Ausgabe 
28.7.1900 Erstes Blatt
 
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gestattet, während der übrigen Zeit verboten werden solle. ' Unter der BezeichnungTrottoirs" sind allgemein die Fußwege bis zur Gosse begriffen, ohne Unterschied, ob dieselben erhöht und geflüstert sind oder nicht.

Tie vorliegenden Gesuche um Konzession zum Wirt­schaftsbetrieb: Carl Rühl (Brandgasse 7), Jos. Rüsing (An den Bahnhöfen 80), Cd. Riemer (An den Bahnhöfen 40), werden durch Bejahung der Bedürfnisfrage hinsicht­lich des Branntweinausschanks befürwortet. Dagegen sah sich die Versammlung in Uebereinstimmung mit der Kom­mission mit Rücksicht auf die vielen Wirtschaften in der Neustadt nicht veranlaßt, das Konzessionsgesuch der Ensa- bethe Sorgenfrei für das Haus Neustadt 14 zu befür­worten. Das Bedürfnis zum Ausschank von Branntwein wurde ebenfalls als nicht vorliegend erachtet bei dem Ge­such des Jos. Münker (Bismarckstraße 8); dagegen er­klärte die Versammlung, daß sie gegen den Verkauf von Branntwein über die Straße nichts einzuwenden habe.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 27. Juli 1900.

** Stipendium. Studierende der Theologie, die sich um eines der am 1. Oktober d. I. frei werdenden Stipendien der Hessischen Lutherstiftung bewerben wollen, werden ausgefordert, ihre Gesuche bis zum 10. August d. I. bei dem Schriftführer des Vorstandes, Dekan Wahl in Hausen, einzureichen. Die Hessische Lutherstistung ist bestimmt, solche Studierende der evangelischen Theologie, die sich verbindlich machen, der hessischen Landeskirche zu dienen, und sich durch erwiesene Tüchtigkeit würdig gezeigt haben, durch Stipendien bei ihrem Studium, vorzugsweise bei solchem aus der Landesuniversität zu Gießen, zu unterstützen. Die Stipendien betragen 350 Mk. bezw. 700 Mk., und werden in der Regel aus zwei Jahre verliehen.

* Der historische Verein für das Großherzogtum Hessen unternahm am 18. d. M. seinen dritten Sommerausflug nach Mainz zum Besuch der Gutenberg-Ausstellung. Bewunderung erregte neben der vortrefflichen Anordnung die außerordentlich gute Erhaltung der alten Denkmäler, von denen eine große Zahl den beiden Mainzer Bibliotheken, Stadtbibliothek und Seminarbibliothek, gehört. Aus unsrem Lande hatten sich außerdem beteiligt aus Darmstadt das Großh. Haus- und Staatsarchiv, das Museum und die Hofbibliothek, ferner die Universitätsbibliothek zu Gießen und die Stadtbibliothek in Worms. An Nach­folgern Gutenbergs waren außer Fust-Schöffer und des letzteren Familie durch Druckwerke u. a. noch folgende ver­treten: Aus Mainz: Joh. Neumeister, Erh. (Reuwich) von Utrecht, Jak. Meydenbach, Peter Friedberg, Friedrich Heu­mann, Peter Jordan, Franz Behem, Balth. Lipp, Mayer- Häffner ; aus Oppenheim: Jakob Kübel; aus Worms: Peter Schäffer, Seb. Wagner, Gregor Hofmann und Math. Kranz­bühler. Auch die ersten Drucke Darmstadts (Balthas. Hof­mann 1606) und Gießens (Casp. Chemlin 1610) fehlten nicht. Die großartige Ausstellung des Kunstgewerbe-Museums zu Berlin, des Buchgewerbe-Museums zu Leipzig, der Im- primerie Nationale zu Paris, der Firmen Holzhausen-Wien und Drugulin-Leipzig leitete über zu der Technik der Neu­zeit, der die weiten Hallen des Akademiesaales und der an­stoßenden Räume zugewiesen waren. WaS in Buchdruck und anderen Vervielsältigungsversahren (Holzschnitt, Auto­typie, Heliogravüre, Zinkätzung, Chromolithographie, ins­besondere Farbendruck jeder Art) heutzutage geleistet wird, hatte man hier in mustergültiger Weise und in solchen Massen zur Ausstellung gebracht, daß der Eindruck geradezu ein überwältigender war. Die Staatsdruckereien von Berlin, Wien, Paris, St. Petersburg und Lissabon waren hier durch ihre besten Leistungen vertreten, und die ersten Firmen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns standen an der Spitze der übrigen Aussteller. Von hessischen Buchhand­lungen die die Ausstellung beschickten, sind Diemer-Mainz, Kirchheim-Mainz, Koch-Darmstadt, Roth-Gießen und Schott-Mainz zu nennen, von hessischen Buchdruckereien außer den Mainzern (Falk, Herzog, Mayer, Verlagsanstalt Oelhafen, Prickarts, Theyer und v. Zabern) Brühl'sche Universitäts-Buchdruckerei Gießen, Hohmann- Darmstadt, Wittich-Darmstadt. Daß in der Nähe der Stadt, in der der erste gegossene Buchstabe das Licht der Welt erblickte, auch heute noch der Schriftgießerei Pflege zugewandt wird, zeigte die großartige Ausstellung der Rud- hardschen Gießerei, C. Klingspor in Offenbach. Welch weiten Weg aber der Buchdruck auf maschinellem Gebiete seit Gutenberg zurückgelegt hat, wurde klar vor Augen ge­führt, als man zum Schluß noch einen Blick aus die Scbnellpressen neuester Konstruktion und die Setzmaschinen warf und damit die im oberen Stockwerk aufgestellte alte Handpresse verglich.

