Ausgabe 
29.11.1900 Drittes Blatt
 
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Güterzug Nr. 3387 und den folgenden Güterzug Nr. 8994 passieren ließ, bevor ersterer seitens der Blockstation Alten­bochum zurückgemeldet war. Abgesehen von Verspätungen, die mehrere Züge durch Umleitung über Riemke-Bochum (Nord) erhielten, sind Betriebsstörungen in größerem Um­fange nicht vorgekommen.

* Eine Ehelotterie. Ein griechischer Philantrop, der vor einiger Zeit in Korfu gestorben ist, hat eine be­trächtliche Summe für eine Stiftung ganz neuer Art hinter­lassen. Es handelt sich um eine Lotterie, deren Nummern arme junge Mädchen darstellen, die sich eines tadellosen Rufes erfreuen; eine gewisse Anzahl von ihnen, deren Nummern gezogen werden, erhalten eine Mitgift, die sie zur Anschaffung ihrer Aussteuer verwenden können. In jedem Jahre läßt das zu diesem Zweck ernannte Komitee, an besten Spitze der Erzbischof der Insel steht, in den Zeitungen ankündigen, wie viel Plätze frei sind und wie viel Kandidatinnen also untergebracht werden können. Darauf stellen sich die Bewerberinnen vor, es werden genaue Er­kundigungen über sie eingezogen, und wenn das Ergebnis günstig ist, erhalten sie ihre Nummern.

Universität und Hochschule.

Zum Ersatz für Professor Austust Wilhelm Freund, der sich vom Lehramte zurückgezogen hat, ist Profeffor Hermann Fehling in Dalle zum ordentlichen Profeffor der Frauenheilkunde und Direktor der Univerfitätsfrauenkltnik in Straßburg berufen worden. Aus Stuttgart wird geschrieben: Profeffor ReSelmann, der hervorragende Architekt und Erbauer des Landesgewerbemuseums, hat infolge von geistiger Ueberanstrengung seine Lehrthätizkeit am hiesigen Polytechnikum vorläufig suspendieren und sich in ärztliche Behandlung begeben müffen. Der o. Profeffor an der Universität Dorpat Dr. Adolf K n e s e r ist zum etatsmäßigen Pro» feffor an der Berg-Akademie zu Berlin ernannt mordest. In der mu 8. d. stattgehabten Sitzung der mathematisch-naturwiffenschaftlichen Klaffe der Akademie der Wissenschaften in Wien überreichte Profeffor Dr. Ritter v. Wettstein eine im botanischen Museum ausge­führte Arbeit der Hörerin der Wiener philosophischen Fakultät Fräulein Emma Ott:Untersuchungen über den Chromatophorenbau der Süß- waffer-Diatomaceen und deffen Beziehungen zur Systematik". Es ist dies die erste der Akademie überreichte Forschungsarbeit einer Studentin. Die Universität Tomsk, die jüngste der russischen Hochschulen, be­ging kürzlich chr Stiftungsfest. Aus dem vom Rektor erstatteten Jahres­bericht geht u. A. hervor, daß die Zahl der Studenten am 1. Januar 1896 431 betrug, am 1. Januar 1897 458, am 1. Januar 1898 382, am 1. Januar 1899 470, am 1. Januar 1900 395 und gegenwärtig 552.

Kunst Md Wissenschaft.

Aus München wird berichtet: Der Prinz-Regent hat Fräu­lein Irene Triesch-Frankfurt, die in einer Jmmediat-Eingabe um Lösung ihres Kontraktes mit dem Münchener Hoftheater gebeten hatte, mitteUen lassen, er finde sich nach Anhörung der Intendanz zu einer Lösung der von der Künstlerin eingegangenen Verpflichtungen nicht veranlaßt. Auch die Befürwortung des Gesuches durch Prinzessin Therese war ersolglos. Der Wunsch des Fräulein Triesch wird nur zu erreichen sein, wenn sie die Konventionalstrafe (20000 Mk.) zahlt. Björnstjerne Björnson wohnte am Sonntagabend imBerliner Theater" einer Auf­führung seines DramasUeber unsere Kraft" bei. Im ausverkauften

Hause hatte man den Dichter «ährend der Pause erkannt und bereitete ihm eine spontane Huldigung, wie sie noch selten oder nie einem fremd­ländischen Autor in Berlin beschieden war. Auch nach dem Schluß setzten sich die Ovationen fort und Björnson mußte mehrmals auf der Bühne erscheinen.

Wechnachts-Lttteratur.

