Ausgabe 
29.4.1900 Zweites Blatt
 
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sagen, V c < si* t :r neues bietet. Gerade das fehlt recht in Pariü; Wer frühere Ausstellungen gesehen, der muß eingestehen, daß man sich damals im bescheidenen Maße, oft mehr Mühe gegeben hat, etwas originelles heraus­zufinden, wie Paris. Es sind wunderhübsche Paläste an der Seine errichtet, aber ein Ausstellungskenner wiederholt: Ungefähr so war fast alles schon da! Allerdings giebt es einige Ausnahmen. Aber von denen sind die Mehrzahl Nicht schön, sondern schauderhaft, wie das große Eingangs Portal znr Ausstellung, und auch unter den Palästen der fremden Staaten sind mehr wie eins, über die jeder den Kopf schüttelte, wenn ein solches Gebäude ernsthaft zu praktischen Zwecken in einer modernen Straße aufgeführt werden sollte. Unser sonst so schönes deutsches Haus wird auch zu bunt, das bekannte Tucherhaus in der Berliner Friedrichstraße ist gar nichts dagegen. Der Marine-Pavillon des Reichs wirkt viel harmonischer.

Die Pariser Ausstellung wird ihre Hauptanziehungs­kraft den fremden Industrien verdanken. 'Denn von den französischen Fabrikanten hat sich ein großer Teil so fürchterlich saumselig gezeigt, daß man gar nichts anderes sagen kann, als: die Leute haben nicht erwartet, daß ihre ausländischen Konkurrenten so wuchtig auftreten würden. Paris sollte und mußte seine Ausstellung haben, das war die Hauptsache, die heimische Industrie wollte ja mitmachen, natürlich, aber ohne besonderes kostspieliges Chaussement; man mußte die Gedanken ändern, als man merkte, was das Ausland vorbereitete.

Alle Achtung, was man von unserer deutschen Eisen- Industrie, von unseren gewaltigen Maschinen sieht, das redet eine weit beredtere Sprache, als das RepräsentationS- hauS, dem die ernste deutsche Schlichtheit vorangegangen ist. Von den deutschen Leistungen sprechen die Franzosen nicht viel, aber sie schauen sie sich an, so genau, daß man merkt es steckt wahres Interesse dahinter. Und bei unserer deutschen, bei der englischen und anderen Industrien können sich die Franzosen bedanken, daß jene durch ihre Aus­stellungs-Gegenstände Schwung in die Sache gebracht haben, daß man, wenn auch nicht viel neue Ausstellungs-Gebäude doch wenigstens zum Teil wahre Wunder der modernen Arbeit sehen wird. Es ist notwendig, gegenüber der gar zu aufdringlichen Reklame von französischer himmelstürmen­der Genialität die Dinge auf das rechte Maß zurück­zuführen, denn damit braucht noch gar nicht in Abrede gestellt zu werden, daß unendlich viel schönes vorhanden ist, was man freilich anderswo auch schon so ungefähr sah.

Sprechen wir nun von Paris selbst! Ja, die alte Lutetia steht auf demselben Fleck wie vor zwanzig Jahren, aber die allgemeinen Einrichtungen sind ebensoweit zurück. Um nur ein Beispiel anzuführen: Die Langsamkeit der Post, die für den NamenParis" geradezu krähwinklig ist, ist, ist unvermindert. Was sagt ein Deutscher dazu, daß man heute noch, in der Weltausstellungszeit, einen Brief, der sicher mit den Nachtzügen abgehen soll, schon nach­mittags um 5 Uhr zum Postamt geben muß? Bei Auf­lieferung nach 6 Uhr treten für den Fall, daß die Be­förderung noch am selben Abend erfolgen soll, Zuschlags­taxen ein. Und ähnlich langsam ist die Bestellung.. Na,

was würden Deutsche dazu sagen? Gewiß nichts schmeichel­haftes, wenn wir es hätten. Uns gehen ja die französischen Zustände nichts an, aber diese Thatsache darf nicht ver­gessen werden, wenn man die Bedeutung von Paris als moderne Stadt würdigen will. Motordroschken, Telephon und sonstiges allein macht es nicht, dem Wesen nach muß modernen Ansprüchen Rechnung getragen werden. Und wetten möchte ich. daß ein Deutscher, der zum erstenmale in Paris ist und sich einen Briefkasten suchen will, bestimmt keinen ohne zu fragen findet. Bei den Dingern ist es sörm- llch aufs Verstecken angelegt.

Paris ist eine Stadt des Vergnügens und allerersten Raffinements, damit zugleich eines großen Fremden- und Geschäftsverkehrs, aber an die Einrichtung und künstlerisch- geschmackvolle Ausgestaltung von Geschäftsräumen und Schaufenstern kommt es mit deutschen großstädtischen Ge­schäften absolut nicht mit. Und wenn Jemand noch so sehr für Paris schwärmt, wenn er partout die Großartigkeit deutscher Riesengeschäste bestreiten will; es hilft ihm nichts, es ist so: Paris ist in dieser Beziehung zurück. Die Fran­zosen geben sich gern als Steuerer ersten Ranges, in Wahr­heit sind sie konservativ wie nur einer in ihren Gewohn­heiten und eigenartigen Anschauungen. Frankreich hatte die ersten Warenhäuser in Europa. Bei uns setzen solche Geschäfte nun Ehre darin, das Aeußere ihres Geschäfts­hauses dem Umfang des Betriebes anzupassen, in Paris bleibt alles unverändert seit langen Jahren. Und weil bei uns die Dekorationskunft so außerordentlich entwickelt ist, so fürchte ich beinahe, auch in der fertigen Ausstellung wird mancher Deutscher, der sich zu Hause umgesehen, köpf- schüttelnd sagen: Bei uns wird das besser gemacht!

