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28.11.1900 Erstes Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

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Fernsprecher Nr. 51.

Erstes Matt

Mittwoch den 28 November ISO. Jahrgang iWOO

te Gothaer, $en in Getto, MW-, MMM, kei, Fhee, Vanille, Punsch-Essenzen, hd weine senheim, goldene HedMÜe. Conserven, e n und feinen Quill

Telegramme deS Gießener Anzeiger-.

London, 27. November.Morning Post" berichtet aus Paris, daß von den Vertretern der Mächte die Zirkular note Delc asses an g en o mm en wurde. Außerdem wurden noch zwei Punkte angenommen betreffend Errichtung eines Denkmals für Ketteler und die Entschädigungsfrage. Diese letztere Klausel sei seitens Englands und Italiens vorgeschlagen worden.

Washington, 27. November. Wie man sich nt politischen Kreisen erzählt, besteht zwischen dem Präsi­denten Mac Kinley und dem Gesandten Conger eine ernste Meinungsverschiedenheit. Es ist leicht möglich, daß Conger demnächst von seinem Posten abberufen werden wird. Auf alle Fälle wird Conger dem­nächst für einige Zeit nach Washington komm'en, um mit Hay über die China-Frage zu beraten. _ (Bekanntlich ist Conger für die Ergreifting strenger Maßregeln, während die amerikanische Regierung eine versöhnliche Haltung beobachtet. D. Red.)

Peking, 27. November. Wie verlautet, haben die Gesandten die von China zu verlangende Entschädig­ung auf 1350 Millionen Francs festgesetzt. Dieser Betrag soll von den europäischen Mächten vorgestreckt werden, die dafür die Finanzkontrolle in China über­nehmen. _ ,.

Peking, 27. November. Bei dem Kampf um die P e i t a n g - F o r t s ist auch deutsche Artillerie in ganz hervorragender Weise thätig gewesen. Es war die erste schwere Feldhaubitzen-Batterie unter dem Kommando des Hauptmanns K r e m k o w. Diese vor nicht allzulanger Zeit nach der Art der Feldartillerie organisierte Fuß- Artillerie hat bei diesem Kampfe ihre Feuertaufe erhalten und den Sturm-Kolonnen der Verbündeten dadurch den Weg gebahnt, daß sie in kürzester Zeit die Geschütze der Forts zum Schweigen brachte.

Shanghai, 27. November. Was über die Unter­redung zwischen Dr. Knappe und Liukunyi bekannt geworden ist, hat hier weder unter den Europäern noch unter den Chinesen einen guten Eindruck gemacht. Es herrscht Unzufriedenheit. Niemand tadelt Knappe und selbst englische Offiziere geben zu, daß England die gefährliche Lage im Y a n g t s e - T h a l e ver­schärft. Der Rückzug der Waldersee'schen Truppen in die Winterquartiere verbessert die Lage nicht, auch nicht die augenscheinliche Bereitwillig­keit des deutschen Kaisers, die mit Kwangsü unterzeichneten Telegramme in Erwägung zu ziehen. Auf dem hiesigen i Telegraphenamte sollen Durchstecher eien ent­deckt worden sein, weshalb der Taotai Scheng angewiesen wurde, Suchow zum Zentrum für alle Depeschen zu machen.

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Mehmer Anzeiger

Heneral-AnZeiger

Deutsches Mch- _

Berlin, 26. November. Der Kaiser begab sich, begleitet von Prinz Heinrich, heute vormittag in Kiel unter dem Salut der Flotte an Bord des Kaiser Wil­helm II. zum Bahnhofe und reiste um 10 Uhr ab, traf um 4.25 Uhr aus Station Wildpark ein und nahm auf der Fahrt den Vortrag Bülows entgegen.

ob es thatsächlich eine ganz besondere China-Politik ver­folge. Hoffen wir, daß die,es nicht der Fall ist und uns schon die nächste Zeit von dem Gegenteil überzeugen möge.

