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Donnerstag den 30 August
N^ 202 Zweites Blatt
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Gießener Anzeiger
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Amts« und Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen
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Mbtefh für Depeschen: Anzelger chtstzn».
Fernsprecher Nr. 5L
Amtlicher Feil.
Bekanntmachung.
Nachstehend bringen wir den in Uebereinstimmung mit Großh. Bürgermeisterei Gießen auf Grund des § 76 der Gewerbeordnung neu ausgestellten Taris für daS Droschken« fuhrwesen in der Provinzialhauptstadt Gießen zur öffentlichen Kenntnisnahme.
Die neuen Taxen treten sofort in Kraft.
Gießen, den 28. August 1900.
Gooßherzogliches Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Tarif
für das VroschLeifn-rwesen in der ^r-rinziatsanpLstadt Hießen.
Vom 1. Mai bis 30. September von morgens 6i/3 Uhr bis abends 9 Uhr.
Bom 1. Oktober bis 30. April von morgens 7V8 Uhr bis abends 81/, Uhr.
Für Fahrten vor und „ach diesen Stunden doppelte Taxe.
I. Zeitfahrteu.
| Stunden. ||
Einspänner
Zweispänner.
Personen
1-2
3—4
1-2
3-4
JC
4
JC
4
JC
X
4
*/•
60
—
80
80
1
7,
—
90
1
20
1
20
1
50
*1»
1
20
1
60
1
60
2
—
1
1
50
2
—
2
—
2
50
Für jede weitere angefangene 1/i Stunde: Einspänner: 1—2 Personen 0,30 Mk.,
2—4 „ 0,40 „
Zweispänner: 1—2 „ 0,40 „
2-4 „ 0,50 ff
II. Streckensahrten.
1. Jede direkte Fahrt zwischen zwei Punkten innerhalb der engeren und weiteren Stadt einschließlich von und nach dem Bahnhofe mit Ausnahme der unten ausgesührten Orte:
Einspänner Zweis pänner
Personen
1-2
4
60
4
90
3-4
JC 4 1 । 20
2. Direkte Fahrt von einem Punkte der engeren oder weiteren Stadt, bezw. vom Bahnhof
Einspänner.
Zweispänner.
nach
Äbmdstern .... Badevburg .... Forstgarten . . . (Sermania .... Gleiberg......
„ (Seemühle) Heuchelheim . . . Klein'Ltndm . . . Krofdorf .... Neue Kaserne . . . LtebigShöhe . . . Philosophenwald (L«ib Schiffenberg . . . Staufenberg . . . Textor'sche Hardt . WellerSburg . . . Wtodhof .... Wteseck.....
1-2
JC
1
3
1
3
2 1
1
3
1
1
3
4
1
1
1
1
4 80
50
80
20
30
50
50
80
20
30
50
20
50
50
50
Personen
3—4 |
1-2
3—4
JC
4
JC
4
JC
4
2
30
2
30
2
80
3
50
4
—
5
—
2
—
2
—
2
50
1
20
1
—
1
50
3
50
4
50
5
_
2
50
3
—
3
50
2
—
2
—
2
50
2
—
2
—
2
50
3
50
4
5
1
20
1
1
50
1
50
1
50
2
-
1
70
1
70
2
20
3
50
4
—
5
—
5
50
6
—
7
—
1
50
1
50
2
2
—
2
2
50
2
—
2
—
2
50
2
-
2
—
2
50
Nach Zurücklegen einer sub pos. II. 1 des Tarifs angeführten Fahrt muß der Kutscher auf Verlangen fünf Minuten unentgeltlich warten.
Tin Kind unter 10 Jahren wird, wenn es mit einem Erwachsenen fährt, frei mitgenommen; für je zwei Kinder ommt die Taxe eines Erwachsenen in Anrechnung.
Washington, 29. August. Die Meldung, Li-Hang' Tschang werde als Gefangener zurückgehalten, wird als veraltet betrachtet, da man seit dem 19. ds. nichtmehr von Li-Hung Tschang gehört hat und man annimmt, daß er sich in der Umgebung von Shanghai aufhält.
Washington, 29. August. Das erste Kavallerie-Regiment, daS sich auf dem Wege nach China befand und in Lobe eingetroffen war, hat den Befehl erhalten, sich nach Manila zu begeben. — Der General Chaffee meldet dem KriegS- minifierium, daß er von den feit dem 14. August an ihn abgesandten Depeschen keine erhalten hat.