Recht erfreulich ist es, dass mau in letzter Zeit bestrebt ist, immer mehr die weitesten Schichten für das frisch nud kräftig erblühte Kunstgewerbe zu interessieren und man würde auch schon viel mehr ausübende Dilettanten finden, wenn eine Zeitschrift vorhanden gewesen wäre, die jenen die richtige Anleitung gegeben hätte. Die bisher erschienenen Zeitschriften sind mehr oder weniger eigent­lich nur für Künstler und Fachgelehrte bestimmt. Diesen für Dilettanten fühlbaren Mangel hat nun die Ma­lerin Frau C. v. Sivers, gestützt auf reiche langjährige Erfahrung, abgeholfen durch die Herausgabe der illu­strierten Monats-Zeitschrift für DilettantenKunst-Ge­werbe fürs Haus", Verlag von W. Schultz-Enge l- Hard, Berlin W. Preis per Quartal 4.50 Mi. Das außerordentlich reich ausgestattete Heft 2 mit zwei großen Musterbogen und einer farbigen Brandmal-Vorlage behan­delt:Strömungen in Knnsr und Handtverk" und Plau­dereien über Kunstgewerbliches der Pariser Welt- Ausstellung. Unsere Aufmerksamkeit fesselt zunächst eine allerliebste Weihnachts-Uhr für Kinder, die aber ebenso den Großen viel Freude bereiten wird. Ferner finden wir Anleitung für Holz- und Tiefbrand, welch letzteres heute das regste Interesse findet, für Zinn­treiben, Vorlagen für Mappen, Blocks, Thürbehänge, Pom­padours, Tischdecken und einen originell verzierten Ar­beitskasten. Als Letztes möchten wir noch erwähnen ein aravent für ein Ruhebett, dessen Dekorierung (ein Fries Mit einer lieblichen Engelschar und große Flächen mit i ichtem Mohn der Blume des Schlafes) ebenso ruhig luie harmonisch wirkt. Den Liebhabern der Amateur- Photographie bringt auch Heft 2 mancherlei Anregung gerade zum Weihnachtsfest.

Gerichtssaai.

Leipzig, 27. Mvember. Bor mehreren Jahren wurde die Tochter des hiesigen Schuldirektors Eichhorn zu einer empfindlichen Gefängnis­strafe verurteilt, weil sie, ohne Auftrag zu haben, mit gefälschten Listen für die Innere Mission gesammelt und das Geld für sich verwendet hotte. Die Sache erregte um so größeres Aufsehen, als sich der hochgeachtete Vater des Mädchens unmittelbar nach dessen Inhaftnahme entleibte. Jetzt hat der Gatte der Eichhorn, Rechtsanwalt Morgen, früher in Zeitz, der sich nach Verbüßung ihrer Strafe mit ihr verheiratete, die Wiederaufnahme des Verfahrens durchgesetzt, mit dem Erfolg, daß das Gericht auf nach­trägliche Freisprechung erkannte, weil als erwiesen angenommen werden mußte, daß die That in unzurech­nungsfähigem Geisteszustände begangen worden war.

Tmgesau-t.

.Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehende, AM übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 26. November lioo

Rach der in diesem Blatte veröffentlichen vorläufigen Mittet^ der Spar- und Leihkasse Gießen beabsichtigt diese, mit der t Höhung des Zinsfußes für Einlagen eine Erhöhung des Zinsf^ für Darlehen eintreten zu laffen. Wenn letztere auch nur die fc. sequenz der ersteren ist, so glaubt der Einsender doch, daß in Bezug -, Verzinsung der Darlehen ein Unterschied zwischen großen^ kleinen Kapitalien gemacht werden kann. Die Sparkasse verführ, den letzten Jahren, als ihr mehr Einlagen zufloffen, als sie durch leihen wieder verwenden konnte, mit den Einlagen ebenso, indem si- n die Einlagen der Dienstboten mit 4 pCt., sonstige Einlage bis zur £ von 1000 Mk. mit 3«/, pCt., höhere Einlagen nur mit 3 pCt. oetß sie trug gewissermaßen dem Vermögen der Anleger Rechnung. Die wirst alljährlich größere Summen für Wohlhätigkeitszwecke oui a kommt damit kapitalschwachen Personen und Vereinen in anerkenn wertester Weise entgegen, ja die Kaffe wird im Allgemeinen felifl t eine Wohlthätigkeits- bezw. gemeinnützige Anstalt bezeichnet, fiönntit' Kaffe nun nicht auch in der Festsetzung des Zinsfußes für dir von, gewährten Darlehen einen Unterschied zwischen kleinen unb großen ftopt&y machen? Eine Grenze läßt sich leicht sestsetzen. Die Folge bti t Höhung des Zinsfußes für Darlehen wird eine Steigerung der Wohiwy miete sein; dieselbe wird aber am schwersten empfunden von den kleinerer und mittlerer Wohnungen. Es wird keinem Hauptbeßz?-, 10000 Mk. Sparkaffengeldern auf seinem Hause stehen hat, niifa das Mehr an jährlich 50 Mk. i/spCt. Zinserhöhung allein zur^ er wirdaufrunden" und jedem seiner Mieter monatlich 23 M.^ abfordern. Hier könnte sich die Sparkaffe die Stadtverwaltung Vorbild nehmen; diese begünstigt bekanntlich in Bezug auf den W, zins auch kleinere und mittelgroße Wohnhäuser (bis zu 3-ZKrv Wohnungen). Sollte es der Sparkasse nicht möglich sein, ihre.kleine Schuldner, also die Besitzer von Häusern bis zu 2ü000 Mk. Taxnr. entsprechend einer ersthypothekartschen Belastung bis zu 10000 JH, - einer Zinserhöhung zu verschonen?1

