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28.3.1900 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 28. März

Zweites Blatt

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* Deutsches Reich und Welfeutum.

Gießen, 27. März 1900.

Die im Jahre 1866 depossedierten Fürstengeschlechler haben sämtlich ihren Frieden mit der Krone Preußen ge­macht bis auf das durch den Herzog Ernst August von Limberland in Deutschland vertretene Haus Hannover. Wer will einen Stein werfen auf den König Georg, der sein legitimes Recht verteidigte, bis ihn in fremder Erde, in der französischen Hauptstadt, der Tod abberief zu seinen großen Ahnen! Wer kann mit dem Herzog von Cumber- llmd, dem Sohne Georgs V. rechten, weil er, angeblich eitern seinem Vater gegebenen Versprechen gehorchend, nicht frriwillig Verzicht leisten will auf seine Rechte auf den hamnoverischen Thron! Und muß man nicht, vom rein mrnschlichen Standpunkte aus betrachtet, die höchste Ehr­furcht haben vor diesem Fürsten, der um jenes Versprechens halben, um das Legitimitätsprinzip hochzuhalten, Verzicht leifftcl aus die ihm zustehenden Rechte der Ausübung der Regierung im Herzogtum Braunschweig, die ihm niemand fhwtig machen kann! Daß auch das hannoverische Volk noch immer in Liebe und Anhänglichkeit seines angestammten Ftrstengeschlechtes gedenkt, muß jedermann anerkennen, der da noch an Treu' und Glauben sich gebunden fühlt. Aber trotz alledem hat man auch mit dem Laufe der Zeiten, mit bei geschichtlichen Ereignissen zu rechnen. Das deutsche Ruch ist gegründet auf einer festen Basis, die sich nicht mhr erschüttern läßt und unverändert bleiben muß. Preußen lärm gegenüber Hannover allein die Errungenschaften des Jthres 1866 nicht ungeschehen machen; es ist mit denselben in daS deutsche Reich eingetreten, und eine Wiederabtreunung der annektierten Landesteile würde nur möglich sein unter der Voraussetzung der Zertrümmerung des preußischen St«atS bezw. des deutschen Reichs, und eine solche wird teiri deutscher Patriot herbeiwünschen können.

Daß die Zeit die größte Versöhnerin ist, lehrt die Ge­schichte im großen und im kleinen, und so, hegt man denn schon seit längerem die Hoffnung, daß auch zwischen der Sinne Preußen und dem Herzoge von Cumberland die Brucken bald wieder aufgebaut werden. Die Thronfolge in Braunschweig wird demnächst akut, es ist bereits viel darüber geschrieben worden, aber noch immer herrscht völliges Dunkel betreffs der endgiltigen Lösung. Deshalb darf man auch nicht unbedingt denjenigen glauben, welche eine Thronbesteigung deS Prinzen Georg Wilhelm, des ältesten Sohnes Ernst August von Cumberland, für ganz ausge­schlossen halten. Ein Schritt zur Versöhnung dürfte auch in der soeben publizierten Verlobung der ältesten Tochter des Herzogspaares von Cumberland, Prinzessin Marie Luise, mit dem präsumtiven Thronfolger von Baden, dem Prinzen Maximilian, zu finden sein. Bei den engen ver- lvamdschaftlichen Beziehungen zwischen Karlsruhe und Berlin Birb einer Annäherung der Weg leicht geebnet werden lön nen, und deshalb hat diese Verlobung auch größere Be­deutung über die engen Grenzen hinaus. Jeder Ausgleich von Gegensätzen, die noch innerhalb des deutschen Reiches bestehen, kann von jedem Vaterlandsfreunde nur lebhaft be­grüßt werden, und insbesondere in diesem Falle, wo vor­aussichtlich weite Volksschichten ihre Sympathien voll und gmz der Krone Preußen zuwenden würden, während sie jcht noch grollend abseits stehen, hätte eine Aussöhnung len größten Wert. Hoffen wir, daß diese Erwartungen in krsilllung gehen zum Segen des großen deutschen Vater- !mds!

