Ausgabe 
28.9.1900 Zweites Blatt
 
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Scheunen reichliche Nahrung gefunden hätte, aus feinen Herd beschränkt blieb. Erst nach ungefähr vierstündiger harter Arbeit konnte jede weitere Gefahr als beseitigt be- trachtet werden.

Bad-Nauheim, 26. September. Vorgestern be­sichtigten der Finanzminister Gn auth, Ministerialrat Wilbrandt und Professor Lepsius unter Führung der hiesigen Badedirektion, die Einrichtung des Bades *unb der Scrline. Wie derWett. Anz." hört, sprach sich der Finanzminister sehr anerkennend über die Fortschritte, die Nauheim in den letzten Jahren gemacht habe, gus. Dem­nächst wird mit dem Neubau eines Badehauses begonnen werden. Von 36 Ladenbesitzern erklärten in einer Ver­sammlung sich 29 durch Unterschrift für d e n Ach tuh r- Ladenschluß. Da zwei Drittel der Ladeninhaber sich für Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses aussprechen müssen, um einen entsprechenden Antrag stellen zu können, wird die Liste bei den Ladeninhabern nächster Tage Zn Umlauf gesetzt werden. An Ladeninhabern haben wir 90 zu verzeichnen, 38 Unterschriften sind bis jetzt vorhanden, sodaß noch ca. 20 Unterschriften notwendig sind, um den Achtuhr-Ladenschluß durchzubringen. Die diesjährige A e p f e l v e r st e i g e r u n g in der Stadt hatte einen gün­stigen Erfolg. So wurden am Montag über -1100 Mark gelöst, ein Ertrag, der seit langen Jahren nicht verein­nahmt wurde.

Darmstadt, 26. September. Die Verhandlungen zwischen der süddeutschen Eisenbahngesellschaft und der Stadt Darmstadt über eine Einigung in der Straßen­bahnfrage wollen keinen Fortgang nehmen. Auf den Vergleichsvorschlag der Regierung, der auf eine von der Stadt an die Gesellschaft zu zahlende jährliche Pauschal­summe von etwa Mk. 8000 hinauslief, wovon die Gesell­schaft alle ihr aus dem Stadtverkehr zufließenden Einnahmen der Stadtkaffe zuführen sollte, ist eine Antwort der Bürger­meisterei bisher nicht eingelaufen. Die Regierung hat infolge dessen in neuerer Zeit sich veranlaßt gesehen, eine abermalige Aufforderung zur Gegenäußerung an die Bürger­meisterei Darmstadt zu richten. Der Vorschlag der Bürger­meisterei auf Ankauf der Dampfbahn durch die Stadt wird von der süddeutschen Eisenbahngesellschaft erst nach einer Entscheidung über das Riedbahnprojekt für dis­kutabel erklärt. Die Umwandlung des Dampfbetriebes in elektrischen, die jetzt wieder aus den Kreisen der Bürgerschaft heraus dringend verlangt wird, ist die Gesellschaft bereit vorzunehmen, sobald sie durch die Zustimmung der Stadt und der Regierung dazu in den Stand gesetzt wird. Die süddeutsche Eisenbahngesellschaft wird demnächst, da die Vor­verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß gelangt sind, die Konzessionen für den Bau der elektrischen Bahn­linien Mainz-Wiesbaden, Mainz-Hochheim und Mainz-Schierstein erhalten und alsbald die Ausführung in Angriff nehmen.

Offenbach, 26. September. Der Kreisausschuß hat -Heute in öffentlicher Sitzung verkündet, daß der Bean­standung des am 25. November v. I. gefaßten Beschlusses der Stadtverordneten, die Bildung der Kommissionen und Deputationen betr., keine Folge zu geben sei. Gründe wurden nicht bekannt gegeben. Den Parteien wird das Urteil schriftlich zugestellt werden.