* Dr. in^.-Promotionsordnuug. Nach der soeben im Druck erschienenen Promotions-Ordnung für die Erteilung der Würde eines Doktor-Ingenieurs durch die Technische Hochschule in Darmstadt ist die Pro­motion zum Doktor-Ingenieur an folgende, von dem Be- Werber zu erfüllende Bedingungen geknüpft: 1. Die Bei- bringung des Reifezeugnisses eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums oder einer deutschen Oberrealschule. Welche Reifezeugnisse noch sonst als gleichwertig mit den vorbezeichneten Reifezeugnissen zuzulassen sind, bleibt der Genehmigung des vorgeordneten Ministeriums Vorbehalten. 2. Den Ausweis über die Erlangung des Grades eines Diplom-Ingenieurs an einer der nachbenannten deutschen Technischen Hochschulen: Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Karlsruhe und Stuttgart. 3. Die Einreichung einer in deutscher Sprache abgefaßten wissenschaftlichen Abhandlung (Dissertation), welche die Be­fähigung des Bewerbers zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten aus technischem Gebiete darthut. Dieselbe muß einem Zweige der technischen Wissenschaften angehören, für welchen eine Diplomprüfung an der Technischen Hochschule

besteht. Die Diplomarbeit kann nicht als Doktordiffertation verwendet werden. 4. Die Ablegung einer mündlichen Prüfung. 5. Die Entrichtung einer Prüfungsgebühr im Betrage von 240 Mk. bei Angehörigen des Deutschen Reiches, und von 400 Mk. bei Ausländern. Die Pro­motionsordnung umfaßt im ganzen 12 Paragraphen, in denen die Einreichung des bez. Gesuches, die Prüfung rc. geregelt werden.

** O, diese Hitze! Diese Klage kann man jetzt bis zum späten Abend tausendfältig vernehmen. Erst kvinnte man es bei der ewigen Kühle und Nässe nicht warm genug kriegen und zürnte der alten Mutter Sonne, daß ie sich fortwährend in ihrem Wolken-Boudoir verbarg, und nun seufzt und stöhnt man, daß man etwas von seiner tarken Leiblichkeit abschmoren soll. Na, allerdings, was 'zsu viel ist, ist zuviel, und wahr ist noch immer der Spruch, daß man sich weit eher gegen Kälte schützen, als vor der Hitze retten kann. Einzig und allein die biertonnenumfäng­lichen Jünger des Gambrinus scheinen sich bei der Som­merglut zu amüsieren. Jetzt ist der langersehnte Mo­ment gekommen, wo sie ungezählte Stangen Pilsener, un­gezählte Krüge Münchener, ungezählte Schoppen Lager­bier, ungezählte Kännchen Lichtenhainer durch ihre ewig durstende Kehle sickern lassen können. Die spindeldürren Temperenzler halten sich in der heißen Zeit vornehmlich an Äas Element, das schon der alte Dr. Pindar aus Theben für das Beste erklärt hat, an das Wasser. Ein Genuß­mittel ist allerdings selbst der klarste, kühle Pumpen­heimer nicht, doch wird mancher durstgequälte Wanderer auf den Bergen oder auf der Landstraße die Wohlthat eines einfachen Trunkes Wasser empfunden haben. Und nun erst die Leute, die bei der heißen Jahreszeit draußen in Wald und Flur körperliche Arbeiten verrichten; nun auch erst die Soldaten, Die bei sengender Sonneuglut, bei Staub und Pulverdampf dem Feiude kühn die Stirn bie­ten! Das Suchten nach einem lebenden Quell zur Stillung des Durstes ist das Motiv zu mancher schönen Sage ge­worden. Heute aber bietet nicht blos der idyllische Sprudel im Walde oder am Bergesrande oder der gegrabene Brun­nen durstlöschende Labung, sondern wir haben bequem, reichlich und in immerhin kühler Temperatur die Wasser­leitung, der wir jederzeit ein Glas Wasser zu einem ein­fachen Arunk loder Meiner. Limonade abzapsen könnep. Und nun Prosit!