Auch andere öffentliche Einrichtungen, Bahnhöfe, Hotels, Restaurants u. f. w. stehen an anderer Einrichtung und hinsichtlich der Preise hinter deutschen gleichen Bauten zurück. Mancher alte, recht alte Zopf hängt im französischen Ver- kehrslcben und im öffentlichen Leben, und wehe dem, der ihn abzuschneiden wagt. Das ist eben provisorisch! Dazu gehört auch ein ziemlich starkes Stück von Schlamperei, das sich besonders vormittags breit macht: Kehrichthaufen auf dem Trottoir, ein Handel mit allem Möglichen und Unmög­lichen dito, vom Modemagazin bis zum Wurst- und Käse­handel, so daß man oft kaum von der Stelle kann und anderes. Manchem erscheint's interessant, Schlamperei bleibt's doch. Die Pariser Polizei sagt zu alle dem nichts. Ihre Wirksamkeit beginnt so eigentlich erst bei politischen Krawallen, wo indeffen nicht gefackelt wird. Sie ist darin der deutschen Polizei weit über.

Infolge des ganz kolossalen Verkehrs in seinen Haupt­straßen und der kleinstädtischen Behandlung so vieler Dinge auf offener Straße, die von Rechtswegen hinter Thür und Fenster gehören, verbindet sich in Paris die Weltstadt mit viel Krähwinkelei. Jetzt ein Rennen und Hasten, als ob es um Millionen gehe, dann ein langes Schmatzen, als ob man Millionär sei. Ein großes Theaterspiel, in dem die Akteure in Bruchteilen von Sekunden wechseln. Die Pariser ind eben konservativ. Verschiedene Beispiele: Arn Kon- ördienplatz, von welchem man bei rechter Aufstellung das deutsche Repräsentationshaus an der Seine sehen kann,

steht die Statue der Stadt Straßburg mit ihrer n«., Last von Kränzen (Trauer), dito Fahnen usw. Ein scher, der vorbei geht, lächelt, denn Straßburg ift und wird unser bleiben. Aber die Chauvins von würden nicht lächeln, wenn der vom Regen und Sonn * schein gleich mitgenommenen Plunder entfernt würde t?* rüber schreibt niemand in diesen Ausstellungs Flittertaae^

Die Pariser haben Biertrinken gelernt. Aber sie bleihL dabei recht mäßig. Es ist ja auch kein Unglück für fi Aber Spaß hat es mir doch gemacht, wie ich Qm $ vard saß, und eine Schar junger Krieger vor mir neh * mir, und wo sonst noch Platz war, sich fcftnagcltc. VQ,J schemlich Kriegsschüler von St. Cyr. Aber nur ein leerte das schwache Viertel-Liter-Glas, ein Drittel bliebt die Hälfte gefüllt. O weh, wären deutsche Kadetten gewesen! Und zur selben Stunde wurden die einy-h..., kostenden" Ausstellungsbillets mit 50 uud 60 angeboten. Augenblicklich fleckt das Geschäft noch J? wie man sieht. Nicht in Bier, nicht in Billets.

Es könnte eine böse Prophezeiung für den Verlaus br Ausstellung sein, daß die Pariser Damen im bisherig Nachwinter und Frühlings-Anfang Schwarz alsModesarb. gewählt hatten. Schwarz in solcher Zeit des AuSstellunas- Wachsens! Aber sie behalten es ja nicht, das Schwarz, « war eben eine solche konservative französische Damen.Capriu weiter nichts. Heiß brennt die Sonne in den Nachaiii. tagsstunden, noch eine kurze Weile und das Schwarz wav- dert zur na, sagen wir Teufels-Insel!

Während ich dies schreibe, steht auf meim Tische ein Fliederftrauß, so eine tüchtige Hand voll, für 16 Pfennige im teuersten Pariser Stadtteil erworben. Slnberfoo kostet er die Hälfte. Und der süße Duft erinnert daran daß in dem Tollkopf Paris, dieser tollen, etgenfunriyt hochmütigen Dame, doch auch ein guter Kern steckt, btt dem Pariser bunten Leben ein charakteristisches Merkmal aufdrückt, manchen, oder eigentlich jeden entwaffnet. Das ist die harmlose Höflichkeit des Parisers im Verkehr, dir Wertschätzung und Beachtung eines jeden. Das ist die Pariser Tugend, eine recht, recht große sogar.

Wer weiß wie viel Trubel, ob bessere Klaffen, ob Ar. beiter, Geschlecht einerlei, jedweder nimmt auf einander die Rücksicht, welche die Höflichkeit selbstverständlich gebietet die man aber in Deutschland leider ost nicht findet. 01 ein Mann mit dem Ordensband seinen Kaffee trinkt, m bescheidener Mann findet nichts dabei, sich neben ihn zu setzen, und niemand stört ihn, wenn er bezahlt und sich anständig benimmt. Die Franzosen sind Tollköpfe, aber sie haben ein außerordentlich feines Gefühl für gesellschaft­liche Formen; jeder möchte man sagen. Wenigstens weif er Anstößigkeiten zu vermeiden.

Da könnte einer sagen, daS macht die Republik! Lieber Gott nein, die macht gar nichts. Nirgendwo in der Welt ieht man so viel Orden, Ordensbänder und OrdenS-Jm, tationen auf der Straße, wie in Paris, und das ift nity gerade republikanisch.---

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