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28.12.1900 Erstes Blatt
 
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Freitag den 28 Dezember

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Kehener Anzeiger

Kmeral-An^eiger

tli'beftelluugm spätestens »bendS vorher.

Aints- und Anzeigeblutt fiiv den Ttveis Gieszen.

In der Kleinkinderschule

i>lS!t dkn Vorbereitungen im eigenen Hause spann er um

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Ludwigsplä

oann: rom 5 Uhr an durch GabenauSteilung in der Klein- "mdiM'ihule. In dem Gottesdienst trugen die kleinen Kinder ihr 200 geschart um den Altar einzeln und ge- meirHm ihre WeihnachtS-Lieder, Gedichte und Bibelworte or,i herzergreifend und herzerhebend. Pfarrer Dr. Nau-

f* i M i*ir<runbtw beigelegt.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlanbrL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

lauajinbe bemüht waren, auch den Aermsten eine Freude zu ccetfüm. Und in unserer eigenen Stadt haben Vereine und

Priw'üe gewetteifert, um allüberall Weihnachtsfreude zu verloniilem.

Die Christbescherung der hiesigen Kleinkinder-

Vl-ArlriExpedition und Druckerei: M*fHr«6c Nr. 7.

_ ,1SÜ feine Fäden, gewoben aus Erinnerung und Sehnsucht.

Der vorK« er gtfftnK Kinderweisen tauchten in der Erinnerung auf,

Der Vorstand teilt nachfolgend, dankbar quittierend, mit, welche Geldbeiträge für die Christbescherung gespendet wurden: durch Fräulein Amalie Bansa 60 Mk., Frau Dr. Brüel 43,70 Mk., Frau Amtsgerichtsrat Gebhardt 180,50 Mk., Frau Rechtsanwalt Grünewald 116 Mk., Frau Rechnungsrat Kalbfleisch 71,50 Mk., Frau Pfarrer Naumann 173,60 Mk.

Hierunter befinden sich 14,59 Mk. von der Gesellschaft Jäger-Vereinigung", und 15 Mk. von Herren Ge­brüder Adami als Erlös für gesammelte Cigarren-Ab- schnitte, wofür besonders gedankt wird, Frau Luise Ottens 28 Mk.. Fräulein Luise Wortmann 50 Mk., durch die Schwestern der Anstalt 97,50 Mk. Außerdem wurden durch die Lehrerinnen Fräulein Anna Singer und Elisabeth Weiß 128,32 Mk. gespendet, die ihnen von ihren Schülerinnen in der höheren und erweiterten Mädchen­schule übergeben worden waren; den genannten Lehrerinnen, sowie den Mädchen, die so treu und eifrig die Gaben zu- sammengctragen haben, und auch deren Eltern, sei ein be­sonders herzlicher Dank ausgesprochen. Möge die unserer Anstalt und deren Kindern von neuem reichlich bewiesene Liebe und Opferwilligkeit auch fernerhin, Gebern und Empfängern zu Freude und Segen, uns erhalten bleiben! Gießen, 24. Dezember 1900. Der Vorstand der Kleinkinder- Bewahranstalt: Dr. Naumann.

Der Verein Jugendfreund veranstaltete auch rn diesem Jahre eine Weihnachtsbescherung, und zwar die 27. Die Feier fand im Turnsaal der höheren

>a -.-tHatiö sie durch das Knistern und Blitzen des Weihnachts- >>au mi!S, durchglühte die Herzen und weckte sie zu neuer lieh«, jit neuem Schaffen und zu neuem Hoffen.

Main mag die weihnachtliche Geberlaune in unseren nodiMim Tagen für kindisch halten; es gehört mit zum ileiGachllSzauber, daß der Wunsch in uns erwacht, Liebe >u iübnumb Freude zu verbreiten, soweit eS in unserer Kraiff! ficht.

Gratisbeilagen: Gießener ZamilienblAter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.

Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2IG monatlich 75 Pfg. mit Bringcrloh«: durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,SE monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahrs mit Bestellgeld.

alte«! Silber wurden lebendig und endlich brach die Weih- U nachM herein.

fl In Mm Heim erstrahlte im Kerzeuglanz ein WeihnachtS- i ünn , Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und

J en r Mnsscheu ein Wohlgefallen."

