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29.11.1900 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 29 November

fo. Z8V Zweites Blatt

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Ba Qualitäten.

Buren und Engländer.

DerStandard" meldet vom 25. ds. aus Pretoria Die Mannschasten Bothas und Viljoen« entwickeln eme immer zunehmende Tätigkeit im Bezirk. Wie es heißt, haben sie einen neuen Plan ersonnen oder vielmehr emeu alten wieder ausgenommen. Sie beabsichtigen, den Kriegs­schauplatz mehr nach der Grenze der Kapkolonie zu verlegen, wo, wie sie glauben, viele mißvergnügte Kap- Holländer mit geheimen Warenvorräten bereit sind, auf die geringste Ermutigung hin die Feindseligkeiten zu ernMrn. Die Buren sind fast überall in Transvaal und m dem Oranjesreistaat äußerst thätig.

Bon Botha und Viljoen hatte man. lange nichts gehört. Erst am Montag voriger Woche gaben sie wieder ein Zeichen von sich, indem sie einen gleichzeitigen Angriff auf die Stationen Balmoral und Wilge River überraschend und mit vielem Geschick unternehmen ließen. Beide Stationen liegen, nur 8 Kilometer von einander entfernt, ungefähr in der Mitte zwischen Middelburg und Pretoria. Beide An­griffskolonnen der Buren waren ziemlich zahlreich. Bei Balmoral standen sie unter dem Befehl des Kommandanten PretoriuS, während Kommandant Trichart den Oberbefehl bei Wilge River hatte. Der Kampf bei Balmoral dauerte sechs Stunden. Der Platz wurde durch vier Kom­pagnien der Buffs gehalten. Die Buren kamen unter dem Sckutze der Dunkelheit an die Stellung heran und besetzten einige nicht benutzte Schützengräben. In der Zwischenzeit wurde ein eroberter 14 Pfünder und ei» Pompom auf einem nahebei gelegenen Kopje aufgefahreu. Die Geschütze eröffneten bald ihr Feuer und zerstörten das Hotel und den Bahnhof. Die Buffs wurden also vollständig überrascht und machten sich nun erst zur ; Verteidigung fertig. Sie brachten eine sechszöllige Hau­bitze in Stellung und beschaffen die Schützengräben, in denen die Buren lagen. Als zwei Kompagnien der Buffs in der Flanke vorgingen, zogen sich die Buren zurück. Die Buren hatten 60 Tote und Verwundete, die Engländer 6 Tote und 9 Verwundete. Außerdem wurden von den letztern 2 Offiziere und 30 Mann von einem Pikett ge­fangen genommen, das von den Buren überrascht worden war; doch ließen die Buren, wie üblich, die Gefangenen nach Abnahme der Waffen wieder laufen. Der Angriff auf Wilge River war nach dem Urteil des Berichterstatters der Central News" sehr kühn. Die Garnison des Ortes be­stand aus einer kleinen Abteilung Königsfüsiliere, die sich nur mühsam gegen das aus kurzer Entfernung abgegebene Feuer der Buren zu halten vermochte. Erst die Ankunft einer halben Batterie aus Bronkhorst Spruit schaffte ihr Luft. Das Feuer der Geschütze zwang die Buren nunmehr zum Rückzug, wobei eine Granate 13 Mann tötete oben I verwundete. Der Gesamtverlust der Buren in beiden Ge- I fechten wird von dem genannten Berichterstatter auf 180 Tote I und Verwundete geschätzt. Die Gesamtverluste der Eng- I länder verschweigt er dagegen.

Eine Depesche des Feldmarschalls Roberts aus I Johannesburg vom 26. November berichtet über unbe- I deutende Gefechte im Oranjefreistaat, sowie über | den Vormarsch Clements gegen Rietfontein, wo ihm I Delarey mit 800 bis 1000 Mann Widerstand leistete. I Die Buren führten einen Zwölfpsünder und ein anderes I Geschütz mit sich. Sie wurde» völlig auseinandergespreugt. I (Die Geschütze der Buren scheinen aber nicht mit auS- I einandergesprengt worden zu sei». Die englische Meldung I läßt nicht an einen Erfolg der Engländer glauben.) Wie

Gratisbeilagen: Gießener Famiirendiätter, Der hessische Landwirt Mütter für tiMche Volkskunde.

die Befugnis, im Namen der amerikanischen Regierung bindende Verträge abzuschließen. Bisher find jedoch von den Vertretern der Mächte in Pekmg keme der­artigen Angelegenheiten erledigt worden und die Vereinigt« Staaten haben sich infolgedeffen zu keiner bestimmten geg«- über China einzuschlageuden Politik durch Vermittelung CongerS verpflichtet.

