Nachlese.
Es ist plötzlich recht lebhaft geworden auf dem Schauplatz des politischen Lebens. Ein Kanzler ist verschwunden, ein anderer hat seine Stelle eingenommen, der Reichstag ist einberufen worden und mit lebhafter Ueberraschung hat die Welt die Kunde vernommen, daß zwischen Deutschland und England ein besonderer Vertrag geschlossen worden sei, dessen Inhalt recht stark an die sauren Trauben erinnert, die man selbst nicht erreichen kann, und die
Nachdem er durch jUnterstützung des Königs und vieler Landsleute die für diese Reise notwendige Summe, 30000 Kronen, zusammengebracht hatte, brach Dr. Sven Hedin im Herbst 1893 von Schweden auf, um erst am 10. Mai 1897 wieder nach! Stockholm zurückzukehren. Während dieser dreieinhalbjährigen Reise hat er zweimal Asien, von West nach Ost und zurück von Ost nach West, durchquert. Der Verlauf der Reise, welche durch ihre Erfolge, aber auch durch die überstandenen Gefahren und Strapazen den großartigsten Leistungen in der Entdeckungsgeschichte sich würdig anreiht, ist durch die glänzende Darstellung in seinem Reisewerke „Durch Asiens Wüsten" bereits Gemeingut geworden. Es genügt daher, hier nur an die Hauptpunkte zu erinnern: Pamir, Ersteigung des Mustag-ata, Wüste Takla-makan, Lop-nor, Altyn-tag und Kwen-lun, Durchwanderung des nördlichen Tibet, Kuku-nor. Längere Zeit beanspruchte die Ausarbeitung der wissenschaftlichen Ausbeute, der physisch-geographischen Beobachtungen, der Ortsbestlmmungen, Höhenmessungen, Untersuchungen der botanischen und geologischen Sammlungen, wie auch namentlich der kartographischen Aufnahmen. Nach fast zweijähriger Arbeit liegt nunmehr auch dieses Werk vollendet vor: Die geographisch^wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reise in Zentralasien. Von Dr. Sven Hedin, 1894 bis 1897. Um den Abschluß, der Arbeit nicht zu sehr zu verzögern, mußten die wichtigen Ergebnisse der Beobachtungen im Pamir, die Dr. Sven Hedin später wieder aufzunehmen und zu vervollständigen beabsichtigt, noch zurückgestellt werden. Und wahrlich, der verbleibende Teil enthält des Wissenswerten zur Genüge, umfaßt er doch eine Strecke neuaufgenommener Routen von 10 000 .Kilometer, d. h. von einem Viertel des Erdumfanges. Seiner Reiseroute folgend, schildert Dr. Sven Hedin selbst die wichtigsten Beobachtungen über Land und Leute, Klima, Bodenbildung, Bewässerung, Ackerbau, Einfluß des Windes, Wüsten- und Dünenbildung, hydrographische Verhältnisse und deren Wechsel nach den Jahreszeiten. Besondere
Gießen, 25. Oktober 1900.
Betreffend: Viehzählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1900.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen
<ü feit Geofeh. Bürgermeistereien fees Kreises.
Nach Beschluß des Bundesrats vom 17. März l. I. soll am 1. Dezember 1900 in allen Staaten des Deutschen Reiches eine Viehzählung vorgenommen werden. Die Ermittelung der am 1. Dezember 1900 vorhandenen Viehbestände hat mittelst Hauslisten zu geschehen. Für die Ausführung der Aufnahme i)i ein neues Zählungsformular, welches nach einer Verfügung Großh. Ministeriums des Innern an die Stelle ^es den Bestimmungen vom 23. September 1892 angefügten Aufnahmeformulars zu treten hat, maßgebend. Im übrigen haben die genannten Bestimmungen und Anweisungen für die Ausführung der Viehzählung im Großherzogtum Hessen auch bei der bevorstehenden Viehzählung sinngemäße Anwendung zu finden.
Tie Zählungsformularien werden Ihnen demnächst mitgeteilt werden. Für jede Gemeinde mit Einschluß der ihr etwa zugewiesenen Wohnplätze ist eine, mindestens aus drei Personen bestehende Zählungs-Kommission einzusetzen.