Wo sie nicht in Worten ertönte, die uralte Melodie,

Mädchenschule statt. Sie wurde besonders weihevoll ge­staltet durch einige vom gemischten Chor der Bürger- gesellschaft schön vorgetragene Gesänge und die ein­drucksvolle Ansprache des Herrn Jaskowsky. Seine an die beschenkten Kinder (5 Mädchen und 14 Knaben) gerich­tete Mahnung, sich durch Fleiß, Gehorsam) Ehrerbietung gegenüber ihren Eltern und Lehrern für die bereitete Weih- nachtsfreude dankbar zu erweisen, hat hoffentlich dauernden Widerhall in den Herzen der Kinder gefunden. Dem Verein war es möglich, aus dem Erlös gesammelter Zigarren­abschnitte, Staniolkapseln, Zigarreubändern usw., sowie durch die Zuwendung von Geldspenden sämtliche 19 Kinder voll­ständig neu zu kleiden. Zu einer kleinen Nachfeier, die am ersten Weihnachtsfeiertag, vormittags 11 Uhr in dec RestaurationTransvaal" (Bourgeois) stattfand, wurden die Kinder ebenfalls eingeladen.

§ Butzbach, 26. Dezember. Die katholische Gemeinde dahier erhielt durch die Mildthätigkeit einiger Wohlthäter ein sehr hübsches und erbauliches Weihnachtsgeschenk, nämlich 14 Gemälde, welche den Kreuzweg Christi darstellen und seit gestern eine Zierde der nach gothischem Stil er­bauten Kapelle bilden. Heute erfolgte die Einweihung dieser sog. Stationsbilder, welche von Kunstmaler Rettinger in Aschaffenburg hergestellt wurden und einen Wert von über 400 Mk. repräsentieren. *

1. g. Grüuberg, 26. Dezember. Wie alljährlich, so fand auch diesmal wieder am 1. Feiertage im Saale der Klein­kinderschule eine Weihnachtsbescherung für die Zög­linge dieser von einer Schulschwester trefflich geleiteten Anstalt statt. Die Angehörigen der Kleinen, welche sich in stattlicher Anzahl eingefunden hatten, ergötzten sich an den hübschen Deklamationen und Gesängen der Kinder, welche mit fröhlichem Jubel den herrlich strahlenden Lichterbaum anstaunten und die für sie bestimmten Gaben in Empfang nahmen. Am heutigen 2. Weihnachtstage umstanden etwa 60 Kinder der Volksschule denselben Christbaum, unter welchem nun für sie der Weihnachtstisch gedeckt war. Nach dem Gesang eines WeihnachtSliedeS und kurzem Hinweis auf die Bedeutung des Christfestes erfolgte die Verteilung der Gaben, welche in Strümpfen, Hemden, Stoff zu Kleidern u. s. w. bestanden, und mit Dank entgegeugenommen wurden.

. Das Kaiserpaar mit den Prinzen Söhnen und Prinzessin Tochter kehrten im Laufe des Sonntagnachmittags nach dem Neuen Palais zurück. Gestern nachmittag um 3 Uhr wohnte der Kaiser der Weihnachtsbescherung bei der

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß«», Fernsprecher Nr. 51.

ewige Leben haben." Er wies dabei auch hin auf die Gottesschickung, daß in den letzten Wochen acht Kinder aus der Kinderschär durch den Tod hinweg genommen

Ld feinen Seiwahranstalt wurde am Sonntag gefeiert, zunächst um r Ilhr durch Gottesdienst in der Johanneskirche und

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worden seien, und er sprach Worte des Trostes für die heilygesuchten Eltern. Er hob weiter danksagend hervor, wie die Anstalt und ihre Kinder wiederum ein Jahr hin­durch, und insbesondere auch zur Weihnachtsbescherung, reichliche Liebe und Wohlthat erfahren habe aus allen Kreisen der Einwohnerschaft. I 1 - -

brachte die Bescherung jedem der 272 Anstaltskinder, auch den noch kranken, schöne Gaben erfreuender und nützlicher Art. Dem Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt ist es nun Herzenssache, seinen innigsten Dank Allen auszusprechen, die zur Beschaffung dieser Christbescherung für die vielen Kleinen beigetragen haben, hauptsächlich den zahlreichen Wohlthätern, die ihre Gaben an Geld, Bekleidungsgegen­ständen, Kleiderstoffen usw. spendeten und fleißige Hand­arbeit lieferten.