Washington, 28. November. Die amerikanische Re­gierung will in Erfahrung gebracht haben, daß die meisten Mächte mit dem in Peking getroffenen Abkommen der Gesandten nicht einverstanden find. Falls die Krieg führende» Mächte auf ihren zu weit gehenden Forderungen beharre» sollten, wird die amerikanische Regierung ihren Antrag auf Einsetzung einer internationen Kommission erneuern. Der gestrige Ministerrat beriet weit länger als ge­wöhnlich. Die Teilnehmer erklärten, daß die in Pekmg von den Gesandten vereinbarten Bedingungen ungerecht und unausführbar seien. Der Gesandte Conger wird neue In­struktionen erh alten. _

150. Aahraang S»»»

Meßmer Anzeiger

Ameral-Anzeiger

fifdefel ttgticS Lusnahmc dr- Sleiitag».

8it Gießener

«kdtn btm Anzeiger 1« Wechsel mitHefi. gnbisirt4* n.Blätter Ml htsi. Molk-kunde- »Miil 4 mal beigelegt.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung

Heinrich Jost hat die Konzession als Dienstmann ant diir Nr. 17 erhalten.

Gießen, den 28. November 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

7728 togenet Arbeit.

Der Krieg irr China.

Wie dieMlg. Mar. Korr." bekannt giebt, sind mit I ter letzten Post zwei Befehle des deutsche nOber- I 5amman dos in Ostasien, die vor mehreren Wochen I blassen worden sind, in Berlin eingetroffen. In dem I innen ordnet der Feldmarschall Graf Waldersee rück- I i jcht sloses Vorgehen gegen alle Boxer und I winbMig auftretenden Einwohner unter Schonung der I mers on und des Eigentums der friedfertigen Be- I Merung an und giebt weitere Befehle für die Aufrecht- I Haltung der Ordnung und den Schu tz d er Be- | wohin er. Der zweite Befehl geht vom Lagerkomman- I baut ent von Tientsin, Generalmajor v. Keßler aus und I enthüllt das Verbot der Veröffentlichung von! strivatbriefen über Kr i e g s er e i g n i s s e. I

^iach einer amtlichen Meldung des Generalfeld- I imsl!Halls Grafen Walderseb hat die Kolonne Graf I Nori nach viertägigem Verweilen in Kalgan am 23. No- j (Dtmbü'r den Rückmarsch angetreten. DieKöln. Ztg." | ctfjaltt ein Telegramm aus Kalgan, wonach die Kolonne I Dk-. Grafen York dort große Schwierigkeiten zu überwinden [ M untb der Gesundheitszustand der Truppen ausgezeichnet | i st, die Boxer, sowie die kaiserlickzen Truppen seien west- I .iBwrtf' abgezogen. Damit sei die Zu r ü ck d r ä n gu n g I im Lhinesenbanden, die westlich von Peking in I tMo hlicher Nähe gestanden, also die Sicherung des Ge­bietes zwischen Peking und der äußeren großen Mauer ÜV Westen gelungen. - Von anderen deutschen Irup:pen ist ba« 1. Bataillon des 2. Regiments Maivr m'chön bergt von Schmihaikwan ans Pekrng in Marsch «tat worden. - Oberstleutnant von Arnstedt. Korn- lnnndeur des Reiterregiments, hat mit einer kleinen Ab^ teilung von Tientsin aus eine, Strafexpedition nach Aüutsaitsun am Peiho und Wutsinghsicn, beideOrte Abwegs zwischen Peking und Tientsin gelegen, unter»

Üie amerikanische Regierung ist mit vem Wischen den Gesandten in Peking getroffenen Ab- Urnen bekanntlich " ich t ein verstand em Tue Ml tun a Congers wird von dem Staatssekretär Hay leb- < Lt kritisiert und die amerikanische Regierung wurde Eiger sofort abberufen, wenn sie nicht befürchtete, daß Uiircb die Unterhandlungen zwischen den Machten emer- Ms und China andererseits ms .Stocken geraten Mich en

In Schanghai find allerhand häßliche Gerüchte über amerikanische Jntriguen gegen die ^rbündeten i« Umlauf, aber zurzeit läßt sich nichts näheres darüber chn. Darauf spielte offenbar Li-Hung-Tschang an, Mer kürzlich einem seiner Schanghaier Freunde schrieb: .las Beste ist: still sein, sich nicht rühren und gar nichts chu? Die Teufel werden sich schon gegenseitig in die Haare fahren!" Das Erscheinen von fünf Attischen Transportdampfern in Wusung gab iwiiber zu dem Gerüchte Veranlaffung von einer bevor- Kchmden Invasion ins Jangtse-Thal. Infolge- d«tjsen machen die Behörden in Nanking bekannt, daß der Rutsche Generalkonsul Dr. Knappe dem Vizekönig Liukunyi LOiücklich versichert habe, daß nichts Derartiges beabsich- liflt Sei. Nach einem Telegramm aus Tfinanfu haben sir Deutschen wertvolle Kohlenfelder an der Grenze wn Tschili und Schansi okkupiert. Nach anderen Mel­den kam es in Schanghai am Abend de« 26. d. M. 11 4«em Zusammenstoß zwischen etwa 30 französi­schem Soldaten und einer Anzahl englischer Polizisten, .»obei einige Personen verwundet wurden.