Tie Zählungs-Kommission hat die Zählbezirke in der Art festzustellen, daß dieselben in der Regel nicht mehr als 50 Häuser umfassen. In Städten, wo die Viehhaltung nur vereinzelt vorkommt, können größere Zählbezirke gebildet werden. Zur Austeilung und Wiedereinsammlung der Zählungslisten ist von der' Zählungs-Kommission für jeden Zählbezirk ein Zähler zu bestimmen. Zu V o r s i tz e n- d e n der Zählungs-Kommission ernennen wir die Großh. Bürgermeister, im Fall ihrer Verhinderung die Großh. Beigeordneten.
Wir verweisen Sie auf unsere Bekanntmachung vom 14. Mvember 1893 (Gießener Anzeiger Nr. 272).
Für die nach § 4 zu bildende Zählungs-Kommission find uns alsbald und späte st ensbiszum 5. November mindestens drei Personen aus Ihrer Gemeinde zu bezeichnen. Hierbei ist jedoch nach Möglichkeit zu vermeiden, daß dieselben zugleich Mitglieder der Zählungs- Kommission für die Volkszählung sind.
Den hiernach gebildeten Kommissionen, deren Zusammensetzung nach Eingang Ihrer Vorschläge von uns veröffentlicht werden wird, liegt die Bildung der Zählbezirke und die Berufung der freiwilligen Zähler ob.
Den Kommissionsmitgliedern ist es gestattet, die Funktionen eines Zählers selbst zu übernehmen.
Kleinere Gemeinden bilden zweckmäßig nur einen Zählbezirk.
Das Formular für Haus-Kontroll- und Gemeindelisten wird Ihnen ebenfalls in Kürze zugehen.
I. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachima.
In der Zeit vom 20. Oktober bis 27. Oktober l. I. sind in hiesiger Stadt
a) gesunden worden:
1 goldener Ring, 3PortemonnaieS mit Inhalt und 1 Pferdeteppich.
b) verloren worden:
2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Sparkassenbuch und 1 Schachtel mit Vorhängen.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Rechte alsbald hier geltend zu machen.
Gießen, den 27. Oktober 1900.
Grvßherzoglichsss Polizeiamt Gießen.
Hechler.
inan auch! einem Dritten nicht gönnt. In alt dem Lärm tönen die Fanfaren, die gegen Herrn von Miquel geblasen werden. Die erste und für unsere politische Zukunft wichtigste Frage liegt aber in der Persönlichkeit des Grafen Bülow. Wird er sich daran genügen lassen, sein Amt im Sinne des Eaprivismus aufzufassen, dessen Träger ihren höchsten Ehrgeiz darein setzten, auf Kommando einzuschwenken wie die Feldwebel? Oder wird er nach dem Lorbeer seines Vorgängers streben, dem bei seinem Scheiden selbst die eifrigsten Freunde nicht anderes nachzurühmen wußten, als daß er der stürmischen Initiative des Kaisers gegenüber gar oft und nicht immer ohne Erfolg die Reichsbremse nnzog? Es wäre dem Reiche weder mit dem einen noch mit dem anderen gedient. Die Zukunft muß, wenn anders sie sich gedeihlich g-estalterk soll, den Reichskanzler nicht nur als den formellen Vertreter, sondern auch als den wirklichen Träger der Verantwortlichkeit erweisen, er darf nicht in der Rolle des Dulders auftreten, der, mit orientalischem Fatalismus trägt, was zu ändern er sich zu schwach fühlt, sondern er muß ein selbständiger Charakter sein, der auch seinem Kaiser gegenüber durchzusetzen versteht, was er für notwendig und recht erkannt hat. Bisher hat die Thätigkeit des Grafen Bülow einen zwingenden Beweis für seine Charakterstärke noch! nicht ergeben, vor allem konnte das Gerücht, daß er ein Gegner der letzten Kaiserfahrt nach England war, und trotzdem sich ihr anschloß, niemals widerlegt werden. Aber zuweilen bringt ein neues Amt auch neue Kraft, und vielleicht hält der Kanzler, was der Staatssekretär zu versprechen sich noch nicht getraut hat.