Mainz, 26. September. Die Neuregulierung des Oktrois soll nun alsbald erfolgen. Mehrere 'Thor- wachen, die doch nur wenig Oktroiverkehr haben, -verden vollständig aufgehoben, ferner verschiedene Nachtposten. Dagegen sollen die Schutzmannsposten auf den Oktroidienst verpflichtet werden, das heißt, dieselben sollen bei fhren Patrouillengängen auf Oktroidefraudanten ihre Aufmerk­samkeit richten und sie anhalten. Außerdem sollen die Strafen für Oktroischmuggel bedeutend er­höht werden. Bis jetzt muß der lofache Betrag ^bezahlt werden; diese Strafe soll auf den 25fachen Betrag erhöht werden. Der erste Teil der Neuregulierung wird hrach Annahme in der.Stadtverordneten-Versammlung sofort zur Einführung kommen, während die Erhöhung der Strafe erst der Genehmigung der Regierung bedarf. Das ver­haftete Ladenmädchen Kerz aus Hechtsheim, das seinerzeit in einem Ladengeschäft in Mannheim bedeutende Dieb­stähle ausführte, hat nunmehr ein umfassendes Geständ­nis abgelegt. Der reelle Wert der gestohlenen und in Hechtsheim gefundenen Waren beläuft sich auf über 2000 Mk. Die Diebstähle wurden in der Weise ausgeführt, daß sich das Mädchen die Gegenstände unter den Kleidern befestigte und auf diese Weise mit nach Hause nahm; jede Woche sandte es alsdann die so gesammelten Gegenstände nach Hechtsheim. In Kisten verpackt sind dieselben sämt­lich nach Mannheim verladen und dem rechtmäßigen Eigen­tümer wieder zugestellt worden. Das prächtige Exem­plar eines Storches hat sich auf einem Hause der Stadt­hausstraße, just wo die H e b a m m e Frau K. wohnt, nieder­gelassen. Frau K. soll die Absicht haben, das zutraulich gewordene Tier als Reisenden zum Besuche ihrer Kund­schaft abzurichten. (

JB r aunfels, 26. September. Eine drolligeVer- wechselung ist dieser Tage auf einem in der Nähe unserer Stadt belegenen Gutshofe passiert. Der dort woh­nende Forstbeamte gab einem ihm unterstellten Kutscher den Befehl, die Maulwurfshaufen zustreuen" Der aus Nordwestdeutschland stammende Beamte meinte damit das Zerstreuen (Auseinanderwerfen) der Hügel, während der Kutscher unter der WorteStreuen" das Düngen .verstand. Daß er dieMaulwurfshügel" düngen sollte, wollte dem Kutscher zuerst nicht in den Kopf; er fragte deshalb noch einmal, erhielt aber nunmehr eine etwas unwirsche Ant­wort, -nach der er so klug war wie vorher. Er begann daher, aus jeden Maulwurfshügel eine Hand voll künst­lichen Dünger zu streuen. Einen vollen Tag hatte er so gearbeitet ü.nd schickte sich an, den folgenden Tag in derselben Weise fortzufahren. Wäre der Brave nunmehr nicht aufgeklärt worden, so hätte er die Maulwurfshügel noch wer weiß wie lange weiter gedüngt.

g. Koblenz, 26. September. Heute fand hier eine Versammlung von Zeitungsverlegern statt, in der besprochen wurde, welche Maßregeln infolge der erhöhten Preise namentlich! des Zeitungspapieres zu er- greistn seien. Es wurde angeregt, in einer größeren, demnächst ftattfindenden Versammlung vorzuschlagen und zu beschließen, daß der Abonnementspreis allge­

mein' um eine Kleinigkeit erhöht werde Besonders wurde betont, daß der R a b a t t schle u d e r e i bei ge- chäftlichen Anzeigen energisch entgegenge­treten werden müsse und daß die Verleger sich tnif Ehrenwort verpflichten müßten, an den aufgestellten Sätzen strengstens festzuhalten.

meine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. DaS Kreisamt Worms macht in einem Rundschreiben an bi» Bürgermeistereien darauf aufmerksam, daß sich in den letzten Jahren eine bedeutende Zunahme der Kindersterblich­keit in dem Kreise und besonders in Worms bemerkbar ge­macht habe. Nach ärztlichem Gutachten sei dies hauptsächlich auf eine unrichtige Pflege und Ernährung der Kinder und auf ein unrichtiges Verhalten der Wöchnerinnen zurück­zuführen. In Worms stürzte sich eine TaglöhnerSfrau von der neuen Brücke in den Rhein. Ein junger Mann aus Hofheim beging aus gleiche Weise Selbstmord. Ein Schiffer suhr ihm nach, um ihn zu retten, aber der Ver­zweifelte stieß den Nachen zurück und verschwand in den Wellen. Der liberale Geistliche, Prediger Neßler, der lange Jahre hindurch freisinniger Abgeordneter im Reichstag gewesen ist, feiexte in stiller Zurückgezogenheit bei seinem Sohne, dem Prediger Neßler in Hanau seinen 70. Ge­burtstag. Am Bahnübergänge bei Heddershausen wurde ein Fuhrwerk vom Zuge übersahren. Alle drei In­sassen des Wagens wurden getötet. Der in der Leid- Hecker Messer assaire in Untersuchungshaft genommene Martin Bischoff ist bereits unter Anklage gestellt, so daß in Kürze die von dem noch nicht 16 Jahre alten Thäter begangene Strasthat vor der Strafkammer zur Aburteilung kommen wirb. In Schlitz fand eine Versammlung der Lehrer des Schützer Bezirksvereins statt. Auch aus den Vereinen Lauterbach und Alsfeld waren Gäste erschienen, Der Landtagsabgeordnete und Oberlehrer Backes aus Darm­stadt berichtete Über seine Thätigkeit im Landtage. Der Bremser Seifert, dem vor einigen Tagen auf dem Salz- schlirfer Bahnhofe ein Fuß überfahren wurde, ist im £anb« krankenhause zu Fulda am Wundsieber gestorben.