Bad-Nauheim, 25.Juli. DieN. Hess. Volksbl." brachten gestern über unser Bad ein längeresEingesandt", in dem wir folgende u. E. sehr richtigen und sehr bemerkenswerten Ausführungen finden:

. Auch die Maßnahmen der Badedirektion finden zum Teil beim Publikum recht wenig Anklang, z. B. die ohne ersichtlichen Grund erfolgte Erhöhung der reichlich hoch bemeffenen Kur­taxe von 12 auf 15 Mk. Die Mißstimmung des Badepublikums fand gelegentlich eines Konzerts der amerikanischen Kapelle Sousa auf ihrer Durchreise nach Paris vor einigen Wochen in nicht sehr schmeickel- hafter Weise Ausdruck, als die Kurgäste die Terraffe abgesperrt fanden und nur gegen die Bezahlung von 2 Mk. Zutritt erhielten. So zwang man das Publikum, für nichts weniger als hervorragend künstlerische Darbietungen einen relativ hohen Eintrittspreis zu zahlen. ... So hatten wir in voriger Woche den zweifelhaften Genuß, ein angeblich aus Mitgliedern des Karlsruher Hoftheaters bestehendes gemischtes Doppel- iQuartett, das unter der BezeichnungAlemannia" die Badeorte unsicher macht, zu hören. Diese Vereinigung hatte das kläglichste Fiasko zu verzeichnen und mußte unter dem vernichtenden Zischen des Publikums das Podium verlassen. Auch die Konzerte des Kurorchesters geben vielfach zu Beanstandungen Anlaß. Obgleich numerisch selbst den größten Badekapellen gleichstehend (das Streichquartett zählt 16 Violinen, 4 Bratschen, 4 Celli und 4 Kontrabässe), sind doch die Leistungen von künstlerischem Standpunkt wenig befriedigend. Dazu läßt die Wahl der Programme viel zu wünschen übrig. Die neuere Orchester-Litteratur findet außer banalen Polkas, Mazurkas und sonstigen nichtssagenden Kinkerlitzchen, gar keine Berücksichtigung.....

Auf einen weiteren Mißstand soll schließlich noch hingewiesen werden, der als in einem vornehmen Badeorte herrschend, schon längst Gegen­stand gerechter Verurteilung seitens der Kurgäste gewesen ist. Durch den Kies, der die Terrasse bedeckt, ist bei der gegenwärtigen trockenen Witterung ein mitunter unerträglicher Staub die unaus­bleibliche Folge. Diesem Uebelstande könnte durch Asphaltierung der Terrasse leicht abgeholfen werden. Diese Mißstände find nicht ge­eignet, die Frequenz des Bades zu heben, und die Badedirektion sollte alles aufbieten, die Wünsche der ziemlich verstimmten Kurgäste zu berücksichtigen, Bad-Nauheim dürfte sonst den Zenith seines Ruhmes überschritten haben."

xx Nidda, 26. Juli. Gestern nachmittag bemerkten Vorübergehende am Ufer der Nidda unterhalb der Kröten­burger Mühle einen kompletten Herrenanzug am Boden liegen. Da wegen der Nähe der Landstraße, und der ge- fahrlichen Stellen der hier langsam fließenden Nidda ein Einheimischer nicht zu baden pflegt, so mutmaßte man als­bald, daß ein Fremder hier verunglückt sei. Aus er­hobene Anzeige wurden zunächst die Kleider untersucht, in denen sich ein größerer Geldbetrag, Uhr usw. sand. Tie Legitimation lautete aus einen Reisenden aus Lüdenscheid, namens Stern, der schon seit Jahren hier Geschäfte macht. Man suchte den Fluß ab, aber zuerst ohne Erfolg; erst als man heute früh die Arbeit wieder ausnahm, ländete man den Leichnam. Die Arme waren krumm gezogen, was aus Krampf schließen läßt. Die Fremden bedenken nicht, daß unsere Gebirgsflüsse in ihrem Oberlauf stets durch den Zufluß von Quellwasser immer einige Grade kälter sind, als größere Flüsse.