Zum Transvaal Krieg.

In derSüdafrikanischen Zeitung" lesen wir: it dem Eintritt der Engländer in unser Gebiet be­ginnt der

Grrillerakrieg

im großen wie im kleinen. Kein Land in Afrika bietet bicrzu solch vortreffliche und zahlreiche Gelegenheiten, wie lie beiden Buren-Republiken. Als beste Gefechtstruppen sind- berittene zu betrachten, und die Engländer verfügen »ich über eine stattliche Anzahl von dieser Gattung, aber in einem Kriege auf Transvaalgebiet werden sie gerade nur ausreichen, um die Massen von Infanterie und Ar- tillerie vor plötzlichen Ueberfällen der Guerillabanden zu Dietzen. Zu selbständigen Operationen dürfte die britische Kavallerie dann schwerlich noch Verwendung finden. Jeder -in ein fremdes Land dringende Feind hat mit Terrain- ßchv'ierigkeiten zu rechnen, während sie dem Verteidiger ine wertvollste Unterstützung bieten, zumal wenn er sich fcni n so gut auskennt, wie der Bur. In jedem Distrikt Äramsvaals und des Oranje-Freistaats ist eine Anzahl orts­

kundiger Farmer vom Heeresdienst aktiv ausgeschlossen worden, um, im Fall sich der Krieg nach ihrer Gegend zieht, als Führer der Landsleute zu dienen. Der Orientierungs­sinn der Buren ist anerkannt verblüffend; sind obendrein noch Führer vorhanden, die jeden Weg und Steg in dunkelster Nacht unfehlbar finden, so sind das nicht hoch genug zu veranschlagende Momente für die schnellste Be­weglichkeit unserer Truppen. Vermöge dieser hervorragen­den Terrainkenntnis unserer Leute können wir in kürzester Zeit bald hier, bald da Streitkräfte vereinigen oder aus­einander ziehen, sodaß der Feind nie recht wissen wird, woher ein Schlag zu erwarten ist und wohin er selbst einen Schlag führen kann. Der in der europäischen Presse ausgetauchte Gedanke, daß die Engländer ohne viele Schwierigkeiten nach Pretoria marschieren könnten, ent­spricht der Unkenntnis unseres Landes. Und selbst, wenn es den Engländern gelingen sollte, eine größere Truppen­macht nach Pretoria zu werfen, so hätten sie damit wenig gewonnen. Pretoria ist vorzüglich befestigt, und auf ein Jahr verproviantiert, und seine Festungsgeschütze aller- neuester Konstruktion (25 und 28 Zentimeter) würden die englischen Feldgeschütze bald zum Schweigen bringen. Alles das käme jedoch für einen englischen Mißerfolg nicht so sehr in Betracht, wie die Verproviantierung der englischen Belagerungsarmee in Pretoria von der Küste her. Die Deckung einer solchen Linie gehört zu den Unmöglich- feiten, zumal man damit rechnen muß, daß die Hauptmacht der Buren nie, selbst in der stärksten Festung sich nicht fest­setzen würde; starke Trupps werden bald hier, bald da einen plötzlichen Angriff ausführen und, so schnell wie sie gekommen sind, auch wieder verschwinden. Wir Buren können einen solchen KrieZ jahrelang aushalten, und die Engländer? Der Feldzug 1880/81 hat es bewiesen, daß sie es nicht können, ohne die Truppen einer gänzlichen De­moralisation auszusetzen."