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blos was er malt: der ganze Kerl". Und mit Genug- thuung erzählt Kramer von einem Besuch, den ihm vor fünf Jahren Böcklin in seinem Atelier abgestattet habe wre er sich da vom Fenster aus die Pappeln betrachtet habe und sich gar nicht daran satt sehen konnte. Da­mals sollte er im Provinzial-Museum das Treppenhaus ausmalen aber am Ende hat's ein Professor gemacht. Nach Böcklin ist ferner der Sohn Arnold genannt. Und auch eine stoffliche Einzelheit erhärtet die Vermutung- wie in dem wirklichen Drama von Böcklin's Sohn ist es eine Kellnerin, die den jungen Menschen ins Ver­derben stürzt.

_ Freilich, der unerquickliche Stoff hätte erst in der Seele des Dichters einen Läuterungsprozeß durchmachen müssen, ehe er mit seinen abstoßenden Thatsachen bühnen­reif geworden wäre. Zum Glück schob sich da Gerhart Hauptmann eine andere Gestalt aus seinen Breslauer Lehrjahren vor : fern früh verstorbener Freund Hugo Ernst Schmidt, dessen Andenken die Buchausgabe des Dramas gewidmet ist. Hieraus erklärt sich, daß das ursprüngliche ^hema umgebogen wird und daß die Dichtung, je weiter sie vorschreitet, das Theatralische mehr und mehr abstreift, um zum Schluß rein lyrisch tn eine Trauermonodie auszuklingen

?as schwächste Bühnenwerk, das der Masfenbeherrscher derWeber" geschaffen, und Dichtung, ja die tiefste, die er uns S geschenkt hat. An diesem Zwiespalt muß das gehen- Die gewöhnlichsten Forderungen werden geradezu mit Füßen getreten, und man genug darüber, wundern, daß das Drama gerenkt wurde. Schließlich! braucht ja hpn* alles, was in Dialogform eingekleidet ist, s toeltbebeutcnben Bretter zu nehmen.

^bleM nur zu beklagen, daß ein vortrefflich exponiertes, zweiten Aktes zum Gipfel hinanstrebendes Drama den Hannen des Dichters plötzlich entgleitet. Reaeln^m^^ den Einbruch als sei er einem nach den Regeln der Technik gebauten Theaterstück geflissentlich aus-

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Md ilW Drsma von Gerhart Hauptmann.

*1 Den Zeitungen stand kürzlich eine sogenannte Vor- lotinK der zufolge es sich in dem Künstler-Drama ,M ii hi et Krame r" von Gerhart Hauptmann, das am -vreMjaibend zum ersten Male im Deutschen Theater ira Mlrn über die Bretter ging (Buch-Ausgabe bei S. ?We r), um einen Konflikt handle, wie ihn der Dichter hti i dkliicher Form bereits imKollegen Crampton" be- acbMl hat: um den unökonomischen Sinn des Künst- lersss, teir, ganz in seiner Sphäre wurzelnd, den prak- , isckM Bedürfnissen der Welt entfremdet ist; um einen genniedirt Künstler, der in seinem angeborenen Lei^ht- i in ist* ms auf einen grünen Zweig kommt. Tas wäre wiri-W eine dem Kollegen Crampton wahlverwandte -iratMl geworden. Gerhart Hauptmann liebt es nicht, ms!i Ikmiselben Stoff zweimal Kapital zu schlagen. Tie Ven .ündenartigkeit seiner Werke ist dafür der beste VeNuick Wenn er ein Werk vollendet hat, ist er dem BarMeiis dieses Stoffes entronnen. Und so entpuppt skcha jene Vornotiz als dreistes Geflunker.

'Neu vielleicht hat eine Zeitungsnotiz den Anstoß zuini .Michael Kramer" gegeben, wie ja auch Schiller -ausii tin:er solchen Notiz einer nicht ganz verbürgten Benr.kck.iig Gustav Freytag's zufolge den Stoff zuKa­bale!! iiiift Liebe" geschöpft hat. Vielleicht las Hauptmann voun bem auf .Abwege geratenen Sohn des großen Meirftck Arnold Böcklin, den unlängst seine zweifelhafte 'Gel-Hble^durch einen Revolverschuß verwundete und einer ^cil'inwiit überwiesen wurde. Der entartete Sohn mag

?j,hterseele stark beschäftigt haben. Allerhand An- oewm^ii scheinen auf diesen Ursprung Hinzudeuten:

daß der Züricher Meister die Phantasie des ^cyWstt.:; fcerVersunkener Glocke" nachhaltig beeinflußt hat-, re sine Verehrung für den Einzigen bezeugt er hier