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische verneinde.

Donnerstag den 29. November, abends 8 Uhr: vibelchm im Konfirmandensaal (Kirchstraße 9). Ev. Joh. 14, 25 ff.

Pfarrer Dr. Grein.

Familien Nachrichten.

Verlobter Bertha Weil mit Leopold Sulzberger. Büdims- Bruchsal. Benigina von Hartmann Knoch mit Paul von Hom^ql zu Vach, Leutnant und Adjutant im Großh. Hess. (Leib-Garde-) ftp ment 115. Elstra i. Sachsen.

Seiden-Blusen» «

und höher 4 Meter! porto« und zollftn zugesandtl Muste umgehend; ebenso von schwarzer, weißerund farbigerHenneberg-Seidi' von 85 Pfg. bis 18.65 p. Meter. .

G. Henneberg, Seiden-Fahnlant(k. u. k. Hofl.) Zürich.

Bekanntmachung.

Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Kommerzien­rat Georg Karl Gail und aus der Stiftung eines Unge- nannten sind für da» Jahr 1901 an drei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 300 Mark zu vergeben.

Bewerbungen haben bi» zum 15. Dezember 1900 auf dem Armen« autt, Zimmer Nr. 2, zu geschehen.

Gießen, den 26. November 1900.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_2___________________I. V.: Wolff.____________________7709

Bekanntmachung.

Aus der Stiftung der Ludwig Theodor Felfiug Eheleute zu Gießen find die diesjährigen Zinsen, und zwar:

171,43 Mk. an zehn in Gießen geborene, würdige Arme und j £ 34,29 Mk. an fünf würdige Witwen zu gleichen Teilen zu vergeben.

Anmeldungen hierzu haben bis zum 10. k. Mts. auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde Zimmer Nr. 3 zu erfolgen.

Gießen, den 26. November 1900. 7710

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

___________I. V.: Wolff.________________________

Verein der Detaillisten zu Kiesten.

Eingetr. Verein.

General-Versammlung

Konaerstag btn 29. November er., abends 8>/2 Wr, im Hotel Einhorn.

Uages-^dnuu-: 1. Berichterstattung über das abgelaufene Geschäftsjahr.

2. Rechnung-ablage. 3. Vorstandswahl. 4. Handelskammerwahl.

7688_____Der Vorstand.

Cigarren Retter

V___________________Lindenplatz, Ecke Walllhorstr.

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Vergebung von Ztraßenbanarbkiten. Die bei dem Umbau der Kreisstraße Große« - Linden Leihgestern und der Ver­legung der Ortsdurchfahrt Großen - Linden vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Die Angebote sind Diens­tag den 4. Dezember l. Js., vormittags 9 Uhr, im Amts­zimmer des Unterzeichneten, woselbst Pläne, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, abzugeben.

Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt:

Erdarbeiten 3000, Jt.

Chaussierungsarbeiten 12700,

Pflasterarbetten 950,

Lieferung von Cement-

röhren 287,36

Gießen, am 26 November 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor.

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Fleischlieferung.

Am 1. Dezember 1900, vormittags 10 Uhr, wird im diesseitigen Geschäfts­zimmer, Kaserne I, der Bedarf an Fleisch und Wurstwaren für die Garnison Gießen auf die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1901 verdungen.

Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer auf, dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten be­zogen werden.

Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift:Angebot auf Lieferung von Fleisch und Wurst­waren" versehen abzugeben. 7657 Garnison-Berwaltung.

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