Ausgabe 
29.4.1900 Zweites Blatt
 
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Damit schließt die Diskussion. Der Kommissionsantrag hnrb angenommen.

Darauf wird die Sitzung vertagt.

Schluß: sechseinhalb Uhr.

/CTA Nächste Sitzung: Dienstag den 1. Mai, 1 Uhr. (Wahlprüfungen.)

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Sna6tn uni S} Biljttnb bei Somme

Inmelbungen tt unb im fiinbnaarten 2546

Politische Tagesschau.

I r. k % Vorgänge in Westpreußeu fangen nachgerade an, I bedenklich zu werden, denn die Aufregung der Bevölkerung I über die Ermordung des Gymnasiasten Winter I erstreckt über Könitz hinaus und ergreift benachbarte I Städte und Ortschaften, sodaß schon jetzt ein starkes Auf- I gebot von Gendarmerie hat erfolgen müssen. Die Lauten glauben, daß sie es hier mit einem jüdischen Ritual- morde zu thun haben. Neber die Mörder des unglück­lichen Winter und über die Umstände, unter denen er da- Leben verlor, weiß man bis heute so gut wie nichts und ist durchweg auf Vermutungen angewiesen. Es liegt bis­her gar kein Anzeichen vor, aus dem man schließen könnte,

1 baß er von der Hand eines christlichen oder jüdischen Mörders gefallen sei, und der gegen die Juden sich richtende Ver­dacht beruht auf der Blutlosigkeit der gefundenen Körper­telle. Man beschimpft und verhöhnt die Juden, radau­lustige Jugend rottet sich zu lärmenden Ruhestörungen zu­sammen, bei denen die Lust am Unfug die hauptsächlichste Triebfeder ist, und man vergreift sich auch an jüdischen Gotteshäusern. Daß außergewöhnliche Zustände herrschen, beweist am besten die Verstärkung der Gendarmerie und die Entsendung eines besonderen Kommissars des preußischen I Ministers des Innern, der offenbar reichliche Arbeit vor­gefunden hat. Nach den Vorsichtsmaßregeln, die auf seinen Antrag getroffen worden sind, kann man wohl hoffen, daß es nicht zu weiteren Ausschreitungen kommen wird, oder daß diese in ihren ärgsten Folgen verhindert werden können. Bestimmtes Auftreten der Regierungsorgane wird hoffentlich auch dazu beitragen, der Bevölkerung die Augen zu öffnen. Wie berichtet wird, finden jetzt schon Strafverfolgungen wegen Landfriedens- I bruchs statt.

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I I Wirte wegen Benutzung einer gemeinschaftlichen in Streit. Bei der Prügelei a/b r r*l Knechte beteiligten, erhielt einer der Besitze/ftlche^?7° ungcn, daß an feinem Austummen gezweifelt w?d * I »ahm dad Gericht den Thatbestand aus tb' I i. Lanbnch, 26. April. Für die im Herbst

Feter des 25jährigen Bestehens des hiestqeu G^ nasiums ist ein Komitee gebildet worden, dem

I der Stadt, des Gymnasiums, der städtischen I Vereine; ferner der gräfliche Kammerrat, der bie beiden Geistlichen und die beiden Aerzte ZS1" I ®an zahlreiche Beteiligung ftüherer Schill« S.v®- einige Herren bereits im Komitee vertreten finb?

I dieses Schuljahres sind in unser Gymnasium ® Spuler emgetreten. Es ist das einzige im Lande ö" ferne Schuler keine Ermäßigung auf der ®toa h . Der im Sommer von Hangen hier 7.15 BorXt 101

I kommende Zug müßte im ganzen Jahre gehen, b,?m 1I" I Winter um 8 Uhr hier ankommen. Hoffentlich V I "fußgebender Seite kräftig darauf hingearbeitet weid,» >°5. I d>° Etfenbahndirektion den Jntereffen unserer Stadt I tu diesem Punkte entgegenkommt.