Das Yorksche Korps hat, ohne erhMichssN Wider­stand zu finden, am 18. November glücklich^ algan er­reicht und besetzt. 3000 reguläre chinesische Truppen und Boxer sind in der Richtung auf die Provinz Schansi geflohen. Ein Bataillon regulärer chinesischer Truppen wurde in Kalgan entwaffnet- Die nach Quhsitschwang detachierte deutsche Truppenabteilung ist nach Zerstörung der Stadt ohne Verluste von dort zurückgekehrt. Die Witterung beginnt bereits e m p f i n d l i ch k a l t zu wer­den. Ein Brief des Kaisers an den Vizekönig Li-Hung- Tschang ist abgefangen worden. Es verlautet jedoch nichts über den Inhalt desselben.

Ohm Krüger.

Paris, 26. November.

Präsident Krüger fuhr heute in Begleitung von Dr. Leyds und einigen Herren seines Gefolges nach dem Ausstellungsplatz. Dort besichtigte er den Eiffel­turm und begab sich darauf in den Transvaal-Pavillon, wo er von Transvaalern, die sich gegenwärtig hier auf­halten empfangen wurde. Nach seiner Rückkehr empfing ftrüqer im Hotel Scribe eine aus hervorragenden Per­sönlichkeiten bestehende Abordnung der litterarr- schen politischen und wissenschaftlichen Welt, darunter Prof. Monod, Senator Trarieu^, Ana- tole France Prof. Havet und Frederic Passy. Monod hielt eine Ansprache, in der er sagte, daß er und seine Freunde um so größere Sympathien für das Burenvolk em­pfinden, als sie selbst Ungerechtigkeiten erduldet und für das Recht gekämpft hätten. Krüger erwiderte, daß er über diesen Sympathiebeweis besonders glücklich sei, da er von Männern komme, die sich zur Verteidigung des Rechts und der Freiheit zusammengethan hätten.

Die Pariser Studenten werden eine Deputation an Krüger zur Ueberrreichung eines Blumenbouquettes entsenden und werden die Deputation bis zum Hotel des Scribe begleiten. Krüger empfing heute auch Rochefort,

WM

Amtlicher Heil. I

Bekanntmachung.

Mittwoch den 28. d. Mts., vormittags 11 Uhr, wird I auf unserer Wachstube, Weidengasse Nr. 5, eine zugelaufene I Foxl errier-Hündin öffentlich und meistbietend versteigert! Hetzen.

Gießen, den 27. November 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

___________Hechler. I

Der Krieg in China.

Die China-Debatten im Plenum des deutschen Reichs- I tages sind beendet, und auch die Budgetkommission, die I diese Debatten sortzusetzen berufen ist, hat sich bis zum I 4. Tumber vertagt. Man kann deshalb wieder in Ruhe I den Verhandlungen der diplomatischen Vertreter in I Psk in g folgen. Am letzten Samstag haben sich wider I stwarten die Gesandten über die vorbehaltenen I fünfte der China vorzuschlagenden Friedens-Prä- I »mimarien geeinigt. Sie haben sich mit der Frage I der Künftigen Grenze des Gebietes der Gesandtschaften in I Peking besaßt und beschlossen, einen eine Meile langen I Üerrainstreisen zwischen den Mauern der tartarischeu und I den Mauern der kaiserlichen Stadt zu verlangen. Die I Kesamdteu haben sodann über den Wortlaut der an China I zu 1 ichtenden Note beraten. Der preuß. Gesandte v. Giers 1 bch«rrte auf seiner Weigerung, sich mit der als Garantie I zu verlangenden Entschädigung einverstanden zu erklären. I Die Vertreter Englands und Dcutschlan*frs lehnten I t? ihrerseits ab. sich Rußland anzuschließen, I icbor sie Instruktionen von ihren Regierungen erhalten I hatten. Schließlich gelangte ein Kompromiß-'Vor-I schlag zur Annahme. Die Gesandten haben ihren Re- I zicrungen eine Abschrift der Noto zugesandt und zugleich I bic chinesischen Kommissäre von der erzielten Verstau- I big un g in Betreff des zukünftigen Gebietes der Ge- I attvtschaften benachrichtigt. Der Beschluß bezüglich dieses tzebretes ist vorbehaltlich des Einverständnisses der Mi­litärischen Befehlshaber gefaßt worden. Letztere haben zu entscheiden, ob das gewählte Terrain leick)t verteidigt Moden Fann. Andernfalls wird diese Forderung rno- Liiiziert werden. , c

