Ausgabe 
29.12.1900 Zweites Blatt
 
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Samstaqden29^Dezember

tt. 304 Zweites Blatt

150. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General -Anzeiger

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Zzezugsprct» vierteljährl. Mk. 2,29 monatlich 75 Pfg. mit Brinqerlohnr durch die Abholcstellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

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tlülst 27 Jlqtinta 1900.

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Alle Anzeigen-BerrnittlungSstellen des In- und Auslande- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zcilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg.

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m|me von Anzeigen zu der nachmittags für den Ichmdm tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

T'ießen, den 27. Dezember 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Wochentag vor Himmelfahrt (15. Mai), ^Wochentage vor Pfingsten (22.-25. Mai), 04 Wochentage vor Weihnachten (9.15., 1621.

23.-24. Dezember),

Gratisbeilagen: Gießener Familienblüller, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische UolKsIrnnde.__________________

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen« Fernsprecher Nr. 51.

Die Buren.

Lord Kitchener hat eine Proklamation erlassen, nach der allen Bürgern, die sich freiwillig ergeben, gestattet wird, mit ihren Familien in den von der Regierung er­richteten Lagerplätzen zu leben, bis die Kriegslage derart geworden ist, daß sie zu ihren Heimstätten zurückkehren können; alles Eigentum soll geschont, und wenn eS requiriert wird, bezahlt werdend

Oberst Grenfeld verfolgt Kruitzingers Kom­mando, das man auf 700 Mann schätzt, und ist in Fühlung mit ihm, hat es jedoch bis jetzt nicht zum Stehen bringen können. In einem G efecht amPlaisterheuvel, daS am letzten Montag (24.) fiattfand, hatten die 9. Lanciers acht Mann an Toten und Verwundeten; unter den letzter» befindet sich Leutnant Lord Frederick Blackwood, der Sohn des Marquis Dufferin.

Eine Depesche Lord Kitcheners aus Prätoria vom 26. Dezember meldet: Knox ist in ein Gefecht mit den Truppen De Weis verwickelt, die eine Stellung in der Nähe von Leeuwkop inne haben. De Wet hofft durch­brechen und wieder nach dem Süden gehen zu können. s Nach einer Meldung der Morning Post aus Kapstadt vom 24. ds. haben sich im Distrikt von Philippstown etwa 1500 Holländer den in die Kapkolonie eingerückten Buren angeschlossen.

DieTimes" meldet aus Wellington, daß binnen drei Wochen ein zweites Neuseeland-Kontingent nach Südafrika abgehe, das 200 Mann stark sein, und zur Hälfte aus Maoris bestehen wird.

tstchewt täglich all Ausnahme drS

MvntagS.

Ale Gießener

Aixßtienvlätter

Mten dem Anzeiger mitHess.

Dabreut" u.Blätter fck hrsi. Volkskunde- WL 4 mal beigelegt.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Loudon, 28. Dezember. Die Morgenblätter kom­mentieren in optimistischer Weise die Telegramme Lord KitchenerS aus Süd-Afrika. Mehrere Blätter glauben, daß der Einfall in die Kap Kolonie die letzte taktische Bewegung der Buren gewesen ist und daß sie in der Kap Kolonie ihr Verderben finden werden. Man ist der Ansicht, daß De Wet alles aufbieten wird, um nach dem Süden zu entkommen.

Loudon, 28. Dezember. Aus Kapstadt wird gemeldet, daß der Belagerungszustand über zwei weitere Distrikte der Kap Kolonie verhängt worden ist. Man zieht hieraus den Schluß, daß sich der Aufstand entgegen den Meld­ungen Lord Kitcheners weiter ausdehnt. Nach einer Meldung aus Vryburg hat eine Buren-Abteilung mit 150 Wagen im Norden von Vryburg und eine andere von 260 Buren mit einem Geschütz die Eisenbahn überschritten. Da beide in östlicher Richtung abgezogen sind, glaubt man, daß sie sich nach Damara-Land begeben.

London, 28. Dezember. Eine gestern abend in Gi­braltar abgehaltene öffentliche Versammlung beschloß, wie von dort gemeldet wird, dem aus Südafrika heimkehrenden Lord Roberts bei seiner Ankunft die Glückwünsche der Bevölkerung zu seinen Erfolgen überreichen zu lassen.

I Wochentag vor Neujahr (31. Dezember).

käne Anzahl weiterer Tage, an denen Ausnahmen des» gesetzlichen Vorschriften gewährt werden können, bleibt füMmioorhergesehene Fälle vorbehalten.

Oer erfreulicherweise andauernde Abourreuteu- .Mo chS darf als sprechender Beweis dafür gelten, daß der

Gießener Anzeiger"

'> kN Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen versteht.

