Mittwoch den 29. August
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Die Offiziösen und Graf Waldersee.
Gegen die, namentlich in der freisinnigen Presse an dem Feldmarschall Grafen v. Waldersee und seiner Mission geübte Kritik legt der „Reichsanz." folgende Verwahrung ein:
In einem Teil der deutschen Presse tritt immer weniger verhüllt daS Bestreben hervor, den nach China in See gegangenen deutschen Oberbefehlshaber über die Truppen der verbündeten Großmächte durch Angriffe vom Standpunkt der parlamentarischen Fraktionspolitik zu verunglimpfen. Dm Gmeral-Feldmarschall Grafen v. Waldersee begleiten auf seiner Fahrt nach Ostasten neben der ehrenvollen Anerkennung der seiner Wahl zum Oberbefehlshaber beigetretenen ausländischen Staaten da» unerschütterliche Vertrauen Seiner Majestät des Kaisers und Königs und die Segenswünsche der Nation, die in dem zur Erfüllung einer hohen Aufgabe ausziehmdm Feldherrn den Schildhalter ihrer Ehre in fernen überseeischen Ländern erblickt. Schon die Rücksicht auf diese einzigartige Stellung, wie sie bisher niemals einem deutschen Heerführer zuteil ward, sollte hinreichen, um ihren Träger gegen parteipolitische Befehdungen zu schützen. Es kommt hinzu, daß Graf von Waldersee nicht in der Lage ist, sich der Angriffe von Gegnern zu er- wehrm, die dem fern von der Heimat Weilenden jetzt in den Rücken fallen. Ebm deshalb muß an dieser Stelle mit Entschiedenheit dagegen Verwahrung eingelegt werden im Ramm der Tausenden von deut- schm Eltern, deren Söhne draußm vor dem Feinde stehen, wie im Namen dieser unserer braven Truppen, die getreu ihrem Eide mit Gott für Kaiser und Reich den von den Vätern überkommenen Ruhm der deutschen Waffm erhalten und erneuern werden!
Ein gleichzeitig veröffentlichter Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." lautet folgendermaßen:
»Seit mehreren Tagen hat die »Freisinnige Zeitung" die wenig Tapferkeit erfordernde Führerschaft in der persönlichen Anfeindung des General Feldmarschalls Grafen Waldersee übernommen, der auf Grund eines internationalen Vertrauensvotums als Oberbefehlshaber der in der Provinz Petschili stehenden verbündeten Truppen allseitig anerkannt ist. Wir bezweifeln nicht, daß unser Auswärtiges Amt die Verantwortung, an der Herbeiführung dieses für Deutschlands Weltstellung ehrmvollm Vertrauensvotums vorbereitend und abschließend mitgewirkt zu habm, gern übernehmen wird, und können alle gegen: teuigen Behauptungen nur als Anzeichen der gänzlichen Ahnungslosigkeit ihrer Urheber auffaffen. Ebenso verunglückt, wie die obervormund- schaftltchen Bemühungen um die deutsche Politik, sind die in der „Fr. Ztg." an einem Artikel der „K. Z." versuchtmDeutungskünste. Sie können mit der einfachen Feststellung ebgeferttgt werden, daß, wie sich ohne Verletzung eine# RrdakitonsgehetrnnisseS erklären läßt, der betreffenbe Artikel mit dem Grafen Waldersee und beffen „Programm" in keinerlei Anbindung steht. Durch Unierstellung eines falichen Zusammenhanges gelangt hier bie „Freisinnige Zeitung" dahin, einem Feldherrn von betn Rufe unb ben Erfahrungen beS Grafen Walbersee Mangel an mtlilärischer Voraussicht anzudichten. Dies mutz in allen fachverstänbigenKreisen ben Etnbruck bünkelhaster Ueberhebu.ng Hervorrufen. Ernster, weil für bie Beurteilung unseres Nattonal- « besonders im AuSlanbe ehrenrührig, erscheinen bie Anwürfe,
! betn Hinterhalt einer kleinlichen und selbst die eigene Fraktion von Wahl zu Wahl dezimierenden Parteipolitik gegen einen deutschen Heerführer in dem Augenblick gerichtet werden, wo er, geleitet von den Segenswünschen aller Patrioten, bie Heimat verlassen hat, um im fernen asiatischen Osten für bie Ehre und daS Ansehen des Vaterlandes einzustehen. Gegen derartige Ausfälle dem aus unserer Mitte geschiedenen Feldherrn den Rücken zu decken, ist eine Pflicht deS politischen Anstande», wie der nationalen Selbstachtung."