. H°mberg, 27. April. Vermißt wird der 161,1 I rl9trc5°^1 U"l eincm Gute bei Homberg beschul,,!,- russisch-polnischen Arbeiters Anyczyk. Ans der HerrL merkte man fern Verschwinden ans der Strecke H , Nordhausen Nachrichten Über den Aufenthalt des g £ I nach Neuenhof bet Homberg zu richten. ' **

ns.'ra 27. April. Von den zehnnene-

I Ob er forst er et en, welche genehmigt wurden und dw I nächst errichtet werden sollen, kommen Voraussicht

"Uch Oberhessen und zwar je eine nach Gieße», ftetn, ®rün6erg und Salzhausen. Dem Obechchg Übertragen" iU9'ci^ baS 9Ze8enamt als aabttommifiit . L Sprendlingen, 27. April. Unsere Gemeinde ließ du» eine Deputation bei der Beerdigung unseres langjährim Pfarrers Ferdinand Scriba in Laubach einen Stani m feU1Con®Jabt N'ederlegen. Pfarrer Scriba hat ein Ihn oon 82 Jahren erreicht. Rach seinem letzten Examen nur I Erzieher des ihn noch heute sehr hoch schätzenden Sürfai Stuno zu Büdingen, 8 Jahre Pfarrer in Büdingen, 1 3a9rc in Hitzkirchen, von 1863 an hier thätig. Nach seine' Pensionierung zog er nach Laubach. Die beiden bortiqtn Stadtpfarrer geleiteten seine sterbliche Hülle zum (grabt

« r Volp hielt die Feier im Hause, Pfarrer Nckck hick die Grabrede.

Z\ Kirchhain, 27. April. Unsere &tabt steht bit^ Jfiyr int Zeichen der Feste. Vom 15. bis 17. Juni wird die Generalversammlung des Vereinsausschusses der Landwirtschaftskammer hier tagen. Vom 14. bis 16. Juii wird der Turngau Hessen in unserem gastfteundiiche-k Städtchen sein Gaufest feiern. Mit jenen ist gleichzeitig ein großes landwirtschaftliches Fest verbunden. Der Bor sitzende des landwirtschaftlichen Kreisvereins, Frhr. Scheiss zu Schweinsberg hat an sämtliche Bürgermeister des Kreises em Schreiben erlassen, in welchem ersucht wird, daß sich möglichst alle Gemeinden an dem Feftzuge beteiligen möchten. Seitens des landwirtschaftlichen Kreisvereins sind Preise zur Prämiierung der Festwagen ausgesetzt.

Abg. Thiele (Soz.): Warum soll nicht auch auf die Hüttenarbeiter die Achtstundenschicht ausgedehnt werden? Der Hüttenbetrieb ist vielfach) ebenso anstrengend und ausmergelnd wie die Arbeit im Bergbau. Man er­höhe das Einkommen, und der gesamte Arbeiterstand wird in seiner Leistungsfähigkeit gehoben werden. Daß die Re­duzierung der Arbeitszeit von 10 auf 8 Stunden keinen Rückgang in der produktiven Arbeitsleistung zur Folge hat, ist erwiesen.

Abg. Stolle (Soz.): Ob die sächsischen Beamten Kohlenaktien besitzen, kann ich nicht nachprüfen, aber aus ihren Steuerdeklarationen würde sich ja wohl ergeben, wieviel sie aus Gehalt und wieviel sie aus Privatbesitz emnehmen. Hat doch ein sächsischer Amtsrichter Arbeiter wegen Boykotts der Dresdener Waldschlößchenbrauerei zu harten Strafen verurteilt, von dem sich herausstellte, daß er in dem Aufsichtsrat dieser Brauerei saß. Könnten die Arbeiter unbeeinflußt ihr Urteil abgeben, in 99 Prozent der Fälle würden sie sich für die Verkürzung der Arbeits­zeit aussprechen.

Ministerialdirektor Dr. Fischer: Das ist dieselbe Be­hauptung, mit der auch Herr Wurm immer seine Reden schließt: In Sachsen wird zweierlei Recht ausgeübt. (Lär- ; wende Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Ich stelle dem ! Hause anheim, ob es den sächsischen Beamten oder den j sozialdemokratischen Rednern mehr glauben will. Herr Sachse hat selbst den sächsischen Arbeitern zum Streik ge­raten. (Wachsende Unruhe bei den Soz.) Redner verliest die betreffenden Aeußerungen des Abg. Sachse und sagt hierzu: Wenn das keine Aufteizung zum Streik ist, dann giebt es keine. (Stürmischer Widerspruch bei den Soz ) Minister v. Metzsch ist in das sächsische Streikrevier ge­kommen, um sich zu informieren, ob die Bergwerksbesitzer in der Lage seien, die ihm bekannten Forderungen der Ar­beiter zu erfüllen. (Aha! bei den Soz.) Bedenken Sie, I welche Erregung bei einem solchen Streik herrscht. Ohne I einen gewissen Terrorismus können ja die Arbeiter bei I keinem Streik auf Erfolg rechnen, das haben sie selbst zugegeben. Jedenfalls bedarf es nur des kleinsten Anstoßes, I um eine Explosion zu erzeugen. I