Er wird auch weiter ebensowenig Kosten als Mühe * luftaei, seinen Beruf als

größte Tageszeitung chöerhessens ,.«nMen und jede Gelegenheit ergreifen, die Jntereffen Mut Ramien Bevölkerung der Provinz wahrzunehmen.

DieGießener Familieublatter" wahrhaft unter- MmiD und belehrend zu gestalten, denHessischere Land- Iblrt' zum zuverlässigen Berater zu befähigen, und durch d mBlätter sür Hessische Volkskunde" den Sinn f lk hessische Eigenart zu erhalten, gilt uns daneben als rMehmistes Ziel. Daß mit der zunehmenden Verbreitung tzk! Gießener Anzeigers seine Wirkung als

Insertionsorgan

twc nachhaltiger wird, werden die ihn benutzenden J[»[eremtenkreisc mit Genugthuung erfahren haben.

Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre Be- stjeHllnzen bei der Post bezw. den Zweigstellen baldgefl. auf» gpbtn zu wollen. Probe Nummern nach auswärts versenden ttifc pmstfrei. Den Lesern in Gießen werden wir, wie den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- Mittag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrück- lvlch A bbestellung erfolgt.

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

vktreffend: Die Ausführung des Reichsgesetzes über die Abänderung der Gewerbe-Ordnung vom 30. Juni 1900.

Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Jn- texmfimten, daß im Jahre 1901 an den nachbenannten die Vorschriften über die Mindestruhezeit und MiillagSpause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter (§ 139e rinBh, Ges.) keine Anwendung zu finden haben, und die Min, sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen biütilO Uhr abends offengehalten werden dürfen:

!ö Wochentage vor Ostern (1.4. und 6. April),

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Loudon, 28. Dezember.Daily Expreß" meldet aus Peking: Der Kaiser von China habe sich zwei Punkten der Kollektivnote der verbündeten Mächte widersetzt. Dieselben betreffen die Zerstörung der Befestigungen und die Erlaubnis, den Gesandten der Mächte militärische Leib­garden in Peking zu belassen. Infolge dieser Antwort wollen sich die Vertreter der Verbündeten damit beschäftigen, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um einen genügenden Druck auf den Kaiser ausüben zu können.

Petersburg, 28. Dezember. Der Bau, der Betrieb und die Ausnutzung der mandschurischenEisenbahn sowie ihrer ost-chinesischen Zweiglinie sollen, wie verlautet, in russischen Staatsbesitz vom nächsten Jahre ab über­gehen.

Peking, 28. Dezember., Gestern wurde ein englischer Staatsangehöriger von einem deutschen Sol­dat eu im englischen Bezirk erschossen. Der getötete Engländer war Inhaber einer kleinen Kantine und eines Spezereihandels. Da die Deutschen nicht berechtigt sind, sich bewaffnet in den englischen Bezirk zu begeben, so hat diese Affaire große Aufregung hervorgerufen.

Peking, 28. Dezember. Infolge des andauernden Ge­rüchtes, daß in der Provinz Petschili Unruhen auS- gebrochen sind, werden demnächst mehrere militärische Expeditionen östlich von Peking entsandt werden. Diese Expeditionen werden aus zwei deutschen Kompagnien in der Stärke von je 160 Mann sowie aus einigen amerika­nischen Kompagnieen bestehen. Die Expedition wird sich nach Sunlo begeben. In der letzten Woche wurden 21 Katholiken getötet und vier lebendig verbrannt. In der Nähe von Taku wurde eine Abteilung von Japanern angegriffen. 2 Manu wurden getötet und mehrere ver­wundet.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Dezember. Am ersten Weihnachtstage vormittags besuchten der Kaiser und die Kaiserin den Gottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam. Um 1 einviertel Uhr fand im Neuen Palais Familien-Früh- stückstafel statt, wozu alle in und bei Potsdam zurzeit anwesenden Prinzen und Prinzessinnen geladen waren. Zur Abendtafel war die Prinzessin von Sachsen-Altenburg geladen. Zur gestrigen Frühstückstafel waren geladen der Chef des Generalstabes der Armee, Graf v. Schliessen, der Kommandeur der 1. Garde-Jnf.-Div. v. Kessel, der

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beleidigenden Weise.

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Warnung.

N euerdings wird wieder in hiesigen und auswärtigen BMlern durch Reklame-Inserate, dieWo Linderung, dar 8e:sserung",oh ne Besserung keine Heilung", Uirdg Nacht zum Licht" und ähnlich überschrieben find, de«r:e°chte russische Knöterich-Thee (Polygonum awtiaire) von Ernst Weidemann in Liebenburg a.t h. arls sicheres Heilmittel gegen Erkrankungen der Luft- w»W Duften, Heiserkeit, Asthma rc.) und besonders gegen Lungern lei den angewiesen.