Bemerkenswert ist, daß Professor Theodor Mommsen in der „Nation" kurz zuvor eine Studie veröffentlicht hatte, die den Titel trug „Ninive und Sedan" und in der der große Gelehrte sagt:
Der Prophet Jona ging zur Stadt Nlnioe hinaus und setzte sich ihr morgenwärtS, um zu sehen, was ihr widerfahren sei. Unb ba schuf Gott ber Herr einen KürbiS, ber wuchs in einer Nacht unb gab Schatten, unb Jona freute sich über ben Kürbis. Also erging eS betn Volk ber Deutschen, als es in einer Nacht in bie Weltpolitik bineingewachsm war: unb es freute sich über bie Weltpolitik. Aber es würbe nichts mit ber Weltpolitik, wenigstens nichts mit betn Weltkommanbo. Der Oberbefehlshaber war ja ba unb bie Hurrastimmung war auch ba, aber ber Kürbis verborrte. Wir wissen, warum wir nach Paris gezogen sind; wir wissen auch, bah der „JlttS" bei Ninive nicht fehlen durfte; aber was sollen wir jetzt noch weiter in Ninive?
Dann aber fährt Mommsen fort:
Wir haben volles Verständnis dafür, daß gegen eine durch bie Aufpropfung auf uralte Zivilisation nur wteberwärtiger gestaltete Barbarei die ganze zivilisierte Welt unter die Waffen getreten ist. Volles Verständnis auch dafür, baß bie Schwere ber Aufgabe erst beginnt, nachbem Ninive gefallen ist. Die Aufgabe ist jetzt bie, eine Negierung bafelbst einzurichten, welche ben berechtigten Forberungen einesteils ber Untertanen, anbernteUS ber Auslänber gerecht wirb, welche in diesem Lande der verfaulten Kultur ein dauerhaftes, ebenso nationales wie zivilisiertes Regiment unter dem Dank der Ninioiten- Millionen und unter dem einträchtigen Jubel ber jetzt gegen Ninive ftrettenben Nationen herbeisührt.
ES verdient auch beachtet zu werden, was die agrarische „Deutsche Tageszeitung" zu der „übermäßig kräftigen Kanonade" der amtlichen Organe sagt:
Zunächst ist ber Ton ber beiben Artikel, besonbers aber ber bek Artikels in ber „Nordd. Allgem. Ztg." so, baß er vielleicht bet Polemiken zwischen zwei oerbiffenen Parteiblättern, nicht aber in einer Erklärung, bie offizielles Gepräge trägt unb alS offizielle Kunb- gebung sich berbietet, geeignet erscheint. In beiden Erklärungen tritt ferner jene Ueberschwänglichkeit zu Tage, die in ben letzten Tagen oft genug von der ernsten Presse aller Parteischattierungen alS bedenklich bezeichnet worden ist. Dadurch, daß man daS Vertrauensvotum ber Mächte, ba« angeblich in ber Zustimmung zur Ernennung beS Grafen von Walbersee zum Höchstkommanbierenbm in Ostasten liegen soll, immer unb immer wieder als etwa« ganz Besonderes, Einzigartiges hinstellt, handelt man nicht der Würde deö deutschen Volkes entsprechend. DaS sollte man doch selbst empfinden, ohne darauf hingewiesen zu werden. Endlich sind die beiden Artikel auch deswegen bedenklich, weil sie andeuten, ja eigentlich rund herauSsagen, baß nunmehr der Gmeralselbmarschall Graf Walbersee über ber Kritik stehe. Das würbe wieberum ber Bebeutung beS GeneralfelbmarschallS nicht entsprechen. Ein Mann von seiner Tüchtigkeit braucht bie Kritik nicht zu scheuen unb verträgt eine berechtigte Kritik gewiß. Das ganze Vorgehen ber beiben Regierungsblätter bekunbel wiederum jene Nervosität, die unserem öffentlichen Leben in ben letzten Jahren baS Gepräge aufgebrückt hat, unb bie nicht als ein Zeichen innerer Gefunbheit erscheinen kann.________________________________________________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. August 1900.
*• Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen, Nr. 16, auSgegeben am
22. August 1900, enthält: 1. Ausschreiben Nr. 19 vom 27. Juli 1900, betreffend Einführung von Familien-Stamm- büchern. 2. Ausschreiben Nr. 20 vom 6. August 1900, betreffend die anderweite Regelung der kirchlichen Vermögensverwaltung. 3. Bekanntmachung, betreffend Beitritt zum Gesetz, die Klassifikation deS Diensteinkommens der evangelischen Geistlichen betreffend, für die Pfarrei Birkenau. 4. Verzeichnis der im 2. Vierteljahr 1900 genehmigten Schenkungen und Vermächtuiffe für evangelisch-kirchliche Zwecke. 5. Dienstnachrichten. 6. Aufforderung zur Bewerbung. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Ho l z h e i m, Dekanat Hungen; dem Grafen zu SolmS-Laubach steht das Präfentations- recht zu.