Jedenfalls kann es nur sympathisch berühren, daß er bei der Uebernahme des Kanzlerpostens nicht die Bedingung gestellt hat, daß ein größerer Wechsel in den einzelnen Ressorts eintrat. Ob formaliter das Gesamtministerium dem Monarchen seine Portefeuilles zur Verfügung gestellt hat, ist schließlich gleichgiltig. Die einen behaupten es, die anderen leugnen es ab. Wir sind seit der preußischen Konfliktszeit nicht mehr daran gewöhnt, daß der Rücktritt des einzelnen, selbst wenn es sich um entscheidende Fragen handelt, auch die Demission des gesamten Kabinetts zur Folge hat. Selbst die Entlassung des Fürsten Bismarck, die doch selbst für den Laien als die Ankündigung eines durchgreifenden Systemwechsels gelten mußte, berührte seine Kollegen nicht. Nur die Herren Scholz und Lucius boten damals ihre Entlassung an, und mit ihnen der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte, Graf Berchem, und sie sind denn auch nur noch durch kurze Zeit auf ihrem Posten geblieben. Die äußerste Konsequenz zog nur Gras Herbert Bismarck, der nicht nur auf das tiefste erregt war durch die Details, die jenen denkwürdigen Akt begleiteten, sondern auch überzeugt war, als ernsthafte politische Persönlichkeit sich nur dann durchsetzen zu können, wenn er sich von denen, die trotz des Systemwechsels „klebten", rechtzeitig trennte. Jetzt, wo Graf Bülow den Fürsten Hohenlohe ersetzt, ist eine grundsätzliche Aenderung im politischen Leben'nicht zu erwarten. Daran werden alle Versuche, ihn gegen die wirtschaftlichen Anschauungen des Grafen Posadowsky und des Herrn von Miquel mobil zu machen, nichts ändern. Denn mag auch Herr von Bülow, beeinflußt durch diplomatische Erwägungen und als Spezial-Vertreter des Auswärtigen Amtes, in den wirtschaftlichen Differenzen mit England und mit Amerika ein übergroßes Entgegenkommen gezeigt und eine Nachgiebigkeit bewiesen haben, die man nicht überall mit Freuden begrüßt hat, so wächst doch der Mensch mit seinen größeren Zwecken, und ein Kanzler, der die Gesamtpolitik zu vertreten, der das gesamte Räderwerk zu regeln hat, muß höher stehen, als auf der Zinne des Ressorts.
Nun ist Herr von Richthofen sein Nachfolger in dem Staatssekretariat des Auswärtigen geworden. Mit besonderem Jubel können wir diese Wahl nicht begrüßen; denn mag auch Graf Bülow die eigentliche Leitung des Amtes behalten, mag auch die Stellung des neuen Mannes sich nicht annähernd mit jener vergleichen, die er selbst unter dem Fürsten Hohenlohe einnahm, mag auch wenigstens auf diesem Gebiete die alte Tradition wieder ausleben, nach der der Staatssekretär nur eine Art von Adlatus des allein verantwortlichen Kanzlers
sein soll, so gilt doch Herr von Richthofen nicht ohne o'Ug als erfrrgfter Vertreter einer auf England sich stützen- er selbst einer der wärmsten Bewunderer englischen Wesens und englischer Einrichtungen ist. Befürchtungen in diesen Richtungen wurden schon laut, als ^s^r^Men heimberufen wurde, um an die Spitze hu treten, und man dürfte vielleicht ^uck)erb^Schwächlichkeiten, die von unseren Vertretern gerade im Verkehr mit Engländern bewiesen spezielles Konto schreiben. Augenblicklich freilich ist ;a seme Zeit gekommen: Wir segeln wieder einmal mit voller Kraft in dem Fahrwasser einer Politik, bre sicher nicht als eme Politik der Abneigung gegen ^on la Nicht einmal als eine Politik der Zurückhaltung bezeichnet werden kann. Folgen wir allerdings den Arau- mentationen der Offiziösen, so ist mit dem jüngsten Vertrage imeder einmal zur Abwechslung eine .