Vermischtes.

* Ein ganz besonderes Mißgeschick waltet über den Bemühungen des Generals Grafen Zeppelin und seinem lenkbaren Luftschiff. Mau erinnert siich wie die unfreundlichen Witterungsverhältnisse dem kühnen und energischen Erfinder vor einem Vierteljahr wiederholt einen Streich, spielten; wie die fest angesagte erste Auffahrt immer und immer wieder verschoben wer­den mußte, da Graf Zeppelin das Ergebnis dieses mit Spannung erwarteten ersten Aufstiegs nicht von den Zu­fälligkeiten einer ungünstigen Windgeschwindigkeit ab­hängig machen wollte. Am 2. Juli erfolgte die kaum noch erhoffte Auffahrt, die aber ein eigentliches, ein bestimmtes Urteil ermöglichendes Resultat nicht ergab, weil die eine Steuerung brach, und somit das Luftschiff vorzeitig zum Invaliden wurde. Während des Sommers wurde nun nicht nur dieser Schaden ausgebessert, sondern man nahm auch alle die Veränderungen und Verbesserungen vor, die sich nach dem Rat der Sachverständigen als wünschens­wert herausgestellt hatten. In aller Stille wurde nun der zweite Ausstieg vorbereitet; die Teilnahme des großen Publikums, der neugierigen Masse, erschien unerwünscht, weshalb der Zeitpunkt der Auffahrt nur den Fachleuten, Meteorologen, den militärischen Luftschifferabteilungeu und selbstverständlich auch den Mitgliedern der Luftschiff­fahrtgesellschaft kundgegeben wurde, die das Geld für die kostspieligen Zeppelinschen Unternehmungen herbeige- schaft hatte.' Vor einigen Tagen traf das zur Füllung des Ballonkörpers notwendige Gas in Friedrichshafen ein, das für vierzehn Tage, also für mehrere Aufstiege, aus­reichen sollte. Wie bei der ersten Auffahrt kam auch dies­mal Prof. Dr. Hergefell, der Leiter des meteorologischen Instituts in Straßburg, ferner Hauptmann v. Sigsfeld von der Luftfchifferabteilung in Berlin, Baron Bassus aus München nach Manzell, um dem Grafen Zeppelin bei­zustehen, und ihre ivi Sommerlbegonnenen Beobachtungen und Untersuchungen fortzusetzen. Die Mitglieder der Luft­schiffahrtgesellschaft waren auch bereits fast vollzählig in Friedrichshafen eingetroffen, und am Dienstag früh gingen ein Offizier und sechzig Mann von Weingarten, der nächsten württembergischen Garnisonstadt, nach Frie­drichshafen ab, -um bei der Füllung und dem Aufstieg zu helfen, der am Mittwoch! vormittags stattfinden sollte. Da brachen an dem Ballonkörper einige Aufhäng­ungen, deren Wiederherstellung mindestens vierzehn Tage in Anspruchs nimmt. Dann aber, gegen Mitte Ok­tober, herrschen auf dem Bodensee die von den Schiffern gefürchteten undurchdringlichen Nebel, und es ist kaum zu hoffens daß im diesmaligen Herbst diese.Nebelbildungen auf der See fläche von seinen Vorgängern eine Ausnahme machen werden, damit wäre dann der so lange geplante zweite Ausstieg bis zum nächsten-Frühjahr hinausgeschoben. Die während des Sommers an dem Luftschiff vorge­nommenen Veränderungen bestehen im Wesentlichen darin, daß anstatt der hinteren Seitensteuer ein einziges Mittel­schliffsteuer angebracht ist, daß ferner der die beiden Gondeln verbindende Laufsteg ersetzt wurde durch einen starken, mit dem Ballonkörper fest verbundenen Aluminiumbalken, und daß die Enden des Luftschiffes entlastet wurden, indem dort die Laufgewichte wegfielen. Die beiden Gondeln sind jetzt telephonisch miteinander verbunden.