•* Der Zweiten Kammer der Laudstäude gingen zu: 1. Die Erwiderung des Ersten Ausschusses auf das Schreiben des Ministeriums der Finanzen vom 29. Mai 1900, betreffend: die Erläuterung der Begründung zu dem Gesetzentwurf, die Herstellung mehrerer Nebenbahnen. 2. Eine Regierungsvorlage, betreffend Verwilligung einer Pension an die Witwe des verstorbenen Chefredakteurs der „Darmst. Ztg." HofratS Becker in Darmstadt.
** Sommerfrische. Unter den vielen Sommerfrischen Oberhessens, die auf längere oder kürzere Zeit von den Städtern ausgesucht werden, um dort die Nerven zu beruhigen und zu stählen, nimmt das „Lehrerheim Vogelsberg" mit den ersten Platz ein. Nur etwa 20 Minuten vom Bahnhof Schotten entfernt, liegt es 350 Meter über dem Meeresspiegel, umgeben von herrlichen Wäldern und umweht von reiner, erquickender Gebirgsluft. Die Verpflegung im Lehrerheim läßt nichts zu wünschen übrig, dabei sind die Preise mäßig. Alle Besucher versichern, daß man sich nirgends besser erholen könne als dort, wo man nichts hört und sieht von dem rastlosen Hasten und Jagen der Welt, wo man so ganz nach Belieben die herrliche Natur genießen kann. Ganz irrig ist die vielfach verbreitete Meinung, daß nur Lehrer hier Aufnahme finden könnten. Wenn daS Lehrerheim auch zurzeit der Schulferien vornehmlich von Lehrern aufgesucht wird, so find doch auch Angehörige anderer Stände jederzeit willkommen, zumal in den Monaten Mai und Juni, wenn keine Schulferien in den Städten sind, und jetzt im Nachsommer, wo schon ein großer Teil der Lehrer wieder in die Heimat zurückgekehrt ist.
** Stottern unb Stammeln. Für die an diesen Sprachfehlern Leidenden wird es von Interesse sein zu hören, daß hier von feiten der unter dem Namen „Hephata" bekannten Anstalt ein Heilkursus abgehalten werden wird. Wie störend ein Sprachfehler den damit Behafteten in jeder Lebenslage trifft, wie er auf Geist und Gemüt erschlaffend wirkt, ist hinlänglich bekannt. Bereits auf der Schulbank von seinen
Iriedrich Nietzsche f.
Aus langjähriger geistiger Umnachtung hat der Tod den Dichter und Philosophen Friedrich Nietzsche erlöst, einen Mann, effen gewaltiges geistiges Schaffen auf unsere 3cit einen tiefen, vielleicht nnverlöschlichen Eindruck aus- geuvt bat. In der Philosophie, der Kunst, vor allem aber in der Litteratur, begegnen wir auf Schritt und Tritt den Einwirkungen Metzsck-e'scher Lehren, dessen „Uebermenschen- tum aus der einen <^eite mit ebenso viel Begeisterung wie «us der anderen mit schärfstem Widerspruch ausgenommen wurde. Ei? kann heute an dieser Stelle nicht unsere Aufgabe sein, die vielumstrittenc Größe des Naumburger Philosophen zu werten, wir wollen heute nicht untersuchen ob Nietzsche in der That der Titan war, der die ,Um- wertting aller Werte" vornehmen durfte, oder ob "jene unter seinen Gegnern im Rechte sind, die ihn nur als einen Modephilosophen einschätzen. Wir begnügen uns für heute damit, einen kurzen Abriß seines Lebenslaufes und seines Schaffens zu geben.