xx Wallernhauseu, 25. Juli. Ein Landwirt aus Unter-Schmitten, der Wiesendung aus eine Waldwiese hiesiger Gemarkung fuhr, sand, durch einen penetranten Leichen­geruch aufmerksam gemacht, eine anscheinend schon längere Zeit an einem Baum aufgeknüpste männliche Leiche, die schon ganz in Verwesung übergegangen war. Man fand bei ihr eine Taschenuhr, ein Messer, etliche Psenmge Geld und einige Taschentücher. Ueber die Persönlichkeit des Selbstmörders fehlt jeder Anhaltspunkt, da die Gesichts­züge nicht zu erkennen sind.

)( B l e i ch e n b a ch, 26. Juli. Gestern fuhr ein hiesiger Landwirt mit seinem 12 jährigen Jungen in das Feld, um Klee zu hvlen. Sense und Rechen lagen auf dem Wagen, und der Junge saß sorglos auf dem Sitzbrett. Plötzlich zogen die Kühe an, und der Junge stürzte rück­lings in die verkehrt liegende Sense. Der Oberschenkel wurde glatt durchschnitten, und es stellte sich eine be­deutende Blutung ein. Ein zufällig anwesender früherer Spitalpfleger konnte die erste Hilfe leisten.

Mainz, 25. Juli. Eine i n te r cf ff an fee E n t - s ch e i d u n g hat das Kreisamt gefällt. Vor einiger Zeit fand' bei hen Bäckermeistern hier eine Brotrevision statt, bei welcher das zu leicht befundene Brot durch die Polizei konfisziert wurde. Daraufhin hat die Bäcker­innung in einer Beschwerde an das Kreisamt hervor­gehoben, daß nach der Gewerbeordnung die Polizei nicht berechtigt sei, in alle Gewerbslokale der Bäckermeister und Ladenverkäufer einzudringen, um das Brot auf sein Ge­wicht zu prüfen. Wenn die Polizei eine Nachwiegung vor­nehmen wolle, so müsse sie das Brod vor dem Nachwiegen durch Ankauf erwerben. Die Bäckerinnung hat sich in ihrer Beschwerde hauptsächlich auf die §§ 73 u. 74 der Gewerbeordnung berufen. Das Kreisamt hat der Bücker- innung ein Antwortschreiben zugehen lassen, und in dem­selben die Ansicht der Bäckerinnung als nicht zutreffend bezeichnet. Den Ausführungen entnehmen wir folgendes: Durch Art. 3 des Gesetzes vom Oktober 1871, betreffend den Uebergang zu dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich, ist ausdrücklich bestimmt, daß die Strafbestimmungen des Polizeistrafgesetzbuches für Uebertretungen der §§ 73 und 75 der Gewerbe-Ordnung in Anwendung kommen. Dieser Artikel besteht also, entgegen Ihrer Annahme, noch zu Recht. Nach dem Polizeistrafgesetzbuch ist nun bestimmt, daß Bäcker, in deren Geschäftslokalen zu leicht gebackenes Brot sich befindet, in Strafe verfallen, abge­sehen von der Konfiskation des Brotes. Die Polizei ist sonach befugt, in sämtlichen Räumen, in denen das Bäckerei­gewerbe betrieben wird, Revisionen anzustellen, ohne daß diese Befugnis auf die Verkaufsräume beschränkt ist. Da also die Polizeibehörde auch in denjenigen Gewerbslokalen, in denen ein Verkauf von Backwaren in der Regel nicht stattfindet, Revisionen durch Nachwiegen anstellen kann^ so folgert daraus, daß neben der Kontrolle, die das kaufende Publikum selbst ausüben kann, die Polizeibehörde auf daH Nachwiegen des gekauften Brotes nicht beschränkt ist, sondern daß sie, ohne als Kundin aufzutreten, daK Gewicht der Backwaren prüfen kann."

Frankfurt a. M., 26. Juli Im Zoologischen Garten ist nächsten Sonntag der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pfg.) ermäßigt. Nachmittag und Abend ist Doppel-Konzert der Garten­kapelle und der Bockenheimer Husaren, und um 6 Uhr wird Käthchen Paulus die am 1. Juli wegen schlechten! Wetters unterbliebene Luftballon-Auffahrt unternehmen. Fräulein Paulus will es'noch einmal versuchen, ihren neuen Fallschirm-Ballon, der bei der Auffahrt im Mai nicht richtig funktionierte, in der Weise zur Anwendung zu bringen, daß er nach ihrem Willen sich in der Höhe ent­leert und ihr dann als Fallschirm zum Landen an be­liebigem Ort bient.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten- In Oftheim wurden gegen 100 Mk. zur Unterstützung der deutschen Truppen in China gesammelt.__

Vermischtes.