1 ?ele ^urch die Worte, die er seinem Helden MrvWi Eramer in den Mund legt:Seh'n Sie sich' so em sWem mal an, wie so'n Mann arbeitet, so'n Böcklin. 1X1 "l«' auch was, da kommt auch was zu stände. Nicht

gewichen. Dafür hat er in seine philosophische Dichtung allerlei Selbstbekenntnissehineingeheimnist". So glauben wir den Einsiedler von Schreiberhau, den weltenfernen Poeten zu vernehmen, wenn sein Michael Kramer bekennt: Das Eigne, das Echte, Tiefe und Kräftige,-das wird nur m Einsiedeleien geboren. Der Künstler ist immer der wahre Einsiedler". Oder wenn der seit vielen Jahren nut einem Bilde des Heilands beschäftigte Maler ausruft:Hörn Se, wenn einer die Frechheit hat, den Maim mit der Dornenkrone zu malen hörn Se, da braucht er em Leben dazu. Hör'n Se, fein Leben in Saus uno Braus: Einsame Stunden, einsame Tage, einsame Jahre, seh'n Se mal an. Hör'n Se, da muß er mit sich aUem fein, mit seinem Leiden und seinem Gott. Da muß er sich täglich heiligen! Nichts Gemeines darf an ihm und in ihm fern . . .", glauben wir nicht aus diesen praeht- einem heiligen Grimm erfüllten Worten das Geständnis des Dichters herauszuhören, der seit langen ">l^en chit einem Christus-Drama ringt, das dereinst Schlußstein und Krone feiner Werke werden soll?

, $er ganze letzte Akt ist ein langer, philosophisch-lyri- wehmütiger Nachruf. Tie Handlung ist versandet; der Dialog tn^ den Monolog, der nur gelegentlich durch tur8e Zwischenbemerkungen unterbrochen wird, sanft über- gegangen. Und es erklingen weisheitsvolle Worte über 7*e ^"ttigende Macht des Todes:Die Liebe, sagt man, ist stark Une der Tod. Aber kehren Se getrost den Satz wal um: Der Tod ist auch mild wie die Liebe." So spricht ein Vater am Sarge seines Sohnes, nachdem er anfänglich gehöhnt und gewütet hat, in wilder Resignation.

M eine Analyse des Inhalts sei verzichtet. Der Inhalt ist bei diesem Drama kaum mehr als der Rahmen an einem Bilde. Nur zlvei Figuren sind ausgearbeitet: Vater und Sohn; der Vater die Hülse, der Sohn der Kern; der Vater das pflichtenstarke, thatenkräftige Talent, der Sohn das verlotterte, entartete Genie; der Vater ein Adels­mensch, mit einer rauhen Schale, der Sohn ein von der I Natur äußerst vernachlässigter Lüderian. Mit solcher Liebe I und solchem plastischen Können hat Gerhart Hauptmann

sen, Zangen in Gel& j Mel-, Eta-, | icrnickel,

VntUr, Tbee, Tamüe? Man lieft und hört viel vom Elend der Großstadt, es

köre, Punwa-fsseniZi ft hrrzri-quickend in diesen Wochen zu beobachten, wie

hchtktz»en Anzeigen zu bet nachmittags für be* zGÄin Lsg erfcheinmden Nummer bis norm. 10 Utzt.

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e j . ionoji prebigte über baä Wort:Also hat Gott die Welt

f ifluWlulOBl düß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, | ie ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das

It.atee.

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Weihnachtsfeier.

Trotz des völlig unweihnachtlichen Wetters, trotz der lasMdeS täglichen Lebens, trotz der wilden Jagd nach dem Zii iake, ging, wie stets zur Weihnachtszeit, auch diesmal ein UimMil i nd Jubeln durch die Lüfte, das nichts gemein . Lidttte mit dem Blltagstreiben. Ob wir im Gewoge der

i t ^ruWad! von der Menge umtost waren, ob am kleineren 11 uIi/h/iPh|QiÖI( derdZeruf uns bis zur letzten Minute straff angespannt "Ill/lUUlllOluK konnten uns nicht deS Zaubers erwehren, der uns .. i allen Seiten umgab. Aus den geputzten Schaufenstern,

"'W! itt ifiro >en verlangenden, erwartungsvollen Augen der Kinder, Zutritt ms n bin Vorbereitungen im eigenen Haufe spann er um