Die augenblickliche diplomatische und Militärische Loge in China ist also durchaus nicht ungünstig. Das Ergebnis der Verhandlungen soll zunächst der Genehmig- mg der Mächte unterbreitet werden, bevor es in Gestalt «iuer gemeinsamen Note, die" den Charakter ,bei" Un- »uderru flichkeit haben muß, der chinesischen Re- girrung zur Annahme vorgelegt wird. Deutschland |at sich bis auf weiteres durch das Abkommen über Li? an China zu richtendeunwiderrufliche Entscheidung" str gebunden erachtet.

Seine besonderen Wünsche hat Amerika in der | bereits von uns erwähnten Note geäußert. Diese Note Gehandelt hauptsächlich die Frage der von China zu ver­langenden Entschädigung. In der Note ist gesagt, daß, Nun die Mächte diese beiden Fragen nicht in einer Weise lösen, daß China auf die gestellten Forderungen «in gehen kann, die Verhandlungen ergebnislos bleiben Mr den und die Lage sich noch weiter verwickeln üiirb. Die Note schlägt den Mächten einen Meinungs­austausch vor, um sich über die Entschädigung zu ver- siindigen, welche npcht so hoch bemessen werden darf, baß sie die Mittel Chinas übersteigt.

DerNew-York Heralb" veröffentlicht ein Interview ücs deutschen Botschafters von Holleben. Der Botschafter soll erklärt haben, daß Deutschland ebenso sehr wie ite Vereinigten Staaten gegen eine Zer- stü ckelung Chinas ist und den von Amerika ge­machten Anstrengungen, um den Status quo wieder her- Psbellen, das Prinzip der Gleichheit aller Nationen in fictreff der Handelsprivilegien aufrecht zu erhalten, sym- itotlüsch gegenüberstehe.

Eine weniger erfreuliche Nachricht kommt aus Llianghai, in der gesagt wird, daß die kürzlich in Umlauf wefenen Meldungen, wonach Rußland sich jetzt feigere, die chinesische Nordbahn auszu­liefern, sich zu bestätigen scheinen. Wenn man be- liL ichtiat, daß England in dieser Fra§e unmöglich nach-- fcuaiz ohne dem britischen Prestige einen schweren Cc^Iag zu versetzen, muß man bw derartiges Verhalten Nußlands - falls die Nachricht sich at§ wahr erweisen svllle lebhaft bedauern. Wenn auch em blonderes l!iii.oernehmen zwischen Rußland und China nicht an^u- nehmen ist. so hat Rußland doch schon durch die Zunick- ziehpng der Truppen aus Petschili die besondere Aich- mmksamkeit auf sich gelenkt. Sollte es sich jetzt thatjach- lich« weigern, die chinesische Nordbcchn auszuliefern, jo toirrb es dadurch kaum den schein vermeiden können, als

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Str. 279

^scheint täglich nt AuSmahllit txS

Montag».

Die «irßkner ,e*trte»er6tter wiUn dem Anzeiger -Mchstl mitHess. liRlmtrl* x. ^Blätter ßk h<ss. Volkskunde- Wtchtl. 4»rnl beigelegt.

der ihm den Ehr en de gen überreichte, der durch öffent­liche Subskription dem General Cron je zum Geschenk gemacht wird. Gegen 4 Uhr begab er sich nach dem Elysee, wo eine Unterredung zwischen Loubet, Wal­deck-Rousseau, Delcasse und Krüger stattfind, worm Kruger anscheinend um Vermittelung in dem Konflikt nut England ersucht.

Das BlattJntransigeant" fordert den Pariser Ge- meinderat auf, den Namen einer der großen Verkehrs­straßen von Paris inK r ü g e r - S t r a ß e" umzuwandeln.

Was die mehrerwähnten geheimen Dokumente, die Krüger mit sich führt, anbetrifft, so sind dieselben für Chamberlain, hen Prinzen von Wales und mehrere Mitglieder des-königlichen Hauses sowie hervorragende Diplomaten sehr kompromit­tierend. Die Dokumente sollen sieben wichtige Punkte, die sehr umfangreich sind, enthalten. . . ...