Geboren am 15. Oktober 1844 zu Röcken bei Lützen, studierte 92. von 1864—67 in Bonn und Leipzig klassische Philologie. Bereits im Jahre 1869, im Alter von 25 Jahren, wurde er als außerordentlicher Professor der klassischen Philosophie nach Basel berufen und dort 1870 zum ordentlichen Professor ernannt. In demselben Jahre unterbrach er jedoch seine Lehrtätigkeit, um am deutsch- französischen Kriege als freiwilliger Krankenträger teil- -unehmen. Nach Beendigung des Krieges trat er wieder in fein Dozentenamt ein, das er aber nur noch wenige Jahre innehaben sollte, denn bereits 1879 mußte er sich infolge eines mit häufigen Kopfschmerzen verbundenen i Augenleidens pensionieren lassen. Infolge geistiger lieber- I Anstrengung und übermäßig angeroenbeter ^lafmittel fiel I
Nietzsche 1889 in geistige Umnachtung, deren Charakter bald jede Hoffnung auf Heilung ausschloß. Sein Leben glich von da an einem müden geistigen Dahindämmern, dem der Tod jetzt ein Ende bereitet hat. Während der Zeit seiner Geisteskrankheit hatte Nietzsche unter der Obhut seiner Schwester, Frau Elisabeth Förster-Nietzsche in Naumburg, gelebt. Im vorigen Jahre war sie mit ihm nach Weimar übergesiedelt.
In Nietzsches Schaffen lassen sich drei Perioden unterscheiden. In den Werken der ersten Periode, ber „Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik" und ben „Unzeitgemäßen Betrachtungen", fußt er auf ber Philosophie Schopenhauers unb ber Kunst Richarb Wagners. Bon beiben aiber toenbet er sich in seiner zweiten Periobe ab, bie mit den beiden Aphorismenbänden „Menschliches, Allzumenschliches" (1878) ihren Anfang nimmt. Lier, wie auch in den folgenden Werken: „Morgenröte" und „Die fröhliche Wissenschaft" zeigt er sich bereits radikal skeptisch in philosophischer Beziehung, durchaus atheistisch der Religion gegenüber und übernational in Politik, Kunst und Kultur. In diesen Arbeiten beginnt er eine einschneidende Kritk der Entstehung und des Wertes der heutigen Moral zu üben. Seine Kritik führt ihn dazu, bie heutigen Werturteile als Werte des ab steigen ben Lebens abzuthun unb ihnen seine neuen, lebensbejahenden aristokratischen Zukunfts- ideale entgegenzustellen.
Diese Entgegenstellung ist der Hauptinhalt des ersten Werkes seiner dritten Periode: „Also sprach Zarathustra", und zwar geschieht fie hier in poetischer Form. In ben dem Zarathustra-Buche folgenden Arbeiten: „Jenseits von Gut und Böse", „Zur Genealogie ber Moral", „Der Fall SBagner" und „Götzendämmerung" führt er die immer radikaler werdende Kritik der Modernität unb Moral weiter. Die Vollendung seines Hauptwerkes, „Die Umwertung aller Werte", vereitelte feine Erkrankung.
Die Lehren Metzsches haben, wie eingangs gesagt, eben so viel Widerspruch als Beifall gefunden und angesichts des Todes des Philosophen wird aller Voraussicht nach ber alte Jbeenstreit mit erneuter Heftigkeit aujlobern. Was, aber auch gegen Nitzsche unb seine Lehren gesagt werden kann, zwei Dinge werben auch feine erbittertsten Gegner, zu denen übrigens auch der alte Nibelungenfänger Wilhelm Jordan gehört, anerkennen müssen: Nietzsche war ein Psycholog größten Stils, und er war ein Dichter, ber die Sprache nicht nur meisterhaft zu beherrschen, sondern der aud) neue Formen zu finden und mit ihnen gewaltig zu wirken wußte. In ihr kommt seine Kraft und fein künstlerisches Feingefühl ebenso machtvoll zum Ausdruck, wie der hinreißende Schwung seiner Gedanken. Seine Sprache, die Form der Lehren, die er vorgetragen hat, würde allein schon ausgereicht haben, enthusiasmierte Anhänger zu seinen Füßen zu'scharen.
Es war ein tragisches Geschick, daß Nietzsche, der als Prophet eines neuen, höheren Menschentums in unsere Zeit trat, verurteilt war, int besten Maunesalter in geistigen Tob zu versinken. Sein glänzender Geist, an intensivste Thätigkeit gewöhnt, erlag den gewaltigen Anstrengungen, denen er sich unerbittlich unterzog. Heute ist nun auch fein müder Körper dem Streiche des Todes erlegen. An seiner Bahre werden Begeisterung und Haß aufeinander prallen und der Streit der Parteien wird bald die Stimme der Trauer übertönen. Die Zeit aber wird das richtige Wertmaß auch für Friedrich Nietzsche unb sein Schaffen finden, der allezeit ein Mensch im edelsten Sinne jenes Goethewortes war, nach dem Mensch sein — Kämpfer sein heißt.
Ein vorzügliches Buch über Nietzsche hat ber Professor Henri Lichtenberger in Nancy herausgegeben, das im Verlage von Karl Reißner in Dresden in deutscher Ausgabe, erschienen ist.