Diie Pflanze, aus der dieser Thee besteht, ist der B^zilkrvöterich (Polygonum aviculare). Dieser wächst auch hi'MjuIarnde auf Aeckern, Wiesen und Gärten in großer u nd besitzt die ihm zugeschriebene Heil- .ng nach der Ansicht von Sachverständigen Entferntesten. Der Preis des Thees ist ein voraWrnsmäßig hoher.

Weselbr Pflanze wird auch unter dem Namen Homeriana alÄr Heilmittel gegen Lungenschwindsucht angepriesen. Der LXnWundheitSrat zu Karlsruhe hat schon wiederholt durch

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S * W Womente übttfe * dieses hierdurch B merken bekannt, bah bw ""r noch bis M 5/ WH ohne Kosten Mk werden können.

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öffentliche Bekanntmachungen auf das Schwindelhafte dieser Anpreisungen aufmerksam gemacht.

Gießen, den 27. Dezember 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

ist jedoch nicht so; vielmehr erkrankte Li-Hung-Tschang schon vor mehreren Tagen ernstlich an Influenza und befindet sich zurzeit in Behandlung des deutschen Ge­sandtschaftsarztes Dr. Velde. Londoner Blätter melden aus Peking vom 26. Dezember, Li-Hung-Tschang und Prinz Tsching hätten, wie aus ganz sicherer Quelle verlaute, dem Throne zusammen mit der Note der Mächte eine Darlegung ihrer Ansicht gesandt, daß die gestellten Be­dingungen sofort und ohne Ausflüchte angenommen wer­den sollten. Die Thatsache, daß dieser Rat erteilt worden ist, sei schon ein Anzeichen dafür, daß ibm auch unver­züglich entsprochen werde. Ferner sollen Li-Hung-Tschung und Prinz Tsching beschlossen haben, die Mitwirkung der Streitkräfte der Verbündeten zur Wiederherstellung der Zivilregierung in Peking nachzusuchen und dies Ersuchen sofort zu stellen, nachdem der Thron die Annahme der von den Mächten gestellten Bedingungen erklärt haben werde. Wir werden abzuwarten haben, was von allen diesen Nachrichten sich, bestätigen wird.

Beim Feldmarschall Grafen Waldersee und dem deutschen Gesandten Dr. Mumm von Schwarzen­stein fand am 24. d. M. in Peking eine große Feier statt, die durch einen kleinen, im Gebäude des Tsungli- Damen abgehaltenen Gottesdienst eingeleitet wurde. Es wurde auch eine deutsche Zeitung gedruckt und verteilt. Am ersten Weihnachtstage fand im Vorhof des kaiser­lichen Palastes die feierliche Uebergabe der Fahnen an die ostasiatische Infanterie statt. Hierauf hielt Graf Waldersee eine große Parade ab, die von General-Major! von Trotha kommandiert wurde. Außer den Fran­zosen und Engländern nahmen alle Kon­tingente daran Teil.

DieFranks. Ztg." meldet aus Tientsin: In der Nähe der Eisenbahn TientsinTongku ist eine japanische Patrouille in schrecklicher Weise ermordet worden.

Die englischen Soldaten in Tientsin sind an­gewiesen "worden, mit den deutschen Truppen zu f r a t e r n i s i e r n. Dies geschieht nun, wie eine Pri­vatmeldung besagt, in einer die anderen Nationen schwer

China.

Mit demFrieden auf Erden" scheint es China gegenüber noch immer nicht Ernst werden zu wollen. Nach einer Meldung aus London hält der spanische Ge­sandte, der Doyen dks diplomatischen Korps in Peking, eine baldige Annahme des größeren Teils der in der Note enthaltenen Vorschläge seitens der chinesischen Re­gierung zwar für nicht unwahrscheinlich, sieht jedoch Schwierigkeiten bezüglich der Enthauptung der schuldigen Beamten und der Zahlung einer Entschädigung voraus und glaubt, daß die Verhandlungen darüber ein Jahr^ dauern können. Ter amerikanische Gesandte; Conger ist allerdings sehr optimistisch bezüglich der Annahme der Bedingungen seitens des chinesischen Hofes. Der kaiser­liche Hofhalt soll nur noch 3000 Mann Truppen zur Ver­fügung haben und die Kaiserin sehr niedergeschlagen sein. Die in Rom erscheinendeTribuna" erfährt aus Peking, die Gesandten hoffen, zu erreichen, daß wenigstens drei der hauptsächlich belasteten Prinzen mit dem Tode bestraft werden. DiePost" schreibt: Verschiedene Blätter sind geneigt, in der Erkrankung Li-Hung- Tschang s "einen Trik zu sehen, dazu bestimmt, den Gang der Verhandlungen zwischen den Mächten und den chinesischen Friedensunterhändlern zu verzögern. Dem

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