Hongkong, 29. August. Die zweite Division des ersten deutschen Geschwaders ist gestern früh 8 Uhr hier eingetrofsen. Die Reise ist gut von statten gegangen. An Bord ist alles wohl. Die Division bleibt bis Ende der Woche in Hongkong und dürfte am Samstag nach Wusung gehen. DaS Kanonenboot „Tiger" ist vorgestern eingetroffen. Die „Hertha" liegt im Hafen zum Docken. Sie fand die Küstenplätze überall durchaus ruhig. — DaS französische Kanonenboot „Comete" ist von Swatau eingetroffen. Die Offiziere berichteten, daß in Swatau alles ruhig gewesen sei, als sie abreisten. — Unaufgeklärte Bewegungen chinesischer Truppen werden aus Wutsch au gemeldet. Einige Abteilungen werden offenbar in die Stadt eiurücken. Das englische Kriegsschiff „Isis" ist von Amoy nach Taku, „Chartage" nach Weihaiwei abgegangen.
Der Krieg in Südafrika.
Mit dem Gefecht am Sonntag bei Belfast hat ein neuer Abschnitt des südafrikanischen Krieges begonnen, der mehr zu werden droht als eine kurze Episode, denn die Buren haben jetzt wieder einen Bundesgenossen, der sie allein befähigt, den englischen Heeresmassen erfolgreich die Spitze zu bieten, und der ihrer seit alters gepflegten Kampfesweise vollen Spielraum läßt.
Der Verlaus des Gefechtes am Sonntag, den 26. August, das die Buren das von Machadodorp, die Engländer das von Belfast nennen werden, war nach dem Berichte Roberts folgender. Im Süden der englischen Gefechtslinie, südöstlich von Dalmanutha, bei Leeuwkloof stand Buller mit der Division Lyttleton nebst 2 Kavalleriebrigaden. Nördlich von ihm, ztvischen Belfast und Dalmanutha, operierte French, bis er den Auftrag erhielt, westlich von Belfast hinter der Gefechtslinie nach Nord westen vorzugehen. Diese Operation war offenbar als Flankenumgehung geplant. French kam bis Lakenvlei an der Straße Belfast-Lydenburg. Nun ging Pole-Carew mit der Garde-Brigade im Zentrum von Belfast aus vor. Aber der Kampf blieb auf allen Teilen des Schlachtfeldes ohne Erfolg. Roberts sucht fkfy diese Thatsache einmal dadurch zu erklären, daß die Buren bedeutend zahlreicher sind, als er erwartet hatte, und vermutlich durch Zuzug von Norden und Osten verstärkt sind, ferner durch die gute Aufstellung und treffliche Verwendung von schweren Geschützen, die ein Feuer aus weiten Entfernungen gestatten, und durch die große Anzahl der sonstigen Artillerie. Man hat vier Posinonsgeschütze, darunter den von Ladysmith her wohlbekannten langen Tom festgestellt. Die englische Verlustliste ist offenbar noch nicht vollständig. Seine ersten Verlust angaben ergänzt Roberts in seinem neuesten Berichte dahin, daß er 5 Tote und 58 Verwundete gehabt habe. Im wesentlichen war der Kampf ein Artilleriegefecht, und zwar auf große Entfernungen, so daß die Verluste nicht übermäßig gewesen sein werden; immerhin ist es -koch zu früh, schon jetzt abschließend zu urteilen. Wie heftig der Kampf war, geht daraus hervor/daß bis in die Dunkelheit hinein gefeuert wurde, und daß Bullers Truppen, wie Roberts nachträglich berichtet, nach Einbruch der Dunkelheit da lagerten, wo sie sich gerade befanden. Ein Bericht des Standard aus Belfast vom 26. ds. entwirft folgendes Bild von dem Gefechte: „General French ging gegen einen Höhenzug im Nordwesten vor und stieß auf geringen Widerstand. Stephensons (18.) Brigade (L0P, Pole-Carews (11.) Division) steht auf einem hohen Gelände im Osten. Die Garden wurden vorgeschickt, üm die Bildung einer Lchsachtlinie jenseits des Monuments Hill vorzubereiten. Oberst Henrys berittene Infanterie plänkelte norb* wärts in der Richtung, in der French operierte. Der Feino' eröffnete dann plötzlich ein konzentriertes Feuer aus starken Verteidigungsstellen im Osten. Unsere Marinegeschütze erwiderten, und es entwickelte sich eine starke Kanonade. Die Buren behaupteten ihre Stellungen bis zum Eintritt der Dunkelheit". Eine spätere Depesche desselben Bericht-Er- statters meldet: „Der Feind ist zurückgewichen, der allgemeine Vormarsch unserer Truppen ist in der Richtung auf Machadodorp im Gange. Gelegentlich wird hier noch gefeuert". Diese Meldung hat indessen Roberts neuester Bericht nicht bestätigt. „
Lord Roberts telegraphiert dann weiter aus Belfast
Muß eine Droschke vor Beginn der Fahrt und ohne vorgängige Bestellung eine Strecke Weges zurücklegen, so erhöhen sich die Sätze unter pos. I. und II. 1. des Tarifs um 0,20 Mk.