„neue, glänzende Aera" eröffnet worden. Solche Eröffnungen haben nun emmal m dem letzten Jahrzehnt so oft stattgefunden, daß man nicht mehr recht an ihre Realität glaubt. Und der neue Vertrag mit England stößt keineswegs auf allseitigen Beifall. Je mehr man sich in seinen Geist ber* tieft, um so mehr Einwendungen werden erhoben, um so deutlicher wird es, daß er, wenn er nicht nur das Selbstverständliche ausdrücken soll, eine scharfe Spitze gegen die russische Politik enthält. So urteilt ein konservatives Blatt übereinstimmend mit uns: „Nach den bisherigen Beziehungen zu Rußland hätte man freilich erwartet und gewünscht, daß Deutschland und Rußland eine derartige Vereinbarung abgeschlossen hätten, zumal England in Deutschland so wenig Sympathie uiid Vertrauen genießt, daß man froh war, als die deutsche Regierung wieder in einem besseren Verhältnis zu Rußland zu stehen schien. Allein offenbar ist die Situation eme solche daß Deutschland von Rußland eine solche Vereinbarung nicht erreichen konnte, sonst hätte es jedenfalls Rußlands Zustimmung schon vor der Veröffentlichung erworben". In der That hätte ein deutsch-russischer Vertrag in Deutschland größere Sympathieen gewonnen, als der Vertrag mit England. Schreiben doch die „Hamb. Nachr." in tiefer Besorgnis:
„Wir betrachten den Abschluß dieses Vertrages, abgesehen von seinem praktischen Inhalt, als ein Ereignis, das einer Einschwenkung der deutschen Politik auf die englische Linie ähnlich sieht, und damit alle Befürchtungen wachruft, die der verewigte Großmeister aller deutschen Staatskunst, Fürst Bismarck, von einer derartigen Stellungnahme Deutschlands hegte. Ob durch die Mitteilung des Vertrages und der Einladung, an ihm Teil zu nehmen, irgend etwas an bestehenden russischen oder sonstigen Plänen geändert wird, erscheint höchst zweifelhaft. Was nicht zweifelhaft ist, scheint nur zu fein, daß Rußland in dem Abschluß des Vertrages eine Stellungnahme Deutschlands an der Seite Englands erblicken wird, die durch seine, Deutschlands, Interessen nicht offensichtlich gerechtfertigt wird, und deshalb als russen- feindliche Handlung aufgefaßt werden kann. Was ist un$ China? Wir haben dort nur Handelsinteressen wahrzunehmen. Auf diesem Gebiete aber sind die Engländer
unsere größten Konkurrenten. Alle Lehren der Geschichte, bie dringend gegen die Ratsamkeit irgendwelcher Abmachungen mit England sprechen, sprechen auch. gegen diesen Vertrag. Noch bedenklicher aber stimmt die Abmachung, wonach Deutschland und England förmlich den Besitzstand des chinesischen Reiches garantieren zu wollen scheinen. Was geht uns der Besitzstand Chinas an? Welche deutschen Interessen nötigen dazu, Chinas wegen die Gefahren eines Konfliktes mit anderen Mächten zu taufen, wovon wir nur Schaden, England, wie immer, nur Vorteil haben würde? Was wir durch solche Abmachungen aufs Spiel setzen, wissen wir nur zu genau: in letzter Konsequenz können wir die Rechnung für solche Verträge an der elsässischen und der Weichselgrenze präsentiert erhalten".
Die wichtigste Frage der Gegenwart lautet: „Wie wird Rußland den neuen Vertrag aufnehmen?" . Gewiß wird die offizielle Antwort die übliche .Höflichkeit nicht vermissen lassen; aber wie wird die nichtoffizielle Stimmung sich gestalten?