Der .Times" wird gemeldet, die Verzögerung m litt Leberreichung der gemeinsamen Note, btt auf die dröschen Regierungen zurückzuführen ist, trägt viel su den Schnvierigkeiten der Lage bei nnd verschlimmert teie Störungen im Handel und m den Finanzen, be- fonbard hinsichtlich der Eintreibung der Jnlandsteuern. Da leit Finanzlage jetzt sorgsam überwacht wird, sind die Zahsiungen^für die bestehenden Anleihen ^Dezember ubb Januar gesichert, doch dürfte spater zeitweise eme Linstttlluug der Schuldentilgung nicht unmöglich fein.

* *

Aus unserem Leserkreise wird uns fteund- I lichst -ein poetischer Bericht in Telegrammstil" gesandt I über Vie Fahrt auf dem DampferRhein" nach China, I die vom 2. August bis 2. September dauerte. Die Verse I stammenvvm Oberleutnant v.BeczwarzowSki vom 3 ost asiatischen Infanterieregiment, ftüher im Gren.-Regimeut I Nr. 9, und find von Herrn Zahlmeister W. Roltz aus I Gießen, der -bekanntlich auch zurzeit in China weilt, an I Herrn Zahlmeister Erich Taxe in Gießen gesandt worden. I Sie lauten:

Regenwetter Bremerhafen,

Katserworte, die uns trafen,

Hohenzollern, Norbseequalm, -1

Aermelmeer, Nordwest gewaltig, Kopf hoch, Junge, feste halt' dicht

Leere Stühle, leere Magen, Setd'ne Hemden, Gummikragen, Frankreich, Spanien, Kao Bivcente, Pfirfichbowle, kalte Ente.

Gibraltar auf steiler Küste, Englands Weltherrfchaftsgelüste. Li-Hung Tfchang gar sehr im Daves, Deutschland, Deutschland, über alles.

Mittelmeer, Revolverknallen, Hitze steigt und Binden fallen. Schwarzer ErdteU, Leuchtstgnale, SeffepS'Denkmal am Kanäle Schiff im Hafen, mScht'ger Bummel, Bauchtanz, Haffan, Kohlenrummel, Gelbe Wüste! Fellahknaben, Suez, Ztgarettengaben.

Rotes Meer und tote Hunde, Zwei Glas Helles in der Stunde. Perim! Endlich aus der Klemme, Backbord abends Maffenfchwemme. Schlaianzüge, braune Hcinde, UnrafterteS Kinngelände.

CkHlon, Palmen, bunter Krempel, Fremde Früchte, Buddhatempel.

Aachen stündlich 13 Knoten, Tifchmufik mit leifen Notm. Sumatra, Gewitterblitze, Deckruh bis zur Morgenfpritze. Singapore, Geldstücktaucher, Hafenkults, Optumraucher.

Marfch durch Stadt in langen Zügen, Getshastraße still oerfchwtegen.

Deutscher Klub mit schonen Frauen, Tanzfest, Irrfahrt, möcht'ges Granen. Abschiedsgästc, Sekt in Mafien, Hurra, Schiffe aller Raffen.

Freibier, Tabak, Schwert und Leier, Stimmung, Fahnen, Sedanfeter.

Telegramme deS Gießener Anzeigers.

Wilhelmshaven, 28. November. Leutnant zur See Knapp st ein ist mit dem DampferKöln" aus China heimkehreud schwer erkrankt in Colombo ausgeschifft I worden. .

Portsmouth, 28. November. Die Regierung beabsichtigt, Anfang des nächsten Jahres vier weitere Kriegs­schiffe nach China zu entsenden.

I Loudon, 28. November. Aus Shanghai wird über I den Streit französischer Soldaten und englischen I Polizisten solgendes gemeldet: Eine Untersuchung ist sofort I von den zuständigen Militär-Behörden eingeleitet worden. I Sämtliche Truppen blieben in den Kasernen konsigniert. I Die Kommandeure der französischen und englischen Ab- I teilungen haben einen modus vivendi vereinbart. Zahl- I reiche Patrouillen durchziehen die Straßen der Stadt.

I Loudon, 28. November. ^Laffans Bureau" meldet aus I Peking- Die Franzosen hätten das Beispiel der Ruffen I in Tientsin befolgt, und einen Landstrich, der dreimal so I groß, wie ihre jetzige Konzession sei, annektiert. Diese Haltung der Franzosen wird als eine Verletzung der

I Verträge betrachtet.

I Loudon, 28. November.Morning Leader" meldet aus I Washington: Sämtliche Großmächte hätten dem Staats- I sekretär Hay ihre Zustimmung zu dem amerikanischen Vor­schläge zugesagt und ihm mitgeteilt, daß sie kein UlN-

I matum au China stellen und die Hinrichtung der I hohen Würdenträger nicht verlangen werden. Auch I die von ihnen geforderte Entschädigungssummen würden nicht I unerschwinglich sein.

Washington, 28. November. Das Kabinett hat die I Politik, die vom Staatssekretär Hay in China befolgt I wird, vollständig gebilligt. Die letzten Instruktionen an I Conger sind ebenfalls von den übrigen Kabinettsmitgliederu | gut geheißen worden. Diese Instruktionen geben Conger

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