III. Gepäck und Hunde.
Für jedes Gepäckstück über 12V2 Kilo und jeden Hund = 0,20 Mk. Handgepäck (Handkoffer, Reisetasche, Hutschachtel) wird frei mitgenommen.
Gießen, 28. August 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
H echler.
Die Wirren in China.
Einer unverbürgten Meldung des Pariser „Siecle" zufolge, hätten die Verbündeten, namentlich die Russen innerhalb Pekin gs eine Schlappe erlitten, und wären genötigt gewesen, fid), unter dem Feuer der Chinesen mit großen Verlusten, 1700 Mann, zurückzuziehen. Auf der russischen Botschaft in Paris weiß man von einem solchen Gefechte gar nichts, und es ist anzunehmen, daß die Nachricht dem Hirn eines sensationslüsternen Pariser Journalisten entsprungen ist. — Ein Shanghaier Telegramm an den „New-Iork Herald" berichtet: Der dortige Mandarin habe ein Telegramm aus Taotiefu empfangen, demzufolge die verbündeten Streitkräfte den Distrikt westlich von Peking eingenommen haben.
Trotz der Meldung des französischen Konsuls aus Shanghai, nach der die Kaiserin-Witwe, der Kaiser und Prinz Tu an sich in der Provinz Schonst aufhalten sollen, befindet sich die Kaiserin mit dem Prinzen Tuan nach den an Berliner amtlicher Stelle vorliegenden Nachrichten auf der Flucht nach Sinanfu. Alle anderen Lesarten sind demnach deutscherseits unbestätigt.
Der „New York Herald" berichtet aus Shanghai, Li- Hung-Tschang habe die Kaiserin-Witwe ersucht, die Boxer zu entwaffnen und den Prinzen Tuan zu verhaftens, um Friedensverhandlungen zu ermöglichen. —. Der französische Admiral Eouvrejolles berichtet aus Tientsin via Shanghai: Zwei französische Transportschiffe mit je einem Bataillon französischer Truppen an Bord sind in Taku eingetroffen. Die Admirale beschlossen in einer Konferenz, Li-Hung-Tschang solange gefangen zu halten, bis die diplomatischen Vertreter der Großmächte sich bereit erklärt hätten, mit China Verhandlungen auf» zunehmen.
Aus Paris wird gemeldet: Generalkonsul Francois^ der in Marseille eingetroffen ist, sprach sich Berichterstattern gegenüber über die chinesischen Angelegenheiten aus. Der Boxer-Aufstand ist nach ihm das Werk des Prinzen Tuan, der mehr aus Ehrgeiz als aus Fremdenhaß handle. Die Unruhen waren von langer Hand vorbereitet. Francois und der.Gesandte Pichon sahen sie seit einem Jahre voraus, dock) wurden ihre Warnungen nicht gehört.
Um die Bezahlung der bedeutenden Entschädigungen, die China für den von den Gesandten erlittenen Schaden zu leisten hat, zu sichern, beabsichtigt die amerikanische Regierung, den .Mächten den Vorschlag zu machen, sich der chinesischen Zölle zu bemächtigen und deren Verwaltung einer internationalen Kommission anzuvertrauen. Wie weiter aus Washington gemeldet wird, dementiert die amerikanische Regierung die Gerüchte, daß sie oder eine andere Macht eine Konferenz zur Ordnung der Dinge in China angeregt habe.
Für das deutsches st asiatische Expedition s- Korps, dessen Transport nach China Anfang September erfolgt, ist im Döberitzer Lager eine kriegsstarke Kompagnie Jäger formiert worden. Die Jäger werden zur Zeit mit dem neuen Gewehr vertraut gemacht. Am 7. September erfolgt ihre Einschiffung in Bremerhaven.
Dem russischen Regierungsboten zufolge wurde die Formierung von acht Mitrailleusen-Batterien anbefohlen, die für die vier sibirischen Armee-Korps bestimmt sind. Zur Ergänzung der mobilisierten Abteilung des Kosakenheeres ist eine Kosaken-Schwadron und eine Infanterie-Kompagnie formiert worden.
Telegrarmue de- Gießerrer Anzeigers.
London, 29. August. „Daily Mail" meldet aus Rom: Der italienische Gesandte in Peking meldet die Rückkehr der italienischen Truppen nach Peking, die an der Verfolgung der Kaiserin-Witwe teilgenommen haben.
Loudo«, 29. August. „Morning Leader" meldet aus Washington: General Corbin, Unterstaatssekretär im Kriegsdepartement, dementiert die Nachricht des „Siöcle" über eine Niederlage der Verbündeten in Peking.
Paris, 29. August. Der Marineminister hat den fran- zofischen Admiral Courrejolles um eine Liste gebeten, um den Offizieren und Soldaten, die sich in China besonders hervorgethan haben, OrdenSauSzeichnungeu zu verlecheu.