Aufmerksamkeit widmet er der Lösung der Lop-nor-Frage. Nachdem Prschewalski als erster Europäer 1877 den zentralasiatischen See erreicht hatte, erhob Prof. v. Richthofen auf Grund der Angaben von Marco Polo und der chinesischen Geschichtsschreiber Bedenken, ob Prschewalski wirklich den richtigen Lop-nor gesunden habe, da derselbe nach diesen Quellen um etwa 1 Grad weiter nördlich liegen mußte. Obwohl seit dieser Zeit zahlreiche Reisende, Russen, Engländer und Franzosen, den See besucht hatten, war die Lösung der Streitfrage keinen Schritt weiter gekommen, da die Russen nur die Beobachtung von Prschewalski bestätigten, während die Engländer und Franzosen denselben gar keine Beachtung schenkten, vermutlich weil sie ihre Bedeutung nicht kannten. Erst Dr. Sven Hedin, der sich über die in Frage kommenden Punkte vorher gründlich unterrichtet hatte, ist es gelungen, die Frage zu lösen durch den überraschenden Nachweis von der Veränderung der Lage sowohl des Flusses Tarim wie auch des Lop-nor, der geradezu ein wandernder See ist. Durch feine Beobachtungen legt er dar, in welcher Weise diese Veränderung noch heutzutage durch den Einfluß von Wind, Sand, Schlamm und Vegetation vor sich geht; durch die Unterstützung des Sinologen K. Himly ist er auch im stände gewesen, aus den chinesischen Quellen den historischen Nachweis von der Veränderung des Seebeckens zu führen, den er durch Kartenskizzen belegen konnte. Ebenso überraschend sind seine Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Takla-makau-Wüste, die auf lebensgefährlichen Reisen zweimal unter großen Entbehrungen und Strapazen gekreuzt wurde; sie führten zu dem glänzenden Ergebnis der Entdeckung zweier Jahrtausende alter buddhistischer Kulturstätten, die allmählich vom Sande verschüttet worden ,finb. Auch bie Uebersteigung des Kwen-lun, bie Durchquerung ber Einöben bes nördlichen Tibet, die nach einer zweimonatlichen Wanderung in einer Höhe von etwa 5000 Meter, ohne daß ein Mensch, ja ein lebendes Wesen zu Gesicht kam, ausgeführt wurde, die Entdeckung der
zahlreichen abflußlosen Seebecken bieten wichtige neue Beiträge zu unserer Kenntnis von Zentralasien.
Einer der wichtigsten Beiträge m dem großen Werke sind die 6 Kartenblätter in 1:1000 000, auf denen Dr. Hassenstein die zahllosen Vermessungen des kühnen Reisenden mit den Aufnahmen aller Forscher in diesen Gebieten verarbeitet hat, so daß die Karte ein genaues Bild von dem jetzigen Stande der Forschung in Zentralasien bietet. Wit Interesse wird auch der Nichtfachmann aus den Begleitworten von Dr. Hassenstein ersehen, wie aus; den 550 Tagebuchblättern allmählich die 6 großen Blätter entstanden, von denen die zusammensetzbaren Blätter 1—3 Ostturkestan, die Wüste Takla-makan und das Lop- nor-Gebiet, Blatt 4 und 5 den Kwen-lun, das nördliche Tibet und das Kuku-nor-Gebiet enthalten, während auf Blatt 6 in drei Abschnitten die Reise durch Alaschan und Ordos dargestellt ist.
Die Veröffentlichung dieser wissenschaftlichen Resultate konnte Dr. Sven Hedin nicht mehr abwarten; bereits im Juni 1899 trat er eine neue Reise in dasselbe Gebiet an, um noch vorhandene Lücken auszufüllen, namentlich in dem verwickelten Stromgebiet des Tarim, seiner jetzigen und früheren Betten und seiner vielen veränderlichen Seen. Diese Aufgabe hat er bereits gelost durch feine Aufnahme des ganzen Tarim-Laufes, den er im Boote verfolgte. Hoffentlich wird es ihm möglich werden, trotz der gegenwärtigen Wirren in China, auch seine weiteren Pläne die Erforschung ber Wüste Takla-makan unb bie Durchquerung von Tibet bis nach Jnbien, zur Ausführung zu bringen. Der Reisenbe befindet sich ja zur Zeit toeit von ben Stätten ber Verwickelungen entfernt, unb es ist bei seinen Erfahrungen unb seinem Takte in ber Behandlung der Eingeborenen zu erwarten, daß er die auch! ihm vielleicht entgegentretenden Schwierigkeiten überwinden und zum Segen der geographisck)en Wissenschaft wohlbehalten sein Vaterland wieder erreichen wird.