Mehrere Brüsseler Blätter berichten, daß die belgische Regierung aus Furcht vor anti-englischen Kundgebungen den Aufenthalt des Präsidenten Kruger in Belgien verhindern will. Ein Mitglied der Linken wird die Regierung in der Kammer über diese Haltung interpellieren. *

Telegramm deS Gießener Anzeigers.

Paris, 27. November. Man versichert, Delcassv werde in Beantwortung der von nationalisttschen Deputierten an ihn zu richtenden Frage, ob er gewillt fei, das Ver­langen Krügers nach Einberufung eines Schieds­gerichts zu unterstützen, einen ablehnenden Bescheid geben. ___

Polnische Tagessckmr.

DieDeutsche Export-Zeitung" schreibt unter der UeberschriftZar Nikolaus ein Opfer chinesi­scher Diplomatie" folgendes:Wie wir aus vor­züglichster Quelle erfahren, hat die eigentümliche Er­krankung des Zaren in den Kreisen der Petersburger aristokratie, speziell aber auch unter den Diplomaten ge- [ radezu eine Art Panik erzeugt. Es dürfte noch in her Erinnerung sein, daß bei dem plötzlichen und geradezu unerklärlichen Tode des Grasen Murawiew nicht nur in Petersburg sondern auch in Paris mancherlei gemunkelt worden ist. Gras Murawiew hat ganz kurze Zeit vor seinem Ableben, wie damals von verschiedenen Seiten her- vorgehoben wurde, mit einem chinesisckjen Diplomaten ge­speist, und da man in Rußland vielleicht nicht mit Unrecht geneigt ist, diesen gelben Herrn nicht weniger als alles zuzutrauen, so hat Der erschreckend plötzliche Todesfall zu sehr unliebenswürdigen Bemerkungen Veranlassung ge- \ geben. Dieser Tage nun machte ein Herr der Peters­burger Hofgesellschaft in nicht zu verkennender Anzuglich- I feit darauf aufmerksam, daß es doch ganz eigentümlich I sei, wie 'der Zar in seinem glänzenden Lustschloß in Li- I vadia, wo bis ins peinlichste alle sanitären Prohibitiv- I maßregeln kontrolliert werden, an einem Leiden erkranken I könne, das im großen und ganzen eigentlich den niederen I Volksklassen Vorbehalten ist und fast immer auf den Ge- I brauch verunreinigten und bakterienreichen Wassers zurück- gesührt wird. Ist solches Wasser thatsächlich in Lwadia I vorhanden, so müsse es im höchsten Grade Wunder nehmen, I baß nicht auch aus ber nächsten Umgebung, vor allem aber I aus ber zahlreichen Dienerschaft bes Kaisers Erkrankungen I an bem typhösen Leiben DorgehWmen sinb. Solche Er- I Häufungen sinb aber thatsächlich nicht konstatiert worben I nnb auch von einer Ansteckung ber allernächsten Umgebung I bes Monarchen wissen bestinformierte Petersburger Kreise I nichts zu melben. Mit welchen Berechtigungen man aus I biesen einfachen Thcitsachssn bei ber Erkrankung des Zaren I auf ähnliche Vorgänge schließt, wie sie bei dem Tode I des Grafen Murawiew fast öffentlich besprochen wurden, I entzieht sich unserer Beurteilung. Thatsache ist, daß der- I artige Handlungen, wie man sie den chinesischen Diplo- I maten damals vorgeworfen hat, nach allem, was die letzte I Zeit uns über chinesische Politik gelehrt hat, keineswegs I in den Bereich des Undenkbaren gehören und, wie wir I weiter erfahren, beschäftigt man sich in der Umgebung I des Zaren thatsächlich momentan mit Recherchen, welchen I die Möglichkeit eines chinesischen Einflusses auf die Um- I gebung des Zaren zu Grunde liegt." W^r geben diese Auslegung der Erkrankun g Nikolaus

I des Zweiten selbstverständlich mit allem I Vorbehalt wieder..