einander, und selbst Optimisten können nur glauben, daß vielleicht ein Teil der Ausländer noch am Leben ist. Wie wenig auf die chinesischen friedlichen Versicherungen zu geben ist, zeigt das gegen die Fremden gerichtete kaiserliche Edikt. Die deutsche Regierung hält sich in andauernder Fühlung mit den befreundeten Mächten, wie aus den häufigen Unterredungen des Grafen Bülow mit den in Berlin beglaubigten Botschaftern geschlossen werden kann. Als das Ergebnis dieser Konferenzen darf der Vortrag gelten, den der Reichskanzler Fürst Hohenlohe und der Staatssekretär des Auswärtigen Amts dem Kaiser bei dessen Ankunft in Bremerhaven gehalten haben.
In Hamburg ist ein Aus st and und in dessen Gefolge eine Aussperrung eingetreten, die beide unter dem Gesichtspunkte der Ereignisse in China größere Aufmerksamkeit verlangen. Tie Mobilmachung hat auch einen seemännischen Charakter, da es sich um den Transport von vielen tausend Mann handelt. Letzterer kann naturgemäß nicht an Bord von Kriegsschiffen bewältigt werden; die Marineverwaltung mußte Privatdampfer pachten, diese aber erfordern für die besonderen Transportzwecke besondere Einrichtungen, ganz abgesehen von den noch eingehender in ihrem Innern umzugestaltenden Hospital- schiffen. Eine MobilmaclMNg leidet nun keinen Aufschub; das inachten sich einige hundert Schiffsnieter in Hamburg zu nutze, um unter dem Drucke der drängenden Geschäfte eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Die Schiffsbauerfirmen wurden dadurch in eine unangenehme Lage versetzt, griffen aber zu einem unter b*en obwaltenden Umständen doppelt sonderbaren Mittel, jenem Ausstand ein schnelles Ende zu bereiten. Sie sperrten an 3000 Schiffsarbeiter aus und erschwerten dadurch selber die Ausführung der dringlichen Mobilmachungsarbeiten, sodaß sie einige Schiffe nach Eng- land senden mußten. Die deutsche Marineverwaltung stellte ihrerseits Arbeiter zur Verfügung, um an dem einen oder anderen Schiffe die nötigen Umänderungen vorzunehmen. Wenn das die Ausständigen und Ausgesperrten eine staatliche Unterstiitzung der Unternehmer nennen, so ist das nicht ganz zutreffend, wenn auch erklärlich. Zunächst kommt es auf die Ausrüstung der Schiffe an, die schleunigst zu besorgen ist, unbekümmert darum, ob der Ausstand oder die Aussperrung berechtigt war oder nicht. ,
Es ist selbstverständlich, daß die chinesischen Ereignisse noch immer das öffentliche Interesse in Anspruch nehmen, und cs würde für die verflossene Woche kaum noch etwas zu registrieren sein, wenn nicht die Welt erschüttert worden wäre durch das freudige Ereignis rm Hause Obrenowchch. die Verlobung und Hochzeit König Alexander^ de^ Kleinen von Serbien. Die Königin ist, trotz aller
weise vielleicht ganz zerstört werden. Keine von diesen Folgen ist so beschaffen, daß gesagt werden dürfte, Fürst Bismarck würde sie als erträglich hingenommen haben. Zumal der Ehrenpunkt ist es, den als geringfügig zu erachten der Bismarck'schen Anschauung keineswegs entspricht.
Als Beweis hierfür kann die Rede gelten, die Bismarck am 11. Dezember 1867 im preußischen Abgeordnetenhause gehalten hat. In ihr verteidigte er den Accessionsvertrag mit Waldeck gegen den Vorwurf, daß er neue Lasten aus Preußen bürde. Bismarck verwies dabei auf eine südamerikanische Zeitschrift, in der zweitausend zu Caracas ansässige Deutsche ihrer fteudigen Genugthuung über die Gründung des Norddeutschen Bundes Ausdruck gaben. Bismarck knüpfte hieran folgende Apostrophe:
„Ist Ihnen das nichts wert, meine Herren, zu hören, daß unsere Landsleute in so fernen Gegenden jetzt mit uns stolz auf das Vaterland blicken, und mit Selbstgefühl sagen: „Wir sind Deutsche", während sie früher verschämt die Augen niederschlugen? Meine Herren 1 Ich gehöre nicht zu denen, die kalt auf die Lasten blicken, die dem Dürftigen auferlegt werden .... Aber, meine Herren, die Unabhängigkeit, die staatliche Freiheit, die nationale Ehre geht einem Volke wie das unsere über alles; ihr bringen selbst diese Armen freudig ihr Opfer!*
Die Forderung nach Sühne darf um so mehr als der Auffassung Bismarcks entsprechend angesehen werden, in je maßvolleren Grenzen sie erhoben wird. Vor aller Welt erklärt Gras Bülow, keine Aufteilung Chinas, keine Sondervorteile anzustreben. Hält man daneben, daß andrerseits rückhaltlos Genugthuung von Deutschland gefordert wird, so muß man gestehen, daß Deutschland auf dem Wege ist, sich das Vertrauen aller Mächte durch Ehrlichkeit, Offenheit und Versöhnlichkeit auch anläßlich der chinesischen Unruhen zu erwerben. Die Erreichung dieses Zieles aber durch die angeführten Mittel bezeichnet Fürst Bismarck in seinen „Gedanken und Erinnerungen" als das Ideal, das ihm vorgeschwebt sei, nachdem die Einheit errungen. Wenn Deutschland, wie es bekannt ist, in China vor allem das gute Einvernehmen mit Rußland Pflegt, so bedarf es nicht vieler Worte- um klar zu machen, daß dadurch einer politischen Grundanschauung Bismarcks Genüge gethan wird. Kurz, die deutsche Politik gegenüber China bewegt sich durchaus in den Bahnen, die die Politik Bismarcks eingeschlagen hat.
Nr. 176
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Amtlicher Teil.
Gießen, den 27. Juli 1900. Betr.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins
an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Der landwirtschaftliche Bezirksverein wird demnächst wieder mit der Abhaltung von Vorträgen aus allen Gebieten der Landwirtschaft und Viehzucht für das Jahr 1900/01 beginnen. Ich lade daher diejenigen von Ihnen, welche die Abhaltung eines Vortrags wünschen, ein, Anträge und Vorschläge bei mir zu machen, und zugleich anzugeben, in welcher Jahreszeit, zu welcher Tagesstunde und ob an Sonn- oder Werktagen die Vorträge erbeten werden.
v. Bechtold
A, Ä Bezugspreis
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