* Eine Studentenfahrt zum Besuch der Pa­riser Weltausstellung wird von Berlin aus am 3. August abends in einem Sonderzuge angetreten, Dort sammeln sich auch die Kommilitonen aus Leipzig und Halle, um gemeinsam die Reise zu machen. In Köln,, wo der nächste Tag Der Besichtigung der Stadt gewidmet ist, schließen sich die Teilnehmer aus den übrigen deut­schen Universitätsstädten an. In Paris ist ein offizieller Empfang seitens des Reichskommissars, Geheim­rat Richter, vorgesehen, und auch die deutsche Kolonie wird die akademische Jugend ihres Vaterlandes bewillkommnen. Die Führung in Paris übernehmen französische Studenten, die durch ihren Vertreter, den Vorsitzenden der Associa­tion des etudiants de Paris in überaus liebenswürdiger Weise dendeutschen Kameraden" Gastfreiheit zugesichert haben. Fünf Tage sind zum Besuch der Ausstellung, ein! Tag zur Fahrt nach Versailles bestimmt. In echt studenti­scher Weife wird in Versailles ein Frühschoppen veran­staltet. Ein feierlicher Empfang wird am 7. August int Deutschen Hause der Ausstellung stattfinden, ferner witd von feiten der französischen Studenten ein Gartenfest ge­plant. An der Spitze des aus Dozenten und Studierenden; gebildeten Komitees steht Professor Lassar.

Universität und Hochschule.

Man schreibt aus Heidelberg: Gleich Professor Bieder. mann-Jena hat auch Professor Hoffmeister-Straßburg den an chn ergangenen Ruf auf den durch Geh.-Rat Willy Kühnes Tod ver­waisten Lehrstuhl der Physiologie an hiesiger Umversität ab gelehnt. In Hannover verstarb der Professor der Mechanik an der tech. Nischen Hochschule, Geh. Regierungsrat Keck, im Alter von 59 Jahren. Keck ist Verfasser eines Lehrbuchs über Mechanik, außerdem war er längere Jahre Redakteur der Zeitschrift des Architekten« und Ingenieur- Vereins. Vor seiner Berufung -um Lehrstuhl war er als Eisenbahn, Ingenieur in verschiedenen Stellungen thätig. In Hannover dozierte er seit 1871.

Kunst und Wissenschaft.

Dresden, 24. Juli. Der sechste deutsche Gabelsberger Stenographentag beriet in seiner heutigen Sitzung über ver­schiedene Dtatuten-Äenderungen. Die Aenderung des NamenS in .Deutscher Stenographen-Bund Gabelsberger" wurde ge­nehmigt. Ferner wurde beschlossen, Wanderredner anzustellen, die zur Gründung von Vereinen Vorträge zu batten Haden. Zu Vor- sitzenden wurden gewählt: Dr. Gaster-Stralsund zum ersten, Obers levrer Dr. Abnert-Oschatz zum zweiten und Domotkar Jofipb Alteneder zum dritten. Heutevachmittag fand ein gemeinschaftlich.! Ausflug nach Meißen statt. _____________________________

Meräüm

In so geschmackvoller als gediegener Ausstattung erschienen soeben Gesammelte Erzählungen und Märchen von Goethe. (Stuttgart, Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. HZ" Em glücklicher Gedanke, Goethes kleinere novellistische Erzeugnisse, die in seinen Werken zerstreut und teilweise ziemlich ver­borgen stehen, in einen Strauß zu binden, und sie so, zierlich geordnet, dem Publikum darzureichen, ist von dem inzwischen verstorbenen Heraus­geber, General-Musikdirektor Hermann Levi, mit Sachkenntnis und Geschmack durchgeführt. Die Stücke, in der Stilart sehr verschieden, teils voll jugendlicher Anmut, teils ernst und bedächtig, bieten in der Zusammenstellung zu einem Ganzen eine gewisse lieber; raschung; es ift, als ob uns ein neuer Goetheband in die Hand ge­geben würde. Das hübsche Buch wird umsomehr freudige Aufnahme finden, als der Preis, elegant gebunden nur 3 Mk beträgt.