Abg. Sachse: In dem ftüher von mir angeführten I »E der übermäßigen Arbeitszeit für Maschinenwärter S. ich doch, wohl recht behalten haben, denn mittlerweile I ist eine Verordnung ergangen, die diesen Maschinenwärtern I und den Kesselheizern die Arbeit über zwölf Stunden ver- I bietet.

Abg. GeYer (Soz.): Es ist nicht wahr, daß der sächs. Bergarbeiter-Streik ein sozialdemokratisches Werk war - die Arbeitgeber haben zum Streik getrieben, gerade in'den I Privatwerken ist von ihnen die Unzufriedenheit geschürt I worden. Der Minister kam angeblich in das Streikrevier I um sich zu informieren, war aber des anderen Tages schon wieder ausgekniffen. (Der Präsident ruft den Redner I wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung.)

Eine Feuersbrunst

L in Ottawa der Hauptstadt von Canada am 26. b. JJitS gewütet und zwar auf beiden Seiten des Ottawa- ftuffes. Das Feuer brach in Hüll (einem Vororte t>on &?t um 11 klhr vormittags aus, breitete sich über den Fluß aus und erfaßte verschiedene große ©äaemübkzt wobei eine große Masse Holz vernichtet wurde. Von hef tigem Winde getragen, umfaßten die Flammen bald große ^eile der ärmeren Viertel von Ottawa. Der Schaden wirb jetzt schon auf eine Million Pfund geschätzt. Die Skmüb- ungen, des Feuers Herr zu werden, waren fruchtlos Tie

I Bevölkerung Ottawas beträgt 60000 bis 70 000. Tie große Masse derselben lebt von der Holzindustrie. Dasselbe ist auch in Hüll der Fall, wo über hundert Häuser zerstört sind. Die. Flammen haben auf der Straße stehende Wagen zerstört. Einige schreckliche Szenen gab es, als die Insassen der Wagen zu entkommen versuchten. Nach einer Meldung derTimes" waren gegen 6 Uhr abends bereits 2000 Familien obdachlos geworden. Hunderte von Per­sonen lagerten auf den Straßen. DemBüreau Reuter' zufolge sind außer den Sagemühlen und Holzvorröteo noch das Elektrizitätswerk und das Depot der tianada- Pacifik-Eisenbahn vernichtet worden. In den Hausern herrscht infolge des Ausbleibens der elektrischen Beleuch tung Dunkelheit. Der Brand ist das furchtbarste Unglück, das sich je in jenem Teile Kanadas ereignet hat. Montreal und Brockville schickten Feuerwehren nach Ottawa. Tas Parlament vertagte sich, weil das elektrische Licht erlosch. Von abends 8 Uhr meldet derselbe Korrespondent Die Miliz wurde einberufen, um das Eigentum der Bürger zu schützen. Die Zerstörung ist furchtbar. Ein gr wattiger Teil der Stadt ist ausgebrannt und noch wellen Teile sind dem Feuer preisgegeben. Eine Stunde lang W die Polizei außer stände, genau festzustellen, an welchen Orten das Feuer ausbrach und inzwischen hatte es säm in der Stadt gewaltig um sich gegriffen. Es scheint, als ob das Feuer gleichzeitig an drei Stellen ausbraäi Die eine Stelle ist die Hauptbrandstelle in der Stadt selbst, die zweite Stelle befindet sich zwei englische Meilen weiter flußabwärts, die dritte SteUe ist noch weitere zwei Meilen flußabwärts. Während der ganzen Zeit fegte der Wind von den zwei letzteren Brandstellen zum großen Brandt nach der Stadt hinauf. Der Plan der Brandstifter war klug erdacht, da der Feuerwehr eine gewaltige Masse Arbeit zufi^l, die zu bewältigen sie ganz außer stände war. Man sagt offen, daß Vereine von Feniern den Brand angestiftet hätten, um dadurch ihre Sympathie mit den Buren zu zeigen. Vier Todesfälle sind bis her gemeldet, darunter der des Direktors der Feuerwehr- Viele Leute werden vermißt.