Ein neuer Neutralitätsbruch Oesterreichs.

lieber die Lieferung österreichischer Ge­schütze für die englische Regierung, über die wir bereits kurz telegraphisch berichtet haben, liegen noch folgende ausführlichere Meldungen vor: DieOstd. Rundsch." erhält ans St. Veit an der Glan in Kärnthen einen Drahtbericht, daß am Mittwoch dort auf der Staats­bahn 22 Waggons der Skodascheu Waffenfabrik in Pilsen, die 45 Kanonen enthalten sollen, nach Triest durchliefen. Abgeordneter Dr. Lemisch, der in St. Veit seinen Wohnsitz hat, verlange sofort drahtlich vom Ministerpräsidenten die Beschlagnahme dieser Sendung. Das Blatt fügt hinzu, sein Herausgeber, der Abgeordnete Wolf, habe aus Pilsen gleichfalls eine vertrauliche Mitteilung erhalten, daß von der Skodaschen Fabrik eine größere Geschützsendung nach Triest gehen werde. Wolf ersuchte den Minister gleichfalls um Aufhaltung der verdächtigen Lieferung.

Weiter wird noch aus Wien gemeldet: Von vielen Stationen, die der aus Pilsen kommende Sonderzug mit Kanonen und schwerem Geschütz aus der Skodaschen Fabrik durchläuft treffen Drahtmeldungen ein mit dem Hinzu- fügen, daß diese Sendung für England mit dem Ziele Süda frika bestimmt s vi. Die Sache erregt beträchtliches Aufsehen. Andererseits wird aber auch die Vermutung ausgesprochen, daß die Kanonen für die öster­reichische Marine bestimmt seien und nach Triest oder Pola gehen.

Wie verlautet, soll die Angelegenheit zum Gegenstand einer Interpellation im Abgeordnetenhause gemacht wer­den. Tas wird wenig nützen. Während die Geschütze sängst auf dem Meere schwimmen, salviert sich die österreichische Regierung mit einer gewundenen, halben Erklärung, wie seiner Zeit bei der Interpellation über die Pferdeliefer­ungen nach Südafrika. Vielleicht hätten die Abgeordneten Lemisch und Wolf auch besser gethan, den Vorfall nach Brüssel an den Staatssekretär Dr. Leyds zu melden, und es ihm zu überlassen, die weiteren Maßregeln zu ergreifen.

EnglischeHumanität".

Der nachfolgende Brief eines gefangenen Buren an Bord der vor Kapstadt liegendenCatalonia" liefert eine neuerliche Illustrierung der hochgerühmten englischen Humanität. Der Brief, welcher mit großer Mühe durch­geschmuggelt ist, lautet wie folgt:

Wir haben an Bord der TransportschiffeManilla" undCatalonia" etwa einen Monat lang das schrecklichste Elend gelitten. Furchtbar beklommen eingepackt in einem Zwischendeck, kärgliche und hundsgemeine Nahrung und lauwarmes Wasser, um uns morgens zuerfrischen". Nach einer solch elenden, dumpfigen, halb erstickenden Nacht keinen Platz, um seinen Körper.oder seine Kleider zu waschen, und nach 12 Uhr mittags gab's außer scheußlichem Trinkwasser überhaupt kein Wasser mehr. Schon um 9 Uhr abends trieb man uns vom Deck hinunter in die Schlaf­höhlen bis morgens um fünf; bann aber stürmte alles nach oben, um der Pestluft zu entrinnen. Die lieber- bringung von derManilla" auf dieCatalonia" sollte

eine Verbesserung fein, doch war sie derartig, daß wir mit etwa 450 Mann in ein Zwischendeck gezwängt wurden, und erst nad) einem regelrechten Aufruhr gab man uns ein zweites hinzu. Auch ich, der ich mir sonst ziemlich viel gefallen lasse, war über diese niederträchtige, wahrhaft tierische Behandlung derart empört, daß ich sogar in der Gefangenschaft Bajonette und Revolver auf die Brust ge­richtet gehabt habe, nämlich, als wir uns mit Gewalt ein anderes Zwischendeck erobern wollten. Ich stand vorn unter den ersten mit den Klingen vor der Nase. ES hätte natürlich nur eines einzigen Schlages gegen das Gewehr bedurft und der Tommy wäre überwältigt worden; doch glücklicherweise tarnen die Kommandierenden herbei und bewilligten unser Ersuchen um' mehr Raum. Wenn wir dies nicht bekommen hätten, würden wohl manche der Unserigen heute nicht mehr unter den Lebenden fein. Herr de Witt Hamer, Mitglied des Volksraads, erhielt auf eine Anfrage nach Pretoria, um uns auszuwechseln, von der Transvaal- Regierung die Antwort:Auswechselung nicht möglich, aber nicht unsere Schuld".