* Barcelona, 26. September. DerCorreo Cata­lan" berichtet von folgendem Gaunerstreich, der sich würdig" 'den Schwindeleien anreiht, die von hier mit den sattsam bekannten Schatzgräberbriefen getrieben wer­den. Ein angeblicherFreund des Sultans" telegraphierte an die türkische Regierung, es werde ein M o r d a u f a ll aufden Sultan geplant und bereits seien einige Anar­chisten nach Konstantinopel abgegangen; wenn man ihm, der diese Verbrecher kenne, 4500 Franken zur Reise nach Konstantinopel schicke, werde er das Verbrechen vereiteln und die Verbrecher zur Bestrafung bringen helfen. Die türkische Regierung telegraphierte sofort an den türkischen Generalkonsul in Barcelona, dem braven Manne 4500 Fr. in Aussicht zu stellen, wenn es gelungen wäre, die Mord­kerle zu fangen. DerFreund des Sultans" nahm die 4500 Franken schmunzelnd in Empfang, aber die 2000 zu verdienen, darnach zeigte er kein Verlangen.

w Anglücksfakl auf der Jagd. Wie aus Hohenthann bei Aßling berichtet wird, wurde Rechtsanwalt Dr. Möß- mer II. von München auf der Hühnerjagd von seinem Bruder, Rechtsanwalt Dr. Mößmer III., durch einen Schuß in den Schenkel schwer verletzt. Er mußte mittelst Trag­bahre nach Hohenthann gebracht werden.

* Petersburg, 26. September. Wie ein sibirisches Blatt mitteilt, hat kürzlich auf der Transbaikalbrücke der ost- sibirischen Eisenbahn eine Zugentgleisung stattgefunden. 20 Waggons wurden zertrümmert, IlSoldaten eines aus der Reise nach Ostasien begriffenen Schützenregiments getötet und viele verwundet. Die Untersuchung hat er­geben, daß die Schienen losgeschraubt waren, was die Ent- gleisung hervorrief.__________________

Universität und Hochschule.

Der Chirurg und Wiener Universitätsprofessor Hofrat Albert ist auf der Sommerfrische in seinem Geburtsorte Senftenberg in Böhmen an Herzschlag gestorben.

Zum ersten Direktor des neu zu errichtenden Reichs-Limes- Museums auf der Saalburg wurde der bisherige Konservator des Römisch-Germanischen Museums zu Mainz Ludwig Lindenschmit er­nannt, zum zweiten Direktor Professor Karl Schuhmacher, bisher Direktorial-Asfistent der Großherzogl. Sammlungen für Altertums- und , Völkerkunde in Karlsruhe. Aus Heidelberg schreibt man: Pro- feffor Dr. Fürbringer-Jena> der frühere Assistent und nunmehrige Nachfolger Karl Gegenbaurs, wird hier erst zu Ostern seine Lehrthätig- keit eröffnen. Die anatomischen Vorlesungen und Hebungen wird in seiner Vertretung kommendes Wintersemester, wie diesen Sommer, der a. a. Professor Dr. Maurer abhalten. Weiter wird aus Heidelberg gemeldet: Wie verlautet, hat Professor Dr. Henry Thode einen Ruf an die Universität Berlin als Nachfolger Hermann Grimm's erhalten. Aus Leipzig wird geschrieben, daß der a. o. Profeffor Le Blanc dem an ihn ergangenen Ruf der Technischen Hochschule Karlsruhe folgeleisten wird. In Philadelphia ist Dr. Alfred Stille, Pro­fessor für innere Medizin an der Pennsylvania-Universität, gestorben.

Profeffor Dr. Ziehen in Jena siedelt nach Utrecht über. Es ist ihm dort eine ordentliche Profeffur für Psychiatrie übertragen, weiter wird ihm ein Laboratorium nach seinen Wünschen eingerichtet, und eine große Klinik für seine Beobachtungen zur Verfügung gestellt.

Kunst und Wissenschaft.

Halle, 25. September. Gestern eröffnete Virchow die erste Sitzung des deutschen Anthropologenrongresses in der Aula der Universität mit einer Ansprache, in der er des hervorragenden Hallenser Anatomen Johann Friedrich Meckel gedachte, eines der frucht­barsten Entdecker auf dem Gebiete der Pathologie. Sodann hielt der Ortsgeschäftsführer Museumsdirektor Dr. Förtsch, Major a. D. und Stadtrat, dem Gebrauche der Gesellschaft folgend, eine Rede, in der er sich über die vorgeschichtlichen und frühgeschichtlichen Verhältnisse der Provinz Sachsen verbreitete.