Abg. Paasche (nl.) hat im Namen der weinbau­treibenden Kreise seiner Wählerschaft die Anregung Deiw Y«rrdts zu unterstützen. Nach der Haltung des Zentrums, das die Flottenvermehrung nicht ohne gleichzeitige Lösung der Deckungsfrage erledigen will, steht ja nun eine längere Sitzungsdauer der Session in Aussicht, die Regierungen werden bestimmte Steuerprojekte in Erwägnng nehmen müssen und in der Zwischenzeit wird sich die Zeit finden, auch dieses Gesetz noch zu erledigen.

Damit wird der Gegenstand verlassen. Die Pe­tition des oberschlesischen christlichen Arbeitervereins zur gegenseitigen Hilfe in Beuthen (Oberschlesien) soll, soweit sie die Einführung des achtstündigen Arbeits­tages und obligatorische Arbeiterausschüsse verlangt, dem- Reichskanzler als Material überwiesen werden. Soweit sie indessen die Minderung des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes und die Frage der Entlassung der Arbeiter betrifft, '0 orr Jje öur Tagesordnung übergegangen werden.

Abg. Sachse (Soz.) tritt für die Petition ein, soweit )ie den achtstündigen Arbeitstag für Berg- befürwortet. Reibe schon die bestehende zehn­stündige, thatsächlich häufig sogar zwölfstündige Arbeits­zeit und die ungesunde Luft die Kräfte des Bergmanns auf, ! fo ttjerfre er durch das Ueberschichtenunwesen vollends zu I Schänden gemacht. Im Betriebe der Stahlgießereien, der Zinkhütten und in vielen anderen Betrieben werden fo enorme Anforderungen an die Kraft und Widerstandsfähig­keit des Arbeiters gestellt, daß er denselben bei übermäßig

Arbeitszeit, auch wenn er sich einer noch so guten ^f^üuhon erfreut, vorzeitig erliegen muß. Die für den I Weise"t^"betrieb erlassenen Vorschriften genügen in keiner I

Sächsischer Ministerialdirektor Fischer: Herr Sachse I Odt die Berichte der Aufsichtsbeamten mehrfach mißver- I

H" Angriffe auf das sächsische Vereinsgesetz waren I völlig unberechtigt. I

, (natl.) hält es für ein Unrecht, einem I

selbständigen deutschen Bergarbeiter zu verwehren, wenn I er es will, über acht Stunden zu arbeiten. Nur aus sani- I taren Gründen können die Bergarbeiter in ihren Wünschen, I ganger orfreiten zu dürfen, eingeschränkt werden. Mit I dem Achtstundentage würde her ganze gegenwärtige Hütten- I betrieb von Grund aus umgestaltet werden. Soweit die I ^etlhDnmbie Bergarbeiter betrifft, hätte ich nichts dagegen I fie der Regierung als Material zu überweisen. I

, .,$^9- ö-Stu mm (Rp.): Zur Abwehr der von gesund- I heitssihadlichen Betrieben drohenden Schädigungen I brauchen wir keine Verkürzung der Arbeitszeit; das kann I

Bundesrat schon jetzt kraft der ihm zustehenden Be­fugnis machen. Bei der Konzentrierung einer 12 stündigen I auf eine 8 stündige Arbeitszeit würden gerade die tüch- I tlgsten Arbeiter benachteiligt werden. I

, Abg. Hitze (Zentr.): In Beziehung auf die Berg- I arbeiter stehen wir auf dem Boden des Achtstundentages. Hier aber ist der Achtstundentag auch gefordert für die I Fabriken im allgemeinen. Die Sozialdemokratie hat sich I '0?/r gelM bie obligatorische Einführung von Arbeiter- I ausschussen erklärt, weil sie ihr für die gewerkschaftliche I Organisation gefährlich erscheint. Ist dem so, dann würden die Sozialdemokraten selbst sich einer Heuchelei schuldig

,N>enn sie beantragen würden, die Petition zur I . Berücksichtigung zu überweisen. Durch die Novelle zum I i Jnvalidengesetze sind die Wünsche der Petenten zum Teil I erfüllt worden.