Nachträgliches z« Cronjes K pitnlatio».

Ans Bloemfontein wird unter dem 20. März tele­graphiert :Reuters Korrespondent wird ersucht, folgende authentische Darstellung der Umstände, unter welchen Ge­neral Cronje am 19. Februar bei Koodoosrand Drift um einen Waffenstillstand ersuchte, zu geben.Als Cronje durch einen Abgesandten mit einer weißen Fahne um einen Waffenstillstand von 24 Stunden erfueben ließ, um seine Toten begraben zu können, antwortete Lord Kitchener und nicht Lord Roberts, der 'jeden Augenblick aus Jakobsdal erwartet wurde. Lord Kitchener antwortete, es sei un­möglich, dem Ersuchen Folge zu leisten, da man die Ankunft des Generalkommandanten abwarten müsse. Als die Sache Lord Roberts gleich nach seiner Ankunft berichtet wurde, sandte er sofort eine Antwort, in der er die Forderung des Waffenstillstandes abschlug. Darauf sandte Cronje eine Erwiderung, die in Folge einer unrichtigen lieber- setzung den Glauben erweckte, daß er sich ergeben wolle. Als ihm nun Lord Roberts sagen ließ, er möge wegen der Kapitulation selbst zu ihm kommen, zeigte der Buren- generat durch feine Antwort, er habe nicht die Absicht, zu kapitulieren, daß ein Mißverständnis vorgefallen war. Hierauf ordnete Lord Roberts nicht Lord Kitchener, wie ursprünglich gemeldet wurde die Wiederaufnahme des Bombardements an.

Lokales und Vrovnyielles.

(«rwrryme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 27. März 1900.

** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 80 Jabrev, am 28. März 1820, Narb zu Hall in Tirol der Tiroler Volkse Held Joseph Speckbacker. Er war neben Hofer die Seele bt8 Aufstandes tat Jahre 1809, in welchem Tirols Gebirgssöhne von den Berghöhen dad ficher treffende Rohr auf die Franzosen und Bayern richteten, um Gut und Bkut für die Sttt'n und Gewöhn heilen der Väter zu wagen. Speckbacher batte sein Heil in der Flucht gesucht, er würde sonst das Schicksal Hofers geteilt haben.

** Ordensverleihung, Charaktererteilung. Seine König­liche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 26. März d. I. dem Landtagsabgeordneten Fabrikanten Nikolaus Reinhardt zu Worms das Komturkreuz 2. Klaffe, dem Stadtverordneten, Medizinalrat Dr. Friedrich Salzer zu Worms, sowie dem Professor Heinrich Boos zu Basel das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Vorsitzenden der Ministerialabteilung für Bauwesen, Freiherrn Maximilian v. Biegeleben das Ritterkreuz 1. Klasse, dem Geheimen Oberbaurat Hermann Jmroth die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe, dem Ge­heimen Oberbaurat Karl Hofmann, dem Wafferbauin- pektor Baurat Moritz Reinhardt, dem Direktor der ver­einigten Nürnberger und Augsburger Maschinenfabriken mit der Zweiganstalt Gustavsburg, König!. Bayerischen Baurat Anton Rieppel, dem Ingenieur und Teilhaber der Baufirma Grün & Bilfinger, August Grün zu Mann­heim das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht,.am 26. März dem Kommerzienrat Wilhelm Josef Dieudonnö Valcken- berg zu Worms den Charakter alsGeheimer Kommerzien­rat", dem Bürgermeister Heinrich Köhler zu Worms den Charakter alsOberbürgermeister", dem Direktor der Aktien­brauerei Karl Werger zu Worms den Charakter als Kommerzienrat" zu erteilen.

* Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Fleschenbach, Kreis Lauterbach, mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.