In Leipzig ist, wie die medizinische Wochenrundschau Medico mitteilt, soeben ein Verband der «terzte Deutschlands zur Wahr­ung ihrer wirtschaftlichen Jntereffen gebildet worden. Der Verband will hauptsächlichgegen die dem Aerztestande durch die Krankenkassen­gesetzgebung erwachsenen und noch drohenden Gefahren ankämpfen". Vorsitzender ist Dr. Hartmann-Leipzig.

Gerichtssaal.

Darmstadt, 26. September. Das Schwurgericht verur­teilte heute unter Ausschluß der Oeffentlichkeit den Dienstknecht A l l - mann aus Steinau wegen Sittlichkeitsverbrechens, be­gangen an einer Schwachsinnigen, zu 2y2 Jahren Gefängnis. Die Ge­schworenen hatten mildernde Umstände angenommen. Gleichfalls unter Annahme mildernder Umstände wurde die 23 jährige Dienstmagd Elise Berg st räßer aus Darmstadt wegen Kindestötung zu 3*/$ Jahren Gefängnis verurteilt.

Berlin, 26. September. Der gestern zu einem Monat Gefängnis verurteilte Redakteur derGermania" K o n tz e n hat seinen Verteidiger beauftragt, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Christiania, 26. September. Vor dem hiesigen Gericht fand das Verhör von 7 Italienern, unter denen sich Dr. Cavalli befand, in der Angelegenheit der verschwundenen Mitglieder der Expedition des Herzogs der Abruzzen statt. Die Verhörten erklärten, die Ver­schwundenen, Querini, Ollier und Stocken, hätten, wie die anderen Sonder-Expeditionen Instrumente, Gewehre, Munition und Lebensmittel auf 10 Tage für sich und 10 Hunde gehabt. Am 22. April wurden 3 Norweger als Hilfsexpeditiou ausgeschickt. Dieselben kehrten am 10. Mai zurück, ohne eine Spur gefunden zu haben. Eine weitere Hilfs­expedition unterblieb. Cavalli glaubt, die Verschwundenen seien verun­glückt und hält es für zwecklos, eine weitere Untersuchung anzustellen. Bei dem Antritt der Heimreise wurden Vorräte aller Art zurückgelassen, für den Fall, daß die Verschwundenen znrückkehrten. Ein Gleiches ge« chah auch an der südlichen Spitze von Franz Josephs-Land.

Arbeiterbewegung.

New-Aork, 27. September. Der Erzbischof von Philadelphia war nach New-Z)ork gekommen, um einen Ausgleich zwischen den aus­ständigen Bergarbeitern und den Präsidenten der Eisenbahn-Gesellschaften herbeizuführen. Seine Mission ist jedoch vollständig gescheitert, da beide Parteien keinerlei Zugeständnisse machen wollen.

Neueste Meldungen.

TelephottischeMeldnugerrdesGießeuerAuzeigerS.

Gotha, 26. September. Die Sozialisten erränge» in Woltershausen das 9. Landtagsmandat. (Der gothaische Landtag setzt sich im ganzen aus nur 19 Mitgliedern zusammen^ D. Red.)

Pretoria, 26. September. Die Hauptmasse der Buren- streitkräfte, bei der sich Schalk Burger und Billiers be- finden, scheint sich an einem Punkte östlich von Pietermaritz­burg zusammenzuziehen. Die Gegend ist sehr ungesund für größere Menschenmaffen. Eng von Buschwald umschloffen wird es den Buren unmöglich sein durchzubrechen, weil starke eng­lische Streitkräfte die Bahnlinie besetzt halten.

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Berlin, 26. September. In einer gestern Abend statt­gehabten Versammlung wurde der Schriftsteller Ledebur als sozialistischer Kandidat für die Reichstags-Ersatzwahl im 6. Berliner Wahlkreise nominiert.

London, 27. September.Daily Mail" meldet aus Rom: Die italienische Negierung beabsichtige eine Aus­gabe von 250 Millionen Francs zur Anschaffung von Kriegsschiffen zu machen.

London, 27. September. Die Wahl-Campagne nimmt in sämtlichen Blättern die erste Stelle ein. Die öffentliche Meinung scheint sich durchaus den Liberalen zuzuwenden. In Batherston wurde der konservative Redner nicht einmal zu Wort gelassen und von der Menge bedroht.