In her Revue des Revues läßt der sozialistische Ab­geordnete Vigne d'Octon, der als Marinearzt vier Jahre in Afrika zubrachte, mehrere Abschnitte aus einem Buche erscheinen, das er bald veröffentlichen wird. Sie sind eine Fortsetzung der trostlosen Schilderungen, die der Verfasser schon in Romanen und Reiseberichten von dem Treiben der französischen Soldaten im dunkeln Erdteile, ihrer Bestialität, Grausamkeit und Habsucht gegeben hat, und die er auf der Tribüne der Kammer durch Belege erhärten will. Außer feinen eigenen Erfahrungen giebt er die Erlebnisse und Beobachtungen von Korrespondenten wieder, die seine Akten durch so zahl- reiche Zuschriften bereichern, daß er nur Auszüge aus den packendsten Darstellungen geben kann. Als Regel stellte er !auf, daß der harmloseste Junge, der daheim in der Bretagne, oder in den Cevennen niemals einen Hund pder ein Schaf mißhandelt hätte, unter den Strahlen der afrikanischen Sonne, in den Leiden und Entbehrungen der hingen Märsche zur 23 e ft t e wird, die nur daran denkt, i ixne fie fuf) an demNegerpack" in dem vermaledeiten I taube für all das ertragene Ungemach rächen kann, ! und, wenn die Gelegenheit sich findet, dasEbenholz" 1 erbarmungslos miß-han delt, sengt und brennt, und nach dem _ Vorbilde ihrer Vorgesetzten Menschenschacher i treibt. Auf das Zeugnis eines früheren Kolonialministers gestützt, dessen Namen er nennt, erzählt Vigne d'Octon: I Eine Nacht stellten sich Europäer auf den Anstand, um will>e Tiere zu erlegen; der Köder war nicht etwa ein blökendes Lamm oder eine Ziege, sondern ein zehn- j ähriges Mädchen, das man aufein Ne st schwar­zer Ameisen gesetzt hatte. Das arme Kind schrie bie ganze Nacht hindurch, bis die furchtbaren Insekten I bs zu Tode gebissen hatten. Die wilden Tiere ließen I sich von der menschlichen Lockspeise nicht anziehen, ohne Zweifel, weil die Nähe der Wachtfeuer ihnen Furcht ein* I flößte. Die neueste Arbeit des Abgeordneten Vigne erregt I in der Pariser Presse großes Aufsehen und dient den I Gegnern der Kolonialausdehnung als will*! fommene Handhabe. Severine regt in derFronde" I den Gedanken an, eine Versammlung von Frauen gegen I die Verbrechen der Afrikaeroberer zu veranstalten.

Aus Stadt und Sand.

(Slrrorryme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 28. April 1900.

** »eschichtskalerrder. (Nachdruck verboten.) Vor 94 Jahren, am 29. April 1806, wurde in Wien der Dichter Freiherr v. FeuchterSleben geboren. Allgemein geachtet, zog er sich durch seine Thättgkeit als UnterstaatssekretSr 1848 das Mißfallen der Re­gierung und höheren Siände in solchem Maße zu, daß ihn der Kummer über setneZurückschung am 3. September 1849 im 45. Lebens­jahre tv8 Grab stürzte.

Vor 65 Jahren, am 30. April 1835, wurde zu Stronach in Tirol Franz v. Defregger, einer der bekanntesten Genremaler Deutschlands, geboren, der sich durch seine humorvollen Szenen aus dem bayrischen Volksleben einen Ruf erworben hat. Der Künstler wirkt seit 1871 als Professor an der Münchener Maler-Akademie.

** Wettlaus. Eine interessante Wette wurde am Donnerstag Nachmittag hier zum Austrag gebracht. Ein Fußgänger sollte vom Philosophenwäldchen aus in 5 Minuten ein Lokal in der Stadt erreichen. Ihm war der Weg querfeldein gestattet. Sein Partner zu Wagen hatte ihm 3 Minuten vorgegeben. Der Läufer, der auf seinem Wege durch die Wiesen außer zahlreichen Gräben auch noch die Wieseck zu überspringen hatte, gewann die Wette. Nach Verlauf von 4i/2 Minuten langte er in dem Lokal an. Der Wagen traf 1/2 Minute später ein.

-r Huugeu, 26. April. In dem benachbarten Orte Ruppertsburg brach heute am Hellen Tage Feuer aus. Drei Scheunen sollen eingeäschert und zwei Wohnhäuser beschädigt sein. In Trais-Horloff gerieten zwei Land-

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